Das Wort «anständig» brauche ich hier erstmals. Warum?
Im Herbst letzten Jahres wurden grosse Teile der CH-Bevölkerung angelogen: sie haben zusammen mit der Behauptung, Atomkraftwerke seien sicher, eine Schachtel Kaliumjodid erhalten, die es aber nur braucht, wenn Atomkraftwerke unsicher sind.
Mit dieser Lüge im Hintergrund und dem Wissen um die weltweit ältesten Atomkraftwerke in der Schweiz wird von diversen politischen Propagandaparteien und Teilen der Bundesämter behauptet, es brauche kein fixes Ausstiegsdatum für Atomkraftwerke, weil sichergestellt sei, dass diese nur solange betrieben werden, wie sie sicher seien.
Gleichzeitig wird bekannt, dass etwa für Beznau sicherheitsrelevante Nachweise fehlen – ein fundamentaler Verstoss gegen sämtliche Sicherheitsprinzipien, viele Unfälle ereignen sich, weil Unfallbeteiligte etwas glauben, das nicht der Realität entspricht.
Im Jahr 2015 sind in Beznau Bauarbeiten im Gang für neue Notsysteme – mit Sicherheitsbedenken. 500 Mio CHF kosten diese Notsysteme – solche Systeme werden für eine längere Dauer gebaut. Sollte dieses Notsystem während 10 Jahren in Betrieb sein, verteuert sich die Kilowattstunde Strom aus Beznau um etwa einen Rappen. Axpo-Chef Andrew Walo hat in anderem Zusammenhang am 15. August 2015 gesagt: «Mit Kraftwerken allein könnten wir in der jetzigen Situation wegen der tiefen Strompreise nicht rentabel wirtschaften.» Schweizer Kraftwerke produzierten derzeit über den Marktpreisen. Offenbar wäre es auch ökonomisch anständig, sofort auf Atomkraftwerke zu verzichten.
Zahlreiche Fakten weisen darauf hin, dass nicht nur in der Schweiz der Betrieb von Atomkraftwerken trotz massiven indirekten Subventionen ökonomisch nicht zu verantworten ist, selbst ohne Berückichtigung der Stilllegungs- und Entsorgungskosten. Das Hinauszögern des Atomausstiegs ist eine weitere Lüge: so müssen sich Politik und Energiewirtschaft nicht mit den offensichtlich fehlenden Mitteln zum Abschluss des trüben Kapitels Atomenergie befassen.
Also nochmals: Atomenergie: endlich anständig aussteigen – auch aus den Fossilen!
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Weil diese grosse Transformation dazu führt, dass bisherige Vorgehensweisen aufgegeben werden müssen, dass ebenso finanzielle Mittelflüsse umgeschichtet werden müssen, besteht erheblicher Widerstand zur Durchführung solcher Massnahmen. Dies hat durchaus auch damit zu tun, dass die erwarteten Klimaveränderungen während der Lebenszeit der Verantwortlichen voraussichtlich beschränkt sein werden.
Weil die Erde ein komplexes und chaotisches System ist, ist es ausgeschlossen, absolute Sicherheit darüber zu haben, dass die Mensch gemachte Klimaveränderung stattfindet. Ebenso klar ist auch: falls diese Gewissheit zukünftig bestehen sollte, dürfte es kaum mehr möglich sein, die Veränderungsgeschwindigkeit auf ein menschheitsverträgliches Ausmass zu begrenzen.
Es gibt durchaus auch Ansichten, die davon ausgehen, dass es legitim ist, das Klima Mensch gemacht zu verändern. Es werden sogar religiös abgestützte Theorien vertreten, dass ein solcher Mensch gemachter Klimawandel gottgewollt wäre. Die deutsche Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat im Sinne einer Gegenposition Klimaschutz als moralische Pflicht bezeichnet.
Die Schweiz hat im Rahmen einer sehr moderaten Klimaschutzpolitik nicht nichts gemacht, und damit auch nicht nichts erreicht. Zwischen 1990 und 2012 nahm der Ausstoss von Treibhausgasen um rund 18 % (von 7.8 auf 6.4 t CO2eq pro Person und Jahr) ab. Voraussichtlich ist es als Beitrag der Schweiz/der SchweizerInnen erforderlich, bis 2050 den Treibhausgasausstoss auf 1 t CO2eq pro Person und Jahr zu begrenzen. Innerhalb 22 Jahren wurde pro Person eine Verminderung um 1.4 Tonnen erreicht – in den darauf folgenden 38 Jahren muss eine Reduktion um 5.4 Tonnen pro Person erreicht werden. Würde der «sanfte» Absenkpfad 1990 bis 2012 fortgesetzt, würde der Ausstoss von Treibhausgasen im Jahr 2050 immer noch 4 Tonnen pro Person und Jahr betragen. Die erforderliche Veränderung als vereinfachte grafische Darstellung:
Ist diese Absenkung machbar? Technisch ist dies keine wirkliche Herausforderung, ökonomisch ebenfalls nicht. Es braucht ganz einfach den Entscheid, aus den fossilen Energien auszusteigen, parallel zum Ausstieg aus der Atomenergie. Es gibt eine grosse Zahl von Szenarien, die diese Aussagen belegen könnten, einiges habe ich auf dieser Seite umweltnetz.ch bereits vorgestellt. Zentral ist und bleibt die Aussage, dass dieser parallele Ausstieg aus den fossilen und den nuklearen Energien gesellschaftlich und politisch gewollt sein muss – da gibt es keinen Raum mehr für ein wie auch immer begründetes «Recht auf Unvernunft»!
Beiträge dieser Art gibt es bereits einige – weil im Mai diverse Beiträge zu lesen waren, die auf der Aussage «Der (Mensch gemachte) Klimawandel findet statt» aufbauen, war ein weiterer nötig. Stichworte zu diesen Artikel: die deutsche Bundesregierung veröffentlicht einen Monitoring-Bericht zum Klimawandel, diverse Studien zeigen die Auswirkungen des Klimawandels auf Waldbäume und Urwaldgebiete, das Inlandeis der Antarktis oder die Fische in der Nordsee. Ebenso wird es aufgrund der regionalen Zunahme von Dürren schwieriger, fossile Kraftwerke zu betrieben. Der amerikanische Präsident Barack Obama erachtet den Klimawandel als Risiko für die nationale Sicherheit. Und so weiter und so fort.
Der Klimawandel findet statt! Und jetzt?
Es braucht eine Energie- und Klimaschutzpolitik von unten. Jede und jeder muss einen grossen Beitrag leisten, um so rasch als möglich aus den fossilen und nuklearen Energien auszusteigen. Dies ist technisch möglich und ohne Schwierigkeiten finanzierbar – wer anderes behauptet, hat andere Interessen, zum Beispiel (wie FDP und SVP in der Schweiz) Lobbyarbeit für die kasachische Ërdöl-Diktatur!
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Lokales und globales Klima ändern sich, unabhängig von den Mensch gemachten Einflüssen, dies seit Milliarden von Jahren. Der Homo sapiens hat in den letzten etwa 200’000 Jahren die Landmassen des Planeten Erde besiedelt, nahezu in fast allen Klimazonen. Die dazu erforderliche Anpassungsfähigkeit ist ein wichtiger Erfolgsfaktor des Homo sapiens. Unbestritten ist, dass das global anzutreffende Wesen Homo sapiens erhebliche Auswirkungen auf die Lebensräume auf diesem Planeten hat. Die teilweise erheblichen Veränderung von Flora und Fauna werden – ebenfalls als Mehrheitsmeinung – auf menschlichen Einfluss zurückgeführt.
Es ist davon auszugehen, dass der Home sapiens auch den Mensch gemachten Klimawandel überstehen wird. Alle jene, die die (hoch wahrscheinlichen) Thesen vom Mensch gemachten Klimawandel als zutreffend erachten, raten trotzdem aus mehreren Gründen zu Klimaschutz- und Klimawandelfolgenanpassungs-Massnahmen.
Erstens zeigt sich aus der Geschichte, dass Klimaveränderungen – etwa die «Kleine Eiszeit» – zu erheblichen Auswirkungen geführt hat; für Europa etwa werden der Dreissigjährige Krieg oder die Französische Revolution mit dieser kleinen Eiszeit in Verbindung gebracht. Die gesellschaftlichen Auswirkungen waren massiv, unter anderem mit viel menschlichem Leid verbunden (auch wenn etwa einzelne Auswirkungen der Französischen Revolution uneingeschränkt positiv zu werten sind). Der aktuell diskutierte Mensch gemachte Klimawandel dürfte zu erheblich schnelleren Klimaveränderungen führen als zu Zeiten der Kleinen Eiszeit – es wird befürchtet, dass derart schnelle Klimaveränderungen die Anpassungsfähigkeit des Homo sapiens überfordern. Die Folgen einer solchen Überforderung sind, wie die Geschichte zeigt, grauenhaft: Kriege, viele Tote, massive Zerstörungen der Lebensräume, und so fort. Auch wenn die bisherige Geschichte der Menschheit gezeigt hat, dass die Menschheit aus der Geschichte nichts lernt: Die sehr begründeten Thesen zum Mensch gemachten Klimawandel laden dazu ein, im Sinne der Vorsorge Klimaschutzmassnahmen umzusetzen und darüber hinaus geeignete Klimawandelfolgenanpassungs-Massnahmen zu realisieren.
Klimaschutz bedeutet, den derzeit übermässigen Verbrauch an fossilen Brenn- und Treibstoffen massiv zu vermindern. Auch wenn die Nutzung von Heizöl, Diesel, Benzin, Erdgas, Kohle, … derzeit als normal, nützlich und notwendig erscheint, gibt es eine Vielzahl von attraktiven Möglichkeiten, sehr vieles von dem, was Menschen unter Einsatz von Energien tun, besser und nachhaltiger anders zu tun! Suffizienz, Effizienz und Konsistenz als handlungsleitende Prinzipen der Nachhaltigkeit sind bestens bekannt – Wollen, Können, Tun ist angesagt. Im Übrigen: Die Nutzung der Atomenergie gehört nicht dazu.
Nahezu sämtliche Anpassungsschritte, die die handlungsleitenden Prinzipien Suffizienz, Effizienz und Konsistenz einbeziehen, bieten gegenüber fossilen und nuklearen Ansätzen eine Vielzahl von Zusatznutzen, die erheblich zu einer Steigerung der Lebensqualität beitragen. Sogar die üblichen kurzsichtigen betriebswirtschaftlichen «Killer»-Argumente können in einer Gesamtsicht nicht als Gegenargumente für Klimaschutz- und Klimawandelfolgenanpassungs-Massnahmen herangezogen werden – auch wenn dies insbesondere Steuerfuss-fixierte PolitikerInnen zu häufig tun.
Das heisst: Selbst für jene, die den Thesen des Mensch gemachten Klimawandels ablehnend begegnen, gibt es keine Gründe, gegen eine nachhaltige Entwicklung anzutreten.
Der Vollständigkeit halber: Gegen die Nutzung endlicher fossiler und nuklearer Ressourcen gibt es auch ohne Hinweis auf den Mensch gemachten Klimawandel eine Vielzahl von Begründungen. Tanker- und Bohrplattform-Unfälle, Fukushima- und Tschernobyl-Gau gehören nur zu den vordergründigsten davon.
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Bereits die bundesrätliche Vorlage zur Energiestrategie 2050 ist inhaltlich sehr mager, es geht um eine sehr sanfte Weiterentwicklung des bisherigen, nicht wirklich – oder höchstens in schmalen Segmenten – erfolgreichen Energie(wirtschafts)politik-Instrumentariums. Es fehlen die zentralen, zukunftsgerichteten Weichenstellungen wie die Ausstiege aus der Atomenergie und den fossilen Energien. Geprägt ist die gesamte Vorlage von der Absicht von Bundesrätin Doris Leuthard, ja keine Pflöcke einzuschlagen: sie ist bekanntlich nicht gegen die Atomenergie, hält sie bloss derzeit nicht für bewilligungsfähig und möchte daher energie(wirtschafts)politische Aktivitäten vortäuschen.
Bei der Beratung auf parlamentarischer Ebene haben die energiewirtschaftlichen Lobby-Gruppen sehr intensiv und aktiv zugelangt und für sich dieses und jenes Zückerchen abgeholt. Es bleibt dabei: mit «Energiewende» hat die Sache nichts zu tun, als «Plattform für die Parlamentswahlen 2015» taugen diese energie(wirtschafts)politischen Rudimente durchaus, inklusive Empörungsbewirtschaftung im Stile der FDP-Scheinpetition.
Wir wissen längst, dass sich die aktuelle Ausprägung der Konsenspolitik auf die Problembewirtschaftung beschränkt, statt Lösungen zu ermöglichen.
Es ist bekannt, dass die Energiepreise kräftig lügen – insbesondere die fossilen Energien und die Atomenergie sind direkt und indirekt massiv subventioniert. Statt hier endlich für Kostenwahrheit zu sorgen, werden komplexe und laufend anzupassende Förderinstrumentarien, auch als Subventionsdschungel bezeichnet, betrieben (Kostendeckende Einspeise-Vergütung (KEV), Das Gebäudeprogramm, weitere …). Energieeffizienz, erneuerbare Energien erhalten so den Ruf, nur dank kräftigen finanziellen Impulsen betrieben zu werden. Dabei müssten sie längst Alltag sein. In der politischen Wahrnehmung ist nicht einmal die „First Mover“-Phase abgeschlossen. Die aktuelle sanfte Weiterentwicklung der Energie(wirtschafts)politik verhindert den ernsthaften Übergang zu einer ökologischen Finanzreform, welche stark lenkende Energieabgaben mit vollständiger Rückerstattung an Haushalte und Wirtschaft erfordert.
Es fehlen die klaren politischen Signale. In Realität findet etwa der Atomenergie-Ausstieg nicht statt, es herrscht die absolute Unverbindlichkeit. Auch hier wird kräftig gelogen: Atomkraftwerke müssen gemäss Politik sicher sein, um betrieben werden zu können – gleichzeitig lässt der Bundesrat Jodtabletten verteilen, die es nur bei einem Unfall in einem AKW braucht.
Eine sinnvolle und zukunftsgerichtete Energie- und Klimaschutzpolitik erfordert neben dem Atomausstieg auch einen Ausstieg aus den fossilen Energien. Es muss endlich erfolgen, was schon seit Jahrzehnten klar ist: wir müssen von der nach wie vor massiven Abhängigkeit von Oel und Gas wegkommen, je schneller desto besser. Auch hier sind klare Politikentscheide im Sinne der Lösungs- und Zukunftorientierung, weit über Legislaturperioden hinausgedacht, erforderlich. Es ist beispielsweise endlich festzuhalten, dass ab 2040 in der Schweiz keine fossilen Brenn- und Treibstoffe mehr verkauft werden dürfen. Das gäbe zwar derzeit einen gewaltigen Aufschrei, die Reaktionen des «Marktes» auf ähnliche Vorgaben, etwa das Glühlampenverbot, zeigen eindeutig, dass solche klaren Vorgaben ohne grössere Schwierigkeiten bewältigbar sind. Wenn es normal wird, dass auch bestehende Gebäude nicht mehr mit Oel oder Gas beheizt werden, stellen sich alle Marktbeteiligten auf derartige Vorgaben ein. Es ist gesellschaftspolitisch sogar vorteilhaft, gleichzeitig aus der Atom- und der fossilen Energie auszusteigen, weil sich dadurch erhebliche Synergien ergeben.
Es ist allerdings davon auszugehen, dass der gesamte gegenwärtige Politikbetrieb einer lösungs- und zukunftsorientierten Energie- und Klimaschutzpolitik im Weg steht. Da werden noch zu viele «Gärtchen» gehegt und gepflegt, es werden Pfründen aller Art bewirtschaftet, und dies nicht nur bei Atomenergie und den Fossilen – darum die Schreibweise Energie(wirtschaft)politik. Bis zum Beweis des Gegenteils gehe ich davon aus, dass für eine solche lösungs- und zukunftsorientierte Enegiepolitik, durchaus als Energiepolitik von unten zu bezeichnen, die erforderlichen politischen Mehrheiten zu finden sind.
Es ist zu hoffen, dass der aktuelle Parlamentslärm – auch Lärm ist eine Energieanwendung – wenigstens die Voraussetzungen schafft, um endlich eine zukunfts- und lösungsorientierte Energiepolitik (von unten) einzuleiten.
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Am 13. November 2014 haben sehr viele BewohnerInnen der Schweiz gestaunt. Sie finden in ihrem Briefkasten ein offizielles Schreiben zur Kalium-Jodid-Verteilung, mit einigen deftigen Informationen, die den bisherigen offiziellen Aussagen zur Ungefährlichkeit der Atomenergie und der trotzdem erforderlichen Verteilung von Jodtabletten widersprachen. Dieses Schreiben entspricht in etwa dem kleinen Mädchen im Märchen, welches ausspricht, was alle sehen: der Kaiser hat ja gar keine neuen Kleider, er steht ganz einfach nackt da!
Nach kurzer Zeit outet sich Greenpeace als Absender der „offiziellen Information„.
Im Märchen von den Kaisers neuen Kleidern sind die vorgeblichen Kleidermacher längst über alle Berge, als der offensichtliche Betrug benannt wird. Mit der Flugblatt-Aktion von Greenpeace zur Jodtabletten-Verteilung werden ein Bundesamt, der Bundesrat – mindestens Bundesrätin Leuthard – als SchwindlerInnen entlarvt. Die Reaktion ist dürftig: Obwohl beim Lügen ertappt, behalten sich die BAG-Verantwortlichen „rechtliche Schritte“ gegen die ÜberbringerInnen der schlechten Nachrichten vor. Viel weiter als im antiken Griechenland ist unsere Gesellschaft nicht. Wiki hält dazu lapidar fest: Das Verhaltensmuster, den Überbringer einer schlechten Nachricht stellvertretend für deren Ursache zur Verantwortung zu ziehen, konnte in der Geschichte häufig beobachtet werden.
Die Fakten sind klar: Da täuscht die offizielle Politik Vor- und Fürsorge vor, unterstreicht dies durch Logistik und Jodtablettenwirtschaft-Förderung, und ist sich weder der eigenen Verlogenheit noch der eigenen Hilflosigkeit bewusst. Als Hinweis zur Hilflosigkeit: spätestens seit Fukushima ist klar, dass das CH-Evakuierungskonzept – „zuerst vertikale, irgendwann später horizontale Evakuation“, also zuerst in die Keller, dann Flucht – untauglich ist.
Ganz einfach:
Der demokratische Rechtsstaat funktioniert nur, wenn auf Märchen verzichtet wird. Der demokratische Rechtsstaat braucht klare Botschaften, und nicht Geschwurbel im Sinne der Energiestrategie, bei der es nur darum geht, die Zeit zu überbrücken, bis Atomkraftwerke allenfalls wieder bewilligungsfähig werden. Das Festhalten an der vermeintlichen Option „Kernenergie“ ist reine Ideologie – es gibt keinen energiewirtschaftlichen oder energietechnischen Grund, an dieser gesellschafts- und zukunftsunverträglichen Technologie festzuhalten.
Jodtabletten hin oder her: Es braucht den Ausstieg aus der Atomenergie, es braucht den Ausstieg aus den fossilen Energien – als nachhaltiges, zukunftsfähiges Mehrgenerationenprojekt.
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Die Statistiken des Bundes zeigen eines: deutlich zugenommen hat der Verbrauch von Benzin und Diesel – es sind deutlich mehr Autos deutlich weiter unterwegs als noch vor vierzig Jahren. Und dies, obwohl gleichzeitig auch die mit dem öffentlichen Verkehr erbrachten Verkehrsleistungen (Stichwort etwa Zürcher S-Bahn) deutlich zugenommen haben. Der Strassenverkehr ist nach wie vor abhängig von den fossilen Treibstoffen Benzin und Diesel – das Wort „abhängig“ dürfte es sehr genau treffen, durchaus mit dem Suchtbezug.
Der Heizölverbrauch verminderte sich, während der Erdgasverbrauch in etwa gleichem Umfang zunahm. Mit Energie-Effizienzmassnahmen an den bestehenden Gebäuden und energetisch besseren Neubauten ist es gelungen, die deutliche Zunahme des beheizten Gebäudevolumens energetisch zu kompensieren. Allein zwischen 1990 und 2010 haben die Energiebezugsflächen um rund 30 Prozent zugenommen (etwa 1.3 % zusätzliche Energiebezugsfläche pro Jahr). Insbesondere für die Beheizung von bestehenden Bauten und die Wassererwärmung besteht nach wie vor eine erhebliche Abhängigkeit von den fossilen Brennstoffen Heizöl und Erdgas. Das „Erschrecken“ von Politik und Gesellschaft über die „Waffe Erdölpreis“ hat nicht zu einem Umdenken geführt, sondern zu einer Diversifikation der fossilen Energieträger.
Werbesprüche wie „Ölheizung: entscheiden richtig!“ oder „Wer jetzt auf eine neue Erdgas-Heizung setzt, dem dankt die Natur.“ illustrieren, wie verankert das fossile Heizen und die fossile Wassererwärmung nach wie vor sind, obwohl es ausreichende Alternativen gibt, die mit erneuerbaren Energien nachhaltig genutzt werden können. Dazu passt, dass im Tagesanzeiger seit Jahren jeden Freitag die Heizölpreisentwicklung dargestellt wird. Erst wenn sowohl „fossile“ Werbesprüche wie fixe Medienbeiträge verschwinden, kann sich eine Veränderung ergeben! Dazu gehört auch, dass die öffentliche Hand nach wie vor an Erdgasversorgungen beteiligt ist, auch da hat die Politik korrigierend einzugreifen.
Die Erdölpreiskrise 1973 hat den „Krieg um Öl“ lanciert, welcher irgendwann zum „Krieg gegen den Terror“ wurde, mit u.a. der Parallelschiene „Fracking“. Klar ist und bleibt:
Weg von Oel und Gas, die Emanzipation von den fossilen Energieträgern (bei gleichzeitigem Atomenergieausstieg) ist eine raschmöglichst anzugehende Herausforderung für eine innovative und zukunftsgerichtete Gesellschaft. Neben staatlichen Massnahmen – von Vorschriften bis zu Nudges zur Umsetzung von freiwilligen Verbesserungen – braucht es dazu eine Energiepolitik von unten: Jede und jeder hat in ihrem/seinem Verantwortungsbereich die erforderlichen Beiträge zu leisten.
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Der dänische NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat am 19. Juni 2014 in London behauptet, die Fracking-Gegner seien von Putin gesteuert. Ein solcher Verdacht ist angesichts der bereits sehr langen Debatte über die Fracking-Technologie zur Gewinnung von Schiefergas und mit Blick auf die in den USA klar erkennbaren erheblichen negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt mehr als lächerlich.
Zudem: die Abhängigkeit von der einen fossilen, endlichen Ressource durch die Abhängigkeit von einer anderen ebenso fossilen, ebenso endlichen Ressource zu ersetzen, erinnert eher an einen Teufelskreis als einen Lösungsbeitrag. Und es bleibt dabei: die Lösung heisst endlich weg von der fossilen und nuklearen Abhängigkeit!
Steigerung der Effizienz aller Energieanwendungen, der längst mögliche Wechsel zu erneuerbaren Energien, aber auch ein bewusster Umgang mit Ressourcen aller Art ist angesagt: der Weg hin zur nachhaltigen Entwicklung ist vorgegeben, Suffizienz, Effizienz und Konsistenz sind die handlungsleitenden Prinzipien dabei. Und wie diverse Studien zeigen: die ökonomischen Auswirkungen sind bescheiden, auch wenn es sich durchaus um beachtliche Investitionen handelt, siehe dazu auch meine Beiträge zur Energiepolitik von unten!
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Die meisten Atomkraftwerke sind bereits länger in Betrieb, als es der Planung entsprochen hat – teure Nachrüstungen, die Neuinterpretation von Sicherheitsbestimmungen oder die Auslagerung von Versicherungskosten haben zur Verlängerung der Nutzungsdauer geführt. Gleichzeitig wird immer offensichtlicher, dass der Bau neuer Atomkraftwerke nur mit massiven Subventionen und künstlich hochgehaltenen Strompreisen möglich ist, abgesehen davon, dass es für die während hunderttausenden erforderliche sichere Lagerung Atommüll und AKW-Abbruchmaterial weder Lösungen noch Kostenschätzungen gibt, obwohl seit Jahrzehnten danach gesucht wird.
Es ist offensichtlich: die Atomenergie war und ist ein „No-Go“ – wer anderes behauptet, hat schlicht keine Ahnung!
Nur: damit entstehen erst die Schwierigkeiten! Denn: bis anhin hat es noch nie in der Geschichte der Menschheit einen Ausstieg aus einer Technologie gegeben. Da die Kosten der Atomenergie schon immer gelogen haben, gibt es nicht ausreichend Geld, um die Ausstiegskosten und gleichzeitig die sichere, „ewig“ dauernde Lagerung der Hinterlassenschaften dieser Technologie finanzieren! Allfällige Steigerungen des Strompreises sind in starkem Mass auf die unternehmensinterne Quersubventionierung der Atomausstiegskosten zurückzuführen.
Nach Fukushima haben sich die Diskussionen über die weder ökonomisch verantwortbare noch nachhaltige Atomenergie-Wirtschaft mit den Abläufen um Atomausstieg, Energiewende und Klimaschutz gekoppelt. Es ist davon auszugehen, dass erhebliche Kosten entstehen. Diese Kosten können mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht von den Unternehmen bezahlt werden, die Atomkraftwerke betreiben. Da es weder gesellschaftlich noch politisch Ansätze gibt, die Folgekosten nicht-nachhaltiger Entscheide früherer Generationen verursachungsgerecht zu verrechnen, findet derzeit ein groteskes Spiel statt: um die Fakten nicht auf den Tisch legen zu müssen, wird alles versucht, den Ausstieg aus der Atomenergie möglichst weit hinauszuschieben. Der nicht aufzuhaltende Transformationsprozess der Stromwirtschaft zu einer Stromproduktion mit ausschliesslich nachhaltig nutzbaren erneuerbaren Energien, welcher wesentlich näher an der Kostenwahrheit stattfindet wird als Marketinginstrument missbraucht, um die unsinnige Atomwirtschaft mit massiv lügenden Preisen gegen alle Vernunft aufrechterhalten zu können.
Die Erkenntnis, dass die AKW-betreibenden Unternehmungen nicht in der Lage waren und sind, die wahren Kosten der Energienutzung zu bezahlen, ist unerfreulich, auch wenn sie einer gesellschaftlichen und ökonomischen Logik entspricht. Die virtuelle Schönung dieser bitteren Erkenntnis durch einen Weiterbetrieb bestehender Atomkraftwerke behindert in erheblichem Umfang den Transformationsprozess zu einer nachhaltigen Stromversorgung – eine AKW-„Bad Bank“ ist möglicherweise nicht die beste Lösung, aber es ist davon auszugehen, dass der längst fällige Ausstieg aus der Atomenergie letztlich durch die Gesellschaft, und zwar während sehr vielen Generationen, zu bezahlen sein wird. Gleichzeitig ist dafür zu sorgen, dass der Übergang zu einer fossil- und nuklearfreien Energieversorgung nicht eingeschränkt wird.
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Dies ist nachvollziehbar: Energieausgaben machen einen tiefen einstelligen Prozentanteil am volkswirtschaftlichen Umsatz aus. Dazu kommt, dass bei erneuerbaren Energien die zur Nutzung dieser Potenziale erforderlichen Techniken relativ hohe Investitionskosten verursachen, während die eingesetzten erneuerbaren Energien tendenziell billig sind, während auf der anderen Seite die konventionellen Nutzungstechniken eher billig sind, während die verbrauchten Energieträger teuer sind. Dies wird dadurch verstärkt, dass die Energiekosten der nicht-erneuerbaren Energien lügen, weil etwa die externen Kosten oder Versicherungsprämien z.B. bei Atom-GAUs oder Klimawandelschäden nicht berücksichtigt sind.
Eine QuidCorner-Infografik stellt die jährlichen Kosten des aktuellen globalen Energieverbrauchs den Investitionskosten zur Deckung dieses Energieverbrauchs gegenüber. „£1.22 Trillion“ pro Jahr an Energiekosten stehen „£29.46 Trillion“ Investitionskosten gegenüber – der Faktor 24 als Verhältniszahl dieser beiden Grössen entspricht gerade etwa der Nutzungsdauer verschiedener Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien. Das heisst: auch diese Überlegungen weisen also in die gleiche Richtung wie die oben erwähnte ETH-Studie. Allfällige Effizienzmassnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs oder Wirkungsgradsteigerungen bei den Technologien dürften die ökonomische Situation weiter verbessern. Zudem ist die Endlichkeit der Fossil- und Atom-Energie in die Überlegungen einzubeziehen. Die Infografik hält dazu fest: „2112 – The year that researchers believe we’ll run out of non-renewable fuels.“
Angesichts der voraussichtlich erheblichen Auswirkungen des Mensch gemachten Klimawandels mit massiven Klimawandelfolgenanpassungskosten, angesichts der nach wie vor ungelösten Atommüll-„Endlagerungs“-Thematik und der nach oben offen Schadenshöhe bei Atomunfällen ist die Vorgabe an die Energiepolitik von unten völlig klar: in erneuerbare Energien investieren statt Geld ausgeben für Fossil- und Atom-Energie!
Als kleiner Warnhinweis: für Einzelpersonen sieht der Einstieg in die erneuerbare Energie etwas anders aus als für die Volkswirtschaft. In der Regel braucht es einen Investitionsschub für diesen Wechsel – durchaus für viele Menschen eine echte Hürde. Hier braucht es neue Ansätze.
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Wirklich ein sehr billiges Witzchen – und eines ohne wahren Kern zudem. Wer ein Haus baut, geht davon aus, dass dieses Haus mindestens einen Nutzungszyklus von 40 Jahren durchmacht – die Erfahrungen zeigen, dass es beliebig viele Bauten gibt, die bereits im zweiten Nutzungszyklus stehen (das wären alle jene Bauten, die in den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts erstellt wurden). Wer sich also Gedanken macht, ein Haus zu bauen, oder ein bestehendes Haus umfassend zu erneuern, macht durchaus Pläne für die nächsten 50 und mehr Jahre.
Für eine nukler- und fossil-freie Energieversorgung müssen ab sofort an sehr vielen Orten Planungen für die nächsten 50 und mehr Jahre erstellt und anschliessend umgesetzt werden. Ja, Herr Karrer, ja, Herren und Damen $VP-ApplaudiererInnen, es ist ganz einfach normal, Pläne für 50 und mehr Jahre zu machen – und da z.B. viele derart alter Bauten nach wie vor bestehen, gehen diese Pläne auch irgendwie auf.
Die Altersvorsorge für die Menschen in der Schweiz ist ebenfalls ein auf Dauer angelegter Plan. Menschen, die ab Beginn ihrer Erwerbsarbeit Beiträge für die „drei Säulen“ der Altersvorsorge einzahlen, gehen ebenfalls davon aus, dass dieser Plan auch in fünfzig oder mehr Jahren noch funktioniert. Auch die Neue Alpentranversale geht von einer Nutzungsdauer von (mindestens) 100 Jahren aus, und das wurde so in der Volksabstimmung beschlossen.
Es gäbe eine Vielzahl weiterer Beispiele, die auf funktionierende Planungen für 50 und mehr Jahre aufbauen.
Es gehört zu den Fähigkeiten von demokratischen Gemeinwesen, trotz 4-Jahres-Wahlperioden auch 50 und mehr Jahre vorauszuschauen.
Herr Karrer ist also in dieser Hinsicht ein Dummschwätzer (wahrscheinlich nicht nur in dieser Hinsicht).
Ups, da habe ich mich gerade verschluckt. 50 Jahre, diese Zeitdauer wird von der AKW-Lobby immer genannt als Mindestlaufzeit der Atomkraftwerke. Dummschwätzer Karrer hat somit an der $VP-veranstaltung festgehalten, dass dieser Plan nicht aufgehen kann. Das wird schon lange vermutet, zum Beispiel wird es nicht genügend Geld zur Verfügung haben, um die Uralt-AKW absolut sicher stillzulegen und demontieren zu können, es wird auch kein Geld vorhanden sein, um all den Atommüll während hunderttausenden von Jahren sicher lagern zu können.
Die Konsequenz aus den Aussagen von Herrn Karrer: die Atomkraftwerke in diesem Land sind so rasch wie irgend wie möglich stillzulegen, und es ist so rasch als möglich ebenfalls aus der fossilen Energie auszusteigen. Das heisst: Nach-nuklear und nach-fossil: heute beginnen!
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