Billig?

Billig, Schnäppchen, günstig, cheap chic (geschmackvoll, aber billig) – einige aktuelle Stichworte.

Wettbewerb zwischen den AnbieterInnen gilt generell als eines der Allerweltsheilmittel, um zu billigeren Produkten zu kommen – wie wenn der Preis das einzige Kriterium wäre. Wer dermassen auf Wettbewerb setzt, ignoriert zentrale Erkenntnisse menschlicher Entwicklung und Kultur.

Wettbewerb – da gehts darum, dass jemand gewinnt, während jemand anderes verliert. Wettbewerb ist also Ellbogismus pur! Um die VerliererInnen (nicht nur des direkten Wettbewerbs, sondern auch die Allgemeinheit) darf sich dann der Staat kümmern. Und dieser muss sich dann von den vermeintlichen GewinnerInnen vorhalten lassen, zu viel Geld auszugeben. Damit werden diese vermeintlichen GewinnerInnen zu Abzockern, zu Zechprellern – weil sie in einem Markt agieren, der höchst unvollständig ist und in dem nur ein Bruchteil der Kosten durch die Verursachenden zu bezahlen sind.

Ein Beispiel aus dieser Billig-Unkultur:

Da gibt es eine Publikation “SPEZIAL:” mit dem Titel “Schnäppchen”, herausgegeben von KTipp. Da werden beispielsweise Milchprodukte aus Fabrikläden als ultimativer Tipp fürs billige Leben empfohlen. Für die Deutschschweiz gibts genau zwei Angaben: Emmi in Emmen und Hirz auf dem Hirzel. Für die Anreise gibts nur Empfehlungen für die Autofahrenden, und dies jeweils ab der nächstgelegenen Autobahnausfahrt. Einige Seiten weiter hinten in der Broschüre sind Angaben über Verkehrskosten zu finden – ohne Überraschung lässt sich feststellen, dass die Reise mit öffentlichem Verkehr um Faktoren günstiger ist als die Reise mit dem Auto, auch wenn es sich um ein Auto im Carsharing-Angebot handelt. Auch wenn der Autoverkehr nicht die vollständigen Kosten zu bezahlen hat (die üblicherweise angegebenen Kilometerkosten sind lügende Preise), ein Kilometer Autofahrt kostet rund einen Franken. Die Distanz Zürich-Hirzel retour beträgt rund 40 km: allein für die Fahrt sind also etwa 40 Franken auszugeben. Zudem erfordert eine derart lange Fahrt erheblich mehr Zeit als der Einkauf im Quartier. Wer ehrlich mit sich selber ist, muss auch diesen zusätzlichen Zeitaufwand in die Rechnung einbeziehen. Somit wird der vermeintliche Geldspartipp eindeutig zur Ausgabenschleuder.
Im übrigen: es ist eine gute Idee, Ware nahe am Verfalldatum, Überproduktionen, Ware in nicht mehr aktuellen Verpackungen zu verkaufen. Aber es braucht dazu andere Konzepte als Fabrikläden, die relativ schlecht mit dem öffentlichen Verkehr zu erreichen sind.

Sicher, es lohnt sich, auch den Preis eines Produktes in die Kaufüberlegungen einzubeziehen, vor allem darum, damit die Wettbewerbs-SiegerInnen nicht einfach noch mehr abzocken können. Aber: es darf nicht einfach nur um den Preis gehen, sondern es braucht eine Gesamtbetrachtung! Und dann zeigt sich oftmals, dass der Preis ein absolut ungeeigneter Massstab zur Begründung von Kaufentscheiden ist! Deshalb: weniger und dafür bewusster einkaufen!

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