Ökonomie: aus der Steinzeit zur Nachhaltigkeit

Die Macht des oder der Stärkeren bestimmt nach wie vor das Grundwesen der Ökonomie. Konkurrenz, Gewinn und Verlust sind zwingende Bestandteile der Eigengesetzlichkeit der gegenwärtigen Ökonomie. Ein System, welches ausschliesslich dazu geschaffen wurde, die Existenz der Menschen abzusichern, hat sich verselbstständigt, und bedient sich dazu Mechanismen aus dem Steinzeit-Erbgut der Menschheit. Die Erschütterungen der Märkte und die prognostizierten Auswirkungen auf die Volkswirtschaft als Folge der Aufhebung der quasi-fixen Bindung des Frankens an den Euro zeigen: die Ökonomie muss zwingend in Richtung Nachhaltigkeit weiterentwickelt werden.

Geld, ursprünglich zur Vereinfachung des Güter- und Dienstleistungsaustausches erfunden, ist selber zur Ware geworden. In der NZZ vom 24. Januar 2015 steht der Satz «Bricht man die von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zuletzt im Jahr 2013 ermittelten Zahlen zum Handelsvolumen für Schweizerfranken herunter, so werden im Durchschnitt in jeder Sekunde Währungseinheiten im Gegenwert von drei Millionen Dollar gehandelt». Auf ein Jahr umgerechnet führt dies zu einem Handelsvolumen von nahezu einhundert Billionen Dollar (eine Billion sind eine Million Millionen) – 130 mal mehr als das BIP der Schweiz! Zu beachten ist dabei, dass der gleiche Franken mehrfach Gegenstand derartiger Devisentransaktion darstellt.

Solche Devisentransaktionen werden in erster Linie durchgeführt, weil sich beide Seiten des jeweiligen Geschäfts Gewinne aus diesem Geschäft erhoffen, und dabei in der Regel das Verlustrisiko ausblenden, oder dieses mit anderen Transaktionen ausgleichen. Da Gewinne und Verluste unsicher sind, und von vielen Wenn und Aber beeinflusst werden, hat dieses System durchaus den Charakter eines Casinos. Unabhängig vom Charakter braucht dieses System zwingend Gewinne und Verluste führt also zu GewinnerInnen und SiegerInnen. Die Erfahrungen zeigen, dass dieses System tatsächlich Zufälligkeiten enthält. SiegerInnen sind nicht zwingend auch die Besten, Stärksten, Klügsten, Engagiertesten, Tüchtigen, usw. Und: dieses System kennt weder Ethik noch Moral!

Die Geschichte der Menschheit auf dem Planeten ist eine Geschichte der Anpassung an Veränderungen. Grosse Veränderungen wurden vor allem durch Brüche – Unstetigkeiten der Entwicklung – ausgelöst. Die Kosten und das menschliche Leid aufgrund solcher Veränderungen waren und sind erheblich. Häufig waren und sind beispielsweise Kriege sowohl Auslöser von Brüchen als auch Folge solcher Brüche.

Das aktuelle ökonomische System hat zu erheblichen globalen Unterschieden geführt. Die ökologischen Fussabdrücke der reichsten Nationen sind wesentlich grösser, als es die Erde auf Dauer ertragen kann. Es ist durchaus davon auszugehen, dass die Wohlhabenheit der reichsten Nationen darauf zurückzuführen ist, dass es den Menschen in anderen Ländern schlecht geht – Globalisierung als Verstärkung der Steinzeit-Erbstücke!

Schafft die Menschheit den Wechsel von der Steinzeit-Ökonomie zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise? Es geht dabei ausdrücklich um das «harte» Verständnis von Nachhaltigkeit, verbunden mit dem ehrlichen Nachweis, dass durch die Verhaltensweise einzelner Menschen, von Gesellschaften die Existenz von anderen Menschen irgendwo auf der Erde sowohl heute als auch in Zukunft nicht beeinträchtigt wird.

Oder müssen wir davon ausgehen, dass das Steinzeit-Erbgut dominiert, und die Mehrheit der Menschen von der Illusion leben will, immer oder wenigstens häufig zu den GewinnerInnen zu gehören?

Die politischen Debatten um das Grundeinkommen oder das Wohneigentum werden in der Schweiz immer noch von der Immer-GewinnerInnen-Ideologie dominiert – eine Sicht, welche nachweislich als nicht-nachhaltig zu betrachten ist. An den Parolen zum bedingungslosen Grundeinkommen für alle etwa wird erkennbar, welche gesellschaftlichen und politischen Gruppen nach wie vor in der Steinzeit-Ökonomie verhaftet sind oder wer bereits unterwegs ist zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise. Sämtliche Forderungen nach staatlichen Konjunkturprogrammen sind verhaftet in der Steinzeit-Ökonomie mit der zynischen Verherrlichung des «Wirtschaftswachstums».

Zur Abrundung: würde eine Devisentransaktionssteuer im Sinne der Tobin-Tax eingeführt, könnte der Casino-Charakter der Finanzwirtschaft etwas verändert werden, und es kämen beträchtliche Mittel zusammen. Mit einer Devisentransaktionssteuer von bloss 2 Promille auf dem Handelsvolumen von Schweizer Franken (einhundert Billionen Dollar im Jahr 2013, siehe oben) könnte die gesamte Staatsquote der Schweiz (im Jahr 2012 gemäss OECD 28.4 % des BIP) abgedeckt werden. Da auch weiterhin zum Beispiel Einkommens- und Vermögenssteuern erhoben werden sollen, wären auch tiefere Ansätze der Devisentransaktionssteuer zweckmässig.

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