Der Weltklimarat IPCC hat am 9. August 2021 zum x-ten Mal vor der Klimakrise gewarnt und dringende Handlungen eingefordert. Zwei Tage darauf hat der Bundesrat einen direkten Gegenvorschlag zur Gletscherinitiative beschlossen. Die Schweiz würde damit eine schwächliche, lethargische Klimapolitik betreiben. Der Weltklimarat hat mit seinem Bericht im August 2021 einmal mehr bestätigt, was schon sehr lange bekannt ist. für echten Klimaschutz braucht es «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft».
Eine der zentralen Fragen: Wie viel Treibhausgase, insbesondere CO2, darf die Welt, darf die Schweiz noch emittieren? Wenn die Absicht besteht, die globale Erwärmung auf höchsten 1.5 °C gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu beschränken, ist die Antwort sogar im Tages-Anzeiger zu lesen: Global dürfen dann noch rund 400 Gigatonnen CO2 aus den fossilen Rohstoffen ausgestossen werden, bei derzeit rund 40 Gigatonnen jährlichem Ausstoss.
Ohne Klimaschutz-Massnahmen ist dieser Stand also spätestens in 10 Jahren erreicht. Wenn ernsthaft Klimaschutz betrieben wird, darf es etwas länger gehen. Das gilt auch für die Schweiz: ab 2020 darf gerade noch zehnmal soviel CO2 ausgestossen werden wie 2020 emittiert wurden. Dazu gibt es Zahlen des Bundesamtes für Umwelt. Die Emissionen der Jahre 2011 bis 2020 ergeben mathematisch betrachtet einen ziemlich linearen Verlauf – eine leichte Abnahme immerhin.
Der vom Bundesrat vorgeschlagene direkte Gegenvorschlag zur Gletscherinitiative dürfte dazu führen, dass in den nächsten fünf bis sechs Jahren die CO2-Emissionen weiterhin leicht abnehmen. Erst nach Inkraftsetzung der neuen gesetzlichen Bestimmungen wird der lineare Absenkpfad mit null Emissionen im Jahr 2050 erreicht.
Werden die jährlichen Emissionen bis zur angestrebten Null im Jahr 2050 zusammengezählt, würde dies für die Schweiz einen etwa 60 Prozent zu hohen CO2-Ausstoss ergeben. Ganz banal: die Schweiz wird damit ihren Beitrag zur Einhaltung des 1.5-Grad-Klimaschutz-Ziels nicht leisten!
Eine höhere Klimaerhitzung ist nachweislich eine Gefahr für Mensch und Umwelt. Klimafolgenanpassung und die Reaktion auf klimakrisen-bedingten Schadensereignisse dürften zu sehr hohen Kosten führen. Eine solche Entwicklung kann nicht als nachhaltig bezeichnet werden. Die Klimapolitik des Bundesrates ebtspricht somit nicht der Verfassungsvorgabe für eine nachhaltige Entwicklung. Eine solche Klimapolitik ist definitiv nicht enkelInnen-/urenkelInnen-tauglich!
Wenn der Bundesrat die Warnungen der Wissenschaft zur Klimakrise wahrgenommen hätte, wenn auch die Klimabewegung gehört worden wäre, dann hätte der Bundesrat einen indirekten Gegenvorschlag beschliessen müssen! Ein echtes Klimaschutz-Gesetz muss endlich auf den Tisch – wesentlich weitergehend als das völlig ungenügende, in der Volksabstimmung vom Juni 2021 knapp gescheiterte CO2-Gesetz Version September 2020 (auch als FDP-Version bezeichnet).
Eine solche Klimapolitik schafft es, das noch zulässige Budget an Treibhausgas-Emissionen einzuhalten – mit «Null» bereits im Jahr 2035.
Die Grafik zeigt den «roten» Absenkpfad des Bundesrates und den «grünen» Absenkpfad als Beitrag der Schweiz zur Beschränkung der Klimaerhitzung auf 1.5 °C gegenüber dem vorindustriellen Zustand.

PS: Ja, es stimmt, die Schweiz importiert sehr viele Güter, die mit einem grossen CO2-Fussabdruck versehen sind. Wenn die Schweiz in ihren eigenen Grenzen den Klimaschutz-Beitrag zur Begrenzung der Klimaerhitzung leistet, wird dies eine Motivation für die Exportländer sein, ebenfalls echten Klimaschutz zu betreiben.
Es braucht sehr schnell einen Übergang zur ausschliesslichen nachhaltigen Nutzung von erneuerbaren Energien. Dies führt allenfalls zu Beginn zu höheren Investitionskosten, in einer Gesamtbetrachtung in den meisten Fällen zu tieferen Gesamtkosten. Zu beachten ist, dass insbesondere fossile und nukleare Energieträger zu lügenden Energiepreisen führen, weil in erheblichem Umfang direkte und indirekte Subventionen bestehen. Ebenso ist einzubeziehen, dass die Klimaerhitzung voraussichtlich zu erheblichen Anpassungs- und Schadenskosten führt.
Ein wichtiger Aspekt: obwohl seit langen Jahren klar ist, dass so rasch als möglich auf erneuerbare Energien zu wechseln ist, werden nach wie vor viele Investitionsentscheide unter Einbezug fossiler Energieträger gefällt. Die aktuellen Diskussionen zur Klimapolitik nicht nur der Schweiz zeigen, dass die FehlentscheiderInnen davon ausgehen, für ihr Fehlverhalten vom Staat belohnt oder zumindest entschädigt zu werden.
Zu beachten ist auch: das Geschäft mit den fossilen Energien ist sehr gewinnträchtig, nicht nur für die öl- und gasexportierenden Staaten und Unternehmen, sondern auch für den Handel in der Schweiz. Die fossile Misswirtschaft hat so viel Geld zur Verfügung, dass Referenden und Abstimmungen «gekauft» werden können, verbunden mit umfangreichen Lügen-Propaganda-Kampagnen. Politisch ist zumindest für Transparenz über die eingesetzten Kampagnenmittel zu sorgen.
Was zu tun ist für eine «Gletscherinitiative plus» ist längst klar – Spickzettel für die Umsetzung bieten beispielsweise die Ergebnisse der Arbeiten des deutschen Bürgerrates Klima oder der Climate Action Plan der Schweizerischen Klimabewegung. Wenn wir wirklich wollen, ist auch (Netto) Null 2030 erreichbar!
Zum Vorabzug meines Buches «Plan W. 2039 – Wir alle wollen»
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Die FDP gibt sich gegen aussen zwar klimaschützerisch. In der konkreten Umsetzung dominieren bei der FDP allerdings nach wie Unwissen, nahe bei Inkompetenz, Fakes und Lügen. Neuestes Beispiel aus der Stadt Zürich: Lautstarke und leseunfähige FDP-ParlamentarierInnen, die auf die Nichtbeachtung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Klimakrise setzen.
Die Stadt Zürich hat 2008 gemäss dem damaligen Wissensstand die 2000-Watt-Gesellschaft in der Gemeindeordnung festgeschrieben: [Die Stadt Zürich] setzt sich im Rahmen ihrer Zuständigkeit für die Erreichung der Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft ein, insbesondere für …
b) eine Reduktion des CO2-Ausstosses auf eine Tonne pro Einwohnerin oder Einwohner und Jahr …
In den Übergangsbestimmungen wird 2050 als Zieljahr für die Klimaschutzvorgabe festgehalten.
Diverse Vorstösse aus dem Gemeinderat verlangen nun, dass diese unterdessen ziemlich veralteten Klimaschutzziele an die wissenschaftlich dargelegten Klimaschutzanforderungen angepasst wird.
Auf der Basis der damaligen Erkenntnisse wurde im Dezember 2015 das Pariser Klimaschutz-Übereinkommen beschlossen. Absicht ist, die globale Erwärmung im Vergleich zu vorindustriellen Levels auf deutlich unter 2 °C, möglichst 1,5 °C zu begrenzen.
Im Oktober 2018 hat der Weltklimarat IPCC festgehalten, dass unter anderem zur Vermeidung von gefährlichen Kippvorgängen die Begrenzung der globalen Erwärmung auf höchstens 1.5 °C anzustreben ist.
Konkret heisst dies, gemäss Wikipedia : «Soll das 1,5°-Ziel ohne Einsatz der CCS-Technik [„Carbon Capture and Storage“-Technik] erreicht werden, muss die Verbrennung fossiler Energieträger bis ca. 2040 komplett eingestellt werden und die Energieversorgung – d. h. Strom, Wärme und Verkehr – in diesem Zeitraum vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden».
Wenn berücksichtigt wird, dass die Schweiz zu den reichsten Ländern mit einer langen Vergangenheit mit grossem fossilem Energieverbrauch gehört, ist im Sinne der Klimagerechtigkeit ein früherer Ausstieg aus den fossilen Energien anzustreben. Zudem ist dafür zu sorgen, dass der Ausstieg kontinuierlich erfolgt. Somit ist bereits heute ein mindestens linearer Absenkpfad anzustreben.
Das Finanzdepartement der Stadt Zürich hat am 4. Februar 2020 die «Strategische Planung 2020 bis 2023: Klima- und Umweltziele» vorgestellt. Darin heisst es: «Unter anderem soll bis 2030 die CO2-neutrale Versorgung der städtischen Wohnsiedlungen mit zu 100 Prozent erneuerbarer Energie umgesetzt sein.»
Diese strategische Planung ist also deutlich vor den für die erste Hälfte 2021 in Aussicht gestellten Entscheiden des Stadtrates zu den Forderungen der Klimabewegung und den damit verbundenen politischen Vorstössen zu «Netto Null 2030» erfolgt. Eigentlich handelt es sich dabei um eine «eigenverantwortliche Handlung» des Finanzdepartements der Stadt Zürich.
Am 18. Februar 2021 – also ein Schaltjahr und zwei Wochen später – schliesst die FDP der Stadt Zürich aus einem (unterdessen abgeänderten) Stelleninserat, dass der Stadtrat «Netto Null 2030» aufgegeben habe.
Dieser nicht zutreffende mehr als konstruierte Zusammenhang ist der erste Hinweis auf das FDP-Unwissen zum Klimaschutz. Begriffe in der FDP-Medienmitteilung wie «unmissverständliche Abfuhr», «ökosozialistischer Fundamentalismus», «Netto-Null-2020-Ideologie» oder «dogmatische Forderungen» sind angesichts der wissenschaftlichen Faktenlage Fakes und Lügen. Wenn ernsthafter Klimaschutz mit Worten wie «Drohungen», «Schreckensszenarien» oder «Selbstkasteiungen» eingestuft wird, sind parallel dazu die FDP-Aussage«ruinöse wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen» weitere Fakes und Lügen. PS: Wer solche Worte braucht, beweist bloss, dass er oder sie keine Ahnung von der Thematik hat und schon gar keine Argumente.
Als Konterpunkt der Lead eines Artikels vom 9. Februar 2021 in der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel «Globale Energiewende im Schnelldurchlauf»: «Forscher fordern, schon bis 2035 weltweit nur noch erneuerbare Energien wie Photovoltaik und Windkraft zu nutzen, um irreversible Schäden für das Klima abzuwenden. …» Festgehalten wird zudem: ein solches System ist am Ende kostengünstiger (als die bisherige Energieversorgung).
Zudem hat der Schweizerische Nationalfonds (SNF) bereits im Januar 2020 mitgeteilt: «Aussteigen ist möglich… wenn wir wollen». Im Detail sagt der SNF: «Die Erkenntnisse aus den über 100 Forschungsprojekten des Nationalen Forschungsprogramms ‘Energie‘ zeigen, dass ein wirtschaftlich und sozial verträglicher Ausstieg aus der Kernenergie und der CO2-intensiven Energiewelt schon mit den heute bekannten technischen und finanziellen Mitteln grundsätzlich möglich ist».
Offenbar will die FDP nicht, was wissenschaftlich belegt für den Klimaschutz erforderlich ist. Offenbar will die FDP möglichst lange an der Versorgung mit fossilen Erdgas festhalten, weil dies freisinniges Machwerk sei (Zitat: «hervorragende Infrastruktur, auch unter freisinniger Führung in der Energieversorgung»).
Nur: seit den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts ist bekannt, dass so rasch als möglich auf den Einsatz fossiler Energien zu verzichten ist. Wie unwissend die FDP agiert, zeigt etwa auch eine dringliche Anfrage im Zürcher Kantonsrat, in welcher die Frage gestellt wird: «Sollte aufgrund politischer Weichenstellungen auf kantonaler Ebene der Rückbau von Gasnetzen eine unerlässliche Folge sein, hätten dann Gemeinden und private Eigentümer von Gas-Infrastruktur ein Anrecht auf Entschädigungen vom Kanton?»
Was bei Gasinfrastrukturen in den letzten mehr als zehn Jahren erfolgt ist, kann – mit den Worten von Prof. Dr. Claudia Kemfert – nur als «schlechtes Unternehmertum» bezeichnet werden, da «seit mehreren Jahrzehnten allgemein bekannt ist, dass die fossile Energiegewinnung wegen des Klimawandels ein Auslaufmodell sein muss». Schlussfolgerung daraus von Prof. Dr. Claudia Kemfert: «Warum sollen SteuerzahlerInnen für schlechtes Unternehmertum aufkommen?»
Der Tages-Anzeiger, beim Klimaschutz nach wie vor nahe bei der fossilen Lobby, hat die FDP-Medienmitteilung dankbar aufgenommen – ergänzt mit einem Interview mit Stadtrat Hauri, der die Sache bereits deutlich korrigiert.
Auch die Klimagerechtigkeitsbewegung hat auf dem Twitter-Kanal «Klimastreik Zürich» @KlimastreikZH reagiert: «Lieber Stadtrat, wage es nicht, von #NettoNull2030 abzuweichen, sonst musst du mit der geballten Wut der Klimagerechtigkeitsbewegung rechnen».
«Netto Null 2030» ist auch für Zürich zwingend – alle Abweichungen davon stellen ein Demokratieversagen dar, entsprechend dem völlig ungenügenden Schweizerischen CO2-Gesetz Version September 2020.
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Am 25. September 2020 haben National- und Ständerat einem massiv ungenügenden CO₂-Gesetz zugestimmt – die Reaktionen auf Twitter und Co. zeigen interessante Muster. Bis jetzt ist die Demokratie in der Klimakrise nicht vorangekommen. Es braucht schnell ein umfassendes und weitreichendes CO₂-Gesetz!
Eine Sammlung von anonymisierten und redaktionell bearbeiteten Tweets zum CO₂-Gesetz in der Fassung 25. September 2020:
In eigentlich allen Aussagen kommt einerseits eine erhebliche Resignation zum Ausdruck, andererseits wird immer auch kräftig Schönfärberei betrieben. Der Hintergrund ist klar: da ein Referendum gegen dieses zu schwache CO2-Gesetz nicht ausgeschlossen werden kann, wird bereits jetzt etwas Ja-Werbung betrieben. In diesem Teilbereich der Aussagen ist die Grenze zu Fakes und Lügen fliessend!
Es gibt auch mindestens zwei eindeutigere Aussagen:
Nun, «klimaneutrale Schweiz bis (spätestens) 2050» ist leider auch eine zu schwache Klimapolitik. Bereits dies erfordert eine deutlich anspruchsvollere Klimapolitik als jetzt von National- und Ständerat beschlossen. Dies illustriere ich mit einer Grafik über den auf 2015 indexierten Treibhausgas-Ausstoss, verglichen mit dem noch zur Verfügung stehenden Treibhausgas-Budget. Netto oder brutto null Fossile um 2035 bis spätestens 2040 sind die Zielvorgaben für eine enkelInnen-taugliche Klimapolitik!

Nach den kritisch-schönfärberischen Stimmen sind ganz anders lautende Tweets zu finden. Hier nenne ich die AbsenderInnen.
Da kommt eine Sicht zum Vorschein, die allenfalls vor 20 Jahren, also im Jahr 2000, gepasst hätte. Im September 2020 sind solche Aussagen angesichts der Klimakrise offensichtliche Lügen und Fakes. Sie illustrieren in erschreckender Art und Weise das Demokratieversagen beim Klimaschutz.
Wahrscheinlich wegen dieses Demokratieversagens wurden die Aktivitäten von #RiseUpForChange vom Berner Bundesplatz verdrängt. Dies ändert nichts daran, dass dieses CO2-Gesetz mit Blick auf die internationalen Klimaschutz-Vorgaben als gescheitert, gar als illegal zu bezeichnen ist!
Eigentlich ist es ganz einfach: statt die Referendumsfrist für das missratene CO2-Gesetz anzusetzen, müsste der Bundesrat sofort einen neuen Vorschlag für ein zukunftsfähiges CO2-Gesetz vorlegen, zeitlich so geplant, dass das Parlament spätestens in der übernächsten Session ein brauchbares CO2-Gesetz beschliessen könnte. Dies ist das schon lange benötigte klare Zeichen, dass die Anliegen von #RiseUpForChange aufgenommen werden und endlich die fossile Lobby aus der Politik verabschiedet wird!
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Schon vor etwa vierzig Jahren war klar: je erfolgreicher die Klima(schutz)politik, desto weniger Klimaanpassung braucht es. Klimaschutz ist gemäss Sir Nicholas Stern um Faktoren billiger als Klimaanpassung, oder anders: je mehr Klimaanpassung, desto stärker steigt das BIP! Ist das mit ein Grund, warum Klimaschutz nicht vorankommt?
Vier Tage nach der Vorstellung der aus Klimasicht ungenügenden Vorschläge zur Anpassung der Energiegesetzgebung im Kanton Zürich haben die drei Stadtzürcher Stadträte, Andreas Hauri, Dr. Richard Wolff und Dr. André Odermatt die «Fachplanung Hitzeminderung» vorgelegt. Offensichtlicher kann der Stadtrat von Zürich nicht zeigen, dass die Klima(schutz)politik gescheitert ist, und dass auch wenig Hoffnung auf eine wirkungsorientierte Klimaschutzpolitik besteht.
Da die Fachplanung aufzeigt, dass aufwändige Massnahmen mit beachtlichem Wirtschafts-Wachstums-Potenzial vorgeschlagen werden, ist davon auszugehen, dass diese Planung auf breite Zustimmung stossen wird – wegen des BIP-Wachstums sogar bei der $VP, die zwar die Klimaerhitzung als Teil der Klimakrise nach wie vor nicht anerkennt, aber wegen des BIP-Potenzials begeistert bei Klimaanpassungs-Massnahmen klatscht. Einfach dies: «Klimaanlagen» in Gebäuden sind keine Klimaanpassungsmassnahme, sondern reine Symptombekämpfung – dies ist ein anderes Thema.
«Wir sind alle etwas dumm, faul und egoistisch» hat ETH-Professor Reto Knutti im einem Beobachter-Interview zum bisherigen Klimaschutz festgehalten – es ist zu hoffen, dass dies nicht auch für die Zukunft zutrifft, dass also die Menschen lernfähig sind. Auf der anderen Seite: Klimaanpassungs-Massnahmen bedienen insbesondere «faul» (man muss nichts für den Klimaschutz tun) und «egoistisch» (Klimaanpassung bringt mir etwas), möglicherweise ist dies erfolgsversprechend!
Das ist allerdings sehr kurzsichtig oder eben «etwas dumm». Der Schweizerische Nationalfonds hat Anfang 2020 festgehalten: «Aussteigen [aus der Kernenergie und der CO2-intensiven Energiewelt] ist möglich… wenn wir wollen, und dies sogar wirtschaftlich und sozial verträglich» – Ergebnisse der Nationalen Forschungsprogramme “Energiewende” (NFP 70) und “Steuerung des Energieverbrauchs” (NFP 71). Somit: wenn wir wollen, ist Heizen mit erneuerbaren Energien billiger als Heizen mit Öl und Gas. Aber eben, das müssen alle wollen, selbst die Öl- und Gasfirmen. «Etwas dumm» hilft da nicht wirklich! [Teile dieses Absatzes habe ich schon in anderen Blogbeiträgen verwendet]
In der oben verlinkten Medienmitteilung zur «Fachplanung Hitzeminderung» kommt das Stichwort «Klimaschutz» nicht vor, dies gilt auch für die städtische Internet-Seite zur «Fachplanung Hitzeminderung». Da die Medienkonferenz vom 12. Mai 2020 mit «Physical Distancing»-Vorgaben stattfand, ist eine Videoaufzeichung mit einer Dauer von fast 80 Minuten verfügbar. Dort wird während etwa vier Minuten oder fünf Prozent des Youtube-Beitrages auf den (städtischen) Klimaschutz als Teil der Klimapolitik hingewiesen, auch wenn Stadtrat Hauri darauf hinweist, dass der Klimaschutz noch nicht dort sei, wo er sein müsste.
Aufgefallen ist auch, dass die drei Stadträte und auch weitere Sprecherinnen ausschliesslich so genannte generische Maskulin-Formulierungen verwenden, beispielsweise ausschliesslich die Bezeichnung «Hauseigentümer», obwohl gemäss Statistik die meisten Besitzenden von Gebäuden «Hauseigentümerinnen» sind.
Ich hoffe nach wie vor, dass die Notwendigkeit einer «Fachplanung Hitzeminderung» dazu führt, dass nicht nur die Stadt Zürich sich endlich für «Netto Null (Fossile) 2030» entscheidet. Denn: wenn es gelingt, den Ausstoss von Treibhausgasen möglichst schnell zu begrenzen, wirken sich die «Hitzeminderungs»-Massnahmen besser und schneller aus!
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Die stark vom Menschen geprägte Klimaerhitzung ist uneingeschränkt als Krise zu bezeichnen. Die Corona/COVID19-Pandemie wird als Krise wahrgenommen. Was lernen wir aus dem Umgang mit Krisen?
«Wenn wir in ein paar Jahren zurückblicken, werden wir feststellen: die von Menschen gemachte Klimaerhitzung, die zumindest eine interessierte Welt seit langer Zeit beschäftigt, wurde sträflich unterschätzt. In China, den USA und in Europa, auch in der Schweiz. Nur so ist es zu erklären, dass trotz eindeutigen Warnungen von Wissenschafter*innen, Expert*innen und der Jugend viel zu langsam der Verbrauch an fossilen Energien und damit die Zunahme der Klimaerhitzung eingeschränkt wurde. Stattdessen feierten die Leute weiter, in ihren Wohnungen, auf den Strassen und Pärken, in den Ferien, bei Kultur- und Sportanlässen». Fast so stand es zu Beginn eines Meinungs-Artikels von Arthur Rutishauser in der Sonntagszeitung vom 29. März 2020. Das Original trägt den Titel «Eine Belastungsprobe für unsere mündige Demokratie», und es geht um den Umgang der Schweiz mit dem Coronavirus.
Nicht jede Krise sieht gleich aus. Auch wenn Pandemien mit mehr oder weniger langen Abständen vorkommen, beträgt die Zeit von der Wahrnehmung bis zu Reaktionen einige wenige Tage bis Wochen.
Der von Menschen gemachte Klimawandel wurde auch darum zur Klimakrise, weil unter dem Einfluss der fossilen Misswirtschaft viel zu wenig für den Klimaschutz getan wurde – siehe dazu etwa das Buch Losing Earth („Der Verlust der Erde“) von Nathaniel Rich.
In Krisensituationen sind «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» – ein Zitat aus einem Bericht des Weltklimarats IPCC aus dem Jahr 2018 – erforderlich. In der Schweiz haben der Bundesrat, die Kantonsregierungen und zum Teil die Gemeinde- und Stadtregierungen in Notverordnungen ohne die üblichen demokratischen Abläufe reagiert. Interessanterweise haben viele, die auch beim Klimaschutz nicht wirklich handeln wollen, vor allem über den Verlust von «Freiheiten» lamentiert.
Gehört beispielsweise «Rauchen» zu diesen Freiheiten? Menschen schädigen dabei nachweislich ihre Gesundheit (und zum Teil auch jene von Passivraucher*Innen) – und sie reagieren mit hoher Wahrscheinlichkeit empfindlicher auf den Corona-Virus. Bei Missachtung des «Physical Distancing» geben angesteckte Personen Corona/Covid19 an andere weiter.
Ist der Verbrauch von fossilen Brenn- und Treibstoffen ebenfalls als Freiheit zu verstehen? Dies im Wissen darum, dass das bei sachgemässer Verwendung fossiler Energien ausgestossene Treibhausgas CO2 ein Gift für das Weltklima ist – falls es nicht gelingt, die Mensch gemachte Klimaerhitzung deutlich und schnell zu begrenzen, wird dies zu erheblichen Auswirkungen auf Mensch, Gesellschaft und Umwelt führen. Zu erwarten sind auch massive gesundheitliche Auswirkungen, zusätzlich zu den Gesundheitsschäden, die eine Folge von Luftschadstoffen sind, die bei der Verbrennung von fossilen Energien ebenfalls entstehen. Angesichts dieser bekannten Auswirkungen ist es geradezu ein Hohn, dass die Verbrennung dieses schädlichen Energieträgers mit Freiheit in Verbindung gebracht wird.
Die Klimakrise aufgrund der Klimaerhitzung erfordert wie oben festgehalten «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft». Angesichts der Krisensituation ist zu erwarten, dass die Politik in ordentlichen Abläufen endlich das beschliesst, was zur Abwendung der Klimakrise nötig ist.
Prof. Dr. Rolf Wüstenhagen, Lehrstuhl für Management erneuerbarer Energien am Institut für Wirtschaft und Ökologie der Universität St. Gallen, hält dazu in einem Interview mit Raiffeisen Casa fest: «Die Demokratie hat aber offenkundig Mühe, mit dem Tempo des Klimawandels Schritt zu halten. Sie muss an Geschwindigkeit zulegen.»
Auch Dr. Christian Zeyer, Geschäftsführer von swisscleantech, hat dies am 14. März 2020 bei der Einschätzung des Entwurfs der nationalen CO2-Gesetzgebung sehr ähnlich gesehen: «Um die wissenschaftlich breit abgestützten Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, reicht die Vorlage in der jetzigen Version nicht aus. Dafür bräuchte es ambitioniertere Klimaziele und entsprechend wirksame Massnahmen.»
Da ist bloss zu hoffen, dass etwa die FDP die aktuellen Corona-Unterbrüche als Aktivierungsschub versteht, um demokratisch verankert das zu tun, was für echten Klimaschutz schnell nötig ist – und nicht aus Prinzip an einem schäbigen Kompromist (hier handelt es sich um einen vorsätzlichen Verschreiber) festzuhalten, der überhaupt nicht zielführend ist.
Die Klimastreiks der Klimajugend haben immer wieder auch den «System Change» gefordert. Wir müssen weg von der Wachstumsgesellschaft, wir müssen weg von der Konsum- und Wegwerfgesellschaft – dazu passt der Spruch «all you need is less». Der Wachstumszwang steht ganz offensichtlich gegen menschliche Freiheiten, auch Konsum und Wegwerfen führen zu weiteren Zwängen, sowohl für die Gesellschaft als auch für Menschen. Objektverweise ist es Zeit für eine neue Epoche: es braucht den Aufbruch zur Postwachstums-Gesellschaft, dies auch zur Förderung einer globalen Wohlstandsgerechtigkeit.
Vermehrtes Arbeiten im Home Office ist eine der Reaktionen auf die diversen Vorgaben in Corona-Zeiten. Bekanntlich ist Verkehr eine Behinderung der Mobilität – es wird spannend sein, ob nach den Corona-Massnahmen ein Meinungsumschwung stattfindet. Pendeln, egal ob mit dem ÖV oder dem MIEV (auch wieder ein vorsätzlicher Verschreiber), muss generell weniger werden. In Ergänzung zum Home Office bietet sich das geteilte Büro in Wohnungsnähe an – ideal ist, wenn alle Alltags-Mobilitätsbedürfnisse mit 7’000 täglichen Schritten abgedeckt werden können, allenfalls ergänzt mit Velo-Etappen. Dazu passt: «Wenn wir gehen, werden wir kreativer!» Die Corona-Phase wird auch Hinweise darauf geben, wie Arbeit, Familie und Kinderbetreuung vereinbar miteinander gemacht werden können.
In Corona-Zeiten wurden wenige Berufe als systemrelevant bezeichnet – vor allem im Gesundheitswesen und bei der Lebensmittel- und Güterversorgung. Auffällig dabei ist, dass viele Berufstätige in systemrelevanten Funktionen am unteren Ende der Einkommensskala eingeordnet sind (und kaum politischer Wille besteht, dies zu ändern).
Dies ruft geradezu auch hier nach einem System Change: wir brauchen endlich den Wechsel zum bedingungslosen Grundeinkommen für alle, wir brauchen verbunden mit der Postwachstumsgesellschaft eine Steigerung der Bedeutung der freiwilligen oder ehrenamtlichen Arbeit. PS: Diverse Studien zum bedingungslosen Grundeinkommen für alle zeigen, dass Menschen gerne tätig sind und gerne Wirkung erreichen wollen – und Arbeiten bevorzugen, die der Allgemeinheit und nicht den individuellen Egoismen nutzen! Auch hier: wenn wir wollen, ist es möglich, für jeden Menschen auf dieser Erde ein bedingungsloses Grundeinkommen zu garantieren – verbunden in der Schweiz mit dem Ausstieg aus den Endlosdiskussionen über die generationengerechte finanzielle Altersvorsorge.
Eine positive Nebenwirkung wäre zudem, dass bei zukünftigen vergleichbaren Krisen keine Milliardenbeiträge mehr an Unternehmen erforderlich sind. PS: Gerade in der aktuellen Krisensituation ist es von grosser Bedeutung, öffentliche Gelder an Unternehmen so einzusetzen, dass sie einen Beitrag leisten zur Reduktion der Klimakrise. Denn: selbst in Corona/Covid19-Zeiten darf das Klima nicht egal sein! Klar ist: NettoNull2030 bleibt eine zwingende Notwendigkeit.
Es braucht auch eine gesellschaftliche Debatte über das Freiheitsverständnis, im Wissen um die grosse Bedeutung der ethischen Komponente, etwa von Kant formuliert im kategorischen Imperativ: «Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.» Vieles von dem, was Menschen gerade in reichen Ländern tun können, trägt zum übergrossen ökologischen Fussabdruck bei – wir können nicht wollen, dass dies zum allgemeinen Gesetz, zur Maxime für jeden Menschen auf dieser Erde wird.
Wenn wir wollen, ist die Klimakrise zumindest deutlich abschwächbar – etwa dann, wenn möglichst rasch nach 2030 auf den Einsatz fossiler Energien verzichtet wird. Bei einer akuten Krise wie der Corona-Krise sind Menschen mehr oder weniger ausgeprägt bereit, für eine gewisse Zeit auf lieb gewordene Gewohnheiten zu verzichten, wahrscheinlich im Wissen um die zeitliche Begrenztheit der Krisensituation. Für echten Klimaschutz sind – neben eher technischen Aspekten der Effizienz und der Konsistenz – Suffizienz-Massnahmen, zum Teil mit der Verabschiedung lieb gewordener Gewohnheiten und Traditionen verbunden, erforderlich. Und dies in allen Bereichen der Gesellschaft: Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Kultur, Sport, Verkehr, Konsum, Ernährung, Ferien, …
Dazu braucht es einiges an Erfolgsgeschichten aus der Zukunft, positive Climate Fiction!
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Earth Hour – seit vielen Jahren machen Menschen und Städte von 20:30 bis 21:30 Uhr am letzten März-Samstag auf die weltweite Klima- und Biodiversitätskrise aufmerksam: für eine Stunde wird zum Beispiel die Beleuchtung öffentlicher Bauten und Anlagen ausgeschaltet. Das Bild zeigt die Momente des Aus- und Einschalten des Lichtes anlässlich der Earth Hour 2019 vom Limmatufer in der Stadt Zürich aus, mit Blick auf Rathaus, Grossmünster und Münsterbrücke.
Wegen der Corona-/COVID19-Krise ist die Earth Hour 2020 ein #Bleibzuhause-Anlass – darum hier das Bild aufgenommen während der Earth Hour 2019 in der Stadt Zürich.
Unabhängig vom weiteren Verlauf der Corona-/COVID19-Krise: es braucht schnelle, umfassende und weitreichende Schritte, um aus der Klima- und Biodiversitätskrise entkommen zu können. Seit rund 40 Jahren wird von der Wissenschaft vor der Klimakrise gewarnt – passiert ist viel zu wenig, nach wie vor dominieren die fossilen Energien unsere Energieversorgung. Klimastreiks und Klimademos haben berechtigterweise auf dieses ungenügende Klimaschutz-Handeln hingewiesen.
NettoNull2030 ist eine zwingende Handlungsvorgabe, um der Menschheit eine Zukunft auf diesem Planeten zu ermöglichen. Die Earth Hour 2020 ist auch ein deutlicher Hinweis, unsere Gesellschaftspolitik vermehrt enkelInnen- und urenkelInnen-tauglich auszugestalten. Nur ein Mehr an Klimaschutz sichert langfristig die Freiheit der Menschheit!
Die Handlungsaufforderung ist einfach und eindeutig: so rasch als möglich aus den fossilen und nuklearen Energien aussteigen! Wenn wir alle dies wollen, ist dies nachhaltig, also ökologisch, sozial und ökonomisch, bestens realisierbar! Eben: falls wir es alle wollen!
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Wenn wir die Klimakrise auf ein für die Menschheit akzeptables Niveau begrenzen wollen, bedeutet dies, dass wir bis 2030 Netto Null CO2-Emissionen zu erreichen haben. Dieses Klimaschutzziel setzt die Vorgabe des Weltklimarates IPCC aus dem Jahr 2018 – schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft – um. Es ist erstaunlich, dass etwa Medien gegen bestens naturwissenschaftlich begründete Vorgaben polemisieren, am 2. Juli 2019 ein Beispiel der offenbar von der fossilen Energie-Misswirtschaft abhängige Tages-Anzeiger, mit Schlagzeilen wie «Die linke Forderung ist eine Illusion». Dabei ist schon lange klar: wenn wir wirklich wollen, sind auch schnelle, weitreichende und beispiellose Klimaschutzziele bestens umsetzbar! Es heisst also: Achtung, fertig – und jetzt los!
NettoNull2030 geht von einer Weltklimarat-Aussage aus dem Jahr 2018 aus: Soll die mittlere globale Temperaturzunahme auf für die Gesellschaft erträgliche 1.5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden, können höchstens noch zehn Jahre lang Treibhausgasse im bisherigen Umfang ausgestossen werden (roter Verlauf im nachfolgenden Diagramm). Wenn möglichst bald ein deutlicher Absenkpfad der Treibhausgas-Emissionen eingehalten wird, reicht das Budget einige Jahre weiter (grüner und lilafarbiger Verlauf in der nachfolgenden Grafik). Wenn wir dies wirklich wollen, ist dies erreichbar!

Nimmt die Gesellschaft fahrlässig in Kauf, dass sich die globale Mitteltemperatur deutlicher erhöht – weil doppelt so viele Treibhausgase wie nach Budget zulässig ausgestossen werden – könnte als fauler Kompromiss (resp. Kompromist) auch NettoNull2050 anvisiert werden (gelber gestrichelter Verlauf in vorangehender Grafik). Dies wird nachfolgende Generationen zu sehr aufwändigen Klimaanpassungsmassnahmen und/oder noch nicht wirklich verfügbaren und kaum finanzierbaren Massnahmen zur Entnahme und sicheren Lagerung von Treibhausgasen zwingen.
Als negative Utopien respektive Dystopien gibt es zu ungenügendem Klimaschutz erschreckende Titel, etwa Klima-Prognose 2050: „Hohe Wahrscheinlichkeit, dass die menschliche Zivilisation endet“
Das ist sicher nicht enkelInnentauglich, darum wollen wir im zukunftsfähigen Bereich bleiben.
Die drei Ebenen Bund, Kantone und Gemeinden haben je ihre Aufgaben und Pflichten, meist auf Verfassungs- oder Gesetzesstufe vorgegeben. Die Kantone haben für den Gebäudebereich 2014 die «Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich« (MuKEn 2014) beschlossen. Die Kantone haben diese Bestimmungen in ihre Energiegesetzgebung aufzunehmen. Im Kanton Zürich ist dies bis jetzt nicht erfolgt, es liegt nicht einmal ein Vorschlag des Regierungsrates vor. Dabei zu beachten: der von den Stimmberechtigten als Klimaschutz-Regierungsrat gewählte Martin Neukom ist seit etwa zwei Monaten im Amt; es wird spannend sein, wie die vom neu zusammengesetzten Regierungsrat beantragte Energiegesetzänderung aussieht. Zwei Dinge sind dabei zu beachten:
Auch wenn der Kanton Zürich Gesetzgebungskompetenz im Gebäudebereich hat, gilt auch hier das Subsidiaritätssprinzip. Sind die Vorgaben des Kantons zu schwach, um den Anforderungen der EnkelInnen-Tauglichkeit zu genügen, haben Gemeinden wie die Stadt Zürich das Recht, sogar die Pflicht, Bestimmungen zu erlassen, die ihren Anforderungen genügen. So ist beispielweise festzuhalten, dass ab spätestens 2025 keine Wärmeerzeugungsanlagen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, eingebaut werden dürfen, sowohl beim Neubauten wie beim Ersatz bestehender Wärmeerzeugungsanlagen. An der Sinnhaftigkeit dieser liberalen Vorgabe – keine Pflicht mehr zum Ausstoss von für das Weltklima giftigem CO2-Abgas – kann niemand zweifeln.
Wichtig ist daher auch das Divestment – es ist nicht nachvollziehbar, warum eine Stadt Hauptaktionärin eines Energieversorgers ist, wenn ein solches Unternehmen den grössten Umsatz mit einem fossilen Energieträger wie Erdgas erreicht.
Die Alternativen zu den fossilen Brenn- und Treibstoffen sind in vielen Bereichen vorhanden. Wenn fähige PlanerInnen im Einsatz stehen, ist es möglich, jedes Gebäude mit dezentral nutzbaren erneuerbaren Energien zu betreiben. Es gibt diverse Studien, die aufzeigen, dass diese Alternativen volkswirtschaftlich günstiger sind als Heizungen mit Heizöl oder Erdgas! Es mag sein, dass in einigen Fällemn die Investitionskosten höher sind; dafür sind die Betriebskosten in der Regel tiefer. Zu beachten sind zudem die Preisentwicklungen, wenn der Marktanteil der Lösungen mit erneuerbaren Energien deutlich zunimmt.
Klimaschutz ist ein Element von Nachhaltigkeitsstrategien. Dazu gehören immer auch die sozialen Aspekte. Dazu passt, dass die SP Schweiz Anfang Juli 2019 ihren «Klima-«Marshallplan» für die Energiewende» vorgestellt hat, unter anderem mit der Botschaft «Es ist ein Wirtschaftsförderungsprogramm mit historischen Dimensionen, von dem die Schweiz wirtschaftlich und sozial profitieren wird.» Bei Nachhaltigkeitskonkretisierung sind immer die Elemente Suffizienz, Effizienz und Konsistenz zu berücksichtigen.
Schon vor vielen Jahren hat Sir Nicholas Stern festgehalten, dass Klimaanpassung teurer zu stehen kommt als Klimaschutz. Klimaschutz kann also nicht abgeblockt werden mit Kostenargumenten – bei fehlendem Klimaschutz muss auch irgendwer die wesentlich höheren Kosten für die Klimaanpassung bezahlen.
Wenn wir es wollen, ist NettoNull2030 bestens möglich. Darum: Achtung, fertig und LOS!
NettoNull2030 betrifft nicht nur die Schweiz – diese Klimastreiks haben etwa am 24. Mai 2019 in 126 Ländern in mindestens einer Stadt stattgefunden, oder Zitat TAZ: So eine große Ausdehnung hatten weltweite Proteste noch nie …
In diesem Text wurde der Fokus bewusst auf den Klimaschutz im Gebäudebereich gelegt. Damit verbunden ist die Aussage, dass Klimaschutz derart drängend ist, dass die Frage «Wäre es nicht besser, man würde stattdessen dies oder jenes tun» nicht mehr zulässig ist. Es gibt kein «oder» mehr, nur noch viele «und»: es braucht einen riesigen Strauss an Klimaschutzmassnahmen. Dazu gehört auch, dass sich lokale Politik und CO2-Bilanzierung auf die direkt beeinflussbaren Dinge wie Gebäude und Verkehr beschränken – Konsum beispielsweise gehört auch in der Stadt Zürich dazu, wenn dies in der Bilanz enthalten ist, was an Gütern und Dienstleistungen über die Stadtgrenze exportiert wird.
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Netto Null Treibhausgasemissionen bis 2050 – dieses Ziel will die am 10. Mai 2019 lancierte Gletscher-Initiative in der Schweizerischen Bundesverfassung verankern. Ab 2050 sollen demnach keine fossilen Brenn- und Treibstoffe mehr in Verkehr gebracht werden. Die Unterschriftensammlung läuft – jetzt die Gletscher-Initiative unterschreiben!
Die Gletscher-Initiative fordert Netto Null Treibhausgasemissionen bis 2050 – das ist weniger als die Forderung der Klimastreikenden FridaysForFuture nach einem #Klimanostand mit #NettoNull2030. Die bisherige Klimapolitik der Schweiz ist so schwach, dass die Forderung der Gletscher-Initiative als eigentliches Rückfall-Szenario zu betrachten ist. Als zivilgesellschaftliche Forderung bleibt #NettoNull2030 bestehen. Wir alle sind aufgefordert, im Sinne der EnkelInnen- und UrenkelInnen-Tauglichkeit schnellen und wirksamen Klimaschutz ab sofort zu realisieren. Wenn wir wollen, ist dies bestens möglich!
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#NettoNull2030 ist eine der #Klimastreik-Forderungen. Die Politik in verschiedenen Städten in verschiedenen Ländern hat mit Vorstössen und Beschlüssen diese Forderung aufgenommen – nun setzt eine Gegenbewegung ein, die diese Forderung als «radikal» bezeichnet. Angesichts der Herausforderungen der Klimaerhitzung ist «radikal» gar nicht möglich.
Der Weltklimarat IPCC hat am 8. Oktober 2018 einen Bericht veröffentlicht zur Umsetzung des Pariser Klimaschutz-Übereinkommens. Eine der Aussagen aus aus der Medienmitteilung: «Limiting global warming to 1.5 °C would require rapid, far-reaching and unprecedented changes in all aspects of society. (Die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C erfordert schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft)». Naturwissenschaften Schweiz ergänzt dies mit der Aussage «Um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müssen die Nettoemissionen von CO2 bis spätestens 2050 weltweit auf null gesenkt werden.» Festzuhalten ist, dass trotz einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1.5 °C bereits erhebliche Auswirkungen auf Leben von Mensch und Um-/Mitwelt zu erwarten sind.
Die BewohnerInnen der Schweiz gehören im Mittel global betrachtet zu den Menschen mit einem eher grossen ökologischen Fussabdruck, damit auch einem eher grossen Treibhausgas-Fussabdruck. Der Alpenraum ist von der Klimaerhitzung stärker betroffen als der Durchschnitt der Erde; innerhalb eines Landes stehen jeweils auch die Städte stärker unter dem Einfluss der Klimaerhitzung. Ebenso sind viele arme Länder stark von der Klimaerhitzung betroffen, auch wenn sie pro Person einen geringen Treibhausgas-Ausstoss verursachen. Im Sinne der Klimagerechtigkeit haben Länder wie die Schweiz den Ausstieg aus den fossilen Brenn- und Treibstoffen schneller anzugehen. Im Oktober 2017 hat der WWF Schweiz eine Studie dazu veröffentlicht, mit der Aussage «Wenn die Schweiz ihren Beitrag an die Ziele des Pariser Abkommens leisten will, darf sie ab 2038 kein Erdöl, Erdgas und keine Kohle mehr verbrennen».
Bei üblichen Projekten wird von Zielen gefordert, dass diese SMART – Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch und Terminiert – sein sollten. Als Reaktiion auf die Klimakrise mit der bereits eingetretenen und weiterhin zu befürchtenden Klimaerhitzung sind bekanntlich «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» gefordert, da ist insbesondere Realistisch eher durch «notwendig» oder «wollen» zu ersetzen. Und es gilt dabei auch: Wenn wir wirklich das Klima im Sinne der Zukunftsfähigkeit schützen wollen, dann können wir dies durch entsprechendes Tun auch erreichen! Wir haben in erster Linie also am Wollen zu arbeiten.
Eine der Erfahrungen aus 40 Jahren Umweltpolitik ist, dass auf politischer Ebene meist ungenügende Ziele formuliert werden und diese zudem in der Regel nicht ausreichend erreicht werden. Es fehlt der Umwelt- und Energiepolitik eine gewisse Ernsthaftigkeit und Verbindlichkeit. Dabei fällt auf, dass ein Teil der AkteurInnen einen erheblichen Aufwand leistet, also mehr tut, als notwendig wäre, während andere sich tendenziell ignorant verhalten. Dies ist eine Bestätigung dafür, dass viel mehr Ökoroutine erforderlich ist.
Ein spezieller Aspekt dabei sind die zeitlichen Vorgaben. «Bis 2050», das sind noch knapp mehr als 30 Jahre. Für viele Güter, die für den Betrieb fossile Energie benötigen, geht dies über die übliche Nutzungsdauer hinaus. Eine Wärmeerzeugungsanlagem, die für die Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser mit Öl oder Gas betrieben wird, hat nach üblichen Angaben eine Nutzungsdauer von 20 Jahren. Echter Klimaschutz verlangt, dass bei einem Ersatz bereits jetzt auf erneuerbare Energien umgestellt wird – heute wird dies zu oft noch auf den nächsten Generationenwechsel verschoben. #NettoNull2030 signalisiert demgegenüber eine hohe Dringlichkeit, da ist bereits jetzt bei jedem Kesselersatz oder bei jedem Autokauf eine Lösung ohne fossile Energieträger zu wählen!
In der Politik werden vielfach «liberale» Lösungen zur Erreichung der Klimaschutzziele gefordert. «Liberal» ist unterdessen eine sinnentleerte Worthülse. In Wikipedia ist bei der Beschreibung von Liberalismus zu lesen: Leitziel des Liberalismus ist die Freiheit des Individuums vornehmlich gegenüber staatlicher Regierungsgewalt, er richtet sich gegen Staatsgläubigkeit, Kollektivismus, Willkür und den Missbrauch von Macht bzw. Herrschaft. Das Klima, das Weltklima ist ein Common, ist in diesem Sinne Kollektivismus – Massnahmen zum Schutz des Weltklimas stehen in erster Näherung gegen den Liberalismus. Die Erfahrungen aus 40 Jahren Energie- und Umweltpolitik belegen, dass der bis anhin dominierende Liberalismus genau nicht in der Lage ist, die Commons, die gemeinsamen Güter ausreichend zu schützen. Einfach noch dies: «Die Liberalen» nennen sich in der Westschweiz «Les Libéraux-Radicaux»!
Wer davon spricht, dass die aktuellen #Klimastreik-Forderung nach #NettoNull2030 zu radikal sei, lässt damit erkennen, dass er oder sie sich nicht an der EnkelInnen- und UrenkelInnen-Tauglichkeit der Politik orientiert. #NettoNull2030 ist exakt die Herausforderung , die eine gesellschaftliche Veränderung braucht!
Wenn wir dies wollen, ist #NettoNull2030 erreichbar – es braucht dazu das gesamte Nachhaltigkeits-Instrumentarium, es geht um ökologische, ökonomische und soziale Rahmenbedingungen. Nur so sind die für den Kliamschutz erforderlichen «schnellen, weitreichenden und beispiellosen Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» realisierbar!
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Es ist einfach, aber nicht leicht. So sagt es Marcel Hänggi in seinem Buch «Null Öl. Null Gas. Null Kohle.» Der CO2-Ausstoss muss (raschmöglichst) runter auf «netto null». Weil die fossilen Energien vor allem in reichen Ländern omnipräsent sind, ist dies nicht leicht. Die weltweiten Klimastreiks, inspiriert durch Greta Thunberg, verlangen eigentlich bloss das, was seit Jahrzehnten klar ist. Die Mehrheit der Menschen aus etwa zwei Generationen hat bis jetzt diese Botschaft nicht umgesetzt – und ist möglicherweise auch darum von den Forderungen der Jugend nach #Klimanotstand, #NettoNull2030 und #Klimagerechtigkeit im Minimum irritiert.
Es gibt schon lange Menschen, die das als selbstverständlich erachten, was eigentlich die Energie-, Umwelt- und Klimapolitik tun sollte, eben zum Beispiel so rasch als möglich «netto null» Treibhausgasemissionen zu erreichen. Nur: das, was diese Menschen tun, gilt noch nicht als «normal, nützlich und notwendig» – die grotesken Reaktionen und Positionsbezüge insbesondere von PolitikerInnen von FDP, SVP etc bis hin zur GLP zeigen nach wie vor grosse Informationsdefizite und eine ausgeprägte Wissenschaftsdistanz. Dazu passt, dass die Mehrheit der Menschen meint, umweltfreundlicher als der Durchschnitt der Bevölkerung zu sein.
An einer vom WWF getragenen Veranstaltung im Zürcher Kosmos vom 25. Februar 2019 führte WWF-Klimaexpertin Myriam Planzer einmal mehr vor, was prägend ist für die Klimakrise, für die Klimaerhitzung, was also schnellstmöglich ändern muss. Es geht um vieles, das mit F wie «Fossile» zu tun hat:
Zur Verdeutlichung können der Footprint-Rechner des WWF oder der ECOSPEED Private-Rechner verwendet werden.
Der Klimanotstand erfordert von allen einen «Dschungel von Massnahmen», oder, wie es der Weltklimarat im Oktober 2018 festgehalten hat, es braucht schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft!
Ich habe kürzlich meine persönlichen Archivbestände durchgesehen, vieles davon 20 und mehr Jahre alt. Interessant dabei: die schnellen, weitreichenden und beispiellosen Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft sind im Grundsatz seit Jahrzehnten bekannt, Details wurden allenfalls in den letzten Jahren präzisiert. Die Sache ist wirklich einfach, es gibt ausreichend Möglichkeiten, «netto null» CO2-Ausstoss zu erreichen. Eigentlich die einzige Voraussetzung: wir müssen dies wollen!
Wenn Anfang März 2019 die FDP immer noch sagt, dass sie «eine liberale Klimapolitik, die nicht mit Verboten funktioniert», wolle, dann sind die letzten 30 bis 40 Jahre Energie-, Umwelt- und Klimapolitik offenbar an der FDP vorbeigegangen. Verbote von fossilen Energien sind etwa hochgradig liberal und entsprechem dem demokratischen Rechtsstaat – der Zwang, Stoffe wie Erdöl oder Erdgas zu verbrauchen, die bei sachgemässer Anwendung ein Gift für das Weltklima ausstossen, ist offensichtlich unliberal. Längst ist bekannt, dass vieles von dem, was wir heute tun, auch mit erneuerbaren Energien möglich ist, Energien, die tatsächlich nachhhaltig, also enkelInnen-tauglich, nutzbar sind. EnkelInnentauglichkeit ist die mit Liberalität zwingend verknüpfte Selbstverantwortung. Die Beliebigkeits- und Freiwilligkeits-Phasen sind in der Energie-, Umwelt- und Klimapolitik vorbei. Damit wir tun, was wir für richtig halten, ist Ökoroutine angesagt.
Dazu gehört auch, dass «Nudges» für nachhaltiges Verhalten, von Nahferien bis zu vegetarischer/veganer Ernährung, etwa auch von der FDP abgelehnt werden. Werbung für übergrosse Autos, Flugreisen und dergleichen, eindeutige Nudges für nicht-nachhaltiges Verhalten, werden demgegenüber nicht einmal thematisiert. Vielleicht liegt dies an gelegentlichen ironischen Einsprengseln, etwa der Hinweis «Hör niemals auf neu anzufangen.» auf einem solchen Plakat!
Die Mängel der bisherigen Energie-, Umwelt- und Klimapolitik erfordern zwingend die Einführung und Umsetzung eines Klimanotstandes – #NettoNull2030, umgesetzt mit den handlungsleitenden Prinzipien Suffizienz, Effizienz und Substitution, unter Beachtung der Nachhaltigkeitsebenen Soziales, Ökonomie und Ökologie ist geradezu eine zwingende Vorgabe! Schon fast als Backup dazu ist die Gletscher-Initiative zu verstehen.
Zum Schluss: Die von Menschen gemachte Klimakrise, als Klimaerhitzung wahrgenommen – verursacht durch den (übermässigen) Ausstoss des Treibhausgases CO2 – ist eine hochgradig gesicherte Tatsache. Und zur Begrenzung der von Menschen gemachten Klimaerhitzung braucht es die Atomenergie nicht!
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