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SystemChange | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Sun, 18 Jul 2021 10:30:22 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 44487214 Unwetter-Stimmung in der Umwelt- und Klimapolitik? https://www.umweltnetz.ch/content/unwetter-stimmung-in-der-umwelt-und-klimapolitik Sun, 18 Jul 2021 10:21:40 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=8334 Weil in den letzten Jahrzehnten viel zu wenig für den Schutz des Klimas getan wurde, befinden wir uns in einer Klimakrise. Weil dies immer offensichtlicher wird, reagieren gewisse Kreise der Menschheit mit einer eigentlichen Unwetter-Stimmung. Was ist zu tun, um diese Unwetter-Stimmung abzulegen und viel mehr gegen die Klimakrise zu tun? Wir alle … Es … „Unwetter-Stimmung in der Umwelt- und Klimapolitik?“ weiterlesen

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Weil in den letzten Jahrzehnten viel zu wenig für den Schutz des Klimas getan wurde, befinden wir uns in einer Klimakrise. Weil dies immer offensichtlicher wird, reagieren gewisse Kreise der Menschheit mit einer eigentlichen Unwetter-Stimmung. Was ist zu tun, um diese Unwetter-Stimmung abzulegen und viel mehr gegen die Klimakrise zu tun?

Wir alle …

Es gibt nicht die Schuldige oder den Schuldigen für die Klimakrise – «wir alle» sind es. Jeder auf diesem Planeten lebende Mensch trägt mehr oder weniger viel zur Klimakrise bei. Und jeder auf diesem Planeten lebende Menschen kann einen Beitrag gegen die Klimakrise leisten.

Eigentlich ist es wie mit den Steuern. «Wir alle» tragen mehr oder weniger zum Steueraufkommen bei. Verbreitet ist dabei die Stimmung, dass viele finden, sie seien stärker als andere von den Steuern belastet und würden gleichzeitig weniger als andere von den Steuern profitieren. Immer stärker verbreitet sich eine meritokratische Grundhaltung, Anrecht auf sehr vieles zu haben. Grundlegende Elemente der Ethik werden dabei ignoriert, etwa der aus dem kant‘schen oder kategorischen Imperativ abgeleitete Vorgabe der gleichen oder zumindest vergleichbaren Ansprüche. Wenn bekannt ist, dass die bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehenden Treibhausgase zu einer eigentlichen Klimaerhitzung mit unabsehbaren Folgen auf die Lebensmöglichkeiten aller Menschen führen, ist raschestmöglich auf diese fossilen Energieträger zu verzichten.

«Wir alle» – da ist jeder Mensch nicht nur mitgemeint, sondern gemeint. Insbesondere funktioniert «ich tue erst etwas, wenn alle anderen auch etwas tun» nicht, weil dies zu einer eigentlichen Blockade führt. «Ich tue, was ich tun kann – und lade andere dazu ein, es auch so oder ähnlich zu tun» ist der einzig erfolgsversprechende Ansatz.

Eine Möglichkeit zeige ich mit dem Vorabzug von «Plan W. 2039 – wir alle wollen».

Nach dem Nein zum völlig ungenügenden CO2-Gesetz

Wäre es am 13. Juni 2021 zu einem Ja der Schweizerischen Stimmberechtigten zum völlig ungenügenden CO2-Gesetz gekommen, hätte bereits am Abend die Diskussion über eine weitere kräftige Verstärkung der Klimapolitik der Schweiz beginnen müssen. Nach dem Nein ist die Situation somit nicht wesentlich anders – die Dringlichkeit ist noch höher, und die «Unwetter»-Stimmung wegen des Demokratieversagens könnte lähmend wirken.

Auch wenn es andere Behauptungen gibt, so richtig mit Herzblut haben sich sehr wenige Menschen für dieses völlig ungenügende CO2-Gesetz eingesetzt – «Ja, aber …» war noch nie sehr motivierend. Die Fossil-Lobby hat mit der Finanzierung der $VP-Lügenkampagne neue Massstäbe der real existierenden Monekratie aufgezeigt, und der Heizöl- und Erdgasverein (HEV) hat klar gegen die Interessen der Hauseigentümerschaften und damit auch gegen die Mieterschaft agiert. Es gibt sicher Anteile der Bevölkerung, die wegen des völlig ungenügenden Klimaschutzes gegen das CO2-Gesetz gestimmt haben oder nicht an der Abstimmung teilgenommen haben. Auffällig ist, dass insbesondere die Stimmberechtigten der Städte mit eigenständiger und teilweise langjähriger Klimapolitik hohe Ja-Anteile in der Abstimmung bewirkt haben.

Eigentlich gibt es nur die Option, ein wesentlich ambitiöseres CO2-Gesetz zu entwerfen und zur Abstimmung zu bringen. Spannend wird die Frage sein, ob es tatsächlich nötig ist, klimafreundliche Entscheide zu belohnen respektive zu subventionieren. Hier dürfte es sich rächen, dass es seit Jahrzehnten nicht gelungen ist, Kostenwahrheit im Energiemarkt einzuführen.

Die Anwendung fossiler Energieträger führt in erheblichem Umfang zu direkten und indirekten Kosten, die nach wie vor durch die Öffentlichkeit getragen werden. Spannend etwa, dass die Informationen über die ungedeckten Kosten im Verkehr – mit den drei drei grössten Quellen Luftverschmutzung, Lärmbelastung und Folgen des Klimawandels – erst nach der Abstimmung veröffentlicht wurden.

Der Vollständigkeit halber: die Bundesverfassung verpflichtet die Schweiz zu einer nachhaltigen Entwicklung. Dazu gehören ökologische, ökonomische und soziale Aspekte. Nach wie vor dominieren in der Politik die kurzfristig und damit kurzsichtig angelegten Überlegungen zu finanziellen Auswirkungen. In Sachen Nachhaltigkeit besteht auch da erheblicher Nachholbedarf.

Es ist zu hoffen, dass es der Politik gelingt, die monekratisch orientieren Lügen-Kampagnen in den Griff zu bekommen. Zu beachten dabei: auch die Meinungsäusserungsfreiheit hat sich an den Fakten zu orientieren – Lügen welcher Art auch immer können nicht als Meinungen bezeichnet werden.

Klimaschutz und Klimaanpassung

Seit einiger Zeit ist offensichtlich, dass Klimaschutz (Mitigation) ergänzt werden muss mit Klimaanpassung (Adaptation).

Die starken Sturm-Hagel-Gewitter verbunden mit starken Regenfällen in der ersten Hälfte Juli 2021 haben einmal mehr gezeigt, dass auch hier eine Unwetter-Stimmung herrscht. Es ist offensichtlich, dass es immer noch nicht gelingt, Wetter und Klima verständlich zu differenzieren. Die Wissenschaft nennt schon länger verschiedene Auswirkungen der Klimakrise. Heisses Wetter verbunden mit Trockenheit zählt genauso dazu wie Starkregenphasen – lokal nicht gleichzeitig, auch nicht zwingend im gleichen Jahr. Und auch regional sehr unterschiedlich – etwa derzeit Nordamerika mit Hitze, Trockenheit und unterschiedlich ausgelösten grossflächigen Bränden, während in Mitteleuropa Überschwemmungen und ein eher zurückhaltender Sommer zu beobachten sind (Stand etwa Mitte Juli 2021).

Stärker als bisher ist in Öffentlichkeit und Medien die Attributionsforschung in die Diskussion einzubeziehen. In dieser Zuordnungsforschung geht es darum, den «möglichen Einfluss des Klimawandels auf extreme Wetterereignisse wie Dürren, Hitzewellen, Kälteeinbrüche und extreme Regenfälle» zu analysieren.

Wir wissen, was zu tun ist – System Change zwingend!

Weg von den fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energien ist eine schon lange bekannte Strategie zur Reaktion auf die Klimakrise. Dies ist eine echte Herausforderung – in der Formulierung des Weltklimarates IPCC vom Oktober 2018 wird dies konkretisiert: Limiting global warming to 1.5 °C would require rapid, far-reaching and unprecedented changes in all aspects of society, the IPCC said in a new assessment. [Um den Klimawandel auf 1.5 °C zu begrenzen, sind schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft erforderlich.] Dies braucht einen System Change – oder anders, es sind viele Dinge des täglichen Lebens betroffen, die heute als «nützlich, normal und notwendig» gelten. Auch bei liebgewordenen Gewohnheiten sind Veränderungen erforderlich!

Wir wissen, was zu tun ist. Ich verzichte hier auf Copy-Paste von Massnahmenlisten. Die Verlinkungen solcher Sammlungen ist demgegenüber weiterführend.

Ende Juni 2021 hat der deutsche Bürgerrat Klima die Ergebnisse der mehrwöchigen Arbeit von 160 zufällig ausgewählten Männern und Frauen präsentiert. In den Ergebnissen sind 76 Empfehlungen für die Konkretisierung der Klimapolitik in den Handlungsfeldern Energie, Mobilität, Gebäude und Wärme, Ernährung und Instrumente der Transformation enthalten.

Die durch den Klimastreik verstärkte Klimabewegung hat den «Climate Action Plan CAP» ehrenamtlich erarbeitet, als «gemeinsames Projekt von jungen Klimastreikenden, Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus den verschiedensten Fachgebieten». Da gibt es einiges an Massnahmen zu lesen und umzusetzen: 9 sektorübergreifend, 28 zur Mobilität, 14 zu Gebäuden und Raumentwicklung, 7 zu Industrie und Dienstleistungssektor, 8 zur Energieversorgung, 33 zu Landwirtschaft und Ernährung, 3 zu negativen Emissionen, 11 zum Finanzsektor, 10 zur internationalen Zusammenarbeit und zur Klimafinanzierung, 11 zur Bildung und 3 zur Klimaanpassung – insgesamt 137 Massnahmen!

Wir alle haben genügend zu tun, und dies ab sofort. Oder anders: eine neue Öl- oder Gasheizung, ein neues Auto mit Benzin- oder Dieselmotor, regelmässig Fleisch in den Mahlzeiten – das ist alles Blödsinn! Und eben, es braucht Freiwilligkeit und Vorschriften. Und vor allem die klare Botschaft, dass so rasch als möglich auf die fossilen Energien zu verzichten ist.

Auto- und andere -Poser

Zur Unwetter-Stimmung gehören auch diverse Poser, nicht nur die Auto-Poser. Dröhnende Motoren, stinkende Auspuffe – dies wird immer offensichtlicher mit Absicht von einer mehr oder weniger grossen Minderheit vorgeführt. Einfach dies: Lärm ist auch ein Zeichen für wenig effiziente Energienutzung, Gestank für veraltete Technologien. Und wer nur leicht den Kopf schüttelt wegen derartigen Posereien, muss mit einem Stinkefinger rechnen.

Eine andere Form der Poserei lehnt den offensichtlich notwendigen «System Change» ab. Mit anderen Technologien – beispielsweise Wasserstoff, oder erneuerbaren Treibstoffen für den Flug- und Autoverkehr – werden Hoffnungen für weniger oder kleinere System Changes geweckt.

Ich weiss, Photovoltaik wurde von massgeblichen Kreisen lange belächelt – und spielt trotzdem eine immer bedeutendere Rolle bei der Energieversorgung. Als Kontrast dazu: Wasserstoff wurde in den letzten 40 Jahren regelmässig gehypt, passiert ist wenig. Zu klären sein wird, ob diesmal Wasserstoff der Versuch der bisher fossil dominierten Energiewirtschaft ist, weiterhin eine vor allem ökonomisch interessierende Rolle zu spielen – oder ob die Realität immer stärker der Übergang vom Produktions-/Konsum-Schema zu einem Prosumer-Ansatz ist (bei dem auch Wasserstoff eine gewisse Bedeutung haben könnte)!


Unwetter und Klimakrise haben durchaus gewisse Zusammenhänge – wenn es gelingt «wir alle» im Umgang mit der Klimakrise zu erreichen, hilft dies auch beim Unwetter!

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«System Change» — in der Klimakrise endlich weg von Neoliberalismus, Monekratie und Meritokratie https://www.umweltnetz.ch/content/system-change-in-der-klimakrise-endlich-weg-von-neoliberalismus-monekratie-und-meritokratie Sun, 07 Mar 2021 11:31:14 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=8264 Nicht erst seit dem Erstarken der Klima(gerechtigkeits-)bewegung wird «System Change» verlangt. Insbesondere Menschen in reichen Ländern sind mit einem massiv übergrossen Fussabdruck unterwegs. Unter Nachhaltigkeitsüberlegungen, also zur Sicherstellung der EnkelInnen- und UrenkelInnen-Zukunft, sind erhebliche Veränderungen erforderlich. Neoliberalismus/Eigenverantwortung, Monekratie und Meritokratie haben definitiv ausgedient. Eine knappe Mehrheit des Nationalrates hat Anfang März unverbindlich verlangt, dass sämtliche … „«System Change» — in der Klimakrise endlich weg von Neoliberalismus, Monekratie und Meritokratie“ weiterlesen

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Nicht erst seit dem Erstarken der Klima(gerechtigkeits-)bewegung wird «System Change» verlangt. Insbesondere Menschen in reichen Ländern sind mit einem massiv übergrossen Fussabdruck unterwegs. Unter Nachhaltigkeitsüberlegungen, also zur Sicherstellung der EnkelInnen- und UrenkelInnen-Zukunft, sind erhebliche Veränderungen erforderlich. Neoliberalismus/Eigenverantwortung, Monekratie und Meritokratie haben definitiv ausgedient.

Eine knappe Mehrheit des Nationalrates hat Anfang März unverbindlich verlangt, dass sämtliche staatlich vorgegebenen Massnahmen im Zusammenhang mit der Corona-/Covid-19-Epidemie aufgehoben werden. Durch diesen Beschluss entstand der Eindruck, die knappe Mehrheit des Nationalrates wolle mehrheitlich die seit Mitte März 2020 prägende Pandemie/Epidemie beenden. Der gleichzeitig diskutierte «Maulkorb» für gewisse WissenschafterInnen verstärkt diese Wahrnehmung.

«Eigenverantwortung» – im aktuellen Verständnis der Fokus auf die eigenen (egoistischen) Interessen – gilt bereits als mögliches Unwort der Jahre 2020 und 2021; dadurch wird der Neoliberalismus konkretisiert.

Spätestens bei der Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative am 29. November 2020 wurde erkennbar, dass die «Eigenverantwortungs»-Parteien und -Verbände den Anspruch haben, sich die Stimmen der Stimmberechtigten mehr oder weniger direkt mittels PR, Marketing und Werbung zu kaufen, also mit einer monekratischen Vorgehensweise. Nicht akzeptiert wird allerdings in diesen Kreisen, dass Nicht-Regierungsorganisationen und Kirchen ebenfalls erhebliche Mittel in PR, Marketing und Werbung investieren. Eine Mehrheit der Stimmberechtigten hat der Initiative zugestimmt; weil allerdings das Ständemehr knapp nicht erreicht wurde, gilt die Initiative trotzdem als abgelehnt.

Offensichtlich ist, dass Firmen bei sozialen und ökologischen Herausforderungen nicht mehr bloss «eigenverantwortlich» agieren sollten. Gefordert ist – und dies wird sicher mittel- bis längerfristig zur Regel –, dass an erster Stelle das Allgemeinwohl zu berücksichtigen ist (auch als Commons oder gemeinsame Güter bezeichnet).

Unter anderem Reformator Johannes Calvin hat die Prädestinations-Sicht (Vorherbestimmung) geprägt. Vereinfacht ausgedrückt meint dieses in diversen Stufen weiterentwickelte ethisch-moralische Konzept, menschliches Handeln sei dank der göttlichen Gnade erfolgreich. Wer erfolgreich ist, stehe unter besonderer göttlicher Gnade. Eine säkularisierte Form zeigt sich in der Meritokratie (von lateinisch «meritum», das Verdienst, nach Duden Anerkennung verdienende Tat, Leistung), eine Form der Aristokratie. Diese Sichtweise steht in erheblichem Widerspruch zu demokratischen Grundprinzipien, etwa der «égalité» gemäss französischer Revolution (als Teil von Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit) oder gemäss Schweizerischer Bundesverfassung («gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen», «[Die Schweizerische Eidgenossenschaft] sorgt für eine möglichst grosse Chancengleichheit unter den Bürgerinnen und Bürgern.», «Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich»).

Ein Aspekt dieser neoliberal geprägten meritokratischen Monekratie ist die seit langem bekannte fehlende Kostenwahrheit – etwa im Verkehr. Im privaten Motorfahrzeug-Personenverkehr entstehen diese Kosten durch zum Beispiel Luftverschmutzung, Lärm, CO2-Ausstoss und Unfälle. Diese durch die Allgemeinheit, also nicht durch die VerursacherInnen, bezahlten Kosten betrugen im Jahr 2017 rund 1000 Franken jährlich pro Person.

Die auf «Eigenverantwortung» bezüglich der egoistischen Interessen aufbauende Klimapolitik nennt meist nur die Kosten der für echten Klimaschutz erforderlichen Energiewende, vergisst aber die Nennung der Kosten für das Nichtstun, wenn also kein Klimaschutz erfolgt, und blendet auch die Veränderungen bei den externen Kosten aus.

Die Fortsetzung der bisherigen Politik funktioniert also nur mit Fakes und Lügen!

Ein Beispiel ist das völlig ungenügende CO2-Gesetz der Schweiz in der Fassung von National- und Ständerat vom September 2020. Weil die Fossillobby das Referendum ergriffen hat, wird jetzt dieses völlig ungenügende Gesetz von vielen AkteurInnen gehypt, um vom Demokratieversagen abzulenken. Klar ist: Das völlig ungenügende CO2-Gesetz reicht bei weitem nicht aus, um die minimalistische Klimapolitik des Bundesrates zu erfüllen. Somit ist dieses Gesetz erst recht nicht geeignet, dafür zu sorgen, dass die Schweiz die Verpflichtungen des Pariser Klimaschutz-Übereinkommens vom Dezember 2015 einhält.

Im Interesse der gegenwärtigen und zukünftigen Generationen braucht es einen deutlichen System Change – unsere Gesellschaft muss von vielen Gewohnheiten und Verhaltensweisen Abschied nehmen, um eine nachhaltige(re) Entwicklung zu ermöglichen.


Die Allmende «Weltklima» – als eine der Grundlagen für ein lebenswertes Leben – verlangt, dass so rasch als möglich auf fossile und nukleare Energien verzichtet wird und zukünftig ausschliesslich erneuerbare Energien nachhaltig genutzt werden. Bekannt ist, dass dies technisch und ökonomisch möglich ist, wenn wir alle wollen (siehe auch «Plan W. 2039. Wir alle wollen.»)! «So rasch als möglich» bedeutet, dass ab sofort bei jedem Entscheid die fossilfreien Varianten zu bevorzugen sind, unabhängig davon, was irgendwo sonst auf dem Planeten passiert.

Wir wissen alle, dass unser ökologische Fussabdruck auch durch Dinge beeinflusst wird, die nicht in unserem individuellen oder nationalen Verantwortungsbereich liegen. Allerdings: diese Realität darf nicht dazu missbraucht werden, im eigenen Verantwortungsbereich auf den Klimaschutz zu verzichten – gerade in der Schweiz besteht eine recht lange Geschichte etwa beim übermässigen Verbrauch fossiler Energieträger.

Kürzlich wurde eine Untersuchung  vorgestellt, die eine neue Aufteilung des ökologischen Fussabdruckes vorschlägt. Demnach sollen die handelsbedingten Emissionen relativ zum ökonomischen Vorteil auf ExporteurInnen und ImporteurInnen aufgeteilt werden. Ein Zitat aus dem SRF-Bericht: «Das einseitig auf den Export fossiler Brennstoffe ausgerichtete Russland ist viel stärker von dessen Export abhängig, als der Käufer in Europa, der zunehmend auf Alternativen ausweichen kann. Die CO2-Emissionen würden also zu einem grösseren Teil auf das Konto Russlands gehen.» Diese ökonomische Argumentation ändert allerdings nichts daran, dass auch in der Schweiz möglichst rasch auch aus den fossilen Energieträgern insbesondere Erdöl und Erdgas auszusteigen ist.

Als Zitat aus meinen Blog-Beitrag FDP: Unwissenheit beim Klimaschutz: Was bei Gasinfrastrukturen in den letzten mehr als zehn Jahren erfolgt ist, kann – mit den Worten von Prof. Dr. Claudia Kemfert – nur als «schlechtes Unternehmertum» bezeichnet werden, da «seit mehreren Jahrzehnten allgemein bekannt ist, dass die fossile Energiegewinnung wegen des Klimawandels ein Auslaufmodell sein muss».

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Coronakrise – Nähe, Distanz – örtlich, zeitlich – Klimakrise https://www.umweltnetz.ch/content/coronakrise-naehe-distanz-oertlich-zeitlich-klimakrise Sun, 24 May 2020 21:35:14 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7985 Gedanken, Abklärungen, Recherchen, Überlegungen in Zeiten der Coronakrise, im Wissen um die Klimakrise. Rechte, Pflichten, Chancen, Risiken, Existenz als einige Stichworte. Der demokratische Rechtsstaat kennt ausdrücklich «ausserordentliche Lagen» mit Kompetenzdelegation an den Bundesrat   Artikel 7 des Bundesgesetzes über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (Epidemiengesetz, EpG) befasst sich mit ausserordentlichen Lagen, Zitat: Wenn es … „Coronakrise – Nähe, Distanz – örtlich, zeitlich – Klimakrise“ weiterlesen

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Gedanken, Abklärungen, Recherchen, Überlegungen in Zeiten der Coronakrise, im Wissen um die Klimakrise. Rechte, Pflichten, Chancen, Risiken, Existenz als einige Stichworte.

Der demokratische Rechtsstaat kennt ausdrücklich «ausserordentliche Lagen» mit Kompetenzdelegation an den Bundesrat  

Artikel 7 des Bundesgesetzes über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (Epidemiengesetz, EpG) befasst sich mit ausserordentlichen Lagen, Zitat: Wenn es eine ausserordentliche Lage erfordert, kann der Bundesrat für das ganze Land oder für einzelne Landesteile die notwendigen Massnahmen anordnen.

Am 16. März 2020 hat der Bundesrat die «ausserordentliche Lage» deklariert. Am 11. März 2020 hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Erkrankung COVID-19 als Pandemie eingestuft. Die WHO hat bis zum 24. Mai 2020 keine Aktualisierung dieser Einstufung vorgenommen – somit ist auch für die Schweiz die Beibehaltung der «ausserordentliche Lage» angezeigt.

Die aufgrund der ausserordentlichen Lage angeordneten notwendigen Massnahmen wurden in diversen Beschlüssen angepasst, was zuerst zu einem sogenannten Lockdown und ab Ende April 2020 zu einer schrittweisen Lockerung führte. Über COVID-19 ist nach wie vor sehr wenig bekannt; somit ist der Wechsel zum Normal-Modus noch nicht zweckmässig, und zwar nicht aus Angst-Motiven, sondern ausschliesslich aus Gründen der Vorsorge.

Weil immer noch die ausserordentliche Lage gilt, entsprechen die Einschränkungen nach wie vor dem Rahmen eines demokratischen Rechtsstaates (unabhängig vom Gebrüll der üblichen rechtsnationalistischen Wirrköpfe).

Recht auf Leben

Das Epidemiengesetz konkretisiert den «Schutz des Menschen vor übertragbaren Krankheiten» mit dem Zweck, «den Ausbruch und die Verbreitung übertragbarer Krankheiten zu verhüten und zu bekämpfen.» Damit wird das in Artikel 10 der Bundesverassung festgehaltene «Recht auf Leben» an einem realen Beispiel konkretisiert.  

Im Buch «Homo Deus» von Yuval Noah Harari findet sich einige interessante Aussagen zum Recht auf Leben: «Im 21. Jahrhundert werden die Menschen vermutlich ernsthaft nach der Unsterblichkeit greifen. Der Kampf gegen das Alter und den Tod wird dabei lediglich den althergebrachten Kampf gegen Hunger und Krankheit fortführen und den höchsten Wert der gegenwärtigen Kultur zum Ausdruck bringen: den Wert des menschlichen Lebens. … Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den Vereinten Nationen verkündet wurde … stellt kategorisch fest, grundlegendster Wert der Menschheit sei das «Recht auf Leben». Da der Tod eindeutig gegen dieses Recht verstößt, ist er ein Verbrechen gegen die Menschheit, und deshalb sollten wir den totalen Krieg gegen ihn führen.»

Ich nehme in diesen Formulierungen durchaus eine übersteigerte Argumentationsweise wahr, allenfalls als Provokation zu interpretieren, um das «Recht auf Leben» einordnen zu können.

Fakt ist: die durchschnittliche Lebenserwartung im weltweiten Mittel hat von 29 Jahre (im Jahr 1800) über 46 Jahre (im Jahr 1950) auf 71 Jahre im Jahr 2015 zugenommen. Somit: ein Teil der statistisch erfassten Zunahme der Weltbevölkerung ist auch auf die beachtliche Steigerung der Lebenswartung zurückzuführen.

Es ist offensichtlich, dass die Pandemie COVID-19 Auswirkungen auf die Lebenserwartung hat, Massnahmen zum Schutz des Lebens sind somit angezeigt. Zusätzlich zu weiteren Einflussfaktoren wirken sich die Luftverschmutzung oder die Klimakrise ebenfalls auf die Lebenserwartung aus. Somit sind auch hier weitergehende Massnahmen erforderlich.

Zu beachten dabei: beim «Recht auf Leben» geht es nicht nur um das eigene Leben, sondern um das Leben aller Menschen, sicher auf nationaler Ebene, eigentlich sogar global betrachtet. Dies ist bei der Beurteilung von Massnahmen in der aussoerordentlichen Lage zu beachten.

Ausserordentliche Lagen kommen selten vor, es ist also das Prognose-Paradoxon zu berücksichtigen: die zu Beginn der Pandemie befürcheten «Prognosen» etwa zu den Todesfällen aufgrund von COVID-19 sind hauptsächlich darum nicht eingetroffen, weil Massnahmen mit erheblichen Einschränkungen der normalen Lebensverhältnisse beschlossen wurde. Da es sich dabei um ein Experiment ohne Wiederholungsmöglichkeit geht, darf aus den nicht eingetroffenen Prognosen nicht abgeleitet werden, dass die Massnahmen unnötig gewesen seien. 

Ein vergleichbares Beispiel stellt die «Waldsterben»-Debatte Ende des 20. Jahrhunderts dar. Wegen der Luftschadstoffe insbesondere aus Verbrennungsprozessen wurden erhebliche Auswirkungen auf die Waldbestände prognostiziert, was zu beachtlichen Anstrengungen zur Verbesserung der Lufthygiene mit nachweisbarer Wirkung führte, Stichworte etwa Auto-Abgas-Katalysator und Low-NOx-Feuerungen. Das Waldsterben fand daher nicht wie prognostiziert statt, allerdings als Folge der ergriffenen Massnahmen und nicht wegen der Prognose-Ungenauigkeit. Letztlich geht es dabei auch um Krisenkommunikation respektive Umwelt-Psychologie, durchaus auch von erheblicher Bedeutung sowohl bei der Corona- als auch der Klimakrise!

Dimensionsvergleiche

Eine kleine Internet-Suche ergibt eine «Grösse» des Sars-CoV-2-Virus von 160 Nanometer. Ein Mensch mit einer Körperlänge von 1 Meter und 80 Zentimeter ist 11’250’000 mal grösser als das Sars-CoV-2-Virus. 11’250’000 mal länger als ein Mensch ergibt eine Strecke von 20’250 Kilometern, grob entspricht dies etwa dem halben Erdumfang! Das Sars-CoV-2-Virus kann Menschen krank machen – das Verhalten der Menschen führt zur Klimakrise.

Oder anders: Regelmässig ist der übermässige ökologische Fussabdruck der Menschen ein Thema, etwa am Swiss Overshoot Day. Das Sars-CoV-2-Virus zeigt, dass jeder einzelne Mensch ebenso eine physische Präsenz hat, durch verschiedene Sinne  wahrnehmbar, aber eben im Nanometerbereich trotz möglichen Ansteckungsrisiken nicht mit den üblichen Sinnen erkennbar!

Nähe und Distanz

«Physical Distancing» (öffentlich leider meist als «Social Distancing» bezeichnet) ist eine der zentralen Massnahmen in der ausserordentlichen Pandemie-Lage. «Nähe» ist eine der Eigenschaften vieler menschlichen Tätigkeiten, typische Beispiele Sitzungen, Mahlzeiten, Kultur, Sport, personenbezogene Dienstleistungen (bei weitem nicht abschliessend). Weil es dabei meist um temporäre Nähe handelt, führt dieser Nähe-Bedarf zu erheblichen Verkehrsmengen. Beispielsweise Video-Konferenzen oder Webinare vermindern zumindest teilweise physische Nähe-Ansprüche – die Digitalisierung kann dabei somit von Nutzen sein.

«Physical Distancing» illustriert, dass beachtliche Teile der Gesellschaft und der Wirtschaft verletzlich sind. Wirtschaft und Gesellschaft sind nicht resilient, und damit nicht nachhaltig! Somit ist spätestens nach Ende der ausserordentlichen Lage ein «System Change», ein System-Wechsel erforderlich. Es braucht ein völlig anderes Verkehrsverhalten. Es sind erhebliche Verbesserungen zur Vereinbarkeit von Familie und Arbeit erforderlich.

Wirtschaft und Politik: wirklich «Weiter wie bisher?»

Nicht nur in der Schweiz zeigen die Diskussionen zum Ausstieg aus dem Lockdown und die politischen Beschlüsse zur Notlagen-Hilfe, dass ein erheblicher Druck besteht, so rasch als möglich die Situation vor dem Lockdown herbeizuführen. Dabei geht offenbar absichtlich vergessen, dass da vor der Coronakrise bereits eine andere Krise präsent war: die Klimakrise! Als nur ein Beispiel: die Milliarden an den Luftverkehr!

Bekanntlich braucht es gemäss den Vorgaben der Wissenschaft, konkretisiert im Oktober 2018 vom Weltklimarat IPCC «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft», um die globale Erwärmung auf 1,5 °C begrenzen zu können (Originalwortlaut: Limiting global warming to 1.5 °C would require rapid, far-reaching and unprecedented changes in all aspects of society).

Es gibt ausreichende Belege dafür, dass es endlich ernsthaften Klimaschutz braucht, um das «Recht auf Leben» gemäss Verfassung gewährleisten zu können! 

Politik und Gesellschaft haben dafür zu sorgen, dass die Massnahmen nach dem Corona-Lockdown sicherstellen, dass diese schnellen, weitreichenden und beispiellosen Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft erfolgen, um konkret auf die Klimakrise zu reagieren. Es ist endlich Zeit, das bedingungslose Grundeinkommen für alle einzuführen. So wird auch der Übergang zur Postwachstums-Gesellschaft mit Betonung der Regional-Ökonomie erleichtert. 

Alternativen zu Luftverschmutzung und Lärm

Der Corona-Lockdown hat zu weniger Flugverkehr geführt – wegen der speziellen Wetterlage in dieser Zeit war der Himmel häufig blau. Insbesondere fehlten die Kondensstreifen aus Flugzeugabgasen.

Die Städte waren deutlich ruhiger – nach einigen Wochen Lockdown fiel allerdings auf, dass vermehrt Autos mit zu lauten Auspuffanlagen unterwegs waren.

An den Wochenenden gegen Ende des strikten Lockdowns waren einerseits auffällig viele Velofahrende unterwegs – und gleichzeitig beachtliche Mengen von Oldtimer-Zwei- und -Vier-Rad-Fahrzeugen. Oldtimerfahrzeuge entlassen aus ihren Auspuffen Gestankfahnen, und sie sind auffällig laut.

Zusätzlich zum Klimaschutz heisst dies: Verbrennungsprozesse sind nicht mehr zeitgemäss. Oldtimer-Fahrzeuge sind zu elektrifizieren, für (neue) Fahrzeuge sind ausschliesslich verbrennungslose Antriebssysteme zuzulassen. Ebenso ist für Beheizung und die Warmwasserversorgung von Bauten auf Verbrennungssysteme aller Art zu verzichten. Auch Kehrichtverbrennungsanlagen sind baldmöglichst stillzulegen, «Zero Waste» und Kreislaufwirtschaft prägen die Zukunft!


Lesen in der Bundesverfassung

Bundesverfassung

Zitate aus Artikel 10:

  • Jeder Mensch hat das Recht auf Leben.
  • Jeder Mensch hat das Recht auf persönliche Freiheit, insbesondere auf körperliche und geistige Unversehrtheit und auf Bewegungsfreiheit.

Freiheiten aus diversen Artikeln der Bundesverfassung (zum Teil wiederholt):

persönliche Freiheit | körperliche und geistige Unversehrtheit | Bewegungsfreiheit | Glaubens- und Gewissensfreiheit | Meinungs- und Informationsfreiheit | Medienfreiheit | Sprachenfreiheit | Freiheit der wissenschaftlichen Lehre und Forschung | Freiheit der Kunst | Versammlungsfreiheit | Vereinigungsfreiheit | Niederlassungsfreiheit | Wirtschaftsfreiheit | Koalitionsfreiheit

In Artikel 12 ist das «Recht auf Hilfe in Notlagen» festgehalten: «Wer in Not gerät und nicht in der Lage ist, für sich zu sorgen, hat Anspruch auf Hilfe und Betreuung und auf die Mittel, die für ein menschenwürdiges Dasein unerlässlich sind.» Mit verschiedenen Finanzbeschlüssen zur ausserordentlichen wurde die Notlagen-Hilfe konkretisiert.

In Artikel 31 finden sich Ausführungen zum «Freiheitsentzug», etwa Absatz 1: Die Freiheit darf einer Person nur in den vom Gesetz selbst vorgesehenen Fällen und nur auf die im Gesetz vorgeschriebene Weise entzogen werden. 

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#ChallengeForFuture – die Reaktion auf die Klimakrise erträgt keine «Kompromiste» https://www.umweltnetz.ch/content/challengeforfuture-die-reaktion-auf-die-klimakrise-ertraegt-keine-kompromiste Fri, 15 May 2020 15:54:12 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7971 Eines der obersten Prinzipien der Schweizerischen Demokratie ist der Kompromiss. Bei der Gesetzgebung spielen die Fakten kaum eine Rolle, es geht in erster Linie um die Befindlichkeiten insbesondere der finanzkräftigen AkteurInnen. Müsste in der Schweiz etwa über Grundrechenoperationen politisch befunden werden, ist offen, ob eins plus eins weiterhin zwei ergeben würde. Die Klimakrise hat erhebliche … „#ChallengeForFuture – die Reaktion auf die Klimakrise erträgt keine «Kompromiste»“ weiterlesen

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Eines der obersten Prinzipien der Schweizerischen Demokratie ist der Kompromiss. Bei der Gesetzgebung spielen die Fakten kaum eine Rolle, es geht in erster Linie um die Befindlichkeiten insbesondere der finanzkräftigen AkteurInnen. Müsste in der Schweiz etwa über Grundrechenoperationen politisch befunden werden, ist offen, ob eins plus eins weiterhin zwei ergeben würde. Die Klimakrise hat erhebliche Auswirkungen bereits auf die lebenden Generationen, sie wird noch stärkere Auswirkungen auf die zukünftig lebenden Generationen haben. Zum Umgang mit der Klimakrise besteht somit die Herausforderung, dass aus den Kompromissen in der Klimapolitik keine stinkende, rauchende «Kompromiste» werden.   Als Reaktion auf die Klimakrise ist ein weitgehender «System Change» erforderlich – oder in der Formulierung des Weltklimarates IPCC vom Oktober 2018: es braucht «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft»! Die Forderungen des Klimastreiks «NettoNull2030» sind somit eine passende Herausforderungen als Vorgabe der Klimapolitik.

Als Wiederholung aus meinem Blog-Beitrag «Wir» haben beim Klimaschutz versagt – darum braucht es jetzt z. B. in Zürich eine «Fachplanung Hitzeminderung»: «Wir sind alle etwas dumm, faul und egoistisch» hat ETH-Professor Reto Knutti im einem Beobachter-Interview zum bisherigen Klimaschutz festgehalten …

Aus Höflichkeit überlese ich an dieser Stelle «etwas dumm» – Kompromisse braucht es häufig darum, weil viele der politischen AkteurInnen veränderungs-faul und egoistisch auf die echten oder vermeintlichen eigenen Interessen oder die Interessen einer von ihnen vertretenen Lobby-Gruppe fokussiert sind. Diese Lobby-Gruppen sind meist so finanzstark, dass sie Volksabstimmungen in ihrem Sinn beeinflussen können, dass sie sich ParlamentarierInnen «kaufen» können. Global betrachtet gehört die fossile Wirtschaft zu den finanzkräftigsten Interessengruppen, unter anderem darum, weil sie von einem «Rentier-Einkommenen» aus den vor Jahrmillionen entstandenen fossilen Ressourcen profitieren können.

Nochmals eine bereits mehrfach in meinem Blog verwendete Textpassage: . Der Schweizerische Nationalfonds hat Anfang 2020 festgehalten: «Aussteigen [aus der Kernenergie und der CO2-intensiven Energiewelt] ist möglich… wenn wir wollen, und dies sogar wirtschaftlich und sozial verträglich» – Ergebnisse der Nationalen Forschungsprogramme “Energiewende” (NFP 70) und “Steuerung des Energieverbrauchs” (NFP 71). Somit: wenn wir wollen, ist zum Beispiel Heizen mit erneuerbaren Energien billiger als Heizen mit Öl und Gas. Aber eben, das müssen alle wollen, selbst die Öl- und Gasfirmen. 

Es braucht also keinen «Kompromist», um trotz Klimaschutz ausschliesslich aus Gründen der Interessenvertretung an fossilem Öl und Erdgas festzuhalten, wie dies der Bundesrat beim Auftrag zu einem Gegenentwurf zur schon als Kompromiss formulierten Gletscher-Initative festgehalten hat. 

Was schon länger klar ist: offenbar sind Aussagen wie jene des Schweizerischen Nationalfonds zur wirtschaftlichen und sozialen Verträglichkeit einer fossil- und atom-freien Energieversorgung zu abstrakt. Es braucht die Geschichten, die Narrative, die auch den ärgsten LobbyistInnen der fossilen Energiewirtschaft zeigen können, dass es eine gute, eine lebenswerte Zukunft auch ohne fossile Energien und ohne Atomenergie gibt. Das Erzählen dieser guten Zukunftsgeschichten ist eine Herausforderung, eben eine #ChallengeForFuture!   

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Swiss Overshoot Day: nachhaltige Entwicklung braucht einen «System Change» https://www.umweltnetz.ch/content/swiss-overshoot-day-nachhaltige-entwicklung-braucht-einen-system-change Fri, 08 May 2020 08:17:17 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7931 Die Erde ist gemessen an menschlichen Dimensionen riesig. Die Erde ist unsere Lebensgrundlage – und sie soll dies auch für zukünftige Generationen sein: es gibt keinen Planeten B! Die Menschen beanspruchen allerdings die Erde übermässig – wenn sich alle Menschen so verhalten würden wie Schweizerinnen und Schweizer, ist für 2020 das, was die Erde zur … „Swiss Overshoot Day: nachhaltige Entwicklung braucht einen «System Change»“ weiterlesen

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Die Erde ist gemessen an menschlichen Dimensionen riesig. Die Erde ist unsere Lebensgrundlage – und sie soll dies auch für zukünftige Generationen sein: es gibt keinen Planeten B! Die Menschen beanspruchen allerdings die Erde übermässig – wenn sich alle Menschen so verhalten würden wie Schweizerinnen und Schweizer, ist für 2020 das, was die Erde zur Verfügung stellen kann, am 8. Mai bereits aufgebraucht. Fast 2/3 des Jahres leben Schweizerinnen und Schweizer auf Pump, zulasten anderer Weltgegenden und zukünftiger Generationen. Die Klimakrise und letztlich auch die Coronakrise bestätigen den übermässigen Fussabdruck.

Zum Umgang mit der Klimakrise sagt Prof. Reto Knutti, Klimaforscher an der ETH Zürich: «Wir sind alle etwas dumm, faul und egoistisch». Sowohl der übermässige Fussabdruck als die sich abzeichnende Klimakrise sind schon seit Jahrzehnten Themen. Die von Reto Knutti angeführten Stichworte gelten dabei insbesondere für extrem finanzkräftige Lobby-Gruppen, was sich in der Schweiz derzeit im Umgang mit der Coronakrise aufzeigen lässt. Es gibt keinerlei Notwendigkeit für einen übermässigen Fussabdruck, im Gegenteil!

Die frühere UN-Klimachefin Christiana Figueres spricht beim Klimaschutz von der Notwendigkeit eines «sturen Optimismus», In einem Interview zum Earth Day erklärt sie: «Es geht … darum, die Ernsthaftigkeit der Lage voll zu verstehen und trotzdem mutige Entschlossenheit an den Tag zu legen. Nur so können wir die Herausforderung in Angriff nehmen.»  

«For Future» wird seit den Klimastreiks von «Fridays For Future» häufig als Gruppen-Zusatz verwendet – für WissenschafterInnen, Eltern, Grosseltern, UnternehmerInnen, PschologInnen. Unsere Zukunft, die Zukunft kommender Generationen ist bedeutungsvoll – und sie beginnt nach heute, zum Beispiel am Montag, wie wäre es mit MondaysForFuture (Buchtitel von Claudia Kemfert)?  

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Demokratie stärken für den dringenden «System Change» https://www.umweltnetz.ch/content/demokratie-staerken-fuer-den-dringenden-system-change Sat, 25 Apr 2020 19:00:37 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7900 Sowohl Coronakrise als auch Klimakrise erfordern als Beitrag zur Zukunftsfähigkeit einen schnellen, weitreichenden «System Change». Wenn die Gesellschaften, wenn die Menschen auf dieser Erde eine Zukunftschance, eine nachhaltige Zukunft haben sollen, hat auch die Demokratie dazu einen Beitrag zu leisten. Die Vorsorge wegen des Corona-Virus respektive der potenziell gefährlichen Erkrankung COVID-19 hat etwa in der … „Demokratie stärken für den dringenden «System Change»“ weiterlesen

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Sowohl Coronakrise als auch Klimakrise erfordern als Beitrag zur Zukunftsfähigkeit einen schnellen, weitreichenden «System Change». Wenn die Gesellschaften, wenn die Menschen auf dieser Erde eine Zukunftschance, eine nachhaltige Zukunft haben sollen, hat auch die Demokratie dazu einen Beitrag zu leisten.

Die Vorsorge wegen des Corona-Virus respektive der potenziell gefährlichen Erkrankung COVID-19 hat etwa in der Schweiz zu einem sogenannten «Lockdown» geführt. Wegen des dazu erforderlichen «Physical Distancing» kam es seit Mitte März 2020 zu einem Unterbruch des üblichen gesellschaftlichen Lebens – vieles von dem, was für viele als normal, nützlich und notwendig gilt, ist zumindest temporär weggefallen.

Die von den demokratisch eingesetzten Behörden veranlassten Massnahmen haben dazu geführt, dass die Erkrankungsraten beschränkt werden konnten, dass insbesondere das Gesundheitssystem nicht überlastet wurde.

Insbesondere rechtsnationale und neoliberale Kräfte sehen die «Demokratie» in Gefahr, reklamieren «Freiheiten». Dabei ist die Nähe zu verschwörungstheoretischen Ansätzen auffallend.

Die spätestens seit den Klimastreiks seit der zweiten Hälfte des Jahres 2018 diskutierten Ansätze haben häufig ebenfalls mit «Demokratie» und «Freiheiten» zu tun. Eine der verlangten «Freiheiten» besteht im offensichtlichen Zwang, weiterhin fossile Energien zu verwenden, um die kurzsichtigen und kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen der Fossil-Lobby bedienen zu können. Ähnlich ist es mit «Demokratie» und «Freiheiten» beim «Ausstieg» aus dem Corona-Lockout: auch da geht es darum, wirtschaftliche Interessen diverser Gruppen in den Vordergrund zu stellen, auch wenn dies erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Individuen und das Gesundheitssystem haben dürfte, Stichwort zweite Welle. Zu diesen «fossilen Interessen» gehört auch, dass nach dem Corona-Ausstieg viele Hygiene-Wegwerfartikel, zu einem beachtlichen Teil aus fossilen Ressourcen hergestellt, notwendig sein werden.  

«Demokratie» steht hier in Anführungszeichen, weil damit Entscheidungsabläufe gemeint sind, wie sie nicht nur in der Schweiz seit einiger Zeit unter starkem Lügen-Propaganda-Einfluss finanzkräftiger Lobbyismus-Strukturen stattfinden – eine offensichtlich manipulierte «Monekratie». Auch bei den vorgeblichen «Freiheiten» geht es um eine sehr selektive Interpretation von Verhaltensweisen. Dazu gehört etwa die vorgebliche Freiheit, einen übermässig grossen ökologischen Fussabdruck beanspruchen zu dürfen.

Diese vorgeblichen Freiheiten missachten etwa «Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt», die «gegenseitige Rücksichtsnahme», «Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen» oder «Wohl der Schwachen» – Begriffe aus der Präambel der Bundesverfassung!

«Demokratie» und «Freiheiten» im Verständnis der rechtsnationalen und neoliberalen Gruppierungen dienen als Begründung zur Durchsetzung kurzfristiger Einzel- und/oder Gruppenegoismen, die gegen sämtliche Nachhaltigkeits- und Zukunftsfähigkeits-Überlegungen stehen. 

Es braucht endlich eine Verabschiedung von den Wachstumszwängen – WENIGER IST MEHR! Postwachstumsökonomie und Regionalökonomie sind zukunftsgerichtet, unter Einbezug des bedingungslosen Grundeinkommens für alle. Die Ausstiege aus den fossilen Energien und der Atomenergie sind zwingend. [[Als Wiederholung: Aussteigen [aus der Kernenergie und der CO2-intensiven Energiewelt] ist möglich… wenn wir wollen, und dies sogar wirtschaftlich und sozial verträglich – Ergebnisse der Nationalen Forschungsprogramme “Energiewende” (NFP 70) und “Steuerung des Energieverbrauchs” (NFP 71), vorgestellt vom Schweizerischen Nationalfonds am 14. Januar 2020.]]

Der Vollständigkeit halber: Wer über die vorgeblich hohen Kosten eines schnellen, weitreichenden und beispiellosen System Change für echten Klimaschutz jammert, blendet in der Regel aus, dass die zu erwartenden Kosten für die Anpassung an den Mensch gemachten Klimawandel um Faktoren höher sind. Es könnte allerdings sein, dass diese Ausblendung vorsätzlich erfolgt: höhere Kosten heisst «mehr Wirtschaftswachstum», also eigentlich ein Ansatz ohne «System Change».      

Zukunftsfähigkeit der Demokratie bedeutet, dass wir dafür sorgen müssen, dass die Demokratie widerstandsfähiger wird gegen die Lügen-Propaganda und Abstimmungs-Beeinflussung finanzkräftiger Lobby-Gruppen. Dazu gehört auch, dass Freiheiten immer auch die Verantwortungen von Individuen und der gesamten Gesellschaft einschliessen – und diese Verantwortlichkeiten auch eingefordert und umgesetzt werden.  

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Corona/Covid19, Klima: «System Change» als Reaktion auf Krisen https://www.umweltnetz.ch/content/corona-covid19-klima-system-change-als-reaktion-auf-krisen Mon, 30 Mar 2020 21:13:42 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7854 Die stark vom Menschen geprägte Klimaerhitzung ist uneingeschränkt als Krise zu bezeichnen. Die Corona/COVID19-Pandemie wird als Krise wahrgenommen. Was lernen wir aus dem Umgang mit Krisen?   «Wenn wir in ein paar Jahren zurückblicken, werden wir feststellen: die von Menschen gemachte Klimaerhitzung, die zumindest eine interessierte Welt seit langer Zeit beschäftigt, wurde sträflich unterschätzt. In … „Corona/Covid19, Klima: «System Change» als Reaktion auf Krisen“ weiterlesen

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Die stark vom Menschen geprägte Klimaerhitzung ist uneingeschränkt als Krise zu bezeichnen. Die Corona/COVID19-Pandemie wird als Krise wahrgenommen. Was lernen wir aus dem Umgang mit Krisen?  

«Wenn wir in ein paar Jahren zurückblicken, werden wir feststellen: die von Menschen gemachte Klimaerhitzung, die zumindest eine interessierte Welt seit langer Zeit beschäftigt, wurde sträflich unterschätzt. In China, den USA und in Europa, auch in der Schweiz. Nur so ist es zu erklären, dass trotz eindeutigen Warnungen von Wissenschafter*innen, Expert*innen und der Jugend viel zu langsam der Verbrauch an fossilen Energien und damit die ­Zunahme der Klimaerhitzung eingeschränkt wurde. Stattdessen ­feierten die Leute weiter, in ihren Wohnungen, auf den Strassen und Pärken, in den Ferien, bei Kultur- und Sportanlässen». Fast so stand es zu Beginn eines Meinungs-Artikels von Arthur Rutishauser in der Sonntagszeitung vom 29. März 2020. Das Original trägt den Titel «Eine Belastungsprobe für unsere mündige Demokratie», und es geht um den Umgang der Schweiz mit dem Coronavirus.

Nicht jede Krise sieht gleich aus. Auch wenn Pandemien mit mehr oder weniger langen Abständen vorkommen, beträgt die Zeit von der Wahrnehmung bis zu Reaktionen einige wenige Tage bis Wochen.

Der von Menschen gemachte Klimawandel wurde auch darum zur Klimakrise, weil unter dem Einfluss der fossilen Misswirtschaft viel zu wenig für den Klimaschutz getan wurde – siehe dazu etwa das Buch Losing Earth („Der Verlust der Erde“) von Nathaniel Rich. 

In Krisensituationen sind «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» – ein Zitat aus einem Bericht des Weltklimarats IPCC aus dem Jahr 2018 – erforderlich. In der Schweiz haben der Bundesrat, die Kantonsregierungen und zum Teil die Gemeinde- und Stadtregierungen in Notverordnungen ohne die üblichen demokratischen Abläufe reagiert. Interessanterweise haben viele, die auch beim Klimaschutz nicht wirklich handeln wollen, vor allem über den Verlust von «Freiheiten» lamentiert.

Gehört beispielsweise «Rauchen» zu diesen Freiheiten? Menschen schädigen dabei nachweislich ihre Gesundheit (und zum Teil auch jene von Passivraucher*Innen) – und sie reagieren mit hoher Wahrscheinlichkeit empfindlicher auf  den Corona-Virus. Bei Missachtung des «Physical Distancing» geben angesteckte Personen Corona/Covid19 an andere weiter.

Ist der Verbrauch von fossilen Brenn- und Treibstoffen ebenfalls als Freiheit zu verstehen? Dies im Wissen darum, dass das bei sachgemässer Verwendung fossiler Energien ausgestossene Treibhausgas CO2 ein Gift für das Weltklima ist – falls es nicht gelingt, die Mensch gemachte Klimaerhitzung deutlich und schnell zu begrenzen, wird dies zu erheblichen Auswirkungen auf Mensch, Gesellschaft und Umwelt führen. Zu erwarten sind auch massive gesundheitliche Auswirkungen, zusätzlich zu den Gesundheitsschäden, die eine Folge von Luftschadstoffen sind, die bei der Verbrennung von fossilen Energien ebenfalls entstehen. Angesichts dieser bekannten Auswirkungen ist es geradezu ein Hohn, dass die Verbrennung dieses schädlichen Energieträgers mit Freiheit in Verbindung gebracht wird.

Die Klimakrise aufgrund der Klimaerhitzung erfordert wie oben festgehalten «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft». Angesichts der Krisensituation ist zu erwarten, dass die Politik in ordentlichen Abläufen endlich das beschliesst, was zur Abwendung der Klimakrise nötig ist.

Prof. Dr. Rolf Wüstenhagen, Lehrstuhl für Management erneuerbarer Energien am Institut für Wirtschaft und Ökologie der Universität St. Gallen, hält dazu in einem Interview mit Raiffeisen Casa fest: «Die Demokratie hat aber offenkundig Mühe, mit dem Tempo des Klimawandels Schritt zu halten. Sie muss an Geschwindigkeit zulegen.»

Auch Dr. Christian Zeyer, Geschäftsführer von swisscleantech, hat dies am 14. März 2020 bei der Einschätzung des Entwurfs der nationalen CO2-Gesetzgebung sehr ähnlich gesehen: «Um die wissenschaftlich breit abgestützten Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, reicht die Vorlage in der jetzigen Version nicht aus. Dafür bräuchte es ambitioniertere Klimaziele und entsprechend wirksame Massnahmen.»  

Da ist bloss zu hoffen, dass etwa die FDP die aktuellen Corona-Unterbrüche als Aktivierungsschub versteht, um demokratisch verankert das zu tun, was für echten Klimaschutz schnell nötig ist – und nicht aus Prinzip an einem schäbigen Kompromist (hier handelt es sich um einen vorsätzlichen Verschreiber) festzuhalten, der überhaupt nicht zielführend ist.


Die Klimastreiks der Klimajugend haben immer wieder auch den «System Change» gefordert. Wir müssen weg von der Wachstumsgesellschaft, wir müssen weg von der Konsum- und Wegwerfgesellschaft – dazu passt der Spruch «all you need is less». Der Wachstumszwang steht ganz offensichtlich gegen menschliche Freiheiten, auch Konsum und Wegwerfen führen zu weiteren Zwängen, sowohl für die Gesellschaft als auch für Menschen. Objektverweise ist es Zeit für eine neue Epoche: es braucht den Aufbruch zur Postwachstums-Gesellschaft, dies auch zur Förderung einer globalen Wohlstandsgerechtigkeit.

Vermehrtes Arbeiten im Home Office ist eine der Reaktionen auf die diversen Vorgaben in Corona-Zeiten. Bekanntlich ist Verkehr eine Behinderung der Mobilität – es wird spannend sein, ob nach den Corona-Massnahmen ein Meinungsumschwung stattfindet. Pendeln, egal ob mit dem ÖV oder dem MIEV (auch wieder ein vorsätzlicher Verschreiber), muss generell weniger werden. In Ergänzung zum Home Office bietet sich das geteilte Büro in Wohnungsnähe an – ideal ist, wenn alle Alltags-Mobilitätsbedürfnisse mit 7’000 täglichen Schritten abgedeckt werden können, allenfalls ergänzt mit Velo-Etappen. Dazu passt: «Wenn wir gehen, werden wir kreativer!» Die Corona-Phase wird auch Hinweise darauf geben, wie Arbeit, Familie und Kinderbetreuung vereinbar miteinander gemacht werden können. 

In Corona-Zeiten wurden wenige Berufe als systemrelevant bezeichnet – vor allem im Gesundheitswesen und bei der Lebensmittel- und Güterversorgung. Auffällig dabei ist, dass viele Berufstätige in systemrelevanten Funktionen am unteren Ende der Einkommensskala eingeordnet sind (und kaum politischer Wille besteht, dies zu ändern).

Dies ruft geradezu auch hier nach einem System Change: wir brauchen endlich den Wechsel zum bedingungslosen Grundeinkommen für alle, wir brauchen verbunden mit der Postwachstumsgesellschaft eine Steigerung der Bedeutung der freiwilligen oder ehrenamtlichen Arbeit. PS: Diverse Studien zum bedingungslosen Grundeinkommen für alle zeigen, dass Menschen gerne tätig sind und gerne Wirkung erreichen wollen – und Arbeiten bevorzugen, die der Allgemeinheit und nicht den individuellen Egoismen nutzen! Auch hier: wenn wir wollen, ist es möglich, für jeden Menschen auf dieser Erde ein bedingungsloses Grundeinkommen zu garantieren – verbunden in der Schweiz mit dem Ausstieg aus den Endlosdiskussionen über die generationengerechte finanzielle Altersvorsorge.

Eine positive Nebenwirkung wäre zudem, dass bei zukünftigen vergleichbaren Krisen keine Milliardenbeiträge mehr an Unternehmen erforderlich sind. PS: Gerade in der aktuellen Krisensituation ist es von grosser Bedeutung, öffentliche Gelder an Unternehmen so einzusetzen, dass sie einen Beitrag leisten zur Reduktion der Klimakrise. Denn: selbst in Corona/Covid19-Zeiten darf das Klima nicht egal sein! Klar ist: NettoNull2030 bleibt eine zwingende Notwendigkeit.

Es braucht auch eine gesellschaftliche Debatte über das Freiheitsverständnis, im Wissen um die grosse Bedeutung der ethischen Komponente, etwa von Kant formuliert im kategorischen Imperativ: «Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.» Vieles von dem, was Menschen gerade in reichen Ländern tun können, trägt zum übergrossen ökologischen Fussabdruck bei – wir können nicht wollen, dass dies zum allgemeinen Gesetz, zur Maxime für jeden Menschen auf dieser Erde wird. 

Wenn wir wollen, ist die Klimakrise zumindest deutlich abschwächbar – etwa dann, wenn möglichst rasch nach 2030 auf den Einsatz fossiler Energien verzichtet wird. Bei einer akuten Krise wie der Corona-Krise sind Menschen mehr oder weniger ausgeprägt bereit, für eine gewisse Zeit auf lieb gewordene Gewohnheiten zu verzichten, wahrscheinlich im Wissen um die zeitliche Begrenztheit der Krisensituation. Für echten Klimaschutz sind – neben eher technischen Aspekten der Effizienz und der Konsistenz – Suffizienz-Massnahmen, zum Teil mit der Verabschiedung lieb gewordener Gewohnheiten und Traditionen verbunden, erforderlich. Und dies in allen Bereichen der Gesellschaft: Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Kultur, Sport, Verkehr, Konsum, Ernährung, Ferien, …

Dazu braucht es einiges an Erfolgsgeschichten aus der Zukunft, positive Climate Fiction! 

 

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Klimaschutz: Neues Denken und Wollen https://www.umweltnetz.ch/content/klimaschutz-neues-denken-und-wollen Mon, 16 Dec 2019 13:56:22 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7727 Zielführender Klimaschutz erfordert, dass die Menschen in wohlhabenden Ländern vieles, was derzeit als «normal, nützlich und notwendig» gilt, in Frage stellen und neu denken. Nur wenn Menschen davon überzeugt sind, dass es auch zukünftig neue Dinge gibt, die als «normal, nützlich und notwendig» betrachtet werden, und die weiterhin ein gutes Leben ermöglichen, sind sie bereit, … „Klimaschutz: Neues Denken und Wollen“ weiterlesen

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Zielführender Klimaschutz erfordert, dass die Menschen in wohlhabenden Ländern vieles, was derzeit als «normal, nützlich und notwendig» gilt, in Frage stellen und neu denken. Nur wenn Menschen davon überzeugt sind, dass es auch zukünftig neue Dinge gibt, die als «normal, nützlich und notwendig» betrachtet werden, und die weiterhin ein gutes Leben ermöglichen, sind sie bereit, in vielen Lebensbereichen diesen «System Change» anzugehen, mitzutragen und voranzubringen.

Klimaschutz wird seit mehr als 40 Jahren postuliert, mit zunehmender Dringlichkeit. Nach wie vor gibt es sehr viele Kräfte, die von dem, was heute als «normal, nützlich und notwendig» gilt, profitieren. Diese Kräfte setzen alles daran, dass die für den Klimaschutz erforderlichen Veränderungen zögerlich oder überhaupt nicht angegangen werden – und sie rechnen mit der Bequemlichkeit der handelnden Menschen.

Neben «Public Relations» ist auch Verunsicherung ein wichtiges Element, damit neue Dinge möglichst zögerlich den Status von «normal, nützlich und notwendig» erreichen. Denn: damit Menschen Veränderungen angehen, braucht es einfache Botschaften und klare Handlungsaufforderungen.

Zentral für die Zukunft: die unbegrenzt verfügbaren erneuerbaren Energien sind mit möglichst wenig Gesamt-Aufwand in Nutzenergie überzuführen.

Ein erstes Beispiel: Autos werden heute meist mit Treibstoffen fossilen Ursprungs (Diesel, Benzin) angetrieben. Neben den Emissionen an Treibhausgasen tragen Autos in massgeblichem Umfang zur Luftverschmutzung bei und verursachen erheblichen Lärm. Auch werden wertvolle und begrenzte Ressourcen verwendet. Auch wenn die Nutzung von Autos zur Mobilitätsabdeckung nicht zwingend erforderlich ist, ist die Erhaltung von Autos als Fortbewegungsmittel derzeit offenbar eine emotionale Erfordernis – oder eben, Autos sind für viele «normal, nützlich und notwendig». Somit wird derzeit in erster Linie über andere Antriebskonzepte für Autos geforscht und intensiv darüber diskutiert. Elektroautos, Autos, die mit Wasserstoff oder Gas betrieben werden, stehen dabei im Vordergrund.

Umfassende Ökobilanzierungen sind ein häufig verwendetes Argumentarium – es geht darum, nicht nur den CO2-Fussabdruck zu vermindern, sondern den gesamten ökologischen Fussabdruck.

Anfang Dezember 2019 wurde in Schweden die zweite Version einer Studie des IVL Swedish Environmental Research Institute zu den ökologischen Auswirkungen von elektrischen Autobatterien veröffentlicht. Die dabei ermittelten 61 bis 106 kg CO2-Äquivalente pro kWh Speicherkapazität waren dabei um etwa Faktor 2 tiefer als die Angaben der ersten Version, die vor zwei Jahren erstellt wurde. Die erste Version lieferte numerische Argumente gegen Elektrofahrzeuge, mit der zweiten Studie ist dies kaum mehr möglich. 

Ebenso zeigt sich, dass mit Ökobilanzierungen sehr sorgfältig umzugehen ist. Wie bei finanziellen Bilanzen sind auch bei Ökobilanzen gute Angaben über die bereits erfolgten Tätigkeiten möglich. Darstellungen der aktuellen Situation oder gar Aussagen zur Zukunft sind mit Bilanzierungen schlecht realisierbar.

Klar ist: Strom aus erneuerbaren Quellen sowohl bei der Produktion als auch beim Betrieb der Autos und ein möglichst geschlossener Ressourcenkreislauf sorgen dafür, dass elektrisch angetriebene Fahrzeuge teilweise erhebliche ökologische Vorteile gegenüber anderen Antriebssystemen aufweisen.

Somit haben Wissenschaft, Politik und Wirtschaft dazu beizutragen, dass gezielt Innovationen in den relevanten Bereichen erfolgen. Ebenso ist es erforderlich, Transparenz über die erreichte Ökologisierung sicherzustellen.

Dies führt zu einer relativ einfachen Botschaft: Wenn du tatsächlich ein eigenes Auto brauchst, weil die Füsse, das Velo, der öffentliche Verkehr, Sharing-Konzepte und so weiter nicht ausreichen, dann soll es ein möglichst kleines Fahrzeug mit ausschliesslich elektrischem Antrieb sein, betrieben mit zertifiziertem Ökostrom.  


Ein zweites Beispiel: Erdgas galt (und gilt teilweise immer noch) als ökologischere Wahl im Vergleich zu Erdöl. Dies führt zu internationalen Auseinandersetzungen, ob die Abhängigkeit von Russland (Nord Stream 2) oder von der USA (Flüssiggas) für Europa vorteilhafter sei – der Klimaschutz geht dabei schlicht vergessen.

Für den Klimaschutz ist es notwendig, raschmöglichst aus den fossilen Energieträgern, somit auch Erdgas, auszusteigen. Raschmöglichst heisst hier allerspätestens 2050, mit einem möglichst schnellen und mindestens linearen Absenkpfad.

Biogas – aus biologisch abbaubaren Reststoffen hergestellt – wird bereits genutzt. Auch wenn noch Potenzial vorhanden ist, reicht dies bei weitem nicht aus, um das fossile Erdgas zu ersetzen. Physikalisch ist es möglich, unter Einsatz von Strom ein brennbares Gas herzustellen, welches zu Methan oder flüssigen Brenn- und Treibstoffen weiterverarbeitet werden kann (Begriffe wie Power-to-Gas (PtG, P2G), Power-to-Fuel (PtF, P2F), Power-to-X (PtX, P2X) werden dabei verwendet). Zur Sicherstellung des Klimaschutzes ist dazu ausschliesslich Strom aus erneuerbaren Quellen zu verwenden – wer allerdings wie häufig bei derartigen Diskussionen von «überschüssigem» Strom spricht, hat zumindest energiewirtschaftlich keine Ahnung.

Sowohl das beschränkte Biogas-Potenzial als auch die sehr aufwändigen P2X-Prozesse führen zu erheblichen Diskussionen über das realistische Potenzial von solchen Energieträgern.  Derzeit ist erkennbar, dass P2X-Anwendungen am ehesten in der Luftfahrt, in der Schifffahrt und allenfalls bei Strassentransporten Verwendung finden könnten. Offen sind auch die Chancen bei der Wirkungsgradverbesserung der diversen P2X-Prozesse – und damit auch die Frage, ob es sich bei Gasen dieser Art um eine Brückentechnologie, eine Zukunftstechnologie oder um eine Sackgasse handelt.

Zwei Zitate zeigen die Schwierigkeit von einfachen Botschaften – eine solche könnte etwa sein, dass Gase für die Beheizung und die Warmwasserversorgung von Bauten keine Zukunft haben.

  • Das Bundesamt für Energie hat im Oktober 2019 das Dokument «Künftige Rolle von Gas und Gasinfrastruktur in der Energieversorgung der Schweiz» veröffentlicht. Unter Punkt 9 ist zu lesen: Kurz- bis mittelfristig ist der Einsatz von Erdgas – unter Beimischung von Biogas – im Gebäudebereich sinnvoll. Langfristig jedoch nicht. Oder wie im Einleitungsbild dieses Blogbeitrages zu lesen: Langfristig ist der Einsatz von Erdgas – auch unter Beimischung von Biogas – im Gebäudebereich nicht sinnvoll.
  • Der WWF Schweiz hat im März 2019 ein Factsheet «Erdgas – Biogas – Power-to-Gas. Potenziale, Grenzen, Infrastrukturbedarf» veröffentlicht. Eine der Aussagen fast am Schluss des Factsheets: Der WWF Schweiz erwartet oder fordert nicht den vollständigen Rückbau des Gasnetzes. Wir weisen lediglich darauf hin, dass bislang von der Gaswirtschaft kein hinreichend belegtes Szenario und erst recht keine überzeugende Strategie vorliegt, wie die Gasversorgung auf heutigem oder bloss leicht reduziertem Absatzniveau innert zwei Jahrzehnten nahezu vollständig dekarbonisiert werden könnte. Das Gasnetz wird so zu einer tickenden Klimabombe. 

Andererseits besteht eine ausreichende Zahl von Studien, die belegen, dass Gase unabhängig von der Herkunft nicht für Zwecke der Beheizung und der Warmwasserversorgung von Bauten erforderlich sind. Es gibt ausreichende und vielfältige Alternativen mit langfristig nachhaltiger Bilanz gerade im Gebäudebereich.

Diese Situation führt dazu, dass die Gasdebatte vor  allem ein Marketing-, allenfalls gar ein Campaigning-Thema ist – und noch nicht die Stufe erreicht hat zu verlässlichen Aussagen mit zukunftsfähiger Ausrichtung, die als «nützlich, normal und notwendig» dienen können. Dies führt zu Vorteilen für jene Kräften, die finanziell von der heutigen, fossil-lastigen Situation profitieren – wirklich zukunftsfähig ist dies nicht (und auch dies schon seit langen Jahren). 

Letztlich geht es darum, den Verbrauch von dauernd oder regelmässig gelieferten Energien – aus Erdöl, Erdgas oder P2X, aber auch Strom – zu minimieren und einen möglichst hohen Anteil an Energie vor Ort zu produzieren. Bisherige Energie-KonsumentInnen werden zu Energie-ProsumentInnen. Dies führt in der Regel zu höheren Investitionskosten und tieferen Energiekosten, in den meisten Fällen eine langfristig lohnende Sache.   

 

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