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Krieg um Öl | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Tue, 09 Jul 2019 18:28:39 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 44487214 Etwas Hoffnung https://www.umweltnetz.ch/content/etwas-hoffnung Mon, 27 Oct 2014 14:39:17 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=5971 Etwa 50 Jahre kann ich mich zurück erinnern. Was ich vor allem in Erinnerung habe, sind Meldung aus den Mittagsnachrichten um halb Eins des Schweizer Radios über Kriegsereignisse aus aller Welt. Was ich bis anhin über kriegerische Handlungen aller Art gehört habe, bestätigt mich darin, dass jede Form von Gewalt, insbesondere Gewalt gegen Menschen, zu … „Etwas Hoffnung“ weiterlesen

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Etwa 50 Jahre kann ich mich zurück erinnern. Was ich vor allem in Erinnerung habe, sind Meldung aus den Mittagsnachrichten um halb Eins des Schweizer Radios über Kriegsereignisse aus aller Welt. Was ich bis anhin über kriegerische Handlungen aller Art gehört habe, bestätigt mich darin, dass jede Form von Gewalt, insbesondere Gewalt gegen Menschen, zu ächten ist. Gewaltanwendungen, dazu gehören kriegerische Handlungen, sind brutal, sind unnötig, tragen nichts zur Problemlösung bei.

Immer wieder kommt es etwa zu bewaffneten Konflikten zwischen „Israel“ und „Palästina“ (alfabetische Aufzählung, als Metaphern zu verstehen, nicht als eindeutig definierte Begriffe). Wer genau welche verursachende Wirkung hat und wer genau „berechtigerweise“ Gewalt anwendet, ist schlicht uninteressant – ganz einfach darum, weil die Wiederkehr der Eskalationsspirale eindeutig belegt, dass mit Gewalt keine Lösungen, zumindest keine dauerhaften Lösungen, zu erreichen sind. Der Gazastreifen etwa ist rund vier mal so gross wie die Stadt Zürich, hat etwas mehr als vier Mal so viele Einwohner wie die Stadt Zürich – es ist nicht nachvollziehbar, warum es nicht möglich sein soll, eine menschenrechtskonforme Lösung für dieses objektiv betrachtet Miniaturgebiet zu finden.

Ich befürchte leider, dass es eben gar nicht um eine Lösung der Konfliktsituation geht, sondern dass zu viele Staaten, Unternehmen, Menschen von dieser unregelmässigen, wiederkehrenden Gewalteskalation profitieren – zu viele sind KriegsgewinnlerInnen.

Wegen betriebswirtschaftlichen Überlegungen einzelner Unternehmen hat etwa die „neutrale“ Schweiz keine Mühe damit Waffen aller Art selbst in potenzielle Krisengebiete zu versenden. Waffen, Munition als Geschäftsmodell – das aber nur funktioniert, wenn Waffen und die zugehörige Munition hin und wieder eingesetzt werden.

Kriege sind eine humanistische Herausforderungen – auch verletzte Menschen können als Wirtschaftsfaktor betrachtet werden. Die Reparatur von bei Gewalteinwirkung entstanden in der Regel massiven Schäden an Gebäuden und Infrastruktur erfordert ebenfalls erhebliche Finanzmittel – Kriege als Auslöser eines Wirtschaftswachstums“wunders“, allerdings nicht nachhaltig.

Kriegerische Auseinandersetzungen haben sehr viel mit Macht zu tun, mit der Frage um die Änderung der Spielregeln mitten im Spiel. Häufig stehen dabei die Interessen einzelner machthungriger Personen im Vordergrund. Dies wird zudem verstärkt, wenn diese Machthabenden diktatorische, tyrannische Verhaltensweisen zeigen. Dies zeigt sich, auch hier wieder ohne Parteinahme, etwa beim Konflikt zwischen Russland und Ukraine (alfabetische Reihenfolge).

Wahrscheinlich seit Urzeiten sind kriegerische Auseinandersetzungen den Gesetzes der Manipulation und Propaganda unterworfen. Die Konfliktbeteiligten wollen weltweit gesehen möglichst viele „FreundInnen“ und möglichst wenig „Feinde“. Daran haben auch KriegsreporterInnen und -fotografInnen wenig bis nichts geändert. Anzustreben ist, dass sich hier die Sicht der Dinge ändert: Es braucht in erster Linie BeobachterInnen, ModeratorInnen, MediatorInnen, die alles daran setzen, bei Konflikten Lösungswege ohne die Sackgasse Gewalteskaltion herbeizuführen.

Kriegerische Auseinandersetzungen sind anti-humanitär, sie stehen gegen die Errungenschaften des Humanismus und der Aufklärung. Menschenrechte werden in Kriegen ignoriert, die Interessen der Machthabenden stehen im Vordergrund.

Universelle Menschenrechte sind zwar formuliert, nach wie aber vor nicht anerkannt. Ebenso ist auch ein breit abgestützter Weltethos formuliert, aber auch dieser Weltethos ist nicht generell akzeptiert.

Wenn in der Schweiz die SVP Unterschriften sammelt, um ihre willkürlichen faschistoiden Vorstellungen über das Völkerrecht zu stellen, ist dies ein ethischer und moralischer Rückfall weit hinter die Vorstellungen der Moderne, weit hinter Gleichheit, Solidarität und Geschwisterlichkeit.

Es ist etwa davon auszugehen, dass der von westlichen Staaten propagierte „Krieg gegen den Terror“ eine Fortführung des „Krieges um Öl“ ist. Westliche Staaten, federführend die USA, setzten den freien Zugang zum endlichen Rohstoff Öl mit allen Mitteln durch. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker, die Menschenrechte blieben dabei auf der Strecke. Wegen offensichtlich begrenzten Erfolgschancen dieser Strategie und den damit verbundenen erheblichen Finanzmitteln haben nun allerdings die USA begonnen, durch Fracking den Inlandanteil der fossilen Energien an der Energieversorgung zu erhöhen – mit allerdings verheerenden Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Interessanterweise – und etwa in Europa noch nicht wirklich wahrgenommen – engagieren sich die USA allerdings in beachtlichem Umfang bei der Nutzung erneuerbarer Energien. Die Divestment-Kampagnen zum Ausstieg aus der Kohlenstoffblase starteten 2013 ebenfalls in den USA. Dies ist verbunden mit einer deutlichen Verminderung des bisherigen selbst deklarierten „Weltpolizei-Engagements“ der USA. Es gibt allerdings kaum staatlichen Institutionen in den betroffenen Regionen, die die Kraft und die Möglichkeiten haben, dieses Gestaltungsvakuum zu füllen. Dazu kommt, dass etwa die USA wegen des „Kriegs gegen den Terror“ fundamentale Grundsätze des demokratischen Rechtsstaats aufgehoben hat. Das verheerende Wirken von IS ist direkt mit diesem Vakuum erklärbar.

Religionen aller Art sind meist sehr direkt mit den Machthabenden verknüpft (oder auch umgekehrt, was aber die gleiche Wirkung hat). Da der Gegenwartsbezug von Aussagen der Religionsstifter mehr oder weniger willkürlich interpretierbar ist, ist davon auszugehen, dass es zu jedem Sachverhalt je nach Religion und Religionsrichtung eine Vielzahl von Aussagen gibt. Oder anders: Religionen können Menschenrechte, Weltethos und demokratischen Rechtsstaat nicht ersetzen.

Etwas Hoffnung heisst der Titel dieses Beitrages. Einerseits kommt diese dadurch zu Stande, dass bereits in einigen Ländern über den Ausstieg aus der Atomenergie und/oder den fossilen Energien debattiert wird. Dies vermindert den Druck, den Zugang zu diesen und anderen endlichen Ressourcen mit militärischen Mitteln zu sichern. Energiepolitik von unten ist somit auch ein wichtiger Beitrag zur Friedensförderung.

Eine weitere Hoffnung setzt darauf, dass insbesondere die Bilder von KriegsfotografInnen, selbst unter Berücksichtigung der Nähe zur Propaganda, ihre Wirkung auf Dauer nicht verfehlen. Gewalt ist barbarisch, steht gegen Menschenrechte, gegen das Individuum – und muss daher geächtet werden, dies sehen imme mehr Menschen so.

Gewalt gegen Hitlerdeutschland als Voraussetzung für das Ende des Nationalozialismus ist ein schlechtes Argument für die Fortsetzung von Gewaltanwendungen – die Geschichte zeigt, dass hier an diversen Stellen erhebliche Fehler passiert sind. Und da Lernen aus der Geschichte erwünscht ist, müssen die gleichen Fehler, gerade im Interesse der betroffenen Menschen, nicht dauernd wiederholt werden.

The post Etwas Hoffnung first appeared on umweltnetz.ch.]]> 5971 Arctic Sunrise: dringend weg von den Fossilen https://www.umweltnetz.ch/content/arctic-sunrise-dringend-weg-von-den-fossilen Sun, 29 Sep 2013 19:17:30 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=5481 Ölbohrungen in der Arktis stellen – wie Oelbohrungen generell, wie das Fracking generell – erhebliche Eingriffe in das Oekosysteme dar. Auch der Betrieb und die nicht vorhandene Nachsorge von Oel- und Gasbohrungen führt zu unakzeptablen Folgen. Die Auswirkungen aus der „Gewinnung“ der fossilen Ressourcen in Verbindung mit dem übermässigen Ausstoss von Treibhausgasen, sehr sicher verantwortlich … „Arctic Sunrise: dringend weg von den Fossilen“ weiterlesen

The post Arctic Sunrise: dringend weg von den Fossilen first appeared on umweltnetz.ch.]]> Ölbohrungen in der Arktis stellen – wie Oelbohrungen generell, wie das Fracking generell – erhebliche Eingriffe in das Oekosysteme dar. Auch der Betrieb und die nicht vorhandene Nachsorge von Oel- und Gasbohrungen führt zu unakzeptablen Folgen. Die Auswirkungen aus der „Gewinnung“ der fossilen Ressourcen in Verbindung mit dem übermässigen Ausstoss von Treibhausgasen, sehr sicher verantwortlich für den Mensch gemachten Klimawandel, sind derart gravierend, dass so rasch als möglich auf die Nutzung von Rohöl, Erdgas und Kohle zu verzichten ist.

Greenpeace weist mit der spektakulären Arktis-Fahrt der „Arctic Sunrise“ auf die unakzeptablen Eingriffe in das Arktis-Oekosystem hin. Dass der russische Diktator Putin unter Missachtung sämtlicher internationaler Regeln, unter Missachtung der Bedeutung des zivilgesellschaftlichen Engagements für die zukünftige Entwicklung willkürlich ein Schiff aufbringt und dessen Besatzung verhaftet, illustriert treffend, wie problematisch das russische Verhalten in der Arktis ist. Wer zu solchen absurden Massnahmen greift, hat etwas zu verbergen.

Auch in Russland ist es uneingeschränkt möglich, so rasch als möglich auf fossile Energien zu verzichten, bei gleichzeitigem Ausstieg aus der Atomenergie. Kleiner Tipp an Herr Putin: endlich Russland demokratisieren, und statt kriminelle Energie für arktische Eingriffe freizusetzen soll Russland besser auf eine fossil- und nuklearfreie Energieversorgung setzen!

Offensichtlich wird dadurch auch, dass Fossile diktatorische und willkürliche Eingriffe in das Geschehen erfordern – der „Krieg um Öl“ setzt sich fort! Auch in der Schweiz braucht es so rasch als möglich eine fossil- und nuklearfreie Energieversorgung (Sofortschritt: Ausstieg aus Mühleberg!). Dazu gehört das raschmöglichste Verbot von (neuen) Öl- und Gasheizungen!

Die Zivilgesellschaft erwartet, dass demokratische Rechtsstaaten dem willkürlichen Treiben des russischen Diktators so rasch als möglich ein Ende bereiten und dafür sorgen, dass die Greenpeace-AktivistInnen freigelassen werden und ihr Engagement für eine bessere Welt auf der Arctic Sunrise fortsetzen können.


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Nachtrag 31.12.2013: wer weder korrekt angeklagt und schon gar nicht rechtskräftig verurteilt wurde, braucht keine Amnestie. Das russische Amnestiegesetz ist offensichtliche Willkür. Obwohl sich die Greenpeace-AktivistInnen nicht mehr in der Gewalt des russischen Willkürstaates befinden, läuft dieser Zähler weiterhin.


Erste Fassung 29.9.2013

The post Arctic Sunrise: dringend weg von den Fossilen first appeared on umweltnetz.ch.]]> 5481 Auch bejubelte Gewalt bringt die getöteten Liebsten nicht zurück https://www.umweltnetz.ch/content/auch-bejubelte-gewalt-bringt-die-getoteten-liebsten-nicht-zuruck Tue, 03 May 2011 20:58:47 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=2872 In Thrillern gehören Kommandoaktionen – wie sie die Navy Seals in Pakistan ausgeführt haben – regelmässig zum Plot. Was gedacht wird, kann auch ausgeführt werden. Gewalt kennt keine Grenzen. „Justice is done“, soll der amerikanische Präsident Barack Obama nach der Tötung von Osama bin Laden gesagt haben. „Gerechtigkeit“ kann allerdings vom obersten Militärchef eines Landes … „Auch bejubelte Gewalt bringt die getöteten Liebsten nicht zurück“ weiterlesen

The post Auch bejubelte Gewalt bringt die getöteten Liebsten nicht zurück first appeared on umweltnetz.ch.]]> In Thrillern gehören Kommandoaktionen – wie sie die Navy Seals in Pakistan ausgeführt haben – regelmässig zum Plot. Was gedacht wird, kann auch ausgeführt werden. Gewalt kennt keine Grenzen. „Justice is done“, soll der amerikanische Präsident Barack Obama nach der Tötung von Osama bin Laden gesagt haben. „Gerechtigkeit“ kann allerdings vom obersten Militärchef eines Landes nicht ausgeübt werden – in einer Demokratie mit Gewaltenteilung steht die Schaffung von Gerechtigkeit nur den Gerichten zu. Von Gerechtigkeit kann somit nicht die Rede sein, es geht um plumpe Rache.

In westlichen Gesellschaften wird seit langer Zeit versucht, die Blutrache-Morde in Migraten-Separatgesellschaften zu vermeiden. Die Anwendung von Rache durch den amerikanischen Staat ist somit ein Rückfall in archaische Zeiten. Eine noch so gewalttätige Rache bringt all jene, die Gewalt zu Opfer gefallen sind, nicht ins Leben zurück. Dieser Vorfall signalisiert trotz allem Jubel einmal mehr, dass die sich als Führungsmacht des Westens gebende USA Gewalt als Problembewältigungsstrategie sowohl gutheisst wie anwendet.

Im Januar 2005 habe ich Fragen nach den Ursachen des Terrors gestellt. Ich habe Arbeiten des WorldWatch Instituts zitiert, etwa die Aussage, Terror sei ein Symptom und nicht die Ursache der gesellschaftlichen Zustände. Ich zitiere aus meinem damaligen Beitrag:

WorldWatch nennt die Handlungen, die anstelle des „militärischen Muskelstärkens“, anstelle des Antiterror-Krieges, erforderlich sind: Strategische Investitionen in

  • erneuerbare Energien
  • das Gesundheitswesen
  • den Umweltschutz
  • die Bildung
  • die Beschäftigung
  • die Armutsbekämpfung
  • die Abrüstung
  • die Weiterentwicklung der UNO zur Anpassung an die globalen Sicherheitsbedürfnisse.

Schon damals habe ich festgehalten, dass sich die USA nicht an diesen strategischen Investitionen beteiligen, daran hat sich leider trotz des Wechsels im Präsidium von George W. Bush zum Barack Obama nicht oder nicht sehr viel geändert, zum Teil trotz des guten Willens von Barack Obama auch wegen der absurden Mehrheitsverhältnisse in Senat und Repräsentantenhaus. Es führt nichts daran vorbei: der behauptete „Krieg gegen Terror“ ist und bleibt ein „Krieg um Oel“ – ein Krieg zur Verteidigung der vermeintlichen Vorrechte der ökologischen Grossfüsse!

Es bleibt dabei: Gewalt in jeder Form ist zu ächten.

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Pietät und ethische Verantwortung: endlich in das post-nukleare und post-fossile Zeitalter eintreten https://www.umweltnetz.ch/content/pietat-und-ethische-verantwortung-endlich-in-das-post-nukleare-und-post-fossile-zeitalter-eintreten Tue, 15 Mar 2011 21:24:41 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=2687 Es gibt eine grosse Zahl von Studien weltweit, die zeigen, dass eine ausreichende Energieversorgung der gesamten Menschheit mit nachhaltig nutzbaren erneuerbaren Energien möglich ist. Atomenergie, fossile Brenn- und Treibstoffe sind dafür nicht erforderlich! Der Respekt vor den Opfern (=Pietät) des Erdbebens in Japan mit nachfolgendem Tsunami und den sich daraus ergebenden schwerwiegenden Unfällen in einigen … „Pietät und ethische Verantwortung: endlich in das post-nukleare und post-fossile Zeitalter eintreten“ weiterlesen

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Es gibt eine grosse Zahl von Studien weltweit, die zeigen, dass eine ausreichende Energieversorgung der gesamten Menschheit mit nachhaltig nutzbaren erneuerbaren Energien möglich ist. Atomenergie, fossile Brenn- und Treibstoffe sind dafür nicht erforderlich! Der Respekt vor den Opfern (=Pietät) des Erdbebens in Japan mit nachfolgendem Tsunami und den sich daraus ergebenden schwerwiegenden Unfällen in einigen Atomreaktoren verlangt, dass die Menschen in anderen Ländern Verantwortung wahrnehmen und endlich den längst fälligen Einstieg in das post-nukleare und post-fossile Zeitalter verlangen und realisieren. Wer jetzt energie- und klimaschutzpolitisch nicht Forderungen stellt, hilft weder den aktuellen Opfern noch trägt er oder sie dazu bei, zu anderen Zeiten und an anderen Orten ähnliches Leid zu verhindern.

Eine nachhaltige Energieversorgung ohne Atomenergie und ohne fossile Brenn- und Treibstoffe ist möglich. An dieser Stelle könnten hunderte von Studien aus aller Welt zitiert werden. Von heute auf morgen lässt sich dies nicht realisieren – ein möglichst schneller Ausstieg aus der Atomenergie wäre trotzdem möglich.

Auf den ersten Blick wirkt eine solche Energieversorgung teurer. Dies hat damit zu tun, dass etwa die Atomenergie hochgradig subventioniert ist, und zudem mit unversicherten (und wahrscheinlich auch unversicherbaren) Risiken operiert. Festzuhalten ist, dass die Subventionen für erneuerbare Energien nur eine schwache Kompensation dieser massiven direkten und indirekten Atomenergie-Subventionen darstellen. Auch bei der Anwendung der fossilen Energieträger werden nicht die wahren Kosten verrechnet. Die Preise sämtlicher atomaren und fossilen Energieträger lügen – es besteht KEINE Kostenwahrheit! Diese falschen Preissignale setzen im Markt die falschen Signale: die übermässige Energieverschwendung ist vorprogrammiert.

Neben dem Wechsel auf erneuerbare Energien ist eine deutliche Steigerung der Energieeffizienz erforderlich. Die Techniken dazu sind in allen relevanten Verbrauchsbereichen (Gebäude, Strom, Verkehr) bestens bekannt, auch wenn durchaus weitere Verbesserungsmöglichkeiten zu erwarten sind (z.B. effizientere Dämmstoffe, Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien mit höherem Wirkungsgrad, …).

Es erleichtert den Umstieg in das post-nukleare und post-fossile Zeitalter erheblich, wenn die Menschen sich auch Gedanken über ihren Lebensstil und den damit verbundenen ökologischen Fussabdruck machen. Nicht jede der liebgewordenen Gewohnheiten ist tatsächlich zukunftsfähig. Polemische Menschen werden den Verzicht betonen, nüchtern betrachtet geht es um die Propagierung eines Lebensstils der bewussten Einfachheit, mit der klingenden Abkürzung LOVOS für Lifestyle of Voluntary Simplicity. Es geht dabei vor allem um das Abschiednehmen von der Verschwendung! Es ist davon auszugehen, dass das Nicht-wahr-haben-Wollen dieses Abschiednehmens die wahre Ursache dafür ist, dass Menschen die Pietät, den Respekt vor den Opfern in Japan mit energiepolitischem Stillschweigen gleichsetzen!

Die diversen Studien zeigen, dass der gleichzeitige Ausstieg aus der Atomenergie und den fossilen Brenn- und Treibstoffen am meisten Wirkung erzielt, weil Synergien genutzt werden können.

Das entscheidende Hemmnis für den Einstieg in das post-nukleare und post-fossile Zeitalter stellt die Politik dar, stellen insbesondere die PolitikerInnen sogenannt bürgerlicher Parteien dar. Diese Parteien und insbesondere deren VertreterInnen profitieren offenbar übermässig von den lügenden Energiepreisen für Strom aus Atomenergie und die fossilen Brenn- und Treibstoffe! Im übrigen: Nicht ohne Grund wird der „Krieg um Öl“ von den gleichen Staaten vorangetrieben wie der Kampf um die Vorherrschaft in der Atomfrage (siehe Weltmächtepolitik gegenüber den nuklearen Plänen des Irans). Eine Welt ohne Erdöl- und Urannutzung ist eine sicherere Welt!

Nicht ohne Grund haben die VertreterInnen dieser Parteien bis jetzt die gewaltigen Risiken der Atomenergie ignoriert oder gar geleugnet, obwohl derartig komplexe Technologien prinzipiell nach Murphy’s Law „Was schief gehen kann, geht auch schief“ funktionieren. Ebenso systematisch zweifeln die gleichen PolitikerInnen an einem Zusammenhang zwischen dem übermässigen Gebrauch fossiler Brenn- und Treibstoffe und dem (Mensch gemachten) Klimawandel. Stillschweigende Pietät ist sicher nicht erforderlich, damit diese sich in aller Ruhe von liebgewordenen, sich eindeutig als Illusionen erweisenden vorgefassten Meinungen über die Zulässigkeit der Nutzung nicht nachhaltiger Energieträger verabschieden können.

Der Respekt vor den Menschen, die in Japan Opfer in irgend einer Form von Erdbeben, Tsunami und atomaren Unfällen sind, verlangt dringend und eindeutig nach einem Umstieg in das post-nukleare und post-fossile Zeitalter. Und da der Gewaltexzess in Libyen eine spezielle Ausprägung des „Krieges um Öl“ darstellt, ist der Respekt gegenüber den Opfern in Japan gleichzeitig auch der Respekt gegenüber den Gewaltopfern in Libyen.

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2687
Weg von den Fossilen: Werbe- und Einbauverbote https://www.umweltnetz.ch/content/weg-von-den-fossilen-werbe-und-einbauverbote Fri, 04 Mar 2011 23:21:56 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=2646 Schmiermittel der Weltwirtschaft, schwarzes Gold, geopolitischer Machtfaktor, Krieg um Öl, Ölpest z.B. im Golf von Mexiko: (fossiles) Erdöl ist ein prägender Faktor der Weltpolitik. Nicht erst die Ereignisse in Nordafrika mit dem Gewaltkulminationspunkt Libyen zeigen, dass alles unternommen werden muss, um so rasch als möglich von den fossilen Energien (neben Erdöl auch Gas und Kohle) … „Weg von den Fossilen: Werbe- und Einbauverbote“ weiterlesen

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Schmiermittel der Weltwirtschaft, schwarzes Gold, geopolitischer Machtfaktor, Krieg um Öl, Ölpest z.B. im Golf von Mexiko: (fossiles) Erdöl ist ein prägender Faktor der Weltpolitik. Nicht erst die Ereignisse in Nordafrika mit dem Gewaltkulminationspunkt Libyen zeigen, dass alles unternommen werden muss, um so rasch als möglich von den fossilen Energien (neben Erdöl auch Gas und Kohle) loszukommen. Andererseits erstaunt die Bereitschaft gerade der sogenannt entwickelten Welt, sich in eine dermassen starke Abhängigkeit eines endlichen, begrenzten Rohstoffs zu begeben.

Weg vom Öl: spätestens seit der Erdöl-Preiskrise 1973 – mit autofreien Sonntagen (wir warten immer noch auf die regelmässige Wiederholung 🙂 und dem Beginn des Energiesparens, bestätigt durch diverse weitere Preisschübe, ist klar: Erdöl hat im Energiemarkt nichts verloren. Die Grenzen des Wachstums, die Klarheit über den Mensch gemachten Klimawandel, aber auch die Fakten über den Krieg um Oel, die immer klarer werdende Sachlage bezüglich des Peak Oil bestätigen: es ist eigentlich bereits zu spät, aber es gibt keine andere Wahl: weg vom Öl, aber auch Weg vom Erdgas und der Kohle – sicher für die Wärmeversorgung von Bauten, den Land-, Luft- und Seeverkehr, besser auch weg von Oel als Grundlage vieler chemischer Prozesse.

Weg vom Öl: es braucht dringlich stark wirkende Massnahmen

Ein Sanierungsobligatorium für Gebäude und stark lenkende Energieabgabe sind zwingende Elemente einer zukunftsgerichteten Energiepolitik. Diese Elemente sind zu ergänzen, die fossile Brenn- und Treibstoffe raschmöglichst aus dem Markt drängen.

In einer ersten Phase ist die direkte und indirekte Werbung für fossile Energieträger zu verbieten. Dies könnte ab 2015 realisiert werden.

Anschliessend ist das Werbeverbot auf Produkte auszudehnen, die fossile Brenn- und Treibstoffe verbrauchen, z.B. Autos, Oel- und Gaskessel. Dieser Schritt folgt drei Jahre nach der ersten Phase, also 2018.

Wenn die erforderliche Absetzbewegung von Erdölprodukten und Erdgas nicht erfolgen, ist in einem weiteren Schritt eine Massnahmen-Eskalation erforderlich. Etwa ein Einbauvorbot für Öl- und Gasheizungen, respektive ein Verbot, bestehende, ausgediente Oel- und Gaskessel durch Oel- und/oder Gaskessel zu ersetzen. Oder ein Verkaufsverbot für mit fossilen Treibstoffen betriebene Fahrzeuge. Spätestens 2025 sind solche Verkaufs- und Einbauverbote zu erlassen.

Wenn solche gesetzlichen Einschränkungen frühzeitig angekündigt werden, können sich die Marktteilnehmenden – von Heizungsfirmen über Heizöllieferanten bis zu Garagisten und Autoimporteuere – ohne grössere Schwierigkeiten an die veränderte Situation anpassen. Die eindeutigen gesetzlichen Vorgaben führen dazu, dass praktikable Alternativen in ausreichender Menge angeboten werden und das erforderliche Umsetzungs-Knowhow bereit gestellt wird.

Irgendwann zu diesem Zeitpunkt dürften die – im Tagesanzeiger beispielsweise wöchentlich erscheinenden – Publikationen mit aktuellen Heizölmarkt-Preisen verschwinden. Dies wäre ein klarer Beleg dafür, dass Erdölprodukte ihre prägende Rolle auf das Politik- und Wirtschaftsgeschehen eingebüsst haben – und der Pfad „Weg von Öl“ unumkehrbar begangen wird.

Grössere Schwierigkeiten sind bei „Weg von Öl“ nicht zu erwarten, im Gegenteil. Wie jede Veränderung würde auch das Fading-Out der Anwendung fossiler Energieträger zu einem Kreativitätsschub führen. Es ist schlicht nicht nachvollziehbar, warum die Regierenden der Staaten mit übermässigem Heizöl-, Erdgas-, Benzin- und Diesel-Verbrauch – dazu gehört unter anderem die Schweiz – auf derartige Massnahmen verzichten. Festzuhalten ist, dass eine Politik „Weg vom Öl“ wichtige Impulse auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft ermöglicht.


Warum weg vom Erdöl?

  1. Erdöl ist eine fossile, endliche Ressource – eine nachhaltige Nutzung ist somit nicht möglich.
  2. Erdöl verursacht bei der Verbrennung – zum Beispiel für die Wärmeversorgung oder den Betrieb von Fahrzeugen – den Ausstoss von erheblichen Mengen von Treibhausgasen. Der Verbrauch von Erdölprodukten ist die Ursache des Mensch gemachten Klimawandels.
  3. Erdöl stammt häufig aus Gebieten mit instabilen politischen Verhältnis und/oder einem hohen Anteil an Potentaten/Diktatoren. Es ist in der Tendenz festzustellen, dass Erdöl einen gewichtigen Einfluss auf das politische System hat – Potentaten als Bestandteil des „Kriegs um Öl„, um den energiehungrigen Staaten den einfachen und bezahlbaren Zugang zur Ressource Erdöl zu gewährleisten.
  4. Die gewaltigen Mengen an Erdölverschiebungen von den Bohrlöchern in Richtung Verbrauchszentren führen nicht nur nacn dem Gesetz von Murphy fast zwingend zu regelmässigen Unfällen, sei es bei der Förderung, sei es beim Transport, die zu einer erheblichen Belastung insbesondere der Meere führen.
  5. Verbunden mit dem übermässigen Verbrauch von fossilen Brenn- und Treibstoffen ist ein erheblicher Geldfluss. Wie hoch ist der Wert des endlichen, allerdings für den Moment reichlich vorhandenen Rohöls im Boden? Und welche spekulativen Gewinne können gerade wegen der Bedeutung als strategisches Schmiermittel daraus erwirtschaftet werden?
  6. …

Diese Aussagen gelten in ihrer Mehrheit auch für weitere fossile Energieressourcen wie Erdgas oder Kohle.

The post Weg von den Fossilen: Werbe- und Einbauverbote first appeared on umweltnetz.ch.]]> 2646 Krieg um Oel, Variante B https://www.umweltnetz.ch/content/krieg-um-oel-variante-b Wed, 23 Feb 2011 22:57:41 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=2615 Der aktuelle Anstieg des Oelpreises auf dem Weltmarkt wird in Verbindung gebracht mit den möglicherweise historischen politischen Umwälzungen in Nordafrika. Das brutale Vorgehen des libyschen Diktators Gaddafi gegen die „eigene“ Bevölkerung ist somit als offensichtliche Variante des Kriegs um Öl zu interpretieren. Die Zivilgesellschaften mit grossem ökologischen Fussabdruck sind auf billiges, sicher verfügbares Erdöl als … „Krieg um Oel, Variante B“ weiterlesen

The post Krieg um Oel, Variante B first appeared on umweltnetz.ch.]]> Der aktuelle Anstieg des Oelpreises auf dem Weltmarkt wird in Verbindung gebracht mit den möglicherweise historischen politischen Umwälzungen in Nordafrika. Das brutale Vorgehen des libyschen Diktators Gaddafi gegen die „eigene“ Bevölkerung ist somit als offensichtliche Variante des Kriegs um Öl zu interpretieren.

Die Zivilgesellschaften mit grossem ökologischen Fussabdruck sind auf billiges, sicher verfügbares Erdöl als „Schmiermittel“ und Betriebsstoff des Überkonsums angewiesen. Despotenregimes mit während Jahrzehnten den gleichen Clans an der Spitze bieten ofensichtlich hohe Garantien für stabile politische Verhältnisse – damit verbunden ist die Tiefhaltung der Oelpreises und der Preise anderer Ressourcen. Gleichzeitig beachten diese Regimes ihr Herrschaftsgebiet als Selbstbedienungsladen – bei all diesen Despoten und ihren Familien wird von riesigen Vermögenswerten ausgegangen, während die Bevölkerung in den Herrschaftsgebieten darbt. Dass sowohl Europa wie die USA diese Despotenregimes reichhaltig mit kostspieligen Waffen ausgerüstet haben, welche nicht nur in Libyen gegen die „eigene“ Bevölkerung eingesetzt werden, bestätigt eindeutig, dass es sich bei diesen Despoten um Machthaber im Einverständnis mit den ökologischen Grossfüssen handelt – der Krieg um Öl als Fortsetzung des Kolonialismus mit anderen Mitteln! Offenbar haben die Despoten ihre Herrschaftsgebiete als nepotistische KMU geführt mit massiv übersteigerten Renditen. Und wie bei vielen KMU ist es den willkürlichen Herrschern (und ihren „Schutzstaaten“) nicht gelungen, rechtzeitig eine funktionierende Nachfolgeregelung vorzunehmen. Gewalt und Leid sind die logische Folge, wenn die Machthaber ihre Geldquellen verteidigen.

Auch wenn die Zivilgesellschaften schon lange befürchten, dass die erforderlichen Veränderungen nur mit Gewalt und Leid verbunden erreicht werden können, sind die interessierten Gruppen nahezu machtlos. Das Völkerrecht etwa betrachtet eine noch so despotische, noch so willkürliche, noch so unlegitimierte Regierung solange als offizielle Vertretung des Staatsgebietes, bis sie offiziell als abgesetzt gilt. Der bizarre Auftritt des offensichtlich psychisch kranken Muammar Gaddafi in der UNO-Vollversammlung offenbarte die offensichtliche Unfähigkeit der Staatengemeinschaft, Grundregeln des guten Regierens nur schon zu formulieren, geschweige denn umzusetzen. Möglicherweise ist dies von den Mächtigen der „Erstweltstaaten“ gar nicht gewünscht, weil dann statt einseitiger Interessenpolitik ein zwischenstaatlich kooperativer Ansatz gewählt werden müsste.

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Staaten: schafft endlich die Geheimdienste ab! https://www.umweltnetz.ch/content/staaten-schafft-endlich-die-geheimdienste-ab Tue, 19 Oct 2010 12:48:16 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=2139 Wichtiges Element von demokratischen Rechtsstaaten ist die unbedingte Öffentlichkeit staatlichen Handelns. Wenn etwa die USA, Grossbrittanien oder Schweden geradezu hysterisch reagieren, wenn das Gerücht aufkommt, Wikileaks könnte mehrere hunderttausend Geheimdokumente veröffentlichen, dann lässt dies befürchten, dass es offenbar Geheimnisse in diesen Staaten gibt, die die Öffentlichkeit nicht wissen darf. Solche Geheimnisse sind allerdings Gift für … „Staaten: schafft endlich die Geheimdienste ab!“ weiterlesen

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Wichtiges Element von demokratischen Rechtsstaaten ist die unbedingte Öffentlichkeit staatlichen Handelns. Wenn etwa die USA, Grossbrittanien oder Schweden geradezu hysterisch reagieren, wenn das Gerücht aufkommt, Wikileaks könnte mehrere hunderttausend Geheimdokumente veröffentlichen, dann lässt dies befürchten, dass es offenbar Geheimnisse in diesen Staaten gibt, die die Öffentlichkeit nicht wissen darf. Solche Geheimnisse sind allerdings Gift für Rechtsstaat und Demokratie. Darum gibt es nur eines: Staaten müssen ihre Geheimdienste abschaffen.

Bekannt ist, dass wissentlich falsche Geheimunterlagen entgegen den UN-Satzungen zum Krieg einer internationalen Angriffsarmee gegen den Irak geführt haben – mit dem zwar allgemein als positiv akzeptierten Ergebnis, dass ein Diktator verschwand, mit der allerdings damit verbundenen Folge, dass der Gewalt-Terror umso heftiger die Gegenwart und Zukunft des Iraks prägt.

In Afghanistan herrscht seit dreissig Jahren Krieg, ohne erkennbare Veränderung zu einer freiheitlichen, friedlichen, selbstbestimmten Entwicklung. Die diversen Drohneneinsätze gegen Menschen etwa sind kriegsvölkerrechtlich unakzeptabel („meuchlerische Tötung“ ist nach den Haager Grundsätzen nicht zulässig) – nicht ohne Grund verlangen die deutschen Grünen ein Ende der Drohneneinsätze.

Wenn sich die USA und andere Staaten in derart plumper Form gegen die (vermutete oder tatsächliche) Wikileak-Veröffentlichung von Dokumenten wehrt, mag dabei die potentielle Gefährdung von Truppen in den Kriegsgebieten mehr sein als nur ein Vorwand. Angesichts der erheblichen menschlichen Verluste in diesen Gebieten stellt sich allerdings die Frage, ob es nicht die militärische Präsenz an und für sich ist, die diese Risiken schafft.

Schon mit dem fragwürdigen „Gefangenen“-Lager im US-Stützpunkt Guantanamo hat die USA wesentliche Elemente der Demokratie und des Rechtsstaates, für welche sie in anderen Weltgegenden vorgibt zu kämpfen, in Frage gestellt. es ist davon auszugehen, dass diese Geheimdokumente weitere „Bad News“ in diese Richtung enthalten können. Die staatspolitisch wesentlich kritischeren Auswirkungen der Veröffentlichung bis anhin geheimer Unterlagen entstehen aus dem damit verbundenen Vertrauensverlust in die politisch und militärisch verantwortlichen Instanzen. Eine Oeffentlichkeit, die erkennt, dass sie bis anhin über Motive, Hintergründe und Vorgehensweisen belogen wurde wird nicht mehr im gleichen Mass bereit sein, die immensen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, die hohen Verluste an Menschenleben zu akzeptieren [wahrscheinlich wird erst die geschichtliche Analyse zeigen, ob die Weltwirtschaftskrise im Herbst 2008 ausschliesslich auf die Grenzen des Giers zurückzuführen sind oder ob auch die „Geldvernichtung durch Kriege“ ursächliche Wirkung hatte]. Da derzeit global betrachtet die verschiedenen politischen und weltanschaulichen Systeme und Mächte ihre hegemonialen Ansprüche stellen (siehe auch Beitrag zur Abstimmung über Ausschaffungsinitiative) ist derzeit System-Glaubwürdigkeit ein dezentraler Aspekt, etwa mit der Frage „Darf ein Staatengebilde die eigenen Grundsätze und Haltungen aufgeben, um kurzfristige Erfolge zu erreichen?“. Oder anders: Wer einmal lügt (siehe damalige US-Position zum Irak), muss entweder weiterlügen (und alles geheim halten) – oder hält sich an die Wahrheit und an nichts anderes.

Darum eine Aufforderung an die Regierenden: schaffen Sie endlich die Geheimdienste ab und realisieren Sie das umfassende Öffentlichkeitsprinzip – dann braucht es auch Wikileaks nicht mehr!

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Konflikte sind mit Kriegen nicht zu lösen https://www.umweltnetz.ch/content/konflikte-sind-mit-kriegen-nicht-zu-losen Sun, 29 Aug 2010 14:47:15 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=2004 Die Geschichte der Menschheit ist grauenvoller Kriege mit verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt. Dauerhafte Lösungen haben sich daraus nie ergeben: Gewalt ist kein Beitrag zur Konfliktbewältigung! Die „letzten“ Kampftruppen der US-Armee haben im August 2010 den Irak verlassen, diverse „fremde“ Armeen sind nach wie vor im Land, welches nach wie vor von Gewalt geprägt … „Konflikte sind mit Kriegen nicht zu lösen“ weiterlesen

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Die Geschichte der Menschheit ist grauenvoller Kriege mit verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt. Dauerhafte Lösungen haben sich daraus nie ergeben: Gewalt ist kein Beitrag zur Konfliktbewältigung!

Die „letzten“ Kampftruppen der US-Armee haben im August 2010 den Irak verlassen, diverse „fremde“ Armeen sind nach wie vor im Land, welches nach wie vor von Gewalt geprägt ist. Der Nahostkorrespondent Ulrich Tilgner hat in einem Interview zu diesem Scheinrückzug festgehalten, dass „politische, soziale und kulturelle Konflikte mit einem Krieg nicht zu lösen sind.“

In der Einschätzung vieler BeobachterInnen steuert ein weiterer Konflikt auf eine Gewalteskalation hin: Der Umgang der „Welt“ mit den Atomenergie-Plänen des Iran. Der Nahost-Experte Udo Steinbach, früher Direktor des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg, Dozent am Centrum für Nah- und Mittelost-Studien an der Philipps-Universität in Marburg, hat in einem Interview festgehalten, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass Israel den Iran angreift, was die ganze Region zu einem Pulverfass machen würde.

Verheerend: trotz der eigentlich bestbekannten Erkenntnisse gehen die mächtigen Menschen dieser Welt nach wie vor davon aus, dass Gewalt ein mögliches Mittel zur Konfliktbearbeitung darstellt.

Als Vorbemerkung: es ist unbestreitbar, dass Handlungen und Haltungen vieler machthabender Menschen – und dies sowohl in der Politik wie in der Wirtschaft – äusserst problematisch sind. Diktaturen in unterschiedlicher Ausprägung, meist verbunden mit Diskriminierung, Gewalt, Missachtung der Menschenrechte, Nepotismus und andere Formen der Günstlings- und Korruptionswirtschaft, sind ethisch und moralisch unerträglich. Genau so problematisch sind die Verhaltensweisen der Staaten mit grossem ökologischem Fussabdruck, die bei sehr vielen Konflikten einen Krieg um Oel, Uran und/oder weitere Rohstoffe als wahren Hintergrund erkennen lassen. Die diversen neueren Meldungen über erhebliche Lagerstätten strategisch wichtiger Rohstoffe in Afghanistan zeigen der Weltöffentlichkeit, dass die schlimmen Positionen der Taliban in vielen weltanschaulichen Fragen ein höchst willkommener Vorwand für die Kriegsführung darstellen, es aber den kriegsführenden Staaten in erster Linie darum geht, den Zugriff zu Oel, Gas, Uran, Lithium, Eisen/Stahl, Kupfer, Indium, … zu möglichst tiefen Preisen sicherzustellen. Wenn auch auf anderer Ebene, sind die „reichen“ Staaten alles anders als ethische und moralische Vorbilder – diese reichen Länder sind massgeblich dafür verantwortlich, dass bereits am 21. August 2010 alle Vorräte aufgebraucht waren, die der Welt für 2010 zur Verfügung standen (World Overshoot Day).

Die Gefahr dieser Aussage ist mir sehr wohl bewusst: es stellt sich die Frage, wer die Berechtigung hat, angesichts der eigenen Mängel andere auf ihre Fehler und Defizite hinzuweisen. Bereits die Bibel (etwa in Lukas 6, 41) – und dies wahrscheinlich nicht als erste „Institution“ – weist auf die Problematik hin: „Aber was siehst du den Splitter, der im Auge deines Bruders ist, aber den Balken der in deinem eigenen Auge ist, nimmst du nicht wahr?“. Die Menschheit muss also Ansätze entwickeln, um unabhängig von den aktuellen Zuständen einen „kontinuierlichen Verbesserungsprozess“ in Gang zu setzen.

Gefordert ist also die Zivilgesellschaft: jeder einzelne Mensch, nationale und internationale Organisationen, eventuell religiöse Gemeinschaften.

Ein möglicher, eher abstrakter Ansatz: Weltethos, mit 8 Grundhaltungen:

  • Verpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben
  • Verpflichtung auf eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung
  • Verpflichtung auf eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit
  • Verpflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung und die Partnerschaft von Mann und Frau

Ein interessantes Instrument hat oekom resarch entwickelt: Country Rating, Bewertung von Ländern nach ökologischen und sozialen Kriterien. 150 Indikatoren in sozialen (Institutionen und Politik, Sozialbedingungen, Infrstruktur) und ökologischen (Institutionen und Politik, Umweltbestand, Umweltbelastungen) Bereichen werden einbezogen, ein wesentlicher Teil davon von privaten Organisationen oder UN-Institutionen zusammengetragen. Dazu kommen eine Reihe von Ausschlusskriterien (im sozialen Bereich etwa Arbeitsrechtverletzungen, Atomwaffenbesitz, Autoritäre Regimes, Euthanasie, Geldwäsche, Kinderarbeit, Korruption, Menschenrechtsverletzungen, Rüstungsbudget, Todesstrafe, im Umweltbereich (Atomenergie, mangelhafter Klimaschutz oder Walfang). Wie bei Weltethos besteht die Schwierigkeit, dass diese Kriterien in der Tradition des vereinfacht ausgedrückt humanistisch-aufgeklärten Europas der postindustriellen Epoche formuliert sind. Es ist somit nicht auszuschliessen, dass andere Kulturräume kein Verständnis für solche Ratings haben, auch wenn sie aus europäischer Sicht selbstverständlich und zwingend sind – siehe etwa die Problematik, dass neben der „allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ diverse Versionen arabischer oder islamischer Menschenrechtserklärungen, die erheblich von den „universellen Menschenrechten“ abweichen, bestehen. Auch hier: Fortschritte sind nur über die Zivilgesellschaft zu erreichen (als Beispiel: selbst im „Climate Criminals„-Land USA unter Georg W. Bush gab es ein Vielzahl von Menschen, die sich in erheblichem Umfang in ihrem persönlichen Verantwortungsbereich für Klimaschutzmassnahmen engagierten – und es auch unter Präsident Barack Obama weiterhin tun).

Es mag zwar sein, dass diese zivilgesellschaftlichen Beurteilungen von den aktuellen Machthabern ignoriert werden – der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad, der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao und viele weitere hören wahrscheinlich nicht mal auf sich selbst. Mittel- und längerfristig funktioniert dies nicht, wie auch in den Ländern mit zu grossem individuellen ökologischem Fussabdruck ein erheblicher Beitrag nicht von den Machthabenden, sondern z.B. von den LOVOS erbracht werden wird.

Auf jeden Fall ist es zwingend, dass Gewalt in jeder Form, also sowohl im zwischenmenschlichen wie im nationalen und internationalen Kontext geächtet wird, und dies so rasch als möglich.

The post Konflikte sind mit Kriegen nicht zu lösen first appeared on umweltnetz.ch.]]> 2004 Vorsätzliches Ökodumping https://www.umweltnetz.ch/content/vorsatzliches-okodumping Sun, 06 Jun 2010 13:05:33 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=1928 Die Oelpest im Golf von Mexico ist letztlich vorsätzlich verursacht. Auf der Anklagebank sitzt ein ansehnlicher Teil der Menschheit, mit Sicherheit jene mit einem grösseren ökologischen Fussabdruck als der Durchschnitt der Weltbevölkerung. Da „fast alle“ gleichbedeutend ist mit „niemand“, fühlen sich zwar viele „betroffen“, aber nicht verantwortlich. Eine der schon bald historischen Seiten auf meinem … „Vorsätzliches Ökodumping“ weiterlesen

The post Vorsätzliches Ökodumping first appeared on umweltnetz.ch.]]> Die Oelpest im Golf von Mexico ist letztlich vorsätzlich verursacht. Auf der Anklagebank sitzt ein ansehnlicher Teil der Menschheit, mit Sicherheit jene mit einem grösseren ökologischen Fussabdruck als der Durchschnitt der Weltbevölkerung. Da „fast alle“ gleichbedeutend ist mit „niemand“, fühlen sich zwar viele „betroffen“, aber nicht verantwortlich.

Eine der schon bald historischen Seiten auf meinem Internet-Angebot www.umweltnetz.ch ist der Beitrag Wirtschaft: Anhaltspunkte zur Beurteilung von Unternehmen vom 12. Juni 2001: ein Versuch, Kriterien zu formulieren für die Investition in Unternehmen, die ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien im Rahmen des Prinzipes der Nachhaltigkeit genügen. Wer in der Schweiz erwerbstätig ist, muss sich mit diesen Fragen beschäftigen – auch dann, wenn persönlich nicht an der Börse spekuliert wird! Denn: die Pensionskassen, welche das durch das Zwangssparen vom Einkommen erhaltene Geld bewirtschaften, müssen die Mittel anlegen – und vermehren! Dies führt dazu, dass allenfalls mit dem eigenen Pensionskassenguthaben in Unternehmen investiert wird, die den Interessen der Pensionskassen diametral widersprechen!

In der Negativ- oder Ausschlussliste von nicht-nachhaltigen Unternehmen unter Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Kriterien sind auch „Unternehmen, die fossile Energieträger fördern„, aufgeführt. Dass solche Listen nicht dazu geführt haben, dass diese Unternehmen vom Markt verschwinden – immerhin hat BP die Bedeutung des Kürzels von „British Petroleum“ zu „Beyond Petroleum“ geändert – hat damit zu tun, dass die Forderung nach billiger Energie zu den zentralen Forderungen der Politik gehört, ganz einfach darum, weil behauptet wird, Wohlstand sei direkt korreliert mit dem Energieverbrauch pro Person. Möglicherweise war dies zu Beginn der Industrialisierung zutreffend – demgegenüber sind Unternehmen, die als Nachhaltigkeitsleader gelten, ausgesprochen energie- und ressourceneffizient. Wenn etwa die kanadische Regierung die massive Abschwächung der nationalen Klimaschutzziele mit der Rücksicht auf Unternehmen begründet, ist dies extrem kurzsichtig: nur Unternehmen mit nachgewiesener Oeko-Fitness sind zukunftsfähige Unternehmen!

Erdöl ist eine fossile, zwar endliche aber ziemlich reichlich vorhandene Ressource. Auch wenn noch darüber gestritten wird, wann der genaue Zeitpunkt eintreten wird (oder ob er allenfalls bereits eingetreten ist), wenn die Hälfte des verfügbaren Erdöls – der so genannte Peak Oil – verbraucht sein wird, an der Endlichkeit des derzeit billigen Energieträgers Erdöl ist nicht zu zweifeln. Zudem stammt ein grosser Teil des derzeit konsumierten Erdöls aus Weltgegenden, deren Positionen und Haltungen in diversen Fragestellungen nicht mit den Absichten der grössten Konsumländern übereinstimmt – Erdöl ist ein Politikum. Viele der aktuellen Konflikte von Afghanistan über Irak bis zum Nahen Osten sind „Kriege um Öl“. Weil nun insbesondere die USA hoffen, mit der Oelförderung in der eigenen Nachbarschaft die geopolitische Bedeutung von Erdöl zu vermindern, ist eine eigentliche „Gründerzeit“-Stimmung entstanden: Die Erschliessung von neuen Erdöllagern hat oberste Priorität, Umwelt und Menschen sind unbedeutend. Damit ist allerdings auch eine massive Förderung der Atomenergie verbunden, weil Öl und Uran die gleiche symbolische geopolitische Bedeutung haben, aber auch die erwartende Tiefhaltung der Energiepreise versprechen. Die massive und auch mit dem „Top Cap“-Verfahren noch nicht gestoppte Oelpest im Golf vom Mexico ist der Preis für diese vermeintliche Aufbruchsstimmung. Wer so tief auf dem Meeresgrund bohrt und nicht in der Lage ist, verlässliche Methoden zum Behebung einer unerwarteten Störung dieser Bohrung schnell und wirksam einzusetzen, handelt verantwortungslos. Und dass solche Vorgehensweisen von der Gesellschaft und der Politik grundsätzlich akzeptiert werden, zeigt auf, dass derartige Katastrophen geradezu vorsätzlich herbeigeführt werden!

Die Erschliessung von Erdölressourcen in der eigenen Nachbarschaft ist nur ein Weg, die geopolitische Bedeutung des Erdöls zu vermindern. Der andere Weg: weg von Erdöl und auch Erdgas – wie eine Vielzahl von Studien zeigen, lässt sich dies bei gleichzeitigem Verzicht auf die Nutzung der Atomenergie realisieren! Wie einige dieser Studien darlegen, ist ein solcher Umbau, innerhalb einer, höchstens zwei Generationen zu bewerkstelligen, ökonomisch sicher nicht nachteilig – siehe zum Beispiel „Wie reich ist die 2000-Watt-Gesellschaft?„ Dieser Weg ist zu begehen, was sicher nicht ohne Aufwand zu haben ist:

  • Die eigene Energie- und CO2-Bilanz, den eigenen ökologischen Fussabdruck kennen.
  • Sich mit dem eigenen Lebensstil auseinandersetzen.
  • Es geht nicht um Ängste, es geht um bewusste Entscheidungen, jeden Tag!
  • Was tun Pensionskassen, Banken, Versicherungen mit dem Geld ihrer KundInnen? Wird ausschliesslich in nachhaltige Anlagen nach ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien investiert?
  • Ist die Politik der von uns gewählten PolitikerInnen nachhaltig? Nachhaltigkeit ist dabei nicht als Worthülse, sondern als glaubwürdige und nachweisbare Herausforderung, zum Beispiel Richtung 2000-Watt-Gesellschaft, zu verstehen.

Wie üblich in der Wirtschaft, wird auch im Ölbusiness versucht, die Verantwortung zu anonymisieren. Die diversen Ping-Pong-Spielchen zwischen BP und Transocean illustrieren dies in irritierender Art. Dass ausgerechnet zeitgleich zur Oelpest im Golf von Mexico der Geschäftssitz von Transocean in die Schweiz verlegt wurde, ist sicher Zufall. Dass gemessen an der bevölkerungsmässigen Bedeutung der Schweiz übermässig viele international tätige Unternehmen ihren Sitz in der Schweiz haben, ist demgegenüber kein Zufall – ein Teil davon ist sicher der übermässigen (und dementsprechend bedenklichen) Verkehrserschliessung zuzuschreiben. Von grosser Bedeutung ist die bewusst schwache Position der Politik, letztlich das Fehlen von ethisch und moralisch verbindlichen Vorgaben, eine Beliebigkeitsgesellschaft, symbolisch im Sortiment der Grossverteiler mit den verschiedenen ethisch-moralisch differenzierten Produktelinien dargestellt.

Die neuen Büros der Transocean sind in den 4 Towers (siehe Bild) in Steinhausen untergebracht. Wenn es sich nicht um Kirchtürme handelt, hatten Türme in der Geschichte Verteidigungscharakter. Dieses Gebäude – 4 fünfgeschossige Rundtürme über einem Sockelbau – stellt allerdings eher eine Karikatur des Turmgedankens dar. Spannend auch die Adresse, zwar etwas billig und nichtssagend, aber immerhin: Turmstrasse! Im übrigen nicht seit langem: in früheren Ortsplänen von Steinhausen heisst diese Strasse „Sumpfstrasse“. Offenbar soll nicht einmal die Adresse die Verantwortlichen daran erinnern, dass ihre Geschäftstätigkeit, gesteuert in einem (Verteidigungs-)Turm an der Turmstrasse, beispielsweise an der nordamerikanischen Südküste direkten Einfluss auf das Sumpf-Ökosystem hat. Vorschlag: als Zeichen ihrer Betroffenheit sollten jetzt die Steinhauser Behörden die Sumpfstrasse sorry Turmstrasse in Ölpest-Sackgasse umbenennen!

Dass Transocean neu auch im „Swiss Market Index“ SMI enthalten ist, illustriert die gedankliche Beschränktheit der Gier-Ökonomie: Free Float (eigentlich ein indirektes Mass für die nachhaltige Bindung zwischen Aktionariat und Unternehmen, das Unternehmen wird im SMI somit ausschliesslich aufgrund der finanztechnischen Eignung und nicht wegen der inneren Werte beurteilt) und der Handelsumsatz sind die wesentlichen Kritererien für die Berücksichtigung im SMI. Um im SMI Platz für den Oekodumper Transocean zu schaffen, wird das Unternehmen Swiss Life aus dem SMI entfernt – Swiss Life macht klare ökologische Statements, auch zur Verminderung des Oelverbrauchs im eigenen Unternehmen. Offenbar sind den Börsenverantwortlichen nach wie vor die Oekokiller lieber als an der Nachhaltigkeit orientierte Unternehmungen.

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