Für eine nachhaltige Verkehrspolitik – die/der Kluge fährt im Zuge!

Wieder einmal passen zwei Mitteilungen bestens zusammen: Im Tages-Anzeiger wird über die absurde ÖV-Preispolitik des Bundesrat, gleichzeitig verlangt der ACS einen Ausbau der A1 zwischen Bern und Zürich auf sechs Spuren. Diese beiden Meldungen illustrieren treffend, dass der Schweiz eine nachhaltige Verkehrspolitik fehlt.

Die Verkehrspolitik der Schweiz scheint die Absicht zu haben, dass möglichst viele Menschen möglichst häufig und möglichst mit grossen Distanzen unterwegs sind, mit der Freiheit, etwas mit dem ökologischen Fussabdruck – oder treffender mit der ökologischen Radspur – der gewählten Verkehrsmittel zu spielen.

Bundesrätin Doris Leuthard besteht darauf, dass die ÖV-Preise pro nachgefragten ÖV-Kilometer steigen, wenn das Angebot ausgebaut wird. Für bewusste ÖV-NutzerInnen ändert allerdings mit derartigen Ausbauten wenig. Allenfalls können ÖV-Reisende von minimalen Reisezeitverkürzungen profitieren, in der Regel erfolgt aber bloss eine Erhöhung der Reiseweg-Möglichkeiten.

Sämtliche ÖV-Ausbauten der letzten Jahrzehnte wurden nicht mit den Vorteilen für einzelne Reisende begründet, sondern mit der Steigerung der ÖV-Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem motorisierten Individualverkehr (MIEF, sorry MIV). Das heisst: Ausbauten sind nicht in erster Linie von den bisherigen ÖV-NutzerInnen zu bezahlen, sondern von den zusätzlichen ÖV-NutzerInnen. Die Verkehrspolitik hat mit flankierenden Massnahmen dafür zu sorgen, dass dieser ökologisch begründete Umstieg vom Auto auf den ÖV auch tatsächlich stattfindet. Allerdings: eine Bundesrätin, die auf ein Tesla-Elektrofahrzeug statt die ÖV-Benutzung setzt, ist keine glaubwürdige Botschafterin für diesen dringend nötigen Umstieg.

Dass die Botschaft von der Ökologisierung des Verkehrs bei den Verkehrsteilnehmerinnen und -verkehrsteilnehmern nicht ankommt, illustriert bestens die Medienmitteilung des ACS. Der ACS tut so, als ob die Autobahn respektive die Autobenutzung die einzige Fortbewegungsmöglichkeit wäre. Frauen und Männer ACS-Mitglieder: die individuelle Verantwortung, dass sich sogar ACS-Mitglieder nach ökologischeren Alternativen für ihren Alltagsverkehr umsehen, und immer öfter den öffentlichen Verkehr benutzt. Denn: die/der Kluge fährt im Zuge!

Noch besser ist allerdings, so weit als möglich zu Fuss und mit dem Velo unterwegs zu sein. Home Office und diverse elektronische Kommunikations-Möglichkeiten sind valable Alternativen. Dazu gehört, dass endlich auch im Verkehrsbereich für Kostenwahrheit gesorgt wird. Dadurch wird der ÖV teurer, der MIV sogar deutlich teurer!

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