Zahlen lügen nicht – aber sie helfen auch nicht weiter

Eine neue Studie beweist, dass die BewohnerInnen des süddeutschen Hochrheinraumes gar keinen Fluglärm haben, so tönt es aus Zürich. Man erwarte die Vorschläge aus Zürich, wie Südbaden vom Flugverkehr entlastet werden soll, lässt sich Waldshut verlauten. Auch neue Daten, die das gleiche wie die bisher bekannten aussagen, zeigen einmal mehr: die Belästigung durch Fluglärm hält sich nicht an gesetzliche Grenzwerte.

Als Bundeskanzlerin Merkel und der (damalige) Bundespräsident Couchepin im Frühling 2008 vereinbarten, die Fluglärmsituation um den Flughafen Zürich-Kloten neu zu beurteilen, war allen Beteiligten klar: da wird nochmals eine Ehrenrunde gedreht, da wird einmal mehr nicht an der Lösung des Problems gearbeitet – weil es auf den bisher angedachten Wegen nicht zu lösen ist.

Die ersten Reaktionen aus Zürich und dem süddeutschen Raum auf den BAZL-Bericht zeigen das konsum- und umweltpolitische Dilemma: Fliegen wollen viele, aber die zugehörige Belastung ist eigentlich nicht tragbar. Oder anders: Fliegen ist – wie viele gegenwärtige Konsumhaltungen – nicht mit der goldenen Regel der Ethik vereinbar. Die Nicht-Akzeptanz von Fluglärm weist deutlich darauf hin, dass sowohl in Deutschland wie in der Schweiz massiv übermässig auf zu grossem (ökologischen) Fuss gelebt wird. Flugverkehr ist nicht nachhaltig!

Einer der ältesten Einträge meiner Internetseite aus dem Jahr 2000 beschäftigt sich genau mit dieser Thematik: es geht um die Grenzen des Flugverkehrs. Im Jahr 2000 fanden demnach in Zürich fünf mal mehr Flugbewegungen statt, als klimaverträglich wären! Auch im Flugverkehr gilt für die Zukunft: weniger, seltener, überlegter.

Fünf mal weniger Flugverkehr als Klimaschutzmassnahme – das würde auch die Fluglärmthematik nicht nur um den Flughafen Zürich kräftig entschärfen.

Die aktuelle Festlegung von Lärmgrenzwerten aus dem Flugverkehr nimmt weder auf die Belästigungswirkung von Fluglärm noch auf die nachweislich erheblichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit Rücksicht – die Politik gibt auch im Flugverkehr den Luftverkehrsbedürfnissen der Reisenden deutlich mehr Gewicht als den Lebensqualitätsbedürfnissen der Wohnenden!

Oder anders: weil zu viele KonsumentInnen gleich dem übermütigen Sohn des Ikarus Gefallen finden an sehr viel Flugverkehr, lassen sich beim Lärmschutz und dem Klimaschutz keine Fortschritte erzielen – so etwas wie die Rache der Götter für den menschlichen Übermut!


Nachtrag 9.11.09 Zahlen lügen nicht, das gilt auch für den sehr largen Zürcher Fluglärm-Index (ZFI). Wie zu erwarten war, hat der ZFI schon kurz nach der Einführung gezeigt, dass der Flughafen wirklich viel zu viel Lärm verursacht. Also nichts neues – aber auch diese Zahlen helfen dem Zürcher Regierunsgrat und insbesondere Nicht-mehr-lange-Regierungsrätin nicht weiter! Flugverkehr ist nicht nachhaltig – da hilft nur eines: deutlich weniger Flugverkehr!
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