#Klimaschutz: zu radikal geht gar nicht

#NettoNull2030 ist eine der #Klimastreik-Forderungen. Die Politik in verschiedenen Städten in verschiedenen Ländern hat mit Vorstössen und Beschlüssen diese Forderung aufgenommen – nun setzt eine Gegenbewegung ein, die diese Forderung als «radikal» bezeichnet. Angesichts der Herausforderungen der Klimaerhitzung ist «radikal» gar nicht möglich.

Der Weltklimarat IPCC hat am 8. Oktober 2018 einen Bericht veröffentlicht zur Umsetzung des Pariser Klimaschutz-Übereinkommens. Eine der Aussagen aus aus der Medienmitteilung: «Limiting global warming to 1.5 °C would require rapid, far-reaching and unprecedented changes in all aspects of society. (Die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C erfordert schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft)». Naturwissenschaften Schweiz ergänzt dies mit der Aussage «Um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müssen die Nettoemissionen von CO2 bis spätestens 2050 weltweit auf null gesenkt werden.» Festzuhalten ist, dass trotz einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1.5 °C bereits erhebliche Auswirkungen auf Leben von Mensch und Um-/Mitwelt zu erwarten sind.

Die BewohnerInnen der Schweiz gehören im Mittel global betrachtet zu den Menschen mit einem eher grossen ökologischen Fussabdruck, damit auch einem eher grossen Treibhausgas-Fussabdruck. Der Alpenraum ist von der Klimaerhitzung stärker betroffen als der Durchschnitt der Erde; innerhalb eines Landes stehen jeweils auch die Städte stärker unter dem Einfluss der Klimaerhitzung. Ebenso sind viele arme Länder stark von der Klimaerhitzung betroffen, auch wenn sie pro Person einen geringen Treibhausgas-Ausstoss verursachen. Im Sinne der Klimagerechtigkeit haben Länder wie die Schweiz den Ausstieg aus den fossilen Brenn- und Treibstoffen schneller anzugehen. Im Oktober 2017 hat der WWF Schweiz eine Studie dazu veröffentlicht, mit der Aussage «Wenn die Schweiz ihren Beitrag an die Ziele des Pariser Abkommens leisten will, darf sie ab 2038 kein Erdöl, Erdgas und keine Kohle mehr verbrennen».

Bei üblichen Projekten wird von Zielen gefordert, dass diese SMART – Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch und Terminiert – sein sollten. Als Reaktiion auf die Klimakrise mit der bereits eingetretenen und weiterhin zu befürchtenden Klimaerhitzung sind bekanntlich «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» gefordert, da ist insbesondere Realistisch eher durch «notwendig» oder «wollen» zu ersetzen. Und es gilt dabei auch: Wenn wir wirklich das Klima im Sinne der Zukunftsfähigkeit schützen wollen, dann können wir dies durch entsprechendes Tun auch erreichen! Wir haben in erster Linie also am Wollen zu arbeiten.

Eine der Erfahrungen aus 40 Jahren Umweltpolitik ist, dass auf politischer Ebene meist ungenügende Ziele formuliert werden und diese zudem in der Regel nicht ausreichend erreicht werden. Es fehlt der Umwelt- und Energiepolitik eine gewisse Ernsthaftigkeit und Verbindlichkeit. Dabei fällt auf, dass ein Teil der AkteurInnen einen erheblichen Aufwand leistet, also mehr tut, als notwendig wäre, während andere sich tendenziell ignorant verhalten. Dies ist eine Bestätigung dafür, dass viel mehr Ökoroutine erforderlich ist.

Ein spezieller Aspekt dabei sind die zeitlichen Vorgaben. «Bis 2050», das sind noch knapp mehr als 30 Jahre. Für viele Güter, die für den Betrieb fossile Energie benötigen, geht dies über die übliche Nutzungsdauer hinaus. Eine Wärmeerzeugungsanlagem, die für die Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser mit Öl oder Gas betrieben wird, hat nach üblichen Angaben eine Nutzungsdauer von 20 Jahren. Echter Klimaschutz verlangt, dass bei einem Ersatz bereits jetzt auf erneuerbare Energien umgestellt wird – heute wird dies zu oft noch auf den nächsten Generationenwechsel verschoben. #NettoNull2030 signalisiert demgegenüber eine hohe Dringlichkeit, da ist bereits jetzt bei jedem Kesselersatz oder bei jedem Autokauf eine Lösung ohne fossile Energieträger zu wählen!

In der Politik werden vielfach «liberale» Lösungen zur Erreichung der Klimaschutzziele gefordert. «Liberal» ist unterdessen eine sinnentleerte Worthülse. In Wikipedia ist bei der Beschreibung von Liberalismus zu lesen: Leitziel des Liberalismus ist die Freiheit des Individuums vornehmlich gegenüber staatlicher Regierungsgewalt, er richtet sich gegen Staatsgläubigkeit, Kollektivismus, Willkür und den Missbrauch von Macht bzw. Herrschaft. Das Klima, das Weltklima ist ein Common, ist in diesem Sinne Kollektivismus – Massnahmen zum Schutz des Weltklimas stehen in erster Näherung gegen den Liberalismus. Die Erfahrungen aus 40 Jahren Energie- und Umweltpolitik belegen, dass der bis anhin dominierende Liberalismus genau nicht in der Lage ist, die Commons, die gemeinsamen Güter ausreichend zu schützen. Einfach noch dies: «Die Liberalen» nennen sich in der Westschweiz «Les Libéraux-Radicaux»!

Wer davon spricht, dass die aktuellen #Klimastreik-Forderung nach #NettoNull2030 zu radikal sei, lässt damit erkennen, dass er oder sie sich nicht an der EnkelInnen- und UrenkelInnen-Tauglichkeit der Politik orientiert. #NettoNull2030 ist exakt die Herausforderung , die eine gesellschaftliche Veränderung braucht!

Wenn wir dies wollen, ist #NettoNull2030 erreichbar – es braucht dazu das gesamte Nachhaltigkeits-Instrumentarium, es geht um ökologische, ökonomische und soziale Rahmenbedingungen. Nur so sind die für den Kliamschutz erforderlichen «schnellen, weitreichenden und beispiellosen Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» realisierbar!

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