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Energiekosten | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Tue, 14 Oct 2014 06:41:52 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 44487214 Was kostet denn … https://www.umweltnetz.ch/content/was-kostet-denn Sun, 26 Feb 2012 18:45:40 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=2947 … nein, nicht der Ausstieg aus der, sondern der Wiedereinstieg in die Atomenergie? Rationalen DenkerInnen ist spätestens seit Tschernobyl, also seit 1986, klar, dass Atomenergie keinen massgeblichen Beitrag zur globalen Energieversorgung wird leisten können. Zu schwerwiegend sind die Risiken, die mit der gesamten Anwendungskette vom Uranabbau bis zur langdauernden Aufbewahrung des Atomabfalls verbunden sind. Alle … „Was kostet denn …“ weiterlesen

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… nein, nicht der Ausstieg aus der, sondern der Wiedereinstieg in die Atomenergie? Rationalen DenkerInnen ist spätestens seit Tschernobyl, also seit 1986, klar, dass Atomenergie keinen massgeblichen Beitrag zur globalen Energieversorgung wird leisten können. Zu schwerwiegend sind die Risiken, die mit der gesamten Anwendungskette vom Uranabbau bis zur langdauernden Aufbewahrung des Atomabfalls verbunden sind. Alle Option-OffenhalterInnen und Technologie-Hoffenden können nicht darüber hinweg täuschen, dass eine nachhaltige Energieversorgung OHNE Atomenergie (sowohl in der Spaltungs- wie in der Fusionsform) auskommen muss.

Seit der Erdölpreiskrise 1973 ist die Energiepolitik von einer einseitigen Sichtweise geprägt: immer müssen sich die VertreterInnen alternativer Lösungen vorrechnen lassen, dass ihre Lösung teurer sei als die „bewährten“ fossilen und nuklearen Energien. Nie aber legen die Kernenergie- und Erdöl-LobbyistInnen Rechenschaft darüber ab, was die von ihnen favorisierten Energien kosten.

Sir Nicholas Stern hat mit seinen ExpertInnen ermittelt, dass es fünf Mal teurer ist, die Folgen des Mensch gemachten Klimawandels (Adaptation) zu bewältigen als den Mensch gemachten Klimawandel zu begrenzen (Mitigation).

Mit im wesentlichen Phantasiezahlen zu den den Kosten des Ausstiegs aus der Atomenergie soll einmal mehr davon abgelenkt werden, dass die Kernenergie in Realität unbezahlbar ist.

Als Zitat aus der Internet-Zeitung oekonews.at: Die deutschen Kernkraftwerke sind um mehrere Größenordnungen unterversichert. Müssten die Betreiber ihre Anlagen adäquat gegen nukleare Katastrophenfälle absichern, würde der Preis für eine Kilowattstunde (kWh) Atomstrom je nach Versicherungsmodell auf bis zu 2,36 Euro steigen. Das entspräche dem Zehnfachen des durchschnittlichen Haushaltsstrompreises. Damit sind die Risiken, die aus dem Betrieb der AKW resultieren, in der Praxis nicht versicherbar. Die Kosten für die dauerhafte, sichere Aufbewahrung des Atommülls während mehreren hundertausend Jahren sind dabei noch nicht inbegriffen.

Neue Kernkraftwerke bei uns in den USA würden pro Kilowattstunde drei Mal mehr kosten, als die Verbraucher heute zahlen. Das wäre auch bedeutend mehr, als Strom aus Erdgas und erneuerbaren Quellen kostet. Dies sagt Peter A. Bradford, Professor für Energiepolitik und -recht an der Vermont Law School in South Royalton, ehemaliges Mitglied der US-Atomaufsichtsbehörde, Vizevorsitzender der atomkraftkritischen Wissenschaftlervereinigung Union for Concerned Scientists in einem Interview mit der Zeitung „Neues Deutschland“ vom 28. Mai 2011.

Das klassische Denkmuster – die Alternativen sind teurer, als das, was heute üblich ist – führt auch zu einem hoch kontraproduktiven Markteingriff: die finanzielle Förderung von Energieeffizienzmassnahmen und von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Wie alle Subventionen hat dies zur Folge, dass bei diesen politisch und gesellschaftlich erwünschten Massnahmen und Technologien die Innovation erheblich behindert wird und der Know-how-Transfer nicht funktioniert.

In der Konsequenz heisst dies – und ich habe dies bereits mehrfach dargestellt, z.B. im Beitrag Nach-nuklear und nach-fossil: heute beginnen!: es braucht endlich eine klare Energiepolitik mit einem schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomenergie (und nicht etwa den vom Schweizerischen Bundesrat vorgeschlagenen Atomenergie-Ausfransel-Kurs) und einer konsequenten Klimaschutzstrategie. Statt einem Dschungel von Förderbeiträgen braucht es klare Vorgaben – zum Beispiel einen straffen und verbindlichen Fahrplan auf dem Weg zu 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien für die Elektrizitätswerke, ein Sanierungsobligatorium für Gebäude oder eine Verkehrspolitik, die das Verkehrssparen in den Vordergrund stellt und den verbleibenden Verkehr mit „Gefässen“ mit hoher Energieeffizienz und geringem Ressourcenbedarf abdeckt – zum Beispiel durch eine Verminderung der Verkehrsflächen.

Zurückkommend auf die Titelfrage: der Ausstieg aus der Atomenergie und damit der Weg zur nuklearfreien Energiezukunft ist parallel zum Einstieg in die fossilfreie Energieversorgung problemlos finanzierbar – und auf jeden Fall deutlich billiger als das Festhalten an Atomenergie und fossilen Brenn- und Treibstoffen! Die Vision der 2000-Watt-Gesellschaft kann dabei bestens als Wegweiser in die nachhaltige Energiezukunft dienen.


Nachtrag 26.2.2012

Auch Magdalena Martullo-Blocher gesellt sich zu den nachweislich unqualifizierten Energiewende-KritikerInnen, in einem Sonntagszeitungs-Interview vom 26.2.2012 – das Erschreckende an diesem Interview ist, dass Frau Martullo-Blocher hier uralte, längst widerlegte Behauptungen auftischt. So rückständig sind jene Köpfe, die sich als VertreterInnen der Wirtschaft aufspielen!

1. Fassung 28.5.2011

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Zahlengespenster und Gerüchte https://www.umweltnetz.ch/content/zahlengespenster-und-geruchte Thu, 02 Jun 2011 22:43:50 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=2959 Die mehr als 25 Jahre verzögerten Schritte zum möglichst raschen Verzicht auf die Atomenergie und die endlich erfolgenden, wenn auch sehr zögerlichen Schritte zu „Ausstieg“ aus der Atomenergie rufen auch all die BedenkenträgerInnen auf den Plan, die mit Zahlengespenstern und unbewiesenen Behauptungen die öffentliche Meinung manipulieren wollen. Einmal mehr ist festzuhalten: der übermässig grosse ökologische … „Zahlengespenster und Gerüchte“ weiterlesen

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Die mehr als 25 Jahre verzögerten Schritte zum möglichst raschen Verzicht auf die Atomenergie und die endlich erfolgenden, wenn auch sehr zögerlichen Schritte zu „Ausstieg“ aus der Atomenergie rufen auch all die BedenkenträgerInnen auf den Plan, die mit Zahlengespenstern und unbewiesenen Behauptungen die öffentliche Meinung manipulieren wollen. Einmal mehr ist festzuhalten: der übermässig grosse ökologische Fussabdruck zeigt sich auch an der Entwicklung des Energieverbrauchs, und einmal mehr ist festzuhalten: die Energiepreise lügen. Daraus aber Zahlengespenster und Unwahrheiten zu konstruieren, ist Schindluderei! Klar ist: die nach-fossile und nach-nukleare Energieversorgung beginnt heute!

Climate Criminals wie TCS, HEV und economiesuisse betreiben anstelle von Interessenvertretung Obstruktionspolitik, um mehr Streicheleinheiten von der Oeffentlichkeit und der Politik zu erhalten. Dass diese Verbände nicht den Tatsachen verpflichtet sind, ist daher nachvollziehbar – da es daneben Organisationen wie den VCS, den Hausverein und Swiss Cleantech gibt, die regelmässig geradezu konträre Positionen vertreten, können derartige Positionsbezüge eingeordnet werden.

Medien und Wissenschaft sind in solchen Situationen wesentlich stärker gefordert – wenn etwa der Tages-Anzeiger eine halbe Woche vor dem Bundesratsentscheid über die zukünftige Atomenergiepolitik dem früheren BFE-Chef Eduard Kiener, einem bekennenden Nuklear-Fan, fast eine ganze Seite für dessen nicht-energiepolitischen Positionsbezug zur Verfügung stellt, ist dies eine sehr heikle Angelegenheit.

Die eigenartige Position der ETH-DARCH-ProfessorInnen zu Klimaschutz mit der Zero-Emission Architecture braucht hier keine weitere Erörterung. In einem Tages-Anzeiger-Interview reiht sich auch ETH-Professor Lino Guzzella in die Reihe der BedenkenträgerInnen ein – grundsätzlich sind fundierte Bedenken von grosser Bedeutung, allerdings sollten sie Substanz enthalten.

Vorerst: es ist einmal mehr festzuhalten: Auch wenn die Schweiz einen relativ grossen Atomstromanteil hat, macht die Atomenergie rund 10 % der Schweizerischen Energieversorgung aus! Zudem ist zu notieren, dass der Strompreis in der Schweiz im internationalen Vergleich und unter Berücksichtigung der Kaufkraft sehr günstig ist. Dies hat zum einen mit der Position der Wasserkraft zu tun – der europaweit vernetzte Spitzenzeiten-Stromhandel trägt wesentliches zur relativen Verbilligung des Strompreises bei, zudem ist der Grossteil dieser Anlagen von früheren Generationen erstellt worden und darum im wesentlichen bereits amortisiert. Wer sich äussert zu den Kosten einer Stromversorgung, die ausschliesslich auf erneuerbaren Energien aufbaut, muss sich gleichzeitig ebenfalls äussern zu den Kosten einer Weiterführung der bisherigen Stromversorgung mit dem hohem Atomstromanteil – inklusive den Rückbau-, Versicherungs- und den Kosten für die langdauernde Lagerung des Atommülls. Als ein Beispiel: für Deutschland wurde errechnet, dass allein die Versicherungsprämien für Atomstrom den Kilowattstundenpreis um mindestens den Faktor 10 erhöhen würden!

Die Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien wurde bis anhin vor allem dadurch behindert, dass in der Schweiz die Grossen der Elektrizitätsbranche in erster Linie auf neue Atomkraftwerke gesetzt haben. Erneuerbare Energien waren bis jetzt geduldet, mehr nicht – die absurde kostendeckende Einspeisevergütung für erneuerbaren Strom illustriert das treffend. Da gibt es nur eine Lösung: wer auf dem Schweizer Markt Strom anbieten will, muss einen laufend steigenden Anteil zwingend aus erneuerbaren Energien anbieten, bis spätestens 2025 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen auf dem Markt ist. Dies heisst: man kann ab sofort auf Förderbeiträge für Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen verzichten.

Zurück zum TA-Interview mit ETH-Professor Lino Guzzella. Dies beginnt mit der nachweislichen falschen Behauptung „Wenn ich die Energiestatistik anschaue, stelle ich fest, dass wir bis 1950 rund zehnmal weniger Energie verbraucht haben als heute. Und die Menschen haben damals ja auch glücklich gelebt.„. Auch wenn ich durchaus auch der Ansicht bin, dass der Energieverbrauch der Schweiz deutlich zu hoch ist, dieser Faktor 10 lässt sich durch gar nichts belegen, weder absolut noch pro einwohnende Person. Auf der Basis der Energiestatistik-Zeitreihe von www.energiestatistik.ch habe ich in der nachfolgenden Tabelle die Verbrauchs-Zunahme-Faktoren dargestellt:

Energiebereich Faktor Verbrauchszunahme zwischen 1950 und 2009, absolut, ganze Schweiz Faktor Verbrauchszunahme zwischen 1950 und 2009, pro Person, ganze Schweiz
Fossile Brennstoffe 3.30 1.99
Erneuerbare (Wärme) 2.95 1.78
Fossile Treibstoffe 15.37 9.29
Elektrizität 6.51 3.94
Gesamt 5.23 3.16

Herr Guzzella liegt also absolut um einen Faktor 2 zu hoch, pro Person sogar um einen Faktor 3 – einzig bei den fossilen Treibstoffen (Stichwort Climate Criminals TCS) könnteseine Aussage zutreffen. Das heisst: die Leserin, der Leser dieses Artikels muss also davon ausgehen, dass auch die anderen Aussagen von Herr Guzzella um den Faktor 2 bis 3 daneben liegen.

Herr Guzzella prägt zudem ein völlig falsches Bild von Verzicht – auch er müsste unterdessen realisiert haben, dass es um freiwillige Einfachheit geht. Bei den Beispielen mischt er dauernd zwischen den verschiedenen Energien: wer über den Atomausstieg spricht, müsste auch vor allem Beispiele aus dem Strombereich nennen. „18 °C Raumtemperatur und ein Pullover“ wäre allenfalls dann relevant, wenn es um direktelektrisch oder mit einer Wärmepumpe beheizte Gebäude geht. Um bei diesem Beispiel zu bleiben: bis zum vom Bundesrat anvisierten Ausstiegsdatum müssen eine grosse Zahl von Bauten erneuert werden, mit der Möglichkeit, die energetische Qualität deutlich zu verbessern. Wegen des Rebound-Effekts („dieses Gebäude ist derart effizient, da können wir uns T-Shirts im Winter leisten„) ist zwar festzustellen, dass etwa in Minergie-Bauten deutlich zu hohe Raumtemperaturen mit entsprechendem Minderkomfort anzutreffen sind – dies lässt sich aber mit relativ einfachen Mitteln korrigieren. Nachweislich gehen zudem die Mehrkosten etwa bei Mietwohnungen kaum auf die Verbesserung der energetischen Qualität zurück, sondern immer noch auf die pro Person nach wie vor zunehmende Wohnfläche – und bei einer Stabilisierung und anschliessender Abnahme des Flächenanspruchs pro Person kann kaum von Verzicht gesprochen werden.

Richtig eingesetzte Computer können den gesamten Energieverbrauch deutlich vermindern – das papierreduzierte Büro etwa als Ansatz (wenn die Menschen lernen müssen, dass nicht die Haptik eines Buches oder eines Berichtsentwurfes das Leseerlebnis bestimmt, kann auch dies nicht als Verzicht bezeichnet werden, sondern bestenfalls als Abschied von liebgewordenen Gewohnheiten).

Um ein weiteres Beispiel anzufügen: Klassische elektrische Tumbler sind tatsächlich Energieschleudern – mit wärmepumpengetriebenen Raumluftentfeuchtern kann Wäsche um Faktoren effizienter getrocknet werden. Selbstverständlich ist wie von Herrn Guzzella prognostiziert Wäsche trocknen an der Sonne noch energieeffizienter, allerdings nicht in allen Jahreszeiten möglich. Einmal mehr: die Energiezukunft ist geprägt von Energieeffizienz und freiwilliger Einfachheit – die Energiezukunft ist nicht ein Schritt in die Steinzeit, sondern ein kräftiger Schritt vorwärts in die Zukunft!

Ich habe bereits darauf hingewiesen: die Differenzkosten des längerfristigen Verzichts auf Atomstrom im Vergleich zur Weiterführung der Atomenergiepolitik sind kaum bezifferbar – in Deutschland gibt es diverse Studien, die voraussagen, dass erneuerbare Energien auf Dauer sogar billiger zu stehen kommen als die Atomenergie! Das Wuppertal Institut hat eine Studie dazu erstellt; die Medienmitteilung dazu hält fest: Geringe Strompreiseffekte bei einem beschleunigten Atomausstieg! Zu beachten ist zudem: das erhebliche Effizienzpotential lässt den Stromverbrauch schrumpfen, was zu reduzierten Stromkosten führt.

Einmal mehr ist festzuhalten: die zukünftige Energieversorgung wird auf tieferem Verbrauchsniveau einen höheren Stromanteil aufweisen – es gibt genügend Studien, die nachweisen, dass dies mit vertretbaren Kosten möglich ist – siehe dazu ein Szenario.

Hoch spekulativ ist die Aussage von Herrn Guzzella, mit Fukushima sei auch die „Vision Elektroauto gestorben“ (abgesehen von der sprachlich fragwürdigen Formulierung). Die Energie-Effizienzvorteile eines Elektroautos sind dermassen gross, dass gerade im Nah- und Mittelstreckenbereich unter einer gesamtheitlichen energie- und klimaschutzpolitischen Betrachtung Elektrofahrzeuge nach wie vor Vorteile aufzuweisen haben – im Wissen darum, dass gerade in der Schweiz ein beträchtlicher Teil des öffentlichen Verkehrs bereits heute energieeffizienter elektrischer Verkehr ist! In meinem Energie-Zukunfts-Szenario erfolg deshalb eine kräftige Verlagerung auf den öffentlichen Verkehr.

Die Umweltorganisationen haben abgeschätzt, dass – auch hier ohne Vergleichskosten der Atomstromentwicklung – bis 2035 maximal 100 Mia Franken erforderlich sind für die Umstellung des Stromversorgungssystem auf nuklearfreie Energien. Dies würde pro Jahr rund 4 Mia Franken, etwa 0.7 % des BIP, ausmachen. Pro mittleren CH-Haushalt – alle Haushalte zusammen verbrauchen etwas mehr als 30 % des Stroms – macht dies jährlich rund 400 Franken, etwas mehr als 30 Franken pro Monat, aus. Wie bereits gesagt: auch hier fehlt die Entwicklung des Strompreises bei einer Weiterführung der Atomstrompolitik. Herr Guzzella nennt in seinem Artikel jährliche Zusatzkosten von 2000 Franken pro Haushalt, also schon wieder ein Faktor 5 daneben! Dies hat einerseits damit zu tun, dass ich meine Aussagen für einen Durchschnittshaushalt mache – gemäss Statistik wohnen in einem solchen Durchschnittshaushalt 2.29 Personen – da wäre also Herr Guzzella nur noch um Faktor 3 daneben. Die Berechnungsweise von Herrn Guzzella lastet zudem sämtliche Strompreiserhöhungen den Haushalten an, also auch den Anteil der Wirtschaft, welcher aber fast 70 % ausmacht. Selbstverständlich steckt dieser Preis in den Inland-Produkten, zu beachten ist aber, dass ein beachtlicher Teil der Güter und Dienstleistungen exportiert wird, also bereits heute die Haushalte auch indirekt via Produktepreis nicht belastet. Bei viel gutem Willen kann man also die Faktorunterschiede in der Argumentation von Herrn Guzzella einigermassen erklären, im Wissen darum, dass es sich um Taschenspielertricks handelt, um die Ausstiegskosten künstlich aufzublähen. Auch hier wieder geht vergessen, dass auch die Wirtschaft erhebliches Stromeffizienzpotential hat – höhere Stromkosten tragen erfahrungsgemäss dazu bei, dieses Potential auch tatsächlich auszuschöpfen (selbst wenn die sogenannte Preiselastizität den Effizienzeffekt einer Strompreiserhöhung abschwächt, dies trifft allerdings deutlich stärker auf die Haushalte als auf die Wirtschaft zu. Zentral bei den Ergebnissen dieser von economiesuisse mitfinanzierten Studie: wichtig ist die Langfristigkeit der Preissignale!).

Letztlich heisst dies also: es gibt keine wirklichen Gründe gegen den Ausstieg aus der Atomenergie – die Politik soll endlich entscheiden, dann können sich Gesellschaft und Wirtschaft auf die politisch angestrebte Entwicklung einstellen. Kontraproduktiv sind Nicht-Entscheide, weil damit keine klaren Signale verbunden sind.

The post Zahlengespenster und Gerüchte first appeared on umweltnetz.ch.]]> 2959 Der Oelpreis spielt Karussell – was jetzt? https://www.umweltnetz.ch/content/der-oelpreis-spielt-karussell-was-jetzt Tue, 14 Oct 2008 21:10:03 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=252 Was genau macht der Oelpreis in nächster Zeit? Fällt er wieder Richtung vierzig oder gar dreissig Dollar pro Barrell, oder steht der Preis bald bei 200 oder gar 250 Dollar? Der Oelpreis ist allerdings nur ein Element, welches den Umgang der Menschheit mit dieser endlichen, fossilen Ressource bestimmt. Wenn es um Zukunftsinvestitionen geht, verhalten sich … „Der Oelpreis spielt Karussell – was jetzt?“ weiterlesen

The post Der Oelpreis spielt Karussell – was jetzt? first appeared on umweltnetz.ch.]]> Was genau macht der Oelpreis in nächster Zeit? Fällt er wieder Richtung vierzig oder gar dreissig Dollar pro Barrell, oder steht der Preis bald bei 200 oder gar 250 Dollar? Der Oelpreis ist allerdings nur ein Element, welches den Umgang der Menschheit mit dieser endlichen, fossilen Ressource bestimmt.

Wenn es um Zukunftsinvestitionen geht, verhalten sich Menschen sehr unterschiedlich, beziehen auch sehr unterschiedliche Argumentationen in ihre Ueberlegungen ein. Der Oelpreis – und damit reine betriebswirtschaftliche Rechnungen – spielt zwar regelmässig mit hinein, ist aber glücklicherweise selten die prägende Grösse: ökologische Aspekte und die Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen werden von sehr vielen Menschen in den Entscheidungsprozess miteinbezogen.

Immer grössere Wohnflächen ist einer der Untertitel einer Medienmitteilung des Statistischen Amtes des Kantons Zürich vom 14. Oktober 2008 zur Wohnbautätigkeit im Kanton Zürich: seit 1973 hat die durchschnittliche Fläche einer Neubauwohnung im Kanton Zürich um 44 Prozent zugenommen.

Dies hat Auswirkungen: pro Person wird 2007 in der Schweiz im Durchschnitt etwa gleichviel Energie für die Wärmebereitstellung (Raumheizung und Warmwasser) gebraucht wie im Jahr 1973, obwohl in diesen gegen 35 Jahren einiges an energetischen Massnahmen an Gebäuden und Haustechnik umgesetzt wurden. Die Energie-Effizienzsteigerung in und an Gebäuden konnte gerade etwa den Flächenzuwachs kompensieren – ein klassischer Rebound-Effekt! Mit Blick auf die Zukunft: es wurde zwar bereits einiges getan, aber dies reicht bei weitem nicht, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Dazu gehört auch, bewusst und freiwillig den Flächenanspruch pro Person zu begrenzen.

Aus der Wirkungsanalyse der Energiepolitik der Stadt Zürich kann abgeleitet werden, dass derzeit rund ein halbes Prozent des städtischen BIP für die Bereitstellung von Wärme (Raumheizung und Warmwasser) in Wohnbauten verwendet werden muss. Am Beispiel einer typischen Vierzimmer-Wohnung auf Stadtgebiet (80 Quadratmeter) mit dem Energiestandard der 70er-Jahre und einer Monatsmiete von Fr. 1800.– heisst dies: bei einem Oelpreis von 70 Franken pro Hundert Liter machen die reinen Energiekosten für Heizung und Warmwasser etwa vier Prozent der Mietzinses aus, bei 140 Franken (Stand Ende Juli 08) sind dies 7.5 %, und bei einem Preis von 210 Franken für 100 Liter Heizöl würden die Wärmekosten etwas mehr als 12 Prozent der Jahresmiete ausmachen. Eine interessante Renditeberechnung für Energieeffizienzmassnahmen wurde am 22.6.2008 im Sonntagsblick publiziert: Investieren statt Oelscheichs finanzieren! Eigentlich müssten diese Berechnungen ergänzt werden, wie sich eine zum Beispiel um 15 Prozent reduzierte Wohnfläche pro Person auswirkt…

Genau wie beim Wohnen sind auch beim motorisierten Individualverkehr ( = Autoverkehr) nicht in erster Linie die Benzin- oder Diesel-Kosten bestimmend für die Verkehrskosten. Beim TCS-Musterauto sind die Treibstoffkosten mit etwa einem Sechstel der Kilometerkosten von 75 Rappen „nur“ der zweitgrösste Posten neben der Amortisation. Selbst bei einer Verdreifachung des Treibstoffpreises auf 5 Franken pro Liter würde der Kilometerpreis auf nur etwa einen Franken pro Kilometer steigen. Sollten sich auf dem europäischen Markt Billigst-Autos wie der Tata Nano oder das neue „Nicht-Fiat“-Projekt zu einem Preis von um die 3000 Dollar durchsetzen, würden die Kilometerkosten stärker sinken als durch diese Benzinpreiserhöhung!

Als Stossseufzer: obwohl diese Zahlen objektiv zeigen, wie teuer Autofahren bereits heute ist, hat dies nur begrenzt Auswirkungen auf die Verkehrsmittelwahl! Im Schweizerischen Strassenverkehr werden die Energie-Effizienzfortschritte im Fahrzeugbau durch die zunehmende Verkehrsleistung überkompensiert – mit spannenden Ausnahmen in den grossen Städten wie Zürich.

Fazit: da ökonomische Ueberlegungen nur bei einem kleinen Teil der EntscheidungsträgerInnen – sowohl bei Bauten wie bei der Verkehrsmittelwahl – eine Rolle spielen, ist die Sache klar: um die ambitiösen Klimaschutzziele zu erreichen, sind zwingend die Vorschriften im Energiebereich deutlich zu verschärfen. Die von den Kantonen angekündigte Anpassung der Vorschriften ist eigentlich schon längst fällig, geht aber deutlich zu wenig weit; zudem fehlen Vorgaben an die Energie-Effizienz von elektrischen Geräten. Und bei den Fahrzeugen sind sehr sanfte Verbrauchsvorschriften erst zu erahnen. Hier besteht ebenfalls dringlicher Handlungsbedarf.

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Wohnen wird teurer – nicht nur wegen des Klimaschutzes! https://www.umweltnetz.ch/content/wohnen-wird-teurer-nicht-nur-wegen-des-klimaschutzes Sun, 24 Feb 2008 10:27:17 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/wohnen-wird-teurer-nicht-nur-wegen-des-klimaschutzes Mit dem reisserischen Titel KLIMASCHUTZ FÜHRT ZU MASSIV HÖHEREN MIETEN wird in der Sonntagszeitung vom 24.2.08 Stimmung gemacht gegen den Klimaschutz – obwohl die Mieten zukünftig nahezu ausschliesslich wegen der bis jetzt massiv ungenügenden Erneuerungsaktivitäten steigen werden. Zuerst ein kleiner Abstecher zur „paritätischen Lebensdauertabelle HEV Schweiz / MieterInnenverband„. Hier sind die technischen Lebensdauern von verschiedenen … „Wohnen wird teurer – nicht nur wegen des Klimaschutzes!“ weiterlesen

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Mit dem reisserischen Titel KLIMASCHUTZ FÜHRT ZU MASSIV HÖHEREN MIETEN wird in der Sonntagszeitung vom 24.2.08 Stimmung gemacht gegen den Klimaschutz – obwohl die Mieten zukünftig nahezu ausschliesslich wegen der bis jetzt massiv ungenügenden Erneuerungsaktivitäten steigen werden.

Zuerst ein kleiner Abstecher zur „paritätischen Lebensdauertabelle HEV Schweiz / MieterInnenverband„. Hier sind die technischen Lebensdauern von verschiedenen baulichen Massnahmen aufgeführt. Da heisst es beispielsweise:

  • Badezimmermodernisierung (gesamthaft): 30 Jahre
  • Küchenmodernisierung, gesamthaft
    • bei hoher Qualität: 25 Jahre
    • bei tiefer Qualität: 20 Jahre
  • Verputz
    • Kunststoffverputze Fassade (auf Mauerwerk): 25 Jahre
    • Mineralische Fassadenputze (auf Mauerwerk): 40 Jahre
  • Eine Lebensdauer von 40 Jahren eines Mineralputzes bedeutet, dass jedes Jahr 2.5 % aller Mineralputze erneuert werden müssten, liegt die Lebensdauer bei 20 Jahren, wären in 5 % des Bestandes Massnahmen erforderlich.

    Erneuerungsquoten sind recht gut untersucht. So wurde beispielsweise durch das Bundesamt für Wohnungswesen die Studie „Die Renovation der Miet- und Eigentümerwohnungen in der Schweiz 2001 – 2003“ in Auftrag gegeben.

    Für Küchen beträgt demnach die jährliche Renovierungsquote 1.5 % (erforderlich wären 4 bis 5 %, je nach Qualität der Küche). Bei Bädern beträgt die Renovierungsquote 1.6 %, dabei wären etwa 3.3 % erforderlich. Jährlich werden nur 0.8% der Fassaden erneuert, obwohl es 2.5 bis etwa 4 Prozent sein sollten.

    Wenn die Lebensdauer von Bauteilen nicht beachtet wird, erfolgt ein Substanzverzehr – es werden Werte vernichtet. Die Erneuerung eines übernutzten Bauteils ist zudem wesentlich aufwendiger und kann weitere Massnahmen an anderen Bauteilen erfordern.

    Energetische Massnahmen im Sinne des Klimaschutzes können nur aufbauend auf einer umfassenden Erneuerung eines Gebäudes ergriffen werden. Dies lässt sich am Beispiel von Fenstern zeigen.

    Fenster, die heute ersetzt werden, sind in der Regel Doppelverglasungen (zwei zusammengeschraubte Fensterflügel) oder Isolierverglasungen (Zwei Scheiben, am Rand in der Regel durch einen Verbundsteg zusammengehalten). Solche Fenster weisen einen U-Wert von etwa 3 W/(m2K) auf. Werden solche Fenster ersetzt, ist im Kanton Zürich aufgrund der kantonalen Wärmedämmvorschriften 2009 ein maximaler U-Wert von 1.5 W/(m2K) zulässig. Beim Minergie-Modul Fenster muss der U-Wert unter 1 W/(m2K) liegen.

    Da ja im Gebäude bereits Fenster eingebaut waren, ist ein Teil der Ersatzkosten unter dem Titel „Werterhaltung“ zu verbuchen – bei Mietobjekten enthält der Mietzins einen Anteil für die Werterhaltung, damit der oder die VermieterIn laufend den ursprünglichen gebrauchsfähigen Zustand sicherstellen kann.

    Die verbesserte Wärmedämmung (verbunden mit der erhöhten Luftdichtigkeit) stellt einen eindeutigen Mehrwert dar. In einer Broschüre zum Anteil wertvermehrender Investitionen hält der Schweizerische Mieterverband fest, dass dieser Mehrwert beim gesetzeskonformen Fenster 20 und beim Minergie-Modul 25 % der investierten Kosten beträgt.

    Hier ist eine weitere Nebenbemerkung erforderlich. Die Kantone sind in der Schweiz zuständig für die Wärmedämmvorschriften. Allerdings sind die Vorschriften nicht auf die Erfordernisse des Klimaschutzes ausgerichtet; die Festsetzung der Grenzwerte erfolgt vielmehr aus polit-opportunistischen Gründen: nicht die bestverfügbaren Techniken sind Richtschnur für die Vorschriften, sondern mit den Vorschriften sollen die schlimmsten Fehler verhindert werden.

    Erst durch diese Differenz zwischen Erfordernissen und gesetzlichen Vorgaben entsteht der Bedarf nach finanziellen Beiträgen – nach anerkannten ordnungspolitischen Grundsätzen darf nämlich nur subventioniert werden, was nicht gesetzlich vorgeschrieben ist! Wenn nun der Mehrwert eines Minergie-Fensters gegenüber einem „gesetzeskonformen“ Fenster nur 5 % beträgt, sind die Hebelwirkungen von finanziellen Beiträgen sehr bescheiden.

    Dies zeigt sich auch daran, dass der Energieeffizienz-Aktionsplan des Bundes bei aktuell jährlich 40 Milliarden Franken Hochbauinvestitionen 200 Millionen Franken Förderbeiträge für Klimaschutzmassnahmen vorsieht. Mit diesen 0.5 % zeigt sich einerseits, dass Klimaschutz-Massnahmen nur zu einem geringen Anteil für die Steigerung der Mieten herangezogen werden können. Andererseits ist eine ausreichende Werterhaltung und Wertvermehrung an den Bauten eine zwingende Voraussetzung, um die Klimaschutzziele erreichen zu können.

    Auch hier gilt: die heutigen Wohnkosten sind nicht wahre Kosten, weil an vielen Orten Substanzverzehr betrieben wird. Werden diese „lügenden“ Wohnkosten durch nachhaltige und kostenwahre Preise ersetzt („preiswert“ statt „billig“), so wird ersichtlich, dass zwar Wohnen teurer ist als heute angenommen wird, dass aber die Mehrkosten für zukunftsführendes klimaschutz-gerechtes Wohnen relativ bescheiden sind!

    Aus 2kwblog.umweltnetz.ch

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