Klimastreik: Weil seit Jahrzehnten zu wenig Energie-, Umwelt- und Klimapolitik gemacht wird!

Es ist einfach, aber nicht leicht. So sagt es Marcel Hänggi in seinem Buch «Null Öl. Null Gas. Null Kohle.» Der CO2-Ausstoss muss (raschmöglichst) runter auf «netto null». Weil die fossilen Energien vor allem in reichen Ländern omnipräsent sind, ist dies nicht leicht. Die weltweiten Klimastreiks, inspiriert durch Greta Thunberg, verlangen eigentlich bloss das, was seit Jahrzehnten klar ist. Die Mehrheit der Menschen aus etwa zwei Generationen hat bis jetzt diese Botschaft nicht umgesetzt – und ist möglicherweise auch darum von den Forderungen der Jugend nach #Klimanotstand, #NettoNull2030 und #Klimagerechtigkeit im Minimum irritiert.

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«I want you to panic!» – Schöne Climate Fiction zum Umgang mit der Klimakrise: gleichzeitig auch ein Wahlkommentar

Greta Thunberg, eine bald Siebzehnjährige aus Schweden, hat die Diskussion und Handlungsabsichten zur Klimapolitik auf die städtischen Plätze und damit in die Öffentlichkeit gebracht. Weil die offensichtliche Klimakrise Handlungen erfordert, die die Gesellschaft aus dem Trott der Gewohnheiten aufrüttelt, ist «PANIC!» angebracht, damit für die Zukunft schöne Geschichten entstehen können. Eine der Empfehlungen von Greta Thunberg: macht das, was die Wissenschaft sagt!

Die Botschaften sind eigentlich schon lange bekannt: Wenn wir zum Beispiel mit dem Verbrauch von Erdöl und Erdgas so weiter machen wie bisher, hat dies erhebliche Auswirkungen auf den Planeten und damit auch auf die Menschen, die auf diesem Planeten leben. Bekanntlich sind Prognosen schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Die Wissenschaft arbeitet mit «Wenn-Dann»-Szenarien – und viele dieser Szenarien haben apokalyptischen Charakter insbesondere für das Leben, damit auch der Menschen, auf diesem Planeten. 

Es gibt mindestens zwei Möglichkeiten zur Reaktion: Menschen erachten diese Szenarien als Panikmache, und sehen keinen Handlungsbedarf. Oder Menschen nehmen diese Szenarien als Warnhinweis, als Druck auf den «Panik»-Knopf, und sind bereit, das zu tun, was zum Beispiel die Wissenschaft empfiehlt: «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» (Weltklimarat IPCC, 2018). Offensichtlich ist, dass diese Veränderungen ohne System Change nicht zu haben sind – was die Menschen, die die erste Reaktionsmöglichkeit bevorzugen, in ihrer wenig zukunftsgerichteten Haltung bestärkt.

Greta Thunberg hat die Klimakrise nicht erfunden – seit mindestens 30 Jahren ist einer immer grösseren Gruppe von Menschen klar, dass es so nicht weitergehen kann. Greta Thunberg hat die Stimmen dieser Menschen lauter, hörbarer gemacht. Nochmals, aus eigener dreissigjähriger Erfahrung: die Stimmen dieser Menschen waren da, die Umstände haben allerdings nur zugelassen, dass diese Stimmen sich leise flüsternd äussern konnten. Selbst wenn die Klimastreiks von Greta Thunberg kampagnenartig verstärkt sein sollten: es gibt den von Menschen gemachten Klimawandel, dieser führt zu einer Klimakrise, zu einem Klimanotstand – und wenn wir dies wollen, können wir die Klimakrise abwenden oder zumindest abschwächen.

Was zu tun ist, ist bekannt: so rasch als möglich ist der Verbrauch fossiler Brenn- und Treibstoffe auf Null zu reduzieren. Dies ist sowohl technisch möglich wie volkswirtschaftlich sinnvoll. Und ganz simpel: wer dies anders sieht, steht in einer mehr oder weniger direkten Abhängigkeit von der fossilen Misswirtschaft! Diese Abhängigkeit hat auch Stimmen geweckt, die jetzt mit lauter gewordenen Stimmen dafür sorgen wollen, dass die Abhängigkeit von den fossilen Brenn- und Treibstoffen erhalten bleibt.

Suffizienz/Verzicht, Effizienz und Konsistenz sind gefordert – nach dreissig Jahren liberaler, wenig zielgerichteter Energie- und Klimapolitik ist deutlich mehr erforderlich, im Sinne der Wiederholung braucht es «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» (Weltklimarat IPCC, 2018). Freiwilligkeit, Anreize, gesetzliche Bestimmungen, neue Technologien, Forschung – es muss in allen Bereichen der Gesellschaft alles dafür getan werden, von den fossilen Energien wegzukommen und auf eine umfassend und nachhaltig ausgerichtete Versorgung mit ausschliesslich erneuerbaren Energien zu setzen, mit Synergien für viele andere gesellschaftliche, soziale, ökologische und ökonomische Herausforderungen auf dem Weg in die Zukunft.

Viele Climate Fiction orientiert sich an den möglichen Apokalypsen – wir brauchen mehr schöne Climate Fiction, die das Gelingen vieler offensiven Klimaschutz-Wege darstellen.



Das Wahlergebnis der Nationalratswahlen mit der deutlichen Sitzzunahme insbesondere für die grünen Kräfte ist mit Sicherheit eine schöne Climate Fiction.

Klimakrise und Klimanotstand erfordern eine andere Welt als heute. Zitat aus einem meiner Blogbeiträge: Im Werk «Die Grosse Transformation. Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels» – herausgegeben von Uwe Schneidewind, begleitet von der Internetsite zukunftskunst – werden die erforderlichen Veränderungen als «moralische Revolution» (nach Appiah, 2011) bezeichnet.

Weiter mit dem Zitat:

Eine solche «moralische Revolution» läuft üblicherweise in fünf Phasen ab:

  1. Ignoranz – Problem wird nicht gesehen
  2. Anerkennung, aber kein persönlicher Bezug
  3. Anerkennung des persönlichen Bezugs, aber Nennung von Gründen, warum kein Handeln möglich ist
  4. Handeln
  5. Im Rückblick: Unverständnis, dass die alte Praxis je bestehen konnte

Ende Zitat

Die SVP steckt voraussichtlich grossmehrheitlich in Phase 1, FDP und CVP stehen möglicherweise im Übergang von Phase 2 zu Phase 3, die SP und sicher die Grünen und die Grünliberalen stehen mehr oder weniger ausgeprägt in Phase 4. Ob sich wohl die Parteistärken vom 20. Oktober 2019 in Phasenanteile der Bevölkerung umdeuten lassen?

Die Reaktionen der SVP lassen keinen Lerneffekt – weder aus den Klimastreiks/Klimademos noch aus dem Wahlergebnis – erkennen. Im Gegenteil: bei der SVP versammeln sich offenbar die Kräfte, die unbedingt alle Veränderungen richtig fossilfreie Gesellschaft verhindern wollen. Da ist zu befürchten, dass hier die rechtsnationale Szene versuchen könnte, eine Gelbwesten-Sache zu inszenieren. Zu beachten dabei ist, dass nicht nur die SVP ignoriert, dass die Anpassung an den Klimawandel erhebliche Kosten zur  Folge haben werden, die nicht nur von den Betroffenen zu bezahlen sein werden. PS: Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sind die Kosten für die Klimaanpassung deutlich höher als die Kosten für den Klimaschutz. 

FDP und CVP suchen in ihren Klimapolitiken nach wie vor den Kompromiss. Was allerdings meint dies genau? Geht es um politische akzeptierte Kompromisse zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen und Schlussfolgerungen zur Klimakrise. Oder geht es um Kompromisse, die den Umfang von Klimaschutz und Klimaanpassung betreffen? Oder sollen vor allem Dinge unternommen werden, die einen Beitrag zum inländischen BIP und damit vor allem für die Wirtschaft erbringen? Stichworte wären dann «Business as usual» mit neuen derzeit noch nicht vorhandenen Technologien oder Schwerpunkte bei der Erforschung von Technologien für die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre (wie typischerweise in vielen Bereichen der bisherigen Klima- und Umweltpolitik bei der Symptom- statt der Ursachenbekämpfung). Zentral wird sein, ob es gelingt, den mit »Liberalismus

Es wird also in nächster Zeit darum gehen, auch in der Schweiz zu verankern, dass «Weg von den Fossilen» eine moralische Revolution erfordert – mit Aussicht auf viele Erfolgsgeschichten der «Zukunftskunst» auf persönlicher und unternehmerischer Ebene!

Das Wahlergebnis vom 20. Oktober ist somit ein wichtiger Schritt – es braucht noch viele viele solcher Schritte mit viel schöner Climate Fiction!

 

Nicht nur in der Klimapolitik: News-Diät oder Willensgesellschaft?

Etwa 36 Prozent der Menschen in der Schweiz gelten als als News-Deprivierte. Sie sind mit News unterversorgt oder betreiben News-Abstinenz, möglicherweise angelehnt an die von Rolf Dobelli postulierte radikale News-Diät. Dazu kommt, dass «globale» News einfacher den Zugang zu den News-KonsumentInnen finden als lokale Nachrichten. Gerade im Zusammenhang mit der Klimapolitik: versteht sich unsere Gesellschaft immer noch als Wissensgesellschaft, orientiert sie sich weiterhin an Fakten oder doch lieber an Fakes und Lügen?

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Menschenrecht Klimaschutz: endlich ernsthaft!

Eine der Reaktionen auf die Klimastreiks und Klimademos ist das Warmluft-Gelabber von liberalen Ansätzen und Eigenverantwortung. Im Umweltbereich funktioniert dies seit 30 Jahren nachweislich nicht – auch für den Klimaschutz bringt dies kaum etwas. Da geht es also um «illusioliberale» Dinge. Woran zeigt sich dies?

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Klimanotstand: Demokratie und EnkelInnen-Zukunft

Die Stimmberechtigten der Stadt Zürich haben sich im November 2008 mit einem Ja-Stimmenanteil von 76.4 Prozent für die zukunftsgerichtete 2000-Watt-Gesellschaft entschieden. Die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft – eine Tonne Treibhausgasemissionen pro Person und Jahr im Jahr 2050, 2000 Watt mittlere Primärenergiedauerleistung pro Person – galten damals als visionär. Weiterlesen

Klimanotstand: «System Change» statt Warmluft-Wahlpropaganda

«Alu sammeln ist gut, Alu meiden besser». Schon Anfangs der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts war offensichtlich, dass Umweltpolitik nicht Symptombekämpfung sein sollte, sondern an den Ursachen möglicher Umweltbelastungen anzusetzen hat. Der Klimanotstand – seit etwas mehr als einem Jahr allgegenwärtig – illustiert diese mindestens vierzig Jahre alte Erkenntnis treffend. Letztlich geht es darum, das bezeichnende Wort «Entsorgung», hin und wieder auch «Entsorguns» geschrieben, durch Denken und Handeln in geschlossenen Kreisläufen – von der Wiege zur Wiege oder «Cradle-to-Cradle» C2C – abzulösen. Dies ist ein eindeutiger «System Change» – und darum in gewissen Kreisen vehement bestritten oder mindestens schön geschwatzt.

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Weihnachtsbeleuchtung – Bahnhofstrasse Zürich: Lucy in the Sky with Diamonds illustriert den Rebound-Effekt

  Bilder und Kommentare zur Weihnachtsbeleuchtung “Lucy in the Sky with Diamonds” in der Zürcher Bahnhofstrasse
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Schnell mehr Klimaschutz für eine gelingende Zukunft

Zur gelingenden Zukunft gehört eine Welt mit vielen Veränderungen gegenüber dem heutigen Zustand. Ein Aspekt ist, dass diese Welt mit gelingender Zukunft ohne fossile Brenn- und Treibstoffe auskommt (auch ohne Atomenergie). Wenn wir dies wollen, ist dies zu erreichen – im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung, die soziale, ökonomische und ökologische Aspekte im Sinne der Zukunftsfähigkeit berücksichtigt. Dies ist seit mindestens dreissig Jahren klar, auch wenn diese Botschaft nicht überall die notwendige Resonanz bewirkt hat. Die Klimastreiks ausgehend von Greta Thunberg haben mehr Aufmerksamkeit für den Klimaschutz bewirkt, verbunden allerdings mit einer eigenartigen Gegen-Warmluft-Produktion.

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Schweiz: Es ist mehr für den Klimaschutz zu tun – auch bei den Gebäuden

Das Bundesamt für Umwelt hat die CO2-Statistik 2018 veröffentlicht. Die CO2-Emissionen aus dem Verbrauch von Treibstoffen sind unverändert hoch, die CO2-Emissionen aus dem Verbrauch von Brennstoffen sinken zwar, aber eindeutig zu schwach. «Um die Klimaziele des Übereinkommens von Paris zu erreichen, ist eine Abnahme der fossilen Energien unumgänglich« schliesst die Medienmitteilung des BAFU – eine zu offene Formulierung.

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NettoNull2030: Achtung, fertig, los!

Wenn wir die Klimakrise auf ein für die Menschheit akzeptables Niveau begrenzen wollen, bedeutet dies, dass wir bis 2030 Netto Null CO2-Emissionen zu erreichen haben. Dieses Klimaschutzziel setzt die Vorgabe des Weltklimarates IPCC aus dem Jahr 2018 – schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft – um. Es ist erstaunlich, dass etwa Medien gegen bestens naturwissenschaftlich begründete Vorgaben polemisieren, am 2. Juli 2019 ein Beispiel der offenbar von der fossilen Energie-Misswirtschaft abhängige Tages-Anzeiger, mit Schlagzeilen wie «Die linke Forderung ist eine Illusion». Dabei ist schon lange klar: wenn wir wirklich wollen, sind auch schnelle, weitreichende und beispiellose Klimaschutzziele bestens umsetzbar! Es heisst also: Achtung, fertig – und jetzt los!
PS: «wir» meint in diesem Zusammenhang speziell die Schweiz – ein reiches Land mit einem eher hohen Treibhausgas-Fussabdruck hat eine besondere Verantwortung beim Klimaschutz.

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Klimaschutz: Die Zukunft beginnt ab jetzt

«NettoNull2030» ist eine der Klimastreik-Forderungen von Fridays4Future, konkretisiert von den Scientists4Future: die Nettoemissionen von Treibhausgasen (insbesondere CO2) müssen sehr rasch sinken und in den nächsten 20 bis 30 Jahren weltweit auf null reduziert werden (um mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Erwärmung von 1,5 °C nicht zu überschreiten). Dies stimmt überein mit den am 8. Oktober 2018 vom Weltklimarat IPCC veröffentlichten Schlusssfolgerungen: Die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C erfordert schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft. Schnell, weitreichend, beispiellos: dies ist eine echte Herausforderung für alle Bereiche der Gesellschaft, wie insbesondere die Reaktionen der «Erwachsenen» auf die Klimastreik-Forderungen der Kinder, Jugendlichen und (jungen) Erwachsenen zeigen.

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