Markt Politik – sind die Wählenden käuflich?

Vorerst: Prognosen über Majorzahlen – etwa die Zürcher Regierungsratswahlen – sind schlichter Unsinn und reine Geldmacherei. Sie sind zudem nicht beurteilbar, wenn nicht einmal die gestellten Fragen bekannt gegeben werden. Majorzwahlen sind taktische Wahlen – jede und jeder hat exakt DEN Geheimtipp, wie der eigene Wahlzettel am meisten Stimmkraft entfaltet. Das WählerInnenverhalten ist mit den üblichen simplen Marktforschungsfragen nicht ermittelbar. Warum Marktforschungsinstitute trotz aller wahlarithmetischen Blödhaftigkeit trotzdem solche Umfragen machen: es geht in erster Linie um den Werbefranken!

Nicht ohne Grund sind Medien wie der Tagesanzeiger, Radio 24 und TELE TOP die Auftraggeber solcher Studien, die noch unseriöser sind als Gratiszeitungs-Horoskope. Absicht ist es nämlich, die Wahlkampf-Mittel zu beeinflussen. Weil nämlich gleichzeitig suggeriert wird, die Regierungsrats-KandidatInnen sein zu unbekannt – oder anders: die Prognose ist eine Bekanntsheitsrangliste. Und nach Marktgesetzen kann man Bekanntheit kaufen, also gemäss den MarktforscherInnen auch den Wahlerfolg. Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit werden die weniger bekannten KandidatInnen in den nächsten Wochen vermehrt in den diversen Werbeformaten anzutreffen sein. Nun, die SVP ist mit Sicherheit finanzkräftiger als die Grünen – mit der Meldung vom 1.2.2011 haben die Medien dafür gesorgt, dass die SVP weiss, was sie zu tun hat – und die Grünen werden sich abstrampeln, um doch noch einige Werbefranken mehr zusammenzubringen.

Letztlich geht es also bei Wahlen nicht um Inhalte oder um Positionen, auch Lösungsansätze sind nicht gefragt – Politik ist und bleibt ein Markt – weil selbst in einer Demokratie die Wählenden käuflich sind.

Oder anders: statt einer Scheinprognose würden die Medien doch viel einfacher gerade ihre Vorschläge veröffentlichen, wie viel Werbegelder die einzelnen Parteien ausgeben sollten.

Diese Transparenz würde sicher dazu beitragen, das Demokratie-Rating der Schweiz zu verbessern!


Nachtrag 21. März 2011, also weniger als 2 Wochen vor dem Wahltermin

Offenbar haben die Medien noch zu wenig Werbe-Aufträge von den KandidatInnen bekommen: auch durch die Wiederholung wird die Scheinprognose zur Majorzwahl in den Zürcher Regierungsrat nicht besser! Tages-Anzeiger, Tele Top und Radio 24 machen knapp zwei Wochen vor der Auszählung nochmals Ergebnisse einer Befragung zu den Zürcher Regierungsratswahlen publik, einmal mehr ohne die Publikation der den Befragten gestellten Frage, ohne Berücksichtigung der Eigenheiten des Proporzwahlverfahrens. Auch wenn es erfreulich wäre (auch im Hinblick auf die Grossmachtwahn-Allüren der SVP), wenn der bisherige und als Bau- und Energiedirektor unbrauchbare bisherige SVP-Regierungsrat und Atom-Turbo Markus Kägi abgewählt und stattdessen Martin Graf von den Grüne gewählt wird, ist klar, was die Publikation dieser unsinnigen Prognose will: sowohl Grüne wie SVP sollen dazu gebracht werden, für den Endspurt nochmals Geld in die Hand zu nehmen – die SVP, um den vorausgesagten Misserfolg abzuwenden, die Grünen, um den offenbar möglichen Wahlerfolg sicherzustellen.

Der Fall ist klar: ausgezählt werden die bis am Sonntag, 3. April 2011 in den Auszähllokalen der Städte und Gemeinden vorliegenden Wahlzettel (in einzelnen Gemeinden sind die Urnen bis 10 Uhr, in anderen bis 12 Uhr geöffnet) – per Telefon wie bei Umfragen ist die Wahlteilnahme nicht möglich! Also: Wahlzettel ausfüllen, zum Beispiel anhand meiner Wahlempfehlung, dabei auch die Kantonsratswahlen nicht vergessen, richtig einpacken und so rasch als möglich in den Briefkasten – oder spätestens am 3. April persönlich bei einer Wahlurne abgeben. Denn: erst dann wird entschieden, ob Herr Kägi tatsächlich abgewählt und neu Martin Graf gewählt ist – oder ob alles nochmals ganz anders ist!

Erste Fassung 1.2.2011

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