Gefriert jetzt dann der Zürichsee?

Nachtrag: Kältesummen an den grösseren Zürcher Seen im Winter 2018/19

Immer wieder die Frage: gefriert jetzt dann der Zürichsee? Das Informationszeitalter ermöglicht es nicht, diese Frage tatsächlich zu beantworten, auch da gilt die alte PrognostikerInnen-Weisheit: Prognosen sind schwierig, besonders für die Zukunft. Dank Internet lassen sich innerhalb einer Stunde relevante Fakten dazu finden!

Auch die Wissenschaft wird offenbar dauernd mit dieser Frage nach der Seegfrörni gelöchert – die ersten Informationen finden sich hier: es braucht für den Zürichsee eine Kältesumme von 320, für den Greifensee eine solche von 150 und den Pfäffikersee von 90 Kelvin (an anderen Orten sind Werte 160 für den Greifensee und 120 für den Pfäffikersee zu finden). Sowohl im MeteoSchweiz-Text wie auch in Wikipedia findet sich die Definition der Kältesumme: Die Kältesumme eines Winters oder Monats erhält man, indem man alle Beträge negativer Tagesmitteltemperaturen (Temperaturen unter 0°C) aufsummiert.

Die MeteoSchweiz ist an der geschützten Lage am Zürichberg etwas weit weg von diesen Seen.

Doch dank Internet lässt sich auch hier Abhilfe schaffen: die Wasserschutzpolizei, eine Abteilung der Stadtpolizei Zürich, unterhält in Tiefenbrunnen und am Mythenquai Wetterstationen – mit detaillierten Datenbanken der Messwerte, z.B. hier für Tiefenbrunnen.

Auch am Greifensee gibt es eine Wetterstation mit Datenablage im Internet – zufälligerweise gibt es seit Dezember 2009 nur noch die Wassertemperaturen im Internet (Stand 16.1.2010, 22:00). Also leider leider keine Greifensee-Werte.

Auch die Wetterstation am Pfäffikersee hat ihre Tücken – es finden sich leider keine vollständigen Datenreihen.

P.S. Dies ist für beide Seen nicht verwunderlich – es handelt sich dabei um Angebote von Vereinen mit klarem Sommerangebot!

Fündig werde ich in Seegräben, etwa 20 Höhenmeter über dem Pfäffikersee.

Der Rest ist ein bisschen Tabellenkalkulation, und daraus ergibt sich die nachfolgende Darstellung für die Witterungsverhältnisse seit November 2009, aktualisiert bis und mit 20.2.2010 (P.S. die Verläufe und Geraden haben absichtlich eine grosse Rauheit, die Kältesummentheorie ist eher ungenau, nicht zuletzt deshalb, weil es nicht gerade viele auswertbare Seefrörni-Situationen gibt):
 

 

Dies heisst: beim Pfäffikersee wäre die für eine Seegfrörni erforderliche Kältesumme erreicht – was eigentlich wieder zu Bildern wie im Januar 2006 führen müsste! Allerdings ist wegen des ungünstigen Eisaufbaus der gefrorene Pfäffikersee nicht freigegeben, siehe Link zu Eisbulletin unten.

Eine Zürichsee-Seegfrörni ist 2010 ausgeschlossen.

Bevor Fragen aufkommen: selbst wenn der Zürichsee tatsächlich gefrieren sollte, wäre dies kein Beleg dafür, dass es den Mensch gemachten Klimawandel nicht gibt! Eine Seegfrörni ist ein kurzfristiges Wetterereignis – das Klima der langfristige Trend der Witterungsverhältnisse!

Nur der Vollständigkeit halber: Seefrörni steht seit 1963 sogar im Duden – das war das Jahr der letzten Seegfrörni sowohl von Boden- und Zürichsee. Dies und einiges mehr findet sich in Wikipedia!


Fazit Winter 2009/2010: Der Pfäffikersee ist tatsächlich zugefroren, wenn auch mit “falschem”, nicht begehbarem Eis.

Was die “Härte” des Winters 2009/2010 betrifft: nach der Wikipedia-Definition war der Winter in Zürich an der Grenze von sehr milden zum “normalen” Winter, in Seegräben handelte es sich um einen normalen Winter mit einem Trend hin zu einem mässig strengen Winter.


Für den Winter 2010/2011: gleiche Frage, vielleicht eine andere Antwort!

Erste Fassung 16.1.2010, aktualisiert 1.2./16.2./21.2./15.4.2010

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