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Abstimmungen | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Tue, 09 Jul 2019 18:28:36 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 44487214 Wieder kauft die $VP einen Ständeratssitz: so wird Demokratie zur Farce. https://www.umweltnetz.ch/content/wieder-kauft-die-vp-einen-standeratssitz-so-wird-demokratie-zur-farce Sun, 06 Mar 2011 21:24:04 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=2657 Einmal mehr bestätigt sich das relative schlechte Abschneiden der Schweiz im aktuellsten Demokratie-Rating: weil die $VP ohne öffentliche Deklaration riesige Geldmittel in Wahlkämpfen investieren kann, ist es ihr im Kanton Bern einmal mehr gelungen, einen Ständeratssitz zu kaufen, allerdings nur sehr knapp. Im Interesse der Demokratie sollten sofort sämtliche Wahlgänge in der Schweiz ausgesetzt werden, … „Wieder kauft die $VP einen Ständeratssitz: so wird Demokratie zur Farce.“ weiterlesen

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Einmal mehr bestätigt sich das relative schlechte Abschneiden der Schweiz im aktuellsten Demokratie-Rating: weil die $VP ohne öffentliche Deklaration riesige Geldmittel in Wahlkämpfen investieren kann, ist es ihr im Kanton Bern einmal mehr gelungen, einen Ständeratssitz zu kaufen, allerdings nur sehr knapp. Im Interesse der Demokratie sollten sofort sämtliche Wahlgänge in der Schweiz ausgesetzt werden, bis die Transparenz über die eingesetzten Wahl- und Abstimmungsgelder hergestellt ist.

Nach abgeschlossener Auszählung des 2. Wahlganges für den offenen Berner Sitz im Ständerat lagen nämlich der SVP-Kandidat Adrian Amstutz und die SP-Kandidatin Ursula Wyss nahezu gleichauf, mit einem hauchdünnen Zufallsmehr für den $VP-Kanidaten. Rein von den Parteistärken her sollte leider die Sache wesentlich deutlicher zugunsten der SVP ausgehen. Was sich bereits auch in anderen Kantonen gezeigt hat: $VP-Kandidatinnen werden relativ schlecht in solche Majorzämter gewählt – nur mit viel Geld, sehr viel Geld kann die $VP das Wahlergebnis in ihrem Sinn beeinflussen (ich verzichte nur ungern auf das offensichtliche Analogiebild mit einem Berner Sennenhund aus einem Zwinger auf einem Hügel über dem Zürichsee bei der Villa eines autokratischen Milliardärs).

Gerade in letzter Zeit wurden diverse Wahlen und Abstimmungen durch den erheblichen Einsatz von $VP-Geld manipuliert. Auch wenn Marketing zu den anerkannten Mitteln der Politik gehört: es ist die Intransparenz der Parteienfinanzierung und ihrer Wahl- und Abstimmungskämpfe, die die Demokratie zur Farce macht. Wenn sich Wählende durch das Politmarketing beeinflussen lassen, muss ihnen klar sein, wer mit welchem und wie viel Geld sie kaufen will!

Wahlen sollten in der Schweiz erst wieder stattfinden, wenn die zwingend erforderliche Transparenz über die Finanzierung der Parteien und ihrer Wahl- und Abstimmungsaktivitäten erfolgt ist!

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Auch Demokratie ist Marketing! https://www.umweltnetz.ch/content/auch-demokratie-ist-marketing Mon, 27 Dec 2010 22:52:12 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=2339 Ist Demokratie käuflich? Selbstverständlich! Denn gerade die Volksrechte sind ein klassischer Jahrmarkt der Eitelkeiten. Auch wenn es auf den ersten Blick erschreckt, dass der Einsatz von Werbemillionen über Volksentscheide oder Wahlausgänge bestimmt, so ist die Sache ganz einfach: auch individuelle Meinungen lassen sich über Marketing beeinflussen! Ist das gut oder schlecht? Falsche Frage, würde ich … „Auch Demokratie ist Marketing!“ weiterlesen

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Ist Demokratie käuflich? Selbstverständlich! Denn gerade die Volksrechte sind ein klassischer Jahrmarkt der Eitelkeiten. Auch wenn es auf den ersten Blick erschreckt, dass der Einsatz von Werbemillionen über Volksentscheide oder Wahlausgänge bestimmt, so ist die Sache ganz einfach: auch individuelle Meinungen lassen sich über Marketing beeinflussen! Ist das gut oder schlecht? Falsche Frage, würde ich mal sagen.

Als die SVP im Sommer 2010 eine völlig absurde Umfrage mit lauter Scherzfragen startete, war dies in erster Linie ein Macht-Signal und nicht eine politische Botschaft: die SVP gab zu erkennen, dass sie selbst für ein Nichts über die Mittel verfügt, jeden Haushalt in der Schweiz mit einem Marketing-Flyer zu beliefern, unbesehen von Robinson-Listen, unabhängig von der politischen Einstellung der Beworbenen: invasives Marketing also. Dass die anderen Parteien auf dieses Thema angesprochen haben, dass etwa die Grünen „enthüllt“ haben, dass diese Umfrage hochgradig manipulierbar war, war zusätzlicher Marketing-Erfolg dieser Geldverschleuderung. Auffällig im übrigen, dass nicht einmal die Grünen die Ressourcenverschleuderung dieses Druckvolumens thematisiert haben …

Das SVP-Marketing zielt nicht auf die links-grüne Wählerschaft (die sogenannten WechselwählerInnen, die mal rinks, mal lechts wählen, sind nämlich ein Phantom), es geht darum, den eigenen WählerInnen und einem Dunstkreis von potenziellen WählerInnen die Anwesenheit und die Verkaufsbereitschaft zu belegen.

Es ist definitiv erwiesen: die SVP hat keine politischen Inhalte (respektive sie sind absolut unbrauchbar, weil sie neben der Zeit und den Fakten stehen). Die SVP versteht es marketingmässig hervorragend, aus absoluten Nichtthemen (Stichworte Minarett-, Ausschaffungsinitiative) politische Hits zu generieren. Dazu kommt eine gesellschaftspolitische Grundhaltung: die SVP verstärkt das bei einem Teil der Bevölkerung vorhandene Stammtisch-Gefühl, benachteiligt zu sein, und gleichzeitig dafür Schuldige zu bezeichnen, die schlicht und einfach gar nichts dafür können – etwa den Staat, die Schule, die Linken, Grünen oder Netten. Und dies ausdrücklich in einem Land mit einem massiv übergrossen ökologischen Fussabdruck (was zwar von der SVP bestritten wird), in einem Land allerdings auch, in welchem der Vermögens-Graben zwischen Superreichen (Typus Blocher) und den durchschnittlich wohlhabenden Menschen immer grösser wird. Diesen Graben haben ForscherInnen als Angriff auf die Lebensqualität ermittelt: je gleichmässiger die Verteilung von gesellschaftlichem Reichtum ausfällt, desto weniger materielle Ressourcen sind notwendig, um ein gleiches Mass an Lebensqualität zu erreichen. Der autokratische strategische SVP-Vizepräsident Christoph Blocher, massgeblicher SVP-Finanzierer, ist also mit ein zentraler Grund für die Unzufriedenheit, welche die SVP mit ihren Marketing-Kampagnen den Wählenden und Abstimmenden einimpfen möchte!

Weiss denn die SVP nicht, dass sich auch die Schweiz ändern muss, dass sich die SchweizerInnen ändern müssen, wenn dieses Land eine Zukunft haben soll? Abgesehen davon, dass sich die Schweiz trotz SVP ändert, weiss dies die SVP. Sie spielt bewusst mit einer „kleinen“ Differenz: die SVP hat zwar den Anspruch, wählerstärkste Partei zu sein, tut aber so, wie wenn sie eine Mehrheitspartei wäre. Das heisst: einzelne relevante Volkswirtschafts- und Gesellschaftsthemen sind in der Schweiz auch ohne Zustimmung der SVP mehrheitsfähig – bei anderen ist der Leidensdruck noch nicht so gross, dass eine Einigung auch ohne SVP offenbar (vielleicht auch nur scheinbar) noch nicht erforderlich ist. Und ungelöste Probleme sind ja wieder Wasser auf die Mühle der SVP, die einmal mehr behaupten kann, die „Classe politique“ – zu der die SVP ohne Wenn und Aber gehört – mache so oder so, was sie wolle.

Gibt es sinnvolle Marketing-Strategie für die anderen Parteien, um neben der Zechpreller-Partei SVP bestehen zu können? Ja! Vorerst: die Abstimmungsparole „das Gegenteil der SVP“ funktioniert nicht! Es braucht glaubwürdige inhaltliche Konzepte für sehr viele Zukunftsthemen – etwa für den Übergang zu LOVOS (Lifestyle of voluntary simplicity). Dazu gehört auch eine Migrationspolitik, die die Ursachen von ökonomisch und ökologisch bedingten Wanderungsbewegungen – einmal mehr den übergrossen ökologischen Fussabdruck der Reichsten dieser Erde (und dazu gehören nicht nur sämtliche SVP-WählerInnen) respektive die nicht-nachhaltigen Zechprellergesellschaften – thematisiert und Abstand nimmt von fremdenfeindlichen und rassistischen Grundhaltungen. Die SVP hätschelt eine latent vorhandene Veränderungsangst, im vollen Wissen darum, dass Angst ein schlechter Ratgeber ist!

Wenn Marketing ein Instrument der Demokratie ist, muss zwingend bekannt sein, welche politischen Gruppierungen welche finanziellen Mittel aus welchen Quellen einsetzen. Alles andere ist verlogen – und ist schlichte Manipulation respektive lässt den Schluss zu, dass selbst in einer direkten Demokratie Wählende und Abstimmende käuflich sind. Offenbar will insbesondere die SVP diese Transparenz nicht schaffen, um zu verhindern, dass die Öffentlichkeit erfährt, wie käuflich die Wählenden und Abstimmenden tatsächlich sind. Denn gerade in der Politik ersetzen Marketing-Mittel einen Teil der politischen Allgemeinbildung: gemäss Untersuchungen sind „Konservative weniger intelligent …“


Nachtrag 28.12.2010: Auch die NZZ schreibt dazu unter dem Titel Parteien gehen mit Millionen auf Stimmenfang – unter anderem mit dem Hinweis, dass (Zitat) die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) der Schweiz ebenfalls mehr Transparenz empfiehlt (Ende Zitat).

The post Auch Demokratie ist Marketing! first appeared on umweltnetz.ch.]]> 2339 Investitions- und Impulsprogramme für den Kopf https://www.umweltnetz.ch/content/investitions-und-impulsprogramme-fur-den-kopf Wed, 11 Mar 2009 22:48:33 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/investitions-und-impulsprogramme-fur-den-kopf/ Dieser Beitrag stammt ursprünglich aus dem Jahr 2003. Ich habe ihn angesichts der immer lauteren Rufe nach z.B. Konjunkturstimulierung, weltweiten staatlichen Konjunkturprogrammen oder Konjunkturhilfe, Wachstumsprogrammen nur leicht überarbeitet. Frei nach Hoimar von Ditfurth: Es gibt eine Ökologie von sehr heisser Schwefelsäure. Nur: der Mensch, seine Ökonomie, seine Gesellschaft ist in diesem Schwefelsäure-Ökosystem nicht vorhanden. Angesichts … „Investitions- und Impulsprogramme für den Kopf“ weiterlesen

The post Investitions- und Impulsprogramme für den Kopf first appeared on umweltnetz.ch.]]> Dieser Beitrag stammt ursprünglich aus dem Jahr 2003. Ich habe ihn angesichts der immer lauteren Rufe nach z.B. Konjunkturstimulierung, weltweiten staatlichen Konjunkturprogrammen oder Konjunkturhilfe, Wachstumsprogrammen nur leicht überarbeitet.

Frei nach Hoimar von Ditfurth: Es gibt eine Ökologie von sehr heisser Schwefelsäure. Nur: der Mensch, seine Ökonomie, seine Gesellschaft ist in diesem Schwefelsäure-Ökosystem nicht vorhanden.

Angesichts einer massiven Überbeanspruchung des Oekosystems Erde – www.footprint.ch geht für die Schweiz von einer im Mittel 2.6 mal höher als global verträglichen Beanspruchung aus, vergleichbar mit den Aussagen der ETH, dass gegenüber heute 6000 Watt eigentlich bloss 2000 Watt zulässig wären (Berechungsprogramm dazu ECO2) – liegt im Durchschnitt eine weitere Zunahme des Ressourcenverbrauches nicht drin, was die Zweckmässigkeit von Investitions- und Impulsprogrammen in Frage stellt. Statt Investitionen mit Ressourcenverschleiss sind Programme für den Kopf gefordert.

Effizienz allein kann die erforderlichen Reduktionsfaktoren nicht erbringen. Es braucht neben der Effizienz die Suffizienz (Masshalten, von nichts zuviel wollen, damit für anderes, das man ebenfalls braucht, noch Platz bleibt, siehe Wuppertal-Paper 125, Dez. 02).

Konjunkturprogramme suggerieren, dass die Ankurbelung der Konjunktur, der damit verbundene übermässige Ressourcenverschleiss Normalfall ist (bezeichnend, dass dafür üblicherweise das Wort „Wachstum“ verwendet wird, obwohl eine derartige Entwicklung weder organisch noch auf Dauer angelegt ist). Es ist schlicht und einfach nicht möglich, „business as usual“ einfach ein bisschen zu optimieren, immer alles zu haben, und dabei gleichzeitig die Umwelt zu schützen, die Interessen zukünftiger Generationen im Auge zu behalten und global mehr Gerechtigkeit erreichen zu wollen – dieses gesellschaftliche Dilemma ist zwingend vor jeder konjunkturellen Massnahme zu diskutieren, damit sich die Gesellschaft wenigstens bewusst ist, dass sie sich Sand in die Augen streuen lässt.

Suffizienz ist nicht einfach, weil dafür echter Wertewandel, Einstelllungs- und Haltungsveränderungen gefordert sind.

Damit ist sehr viel Arbeit verbunden – zur Illustration einige Aussagen aus der Prognos-Studie „Standortbestimmung CO2-Gesetz – CO2-Perspektiven und Sensitivitäten“ an das BAFU (früher Buwal) für die Zeit zwischen 2000 und 2010:

  • BIP-Anstieg von 18 %
  • Anstieg der Industrieproduktion um 21 %
  • 10 % Zunahme der Energiebezugsflächen
  • und dies alles bei einer Zunahme der Bevölkerung um etwa 2 %

Welche Anforderungen müssten Investitions- und Impulsprogramme erfüllen?

  • Ein nationales Forschungs- und Befähigungsprogramm „SUFFIZIENZ“, unter anderem mit einem Strategieteil, wie Suffizienz in allen Lebensbereichen gesellschafts- und sozialgerecht eingebracht werden kann, von der Politik bis zur Wirtschaft.
  • Es sind Massnahmen zu suchen, die zu einer Verminderung des Pro-Kopf-Ressourcenverbrauches führen (Energiebezugsfläche, Fahrleistungen (die Summe aller mit motorisierten Verkehrsmitteln zurückgelegten Personenkilometer (nicht nur z.B. von Autos), Boden, Materialien).
  • Es sind Massnahmen zu suchen, die Auswirkungen auf Werte, Einstellungen und Haltungen im Bezug auf das haben, was als Wohlstand bezeichnet wird.
  • Bedingungsloses Grundeinkommen für alle: Voraussetzungen schaffen, dass die Existenzsicherung unabhängig vom Erwerb erfolgt (mehrere Finanzierungsquellen, u.a. Tobin-Steuer).
  • Massnahmen zur Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs (sowohl für Personen wie für Güter) bei gleichzeitiger Reduktion der Attraktivität des Strassenverkehrs (Absicht: Personenkilometerzahl reduzieren).
  • Energieverbrauch für Wohn- und Bürobauten in erster Priorität deutlich reduzieren, in zweiter Priorität so weit als möglich mit erneuerbaren Energien abdecken. (Vorgaben: Flächenzuwachs pro Person möglichst gering und nur soweit, als der Energieverbrauch für die zusätzlichen Flächen bei den bestehenden zusätzlich kompensiert wird, Autofreiheit (real (weniger Autos), fiktiv (durch Schaffung von sichtbaren Quartierparkhäusern))
  • Verdichtung vor Neuüberbauung
  • überbaute Fläche konstant halten, allenfalls reduzieren
  • Investitionen in Arbeitsplatzgebäude nur, wenn hohe Durchmischung gewährleistet ist (bei 7 Mio Einw. gibt es ca 4 Mio „Arbeitsfähige“)
  • Politik der Nähe: Wohnen, Einkaufen, Erholung, Freizeit, Arbeiten, alles alltägliche soll möglichst in der Nähe stattfinden können.
  • ökologische Finanzreform

Und wie immer: helfen tut vor allem „Global denken, lokal handeln“ – zum Beispiel wie die Stadt Zürich: „Nachhaltige Stadt Zürich – auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft“: mit der Verankerung dieses Anliegens in der Gemeindeordnung – der „Verfassung der Stadt Zürich“ – Volksabstimmung vom 30. November 2008!


In der WOZ vom 12.3.2009 schreibt Hanspeter Guggenbühl in einem Kommentar unter dem Titel „Wenn Subventionen grünen“, dass Konjunkturprogramme wie Medikamente gegen den Kater sind – statt gegen die Sucht; Subventionen fördern bereits den nächsten Rausch, weil sie beispielsweise das Verursacherprinzip verletzen.


Erste Fassung: 3. März 2003

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Image statt Inhalte https://www.umweltnetz.ch/content/image-statt-inhalte Fri, 06 Feb 2009 09:19:30 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=521 Wenn am 8. Februar 2009 die Urnen in der Schweiz schliessen, geht einer der absurdesten Abstimmungsgänge der neueren Schweizerischen Geschichte zu Ende. Auch wenn es inhaltlich um einen Vertrag mit der EU geht, welcher das Thema Freizügigkeit regelt, wird schon lange nicht mehr um reale Inhalte diskutiert – dafür ist die Vorlage zu abstrakt und … „Image statt Inhalte“ weiterlesen

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Wenn am 8. Februar 2009 die Urnen in der Schweiz schliessen, geht einer der absurdesten Abstimmungsgänge der neueren Schweizerischen Geschichte zu Ende. Auch wenn es inhaltlich um einen Vertrag mit der EU geht, welcher das Thema Freizügigkeit regelt, wird schon lange nicht mehr um reale Inhalte diskutiert – dafür ist die Vorlage zu abstrakt und zu stark Verfahrensfragen verhaftet – sondern eigentlich geht es ausschliesslich um Image. Wie bei sämtlichen Abstimmungsfragen im Zusammenhang mit der EU geht es schlicht darum, wer in der Oeffentlichkeit beliebter und glaubwürdiger ist.

Ausgerechnet die Wirtschaft, welche bis anhin für Arbeitsweisen der Wirtschaft geworben hat, die nachweislich die aktuelle Finanzkrise unmittelbar herbeigeführt haben, erwartet, dass die Bevölkerung in der Frage des Verhältnisses zur EU der Wirtschaft folgt und ein Ja zur Freizügigkeit in die Urne legt. Die Medien, welche zwar gerne Sprachrohr für die SVP-Platitüden irgendwelcher Polit-Lautsprecher sind, folgen kritik- und distanzlos den Gehorsamkeitsparolen der anderen Parteien und der Wirtschaft, Demokratiedefizit der EU hin oder her.

Die Groteske um die Internet-Seite http://www.come-to-switzerland.com/ steht symbolisch für diese ausschliesslich an Image-Fragen orientierte Kampagnenflut. Dabei geht es – weil dies eh nicht ermittelbar ist im Internet, welches als anonymisierter Raum konstruiert ist – nicht um die Frage, ob es tatsächlich Beziehungen zwischen Lukas Reimann und dieser Internet-Seite gibt, sondern um die Wirkung von Medien wie dem Auto-Anzeiger, dem früheren Tages-Anzeiger. Am 3.2.09 wurde ein Tages-Anzeiger-Artikel publiziert, welcher in lausiger Sprache eine agentenartige Story erzählte, voll von Mutmassungen, unbewiesenen Verdächtigungen und dubiosen Beweisführungen, die auch zu den genau gegenteiligen Schlüssen führen könnten. Und dann machte am 4.2. die economiesuisse ein Inserat daraus, in welchem die dürftige Story des Tages-Anzeigers zur Tatsache wurde. Was dann wiederum im Tages-Anzeiger vom 5.2. zu einem nächsten Artikel führte, in welchem die Aussagen vom 3.2. deutlich relativiert wurden und insbesondere Unverständnis über den Wirbel zum Ausdruck gebracht wurde. Kann und darf man so naiv sein, nach nur zwei Tagen die auslösenden Elemente nicht mehr erkennen zu können oder wollen? Auf jeden Fall hat der Auto-Anzeiger, vormals Tages-Azeiger, einmal mehr meisterhaft Demagogie demonstriert.

Was bei mir einiges an Gedankenarbeit auslöst! Denn: vielleicht ist es ja so, dass der Tages-Anzeiger auch bei anderen Themen derart vorgeht – wahrscheinlich allein aus dem Kalkül der Auflagensteigerung – am Image sind nämlich Medien nicht interessiert, nur an spannenden Geschichten!


Nachtrag 6.2.09:

Egal, ob es sich bei der Seite http://www.come-to-switzerland.com (nicht mehr erreichbar, Anmerkung 30.10.2009) um Satire handelt, wie seit dem 6.2.09 vom Betreiber Markus Gäthke geschrieben wird, oder ob an den Agenten-Geschichtchen in den Medien etwas dran ist: der Satire-Entlarvungstext weist einerseits sehr deutlich auf die Fragwürdigkeit von ausschliesslich image-bezogenen Kampagnen hin, andererseits ist die Satire-Behauptung auch eine klare Warnung, schlicht nichts mehr als „Wahrheit“ zu betrachten – oder anders: selbstdenkende Menschen sind gerade im Internet-Zeitalter gefordert, was einmal mehr die Fragwürdigkeit von 400-Zeichen-Kommentaren unterstreicht z.B. im Autoanzeiger illustriert!


Als Demokrat und ökologisch denkender Mensch ist die hegemoniale EU für mich alles andere als erstrebenswert – die Rolle der EU beim Vernichtungskrieg der Israelischen Armee gegen Menschen und Infrastruktur im Gazastreifen illustriert treffend die verheerende Wirkung dieser Grossmachtallüren. Ich habe schlicht resigniert, im Image-Feld „Alle gegen die SVP“ inhaltliche Kritik an diesem Demokratie-Defizit Moloch EU anbringen zu können – es geht also am 8. Februar nur noch um Scheindemokratie; was man auf den Zettel schreibt, spielt so oder so keine Rolle.

Erste Version 5.2.09

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Die EU ist ein Demokratiedefizit https://www.umweltnetz.ch/content/die-eu-ist-ein-demokratiedefizit Mon, 05 Jan 2009 18:22:18 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=485 Bekanntlich wurde die Europäische Union als Wirtschaftsunion gegründet. Die Wirtschaft funktioniert nicht nach demokratischen Regeln, sondern nach den Gesetzen der wirtschaftlichen Stärke. Auch wenn es seit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG einige zaghafte Schrittchen hin zu ein bisschen mehr Demokratie gegeben hat: als Wirtschaftsunion ist die EU nach wie vor ein Demokratiedefizit. Dies lässt … „Die EU ist ein Demokratiedefizit“ weiterlesen

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Bekanntlich wurde die Europäische Union als Wirtschaftsunion gegründet. Die Wirtschaft funktioniert nicht nach demokratischen Regeln, sondern nach den Gesetzen der wirtschaftlichen Stärke. Auch wenn es seit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG einige zaghafte Schrittchen hin zu ein bisschen mehr Demokratie gegeben hat: als Wirtschaftsunion ist die EU nach wie vor ein Demokratiedefizit.

Dies lässt sich beispielsweise an den Reaktionen der EU-Verantwortlichen auf die Abstimmungsergebnisse zur unsinnigen EU-Verfassung ableiten: in diesen Konstrukten war (und ist) ein demokratisch immer mögliches Nein schlicht nicht vorgesehen! Statt eine bessere Lösung zu suchen, werden die ablehnenden Staaten genötigt, den gleichen Unsinn nochmals zur Abstimmung zu bringen.

Sollten die Schweizer Stimmberechtigten am 8. Februar 2009 zur Weiterführung des Abkommens über die Personenfreizügigkeit und die Ausdehnung auf Rumänien und Bulgarien Nein sagen, dann wird auch das Demokratiedefizit EU nicht darumherum kommen, in aller Ruhe und in Respekt vor der Souveränität der Stimmberechtigten der Schweiz die Lage zu analysieren und nach anderen Wegen zu suchen. Eines ist klar: Erpressungen, wie sie beispielsweise der EU-Botschafter in der Schweiz Michael Reiterer von sich gibt, kommen bei den urdemokratisch geübten SchweizerInnen in der Regel schlecht an. Die Schweiz hat für Staatsverträge das Mitbestimmungsrechts der Stimmberechtigten verankert; da kann es gar nicht möglich sein, dass ein Nein zu diesen Staatsverträgen automatisch ein gesamtes Regelwerk versenkt – ausser die EU besteht auf ihrer Eigenheit als Demokratiedefizit. Politik ist nicht einfach nur ein eindimensionales Verwaltungsverfahren, sondern braucht die Überzeugungskraft, um im Minimum 50 % plus eine Stimme zu überzeugen (auch wenn solche Ergebnisse nicht zu tragfähigen Lösungen führen).

Aus dieser Sicht spielt es keine Rolle, ob am 8. Februar 09 über ein Gesamtpaket aus Weiterführung und Ausdehnung der Personenfreizügigkeit oder je nur über die beiden Einzelbereiche abgestimmt wird – dies zur Differenzierung von der SVP-Position (da es in der Politik weder heilige noch unheilige Allianzen gibt, sondern allenfalls die gleiche Antwort aus dem sehr beschränkt möglichen Antwortspektrum aus verschiedenen Gründen, ist das Schielen nach der Opportunität beim Ausfüllen des Stimmzettels unnötig und gefährdet die Demokratie).

Was ist nun die „richtige“ Abstimmungsantwort für den 8. Februar 09? Da ich bis anhin genau wegen des Demokratiedefizites zu jeder dieser EU-Vorlagen Nein gesagt habe, bin ich in meinem Entscheid für den 8. Februar 09 frei (und ausnahmsweise berufe ich mich bei dieser Abstimmungsfrage auf das Abstimmungsgeheimnis). Wer bis jetzt zu allen EU-Vorlagen Ja gesagt hat, hat diese Entscheidungsfreiheit nicht – da gibt es auch am 8. Februar 09 nur ein Ja zur Weiterführung und Ausdehnung der Personenfreizügigkeit. Oder halt doch nicht?

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Demokratietotalabsturz https://www.umweltnetz.ch/content/demokratietotalabsturz Sun, 30 Nov 2008 20:20:03 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=382 Die Trotzhaltung der Zürcher ÄrztInnen bei der Medikamentenabgabe hat zu einem Demokratietotalabsturz geführt: die Mehrheit der Stimmberechtigten im Kanton Zürich hat einer Änderung der Medikamentenabgabe zugestimmt. Entgegen der langjährigen und bewährten Praxis sollen zukünftig auch ÄrztInnen auf dem Gebiet der Städte Zürich und Winterthur Medikamente verkaufen dürfen – bis anhin waren bis auf dringende Medikamentenabgaben … „Demokratietotalabsturz“ weiterlesen

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Die Trotzhaltung der Zürcher ÄrztInnen bei der Medikamentenabgabe hat zu einem Demokratietotalabsturz geführt: die Mehrheit der Stimmberechtigten im Kanton Zürich hat einer Änderung der Medikamentenabgabe zugestimmt. Entgegen der langjährigen und bewährten Praxis sollen zukünftig auch ÄrztInnen auf dem Gebiet der Städte Zürich und Winterthur Medikamente verkaufen dürfen – bis anhin waren bis auf dringende Medikamentenabgaben die Apotheken die Medikamentenverkaufsstelle.

Grundsätzlich sind in Demokratien Mehrheitsabstimmungen zu respektieren, auch wenn es sich um knappe Mehrheiten handelt. Ob nun die eine oder andere Art der Medikamentenabgabe Vor- oder Nachteile hat, spielt dabei keine Rolle.

Was zum Totalabsturz führt: die betroffenen Städte Zürich und Winterthur haben die Initiative der trötzelnden ÄrztInnen deutlich abgelehnt (Zürich mit einem Nein-Stimmenanteil von 58.53 Prozent, Winterthur mit einem solchen von 59.1 %)! Sie wollen also von den „Segnungen“ der Aerzteschaft mehrheitlich nichts wissen! Da besteht ein deutlicher Stadt-Land-Graben – die Städte Zürich und Winterthur wurden von den Landgemeinden (einmal mehr) überstimmt. Sollte dieser Entscheid wie beschlossen umgesetzt werden, würden also einmal mehr die Absichten der Direktbetroffenen nicht berücksichtigt. Da muss sich der Kanton überlegen, wie er diesem Demokratietotalabsturz begegnet!

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Verbandsbeschwerderecht ausbauen! https://www.umweltnetz.ch/content/verbandsbeschwerderecht-ausbauen Sun, 30 Nov 2008 18:56:51 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=379 Die Schweizerischen Stimmberechtigten haben am 30. November 2008 die gegen das Verbandsbeschwerderecht gerichtete Initiative „Schluss mit der Verhinderungspolitik” der Zürcher FDP mit knapp zwei Dritteln der Stimmen abgelehnt. Angesichts der nach wie vor bestehenden übermässigen Umweltbelastungen ist klar: das aktuelle Umweltrecht ist viel zu schwach, es braucht dringend erhebliche Verschärfungen – und zwar nicht nur … „Verbandsbeschwerderecht ausbauen!“ weiterlesen

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Die Schweizerischen Stimmberechtigten haben am 30. November 2008 die gegen das Verbandsbeschwerderecht gerichtete Initiative „Schluss mit der Verhinderungspolitik” der Zürcher FDP mit knapp zwei Dritteln der Stimmen abgelehnt.

Angesichts der nach wie vor bestehenden übermässigen Umweltbelastungen ist klar: das aktuelle Umweltrecht ist viel zu schwach, es braucht dringend erhebliche Verschärfungen – und zwar nicht nur scheinbaren Umweltschutz: es braucht dringend griffigste Massnahmen, um beispielsweise den massiven übermässigen Energie- und Ressourcenverbrauch zu vermindern, siehe dazu der ökologische Fussabdruck!.

Auch wenn derzeit die UmweltschutzabbauerInnen im National- und Ständerat leider dominieren: die Politik hat endlich zur Kenntnis zu nehmen, dass die Stimmberechtigten mehr und nicht weniger Umweltschutz wollen – siehe dazu auch das Ja der StadtzürcherInnen zur 2000-Watt-Gesellschaft!

Und dann noch etwas: Ausgangspunkt der Initiative der Zürcher FDP war das Unverständnis der FDP für das selbstbewusste und konsequente Engagement des VCS Zürich gegen unsinnige und die Umwelt übermässig belastende Bauvorhaben. Mit diesem Nein zur FDP-Initiative sagen die Stimmberechtigten letztlich Nein zu den scheinbaren „Wachstums-Projekten“, sie signalisieren damit letztlich auch, dass die Stimmberechtigten Vorbehalte haben, ohne jegliche Rücksichten Bauprojekte beispielsweise aus konjunkturellen Gründen zu akzeptieren. Das Verdikt der Stimmberechtigten ist also gleichzeitig auch ein etwas spätes Nein zum Einkaufszentrum Hardturm mit additivem Fussballstadion.

Und zum Schluss: Verschiedentlich haben Umweltverbände behauptet, das Beschwerderecht müsse zurückhaltend eingesetzt werden – so hat etwa der VCS Schweiz den VCS Zürich erheblich in der Wahrnehmung seiner Rechte eingeschränkt. Die Stimmberechtigten haben klar zum Ausdruck gebracht: demokratisch gewährte Rechte dürfen, sollen und müssen beansprucht werden – dazu gehört auch, dass die Verbände diese Rechte auch intensiv nutzen dürfen, sollen und müssen. Ein Plädoyer also für die engagierte anwaltschaftliche Tätigkeit der Verbände – es kann gar keinen Missbrauch des Beschwerderechts geben, solange übermässige Umweltbelastungen bestehen!

Übrigens: sehr vielen Leuten in diesem Land würde es gut anstehen, sich beim VCS Zürich und insbesondere dessen Co-Geschäftsleitung Gabi Petri und Markus Knauss zu entschuldigen, weil sie deren Praxis der Anwendung des Umweltrechts kritisiert haben.

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Der Tages-Anzeiger outet sich definitiv als Auto-Anzeiger https://www.umweltnetz.ch/content/der-tages-anzeiger-outet-sich-definitiv-als-auto-anzeiger Sat, 22 Nov 2008 23:38:04 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=369 „Sie fahren trotzdem im Auto zum Zoo“ – so titelt Tages-Anzeiger-Mitarbeiter Patrick Kühnis am 22. November 2008, eine Woche vor der Abstimmung über die VCS-Initiative, im Tages-Anzeiger. Nur einen Tag nach der wiederholten Beilage einer Off-Roader-/SUV-Beilage, bei gleichzeitigem Werbespot „tagesanzeiger.ch fährt BMW von Binelli & Ehrsam AG – Freude am Fahren“ outet sich der Tages-Zeiger … „Der Tages-Anzeiger outet sich definitiv als Auto-Anzeiger“ weiterlesen

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„Sie fahren trotzdem im Auto zum Zoo“ – so titelt Tages-Anzeiger-Mitarbeiter Patrick Kühnis am 22. November 2008, eine Woche vor der Abstimmung über die VCS-Initiative, im Tages-Anzeiger. Nur einen Tag nach der wiederholten Beilage einer Off-Roader-/SUV-Beilage, bei gleichzeitigem Werbespot „tagesanzeiger.ch fährt BMW von Binelli & Ehrsam AG – Freude am Fahren“ outet sich der Tages-Zeiger und damit die tamedia-Gruppe als von der Automobilwirtschaft fremdgesteuert.

Es gibt nicht wenige Schweizer Familien (d.h. mit Kindern), die auch ohne Auto mobil sind, und locker auch während der Freizeit, also beispielsweise für einen Zoo-Besuch mit der ganzen Familie, bestens mit dem öffentlichen Verkehr schaffen. Herr Kühnis schreibt beispielsweise, es sei mühsam, mit Sack und Pack nach Zürich zu reisen, durch den Hauptbahnhof zu hetzen und dann die richtige Tramhaltestelle zu finden. Dieser Herr hat schlicht keine Ahnung und spricht auf keinen Fall aus Erfahrung. Im Gegenteil: Zugfahrten sind höchst erholsam, gerade auch mit kleinen Kindern, sie sind zudem ein Genuss für die Kinder selber (auch ohne Spielwagen). Durch den Hauptbahnhof hetzen? Richtige Tramhaltestelle finden? Herr Kühnis, wann waren Sie das das letzte Mal im Hauptbahnhof? Der Hauptbahnhof ist bestens ausgeschildert, aus der Haupthalle gibt es sogar einen niveaufreien Uebergang (d.h. kinderwagentauglich) zur Haltestelle des 6er-Trams, welches zum Zoo fährt. Und dies alles lässt sich schon vor der Reise erkunden, zum Beispiel auf der Internet-Seite der SBB: da gibt es einen Uebersichtsplan. Ganz easy also!

Allerdings: wer dann bei der Haltestelle Zoo aussteigt, ist eben noch nicht beim Zooeingang! Ganz im Gegensatz zu all den unsensiblen ZeitgenossInnen, die per Auto anreisen – weil die so völlig orientierungslos sind, gibt es Parkplätze direkt beim Zooeingang, und es gibt noch extra einen Shuttlebus zum Parkplatz beim Dolder. Stimmt schon: 300 Meter sind kein Problem, für ÖV-benutzende Familien erst recht nicht. Aber dann sollten sie es auch für Autofahrende nicht sein – eigentlich sollte der nächstgelegene Parkplatz mindestens so weit entfernt sein wie die nächstgelegene Tram-Haltestelle.

Oder anders: da die Benutzung des öffentlichen Verkehrs klug ist, da sich das klimaschonende eigenverantwortliche Handeln bestens mit dem Arterhaltungsauftrag des Zoos verträgt, ist die Verlängerung des Trams bis zum Zooeingang genau jene Wertschätzung, die es braucht, um erstens bisherige ÖV-BenutzerInnen in ihrem Verhalten zu bestätigen und zweitens bisherige AutofahrerInnen dazu zu bringen, endlich auch auf eine sinnvollere Fortbewegungsart zum Zoo umzusteigen (das tun sie spätestens nach der einmaligen Erfahrung, dass Autofahrende beim Zoo nicht (mehr) willkommen sind, siehe dazu auch die Erfahrungen aus der Stadt mit Strassensperrungen wegen Bauarbeiten). Der Wegfall der Parkplätze beim Zoo ist dringend, nicht zuletzt auch als Botschaft des Zoos, dass neben der direkten Arterhaltungs-Aktivitäten auch Klimaschutzmassnahmen vieler eigenverantwortlich handelnden Einzelpersonen auch zur Arterhaltung beitragen!

P.S. Da steht auf der Leserbrief-Seite vom 22. November, dass der Einsendeschluss für Abstimmungs-Leserbriefe schon am 19. November 08 war – und einige Seiten weiter vorne steht trotzdem ein Redaktionskommentar zur Abstimmung. An einer echten inhaltlichen Auseinandersetzung ist also dem Tages-Anzeiger nicht gelegen – die Redaktion behält sich das letzte Wort vor – und tut dies auch ohne Rücksicht auf inhaltliche Korrektheit oder Plausibilität der Argumentation! Darum am 30. November 2008: Ja zur VCS-Volksinitiative mit dem Tram direkt zum Zoo!

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Am 30. November 2008: Ja zur VCS-Volksinitiative „Mit dem Tram direkt zum Zoo!“ https://www.umweltnetz.ch/content/tramverlangerung-zoo-zurich-endlich-handeln Sun, 09 Nov 2008 22:45:33 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/tramverlangerung-zoo-zurich-endlich-handeln/ Ein Zeichen setzen und endlich handeln: am 30. November 2008 mit einem Ja zur kantonalzürcherischen VCS-Volksinitiative „Mit dem Tram direkt zum Zoo!“. Der Zürcher Zoo mit seinen grossen Besucherzahlen und seinen artenschutz-politischen Absichten verlangt endlich nach einer Erschliessung, bei der die Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs näher bei den Eingängen liegen als die Parkplätze des motorisierten … „Am 30. November 2008: Ja zur VCS-Volksinitiative „Mit dem Tram direkt zum Zoo!““ weiterlesen

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Ein Zeichen setzen und endlich handeln: am 30. November 2008 mit einem Ja zur kantonalzürcherischen VCS-Volksinitiative „Mit dem Tram direkt zum Zoo!“. Der Zürcher Zoo mit seinen grossen Besucherzahlen und seinen artenschutz-politischen Absichten verlangt endlich nach einer Erschliessung, bei der die Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs näher bei den Eingängen liegen als die Parkplätze des motorisierten Individualverkehrs

Ein Seilbähnchen ist zwar ein gespanntes Verkehrsmittel, für den Zoo ab dem S-Bahn-Bahnhof Stettbach aber keine spannende verkehrspolitische Option. Wie dies die VCS-Initiative „Mit dem Tram zum Zoo“ will, gibt es nur eine zweckmässige Erschliessung des Zoos: per Tram, eine kleine Verlängerung von wenigen hundert Metern Tramschienen, mit dem Anschluss an ein umfassendes Nahverkehrsnetz. Aus unerfindlichen Gründen und mit fadenscheinigen Argumenten wollen die Zürcher Regierung und der Zürcher Kantonsrat die naheliegendste Lösung nicht, sondern halten an einer zwar möglicherweise originellen, aber verkehrspolitisch eher episodischen Lösung fest.


Der Zoo begründet sein Nein zur Tramverlängerung mit der Erhaltung von Parkplätzen für Familien(-Autos). Diese vergangenheitsbezogene Haltung des Zürcher Zoos ist nicht nachvollziehbar.

Ich habe als Familienvater während Jahren mit Familie den Zoo besucht – und dies immer ohne Auto, weil ich noch gar nie ein Auto besessen habe.

Was störend war: der lange Anmarsch von der Zoohaltestelle zu den Zooeingängen, und die Belästigung durch die Autofahrenden – ob als fahrende oder abgestellte Autos.

Wer sich wie der Zoo die Arterhaltung auf die Fahne schreibt, muss zwingend einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Denn diverse Studien zeigen, dass der menschgemachte Klimawandel verheerende Auswirkungen auf die Artenvielfalt hat. Es ist zwar schön, dass sich der Zoo durch das ewz eine Holzheizung contracten lässt – verglichen mit den CO2-Belastungen aus dem Anreiseverkehr der ZoobesucherInnen ist dies allerdings blosse Kosmetik. Aus Klimaschutzgründen gerade auch im Hinblick auf die Artenvielfalt ist es zwingend, dass der Zoo aktiv dafür wirbt, dass die ZoobesucherInnen mit dem öffentlichen Verkehr anreisen. Dr. Thomas Wagner, früherer FDP-Stadtrat, früheres Zoo-Vorstandsmitglied, kritisiert den Zoodirektor Alex Rübel scharf dafür, dass sich dieser so prominent in den Abstimmungskampf einmischt und das Zootram bekämpft (Tages-Anzeiger vom 6.11.2008).


Und dann kommt natürlich noch der Tages-Anzeiger-Journalist René Staubli und publiziert im Tages-Anzeiger vom 10.11.08 auch noch ein selbstgebasteltes Umfrägeli zur Erschliessung des Zürcher Zoos. Abgesehen davon, dass bei 50 Personen die Fehlergrenzen ziemlich gross sind, was dazu führt, dass bei 50 anderen Personen ganz andere Ergebnisse möglich wären, zeigt die Umfrage etwas spannendes: gegen 50 % der befragten ZoobesucherInnen kamen mit dem Auto. Nicht verwunderlich, wollen diese nichts geändert haben bei der Zooerschliessung, so haben sie nämlich immer eine gute Ausrede, warum sie trotz Klimawandel-Diskussion immer noch mit dem Auto unterwegs sind. Auf jeden Fall beweist diese Umfrage sicher nicht das, was Herr Staubli behauptet. Einmal mehr: der Tages-Anzeiger hat null Ahnung vom ernsthaften Politik-Umfrage-Geschäft, und informiert einmal mehr tendenziös und voreingenommen! Aber eben: auch die Auto-Beilage des Tagi weist darauf hin: auch der Tagi ist nichts anderes als ein Sprachrohr der Autolobby…


Wer den Zoo Zürich mit dem öffentlichen Verkehr besuchen möchte, muss bereits vor dem Spaziergang durch den Zoo einen längeren Fussmarsch auf sich nehmen: mehr als 300 Meter gehts nämlich von der letzten Tramhaltestelle bis zum alten Zooeingang, mehr als 500 Meter mit zum Eingang zur Masoala-Halle. Das sind zwar keine nicht bewältigbaren Distanzen, aber viele Autoparkplätze liegen deutlich näher als die Haltestelle Zoo. Ein eigenartiges Signal: der Zoo und mit ihm die Stadt Zürich tut mehr für die autofahrenden ZoobesucherInnen als jene, die mit dem öffentlichen Verkehr anreisen! Angesichts solcher Fakten bleiben all die schönen Worte mit Handlungsaufforderungen zum Klimaschutz reine Lippenbekenntnisse.

Moderne Zoos verstehen sich nicht mehr als Schaubühne für exotische Tiere, sondern möchten Tiere einen möglichst naturnahen Lebensraum bieten, nicht zuletzt darum, weil für immer mehr Zootierarten Erhaltungszuchtprogramme nötig sind. In den meisten Fällen darum, weil der Mensch die natürlichen Lebensräume dieser Tiere derart eingeschränkt hat, dass auf natürliche Art und Weise die Arterhaltung nicht möglich ist. Der bereits im Gang befindliche Klimawandel schränkt die Lebensräume vieler Arten weiter ein. Bekanntlich stossen die Autos erhebliche Mengen des Klimakillers Kohlendioxid aus – auch dann, wenn sie auf dem Weg von und zum Zoo gebraucht werden. An- und Wegfahrt zum Zoo per Auto ist gedankenlos. Ebenso gedankenlos ist die Reaktion von Zoodirektor Alex Rübel auf die Initiative „Mit dem Tram direkt zum Zoo“ des VCS Zürich (Unterschriftensammlung vom 18. August 2006 bis zum 18. Februar 2007): er findet ein Tram zwar gut, aber der Tramverlängerung dürften keine weiteren Parkplätze zum Opfer fallen. Herr Zoodirektor: wenn es Ihnen mit der Erhaltungszucht gefährdeter Tierarten Ernst ist, müssen Sie sich mit Vehemenz dafür einsetzen, dass die ZoobesucherInnen nicht mehr per Auto unterwegs sind, nicht nur für den Zoobesuch, sondern für immer mehr Wege zur Arbeit, zum Einkauf, in der Freizeit. Und dann dürfte der Zoo ehrlicherweise keine Parkplätze – bis auf einige Behindertenparkplätze – mehr anbieten! Eigenartig derzeit auch die Wortwahl im Zoo-Internet: selbstverständlich ist der Zoo auch mit dem Auto gut erreichbar – die Fahrt mit dem öffentlichen Verkehr ist bloss empfehlenswert. Herr Rübel, wie wäre es denn mit der Formulierung: Selbverständlich gehört zum Zoobesuch die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr, als Zeichen besonderen Respekts gegenüber den Tieren und ihren Lebensräumen, und in ganz wenigen Ausahmesituationen hats einige wenige Parkplätze!


Leserbrief (aus dem Jahr 1999)

Der neue Zoo und die Tramverlängerung gehören zusammen

Der Zoo hat die Zeichen der Zeit erkannt und will die Lebensbedingungen der Tiere verbessern. Dies steht einer Institution, die vorgibt, Beiträge zur Arterhaltung, zum Schutz der Natur zu leisten, gut an.

Heute fahren zu viele BesucherInnen mit ihrem Auto zum Zoo, eine Belästigung für die AnwohnerInnen, eine Last für die Natur. Eine gute Alternative dazu wäre die Tramverlängerung bis zu den neuen Zooein- und -ausgängen, damit die Fahrt mit dem Tram noch attraktiver wird, als herzliche Einladung, auch für den Zoobesuch ein umweltfreundliches Verkehrsmittel zu benutzen. Zwar verspricht uns die Stadtzürcher Politik auf dem Papier mehr Lebensqualität und mehr Nachhaltigkeit; wenn es aber um konkrete Taten für Mensch und Natur gehen würde, wollen die PolitikerInnen nichts mehr tun und schleichen sich aus der Verantwortung – mit vielen wohlmeinenden, aber ebenso faulen Ausreden.

Der Zoo will sich in die Zukunft aufmachen, weil ihm das Wohlergehen der Tiere, der Schutz der Natur ein Anliegen ist. Da muss die Politik mitmachen und ein Zeichen setzen: der "neue" Zoo und die Tramverlängerung gehören zusammen.

Toni W. Püntener, Kantonsrat Grüne, Zürich


Diverse Beiträge seit 1999

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Zum Ausgang des Abstimmungssonntags 1. Juni 2008 https://www.umweltnetz.ch/content/zum-ausgang-des-abstimmungssonntags-1-juni-2008 Sun, 01 Jun 2008 17:31:22 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=201 Lange ist es her, dass die Stimmberechtigten genau entsprechend meinen Abstimmungs- und Wahlempfehlungen entschieden haben – allerdings kein Grund zur Euphorie! Gratulation an Ruth Genner zur Wahl in den Zürcher Stadtrat – es wird spannend sein, wie sie nach jahrelanger Fokussierung auf die nationale Politik die auch inhaltlich sehr deutlich unterschiedliche Politikkultur in der Stadt … „Zum Ausgang des Abstimmungssonntags 1. Juni 2008“ weiterlesen

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Lange ist es her, dass die Stimmberechtigten genau entsprechend meinen Abstimmungs- und Wahlempfehlungen entschieden haben – allerdings kein Grund zur Euphorie!

Gratulation an Ruth Genner zur Wahl in den Zürcher Stadtrat – es wird spannend sein, wie sie nach jahrelanger Fokussierung auf die nationale Politik die auch inhaltlich sehr deutlich unterschiedliche Politikkultur in der Stadt Zürich weiterentwickelt. Gerade im Bereich der Umweltpolitik ist in der Stadt Zürich die Phase der Deklamation – also die Epoche der schönen Worte, welche auch die Grünen angesichts der Mehrheitsverhältnisse in Bern pflegen – schon sehr lange vorbei. Hier werden seit langen Jahren Nägel mit Köpfen gemacht. Noch am Samstag vor dem Wahltag stand im TA zu lesen, dass es sich um einen „Wahlkampf zum Abschalten“ handle, weil eine Mittekandidatur fehle – auf jeden Fall hatten die Stimmberechtigten diesen Eindruck nicht – knapp über 60 % WählerInnenanteil bei einer Einer-Majorzwahl ist ein hervorragendes Ergebnis. Nicht zum ersten Mal lag der TA bei Wahlen völlig quer mit der Einschätzung insbesondere von Kanididaturen aus dem grünen Umfeld. Ob dies wohl daran liegt, dass Tamedia mit Vehemenz Werbung für den Klimakiller Auto macht (mehr)

Mit zwei deutlich verlorenen Initiativen und der Mitbeteiligung an einer bachab geschickten parlamentarischen und bundesrätlichen Mehrheitsvorlage (ebenfalls ausgelöst durch eine an den egoistischen Interessen der SVP-Milliardäre orientierte SVP-Initiative) ist die SVP dort angekommen, wo sie sein möchte: im Ecken der oppositionellen Gruppierungen. Allerdings gehört es zur Konkordanz, dass es einen Wechsel von Abstimmungserfolgen und -niederlagen gibt, also ist dieses Abstimmungsergebnis wirklich nichts besonderes. Es ist im übrigen davon auszugehen, dass auch eine Bürgerrechtsvorlage, die sich mehr an den Grundsätzen der Integration und des Lebensmittelpunktes ausgerichtet hätte statt an den nationalistisch-konservativen Vorstellungen der SVP, kaum mehrheitsfähig gewesen wäre. Oder anders: initiativfähig sind in diesem Land viele Gruppen – veränderungsfähig (Aenderung der Spielregeln des Zusammenlebens in einer pluralistischen Gesellschaft) ist nicht einmal die SVP mit einem WählerInnenanteil von etwas weniger als dreissig Prozent!

Dass das verkrampfte Prestigeprojekt eines Kongresshauses so nicht kommen würde, war trotz Unterstützung durch Stadt- und Gemeinderat den InsiderInnen schon lange klar. Die schlechten Erfahrungen mit PPP-Projekten (PPP: Private-Public-Partnership) – jüngstes Beispiel die Fussball-EURO08, bei der der UEFA der riesige Gewinn und der öffentlichen Hand der Aufwand bleibt – , hochkomplexe Eigentums- und Vertragsverhältnisse und nicht zuletzt die öffentlich nicht geführte Debatte über den Denkmalschutz (mehr dazu) waren zusammen zu viele Argumente, gegen die das Prestige und die Glaubwürdigkeit des Stadtrates ausgereicht hätten. Hier braucht es einen echten Neuanfang – von den Bedürfnisabklärungen über den Standort und die Anforderungen an ein Kongresshaus bis zur Bedeutung des Denkmalschutzes angesichts der Herausforderung des Klimawandels. Auch hier wieder auffällig: der Tages-Anzeiger lag mit Begründung seiner Haltung zu dieser Vorlage ziemlich schief – da wurde beispielsweise das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern richtiggehend umerzählt. Nun, die Stimmenden haben das Original-Märchen gut im Gedächnis verankert: das Projekt für ein neues Kongresshaus geht zurück an die Absender, mit dem Vermerk „wie des Kaisers neue Kleider“ – da waren keine Vorteile dieser Lösung zu sehen…

Ein Abstimmungssonntag mehr, mit aus meiner Sicht erfreulichen Ergebnissen – die Baustellen und Spielplätze in Richtung einer menschen- und umweltgerechten Entwicklung der Gesellschaft sind mit Sicherheit nicht weniger geworden!

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