Werbung für Werbung: in einer Imagekampagne behauptet die Firma Clear Channel unter anderem, allein am Flughafen (Zürich Kloten) hätten deren Werbeflächen sechsmal mehr BesucherInnen als Mona Lisa, das weltbekannte, im Louve ausgestellte Gemälde von Leonardo da Vinci. Nun, zum Bild von da Vinci wollen die Menschen hin, an den Werbeflächen im Flughafen müssen sie vorbei, wenn sie – für welche Zwecke auch immer – durch den Flughafen gehen.
Viele Menschen nutzen im Internet Gratisangebote wie Google oder Facebook. Die sehr grossen Unternehmen hinter solchen Gratisangeboten finanzieren sich vor allem über Werbeeinnahmen! Auch die Newsportale vieler AnbieterInnen sind werbefinanziert. Die Kunst bei der Benutzung des Internets besteht unterdessen vor allem darin, vor lauter Werbeüberflutung das zu finden, was eigentlich gesucht wird! Die schnelleren Datennetzwerke werden zu einem erheblichen Teil durch die massiven Datenmengen, die für Werbeeinblendungen benötigt werden, gebremst. Ich habe bei diversen solchen Seiten nachgerechnet: neben den eigentlichen Inhalten und den Navigationsabschnitten stehen 75 und mehr Prozent der Datenmengen, die zur Darstellung einer Seite erforderlich sind, in Zusammenhang mit Werbung. Wie für den Papierbriefkasten gibt es auch für das Internet Werbestopp-Add ons. Ist dies ein schlechter Tipp? Denn: wenn ein grosser Teil der Internet-NutzerInnen solche Add ons installiert, sinkt die Attraktivität dieses Werbeangebots, und solche Angebote werden weniger nachgefragt, was die Einnahmen der Seitenanbieter, bis hin zu Google und Facebook, reduziert. Ich bleibe trotzdem bei meiner Empfehlung, solche Werbeblocker zu installieren!
Nicht nur im Internet nimmt Werbung sehr viel Raum ein. Auch im Aussenraum wird immer wieder versucht, die Möglichkeiten zur Platzierung von Werbeflächen zu steigern, und dabei gleichzeitig deren Aufmerksamkeitswert zu steigern. In der Stadt Zürich etwa wurde am 8. August 2013 ein Test mit neuen Werbeanlagen – Screens und Leuchtdrehsäulen – auf öffentlichem Grund bekanntgegeben. Eine Anfrage des grünen Gemeinderats Matthias Probst zu diesem Versuch wurde kürzlich vom Stadtrat beantwortet. Matthias Probst fragte unter anderem, wie sich die neuen Werbeträger mit dem Grundsatz der 2000-Watt-Gesellschaft vereinbaren liessen. Die Antwort des Stadtrates bezieht sich ausschliesslich auf die ökologischen Aspekte der Werbemittel im engeren Sinn – die Werbewirkung, durchaus mit starken Bezügen zur 2000-Watt-Gesellschaft (zum Beispiel Autowerbung an ÖV-Haltestellen), wird nicht in die Überlegungen einbezogen. Ob da noch die Standpauke des Zürcher Regierungsrates in dieser Frage nachwirkt?
Der massiv übergrosse ökologische Fussabdruck kann nur durch eine Vielzahl von Massnahmen in allen Lebensbereichen vermindert werden. Die Verminderung der Nachfrage nach Gütern gehört mit dazu. Werbung schafft unter anderem Nachfrage nach Gütern, für die kein wirklicher Bedarf besteht.
Suffizienz, LOVOS weisen auf andere Möglichkeiten hin. Uta von Winterfeld hat in einem Gedenkbeitrag zum Tod von Christiane Busch-Lüty, Ehrenvorsitzende der Vereinigung für ökologische Ökonomie, dazu festgehalten: Womöglich hätte ihr jedoch mehr Spaß gemacht, die Suffizienz schalkhaft gegen den Strich zu bürsten: Eines Tages wird Frau Keuner gefragt, wie sie es denn mit der Suffizienz halte. „Nun ja“, antwortet Frau Keuner, „so recht einleuchten will sie mir nicht. Wieso soll ich plötzlich auf etwas verzichten, das ich eigentlich noch nie haben wollte?“ In leicht abgewandelter Form steht dieses Zitat auch in einem Blogbeitrag unter dem Titel Werbefreiheit – ein Schritt zur Umsetzung suffizienter Lebensstile von Jan-Henning Korte. In Friedrichshain-Kreuzberg (Berlin) haben die BewohnerInnen die Initiative ergriffen und verlangen, dass Aussenwerbung, die zum Konsum materieller Güter auffordert, verboten wird. Sie haben dazu ein „Amt für Werbefreiheit und Gutes Leben“ gebildet. Von dieser Internet-Seite stammt – als Ausschnitt aus dem Satz „Niemand soll immer mehr haben wollen müssen.“ – der Titel meines Blogbeitrags.
Die Debatte über Werbeverbote – etwa für Alkoholgetränke und Tabakprodukte – ist uralt. Als wesentliches Argument gegen Werbeverbote wird jeweils angeführt, Werbung trage zur Ankurbelung der Nachfrage bei. Nachfrage insbesondere nach Gütern vergrössert in der Tendenz den ökologischen Fussabdruck, und kann in keiner Art und Weise als nachhaltig bezeichnet werden. Die gegenwärtige Werbung leistet somit kaum einen Beitrag zur Nachhaltigkeit, selbst dann, wenn Produkte angeboten werden, deren ökologische Bilanz vorteilhafter ist als die zu ersetzenden Produkte – weil in vielen Fällen der Verzicht auf das Produkt die bestmögliche Lösung wäre!
Auch beim Verzicht auf Werbung für den Konsum materieller Güter gäbe es nach wie vor genügend Werbegegenstände, zum Beispiel für KandidatInnen und Parteien bei Stadt- und Gemeinderatswahlen!
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Der Regierungsrat führt seinen verqueeren Gedankengang noch weiter aus: Solche [Suffizienzgebote und entsprechende Verbote] würden die Entwicklung des Kantons Zürich in einem zum heutigen Zeitpunkt kaum zu rechtfertigenden Ausmass beeinträchtigen. Auch der Kanton Zürich ist analog zur Entwicklung der Schweiz weiterhin auf nicht-nachhaltigem Kurs. Auch die ZürcherInnen und Zürcher haben (wie viele andere selbstverständlich) mit dazu beigetragen, dass am 22. August 2012, am so genannten „Earth Overshoot Day„, die Menschheit alle Ressourcen aufgebraucht hat, die die Erde einem Jahr bereit stellen kann (siehe dazu auch mein Blogbeitrag „Zornigere Grünere„). Auch hier wieder: zusammen mit anderen wohlhabenden Bewohnerinnen tragen die ZürcherInnen übermässig zu diesem deutlich übergrossen ökologischen Fussabdruck bei.
Suffizienz ist schon lange ein Thema, selbst in meinem Blog gehen die ersten Beiträge dazu auf das Jahr 2004 zurück: Wirtschaftswachstum? Nein! Suffizienz ist angesagt! Mit seiner Antwort gibt der Regierungsrat zu erkennen, dass er als einzigen gesellschaftlich relevanten Indikator das (zynische) BIP betrachtet – und damit dafür plädiert, noch mehr Verschwendung zu betrieben, so richtig auf Oekosau zu machen.
Der Hinweis auf das „freiheitliche Gesellschaftssystem“ trägt mit zu dieser zynischen Haltung des Regierungsrates bei. Freiheit hat immer Rechte und Pflichten, Freiheit muss verdient sein. Klar ist auch, dass die eigene Freiheit immer Auswirkungen hat auf die Freiheit anderer – die goldene Regel der Ethik, beispielsweise in der Formulierung des Kantschen Imperativs „tue andern nur das an, was Du bereit bist zu akzeptieren, wenn andere es Dir antun“ ist immer zu respektieren und umzusetzen. Nach wie vor ist die übermässig nicht-nachhaltige Schweiz abhängig von Atomenergie und fossilen Energieträgern – und hat noch keinen glaubwürdigen Weg zu einer nuklear- und fossilfreien Energiezukunft beschlossen, im Gegenteil. Wie bereits mehrfach gezeigt, ist etwa der gesamte Komplex Atomenergienutzung nicht mit einem demokratischen Rechtsstaat zu vereinbaren, und auch die Nutzung von fossilen Energieträgern als Brenn- und Treibstoffe ist alles andere als nachhaltig. Zur Illustration: am 30. August 2012 war zu lesen, dass im Golf von Mexiko ein „gigantisches“ Ölfeld entdeckt wurde, mit „bis zu 400 Millionen Fass Öl„. Zur Klarheit: dieses „gigantische“ Ölfeld verlängert die Reichweite der bekannten Erdölvorräte gerade mal um viereinhalb Tage – dieses Öl reicht in der Schweiz beim aktuellen Verbrauch für etwa viereinhalb Jahre. Im Übrigen: die Erdölförderung im Golf von Mexiko hat vor etwa zwei Jahren erheblich für Schlagzeilen gesorgt.
Gerade das „freiheitliche Gesellschaftssystem“ MUSS die Suffizienz fördern – weder die Abhängigkeit der Schweiz von endlichen Ressourcen noch die globalen Bedingungen zur Nutzung endlicher Ressourcen dienen der Freiheit. Auch der Kanton Zürich muss sich darauf einstellen, dass nicht mehr das BIP, sondern das globale Wohlergehen das Mass aller Dinge ist.
Bereits propagiert wurde der Lebensstil der bewussten Suffizienz: LOVOS – Lebensstil der freiwilligen Einfachheit. Mit seiner Antwort bestreitet der Regierungsrat die gesellschaftliche Legitimität dieses Lebensstils, auch wenn es sich um einen freiwilligen Lebensstil handelt, weil „freiwillig einfacher“ eine BIP-vermindernde Wirkung hat. Definitiv: die Antwort des Regierungsrat hat ein absurdes Verständnis eines freiheitlichen Gesellschaftssystems. Der Regierungsrat beabsichtigt offenbar, die Menschen zum Überfluss zu zwingen, selbst wenn diese dies nicht wollen! Einfach ein Beleg mehr dafür, dass der Zürcher Regierungsrat nicht wirklich zukunftsgerichtet ist, um es wohlwollend auszudrücken.
Als Wiederholung, Suffizienz, LOVOS als Lebensstil freiwilliger Einfachheit gehört die Zukunft, unabhängig davon, was der Zürcher Regierungsrat beabsichtigt!
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Die abstrusen Diskussionen über die Zukunft von Rating-Agenturen erinnert fatal an die Mythologie: da wurden die Überbringer schlechter Botschaften bestraft. Auch Rating-Agenturen machen Erwartungsaussagen über die zukünftige Entwicklung, beziehen dabei eine zwar grosse, aber letztlich endliche Zahl von Indikatoren ein. Solche Ratings stellen die aus Sicht der Rater wahrscheinlichste Entwicklung aus einer Reihe möglicher Szenarien („Wenn-Dann-Entwicklungen“) dar. Ratings oder Prognosen können also nur ein Element der Meinungsbildung sein. Wenn Ratings zu massiven Ausschlägen der Wirtschaftsentwicklung führen, liegt die Ursache dafür nicht beim Rating, sondern bei den Instabilitäten der Volkswirtschaft. Wer Rating-Agenturen einschränken will, ist auf der Stufe der Volkswirtschafts-Märchen angekommen und will offenbar nicht zur Kenntnis nehmen, dass nicht einmal das Finanzsysten nachhaltig ist.
Dass die Euro-Schwäche zu einer für die Schweizer Wirtschaft unerfreulichen Entwicklung führt, zeigt auf, dass trotz unterschiedlichen Währungen die Volkswirtschaften eng miteinander verflochten sind – zwar hat die Schweiz einen finanzwirtschaftlichen Vertrauensbonus, aber letztlich zeigt die Entwicklung, dass auch die ökonomische Stärke der Schweiz nicht nachhaltig ist.
Letztlich gibt es nur eine Lösung: ein bisschen nachhaltiger reicht nicht – es braucht einen neuen Lebensstil, einen Lebensstil, der nicht auf Kosten anderer Weltgegenden und zukünftiger Generationen geht. LOVOS – Lifestyle of Voluntary Simplicity – bietet sich an.
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Die meisten StromverkäuferInnen in der Schweiz bieten die Möglichkeit, Einfluss auf die Stromqualität zu nehmen. Nein, es sind nicht die Elektronen, die je nach Bestellung anders geleitet werden. Die Wahl der Stromqualität hat daher virtuellen Charakter – wenn sich allerdings viele StromverbraucherInnen ganz gezielt für eine ökologische Energiequalität entscheiden, sind die Stromversorger gefordert, die entsprechenden Strommengen auch zur Verfügung zu halten. Und dies hat direkte Auswirkungen auf die Kraftwerkspolitik der Stromproduzenten!
Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich ewz bietet den PrivatkundInnen als Standard-Produkt ewz.naturpower – mehrheitlich Strom aus „naturemade basic“-zertifizierten Wasserkraftwerken und einen Anteil aus „naturemade star“zertifizierten Kraftwerken. Demgegenüber ist etwa bei den Elektrizitätswerke des Kantons Zürich EKZ der Standardstrom EKZ Mixstrom – überwiegend Strom aus Kernenergie und etwas Wasserkraft. Dieser Strom wird ausdrücklich als „kostengünstigstes Stromprodukt“ angepriesen.
StromkundInnen können andere Stromqualitäten wählen – sogar beim ewz ist ein Downgrading zum ewz.mixpower (heute ewz.atommixpower) möglich: Strom aus Kernkraft, Strom aus nicht zertifizierter Wasserkraft und Strom aus Kehricht. Je einen halben Rappen weniger für Hoch- und Niedertarifpreis – das macht in einem typischen 4-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 3’500 kWh eine Preisdifferenz von etwa 1 Franken 50 Rappen pro Monat aus – da schenkt Stromsparen deutlich stärker ein! Es ist sicher so, dass die geringe Preisdifferenz und das ökologisch bessere Produkt als Standard eine geringe Motivation für dieses Downgrading ist.
Das gleiche gilt allerdings auch umgekehrt: EKZ bietet ein Upgrading der Stromqualität an: EKZ Aquastrom – zu einem 0.54 Rappen höheren Preis pro kWh – also eine leicht höhere Differenz wie bei ewz.
Selbstverständlich gibt es noch ökologischere Produkte – bei ewz ewz.ökopower und ewz.solartop, bei EKZ Naturstrom in drei Qualitätsstufen. Da liegt der Aufpreis teilweise deutlich höher. Zentral aber: mit 1 Franken 50 Rappen pro Monat ist der typische 4-Personen-Haushalt atomstromfrei – bei ewz passiert dies ohne Zutun der KundInnen, bei EKZ (und den meisten anderen Elektrizitätswerken) braucht dies einige wenige Klicks auf einer Internet-Seite. Mit zusätzlich 10 Franken pro Monat lässt sich die ökologische Qualität des verbrauchten Stroms nochmals deutlich steigern! Und ganz ehrlich: diese 10 Franken pro Monat sollten für jeden Haushalt drin liegen! P.S. Atomstrom ist bekanntlich darum so günstig, weil etwa die Risiko-Versicherung und die Kosten der dauerhaften und sicheren Lagerung des Atommülls nicht von den StromverbraucherInnen sondern von der Allgemeinheit getragen werden!
P.S. Die positiven Erfahrungen mit Ökostrom als Standard-Produkt in der Stadt Zürich beginnen, sich auch auf den Kanton Zürich (und damit EKZ-Gebiet) auszuwirken: Heidi Bucher-Steinegger, Grüne Kantonsrätin aus der Stadt Zürich, hat im Kantonsrat am 30. Mai 2011 eine Motion zur Neudefinition des EKZ-Standard-Stroms eingereicht.
Zusammengefasst: wer dies noch nicht getan hat, muss in zivilgesellschaftlicher Verantwortung beim Stromversorger sofort die nicht-nuklare Stromlieferung bestellen. Klar ist: wenn dies genügend Menschen tun – neben dem Haushalt auch in weiteren Verantwortungsbereichen, zum Beispiel am Arbeitsplatz – ist der Atomausstieg sehr schnell zu realisieren!
Zur Wiederholung und Verstärkung, auch wenn dies aufwändiger ist als die paar Clicks für Ökostrom: auch im Strombereich steht die Energieeffizienz an erster Stelle. Zur Beurteilung und zur Ermittlung des Handlungsbedarfes gibt es Tools wie energybox – eine einfache und uralte Version eines solchen Tools ist auch hier zu finden. Noch davor kommt Suffizienz oder LOVOS – “Lifestyle of Voluntary Simplicity“!
Auch wenn die schweizerische Politik nach dem Nationalratsentscheid vom 8. Juni 2011 entgegen den Fakten vom Atomausstieg spricht, ist noch nicht erkennbar, dass die Schweiz in einem absehbaren Zeitraum auf Atomstrom verzichten würde – zu gross sind da die Interessen der $VPFDPCVP-VerwaltungsrätInnen in den pseudo-öffentlichen Stromversorgungsunternehmen. Dies heisst: zusätzlich zur Bestellung von Ökostrom ist es auch erforderlich, PolitikerInnen zu wählen, die sich für eine fossil- und nuklearfreie Energieversorgung einsetzen, und dies nicht nur beim Strom. sondern bei Raumheizung, Wassererwärmung, Verkehr, Ernährung, Konsum … – und zwar sind idealerweise PolitikerInnen zu wählen, die diese Ansicht nicht erst seit Fukushima vertreten!
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Vorerst: ich betrachte sämtliche Parteien mit „grün“ im Namen als temporäre Erscheinungen. War die Entstehung der Grünen ein Hoffnungszeichen, sind im Hinblick auf die Nachhaltigkeit und die Demokratie die Grünliberalen geradezu ein Alarmzeichen. Ökologische Anliegen können nicht an eine (oder noch schlimmer) an zwei Parteien delegiert werden, sie haben die gesamte Gesellschaft zu durchdringen. Eine und erst recht zwei Parteien mit „grün“ im Namen behindern diesen Prozess erheblich.
Ökologische Anliegen müssen durch zivilgesellschaftliche Institutionen (die sogenannten NGO, also Nicht-Regierungsorganisationen, vertreten werden – auch wenn diese von SpenderInnenfranken abhängig sind, ist diese eine kleinere individuelle Barriere als der vierjährlich anzustrebende Wahlerfolg.
Denn: was für die $VP gilt, gilt auch für die Grünliberalen! Bereits mehrfach habe ich eine Aussage aus dem Tamedia-Politblog zitiert: In nahezu allen europäischen Regionen mit einem halbwegs intakten, gleichzeitig aber durch die Globalisierung bedrohten Wohlstand und einer starken Wertschöpfung auf KMU-Basis hat eine nationalistisch oder auch nur patriotisch orientierte Partei mit wertkonservativem Hintergrund ein Potenzial von rund 30 Prozent der Stimmen. Der hier angesprochene Wohlstand äussert sich in einem massiv übermässigen ökologischen Fussabdruck. Auch in der Schweiz ist man regelmässig daran, die Folgen dieses Wohlstandes mit Symptombekämpfung, vor allem zu Lasten der öffentlichen Hand, einzuschränken. Das heisst: ein erheblicher Teil der Mittel, die der Stadt übe Steuern einnimmt, dienen dazu, die auch ökologisch negativen Folgeerscheinungen des übermässigen Wohlstandes abzufedern. Wer nun – so auch die Grünliberalen – ausschliesslich auf der Ausgabenseite der öffentlichen Haushalte schräubelt, bezweckt damit, dass die Einzelnen mehr Geld im Portemonnaie haben, statt sich an der Finanzierung der allgemeinen Aufgaben zu beteiligen. Letztlich sind also auch die Grünliberalen auf der Zechpreller-Schiene – auch die Grünliberalen erwarten, dass man Ökologie als Gratisdienstleistung geschenkt bekommt!
Wenn nun eine solche Partei Erfolg hat und ein gefliegter Politologe zum Schluss kommt, die Grünen seien zu links, so ist dies die Bestätigung dafür, dass die Demokratie aktueller Prägung jene bevorteilt, die den Wohlstand in der heutigen Form mit welchen Begründungen auch immer verteidigen wollen. Oder anders: die Demokratie ist bestens dazu geeignet, echte oder vermeintliche volkswirtschaftliche Wohlstandszunahme mehrheitsfähig zu verteilen. Zumindest derzeit ist die Demokratie nicht in der Lage, die Verminderung des ökologischen Fussabdrucks mehrheitsfähig zu machen. Oder anders: die Grünliberalen sind darum erfolgreich, weil sie im Grundsatz damit einverstanden sind, dass die Menschen in der Schweiz massiv über ihre Verhältnisse leben – obwohl bekannt ist, dass diese Lebensform zu Lasten anderer Weltgegenden und zukünftiger Generationen geht. Die Grünliberalen sind bereits mit ein bisschen weniger ökologisch schlimm zufrieden: nicht grün muss die Realität sein, sondern bloss es bitzeli grüner.
Dies äussert sich etwa in der Energiepolitikdiskussion: die Vision der 2000-Watt-Gesellschaft, welche auch den ökologischen Fussabdruck vermindern will, wird etwa in den Medien und in Teilen der Öffentlichkeit gebasht – die Ein-Tonnen-CO2-Gesellschaft, etwa in der Form der Zero Emission Architecture, welche den bisherigen immensen Energiekonsum ohne wesentliche Effizienzanstrengungen und sogar umfassend ohne Suffizienz einfach von den fossilen und nuklearen Energieträgern zu erneuerbaren Energien switchen will, hat ein gewaltiges Medienecho.
Nun mag dies attraktiver für die Stimmberechtigten sein als eine fundamental grüne, auch wachstumskritische Positionen. Diese Thematik äussert sich auch in einer beliebigen Zahl von Nachhaltigkeitsdefinitionen. Da Nachhaltigkeit nicht einfach messbar ist (vielleicht auch überhaupt nicht) ist das grünliberale superweiche Nachhaltigkeitsverständnis ebenso durch den Worthülsenbegriff Nachhaltigkeit mitgemeint wie die Forderung einer harten Nachhaltigkeit, die zwingend und so rasch als möglich eine deutliche Verminderung des ökologischen Fussabdrucks einfordert. Und da Politik ein eindimensionaler Prozess ist, also Wirkungs- und Erfolgskontrollen prinzipiell ausschliesst, ist inhaltliche Beliebigkeit das Markenzeichen der heutigen Politik.
Deshalb hat die Farbe „Grün“ aus allen Parteibezeichnungen zu verschwinden, idealerweise wird auch auf den Zusatz „Öko“ verzichtet. Etwas polemisch: die bescheidenen ökologischen Fortschritte der letzten Jahre wurden trotz den „grünen“ Parteien erreicht. Die zwingend erforderliche gesellschaftliche Umorientierung zur Anerkennung der Endlichkeiten dieses Planeten wurde auch mit den „grünen“ Parteien nicht erreicht.
Ganz eindeutig: die Wohlstandsgesellschaften mit ihrem übergrossen ökologischen Fussabdruck sind überhaupt nicht auf Nachhaltigkeitskurs – unabhängig von „grünen“ Wahlerfolgen und der Anzahl „grüner“ Parteien. Oder anders: Die gesellschaftlichen Mehrheiten geben dem hedonistischen „Lifestyles of Health and Sustainability“ (LOHAS), mit vielen Bezügen zu den Grünliberalen, viel Kredit. Demgegenüber hat der “Lifestyle of Voluntary Simplicity“ (LOVOS) nicht einmal eine politische Partei, die ihm entspricht (die Grünen sind es auch nicht).
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So präsentierte sich der Stand der Stromqualitäten für das Jahr 2009. Die StadtzürcherInnen haben sich gleichzeitig mit dem Entscheid für die 2000-Watt-Gesellschaft am 30. November 2008 für den Ausstieg aus der Atomenergie entschieden, der Zürcher SVP-Regierungsrat Markus Kägi plädierte Anfang Dezember 2010 für zwei neue Atomkraftwerke in der Schweiz (ob er wohl dies nach dem 11.3.2011 immer noch tun würde?). Dermassen offensichtlich präsentieren sich heute die Differenzen der Energie- und Klimaschutzpolitik zwischen Stadt und Kanton Zürich.
Knapp zehn Prozent macht der Atomstromanteil derzeit am Energieverbrauch der Schweiz aus – und dieses Atomstrom stammt vorwiegend aus Atom-Reaktoren, die ähnlich alt oder gar älter sind als die Unfall-Reaktoren in Fukushima-Daiichi. Ein möglichst schneller Ausstieg ist anzustreben, auch wenn aus ethischer Sicht auch in der Schweiz ein Sofortausstieg aus der Atomenergie zu fordern ist. Wenn Politik und Gesellschaft wollen, funktioniert die Stromversorgung der Schweiz spätestens in zehn Jahren ohne Atomkraftwerke! Parallel kann auch der Mensch gemachte Treibhausgasausstoss der Schweiz deutlich vermindert werden.
Die SchweizerInnen werden in nächster Zeit eine grosse Zahl von Szenarien zur Energie- und Klimaschutzpolitik zu sehen bekommen. Ich präsentiere hier ein an einem Samstag-Morgen erstelltes Einfach-Szenario. Es zeigt: es gibt zu jedem energie- und klimaschutzpolitischen Ziel einen Weg – Gesellschaft und Politik müssen ihn allerdings auch begehen wollen! Ebenso wird es in diesen Szenariendiskussionen immer wieder heissen: „Es wäre besser, man würde Massnahme B statt Massnahme A ergreifen“. Ganz banal: ein „Oder“ gibt es nicht mehr, es kann nur noch heissen, „Sowohl als auch und noch viel mehr!“.
Einige Aspekte meines Szenarios:
Und so sehen Ausgangspunkte und Szenariowerte aus:

Einige Erläuterungen dazu:
Ist dieses Szenario realistisch? Ja und Nein! Es zeigt auf der „Ja“-Seite den Handlungsspielraum – und führt damit direkt zur „Nein“-Seite: dieses Szenario kann nur erreicht werden, wenn die erforderlichen Massnahmen, und diese gehen deutlich weiter als das, was in den letzten 30 Jahren umgesetzt wurde, realisiert werden. Es ist wie mit allen Szenarien: es geht um die Darstellung von Handlungsmöglichkeiten im Sinne von „Was wäre, wenn …“.
Hinweise zu den Massnahmen. Diverse meiner Beiträge auf umweltnetz.ch enthalten bereits eine Fülle von möglichen Massnahmen. Ich versuche, hier eine Arrondierung vorzunehmen.
Was kostet diese ernsthafte Energie- und Klimaschutzpolitik? Da es darum geht, die offensichtlichen Risiken von Atomunfällen und des Mensch gemachten Klimawandels zu vermeiden oder wenigstens zu verringern, haben Investitionen in eine nicht-nukleare und nicht-fossile Energieversorgung Versicherungscharakter. 2009 gab die Schweiz rund 5.1 Prozent des BIP für Energiekosten aus (rund 27 Mia Franken), darin sind neben den Energieträgerkosten auch Abschreibungsbeiträge für die Energieproduktionsanlagen enthalten. Bei einer Fokussierung auf erneuerbare Energieträger sinken tendenziell die Energieträgerkosten, dafür steigen die Infrastrukturkostenanteile. Dazu kommen energierelevante Investitionen in den Gebäudepark (max. 1 Mia Franken pro Jahr), und die SchweizerInnen kaufen jährlich Autos im Wert von etwa 10 Mia Franken. Sir Nicolas Stern hat für den Klimaschutz Zusatzkosten von einem Prozent des BIP ermittelt – das wären 5 Mia Franken für die Schweiz! Das heisst: die Schweiz kann sich eine nicht-nukleare und nicht-fossile Energiezukunft bestens leisten, und dies besser morgen als erst überübermorgen! Darum: gerade heute beginnen – falls noch nicht passiert zum Beispiel mit „Atomstrom abwählen„!
Ein Kommentar: wer hier Flächenberechnungen und Technologieerörterungen sucht, wird enttäuscht sein. Das hat auch damit zu tun, dass die bisherige Energiepolitik – von „Atomkraft! Nein Danke!“ bis zu den Windenergieanlagen-Standorten – eine mehr oder weniger auf Technologiefragen reduzierte Diskussion war und ist. Politik sollte sich um strategische Fragen kümmern – etwa wie viel Wohnfläche steht zur Verfügung, welche energie- und klimaschutzpolitischen Ziele sollen erreicht werden, wie werden die Kosten und Lasten der Energie- und Klimaschutzpolitik verteilt, wo braucht es Forschungs- und Technologieförderung? Es kommt dazu, dass die zukünftige Energieversorgung aus vielen Quellen gespiesen wird – die schon fast einseitige Abhängigkeit von fossilen und atomaren Energieträgern wird vorteilhaft ersetzt durch einen Vielfachansatz aus einem Strauss von Möglichkeiten. Festzuhalten ist ebenfalls die Bedeutung von Effizienz und Suffizienz im Vergleich mit Energieträgerfragen: bei Effizienz und Suffizienz handelt es sich um Gesellschafts- und Energiepolitik, bei den Energieträgern geht es prioritär um Energiewirtschaftspolitik. Und daran zeigt sich auch, dass die Zukunft der Energiepolitik verlangt, dass die Energiepolitik nicht der Energiewirtschaft überlassen wird.
Nachtrag 20.3.2011
Auch wenn der deutsche Strommarkt und der deutsche Kraftwerkspark nicht direkt vergleichbar ist mit der Situation in der Schweiz: Der WWF Deutschland und das Oeko-Institut halten klar fest, dass ein schneller Ausstieg aus der Atomenergie (stufenweise, sofort startend, bis längstens 2020 abgeschlossen) und positive Impulse für den Klimaschutz gleichzeitig möglich sind! Genau dies zeigen auch meine obenstehenden Szenarioüberlegungen.
Nachtrag 20.3.2011
Axpo-Chef (Heinz Karrer) denkt an Strategiewechsel, titelt der Tages-Anzeiger (zwar bekanntlich eher als Auto-Anzeiger auftretend) am 20.3.2011. Herr Karrer ist der Ansicht, dass Atomkraftwerke derzeit nicht mehrheitsfähig sind – angesichts dessen, dass für neue Atomkraftwerke definitiv kein Bedarf besteht respektive nie bestanden hat, dürfte sich allerdings die öffentliche Meinung wegen des Atomunfalls in Japan kaum geändert haben. Auch der Berner BDP-Regierungsrat und BKW-Präsident Urs Gasche schätzt die aktuelle AKW-Stimmung der Schweizerischen Stimmberechtigten ähnlich ein. P.S. Dann nichts wie los, Axpo und BKW, ziehen Sie endlich die unsinnigen Neu-AKW-Rahmenbewilligungsgesuche zurück – dies schafft Raum, um endlich zielgerichtet an der zukunftsfähigen Stromversorgung zu arbeiten.
Sowohl Herr Karrer wie Herr Gasche vertreten allerdings umweltpolitische Positionen, die eher als Geisterfahrer-Positionen verstanden werden müssen. Herr Karrer will für allfällige Erdgas-Kombikraftwerke das CO2-Gesetz ausser Kraft setzen, und Herr Gasche möchte bei Wasserkraftwerken auf den ehr als nötigen Umweltschutz verzichten. Sorry, meine Herren, völlig daneben, zurück auf Platz 1!
Denn: Herr Karrer sagt gleichzeitig, dass an einem kalten Wintertag die Schweiz zu 70 bis 80 % von Atomkraftwerken abhänge. Falls diese Aussage wirklich zutrifft, heisst dies nichts anderes, als dass zu viel Strom in Direkt-Elektroheizungen verschwendet wird! Wenn die Bewilligung von Gas-Kombikraftwerken mit der Auflage versehen wird, dass diese nur dann betrieben werden können, wenn die Elektroheizungen durch Wärmepumpen ersetzt werden (Wärmepumpen brauchen für den gleichen Raumkomfort auch ohne Massnahmen an der Gebäudehülle drei bis vier Mal weniger Strom als Elektroheizungen), ergibt sich eine deutliche Verbesserung der Gesamtökobilanz eines Gas-Kombikraftwerks im Vergleich mit einem Atomkraftwerk. Weil zudem mindestens 2/3 des bisher für Elektroheizungen verwendeten Stroms für weitere Wärmepumpen, die bisherige Oel- oder Gasheizungen ersetzen, eingesetzt werden können, ergibt sich eine weitere Entlastung der Oekobilanz – es braucht also keine Aufweichung des CO2-Gesetzes. Und Herr Gasche sollte schon lange wissen, dass Wasserkraft nur nachhaltig genutzt werden kann, wenn weitgehende Umweltauflagen berücksichtigt werden (P.S. Das in der heutigen Form unsinnige Grimselwasserkraftausbauprojekt wird nicht durch die Verbrämung mit dem Atomausstieg zu einem Superprojekt). Dies zeigt, dass der Ausstieg aus der Atomenergie zwingend neue Führungskräfte in der Stromwirtschaft erfordert – wer bis jetzt den Pro-AKW-Kurs geprägt hat, ist nicht wirklich glaubwürdig, wenn es darum geht, einen wesentlichen Beitrag zur Ökologisierung der Stromwirtschaft und zum Ausstieg aus der Atomenergie zu leisten.
Nachtrag 19.3.2011
Zusammengestückelte Zitate von Frau Bundesrätin Doris Leuthard, seit etwas mehr als 100 Tagen Schweizerische Energie-Ministerin und damit verantwortlich für die Konkretisierung der Schweizerischen Energiepolitik (Aussagen an der Delegiertenversammlung der CVP-Frauen Schweiz, Quelle):
Das bekannte Logo Atomkraft? Nein Danke!
gibt es seit 1975, also seit den Entstehungszeiten der Anti-Atom-Bewegung, einer der wichtigeren gesellschaftlichen Bewegungen der letzten 40 Jahre. Frau Leuthard, sind 40 Jahre ein genügend langer Zeitraum, um reflektierte Forderungen aufzustellen? Ich meine sehr wohl! Zumindest die offizielle Schweizer Politik mitsamt der Unterabteilung Energiewirtschaftspolitik hat mindestens seit 1986 (Tschernobyl!) vor allem laviert und geschlafen – die Zeit der Reflexion ist vorbei, jetzt sind Entscheide angesagt, und es ist schnell zu handeln. Der Atomausstieg bis 2020/2021 ist problemlos möglich – Sie und Ihre PolitikkollegInnen müssen nur noch „Ja Danke!“ zu Strom aus erneuerbaren Energien sagen! Dazu gehört auch: Fakten und Konzepte zum Thema atomenergiefreie Stromversorgung gibt es ausreichend, solche müssen auf keinen Fall neu erstellt werden. Bei Bedarf erstelle ich für Frau Bundesrätin Doris Leuthard gerne eine Linkliste mit den aktuellsten Studien, damit keine Zeit verloren geht, um die längst fälligen Entscheide für eine nuklear- und fossilfreie Energiezukunft zu fassen!
Erste Fassung: 19.3.2011
The post Nach-nuklear und nach-fossil: heute beginnen! first appeared on umweltnetz.ch.]]>Eine nachhaltige Energieversorgung ohne Atomenergie und ohne fossile Brenn- und Treibstoffe ist möglich. An dieser Stelle könnten hunderte von Studien aus aller Welt zitiert werden. Von heute auf morgen lässt sich dies nicht realisieren – ein möglichst schneller Ausstieg aus der Atomenergie wäre trotzdem möglich.
Auf den ersten Blick wirkt eine solche Energieversorgung teurer. Dies hat damit zu tun, dass etwa die Atomenergie hochgradig subventioniert ist, und zudem mit unversicherten (und wahrscheinlich auch unversicherbaren) Risiken operiert. Festzuhalten ist, dass die Subventionen für erneuerbare Energien nur eine schwache Kompensation dieser massiven direkten und indirekten Atomenergie-Subventionen darstellen. Auch bei der Anwendung der fossilen Energieträger werden nicht die wahren Kosten verrechnet. Die Preise sämtlicher atomaren und fossilen Energieträger lügen – es besteht KEINE Kostenwahrheit! Diese falschen Preissignale setzen im Markt die falschen Signale: die übermässige Energieverschwendung ist vorprogrammiert.
Neben dem Wechsel auf erneuerbare Energien ist eine deutliche Steigerung der Energieeffizienz erforderlich. Die Techniken dazu sind in allen relevanten Verbrauchsbereichen (Gebäude, Strom, Verkehr) bestens bekannt, auch wenn durchaus weitere Verbesserungsmöglichkeiten zu erwarten sind (z.B. effizientere Dämmstoffe, Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien mit höherem Wirkungsgrad, …).
Es erleichtert den Umstieg in das post-nukleare und post-fossile Zeitalter erheblich, wenn die Menschen sich auch Gedanken über ihren Lebensstil und den damit verbundenen ökologischen Fussabdruck machen. Nicht jede der liebgewordenen Gewohnheiten ist tatsächlich zukunftsfähig. Polemische Menschen werden den Verzicht betonen, nüchtern betrachtet geht es um die Propagierung eines Lebensstils der bewussten Einfachheit, mit der klingenden Abkürzung LOVOS für Lifestyle of Voluntary Simplicity. Es geht dabei vor allem um das Abschiednehmen von der Verschwendung! Es ist davon auszugehen, dass das Nicht-wahr-haben-Wollen dieses Abschiednehmens die wahre Ursache dafür ist, dass Menschen die Pietät, den Respekt vor den Opfern in Japan mit energiepolitischem Stillschweigen gleichsetzen!
Die diversen Studien zeigen, dass der gleichzeitige Ausstieg aus der Atomenergie und den fossilen Brenn- und Treibstoffen am meisten Wirkung erzielt, weil Synergien genutzt werden können.
Das entscheidende Hemmnis für den Einstieg in das post-nukleare und post-fossile Zeitalter stellt die Politik dar, stellen insbesondere die PolitikerInnen sogenannt bürgerlicher Parteien dar. Diese Parteien und insbesondere deren VertreterInnen profitieren offenbar übermässig von den lügenden Energiepreisen für Strom aus Atomenergie und die fossilen Brenn- und Treibstoffe! Im übrigen: Nicht ohne Grund wird der „Krieg um Öl“ von den gleichen Staaten vorangetrieben wie der Kampf um die Vorherrschaft in der Atomfrage (siehe Weltmächtepolitik gegenüber den nuklearen Plänen des Irans). Eine Welt ohne Erdöl- und Urannutzung ist eine sicherere Welt!
Nicht ohne Grund haben die VertreterInnen dieser Parteien bis jetzt die gewaltigen Risiken der Atomenergie ignoriert oder gar geleugnet, obwohl derartig komplexe Technologien prinzipiell nach Murphy’s Law „Was schief gehen kann, geht auch schief“ funktionieren. Ebenso systematisch zweifeln die gleichen PolitikerInnen an einem Zusammenhang zwischen dem übermässigen Gebrauch fossiler Brenn- und Treibstoffe und dem (Mensch gemachten) Klimawandel. Stillschweigende Pietät ist sicher nicht erforderlich, damit diese sich in aller Ruhe von liebgewordenen, sich eindeutig als Illusionen erweisenden vorgefassten Meinungen über die Zulässigkeit der Nutzung nicht nachhaltiger Energieträger verabschieden können.
Der Respekt vor den Menschen, die in Japan Opfer in irgend einer Form von Erdbeben, Tsunami und atomaren Unfällen sind, verlangt dringend und eindeutig nach einem Umstieg in das post-nukleare und post-fossile Zeitalter. Und da der Gewaltexzess in Libyen eine spezielle Ausprägung des „Krieges um Öl“ darstellt, ist der Respekt gegenüber den Opfern in Japan gleichzeitig auch der Respekt gegenüber den Gewaltopfern in Libyen.
The post Pietät und ethische Verantwortung: endlich in das post-nukleare und post-fossile Zeitalter eintreten first appeared on umweltnetz.ch.]]>Die ersten Ansätze für eine ökologische Beurteilung des eigenen Verhaltens gehen etwa 20 Jahre zurück. Greenpeace hatte, damals noch auf Papier (Umweltschutzpapier selbstverständlich!), einen entsprechenden Fragebogen ausgearbeitet. Dieser Fragebogen gab ökologisch engagierten Menschen einen kräftigen Dämpfer: auch jene, die nachweislich einen ökologischen Lebensstil pflegten – also jene, die von ihren FreundInnen und Bekannten als Ökofundis bezeichnet wurden – erreichten in der Punktierung Werte, die „bloss“ etwa 30 bis 40 % unter dem Schweizerischen Mittel lagen. Die Ursache liegt vor allem im Grundfussabdruck, den jeder Mensch durch seine blosse Existenz mitbekommt. Zur Illustration: wenn eine Autobahn gebaut wird, entsteht dadurch eine ökologische Last, die von allen zu schultern ist, und nicht nur von den Autofahrenden. Auch allfällige Atomkraftwerke gehören in die Grundhypothek, selbst dann, wenn nur Oekostrom verbraucht wird.
Aufgrund der langjährigen Beschäftigung mit dem ökologischen Fussabdruck komme ich zum Schluss, dass ein Fussabdruck von 1.8 Erden – wie von Martin Graf, Kandidat der Grünen für den Zürcher Regierungsrat angegeben – einen hervorragenden Wert darstellt. Es ist zwar die Freiheit des Karikaturisten Felix Schaad, den Bericht im Tagesanzeiger vom 12. Februar 2011 mit der polemischen Anmerkung „Von einem grünen Politiker erwarte ich eigentlich einen kleineren ökologischen Fussabdruck“ zu illustrieren – von der immer stärker SVP-lastige Zeitung ist kein schliesslich kein gekonnter Umgang mit diesem komplexen Thema zu erwarten.
Alle diese Tools zur Ermittlung des individuellen ökologischen Fussabdruckes erfordern trotz wissenschaftlichem Anspruch sehr starke Abstraktionen: mit 34 Fragen jeweils mit 4- bis 5-stufigen Antwortmöglichkeiten lässt sich der ökologische Fussabdruck in erster Linie als pädagogisches Instrument gebrauchen. Die meisten NutzerInnen gebrauchen dieses Tool auch so, etwa mit der Frage, wie gross der Einfluss des Fleischkonsums ist.
Schwierig sind auch Abgrenzungsfragen. Dies zeigt sich etwa am Beispiel des SP-Kandidaten Mario Fehr – in etwa ähnlich ökologisch engagiert wie Martin Graf (siehe dazu auch die Einleitungsbemerkung). Sein ökologischer Fussabdruck ist deutlich grösser als jener von Martin Graf – unter anderem darum, weil Mario Fehr als Nationalrat häufig zwischen Zürich und Bern unterwegs ist. Nun gilt zwar der Arbeitsweg eindeutig als Bestandteil des ökologischen Fussabdruckes – bei einem Nationalrat (selbstverständlich auch bei einer Nationalrätin) gehört allerdings dieser Arbeitsweg zwischen dem zwingenden Wohnort im „Wahlkanton“ und dem Amtsort in Bern zum Amt, ist also ein etwas spezieller Arbeitsweg. In Analogie dazu ist es fraglich, wenn die Zürcher Stadtpräsidentin aussagt, dass wegen ihrer durch das Amt gegebenen Reisen, sei es nach Kopenhagen an die Weltklimakonferenz oder nach Shanghai an die Stadtzürcher Präsenz an der Weltausstellung, ihr persönlicher Fussabdruck grösser geworden sei. Denn: der persönliche Fussabdruck enthält ja bereits Anteile des durch die Allgemeinheit und die Wirtschaft verursachten Umweltbelastung. Dazu gehört auch ein Anteil der Amtsausübung eines Nationalrates oder einer Stadtpräsidentin.
Der ökologische Fussabdruck als pädagogisches Instrument stellt zudem die Frage nach der Ehrlichkeit nicht: für den Lerneffekt ist es unbedeutend, ob ich das Tool mit den Idealvorstellungen oder den Realwerten des individuellen Verhaltens benutze – bei im Wahlkampf stehenden PolitikerInnen ist dies anders, da wird eine ehrliche Auskunft erwartet. Aus den Erfahrungen mit diesen Tools kann ich klar festhalten: dies setzt allerdings eine durch Fachpersonen begleitete Benutzung des Tools voraus, um beispielsweise Fragen der Abgrenzung zwischen persönlichem und Amtsteil des Fussabdrucks gleichartig zu beantworten.
In der vom Tagesanzeiger gewählten Präsentationsform wird der Eindruck verstärkt, dass ökologische Fragestellungen nicht von politischer und gesellschaftlicher Relevanz seien. Dabei hat die reale Politik des Kantons sehr direkte Auswirkungen auf die individuelle Oekobilanz. Ich zitiere aus dem umweltnetz.ch-Beitrag „2000-Watt-Gesellschaft: wenn Physik energie- und klimaschutzpolitisch wird„: Das heisst: allein wegen des Strommixes lag im Jahr 2009 die mittlere Primärenergiedauerleistung mit EKZ-Strom rund 30 % höher als mit ewz-Strom! Dieser Unterschied ist eine direkte Folge von politischen (Fehl-)Entscheiden auch der $VP-Regierungsräte, welche gleichzeitig EKZ-Verwaltungsräte sind. Diese politisch gewollten ökologischen Mehrbelastungen sind einerseits eine ökologische Hypothek, die alle im Staate Zürich zu schultern haben, die aber zu einem erheblichen Teil insbesondere durch die $VP-Regierungsräte zu verantworten sind. Im Sinne einer realistischen Einschätzung werde dies zu vergleichen mit den ökologischen Auswirkungen, die Martin Graf als Stadtpräsident von Illnau-Effrektikon angestossen hat. Es ist zwar sicher so, dass auch PolitikerInnen, insbesondere Exekutiv-Mitglieder, eine ökologische Vorbildverantwortung haben. Letztlich bleibt aber: auch grüne PolitikerInnen können nur das umsetzen, was politisch gewollt ist, also mehrheitsfähig ist. Und dazu ist in erster Linie gesellschaftlicher Konsens erforderlich, denn Politik ist nur dort mehrheitsfähig, wo dies gesellschaftlich gewollt ist. Selbst der zwar ansprechend schlanke, aber im globalen Kontext immer noch viel zu grosse ökologische Fussabdruck von Martin Graf ändert nichts daran: die umfassende Realisierung des Lebensstils LOVOS muss zum gesellschaftlichen Konsens werden! In dieser Hinsicht allerdings lassen insbesondere die bürgerlichen Regierungsratsmitglieder keinen Lernerfolg erkennen – das heisst bei ihnen hat der pädagogische Ansatz der Idee des ökologischen Fussandrucks keine Veränderungsbereitschaft ausgelöst. Ob dies wohl für alle Politikerinnen des „bürgerlichen“ Spektrums gilt?
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Gebäude, auch Wohnhäuser, sind nicht für Ewigkeit gebaut.
Relativ unbestritten ist, dass Gebäude einen regelmässigen Unterhalt brauchen, weil viele Bauteile durch den täglichen Gebrauch abgenützt werden. Die Erhaltung der Gebrauchstauglichkeit ist im Mietwohnungsbereich durch die Mietzahlungen der NutzerInnen abgedeckt.
Die Nutzungsdauer der unterschiedlichen Bauteile ist für die Schweiz in einer „Paritätischen Lebensdauertabelle“ festgehalten: die Verbände der MieterInnen und der VermieterInnen haben sich mehr oder weniger einvernehmlich darauf verständigt, wie lange üblicherweise Bauteile genutzt werden können. Fenster etwa halten je nach Qualität des Rahmenmaterials 25 bis 30 Jahre, ein Heizkessel kann 20 Jahre genutzt werden, verputzte Aussenwände sind je nach Qualität nach 25 bis 40 Jahren zu erneuern. Teppichböden sind bereit nach 8 bis 10 Jahren zu ersetzen, während Parkettböden 40 Jahre genutzt – allenfalls zwischendurch mit Auffrischung – werden können.
Wenn beispielsweise ein Fenster nach dem Ende der Nutzungsdauer ersetzt werden soll, zeigt sich ein interessanter Aspekt: ein solches Fenster kann gar nicht mehr in identischer Qualität ersetzt werden! Der bautechnische Fortschritt, die laufend verschärften energetischen Vorschriften und die Anforderungen des Lärmschutzes führen dazu, dass das neu einzubauende Fenster einen Mehrwert gegenüber dem Istzustand darstellt.
Ist ein Heizkessel zu ersetzen, ist angesichts des Karussell-Heizölpreises, den Klimaschutzaktivitäten und der Endlichkeit fossiler Ressourcen eine Umstellung des Heizungsbetriebes auf erneuerbare Energien zu prüfen. Auch damit sind Mehrwerte verbunden.
Entscheiden sich Hauseigentümerschaften im Zuge dieser Heizungssanierung etwa für eine Solarwärmeanlage, wird ein weiterer Bauteil betroffen: die Sonnenkollektoren müssen entweder in ein Schrägdach integriert oder auf einem Flachdach aufgestellt werden. Da die Bau- und Zonenordnung (der Stadt Zürich) bei den meisten Bauten eine erhöhte Ausnutzung zulässt, wird sinnvollerweise vor der Bestellung der Sonnenkollektoranlage geprüft, ob es allenfalls zweckmässig sein könnte, das Dach auszubauen oder gar einen neuen Dachaufbau zu erstellen, um etwa mehr von dem so begehrten Wohnraum zu schaffen. Sowohl Sonnenkollektoranlage wie Dachaus-/-aufbau schaffen Mehrwert – immerhin kann der zusätzliche Wohnraum vermietet werden, was den Mietertrag erhöht.
Die Anforderungen der 2000-Watt-Gesellschaft verlangen, dass bestehende Bauten beim nächsten grösseren baulichen Eingriff auf den Energieverbrauchs-Level von Minergie-Neubauten gebracht werden. Dazu gehört regelmässig auch die Wärmedämmung der Fassaden (auch Verputze von Aussenwänden haben eine begrenzte Nutzungsdauer, siehe oben). Dies kann weitere Konsequenzen haben: Balkone, häufig direkt mit dem Gebäude verbunden, stellen erhebliche Wärmebrücken dar – bei einer Wärmedämmung der Fassade sind Balkone thermisch zu trennen, durchaus auch eine Gelegenheit, den Balkon zu vergrössern (oder einen Balkon zu erstellen, wenn ein solcher noch nicht vorhanden ist). Auch damit sind Mehrwerte, aber auch Mehrkosten verbunden. Als ein weiteres Beispiel: wird die Fassade mit einer Wärmedämmung versehen, ist zu entscheiden, wie mit den Fensterleibungen umzugehen ist: Fenster sind häufig von innen her angeschlagen; wird nun, wie es fachgerecht erforderlich ist, die Fensterleibung gedämmt, verkleinert sich das Fensterlicht. Um dies zu verhindern, müssen entweder die Mauerlichter vergrössert oder die Fenster aussen angeschlagen werden.
Die unterschiedlichen technischen Nutzungsfristen der verschiedenen Bauteile illustrieren eines: den idealen Zeitpunkt für eine Erneuerung gibt es nicht! Es wird immer so sein, dass bei einer umfassenden Erneuerung einzelne Bauteile ihre technische Nutzungsdauer noch nicht erreicht haben, andere sie dafür bereits überschritten haben. Vielfach sind es darum auch nicht-bauliche Faktoren, die den Anstoss für eine umfassende Erneuerung geben, in vielen Fällen der Wechsel in der Eigentümerschaft, sei dies durch Verkauf oder Erbvorgang. Klar ist dabei, dass eine umfassende Erneuerung der bessere Ablauf zur Ermöglichung einer nachhaltigen Liegenschaftenbewirtschaftung ist als eine etappierte Erneuerung über mehrere Jahre.
Welcher Anteil dieser Erneuerungskosten ist nun der energetischen Sanierung „anzulasten“ (allenfalls sogar in zwei Stufen: was wird vom Gesetzgeber verlangt, welches sind die Anforderungen zur Erreichung der gesellschaftlich angestrebten Entwicklung Richtung 2000-Watt-Gesellschaft), was entfällt je auf werterhaltende und wertvermehrende Investitionen? Gibt es allenfalls auch Luxusinvestitionen (gehört etwa der Wechsel von Teppich- zu Parkettböden bereits in diesen Bereich)? Gerade im Mietwohnungsbereich ist diese Frage zentral, geht doch der Gesetzgeber davon aus, dass nur die wertvermehrenden Investitionen, darin insbesondere die dem Energiesparen dienenden Investitionen neu auf den Mietzins abgewälzt werden dürfen. Hier geht es um eine brisante volkswirtschaftliche Frage: wie kann sichergestellt werden, dass die von den Eigentümerschaften vorgenommene einmalige Investition durch die Mietenden refinanziert wird, ohne dass ungerechtfertigte Mitteltransfers von der einen zur anderen Seite transferiert werden – bei einer mittleren Mietdauer von zehn Jahren bei umfassenden Erneuerungen alle vierzig Jahre ein schwieriges Unterfangen. Festgehalten ist in den Verordnungen, dass die Kosten einer umfassenden Erneuerung zu 50 bis 70 % auf die Mieten überwälzt werden können – der verbleibende Rest gilt als werterhaltend. Festzuhalten ist, dass insbesondere bei neu erworbenen Liegenschaften hier ein grösseres Problem besteht: die eigentlich zu erfolgenden Rücklagen für den aufgelaufenen werterhaltenden Unterhalt (bereits durch die MieterInnen aufgebracht) werden meistens beim Kaufpreis nicht berücksichtigt, oder anders: bestehende Liegenschaften werden betriebswirtschaftlich viel zu teuer gehandelt. Vielfach haben die bisherigen Eigentümerschaften den leider nur virtuellen Erneuerungsfonds konsumiert, zum Nachteil der MieterInnen und der neuen Eigentümerschaften. Wenn gemeinnützig ausgerichtete Genossenschaften bei Kaufverhandlungen aussteigen – diese stützen sich bei ihren Kaufangeboten ausschliesslich auf den realen Wert der Liegenschaft, bedeutet dies nichts anderes, als dass in solchen Fällen die bisherige Eigentümerschaften erhebliche und betriebswirtschaftlich nicht zu rechtfertigende Gewinne aus dem Verkauf einer Liegenschaft realisieren wollen. Wenn Genossenschaften nicht kaufen können oder wollen, signalisiert dies, dass sich bei solchen Liegenschaften meist die Verkäuferschaft ungerechtfertigt bereichert!
Als Hinweis: für eine zukunftsfähige Sanierung einer mittelgrossen Vierzimmerwohnung ist etwa von Investitionskosten von in der Grössenordnung von 200’000 Franken auszugehen – bei einem Mehrwert von 70 % (=140’000 Franken) führt die zu einer monatlichen Mehrmiete von etwa 750 Franken. Daraus wird ersichtlich, dass etwa die Förderbeiträge von „Das Gebäudeprogramm“ mehr kommunikative als betriebswirtschaftliche Wirkung entfalten. Damit ist bestätigt, dass die Liegenschaftenbewirtschaftung ausschliesslich durch die NutzerInnen zu finanzieren ist – alles andere ist schlicht nicht nachhaltig!
Klar ist: nicht nur an der Weststrasse in Zürich wurde in den letzten Jahrzehnten kaum wertvermehrend investiert, aber sichtbar auch zu wenig für die Werterhaltung getan. Mit ein Grund für die tiefen Mieten, aber ebenso für die voraussichtlichen Mietzinsaufschläge nach einer umfassenden Erneuerung. Diese Liegenschaftenbewirtschaftung ist eindeutig als nicht nachhaltig zu bezeichnen, weil dadurch Gebäudesubstanz massiv übernutzt wurde. Die MieterInnen in dieser Gegend haben voraussichtlich die realen Wohnkosten nicht bezahlt – und haben ihre Lebensumstände auf diese zu tiefen Mieten ausgerichtet (zum Beispiel Flächenanspruch, Konsumhaltung – oder anders: es ist nicht davon auszugehen, dass der ökologische Fussabdruck dieser MieterInnen sich in erheblichem Mass von der „Restbevölkerung“ abhebt.
Da nach wie vor davon auszugehen ist, dass die Mietzinsentwicklung durch den Flächenanspruch pro Person geprägt ist – baulicher Zustand (ausser bei Neubauwohnungen) oder energetische Qualität spielen kaum eine Rolle – und viel Wohnraum als erstrebenswerter Luxus gilt (siehe oben erwähnter Artikel zur 600-Quadratmeter-Wohnung im Mobimo-Tower, oder die Geschichte rund um das ehemalige Hotel Atlantis), braucht es auch im Wohnungsbau eine Suffizienzstrategie – so rasch als möglich ist das pro Person angebotene Flächenangebot zuerst zu begrenzen und anschliessend abzusenken.
Gerade auch im Hinblick auf die Umsetzung der 2000-Watt-Gesellschaft ergeben sich verschiedene Forderungen an einen nachhaltigen Wohnungsmarkt:
Und einmal mehr ist festzuhalten: nachhaltiges Wohnen wird voraussichtlich einen höheren Anteil des Haushalteinkommens beanspruchen – wenn durch bewussteren Konsum (zum Beispiel LOVOS) der ökologische Fussabdruck vermindert, das Wohnen somit wieder eine grössere Bedeutung bekommt, ist dies durchaus finanzierbar.
Im übrigen: die Entwicklung an der Langstrasse ist besonders auffällig, weil viele Liegenschaften gleichzeitig „in Bewegung“ kommen. Festzuhalten ist im Hinblick auf die nachhaltige Gebäudebewirtschaftung: die Langstrasse ist überall!
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Eine Meldung also Richtung Neue Einfachheit – LOVOS (Lifestyle of voluntary simplicity), der Lebensstil der freiwilligen Einfachheit, wobei gerade die zukünftigen MieterInnen dieser beantragten Stiftung eher nicht freiwillig zur Einfachheit gekommen sind.
Zwei Meldungen zu Wohlstand, Luxus und Überfluss im Wohnbereich – obwohl auch die bereits sehr hohen Flächenansprüche im Wohnungsbereich einen erheblichen Beitrag zum übermässigen ökologischen Fussabdruck der Luxus- und Überflussgesellschaft beitragen. Zentral dabei ist auch, dass die erhebliche Zunahme der Wohnfläche pro Person direkte Ursache der Zunahme der Mietzinsen ist.
Mit 75 Millionen Franken Stiftungskapital soll diese neue Stiftung ausgestattet werden – etwas mehr als die verwandte Stiftung PWG, die in den 20 Jahren ihres Wirkens etwas mehr als 1200 Wohnungen und Gewerberäume erwerben konnte – etwas mehr als ein halbes Prozent des städtischen Wohnungsangebotes. Es ist also voraussehbar, dass auch diese neue Stiftung eine eher symbolische Wirkung im städtischen Wohnungsmarkt haben wird.
Nicht bloss symbolisch darf allerdings die mit dieser Stiftungsgründung verbundene Botschaft der Einfachheit und Bescheidenheit, des Beitrags zur 2000-Watt-Gesellschaft und des haushälterischen Umgangs mit dem Boden sein. Solches Wohnen gehört zu den Ansprüchen, die aus der Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen für alle abgeleitet werden können.
Das Projekt der Luxuswohnungen im ehemaligen Hotel Atlantis ist – nach dem in dieser Hinsicht mehr als unsinnigen Geschäft Winkelwiese – ein Ankerpunkt der städtischen Wohnungspolitik. Ganz simpel: in einer begrenzten Welt eignet sich Wohnraum nicht als Luxusgut!
Vorerst ist festzuhalten, dass nach heutigen Grundsätzen der Raumordnungspolitik dieses Grundstück gar nicht mehr eingezont werden dürfte – weil dieses Bauvorhaben somit einen unzweck- und übermässigen Eingriff in die Ressource Raum darstellt, ist dafür zu sorgen, dass die Allgemeinheit einen optimalen Nutzen aus diesem Grundstück hat. Luxuswohnungen erfüllen diesen Anspruch definitiv nicht! Zudem ist das Gebäude in einem baufälligen Zustand – ein Abbruch der bestehenden Gebäudestruktur ist somit angezeigt. Ein Neubau an dieser Stelle hat den Ansprüchen an Einfachheit und Bescheidenheit zu genügen – ein breiter Mix an Wohnungen unterschiedlicher Grösse, eine Reihe von wohnungsnahen Grundangeboten von der Kinderkrippe über Versammlungslokale oder das ebenfalls an der Einfachheit orientierte Restaurant für Uetliberg-AusflüglerInnen bis hin zu Ladengeschäften für die tägliche Lebensmittelversorgung – bis hin zu Überlegungen von Urban Farming im Zusammenhang mit dem Bio-Döltschihof. Die Nähe zur Haltestelle der S-10 (Uetlibergbahn) und das ideale Naherholungsebiet Uetliberg ermöglichen autofreies oder zumindest stark autoreduziertes Wohnen.
Die ersten Aussagen der bisherigen Eigentümerschaft der Schon-Fast-Ruine Atlantis zeigen, dass diese in der traditionellen ausschliesslich renditemaximierten Liegenschaftsstrategie verhaftet sind (P.S. Der Verständlichkeit halber: ich erachte eine nachhaltige Rendite aus der Bewirtschaftung von Grundstücken und Liegenschaften nicht als Spekulation – angesichts der Knappheit der öffentlichen Güter Boden und Raum bevorzuge ich allerdings den Grundsatz der Eigenwirtschaftlichkeit, wie er etwa von Genossenschaften gepflegt wird, als zukunftsfähige vor. Im Minimum ist anstelle von individuellem Wohneigentum ein Nutzungsrecht zu bevorzugen.).
Das heisst: sowohl angesichts der aktuellen Haltung der Eigentümerschaft dieses Grundstückes als auch der rechtlichen Lage (diese setzt die Prioritäten ebenfalls bei der ausschliesslichen ökonomischen Verfügbarkeit der Eigentümerschaft über Grundstücke und Gebäuden) ist erheblicher politischer und gesellschaftlicher Diskurs über die zukünftige Nutzung dieses und ähnlicher Grundstücke erforderlich. Ein erster Ansatz: SP-Petition „Keine Luxuswohnungen im Atlantis„, auch wenn sich die SP einmal mehr vor allem „billige Wohnungen“ (was nicht das gleiche wie „günstig“ ist) vornimmt – die ökologische Vorbildlichkeit eines solchen Bauvorhabens mit den Aspekten Einfachheit und Bescheidenheit wird nicht gefordert!
Längerfristig ist eine stark lenkende und vollständig an die Haushalte rückerstattete Abgabe auf Wohnraum einzuführen, parallel und gleichzeitig mit einer stark lenkenden und vollständig an Haushalte und Wirtschaft rückerstattete Abgabe auf allen Energieträgern.
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