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Klimastreik | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Fri, 14 Jan 2022 18:33:05 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 44487214 Klimastreik 2 Jahre plus – trotz Klimakrise ist die real existierende Klimapolitik noch nicht mal in der Trainingsphase https://www.umweltnetz.ch/content/klimastreik-2-jahre-plus-trotz-klimakrise-ist-die-real-existierende-klimapolitik-noch-nicht-mal-in-der-trainingsphase Wed, 02 Sep 2020 09:55:14 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=8066 Im August 2018 hat Greta Thunberg in Stockholm mit Klimastreiks jeweils am Freitag begonnen. Sie wollte erreichen, was der Wissenschaft und Gemeinsinn-Engagierten in den letzten bald vierzig Jahren nicht gelungen ist: endlich ernsthafte Massnahmen gegen die Klimaerhitzung. Ein möglichst schneller Ausstieg aus den fossilen Energien – Erdöl, Erdgas, Kohle – gehört zu den zwingenden Notwendigkeiten, … „Klimastreik 2 Jahre plus – trotz Klimakrise ist die real existierende Klimapolitik noch nicht mal in der Trainingsphase“ weiterlesen

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Im August 2018 hat Greta Thunberg in Stockholm mit Klimastreiks jeweils am Freitag begonnen. Sie wollte erreichen, was der Wissenschaft und Gemeinsinn-Engagierten in den letzten bald vierzig Jahren nicht gelungen ist: endlich ernsthafte Massnahmen gegen die Klimaerhitzung. Ein möglichst schneller Ausstieg aus den fossilen Energien – Erdöl, Erdgas, Kohle – gehört zu den zwingenden Notwendigkeiten, um die Klimaerhitzung auf ein für die Menschheit erträgliches Mass zu begrenzen.  

Greta Thunberg konnte direkt und indirekt in vielen Ländern dieser Erde Millionen von Menschen zur Teilnahme an Klimastreiks und Klimademos motivieren. Eine grosse Zahl von prominenten Menschen verlangen deutlicher und lauter als bis anhin Massnahmen zum Schutze des Klimas. Es sind viele neue Gruppen und Initiativen zum Schutze des Klimas entstanden, es ist eine eigentliche Bewegung daraus entstanden. Es wird seither viel mehr über die Klimakrise gesprochen.
Es sind aber auch weiterhin die Kräfte am Werke, die sich als Lobby der fossilen Energien gegen Klimaschutz einsetzen, unter anderem, weil sie deutlich vom Renteneinkommen aus dem Verbrauch der vor Jahrmillionen entstandenen fossilen Energien profitieren. Da hat sich etwa gegenüber den im Buch «Losing Earth» von Nathaniel Rich dargestellten Verhältnissen vor dreissig Jahren nicht geändert.

Weil die erforderlichen Prozesse zur Erreichung eines besseren Klimaschutzes gerade in Demokratien eine erhebliche Dauer brauchen, ist leider trotz den eindringlichen Klimastreiks und der daraus entstandenen Bewegung auch in demokratischen Rechtsstaaten noch nicht sehr viel passiert seit August 2018.

Am Beispiel Stadt Zürich: Im Gemeinderat der Stadt Zürich wurden zwischen 19. September 2018 und 10. Juli 2019 achtzehn Vorstösse mit mehr oder weniger starkem Bezug zum Klimaschutz eingereicht. Der Rat behandelte diese Vorstösse an der Klimadebatte vom 25. September 2019 – zehn Vorstösse wurden an den Stadtrat überwiesen, mit dem Vermerk «Überweisung, Frist 24 Monate». Der Stadtrat hat nun bis am 24. September 2021 Zeit, die zwei Motionen und acht Postulate zu beantworten und Anträge zur Umsetzung zu formulieren. Immerhin etwa zwei Vorstösse wurden bereits früher eingereicht und erfordern stadträtliche Anträge bis zum Mai 2021. Die Beratung und Beschlussfassung im Gemeinderat wird ebenfalls einiges an Zeit brauchen, situativ sind auch noch die Stimmberechtigten zu befragen. Es könnte also sein, dass vier Jahre nach dem Start der Klimastreiks gewisse Verbesserungen der Klimapolitik erreicht werden könnten.

«Netto Null 2030» ist eine der Forderungen der Klimastreik-Bewegung. Wenn wie bis anhin wenig bis nichts geändewrt wird, entspricht dies dem Treibhausgas-Budget, das höchstens zur Verfügung steht, um die Klimaerhitzung auf ein für die Menschheit ertragbares Niveau – 1.5 K Erhöhung gegenüber dem vorindustriellen Zeitpunkt – zu begrenzen.

Der Weltklimarat IPCC hat als Stimme der Wissenschaft im Oktober 2018 festgehalten, dass es jetzt «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in  allen Bereichen der Gesellschaft» braucht.

Was in der Schweiz bis jetzt passiert ist, entspricht dem nicht – da hat immer noch die Lobby der fossilen Misswirtschaft das Sagen.

Im August 2019 hat der Bundesrat sich zwar für «Netto Null 2050» ausgesprochen – das Parlament interessiert dies nicht wirklich: die derzeit diskutierte Änderung des CO2-Gesetzes ist weit davon entfernt, dieses Ziel auch nur schon anzustreben.

In der Zürcher Umweltpraxis Juli 2020 (ZUP 91) «Klimaschutz, Klimafolgen und Anpassung an den Klimawandel» heisst es: Netto null bis 2050! Der Regierungsrat strebt für den Kanton neu das Ziel einer vollständigen Dekarbonisierung bis spätestens 2050 an. Immerhin gewisse Spuren des grünen Baudirektors Martin Neukom.

Auch der Stadtrat von Zürich übt sich in schönen Worten, bis hin zur (Plakat-)Kampagne «Mehr Zürich – Weniger CO2». Dazu passt auch, dass der Stadtrat von Zürich am 18. März 2020 die «Klima- und Energie-Charta der Städte und Gemeinden» genehmigt und unterzeichnet hat. Der Stadtrat unterstützt darin die Verpflichtung, die Treibhausgasemissionen der Schweiz bis 2050 auf netto null zu reduzieren.

Beim konkreten Wollen und Handeln sieht es deutlich anders aus. Im November 2019 hat der Stadtrat eine Überarbeitung der kommunalen Energieplanung beschlossen. Demnach sollen 2050 immer noch 31 Prozent der Wärmeversorgung von Öl und Gas abgedeckt werden (Öl 6 Prozent, Erdgas 14 Prozent, Biogas 11 Prozent). Dies ist weit entfernt von der vollständigen Dekarbonisierung – eine solche Klimapolitik ist objektiv illegal!

Auch da hat die Klimaforschung eigentlich eine Vorgabe gemacht. Im Internet-Magazin powernewz des städtischen (Strom-)Versorgers ewz hat ETH-Klimaforscher Prof. Reto Knutti am 11. Oktober 2019 sinngemäss festgehalten: «Es ist richtig, dass sich die Stadt Zürich überambitioniert scheinende energiepolitische Ziele setzt, zum Beispiel, bis 2030 den CO2-Austoss auf Netto Null zu reduzieren».

Ebenso hat der Schweizerische Nationalfonds im Januar 2020 mitgeteilt: «Aussteigen [aus der Kernenergie und der CO2-intensiven Energiewelt] ist möglich… wenn wir wollen, und dies sogar wirtschaftlich und sozial verträglich». 

Am Negativ-Beispiel der Energieplanung der Stadt Zürich zeigt sich, dass offenbar der Stadtrat echten Klimaschutz nicht will! Wie lange geht es wohl, bis die Stadt Zürich Abschied nimmt von der illegalen Klimapolitik?


Die Klimakrise mit den bloss schönen Worten der Politik ohne ernsthafte Klimaschutz-Aktivitäten macht auch etwas mit den Menschen, nicht nur mit jenen, die sich für Klimaschutz engagieren. Klimawandel gefährdet nachweislich die menatale Gesundheit von Menschen, ebenso besteht diese Gefahr auch für Menschen, die sich über die Klimaerhitzung kundig machen und mit der Ignoranz von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik abfinden müssen.

Solastalgia – das englische Wort für psychischen Stress, den die Klimawandelfolgen auslösen: muss dies wirklich sein? Zur Wiederholung: wenn wir WOLLEN, dann können wir den Klimawandel stark begrenzen. Dann können wir auch die gesundhetlichen und pyschischen Auswirkungen reduzieren! 

 

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Klimaschutz: was ist an «schnell» nicht verständlich? https://www.umweltnetz.ch/content/klimaschutz-was-ist-an-schnell-nicht-verstaendlich Tue, 10 Mar 2020 19:58:56 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7820 Seit Jahrzehnten ist klar, dass die Menschheit aus den fossilen Energien aussteigen muss, wenn zukünftige Generationen eine gute Zukunft auf diesem Planeten haben sollen – eine eindeutige Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung also! Ebenso ist schon einige Zeit bekannt, dass dieser Ausstieg aus den fossilen Energien «schnell» erfolgen muss. Dieses «schnell» braucht noch einige Impulse. Wir … „Klimaschutz: was ist an «schnell» nicht verständlich?“ weiterlesen

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Seit Jahrzehnten ist klar, dass die Menschheit aus den fossilen Energien aussteigen muss, wenn zukünftige Generationen eine gute Zukunft auf diesem Planeten haben sollen – eine eindeutige Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung also! Ebenso ist schon einige Zeit bekannt, dass dieser Ausstieg aus den fossilen Energien «schnell» erfolgen muss. Dieses «schnell» braucht noch einige Impulse.

Wir befinden uns in einer Klimakrise. Die vom Menschen gemachte Klimaerhitzung – neben den üblichen Klimaveränderungen des Gesamtsystems Planet Erde – lässt schlimme Auswirkungen auf Mensch und Umwelt befürchten. Wenn wir wollen, muss es nicht soweit kommen!

Der Weltklimarat IPCC hat im Oktober 2018 geschrieben: Limiting global warming to 1.5 °C would require rapid, far-reaching and unprecedented changes in all aspects of society. [DeepL-Übersetzung: Eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C erfordert schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft.] 

Die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz hat darauf aufbauend festgehalten: Um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müssen die Nettoemissionen von CO2 bis spätestens 2050 weltweit auf null gesenkt werden. Ergänzt wird dies mit der Aussage «Je schneller wir auf Null sind, umso geringer der Klimawandel und seine Auswirkungen.»

UN Environment Programme (UNEP) hat am 26. November 2019 mitgeteilt: Cut global emissions by 7.6 percent every year for next decade to meet 1.5°C Paris target. [DeepL-Übersetzung: Reduzierung der globalen Emissionen um 7,6 Prozent jedes Jahr für das nächste Jahrzehnt, um das 1,5°C-Ziel von Paris zu erreichen.] 

Zusammen mit den Schweizer Zahlen der CO2-Emissionen seit 1990 und einem daraus abgeleiteten Kurztrend für die nächsten Jahre lässt sich diese UNEP-Empfehlung auch als Grafik darstellen:

Gerade in den letzten Jahren wurde in der Schweiz etwas für den Klimaschutz getan – aber ganz offensichtlich nicht schnell und weitreichend genug. Da braucht es noch einiges mehr an Tempo, der Klimaschutz muss deutlicher zügiger,  flotter, rascher … werden! Genauso, wie dies die Wissenschaft schon länger fordert, genau so, wie dies Klimastreik, Fridays4Future und viele weitere fordern.

Dies betrifft selbst jene, die bis anhin im Klimaschutz als First Mover unterwegs waren. Wenn etwa der Stadtrat von Zürich am 20. November 2019 eine Energieplanung festsetzt, die für 2050 immer noch von 20 Prozent fossilen Energien für die Wärmeversorgung ausgeht, so entspricht dies nicht den erforderlichen «schnellen, weitreichenden und beispiellosen Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft». Auch die Stadt Zürich hat endlich das fossile Divestment umzusetzen.


Für den Klimaschutz als ein Teilbereich der nachhaltigen Entwicklung geht es letztlich um eine «moralische Revolution», um einen «System Change». Auch wenn Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft erforderlich sind, schaue ich hier neben einigen sehr allgemeinen Aspekten vor allem auf die Gebäude und den Verkehr. Da ist eigentlich längst bekannt, was zu tun ist.

Der Ausstieg aus den fossilen Energien um 2035 bis spätestens 2050 ist eine zentrale Vorgabe – und gleichzeitig eine einfache, verständliche und gut kommunizierbare Botschaft. Es ist unerklärlich, wie schwer sich die Politik der Schweiz mit dieser einfachen Vorgabe tut – die Gletscher-Initiative ist ein absolutes Minimum. Und doch überlegt sich (Stand  Anfang März 2020) der Bundesrat, ob es einen (abschwächenden) Gegenvorschlag braucht. Und National- und Ständerat befassen sich extrem langsam mit der schon lange fälligen umfassenden Revision der CO2-Gesetzgebung. Ein mögliches Referendum ist aus demokratischen Gründen immer legitim – angesichts der Gegnerschaft allerdings offensichtliche Interessenpolitik der fossilen Miss- und Mistwirtschaft. Ganz klar: Die erforderliche Klimaschutz-Schnelligkeit sieht anders aus.

Daraus ergibt sich eine klare Forderung: Volksabstimmungen über Zukunftsthemen sollten erst wieder stattfinden, wenn Transparenz über die Finanzströme von Parteien und Verbänden besteht. Konkret: Die bisherigen Nein-Ergebnisse zu Energiegesetz-Änderungen etwa in den Kantonen Solothurn und Bern sind eine klare Folge der Monekratie. Da haben die fossile Miss- und Mistwirtschaft mit sehr viel Geld Abstimmungsergebnisse gekauft, auch über die Tarnorganisation Heizöl- und Erdgas-Verein (welche sich irreführend in der Öffentlichkeit als Hauseigentümerverband bezeichnet).

Ein wirtschaftlich und sozial verträglicher Ausstieg aus der Kernenergie und der CO2-intensiven Energiewelt ist schon mit den heute bekannten technischen und finanziellen Mitteln grundsätzlich möglich … wenn wir wollen. Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) teilte dies am 14. Januar 2020 mit.

Wer also – wie der Fossilmiss- und -mist-Wirtschaft-Handlanger $VP – das Gegenteil behauptet, verbreitet Lügen und Fakes, gegen die Interessen der Schweiz und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner.

Denn: Schon längst ist bekannt, dass die Klimafolgenanpassung deutlich mehr kostet und kosten wird als der Klimaschutz! Es gibt verschiedene ÖkonomInnen, die aus volkswirtschaftlichen Gründen (mehr BIP-Generierung!) gegen Klimaschutz- und für Klimafolgenanpassungs-Massnahmen sind.  

Nach wie vor sind es im Gebäudebereich die First Mover, die konkreten Klimaschutz realisieren. Selbst wenn dies populär ist, braucht es im Gebäudebereich sowohl für Suffizienz-, Effizienz- und Konsistenz-Massnahmen keine Förderbeiträge. Denn langfristige sind auf Suffizienz, Effizienz und Konsistenz ausgerichtete Gebäude kostengünstiger, auch wenn etwas höhere Investitionskosten anfallen. Hier braucht es klare gesetzliche Vorgaben, im Sinne der Ökoroutine. PS: Suffizienz heisst etwa, dass pro Person weniger Wohn- und Arbeitsfläche beansprucht wird.

Um die schnellen, weitreichenden und beispiellosen Veränderungen umsetzen zu können, besteht ein erheblicher Bedarf an Weiterbildung, Beratung und Coaching aller AkteurInnen und Akteure. Und es braucht Geschichten über eine gelingende Zukunft!  

Wer heute noch fossile Energieträger einsetzt, braucht Stoffe, die selbst bei fach- und sachgemässer Anwendung Giftstoffe (u. a. CO2, Methan) für das globale Klima ausstossen – was soll «liberal» daran sein, fossile Energieträger zu verbrauchen?

Sehr grosse zusätzliche Mengen an Strom und eventuell Wärme aus nachhaltig dezentral nutzbaren erneuerbaren Energien werden mittel- bis längerfristig eine gewisse Rolle spielen bei so genannt «grünen» industriell hergestellten Stoffen wie Wasserstoff, weiteren synthetischen Gasen oder neuen Flüssig-Brenn- und Treibstoffen. Allerdings ist es wenig zweckmässig, diese als umfassenden Ersatz für Heizöl, Diesel, Kohle oder Erdgas propagandamässig herauszuposaunen. Allenfalls werden Güter-Strassen-Transporte, See- und Luftfahrt und spezielle Industrieprozesse auf diese Art und Weise klimaverträglicher ausgestaltet werden können.

Stromversorgung, Heizung und Wassererwärmung für Gebäude sind in erster Linie mit dezentral nutzbaren erneuerbaren Energieträgern sicherzustellen – die heutigen Energieversorgungsunternehmen werden andere Rollen zum übernehmen haben. Abwärme in begrenztem Rahmen und Grund- und Seewasser können gewisse Anteile der Energieversorgung von Gebäuden abdecken. Kehricht-Fernwärme ist in der heutigen Form wenig zukunftsfähig, da sowohl der Klimaschutz als auch die «Sustainable Development Goals» eine Verabschiedung der Wegwerfgesellschaft erfordern.


«Der Verkehr schränkt die Mobilität ein» – dies gilt in erster Linie für den Autoverkehr, letztlich aber auch für den öffentlichen Verkehr. Die Alltagsmobilität ist zu Fuss und mit dem Velo abzudecken – ideal mit höchstens 7’000  bis 10’000 Schritten (oder einem entsprechenden Velozeit-Äquivalent) pro Tag.


«Die Schweiz ist ja global betrachtet so unbedeutend, da müssen wir doch  nicht vorbildlich sein in Sachen Klimaschutz». oder «Solange China, die USA, Indien, Russland, Australien, Deutschland, Frankreich [Liste beliebig verlängerbar] nichts für den Klimaschutz tun, müssen auch wir nichts tun.»

«Ich bin doch bereits so vorbildlich in Sachen Umweltschutz, da sollen zuerst die anderen so weit sein, bevor ich mehr Klimaschutz mache.» oder «Wir sind doch bereits so vorbildlich in Sachen Umweltschutz, da sollen zuerst die anderen so weit sein, bevor wir mehr Klimaschutz machen.»

«Und sowieso, zuerst muss die Bevölkerungsexplosion gebremst werden.»

«Bei uns ist Klimaschutz so teuer, da müssen wir zuerst billigere Massnahmen in den Entwicklungsländern finanzieren.» 

«Massnahme A bringt doch nichts, wäre es nicht besser, wir würden zuerst B oder C realisieren?»

Auch diese Liste von Ausreden und Ausflüchten ist beliebig verlängerbar. Offenbar sind dies Begründungen dafür, dass Klimaschutz nicht ausreichend schnell realisiert wird. 

Einige Antworten:

  • Egal wie bedeutend die Schweiz ist, solange wir nicht aus den fossilen Energien ausgestiegen sind, werden wir unserer Verantwortung nicht gerecht.
  • Das könnten ja die Menschen aus den anderen Ländern auch über die Schweiz sagen – eine typische Anwendung des Gefangenen-Dilemmas.
  • Tatsache ist: sowohl der eigene als auch der gesamtgesellschaftliche Treibhausgas-Fussabdruck ist in vielen so genannt reichen Ländern zu gross, selbst bei Menschen,  die nachweislich vorbildlich sind. Da gibt es also noch einiges zu tun.
  • Unabhängig von der Zahl der Menschen auf der Erde muss aus den fossilen Energien ausgestiegen werden. Es ist zudem absehbar, dass zumindest längerfristig die Geburtenraten sinken. Zu beachten ist auch, dass sowohl wegen des Wohlstandes, wegen weniger belastenden körperlichen Arbeitsweise, wegen geringerer Kindersterblichkeit als auch wegen des bewussteren Umgangs mit der Gesundheit (zum Beispiel Luftreinhaltungsmassnahmen) die Zahl der gleichzeitig lebenden Menschen zunimmt.
  • Weil wir (nicht nur in der Schweiz) aus den fossilen Energien aussteigen müssen, müssen sehr sehr viele Massnahmen realisiert werden, also auch solche, die auf den ersten Blick zum Beispiel wegen den Kosten nicht sehr attraktiv erscheinen. Die Kompensation des übermässigen CO2-Ausstosses irgendwo auf der Welt ist ausschliesslich ein Ansatz für den Moment und taugt nicht für die echte fossile Null.  
  • Es braucht für wirksamen Klimaschutz bekanntlich «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft». A oder B oder C ist schon lange nicht mehr die Frage – es heisst «von A bis Z» und noch viel mehr. Der Pareto-Effekt, auch als 80-zu-20-Regel bekannt, hat keine Bedeutung mehr. Wenn wir Klimaschutz ernst nehmen, müssen wir sicherstellen, dass die Kombination von «schnell», «weitreichend» und «in allen Bereichen der Gesellschaft» bewältigbar ist und bleibt. Das geht dann gut, wenn alle Menschen in diesem Lande in zahlreichen Handlungs- und Aktivitätsfeldern betroffen sind. Klimaschutz muss zum Normalfall, zur Ökoroutine werden! 

Postwachstums-Ökonomie mit einer Steigerung der Regional-, Lokal- und Selbstversorgung, ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle, die Stärkung von ehrenamtlicher oder Freiwilligen-Arbeit, die Gleichstellung der Geschlechter sind Elemente, die gerade zwingend zum erforderlichen «System Change» gehören, die für «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft». 

Schneller Klimaschutz ist zwingend – in kurzer Zeit, zügig, flott, rasch muss echter Klimaschutz her!

 

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Schweiz: Es ist mehr für den Klimaschutz zu tun – auch bei den Gebäuden https://www.umweltnetz.ch/content/schweiz-es-ist-mehr-fuer-den-klimaschutz-zu-tun-auch-bei-den-gebaeuden Tue, 16 Jul 2019 19:41:38 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7567 Das Bundesamt für Umwelt hat die CO2-Statistik 2018 veröffentlicht. Die CO2-Emissionen aus dem Verbrauch von Treibstoffen sind unverändert hoch, die CO2-Emissionen aus dem Verbrauch von Brennstoffen sinken zwar, aber eindeutig zu schwach. «Um die Klimaziele des Übereinkommens von Paris zu erreichen, ist eine Abnahme der fossilen Energien unumgänglich« schliesst die Medienmitteilung des BAFU – eine … „Schweiz: Es ist mehr für den Klimaschutz zu tun – auch bei den Gebäuden“ weiterlesen

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Das Bundesamt für Umwelt hat die CO2-Statistik 2018 veröffentlicht. Die CO2-Emissionen aus dem Verbrauch von Treibstoffen sind unverändert hoch, die CO2-Emissionen aus dem Verbrauch von Brennstoffen sinken zwar, aber eindeutig zu schwach. «Um die Klimaziele des Übereinkommens von Paris zu erreichen, ist eine Abnahme der fossilen Energien unumgänglich« schliesst die Medienmitteilung des BAFU – eine zu offene Formulierung.

Spätestens seit Oktober 2018 ist klar, dass «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» erforderlich sind, um das Klimaschutzziel, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius, möglichst eineinhalb Grad Celsius im Vergleich zu vorindustriellen Levels zu begrenzen, erreichen zu können.

«NettoNull2030» – ausgehend vom 2017 noch zur Verfügung stehenden CO2-Emissionsbudget zur Erreichung des 1.5 °C-Ziels – gibt die Richtung vor. Die Politik schwächt dies bereitss massiv ab. Das Bundesamt für Energiewirtschaft hat Anfang 2018 eine Vision zum «Gebäudepark 2050» veröffentlicht. Der erste Punkt der «Vision Substitution» (ergänzend zur Vision Reduktion): Bis 2050 wird es (Ausnahmen vorbehalten) kein Heizöl, Erdgas oder Strom für den direkten Verbrauch zum Heizen mehr geben. Die Wirtschaftsallianz «Wärme Initiative Schweiz» hält fest: Bis 2050 wollen wir den Wärme-Sektor komplett erneuerbar und CO2-neutral gestalten! Das bedeutet, dass ab 2025 bis spätestens 2030 keine neuen Öl- oder Gaskessel mehr eingebaut werden sollten, weder beim Neu- oder Ersatzneubau von Gebäuden noch beim Ersatz der bestehenden Wärmeerzeugungsanlagen.

Wenn die fossile Null erst 2050 erreicht wird, ergibt dies gegenüber dem 1.5 °C-Budget rund 43 Prozent zu hohe CO2-Emissionen.

Der Hauseigentümerverband (HEV) reagiert mit Fakes auf die BAFU-Statistik. Er meint, die Fortsetzung des bisherigen Pfades – in den letzten 15 Jahren in etwa eine jährliche Reduktion der CO2-Emissionen im Gebäudebereich um zwei Prozent – sei ausreichend. Einverstanden, gegenüber dem Verkehr ist dies bereits eine erkennbare Reduktion des Verbrauchs fossiler Energien. Die Fortführung der HEV-Klimapolitik würde zu einer fossilen Null um das Jahr 2060 führen. Dies wäre fast 82 Prozent mehr CO2-Emissionen aus dem Gebäudebereich gegenüber dem 1.5 °C-Budget. Der HEV orientiert sich an Uralt-Zielen der kantonalen EnergiedirektorInnen, deutlich vor dem Pariser Klimaschutz-Übereinkommen festgehalten. Daran hält der HEV «unerschütterlich» fest, auf Kurs wie ein Öltanker, sorry, wie ein «Dampfer». Offenbar sind die Lernimpulse ausgehend von den Klimastreiks und Klimademos noch nicht beim HEV angekommen – ob es da wohl auch noch «HauseigentümerInnen for Future» braucht? Möglicherweise ist casafair, früher Hausverein, eine erster Ansatz dazu. Welche Auswirkungen wohl die Fakes des HEV auf die Klimapolitik haben werden?

Zur Wiederholung: Es ist mehr für den Klimaschutz zu tun – auch bei den Gebäuden! Idealerweise bereits ab 2040, kompromisslerisch erst 2050 ist eine fossile Null sowohl bei den Gebäuden als auch beim Verkehr zu erreichen. Ab sofort also mehr Klimaschutz, gerade auch bei Gebäuden!


Die verschiedenen Absenkpfade bildlich dargestellt:

The post Schweiz: Es ist mehr für den Klimaschutz zu tun – auch bei den Gebäuden first appeared on umweltnetz.ch.]]> 7567 Klimaschutz: Die Zukunft beginnt ab jetzt https://www.umweltnetz.ch/content/klimaschutz-die-zukunft-beginnt-ab-jetzt Sun, 02 Jun 2019 08:43:46 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7499 «NettoNull2030» ist eine der Klimastreik-Forderungen von Fridays4Future, konkretisiert von den Scientists4Future: die Nettoemissionen von Treibhausgasen (insbesondere CO2) müssen sehr rasch sinken und in den nächsten 20 bis 30 Jahren weltweit auf null reduziert werden (um mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Erwärmung von 1,5 °C nicht zu überschreiten). Dies stimmt überein mit den am 8. Oktober 2018 … „Klimaschutz: Die Zukunft beginnt ab jetzt“ weiterlesen

The post Klimaschutz: Die Zukunft beginnt ab jetzt first appeared on umweltnetz.ch.]]> «NettoNull2030» ist eine der Klimastreik-Forderungen von Fridays4Future, konkretisiert von den Scientists4Future: die Nettoemissionen von Treibhausgasen (insbesondere CO2) müssen sehr rasch sinken und in den nächsten 20 bis 30 Jahren weltweit auf null reduziert werden (um mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Erwärmung von 1,5 °C nicht zu überschreiten). Dies stimmt überein mit den am 8. Oktober 2018 vom Weltklimarat IPCC veröffentlichten Schlusssfolgerungen: Die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C erfordert schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft. Schnell, weitreichend, beispiellos: dies ist eine echte Herausforderung für alle Bereiche der Gesellschaft, wie insbesondere die Reaktionen der «Erwachsenen» auf die Klimastreik-Forderungen der Kinder, Jugendlichen und (jungen) Erwachsenen zeigen.

Die Vorgabe ist seit den Siebziger-Jahren des letzten Jahrhunderts klar: Wenn die Menschheit auf dem Planeten Erde eine Zukunft haben soll, ist – beispielsweise ausformuliert als nachhaltige Entwicklung – die Nutzung fossiler Energiequellen wie Erdöl, Erdgas und Kohle baldmöglichst einzustellen. Es geht hier um einen neuen Gesellschaftsvertrag, um einen fundamentalen Veränderungsprozess. Im Werk «Die Grosse Transformation. Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels» – herausgegeben von Uwe Schneidewind, begleitet von der Internetsite zukunftskunst – werden die erforderlichen Veränderungen als «moralische Revolution» (nach Appiah, 2011) bezeichnet. Zu vergleichen ist dies mit der Einführung der Demokratie, der Abschaffung der Sklaverei oder der Einführung des Frauenwahl- und -stimmrechts. Eine solche «moralische Revolution» läuft (nach Appiah, zitiert in die «Grosse Transformation») üblicherweise in fünf Phasen ab:

  1. Ignoranz – Problem wird nicht gesehen
  2. Anerkennung, aber kein persönlicher Bezug
  3. Anerkennung des persönlichen Bezugs, aber Nennung von Gründen, warum kein Handeln möglich ist
  4. Handeln
  5. Im Rückblick: Unverständnis, dass die alte Praxis je bestehen konnte

 

Die ersten Ansätze für diese grosse Transformation liegen rund fünfzig Jahre zurück. Es ist daher nicht verwunderlich, dass eigentlich derzeit individuell alle fünf Phasen dieser «moralischen Revolution» anzutreffen sind.

Viele SVP- und auch FDP-VertreterInnen stagnieren in Phase 1, mit ganz leichten Bewegungen Richtung Phase 2. Stark geprägt wird dies von der fossilen Mafia bei Gebäuden und im Verkehr. Oder anders: stillschweigend profitieren insbesondere die reichen Länder von den fossilen Renten, von den vor Jahrmillionen abgespeicherten fossilen Energieträgern. Und es gibt noch erhebliche Anteile von PolitikerInnen, die den Verbrauch von fossilen Energien mit Menschenrechten oder gar Freiheit in Verbindung bringen, absurder gehts nicht mehr. Geradezu lächerlich wird es, wenn von Phase-1-VertreterInnen der geringe Anteil der Schweiz an den Treibhausgas-Emissionen und die scheinbare Untätigkeit anderer Länder geltend gemacht wird. Tatsache ist, dass die Schweiz zu den Ländern mit einem übermässig grossen ökologischen Fussabdruck gehört. Daraus leitet sich ein entsprechender eigenverantwortlicher Handlungsbedarf ab.

Seit langen langen Jahren gibt es zahlreiche realisierte Beispiele für Phase 4: Sehr viele Menschen haben gehandelt; leider reicht dies nicht aus, um die «moralische Revolution» zu schaffen. Mit diesem Wissen, geprägt durch einen Teil der Eltern- und Grosselterngeneration, fordern die Klimastreikenden die schnelle und konsequente Umsetzung von Phase 4, fordern schnelles und wirksames Handeln.

Was zu tun ist, ist bestens bekannt. Gewisse Publikationen dazu sind eher plump, zum Beispiel 75 Ideen, wie Sie den Klimawandel stoppen können. Eine Anleitung zur Rettung der Welt. Wichtig dabei, darum eben Phase 4: Klimaschutz betrifft uns alle, betrifft uns in allen Situationen, in alltäglichen und speziellen Situationen – wenn wir es wollen, ist dies zu schaffen.

Als zusammenfassende Auswahl:

  • Überall müssen wir von den fossilen Energien weg:
    • Die Heizung und die Warmwasserversorgung unserer Häuser ist so schnell als möglich auf dezentral genutzte erneuerbare Energien umzustellen. Die beanspruchten Wohn- und Arbeitsflächen sind lebensabschnittsgerecht möglichst zu minimieren.
    • Alle Verkehrsmittel sind ausschliesslich mit erneuerbaren Energien zu betreiben – mag sein, dass für Schiffe und Flugzeuge zumindest in einer Übergangsphase Power-to-Liquid-Technologien anzuwenden sind.
      • Dazu gehört, dass weniger Verkehr mobilitätsfördernd ist. Der Alltag sollte mit 7’000 Schritten pro Tag abdeckbar sein – ein Teil davon auch per Velo, sicher weniger als eine Stunde pro Tag.
      • Nicht zuletzt aus Gerechtigkeitsüberlegungen sind insbesondere Flugreisen deutlich zu vermindern.
  • Die gesamte Stromversorgung hat mit erneuerbaren Energieträgern, möglichst dezentral genutzt, stattzufinden (eine Schlagzeile vom 15. April 2019 dazu: BFE-Studie: Schweizer Solarpotenzial grösser als benötigt).
    • Atomenergie ist wie seit bald fünfzig Jahren bekannt kein zukunftsfähiger Ansatz.
    • Es braucht einen Übergang von den fossilen Energiespeichern zu ressourcenoptimierten und menschenrechtsverträglichen Tages-, Wochen-, Monats- und Saison-Energiespeichern. Immer häufiger funktionieren solche Speicher bereits heute auch ohne «seltene Erden».
    • Eine nachhaltige Landwirtschaft kommt mit deutlich geringeren Tierbeständen aus – weniger Fleisch, weniger Milchprodukte, saisonale und regionale Produkte sind zukunftsfähig, FlexitarierInnen werden zahlreicher, vegetarische und vegane Gerichte gehören immer häufiger zum Alltag. Da werden auch Migros und Coop ihre absurden Grill-Kampagnen anzupassen haben.
  • Es geht um nachhaltige Entwicklung – neben den ökologischen gehören zukunftsgerichtete soziale und ökonomische Aspekte selbstverständlich mit dazu.
    • Zu beachten sind die prioritätssetzenden handlungsleitenden Nachhaltigkeitsprinzipien Suffizienz, Effizienz und Konsistenz.
  • Verschiedentlich wurde gezeigt, dass fossilfreie Technologien in einer Gesamtbetrachtung günstiger sind als konventionelle Technologien – allerdings wird dies durch massiv lügende Energiepreise verfälscht. Energielenkungsabgaben sind daher dringlich.

Nein, die Reduktion des «Bevölkerungswachstums» gehört nicht zu dieser «moralischen Revolution». Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass eine gerechte globale Wohlstandsverteilung eine nachhaltige und vom Planeten bewältigbare Bevölkerungsentwicklung ermöglicht. Geprägt wird der zu grosse ökologische Fussabdruck von den reichen Ländern; diese haben im Sinne der Klima-Gerechtigkeit die «moralische Revolution» beschleunigt umzusetzen.

Ein Klimanotstand wird von den Klimastreikenden und den sie unterstützenden Kreisen verlangt. Nach rund fünfzig Jahren ist Klimaschutz endlich dringlich umzusetzen. «Notstand» ist auf Verfassungs- und Gesetzesstufe zum Teil bereits besetzt. Wenn nun – wie etwa in der Stadt Zürich – dringliches Handeln mit derartigen Wortklaubereien abgelehnt wird, ist dies nicht zukunftsfähig. Wenn Kanton und Bund ihre Verpflichtungen zur schnellen und wirksamen Absenkung der Treibhausgasemissionen nicht wahrnehmen, haben Städte subsidiär die notwendigen Schritte zu unternehmen. Dazu gehören beispielsweise Verbote von (neuen) Öl- und Gasheizungen oder Fahrverbote für Fahrzeuge, die mit fossilen Treibstoffen betrieben werden.

Echter und ernsthafter Klimaschutz verlangt (siehe oben), dass die Nettoemissionen von Treibhausgasen (insbesondere CO2) sehr rasch sinken und in den nächsten 20 bis 30 Jahren weltweit auf null reduziert werden. Dabei handelt es sich um eine Tatsache, einen Fakt – und nicht einfach eine Meinung. Demokratische Prozesse haben der zwingenden Notwendigkeit des schnellen und wirksamen Klimaschutzes Rechnung zu tragen. Es ist dafür zu sorgen, dass es nicht mehr möglich ist (wie 2018/2019 in den Kantonen Bern und Solothurn), dass die fossile Mafia Stimmen-Mehrheiten gegen den Klimaschutz kaufen kann.

Seit rund fünfzig wird bei der «moralischen Revolution» in erster Linie auf Freiwilligkeit gesetzt. Nach wie vor gilt vieles, was mit einem erheblichem Ausstoss an (fossilen) Treibhausgasen verbunden ist, aus sozio-psychologischer Sicht als «normal, nützlich und notwendig». Wer gegen diese Mehrheitstrends handelt, verhält sich häufig als AussenseiterIn. Es ist mit fünfzig Jahren Erfahrung offensichtlich, dass Appelle an freiwilliges vorbildliches Handeln nicht tauglich sind. Gerade liberal ausgerichtete demokratische Rechsstaaten haben dafür zu sorgen, dass zur Zukunftskunst Regelwerke gehören, die den zum Handeln erforderlichen neuen Verhaltens- und Gefühlsmustern entsprechen, Stichwort zum Beispiel Ökoroutine.

Ich, du, sie, er, wir ihr, sie: Klimaschutz geht uns alle an, ab sofort, schnell und wirksam. Nur ein solcher Klimaschutz ist zukunftstauglich, ist enkelInnen- und urenkelInnentauglich. Dazu gehört auch: Gletscher-Initiative unterschreiben!

Die Zeichnung illustriert mögliche Absenkpfade.

 

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100 Prozent erneuerbare Energie ist möglich – und bringt erst noch mehr Unabhängigkeit! https://www.umweltnetz.ch/content/100-prozent-erneuerbare-energie-ist-moeglich-und-bringt-erst-noch-mehr-unabhaengigkeit Mon, 06 May 2019 13:20:42 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7477 Wenn wir wollen, können wir schnell übergehen zu einem Energiesystem mit ausschliesslich erneuerbaren Energien. Ein Vorteil: weniger Druck von aussen, egal ob OPEC, Russland oder USA! Ein weiterer Vorteil: wir reagieren auf die Klimakatastrophe! Autofreie Sonntage in der Schweiz – eine der politischen Reaktionen auf die Erdölpreiskrise 1973. Die Organisation der arabischen Erdöl exportierenden Staaten … „100 Prozent erneuerbare Energie ist möglich – und bringt erst noch mehr Unabhängigkeit!“ weiterlesen

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Wenn wir wollen, können wir schnell übergehen zu einem Energiesystem mit ausschliesslich erneuerbaren Energien. Ein Vorteil: weniger Druck von aussen, egal ob OPEC, Russland oder USA! Ein weiterer Vorteil: wir reagieren auf die Klimakatastrophe!

Autofreie Sonntage in der Schweiz – eine der politischen Reaktionen auf die Erdölpreiskrise 1973. Die Organisation der arabischen Erdöl exportierenden Staaten (OAPEC) drosselte geringfügig die Erdölproduktion, um die westlichen Länder von der Unterstützung Israels abzubringen. Ein beträchtlicher Preissprung war eine der Folgen. Parallel zu den autofreien Tagen war dies der Startpunkt für energiepolitische Aktivitäten auch in der Schweiz. Später kam dann der Klimaschutzaspekt dazu. Wirklich bewirkt hat dies allerdings wenig – etwa 65 Prozent des Energieverbrauchs der Schweiz wird nach wie vor durch Erdöl, Erdgas und daraus abgeleiteten Produkten abgedeckt.

2019 machen die vereinigten Staaten von Amerika (USA) unter Präsident Donald Trump einen vergleichbaren Druck wie damals die OAPEC. Die USA wollen, dass Europa weniger fossiles Erdgas aus Russland bezieht. Stattdessen soll Europa US-Flüssiggas – mit Monster-Öko-Fussabdruck als fossilem Erdgas aus der Erde gefrackt, verdichtet und per Schiff transportiert – verbrauchen. Die Geschichte wiederholt sich, derartiger Druck wird unabhängig von der Regierungs-/Herrschaftsform nach wie vor als Instrument eingesetzt! Und angesichts der energie- und klimapolitischen Realitäten sind viele energieverbrauchende Staaten auch tatsächlich unter Druck zu setzen.

Im Buch Losing Earth beschreibt Nathaniel Rich die Klimapolitikgeschichte, Blick zurück, parallel zur Erdölpreiskrise. Zitat aus der Buchbeschreibung: «Rich … [erzählt] … hier die Geschichte eines beispiellosen Menschheitsversagens.»

Falls wir aus der Geschichte lernen: der Druck der USA, dass Europa US-Flüssiggas statt russsisches Erdgas importiert, kann auch für echten Klimaschutz genutzt werden. Wenn ab sofort jede neu zu erstellende oder zu ersetzende Heizungsanlage auf die dezentrale Nutzung erneuerbarer Energien ausgerichtet wird, wenn Autos ebenfalls mit erneuerbaren Energien aus dezentraler Nutzung betrieben werden, dann gelingt neben dem Klimaschutz auch eine Steigerung der Unabhängigkeit der Energieversorgung, sowohl der Länder als auch der einzelnen Haushalte und Unternehmen.

Wenn wir es wollen, ist dies gut zu erreichen! Klimastreik, Klimademos, Fridays4Futre, Scientists4Future fordern ebenfalls, dass wir dies wollen. Also: Wir wollen, das Können ist vorhanden – also tun wir es auch tatsächlich!

The post 100 Prozent erneuerbare Energie ist möglich – und bringt erst noch mehr Unabhängigkeit! first appeared on umweltnetz.ch.]]> 7477 #Klimaschutz: zu radikal geht gar nicht https://www.umweltnetz.ch/content/klimaschutz-zu-radikal-geht-gar-nicht Sat, 06 Apr 2019 11:00:43 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7469 #NettoNull2030 ist eine der #Klimastreik-Forderungen. Die Politik in verschiedenen Städten in verschiedenen Ländern hat mit Vorstössen und Beschlüssen diese Forderung aufgenommen – nun setzt eine Gegenbewegung ein, die diese Forderung als «radikal» bezeichnet. Angesichts der Herausforderungen der Klimaerhitzung ist «radikal» gar nicht möglich. Der Weltklimarat IPCC hat am 8. Oktober 2018 einen Bericht veröffentlicht zur … „#Klimaschutz: zu radikal geht gar nicht“ weiterlesen

The post #Klimaschutz: zu radikal geht gar nicht first appeared on umweltnetz.ch.]]> #NettoNull2030 ist eine der #Klimastreik-Forderungen. Die Politik in verschiedenen Städten in verschiedenen Ländern hat mit Vorstössen und Beschlüssen diese Forderung aufgenommen – nun setzt eine Gegenbewegung ein, die diese Forderung als «radikal» bezeichnet. Angesichts der Herausforderungen der Klimaerhitzung ist «radikal» gar nicht möglich.

Der Weltklimarat IPCC hat am 8. Oktober 2018 einen Bericht veröffentlicht zur Umsetzung des Pariser Klimaschutz-Übereinkommens. Eine der Aussagen aus aus der Medienmitteilung: «Limiting global warming to 1.5 °C would require rapid, far-reaching and unprecedented changes in all aspects of society. (Die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C erfordert schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft)». Naturwissenschaften Schweiz ergänzt dies mit der Aussage «Um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müssen die Nettoemissionen von CO2 bis spätestens 2050 weltweit auf null gesenkt werden.» Festzuhalten ist, dass trotz einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1.5 °C bereits erhebliche Auswirkungen auf Leben von Mensch und Um-/Mitwelt zu erwarten sind.

Die BewohnerInnen der Schweiz gehören im Mittel global betrachtet zu den Menschen mit einem eher grossen ökologischen Fussabdruck, damit auch einem eher grossen Treibhausgas-Fussabdruck. Der Alpenraum ist von der Klimaerhitzung stärker betroffen als der Durchschnitt der Erde; innerhalb eines Landes stehen jeweils auch die Städte stärker unter dem Einfluss der Klimaerhitzung. Ebenso sind viele arme Länder stark von der Klimaerhitzung betroffen, auch wenn sie pro Person einen geringen Treibhausgas-Ausstoss verursachen. Im Sinne der Klimagerechtigkeit haben Länder wie die Schweiz den Ausstieg aus den fossilen Brenn- und Treibstoffen schneller anzugehen. Im Oktober 2017 hat der WWF Schweiz eine Studie dazu veröffentlicht, mit der Aussage «Wenn die Schweiz ihren Beitrag an die Ziele des Pariser Abkommens leisten will, darf sie ab 2038 kein Erdöl, Erdgas und keine Kohle mehr verbrennen».

Bei üblichen Projekten wird von Zielen gefordert, dass diese SMART – Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch und Terminiert – sein sollten. Als Reaktiion auf die Klimakrise mit der bereits eingetretenen und weiterhin zu befürchtenden Klimaerhitzung sind bekanntlich «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» gefordert, da ist insbesondere Realistisch eher durch «notwendig» oder «wollen» zu ersetzen. Und es gilt dabei auch: Wenn wir wirklich das Klima im Sinne der Zukunftsfähigkeit schützen wollen, dann können wir dies durch entsprechendes Tun auch erreichen! Wir haben in erster Linie also am Wollen zu arbeiten.

Eine der Erfahrungen aus 40 Jahren Umweltpolitik ist, dass auf politischer Ebene meist ungenügende Ziele formuliert werden und diese zudem in der Regel nicht ausreichend erreicht werden. Es fehlt der Umwelt- und Energiepolitik eine gewisse Ernsthaftigkeit und Verbindlichkeit. Dabei fällt auf, dass ein Teil der AkteurInnen einen erheblichen Aufwand leistet, also mehr tut, als notwendig wäre, während andere sich tendenziell ignorant verhalten. Dies ist eine Bestätigung dafür, dass viel mehr Ökoroutine erforderlich ist.

Ein spezieller Aspekt dabei sind die zeitlichen Vorgaben. «Bis 2050», das sind noch knapp mehr als 30 Jahre. Für viele Güter, die für den Betrieb fossile Energie benötigen, geht dies über die übliche Nutzungsdauer hinaus. Eine Wärmeerzeugungsanlagem, die für die Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser mit Öl oder Gas betrieben wird, hat nach üblichen Angaben eine Nutzungsdauer von 20 Jahren. Echter Klimaschutz verlangt, dass bei einem Ersatz bereits jetzt auf erneuerbare Energien umgestellt wird – heute wird dies zu oft noch auf den nächsten Generationenwechsel verschoben. #NettoNull2030 signalisiert demgegenüber eine hohe Dringlichkeit, da ist bereits jetzt bei jedem Kesselersatz oder bei jedem Autokauf eine Lösung ohne fossile Energieträger zu wählen!

In der Politik werden vielfach «liberale» Lösungen zur Erreichung der Klimaschutzziele gefordert. «Liberal» ist unterdessen eine sinnentleerte Worthülse. In Wikipedia ist bei der Beschreibung von Liberalismus zu lesen: Leitziel des Liberalismus ist die Freiheit des Individuums vornehmlich gegenüber staatlicher Regierungsgewalt, er richtet sich gegen Staatsgläubigkeit, Kollektivismus, Willkür und den Missbrauch von Macht bzw. Herrschaft. Das Klima, das Weltklima ist ein Common, ist in diesem Sinne Kollektivismus – Massnahmen zum Schutz des Weltklimas stehen in erster Näherung gegen den Liberalismus. Die Erfahrungen aus 40 Jahren Energie- und Umweltpolitik belegen, dass der bis anhin dominierende Liberalismus genau nicht in der Lage ist, die Commons, die gemeinsamen Güter ausreichend zu schützen. Einfach noch dies: «Die Liberalen» nennen sich in der Westschweiz «Les Libéraux-Radicaux»!

Wer davon spricht, dass die aktuellen #Klimastreik-Forderung nach #NettoNull2030 zu radikal sei, lässt damit erkennen, dass er oder sie sich nicht an der EnkelInnen- und UrenkelInnen-Tauglichkeit der Politik orientiert. #NettoNull2030 ist exakt die Herausforderung , die eine gesellschaftliche Veränderung braucht!

Wenn wir dies wollen, ist #NettoNull2030 erreichbar – es braucht dazu das gesamte Nachhaltigkeits-Instrumentarium, es geht um ökologische, ökonomische und soziale Rahmenbedingungen. Nur so sind die für den Kliamschutz erforderlichen «schnellen, weitreichenden und beispiellosen Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» realisierbar!

The post #Klimaschutz: zu radikal geht gar nicht first appeared on umweltnetz.ch.]]> 7469 Wahlen 2018 Kanton Zürich: Klimanotstand jetzt sofort! https://www.umweltnetz.ch/content/wahlen-2018-kanton-zuerich-klimanotstand-jetzt-sofort Mon, 25 Mar 2019 07:35:08 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7455 Viele KommentatorInnen meinen, dass die Klimastreik-Bewegung die Zürcher Regierungsrats- und Kantonsratswahlen am 24. März 2019 erheblich beeinflusst hat. #Klimanotstand jetzt sofort, NettoNull2030 sind Herausforderungen, denen sich Zürcher Regierungsrat und Kantonsrat stellen müssen. Auch Haushalte und Wirtschaft im Kanton Zürich sind gefordert, schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft in Gang zu setzen. … „Wahlen 2018 Kanton Zürich: Klimanotstand jetzt sofort!“ weiterlesen

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Viele KommentatorInnen meinen, dass die Klimastreik-Bewegung die Zürcher Regierungsrats- und Kantonsratswahlen am 24. März 2019 erheblich beeinflusst hat. #Klimanotstand jetzt sofort, NettoNull2030 sind Herausforderungen, denen sich Zürcher Regierungsrat und Kantonsrat stellen müssen. Auch Haushalte und Wirtschaft im Kanton Zürich sind gefordert, schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft in Gang zu setzen. Nur so kann der von Menschen gemachte Klimawandel auf ein für die Gesellschaft erträgliches Mass begrenzt werden.

Wirksam und schnell hat die Klimapolitik auch auf Kantonsebene zu sein. Der Kanton Zürich hat in seinem Einflussbereich dafür zu sorgen, dass möglichst rasch auf fossile Brenn- und Treibstoffe verzichtet wird. Die Mehrheit des Regierungsrates vertritt die Parteien SVP, FDP und CVP. Diese sprechen lautstark von «Klimalüge», «Klimahysterie» oder «Klimareligion». Viele VertreterInnen dieser Parteien ignorieren den Zusammenhang zwischen dem übermässigen Verbrauch fossiler Energien und der Klimaerhitzung. Sie lehnen insbesondere den raschestmöglichen Ausstieg aus den fossilen Energien ab. Im Kantonsrat haben diese Parteien nach wie vor einen Anteil von 45 Prozent. Somit hat der Klimastreik zwar einen Schubs in der Klimapolitik ermöglicht, es braucht nun aber auch die Mehrheiten für Sachentscheide, die zu schnellen, weitreichenden und beispiellosen Veränderungen führen.

Ein erstes Arbeitsfeld wird die Überarbeitung des Energiegesetzes sein. Dies zeigt sich etwa an der Klimapolitik-Zielvorgabe in Paragraph 1, Buchstabe d) des Energiegesetzes. «… bis ins Jahr 2050 den CO2-Ausstoss auf 2,2 Tonnen pro Einwohnerin und Einwohner und Jahr zu senken …» steht derzeit im Energiegesetz. Eine fossile Null spätestens im Jahr 2040 – in diese Richtung ist die Zielvorgabe zu entwickeln. Und es sind die passenden Massnahmen festzulegen. Erforderlich ist etwa, raschmöglichst dafür zu sorgen, dass keine neuen Öl- und Gaskessel für Heizung und Wassererwärmung von bestehenden Gebäuden und von Neubauten verwendet werden. Dazu gehört auch, die dezentrale Eigenversorgung mit Energie, etwa mit Solarstrom, voranzubringen. Technisch ist dies sehr gut möglich, in der Regel mit etwas höheren Investitionskosten und dafür tieferen Energiekosten. Die sozialen Aspekte sind zu beachten. Gerade an diesem Beispiel wird sich zeigen, was die Politik unter «liberal» versteht. Geht es in erster Linie um Egoismus, um den eigenen (finanziellen) Vorteil? Oder steht die gesellschaftliche Verantwortung – die Freiheit aller – im Vordergrund?

Die Stimmberechtigten werden ebenfalls immer wieder Gelegenheit haben, bei Abstimmungen ihre Meinung einbringen zu können. Ob es wohl gelingt, sowohl bei Wahlen wie bei Abstimmungen die Stimmbeteiligung spürbar zu erhöhen? Oder zeigt sich in diesen Zahlen die Zufriedenheit oder allenfalls auch Unzufriedenheit mit der politischen Realität?

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The post Klimastreik: Weil seit Jahrzehnten zu wenig Energie-, Umwelt- und Klimapolitik gemacht wird! first appeared on umweltnetz.ch.]]> Es ist einfach, aber nicht leicht. So sagt es Marcel Hänggi in seinem Buch «Null Öl. Null Gas. Null Kohle.» Der CO2-Ausstoss muss (raschmöglichst) runter auf «netto null». Weil die fossilen Energien vor allem in reichen Ländern omnipräsent sind, ist dies nicht leicht. Die weltweiten Klimastreiks, inspiriert durch Greta Thunberg, verlangen eigentlich bloss das, was seit Jahrzehnten klar ist. Die Mehrheit der Menschen aus etwa zwei Generationen hat bis jetzt diese Botschaft nicht umgesetzt – und ist möglicherweise auch darum von den Forderungen der Jugend nach #Klimanotstand, #NettoNull2030 und #Klimagerechtigkeit im Minimum irritiert.

Es gibt schon lange Menschen, die das als selbstverständlich erachten, was eigentlich die Energie-, Umwelt- und Klimapolitik tun sollte, eben zum Beispiel so rasch als möglich «netto null» Treibhausgasemissionen zu erreichen. Nur: das, was diese Menschen tun, gilt noch nicht als «normal, nützlich und notwendig» – die grotesken Reaktionen und Positionsbezüge insbesondere von PolitikerInnen von FDP, SVP etc bis hin zur GLP zeigen nach wie vor grosse Informationsdefizite und eine ausgeprägte Wissenschaftsdistanz. Dazu passt, dass die Mehrheit der Menschen meint, umweltfreundlicher als der Durchschnitt der Bevölkerung zu sein.

An einer vom WWF getragenen Veranstaltung im Zürcher Kosmos vom 25. Februar 2019 führte WWF-Klimaexpertin Myriam Planzer einmal mehr vor, was prägend ist für die Klimakrise, für die Klimaerhitzung, was also schnellstmöglich ändern muss. Es geht um vieles, das mit F wie «Fossile» zu tun hat:

  • Fliegen
  • Fleisch
  • Fossil heizen
  • Food Waste
  • Fettes Auto
  • Finanzen falsch anlegen
  • Flaschenwasser
  • Full-Time-Job

Zur Verdeutlichung können der Footprint-Rechner des WWF oder der ECOSPEED Private-Rechner verwendet werden.

Der Klimanotstand erfordert von allen einen «Dschungel von Massnahmen», oder, wie es der Weltklimarat im Oktober 2018 festgehalten hat, es braucht schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft!

Ich habe kürzlich meine persönlichen Archivbestände durchgesehen, vieles davon 20 und mehr Jahre alt. Interessant dabei: die schnellen, weitreichenden und beispiellosen Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft sind im Grundsatz seit Jahrzehnten bekannt, Details wurden allenfalls in den letzten Jahren präzisiert. Die Sache ist wirklich einfach, es gibt ausreichend Möglichkeiten, «netto null» CO2-Ausstoss zu erreichen. Eigentlich die einzige Voraussetzung: wir müssen dies wollen!

Wenn Anfang März 2019 die FDP immer noch sagt, dass sie «eine liberale Klimapolitik, die nicht mit Verboten funktioniert», wolle, dann sind die letzten 30 bis 40 Jahre Energie-, Umwelt- und Klimapolitik offenbar an der FDP vorbeigegangen. Verbote von fossilen Energien sind etwa hochgradig liberal und entsprechem dem demokratischen Rechtsstaat – der Zwang, Stoffe wie Erdöl oder Erdgas zu verbrauchen, die bei sachgemässer Anwendung ein Gift für das Weltklima ausstossen, ist offensichtlich unliberal. Längst ist bekannt, dass vieles von dem, was wir heute tun, auch mit erneuerbaren Energien möglich ist, Energien, die tatsächlich nachhhaltig, also enkelInnen-tauglich, nutzbar sind. EnkelInnentauglichkeit ist die mit Liberalität zwingend verknüpfte Selbstverantwortung. Die Beliebigkeits- und Freiwilligkeits-Phasen sind in der Energie-, Umwelt- und Klimapolitik vorbei. Damit wir tun, was wir für richtig halten, ist Ökoroutine angesagt.

Dazu gehört auch, dass «Nudges» für nachhaltiges Verhalten, von Nahferien bis zu vegetarischer/veganer Ernährung, etwa auch von der FDP abgelehnt werden. Werbung für übergrosse Autos, Flugreisen und dergleichen, eindeutige Nudges für nicht-nachhaltiges Verhalten, werden demgegenüber nicht einmal thematisiert. Vielleicht liegt dies an gelegentlichen ironischen Einsprengseln, etwa der Hinweis «Hör niemals auf neu anzufangen.» auf einem solchen Plakat!

Die Mängel der bisherigen Energie-, Umwelt- und Klimapolitik erfordern zwingend die Einführung und Umsetzung eines Klimanotstandes – #NettoNull2030, umgesetzt mit den handlungsleitenden Prinzipien Suffizienz, Effizienz und Substitution, unter Beachtung der Nachhaltigkeitsebenen Soziales, Ökonomie und Ökologie ist geradezu eine zwingende Vorgabe! Schon fast als Backup dazu ist die Gletscher-Initiative zu verstehen.



Zum Schluss: Die von Menschen gemachte Klimakrise, als Klimaerhitzung wahrgenommen – verursacht durch den (übermässigen) Ausstoss des Treibhausgases CO2 – ist eine hochgradig gesicherte Tatsache. Und zur Begrenzung der von Menschen gemachten Klimaerhitzung braucht es die Atomenergie nicht!

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Klimaschutz: echt und schnell https://www.umweltnetz.ch/content/klimaschutz-echt-und-schnell Mon, 18 Feb 2019 22:17:58 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7408 Greta Thunberg hat ausgesprochen, was schon lange klar ist: Es braucht echten und schnellen Klimaschutz – NettoNull2030, Klimanotstand sind angemessene Forderungen der Schulstreiks, der Klimastreiks und Klimademos! Um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müssen die Nettoemissionen von CO2 bis spätestens 2050 weltweit auf null gesenkt werden. Dies ist nur mit einem … „Klimaschutz: echt und schnell“ weiterlesen

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Tydalldenkmal oberhalb Belalp

Greta Thunberg hat ausgesprochen, was schon lange klar ist: Es braucht echten und schnellen Klimaschutz – NettoNull2030, Klimanotstand sind angemessene Forderungen der Schulstreiks, der Klimastreiks und Klimademos!

Um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müssen die Nettoemissionen von CO2 bis spätestens 2050 weltweit auf null gesenkt werden. Dies ist nur mit einem raschen und tiefgreifenden technischen und gesellschaftlichen Umbau möglich. So steht es in einer Medienmitteilung von Naturwissenschaften Schweiz vom 8. Oktober 2018. Es ist klar, dass es einen von Menschen gemachten Klimawandel gibt und dass dieser geprägt wird durch das Verbrennen von fossilen Brenn- und Treibstoffen. Dies ist ähnlich klar wie die Tatsache, dass die Addition von drei plus vier sieben ergibt. Nur: die Gesellschaft verhält sich gegenüber dem Klimawandel so, wie wenn die Rechnung drei plus vier acht ergeben würde.

Die Dringlichkeit ist also gegeben, die lauten, mahnenden, drastischen Worte von Greta Thunberg, von vielen anderen Schülerinnen und Schülern sind berechtigt – es geht um #eusizuekunft! Die Reaktionen der Angesprochenen sind teilweise grotesk. Als ein exemplarisches Beispiel dient hier die Stadtratskolumne des Zürcher FDP-Stadtrates Filippo Leutenegger, kommentiert in der Wochenzeitung WOZ. Klipp und klar: In Sachen Klima ist Reverse Mentoring angesagt, da sollten die Älteren von den Jüngeren profitieren.

Es gibt auch die Älteren, die teilweise seit dreissig und mehr Jahren bereits echten und schnellen Klimaschutz fordern. Zum Beispiel Stefan Rahmstorf, Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Er hat an der FridaysForFuture-Demonstration vom 15. Februar 2019 in Potsdam eine überzeugende Rede gehalten.

Auch schon lange als Klimaschutz-Forderer und -Förderer unterwegs ist Volker Quaschning, Ingenieurwissenschaftler und Professor für Regenerative Energiesysteme. Er wirbt unter anderem in einem Youtube-Beitrag für «#ParentsForFuture – Stellen wir uns hinter #FridaysForFuture und retten wir das Klima».

Stefan Rahmsdorf und Volker Quaschning sind nur zwei Namen, die sich schon lange mit Klimaschutz beschäftigen und für echten und schnellen Klimaschutz werben. Reto Knutti, Sonia Seneviratne, Hans Joachim Schellnhuber könnten wie hunderte weitere engagierte Fachpersonen dazugefügt werden.

Es ist offensichtlich: Wer den Klimawandel, insbesondere den von Menschen gemachten Klimawandel, in Frage stellt, wer die Möglichkeiten des Klimaschutzes negiert, ist indirekt oder direkt meist als Troll des fossilen Imperiums unterwegs.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen, wie sie eine echte Klimapolitik erfordert, besser in kurzer Zeit realisiert werden. Es ist eine schnelle Reduktion des Treibhausgasausstosses als Folge der Verbrennung fossiler Brenn- und Treibstoffe erforderlich. Was zu erreichen ist, ist klar: so rasch als möglich ist weltweit auf das Verbrennen fossiler Brenn- und Treibstoffe zu verzichten. Wenn wir wollen, ist dies bis 2030 möglich! Zentral dabei ist, dass der fossile Ausstieg endlich als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden wird. Es braucht alle Möglichkeiten des demokratischen Rechtsstaates, es braucht Vorschriften und Anreize und Freiwilligkeit. Es braucht die drei handlungsleitenden Prinzipien Suffizienz und Effzienz und Konsistenz der nachhaltigen Entwicklung, in allen der drei üblichen Schalen Ökologie und Ökonomie und Soziales/Gesellschaftliches. Es geht um Veränderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Es wäre besser, B statt A zu tun war letztes Jahrhundert – jetzt heisst es wir tun A und B und C und D und E und F und G und so weiter. Grosse Herausforderungen sind doch genau das, was wir alle brauchen!

Der Vollständigkeit halber: Der fossile Ausstieg ist gleichzeitig mit dem nuklearen Ausstieg möglich!

In der Schweiz hat – neben vielen anderen – die FDP-Parteipräsidentin Petra Gössi festgestellt, dass eine echte Klimapolitik einiges mehr verlangt als nicht nur die FDP bis jetzt bereit war. Es wird spannend sein, ob auch bei der FDP akzeptiert wird, dass drei plus vier wirklich sieben ergibt! Die direkte Demokratie ist gefordert – es ist erforderlich, mehrheitsfähig dafür zu sorgen, dass die fossile Null möglichst bereits 2030 oder geringfügig später erreicht werden kann.

Es ist schon lange bekannt, was echten und schnellen Klimaschutz ausmacht – jetzt muss dies endlich umgesetzt werden! Ganz einfach: bei allen anstehenden Entscheidungen – Gebäude, Verkehr, Konsum, Ernährung, Geräte, Ferien, Reisen als mögliche Handlungsfelder – sind Lösungen ohne den Einsatz fossiler Energien geradezu zwingend zu bevorzugen. Bei Bedarf sind Fachleute verfügbar, die in jedem konkreten Einzelfall derartige zukunftsfähige Lösungen aufzeigen können!

Es ist zu hoffen, dass die aktuellen Impulse des Klimastreiks deutliche Auswirkungen auf die nationale und internationale Klimapolitik haben – die Gletscher-Initiative des Vereins Klimaschutz Schweiz verstärkt zumindest in der Schweiz den politischen Druck.


PS: Das Bild oben zeigt das Tyndall-Denkmal oberhalb der Belalp. John Tyndall hat erklärt, warum der Himmel (manchmal) blau ist. Und er hat sich mit dem Treibhauseffekt, unter anderem der Bedeutung des CO2, beschäftigt. Von diesem Denkmal aus geht der Blick zum Aletschgletscher, stark beeinflusst durch den von Menschen gemachten Klimawandel.

The post Klimaschutz: echt und schnell first appeared on umweltnetz.ch.]]> 7408 Klimaschutz: Schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen jetzt! https://www.umweltnetz.ch/content/klimaschutz-schnelle-weitreichende-und-beispiellose-veraenderungen-jetzt Mon, 28 Jan 2019 08:16:15 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7395 Schon lange ist klar, dass die Klimapolitik deutlich schneller vorangehen muss als bis anhin realisiert. Wenn der Mensch gemachte Klimawandel auf ein für die Menschheit und den Planeten Erde erträgliches Mass begrenzt werden soll, muss spätestens 2050 das Ziel «Null CO2-Emissionen» erreicht werden. Wenn wir alle dies wollen, ist dies auch zu erreichen. Politik, Gesellschaft … „Klimaschutz: Schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen jetzt!“ weiterlesen

The post Klimaschutz: Schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen jetzt! first appeared on umweltnetz.ch.]]> Schon lange ist klar, dass die Klimapolitik deutlich schneller vorangehen muss als bis anhin realisiert. Wenn der Mensch gemachte Klimawandel auf ein für die Menschheit und den Planeten Erde erträgliches Mass begrenzt werden soll, muss spätestens 2050 das Ziel «Null CO2-Emissionen» erreicht werden. Wenn wir alle dies wollen, ist dies auch zu erreichen. Politik, Gesellschaft und Wirtschaft haben ihren Beitrag zu leisten.

#Klimanotstand, #NettoNull2030, #eusizuekunft – in die Welt getragen von @GretaThunberg, die am Anfang der schon recht breiten Schulstreik-Bewegung steht – weisen darauf hin, dass es aus vielen Gründen notwendig ist, diese «Null CO2-Emissionen» insbesondere in den reichen Ländern deutlich schneller zu erreichen. Die vor der Lancierung stehende Gletscher-Initiative des Vereins Klimaschutz-Schweiz zeigt: Überlegungen zu den Erfolgschancen in der parlamentatischen Debatte und in der Volksabstimmung sowie der voraussichtliche Zeitplan bis zur Umsetzung führen dazu, dass der politische Weg ein sehr gemächlicher Weg ist – es ist nämlich davon auszugehen, dass ein neuer Klimapolitik-Verfassungsartikel erst in 10 Jahren erste Wirkungen zeigen dürfte.

Es geht um unser Gemeinschaftsgut Weltklima. Offensichtlich reicht die Politik nicht aus, dieses Gemeinschaftsgut, diesen «Common» ausreichend zu schützen. Also sind wir alle gefordert – ich, du, er, sie, wir, ihr, sie haben alle ihren Beitrag zu leisten. Offenbar ein schwieriges Unterfangen, da viele Einzel- und Gruppenegoismen bestehen, bis hin zu den finanziellen Plänen des Erdöl- und Erdgas-Imperiums.

Philosophieprofessor Markus Wild sagt: «Es ist unanständig, Fleisch zu essen» – auch wegen des Klimawandels. Angesichts des übergrossen ökologischen Fussabdruckes, des übermässigen Ausstosses von Treibhausgasen ist noch einiges anderes als unanständig zu bezeichnen. Als unvollständige Aufzählung: Öl- und Gasheizungen, Benzin- und Dieselautos, Flugreisen (siehe etwa #flygskam), Nicht-Ökostrom, Wegwerfgesellschaft. Dazu gehören viele Dinge, die derzeit gerade in reichen Ländern als nützlich, normal und geradezu notwendig gelten. Die Reaktionen in den digitalen Stammtischen beispielsweise auf das Interview mit Markus Wild zeigen bei vielen dieser Themen starke emotionale Reaktionen. Den Commons stehen sehr sehr viele individuelle Interessen gegenüber.

Es braucht schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft – die Politik kann dazu nur das Rückfall-Szenario liefern. Wir alle sind gefordert, unseren Beitrag zur Erhaltung des Commons Weltklima zu leisten, dies im Wissen darum, dass jede und jeder auch bei liebgewordenen Gewohnheiten betroffen sein dürfte.

Je mehr dies tun, desto einfacher wird es für uns alle. Klimastreik, Klimademo am 2.2.2019 sind mögliche Impulse dazu.

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