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1:12 | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Tue, 14 Oct 2014 06:40:22 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 44487214 Am Abend des 24. Novembers 2013: zur Bedeutung von Abstimmungsergebnissen https://www.umweltnetz.ch/content/am-abend-des-24-novembers-2013-zur-bedeutung-von-abstimmungsergebnissen Sun, 24 Nov 2013 17:58:39 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=5592 Das Abstimmungswochenende vom 24. November 2013 hat auf eidgenössischer Ebene die voraussehbaren Ergebnisse gebracht: Nein zur 1:12-Initiative, Nein zur Erhöhung des Preises der Autobahnvignette, Nein zu Steuerabzügen für Kinderbetreuung. Dass meine Abstimmungsempfehlungen nicht exakt dem Abstimmungsergebnis entsprechen, hat damit zu tun, dass Abstimmungsempfehlungen eine politische Empfehlung und keine Prognose zum Abstimmungsausgang sind. Dass die 1:12-Initiative … „Am Abend des 24. Novembers 2013: zur Bedeutung von Abstimmungsergebnissen“ weiterlesen

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Das Abstimmungswochenende vom 24. November 2013 hat auf eidgenössischer Ebene die voraussehbaren Ergebnisse gebracht: Nein zur 1:12-Initiative, Nein zur Erhöhung des Preises der Autobahnvignette, Nein zu Steuerabzügen für Kinderbetreuung. Dass meine Abstimmungsempfehlungen nicht exakt dem Abstimmungsergebnis entsprechen, hat damit zu tun, dass Abstimmungsempfehlungen eine politische Empfehlung und keine Prognose zum Abstimmungsausgang sind.

Dass die 1:12-Initiative abgelehnt würde, war aufgrund bisheriger Abstimmungsergebnisse zu ähnlichen Themen zu erwarten. In der Tendenz entscheiden sich die SchweizerInnen in derartigen Fragen neoliberal (betont gerade auch bei der Abzockerinitiativ), antisozial und antisolidarisch. Ellbogismus und Ecoismus, sorry Egoismus dominieren die politische Landschaft. Trotz massiver und unqualifizierter Einschüchterung mit internationalen Konzernen und Fussballstars, trotz Einsatz von erheblichen MArketingmitteln haben knapp mehr als ein Drittel der abstimmenden SchweizerInnen ja gesagt zu einer Verbesserung der Fairness bei den Löhnen. Ein Drittel der Stimmenden, das sind definitiv mehr als die Mitglieder und SympathisantInnen der JUSO – das Unbehagen reicht weit in die gesellschaftlichen Schichten mit durchschnittlichen bis guten Einkommen hinein. Auf jeden Fall hat die 1:12-Initiative eine Diskussion ausgelöst, die Auswirkungen hat und haben wird. Diverse Unternehmenverantwortliche haben in den letzten Wochen und Monaten zu erkennen gegeben, dass tatsächlich auch in jüngerer Zeit übermässige Entschädigungen (von Löhnen kann da nicht mehr gesprochen werden) ausbezahlt wurden. Viele Stimmberechtigte gehen davon aus, dass diese Aussagen zu einer Selbstregulierung innerhalb der Wirtschaft führen dürften und deshalb ein staatlicher Eingriff in das Lohngefüge derzeit nicht erforderlich sei. Sollten diesen Worten nicht bald nachweisbare Taten folgen und auch die höchsten Entschädigungen nicht deutlich reduziert werden, dürften zukünftig nicht nur die JUSO aktiv werden. Oder anders: Wir bleiben dran! P.S. Auch wenn es sich dabei gleichzeitig um einen Tamedia-Werbespruch handelt, ist diese Aussage allgemeiner Sprachgebrauch.

Diverse PolitikkommentatorInnen wurden offenbar durch das Nein der Stimmberechtigten zur Erhöhung des Preises der Autobahnvignette überrascht. Dieses Nein kam zustande durch das Zusammenlegen der Nein-Stimmen von wenigstens zwei Gruppen:

  • einerseits die nach wie vorhandenen Fans der in $VP und FDP aufgegangenen Autopartei, die Freiheit mit möglichst vielen Autobahnkilometern gleichsetzen und davon ausgehen, dass die Allgemeinheit ihr unreflektiertes, als verantwortungslos zu bezeichnendes Verkehrsverhalten in erheblichem Umfang finanziert, gleichzeitig aber meinen, „finanzielle Milchkühe“ zu sein.
  • andererseits fundamental-ökologisch ausgerichtete Kreise, die darauf hin arbeiten, dass die absolute Menge des Strassenverkehrs und der Anteil des Autoverkehrs am Gesamtverkehr deutlich abnimmt, unter anderem aus Gründen des Klima-, des Landschafts- und des Lärmschutzes.

Welcher Anteil an Nein-Stimmen aus diesen beiden unterschiedlichen Argumentationshaufen stammt, spielt für die weitere Diskussion eine geringe Rolle. Entscheidend ist, dass weder die offizielle Strassenverkehrspolitik noch eine der beiden anderen Positionen mehrheitsfähig ist. Tatsache ist: Selbst eine geringe Verteuerung des Preises der Autobahn-Vignette ist nicht mehrheitsfähig, wenn damit erhebliche Strassenausbauten und Kompetenzverschiebungen verbunden sind. Der Bundesrat und die Parlamente werden entscheiden müssen, ob die Windschutzscheibenoptik-AutofahrerInnen oder die ökologisch orientierten Kreise bessere PartnerInnen für eine zukunftsgerichtete und damit letztlich mehrheitsfähige Verkehrspolitik sind – aus meiner Sicht ist es definitiv nicht die Gasfuss-Lobby.

Auch das Nein zur $VP-Familieninitiative war zu erwarten – ob es am so oder so nicht mehr der Realität entsprechenden Familienbild der $VP lag oder ob Steuerabzüge politisch nicht als geeignete Vorgehensweise gelten, ist auch hier letztlich nicht massgebend.


Das bedingungslose Grundeinkommen für alle setzt neue Akzente in der Diskussion über gerechte Löhne, aber ebenso bei Fragen der Familienbetreuung. Eine echte Energie- und Klimaschutzpolitik, welche mit den lügenden Energiepreisen aufräumt und zum Beispiel eine stark lenkende Energieabgabe einführt, könnte auch im Strassenverkehr zu den längst fälligen und dringlich erforderlichen Akzentverschiebungen führen.

The post Am Abend des 24. Novembers 2013: zur Bedeutung von Abstimmungsergebnissen first appeared on umweltnetz.ch.]]> 5592 1:12-Initiative: ganz einfach JA statt „hätte, könnte, dürfte, sollte“ https://www.umweltnetz.ch/content/112-initiative-ganz-einfach-ja-statt-haette-koennte-duerfte-sollte Sat, 16 Nov 2013 12:22:58 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=5584 Die 1:12-Initiative ist eine jener Initiativen, die unabhängig vom Ergebnis die öffentliche Meinung geprägt, sogar verändert hat. Kritik an übermässig hohen „Löhnen“ wurde von vielen noch vor wenigen Monaten als Neiddebatte deklariert. Die Informationsarbeit der InitiantInnen aufgrund der Faktenlage haben klar gezeigt, dass es gesellschaftlich nicht akzeptabel ist, dass teilweise Jahres-„Löhne“ ausbezahlt werden, welche selbst … „1:12-Initiative: ganz einfach JA statt „hätte, könnte, dürfte, sollte““ weiterlesen

The post 1:12-Initiative: ganz einfach JA statt „hätte, könnte, dürfte, sollte“ first appeared on umweltnetz.ch.]]> Die 1:12-Initiative ist eine jener Initiativen, die unabhängig vom Ergebnis die öffentliche Meinung geprägt, sogar verändert hat. Kritik an übermässig hohen „Löhnen“ wurde von vielen noch vor wenigen Monaten als Neiddebatte deklariert. Die Informationsarbeit der InitiantInnen aufgrund der Faktenlage haben klar gezeigt, dass es gesellschaftlich nicht akzeptabel ist, dass teilweise Jahres-„Löhne“ ausbezahlt werden, welche selbst von Menschen, die sich als gutverdienend bezeichnen, selbst während eines erfüllten und erfolgreichen Arbeitslebens nicht erarbeitet werden können. Die öffentliche Debatte zur 1:12-Initiative dreht sich eigentlich nur noch darum, dass es sich um eine „gute falsche Idee“ handle, es hätte noch bessere Möglichkeiten gegeben, das Problem könnte auch auf anderem Weg angegangen werden, es dürfte sich nicht um den einzigen Weg handeln, 1:12 sollte nicht der einzige Ansatz sein. Mag sein, am 24.11.2013 geht es aber nicht um „hätte, könnte, dürfte, sollte“, sondern um die 1:12-Initiative – und da empfiehlt sich ein eindeutiges Ja auf den Abstimmungszettel zu schreiben.

Die 1:12-Initiative verlangt, dass der höchste Lohn in einem Unternehmens in einem Monat höchstens soviel beträgt wie der tiefste Lohn im gleichen Unternehmen während eines Jahres. Die initiativergreifende JUSO versteht dies unter gerecht – bei Löhnen ist Gerechtigkeit nicht objektiv ermittelbar. Da die meisten Unternehem eine tiefere Lohnspanne aufweisen, und nur die internationalen Unternehmen und die Fussballclubs vermeintlich Probleme mit einer solchen Vorgabe hätten, gibt es bis heute 16.11.2013 keine plausiblen sachlichen Argumente gegen diese Initiative. Geltend gemacht wird, die Lohnspanne müsse ein Ergebnis der Debatte der Marktkräfte sein und sollte nicht nur den Staat vorgegeben werden. Das Ergebnis der Debatte der Marktkräfte ist offensichtlich für breite Teile der Bevölkerung nicht nachvollziehbar. Da derzeit andere Alternativen nicht entscheidungsreif sind, gibt es für die Abstimmung am 24.11.2013 zwei Möglichkeiten: weiterhin auf die bis anhin nicht erfolgreichen Marktkräfte setzen – oder eben ein Ja zur 1:12-Initiative auf den Stimmzettel zu schreiben. Ich empfehle klar die zweite Variante. Es ist einmal mehr darauf hinzuweisen, dass selbst Verfassungsbestimmungen veränderbar sind – es muss dazu ganz einfach die Mehrheit der Stimmberechtigten überzeugt (oder wie in den meisten Fällen, wie auch bei dieser Initiative zu befürchten) mittels kräftigen PR-Massnahmen gekauft werden.

Ganz eindeutig: am 24. November 2013 JA zur 1:12-Initiative!

The post 1:12-Initiative: ganz einfach JA statt „hätte, könnte, dürfte, sollte“ first appeared on umweltnetz.ch.]]> 5584 Abstimmungsempfehlungen – Volksabstimmung 24. November 2013 https://www.umweltnetz.ch/content/abstimmungsempfehlungen-volksabstimmung-24-november-2013 Sun, 27 Oct 2013 11:11:40 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=5520 Kommentar zum Abstimmungsergebnis auf nationaler Ebene Drei eidgenössische und in der Stadt Zürich zwei städtische Abstimmungsvorlagen – ein schon fast lockeres Programm also am 24. November 2013. Doch einige der Vorlagen haben es in sich: meine Abstimmungsempfehlungen sind immer auch eine Empfehlung zur Teilnahme an der Meinungsbildung und an der Abstimmung selber. Eidgenössische Volksabstimmungen Volksinitiative … „Abstimmungsempfehlungen – Volksabstimmung 24. November 2013“ weiterlesen

The post Abstimmungsempfehlungen – Volksabstimmung 24. November 2013 first appeared on umweltnetz.ch.]]> Kommentar zum Abstimmungsergebnis auf nationaler Ebene

Drei eidgenössische und in der Stadt Zürich zwei städtische Abstimmungsvorlagen – ein schon fast lockeres Programm also am 24. November 2013. Doch einige der Vorlagen haben es in sich: meine Abstimmungsempfehlungen sind immer auch eine Empfehlung zur Teilnahme an der Meinungsbildung und an der Abstimmung selber.

Eidgenössische Volksabstimmungen

  • Volksinitiative vom 21. März 2011 «1:12 – für gerechte Löhne»: JA
    Schon der Faktor 12 zwischen höchstem und tiefstem Lohn in einem Unternehmen lässt sich nicht wirklich mit dem Wert der geleisteten Arbeit erklären. Auch wenn grundsätzlich die Lohngestaltung eine Sache zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen sein soll, braucht es dazu einen Rahmen. Nach unten ist es die Verhinderung von „working poors“, nach oben sind es grundsätzliche Fragen des Werts von Arbeit. Es geht hier ausdrücklich nicht um eine Neidfrage, sondern um die Frage des rechten Masses. Diese Frage ist durchaus durch die Demokratie zu beantworten. Wenn internationale Konzerne und Fussballstars mit einer solchen Lohngrenze nicht umgehen können, haben diese einen Lernprozess in Gang zu setzen. Wie auch immer fadenscheinbig begründete Abzockerei ist gesellschaftspolitisch nicht akzeptabel. Auch ein Ja zur Initiative 1:12 erfordert weiterhin Diskussionen über das bedingungslose Grundeinkommen für alle.
  • Volksinitiative vom 12. Juli 2011 «Familieninitiative: Steuerabzüge auch für Eltern, die ihre Kinder selber betreuen»: Nein
    Steuerabzüge haben nichts zu tun mit nachhaltigen Staatsfinanzen und sind so weit als möglich zu vermeiden. Da sich die $VP gegenüber diversen gesellschaftlichen Entwicklungen verweigert, kommt diese Initiative als Feuerwehrübung der Ewiggestrigen daher. Bessere Antworten sind auch hier das bedingungslose Grundeinkommen und alle Diskussionen über den Wert und den Stellenwert unbezahlter Arbeiten z.B. für die Altersvorsorge!
  • Änderung vom 22. März 2013 des Bundesgesetzes über die Abgabe für die Benützung von Nationalstrassen (Nationalstrassenabgabegesetz, NSAG) – Erhöhung Preis Autobahnvignette: NEIN
    Da ich die Autobahnvignette als nicht leistungsabhängige Pauschalgebühr immer abgelehnt habe, fällt mir das Nein trotz gleichlautender $VP-Parole nicht schwer. Wir brauchen endlich eine Life-Cycle-Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur mit wahren Kosten. Es braucht für die Raumordnung, die Luftreinhaltung, den Lärmschutz, die Energieversorgung, den Klimaschutz und weitere gesellschaftlich relevante Verkehrs- und Verkehrsinfrastruktur-Auswirkungen eine Abkehr von den bisherigen lügenden Preisen auch im Verkehr. Einmal mehr der Dresdener Verkehrsökologe Udo J. Becker: Um die Mobilität zu erhalten, muss der Verkehr vermindert werden! Die Autobahnvignette leistet keinen Beitrag dazu, deshalb braucht es sie unabhängig vom Preis nicht!

Gemeindeabstimmungen Stadt Zürich

  • Lagerstrasse, Abschnitt Lang- bis Kasernenstrasse, Strassenneugestaltung, Landerwerb, Lärmsanierung, Objektkredit von 16,69 Millionen Franken: keine Empfehlung
    Da diverse Velowegsituationen in der Stadt Zürich bei vergleichbaren Vorlagen (Schmiede Wiedikon, Hardbrücke, generell gemeinsame Führung von Velo- und Fussgängerbereichen) absolut unbefriedigend gelöst wurden und zudem die Argumente der AL zum Referendum angesichts der legeren und vieles offen lassenden Antworten in der Abstimmungszeitung einiges an Fragen aufwerfen, mag ich mich nicht zu einer Abstimmungsempfehlung durchringen.

    Als kleine Hilfe biete ich hier einen Zufallsabstimmungsparolengenerator an. Dieser ergibt für diese Vorlage, 40 and $zufall <= 85) $empf = "NEIN"; if ($zufall > 85 and $zufall <= 95) $empf = "nichts"; if ($zufall >= 95) $empf=“etwas ungültiges“;
    echo $empf.“ „;
    ?>auf den Abstimmungszettel zu schreiben (diese Empfehlung wird bei jedem Aufruf der Seite zufällig ermittelt).

  • Neuregelung der Zusammensetzung des Büros des Gemeinderats, Änderung der Gemeindeordnung: Ja

Erste Fassung 27.10.2013, Anpassung 16.11.2013

The post Abstimmungsempfehlungen – Volksabstimmung 24. November 2013 first appeared on umweltnetz.ch.]]> 5520 Welchen Wert hat Arbeit? Einmal mehr für 1:12, bedingungsloses Grundeinkommen für alle https://www.umweltnetz.ch/content/welchen-wert-hat-arbeit-einmal-mehr-fur-112-bedingungsloses-grundeinkommen-fur-alle Sun, 24 Mar 2013 19:31:47 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=5134 Der (zwar inhaltliche falsche) Entscheid zur Pseudo-Abzocker-Initiative, die Debatte über die 1:12-Initiative der JUSO, die Unterschriftensammlung zur Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen zeigen, dass die Debatte über Arbeit, dabei speziell die bezahlte Arbeit, nach wie vor hochgradig tabuisiert ist. Gerade die endlosen Debatten über die zahlungsunfähigen Volkswirtschaften einzelner Euro-Länder zeigen, dass die aktuellen Gesellschaften noch … „Welchen Wert hat Arbeit? Einmal mehr für 1:12, bedingungsloses Grundeinkommen für alle“ weiterlesen

The post Welchen Wert hat Arbeit? Einmal mehr für 1:12, bedingungsloses Grundeinkommen für alle first appeared on umweltnetz.ch.]]> Der (zwar inhaltliche falsche) Entscheid zur Pseudo-Abzocker-Initiative, die Debatte über die 1:12-Initiative der JUSO, die Unterschriftensammlung zur Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen zeigen, dass die Debatte über Arbeit, dabei speziell die bezahlte Arbeit, nach wie vor hochgradig tabuisiert ist. Gerade die endlosen Debatten über die zahlungsunfähigen Volkswirtschaften einzelner Euro-Länder zeigen, dass die aktuellen Gesellschaften noch weit von einer nachhaltigen Wirtschaftsweise entfernt sind.

Gibt es eine gerechte, eine richtige Entlohnung für Erwerbsarbeit? Auch wenn die Pseudo-Abzocker-Initiative letztlich ausschliesslich die Rechte der AktionärInnen (sogar auf das Abzocken) stärkt, ist der hohe Ja-Anteil in der Volksabstimmung vom 3.3.2013 als Votum der Mehrheit der Stimmberechtigten zu interpretieren, dass ein grosses Unbehagen über das Geldsystem als solches vorhanden ist.

Es ist davon auszugehen, dass ein erheblicher Teil dieser Ja-Stimmenden der Ansicht ist, dass die Supergehälter einiger ganz weniger Menschen im Verhältnis zum eigenen Lohn, aber auch im Verhältnis zu den Erwerbseinkommen anderer Arbeitstätiger zu tief sei, dürfte die gleiche Mehrheit aber durchaus zufrieden sein mit dem eigenen Lohn. Schliesslich hängen Glück und Zufriedenheit nachweislich nicht direkt mit dem verfügbaren Einkommen zusammen.

Die Debatte über die 1:12-Initiative zeigt, dass das Verhältnis von eins zu zwölf von tiefsten zum höchsten Einkommen bei der überwiegenden Zahl von Unternehmen, vor allem der Vielzahl kleinerer und mittlerer Unternehmen weitab der Realität ist – eins zu vier, eins zu sechs sind durchaus üblich – allenfalls mit Ausnahme von Hilfsfunktionen beim Reinigungspersonal. Die Stadt Zürich nach statistischen Kriterien sicher nicht mehr als KMU zu bezeichnen, hat die Lohnskala veröffentlicht – von einem jährlichen Brutto-Minimum-Lohn von 47’513 CHF bis zu einem solchen von maximal 244’759 CHF, das ist ein Verhältnis von 1 zu 5.15 (Stand 1.4.2012).

Die Frage bleibt selbst bei solchen eher geringen Spreizungen: ist es tatsächlich gerechtfertigt, dass es Arbeit geben soll, die fünf Mal mehr Wert hat als andere?

Die Lohnskala der Stadt Zürich umfasst 18 Funktionsstufen – bis zu einem gewissen Grad werden in dieser Skala auch hierarchische Denkmuster sichtbar. Dies wird bei Gross- und Grösstunternehmen, insbesondere bei den Multis, den multinationalen Unternehmen, noch viel ausgeprägter. Offen bleibt dabei die Frage, ob die Tätigkeit je nach Hierarchiestufe tatsächlich einen massgeblichen Einfluss auf das finanzielle Ergebnis eines Unternehmens hat. Die NZZ stellt seit einiger Zeit Führungskräften 33 Fragen – Moritz Lechner, Co-Geschäftsführer der Sensirion AG, Stäfa, hat als wichtigste Tugenden von Vorgesetzten Fairness und Ehrlichkeit, die konstruktive Zusammenarbeit mit Respekt für jeden Mitarbeitenden und das konstante Streben nach einer Topleistung genannt – und diese als besonders wertvolle Eigenschaften aller Mitarbeitenden bezeichnet.

Jobratgeber beschäftigen sich regelmässig mit den Faktoren, die für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz massgebend sind, zum Beispiel:

  • Herausforderung: Meine Arbeit fordert mich, ohne zu überfordern.
  • Anerkennung: Ich erhalte Anerkennung für meine Arbeit.
  • Wirksamkeit: Was ich tue hinterlässt Spuren, trägt Früchte.
  • Geborgenheit: Ich fühle mich als anerkanntes Mitglied einer Gruppe, bin Teil eines größeren Ganzen.
  • Talente: Ich kann meine Stärken und Talente in meiner Arbeit ausleben.

Nun, selbst wenn die MillionenverdienerInnen diese Tugenden besser erfüllen sollten und zufriedener mit Ihrer Arbeit wären als die durchschnittliche LohnempfängerIn, ist und bleibt die Frage, wie die aktuellen Lohnscheren, nicht erst 1:12, mit welchen ethischen und moralischen Begründungen auch immer, gerechtfertigt werden.

Als ein weiterer Aspekt: selbst „WenigverdienerInnen“ in der Schweiz weisen einen überdurchschnittlich grossen ökologischen Fussabdruck auf im Vergleich zum Durchschnitt der Weltbevölkerung, sie können also mehr von dieser Erde beanspruchen, als ihnen zusteht. Schon dies ist bereits heute nicht zu rechtfertigen oder verantworten, da geht es mit Sicherheit nicht um Neid. Die GrösstverdienerInner gehen definitiv als ökologische Monster durch die Welt, dies kann durch nichts, aber durch wirklich nichts begründet werden – dies hat definitiv nichts mit Neid zu tun. Hier ist Handeln dringend.

Nach Teamsters verdienen die 150 Mio am schlechtesten verdienenden Menschen in Amerika soviel wie die 400 am meisten verdienenden Menschen – ein Verhältnis von eins zu 375’000. P.S. Da die USA gemäss Statistik 144.5 Mio Erwerbstätige hat, dürfte sich „Amerika“ auf Amerika (Nord- und Südamerika) und nicht die USA beziehen.

Ein gerechter, ein richtiger Lohn ist kaum möglich. Es gibt zudem viele Arbeit, die letztlich unbezahlbar ist – auf Dauer und als zentrale gesellschaftliche Weiterentwicklung ergibt sich nur eine Möglichkeit: bedingungsloses Grundeinkommen für alle! Als weiteren sicher mehr als symbolischen Schritt gehört dazu auch das Ja zur Initiative 1:12 für gerechtere Löhne.

The post Welchen Wert hat Arbeit? Einmal mehr für 1:12, bedingungsloses Grundeinkommen für alle first appeared on umweltnetz.ch.]]> 5134 Pseudo-Abzocker-Initiative: manipulative Empörungsbewirtschaftung https://www.umweltnetz.ch/content/pseudo-abzocker-initiative-manipulative-emporungsbewirtschaftung Tue, 05 Feb 2013 20:57:52 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=4969 „Ich habe nie gesagt, dass mein Ziel die Senkung der Löhne sei.“ – „Ich will schlicht den Aktionären die Verantwortung für das Vergütungsniveau geben.“ – „Wenn die Aktionäre Firmengeld verschwenden, indem sie überrissene Bezüge bewilligen, ist das ihr Problem.“ – Diese Sätze sind in einem NZZ-Beitrag vom 5. Februar 2013 – zitiert (und übersetzt) hat … „Pseudo-Abzocker-Initiative: manipulative Empörungsbewirtschaftung“ weiterlesen

The post Pseudo-Abzocker-Initiative: manipulative Empörungsbewirtschaftung first appeared on umweltnetz.ch.]]> „Ich habe nie gesagt, dass mein Ziel die Senkung der Löhne sei.“ – „Ich will schlicht den Aktionären die Verantwortung für das Vergütungsniveau geben.“ – „Wenn die Aktionäre Firmengeld verschwenden, indem sie überrissene Bezüge bewilligen, ist das ihr Problem.“ – Diese Sätze sind in einem NZZ-Beitrag vom 5. Februar 2013 – zitiert (und übersetzt) hat sie die NZZ aus einem Interview mit Thomas Minder, Hauptinitiant der Pseudo-Abzocker-Initiative, in der Westschweizer Zeitung „Le Temps“. Manipulator Minder und Möchtegern-Blocherli 2 hat es also geschafft, die Öffentlichkeit über seine wahren Beweggründe im Unklaren zu lassen: ihm geht es bloss darum, dass die AktionärInnen z.B. hemmungslos abzocken dürfen, und die oberste Spitze von Unternehmen nur mit besonderer Billigung durch die AktionärInnen.

Die Abzockerei könnte also trotz Initiative weitergehen, eine Initiative mehr, die nicht das bringt, was den Stimmberechtigten vorgegaukelt wurde. Selber dumm, wer jetzt noch ein Ja zur Pseudo-Abzocker-Initiative in die Urne legt – ich zitiere einmal mehr Rudolf Strahm (‚Ich halte den realen Schaden der Initiative für die Stabilität der Industriefirmen für grösser als der Vorteil, den sie uns verspricht. ‚) und Ulrich Thielemann (‚Es ist aber auf jeden Fall besser, so meine ich, die Initiative zu verwerfen.‘).

Wirkung in Sachen gerechte(re) Entschädigung für die geleistete Arbeit wird erst die 1:12-Initiative der JUSO ermöglichen! Noch mehr bringt die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle!

The post Pseudo-Abzocker-Initiative: manipulative Empörungsbewirtschaftung first appeared on umweltnetz.ch.]]> 4969 Absage an den Populismus – weiterhin Nein zur Pseudo-Abzocker-Initiative https://www.umweltnetz.ch/content/absage-an-den-populismus-weiterhin-nein-zur-pseudo-abzocker-initiative Fri, 18 Jan 2013 17:18:47 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=4659 Ich habe die Abzocker-Initiative von Jetzt-Ständerat Thomas Minder schon immer als Populismus bezeichnet – da geht es nur darum, an der Unternehmensdemokratie vorbei die Rechte der AktionärInnen zu bestärken und ihnen eine höhere Eigenkapitalrendite zu ermöglichen (darum mein schon etwas älterer Beitrag „Abzocker unter sich„). Thomas Minder ist also weder ein neuer Wilhelm Tell oder … „Absage an den Populismus – weiterhin Nein zur Pseudo-Abzocker-Initiative“ weiterlesen

The post Absage an den Populismus – weiterhin Nein zur Pseudo-Abzocker-Initiative first appeared on umweltnetz.ch.]]> Ich habe die Abzocker-Initiative von Jetzt-Ständerat Thomas Minder schon immer als Populismus bezeichnet – da geht es nur darum, an der Unternehmensdemokratie vorbei die Rechte der AktionärInnen zu bestärken und ihnen eine höhere Eigenkapitalrendite zu ermöglichen (darum mein schon etwas älterer Beitrag „Abzocker unter sich„). Thomas Minder ist also weder ein neuer Wilhelm Tell oder eine Art Robin Hood, er ist und bleibt ein Kapitalist. Dass nun Economiesuisse die Nein-Kampagne zur Initiative verantwortet und auch Nationalrat Christoph Blocher gegen die Initiative ist, ändert nichts an meinem Nein zu diesem Populismusansatz.

Seit Jahren macht es sich ein Teil der Politlandschaft (inklusive grössere Parteien wie SP und Grüne) ziemlich einmal: die Abstimmungsparolen sind „anders als Blocher“ oder auch „anders als die Economiesuisse„. Selbst dann, wenn die Akteure sich – wie Thomas Minder – als „Blocherli 2“ versuchen, sich also als Autokraten aufspielen und mit viel Geld demokratische Entscheide kaufen wollen, braucht es eine eigenständige Position, unabhängig von „Blocherli 1“ und Economiesuisse.

Die Minder-Pseudo-Gegen-Abzocker-Initiative will, dass der Staat die Vorgaben für Kompetenzregelungen in Unternehmen vorgibt. Schon jetzt wäre es in der Entscheidungsmacht der Aktionärsversammlung gewesen, die Statuten im Sinne eines stärkeren Einflusses der AktionärInnen zu beeinflussen. AktionärInnen hätten zudem die Möglichkeit gehabt, ihre Aktien zu veräussern, wenn sie mit ihrer Einflussmöglichkeit nicht einverstanden gewesen wären. Hier ist einmal mehr festzuhalten, dass sich Aktien nicht als Ersatz des Sparkontos eignen: Aktien sind das Risikokapital eines Unternehmens, wer sich den Totalverlust des einbezahlten Aktienkapitals wirtschaftlich nicht leisten kann, hat die Finger von finanziellen Engagements in Aktiengesellschaften zu lassen; das gilt im Übrigen ausdrücklich auch für Pensionskassen. So einfach ist die ganze Angelegenheit. Es kann und darf nicht Aufgabe des Staates sein, in das Verhältnis der obersten Organe eines Unternehmens (oberstes Management, Verwaltungsrat, Aktionarat) lenkend Einfluss zu nehmen. Es ist nicht angemessen und (mehrheitlich unberechtigt) die Macht des Aktionarats übermässig zu erhöhen – derartige Veränderungen sind den Organen eines Unternehmens selbst zu überlassen (und derartige Statutenanpassungen sind bereits heute möglich, sie müssen allerdings eine Mehrheit in der Generalversammlung finden). Nochmals: bei dieser Initiative geht es darum, dass die Abzocker unter sich bleiben, der Staat aber die Spielregeln unter diesen (allenfalls nur potentiellen) Abzockern zugunsten der AktionärInnen verändert. Darum kann es nur ein Nein zu dieser Initiative geben (eigentlich wäre auch der Gegenvorschlag nicht nötig).

Tatsächlich gegen die Abzockerei wirkt einzig die 1:12-Initiative der JUSO „Für gerechte Löhne“: eine maximale Lohnspannbreite zwischen dem tiefsten und höchsten Lohn in einem Unternehmen von 1:12 soll in der Verfassung verankert werden – niemand soll in einem Jahr weniger verdienen als der Top-Manager im gleichen Unternehmen in einem Monat verdient! (Kursiv: Zitate von der Internet-Seite der JUSO)

Ich zitiere hier meinen Beitrag Abzocker unter sich: die 1:12-Initiative setzt sozial- und gesellschaftspolitische Zeichen – und das ist genau das, was sowohl Herr Minder wie Herr Blocher nicht wollen. Und darum hoffen, mit einer populistischen Änderung [das gilt sowohl für die Minder-Initiative wie für den Gegenvorschlag] der Spielregeln zwischen AktionärInnen und Topmanagement die politische Diskussion über die Lohnschere verhindern zu können.

Ich bleibe dabei – auch wenn auf meinem Stimmzettel am 3. März 2013 das Nein zu dieser Initiative die gleichen vier Buchstaben sind wie auf den Stimmzetteln von Herrn Blocher und (wahrscheinlich) der Economiesuisse-Verantwortlichen: Nein zur Pseudo-Abzocker-Initiative des populistischen Autokraten Thomas Minder!


Nachtrag 18.1.2013: Rudolf Strahm zeigt auf, wie fahrlässig die Pseudo-Abzocker-Initiative ist – die Abwehr von Heuschrecken, ein Aspekt der abzockenden AktionärInnen, ist kaum mehr möglich, obwohl es ziemlich viele „Heuschrecken“ gibt. Und die Verhinderung der mit der Initiative gemeinten Abzockerei ist durchaus fraglich. Eben: eine populistische Initiative.


Nachtrag 19.1.2013: Etwa 1200 grosse Unternehmen gibt es in der Schweiz (Zahlen 2008). Das Ja-Komitee listet seit 2001 32 „Abzocker“ auf, muss aber zugeben, dass die meisten der diesen „Abzockern“ ausbezahlten Entschädigungen einvernehmlich festgesetzt wurden, in der überwiegenden Zahl von Fällen in den ordentlichen Kompetenzen der zuständigen Gremien. Oder anders: die Pseudo-Abzocker-Initiative hätte in nicht einmal einer Handvoll der vom Ja-Komitee gelisteten Fälle (alle liegen weit zurück) irgendwelche Konsequenzen gehabt.

Das Einkommen etwa von Novartis-Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella kann bestenfalls als phantasievoll bezeichnet werden. Novartis hat einen Umsatz von gegen 60 Mia Dollar, etwa ein Viertel davon Reingewinn. Sind die genannten 20 bis 30 Mio Franken Geldfluss von Novartis zu Vasella – also im Promillebereich (oder jede Sekunde eines Jahres erhält Herr Vasella fast einen Franken) – angemessen? Diese Frage kann nicht wirklich beantwortet werden – die Mehrzahl der stimmenden AktionärInnen ist der Meinung, dass dies korrekt ist so. Die Wirtschaft ist ein hierarchisches, ein kapitalistsiches System, gerade bei Novartis können sich die AktionärInnen nicht beklagen, Zitat aus dem Novartis-Internet: „Dies ist die 15. Erhöhung der Dividende pro Aktie in Folge seit der Gründung von Novartis im Dezember 1996.“ – „Basierend auf dem Jahresendkurs 2011 von CHF 53,70 ergibt sich eine Dividendenrendite von 4,2% (2010: 4,0%).“

Die Kritik an den Abzockern ist letztlich eine fundamentale Kritik am kapitalistischen System. Nicht nur Giacobbo/Müller erwähnen – im Sinne von Realsatire – regelmässig das SP-Parteiprogramm, welches die „Überwindung des Kapitalismus“ fordert – die Reaktion der übrigen Parteien ist dabei ziemlich heftig und eindeutig.

Die Minderinitiative ist also ausgerichtet auf einige wenige atypische Fälle im Jahr – und nimmt dafür in Kauf, dass Aktiengesellschaften, gerade grosse Aktiengesellschaften noch viel stärker als bis anhin von „Finanzheuschrecken“ ausgenommen werden können.

Das heisst: die Pseudo-Abzocker-Initiative ist abzulehnen – dafür braucht es ein Ja zur 1:12-Initiative der JUSO und eine Unterschrift zur Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle.

Erste Fassung 13.1.2013

The post Absage an den Populismus – weiterhin Nein zur Pseudo-Abzocker-Initiative first appeared on umweltnetz.ch.]]> 4659 Abzocker unter sich https://www.umweltnetz.ch/content/abzocker-unter-sich Sat, 20 Feb 2010 14:08:15 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=1754 Eidgenössische Volksinitiative gegen die Abzockerei nennt sich die populistische Initiative von Trybol-Chef Thomas Minder. Leider ist dieser Initiativ-Titel unvollständig – „durch das Topmanagement“ müsste noch dazugefügt werden. Es geht also Herrn Minder darum, die Abzockmöglichkeiten der AktionärInnen zu verbessern. Dies dürfte auch ausschlaggebend dafür sein, dass Herrn Alt-Nationalrat Blocher einen Teil der Initiativ-Bestimmungen in einen … „Abzocker unter sich“ weiterlesen

The post Abzocker unter sich first appeared on umweltnetz.ch.]]> Eidgenössische Volksinitiative gegen die Abzockerei nennt sich die populistische Initiative von Trybol-Chef Thomas Minder. Leider ist dieser Initiativ-Titel unvollständig – „durch das Topmanagement“ müsste noch dazugefügt werden. Es geht also Herrn Minder darum, die Abzockmöglichkeiten der AktionärInnen zu verbessern. Dies dürfte auch ausschlaggebend dafür sein, dass Herrn Alt-Nationalrat Blocher einen Teil der Initiativ-Bestimmungen in einen indirekten Gegenvorschlag integrieren will.

Herr Blocher ist derzeit in erster Linie Aktionär, da interessiert ihn persönlich nur noch, wie sich die Aktionärsrechte verbessern und die Eigenkapitalrendite maximieren lässt. Auch wenn es zutrifft, dass die Boni des Topmanagements unanständig, ja volkswirtschaftlich schädlich sind, die die von AktionärInnen angestrebten Eigenkapitalrenditen deutlich über der Wuchergrenze mindestens so unanständig und ebenso schädlich!

Mit anderen Worten: ob Topmanagement oder AktionärInnen – beide unterliegen der Versuchung der Abzockerei. Herr Minder und Herr Blocher wollen die Abzockmöglichkeiten der AktionärInnen mit dem Hinweis auf die dringend notwendige Beschränkung respektive Verminderung der Boni des Topmanagements verbessern. Da dies die meisten Stimmberechtigten so oder so nicht betrifft, und es durchaus auch AktionärInnen mit wenigen Aktien gibt, trifft diese Initiative die Volks“seele“ – reiner Populismus also, auch wenn damit letztlich nur Gelder zwischen potentiellen AbzockerInnen verschoben werden. Objektiverweise ist es unter sämtlichen Gesichtspunkten falsch, derartige Bestimmungen über demokratische und rechtsstaatliche Instrumente zu regeln – dies ist ausschliesslich über den Markt respektive den Interessensausgleich zwischen Aktionariat und Unternehmensleitung zu regeln, in den Unternehmensstatuten letztlich. Einmal mehr will also hier Herr Blocher, assistiert von Herrn Minder, die Volksrechte missbrauchen, um seinen ganz individuellen Profit zu maximieren.

Es mag sein, dass durch die verstärkten Mitbestimmungsmöglichkeiten der AktionärInnen die resultierenden Spitzengehälter des Topmanagements etwas reduziert werden – was bleibt, ist die massive Lohnspanne in grösseren Unternehmen zwischen den SpitzenverdienerInnen und den am schlechtest verdiendenden Mitarbeitenden. Hier geht es nicht um die optimierte Gewinnmaximierung zwischen zwei potentiellen Abzock-Maximierern, sondern um eine echte und real existierende Sozialpartnerschaft. Da bringt einzig die 1:12-Initiative der JUSO „Für gerechte Löhne“ eine zweckmässige Verbesserung: eine maximale Lohnspannbreite zwischen dem tiefsten und höchsten Lohn in einem Unternehmen von 1:12 soll in der Verfassung verankert werden – niemand soll in einem Jahr weniger verdienen als der Top-Manager im gleichen Unternehmen in einem Monat verdient! (Kursiv: Zitate von der Internet-Seite der JUSO)

Nun, ob dieses Verhältnis 1:12 tatsächlich angemessen ist oder ob nicht noch eine viel flächere Lohndifferenzierung angezeigt wäre, ist hier nicht von Bedeutung. Zentral ist: diese Initiative setzt sozial- und gesellschaftspolitische Zeichen – und das ist genau das, was sowohl Herr Minder wie Herr Blocher nicht wollen. Und darum hoffen, mit einer populistischen Änderung der Spielregeln zwischen AktionärInnen und Topmanagement die politische Diskussion über die Lohnschere verhindern zu können. Da gibts nur eins: 1:12 möglichst rasch unterschreiben!

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