Die Schweiz steht nicht nur in „guten“ Ratings ziemlich zuoberst: sie ist weit davon entfernt, nachhaltig unterwegs zu sein! Jørgen Randers lässt in seinem Buch „2052 – Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre“ den australischen, in Europa lebenden Diplomaten Paul Hohen zu Wort kommen, mit einem virtuellen Rückblick vom Jahr 2052 aus. Er schreibt: „Leiden des Übergangs: In allen entwickelten Ländern brachte die Verschiebung von durch fossile Rohstoffe angetriebenem Wachstum hin zu nachhaltiger Entwicklung heftiges soziales und ökonomisches Leid mit sich.“
Im Gespräch mit vielen Menschen nehme ich wahr, dass ein hoher Anteil von Menschen – aus verschiedenen Kreisen – für sich alleine weiss, dass unsere Gesellschaft auf viel zu grossem Fuss lebt, wir uns den aktuellen Lebensstil gar nicht leisten können (und auch nicht sollten). Nur eben: auf der „Insel“ der hohen Rankings lebt es sich gut, sehr gut sogar – die Zuzüge aus dem Ausland sprechen da eine deutliche Sprache. Von sich aus und erst noch alleine mag kaum jemand sich auf den Weg machen in Richtung Nachhaltigkeit. Es handelt sich dabei um einen komplexen Vorgang – der Sozialethiker Otto Schäfer schreibt vom Abschiednehmen von der Verschwendung!
Ängste sind bedeutungsvoll, sie sind aber schlechte RatgeberInnen. Das Abschiednehmen von der Verschwendung lässt sich allenfalls herauszögern. Je schneller die Schweiz von den fossilen und nuklearen Energieträgern loskommt, desto einfacher ist es, diesen Übergang aus der aktuellen (relativen) Stärke heraus – siehe Rankings – gesellschaftsverträglich gestalten zu können. Es braucht dazu auch eine Energiepolitik von unten – und so rasch als möglich ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle!
Zu diesem energiepolitischen Übergang passen zwei andere Themen aus der Zeit des Jahresübergangs – einerseits die Artikel über Eingriffe in die Studienwahl, andererseits die Frage, ob es mit dem Wachstum vorbei sei.
Ein Studium – wie hoffentlich auch andere Berufsausbildungen – sollen die Auszubildenden befähigen, relevante Beiträge zur Lösung aktueller Fragestellungen leisten zu können. Dazu gehört immer ein Grundstock an Fach- und Sachwissen. Zentraler sind aber Kenntnisse über methodische Arbeitsweisen und die Möglichkeiten des Wissensmanagement, zusammen mit Befähigungen im Selbstmanagement. „Lebenlanges Lernen“ ist angesagt, Inter- und Transdisziplinarität ist erforderlich. Oder anders: Menschen, die ein Erwerbsleben lang ausschliesslich von den Inhalten des Grundstudiums leben können, gibt es nicht – dauernde Aus- und Weiterbildung ist zwingend.
Sowohl die Energiewende wie übergeordnet das Abschiednehmen von der Verschwendung erfordern Kenntnisse aus einer Vielzahl von Fachbereichen – und es braucht nicht nur naturwissenscahftliche/technische Kenntnisse, sondern zum Beispiel solche in Umweltpsychologie und -soziologie, Marketing, Recht, Kommunikation …
Auch wenn Aussagen über die zukünftige technologische Entwicklung eine ziemlich wacklige Angelegenheit sind, fällt es auch, wenn verschiedene Denker (leider dieses Mal keine Innen) zu ähnlichen Schlüssen kommen und davon ausgehen, dass sich die Nutzen der ersten und zweiten „Industriellen Revolution“ nicht beliebig wiederholen lassen, was auch von begrenztem Nutzen wäre, weil das zweite und dritte Smartphone usw wenig Sinn machen.
Einmal mehr eine ganze Reihe von Aspekten, die zum Schluss führen, dringlich den Weg in Richtung harter Nachhaltigkeit anzugehen!
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Der Regierungsrat führt seinen verqueeren Gedankengang noch weiter aus: Solche [Suffizienzgebote und entsprechende Verbote] würden die Entwicklung des Kantons Zürich in einem zum heutigen Zeitpunkt kaum zu rechtfertigenden Ausmass beeinträchtigen. Auch der Kanton Zürich ist analog zur Entwicklung der Schweiz weiterhin auf nicht-nachhaltigem Kurs. Auch die ZürcherInnen und Zürcher haben (wie viele andere selbstverständlich) mit dazu beigetragen, dass am 22. August 2012, am so genannten „Earth Overshoot Day„, die Menschheit alle Ressourcen aufgebraucht hat, die die Erde einem Jahr bereit stellen kann (siehe dazu auch mein Blogbeitrag „Zornigere Grünere„). Auch hier wieder: zusammen mit anderen wohlhabenden Bewohnerinnen tragen die ZürcherInnen übermässig zu diesem deutlich übergrossen ökologischen Fussabdruck bei.
Suffizienz ist schon lange ein Thema, selbst in meinem Blog gehen die ersten Beiträge dazu auf das Jahr 2004 zurück: Wirtschaftswachstum? Nein! Suffizienz ist angesagt! Mit seiner Antwort gibt der Regierungsrat zu erkennen, dass er als einzigen gesellschaftlich relevanten Indikator das (zynische) BIP betrachtet – und damit dafür plädiert, noch mehr Verschwendung zu betrieben, so richtig auf Oekosau zu machen.
Der Hinweis auf das „freiheitliche Gesellschaftssystem“ trägt mit zu dieser zynischen Haltung des Regierungsrates bei. Freiheit hat immer Rechte und Pflichten, Freiheit muss verdient sein. Klar ist auch, dass die eigene Freiheit immer Auswirkungen hat auf die Freiheit anderer – die goldene Regel der Ethik, beispielsweise in der Formulierung des Kantschen Imperativs „tue andern nur das an, was Du bereit bist zu akzeptieren, wenn andere es Dir antun“ ist immer zu respektieren und umzusetzen. Nach wie vor ist die übermässig nicht-nachhaltige Schweiz abhängig von Atomenergie und fossilen Energieträgern – und hat noch keinen glaubwürdigen Weg zu einer nuklear- und fossilfreien Energiezukunft beschlossen, im Gegenteil. Wie bereits mehrfach gezeigt, ist etwa der gesamte Komplex Atomenergienutzung nicht mit einem demokratischen Rechtsstaat zu vereinbaren, und auch die Nutzung von fossilen Energieträgern als Brenn- und Treibstoffe ist alles andere als nachhaltig. Zur Illustration: am 30. August 2012 war zu lesen, dass im Golf von Mexiko ein „gigantisches“ Ölfeld entdeckt wurde, mit „bis zu 400 Millionen Fass Öl„. Zur Klarheit: dieses „gigantische“ Ölfeld verlängert die Reichweite der bekannten Erdölvorräte gerade mal um viereinhalb Tage – dieses Öl reicht in der Schweiz beim aktuellen Verbrauch für etwa viereinhalb Jahre. Im Übrigen: die Erdölförderung im Golf von Mexiko hat vor etwa zwei Jahren erheblich für Schlagzeilen gesorgt.
Gerade das „freiheitliche Gesellschaftssystem“ MUSS die Suffizienz fördern – weder die Abhängigkeit der Schweiz von endlichen Ressourcen noch die globalen Bedingungen zur Nutzung endlicher Ressourcen dienen der Freiheit. Auch der Kanton Zürich muss sich darauf einstellen, dass nicht mehr das BIP, sondern das globale Wohlergehen das Mass aller Dinge ist.
Bereits propagiert wurde der Lebensstil der bewussten Suffizienz: LOVOS – Lebensstil der freiwilligen Einfachheit. Mit seiner Antwort bestreitet der Regierungsrat die gesellschaftliche Legitimität dieses Lebensstils, auch wenn es sich um einen freiwilligen Lebensstil handelt, weil „freiwillig einfacher“ eine BIP-vermindernde Wirkung hat. Definitiv: die Antwort des Regierungsrat hat ein absurdes Verständnis eines freiheitlichen Gesellschaftssystems. Der Regierungsrat beabsichtigt offenbar, die Menschen zum Überfluss zu zwingen, selbst wenn diese dies nicht wollen! Einfach ein Beleg mehr dafür, dass der Zürcher Regierungsrat nicht wirklich zukunftsgerichtet ist, um es wohlwollend auszudrücken.
Als Wiederholung, Suffizienz, LOVOS als Lebensstil freiwilliger Einfachheit gehört die Zukunft, unabhängig davon, was der Zürcher Regierungsrat beabsichtigt!
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