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Religion | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Wed, 26 Dec 2012 21:35:11 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 44487214 Hedonistischer Absolutismus – anarchistische Monarchien https://www.umweltnetz.ch/content/hedonistischer-absolutismus-anarchistische-monarchien https://www.umweltnetz.ch/content/hedonistischer-absolutismus-anarchistische-monarchien#comments Sun, 23 May 2010 11:52:51 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=1910 Eine letztlich erschreckende Entwicklung: kaum passiert irgendwo irgendetwas, sind die Stimmen jener zu hören, die mit absoluter Gewissheit sagen, was (aus ihrer Sicht) Sache ist. Gerade demokratische Staaten zeichnen sich dadurch aus, dass sehr gut begründet die Gewalten geteilt sind – Legislative, Exekutive und Judikative haben ihre Zuständigkeitsbereiche. Der sich entwickelnde hedonistische Absolutismus ist einerseits … „Hedonistischer Absolutismus – anarchistische Monarchien“ weiterlesen

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Eine letztlich erschreckende Entwicklung: kaum passiert irgendwo irgendetwas, sind die Stimmen jener zu hören, die mit absoluter Gewissheit sagen, was (aus ihrer Sicht) Sache ist. Gerade demokratische Staaten zeichnen sich dadurch aus, dass sehr gut begründet die Gewalten geteilt sind – Legislative, Exekutive und Judikative haben ihre Zuständigkeitsbereiche. Der sich entwickelnde hedonistische Absolutismus ist einerseits eine Rückkehr ins Mittelalter, weil Vorverurteilung und Pranger zu prägenden Öffentlichkeitsinstrumenten werden, andererseits trägt dies zur gesellschaftlichen Beliebigkeit bei. Als Alternative für die Zukunft der Demokratische: anarchistische Monarchien.

Eine (wahrscheinlich nicht repräsentative) Befragung kommt zum Schluss, dass in der Schweiz die KatholikInnen der Kirche davon laufen. Auch wenn etwa Angebote wie die Zürcher Bahnhofkirche zeigen, dass das Bedürfnis nach „Seelsorge“ illustrieren, hat es die Institution Kirche – zu einem erheblichen Teil selbstverschuldet – sehr schwer in der heutigen Zeit. Es besteht zwar ein sehr grosser Bedarf an ethischen und moralischen Vorstellungen – aber der hedonistische Zeitgeist, exemplarisch am Lifestyle „LOHAS“ setzt dabei auf Selbstbedienung: individualisierte Patchwork-Ethik entspricht dem Zeitgeist. Einerseits ist dies eine Qualität, denn das Erarbeiten eines eigenständigen Weltbildes, Gedanken zur eigenen Position in dieser Welt – so etwas wie ein autonomes Gewissen – sind zentrale Elemente einer zukunftsgerichteten Gesellschaft. Andererseits ist gerade LOHAS der Hinweis darauf, dass die individuellen (hedonistischen) Ansprüche vor den Ansprüchen der Gesellschaft stehen – es fehlen die gemeinsamen Ziele, die „Global Goals“, oder sie sind wie beim Klimaschutz für den individuellen Bereich derart abstrakt, dass sie nicht zwingend zu plausiblen Handlungsanleitungen führen. Letztlich führt diese allgemeine Verunsicherung zu absurden Abwehrhaltungen – und eben den Spontanverurteilungen in den Medien.

Die institutionellen Kirchen als während Jahrhunderten prägende Ethik- und Moralverwaltungen (immer in Verbindung mit Machtansprüchen und ökonomischen Zwängen) haben schlicht die gesellschaftlichen Entwicklungen nicht wahrgenommen. Rund 467 Jahre liegt beispielsweise die katholische Kirche hinter der Realentwicklung zurück! Erst jetzt wurde mit Schaffung einer offiziellen Grabstätte für Nikolaus Kopernikus die heliozentrische Sicht des Universums auch tatsächlich anerkannt – als Beleg dafür, dass es möglich ist, Glaube und Wissenschaft zu vereinbaren. Dies ist umso bedeutsamer, als gerade das heliozentrische Weltbild auch den Hedonismus (bildlich der einzelne Mensch als Zentrum des Universums, mit den anderen Menschen, der gesamten Mit- und Umwelt als Satelliten) deutlich relativiert.

Insbesondere die katholische Kirche hat den Schritt von der machtorientierten absolutistischen und zentralistischen Institution zur demokratisch geprägten, an den ganzheitlichen Bedürfnissen der Menschen ausgerichteten Organisation nicht geschafft. Dazu kommt, dass verschiedene Vorgaben – beispielsweise „Masshalten“, Solidarität, … den hedonistischen Zeitgeistansprüchen nicht wirklich entsprechen – obwohl sie etwa durch den ökologischen Fussabdruck deutlich bestätigt werden. Diese Diskrepanz zwischen Zeitgeist und gesellschaftlicher Relevanz trägt generell zu einer Distanzierung der Menschen von ihrer „Geburtskirche“ bei. Wenn dann noch erschreckendes Fehlverhalten einzelner kirchlicher Mitarbeitender und der einfältige Umgang der Kirchen mit diesen Verfehlungen (Stichworte sexueller und anderer Missbrauch) dazu kommt, ist klar, dass diese Distanz auch zur definitiven Verabschiedung führen kann. Wenn einzelne kirchliche Vertreter dies nur auf die Kirchensteuer zurückführen, setzt dies die Einfältigkeit fort.
P.S. Eine der Schwierigkeiten der Kirchen ist die lange „Verweilzeit“ des himmlischen Bodenpersonals im Dienst – da kommt einiges an Altlasten zusammen. Als ein Beispiel: Während etwa in Frankreich nach wie vor ein Züchtigungsrecht für Eltern und Lehrkräfte besteht (in der Schweiz ist dieses auf die Eltern beschränkt), wurde im deutschen Bundesland Bayern die Prügelstrafe in Schulen erst 1980 abgeschafft – der damals aktive Pädagoge Walter Mixa wurde von den damals menschlich fragwürdigen aber juristisch zulässigen (und damit gesellschaftlichen akzeptierten) Prügelstrafen dreissig Jahre später eingeholt und musste als Bischof von Augsburg zurücktreten – öffentliche Vorverurteilung und Pranger liessen annehmen, Herr Mixa habe gerade erst gestern noch Schüler verprügelt. Da der in schon fast historischen Zeiten körperstrafende Mixa das typische Bild eines konservativen Kirchenhierachikers darstellt, ist zu hoffen, dass dieser erzwungene Rücktritt von der katholischen Kirche als Chance genutzt wird.

Immer wieder leisten Menschen mit starkem kirchlichen/religiösen Bezug wertvolle Beiträge zu gesellschaftlichen Fragestellungen, dies allerdings nicht immer mit dem Wohlwollen der Institutionen (damit ist NICHT ausgesagt, dass nur Menschen mit kirchlichem/religiösen Bezug solche Beiträge leisten können – wenn sich allerdings die Aktivitäten der FreidenkerInnen auf eine fragwürdige Plakataktion beschränken, ist dies nicht gerade ermutigend). Der Weltethos mit der treibenden Kraft von Hans Küng ist nur ein Beispiel für eine vielsprechende Zukunftsorientierung mit dem Blick auf „Global Goals“. Ebenso haben sowohl die politische Ökologie als auch der Fall der Berliner Mauer wesentliche Impulse durch christlich orientierte Menschen erfahren. Einen interessanten Aspekt bringt auch der (Kirchen-)Ethiker Otto Schäfer vor: er stuft den Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft als Abschied vom Erdölzeitalter ein – verbunden mit Trauer und Zuversicht. Für Otto Schäfer ist der Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft „die Möglichkeit eines neuen Lebensstils, der Weg der „Genügsamkeit“ und des „Ballastabwerfens“. Wir werden uns trennen müssen von liebgewonnenen Gewohnheiten“. Weg von den LOHAS hin zu LOVOS also!

Der hedonistische Hedonismus funktioniert auf diesem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft, aber auch für die „Post Oil“-Phase nicht mehr. Als Vorschlag: anarchistische Monarchien im Rahmen der Demokratie! Jede ihre eigene Königin, jeder sein eigener König – jede und jeder sowohl für das Ganze wie für sich selbst verantwortlich!

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Allgemeine Verunsicherung https://www.umweltnetz.ch/content/allgemeine-verunsicherung Sat, 01 May 2010 16:00:27 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=1888 Minarett-Verbot, Ganzkörperschleier-Verbot – die aktuelle Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Silvana Koch-Mehrin bringt es auf den Punkt: die von aussen sichtbaren Merkmale einzelner Glaubensrichtungen verunsichern sie, deshalb versteht sie Burka-Verbote wie in Belgien und fordert eine Ausweitung! „Verunsicherung“ hat eine gewisse Verwandtschaft mit „Angst“, welche bekanntlich als RatgeberIn untauglich ist. Es lohnt sich, der gegenwärtigen allgemeinen Verunsicherung … „Allgemeine Verunsicherung“ weiterlesen

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Minarett-Verbot, Ganzkörperschleier-Verbot – die aktuelle Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Silvana Koch-Mehrin bringt es auf den Punkt: die von aussen sichtbaren Merkmale einzelner Glaubensrichtungen verunsichern sie, deshalb versteht sie Burka-Verbote wie in Belgien und fordert eine Ausweitung! „Verunsicherung“ hat eine gewisse Verwandtschaft mit „Angst“, welche bekanntlich als RatgeberIn untauglich ist. Es lohnt sich, der gegenwärtigen allgemeinen Verunsicherung etwas nachzugehen.

Im Mai 2007 hat die DEZA – die Direktion des Bundes für Entwicklung und Zusammenarbeit die Broschüre „Die Schweiz in der Welt, die Welt in der Schweiz“ von Richard Gerster veröffentlicht. Ein Satz darin ist mir besonders aufgefallen: Unser heutiger Lebensstil basiert darauf, dass er anderen verwehrt bleibt. Klar ist: der Lebensstil der sogenannt reichen Länder dieser Erde geht zu Lasten späterer Generationen und anderer Weltgegenden. Blanker Zynismus ist es in einer solchen Situation, wenn sogenannte FreidenkerInnen postulieren: Sorg Dich nicht, geniess das Leben. Diese hedonistische Beliebigkeitsaufforderung bedingt beispielsweisen den „Heisshunger“ der Welt nach fossilen und nuklearen Energieressourcen – die Ölpest vor der US-Südküste, als Folge eines katastrophalen Unfalls der Tiefseebohrinsel Deepwater Horizon, in einer fast endlosen Reihe ähnlicher Vorfälle, ist die logische Konsequenz eines Lebensstils mit einem übermässigen ökologischen Fussabdruck.

Wahrscheinlich dürfte es nicht gelingen, in einem Konsens festzuhalten, was denn genau diesen Lebensstil ausmacht – etwas polemisch ist es sogar so, dass dieser Lebensstil geprägt ist durch die Optimierung der mittleren Unzufriedenheit einer pluralistischen Gesellschaft. Aus dieser Optik geht es darum, sämtliche prinzipiell randständigen gesellschaftlichen Interessensgruppen in einen Beliebigkeitskonsens einzubinden. Zur Illustration dient das Angebot der beiden Schweizer Grossverteiler Migros und Coop: Von „Slow Food“ über „Bio-Knospe Naturaplan“ und „Preis und Qualität“ bis zu „Prix Garantie“ oder „M-Budget“ gibts alles, was Kundschaft in die Läden lockt, damit diese via Cumulus oder Supercard kundengebunden werden können. Konsum als Beliebigkeitsangebot, obwohl längst bekannt ist, dass bewusster Konsum ein zentraler Aspekt eines nachhaltigen Lebensstils ist.

Ein relevanter Aspekt dieses nicht globalisierbaren Lebensstil ist die Maximierung der individuellen Freiheiten und Möglichkeiten zulasten des gesamtgesellschaftlichen Nutzens – bis zum trotz allem gesellschaftlich akzeptierten Exzess der Boni-Maximierung im Bankenbereich. Die Demokratie beschränkt sich letztlich darauf, den ökonomischen Ausgleich zwischen „Arbeitgebern“ und „Arbeitnehmern“ mehrheitsfähig zu machen. Das Problem dabei: grossen Teilen der gesellschaftlichen AkteurInnen ist bewusst, dass dieser Lebensstil nicht verallgemeinerbar ist, dass diese Gesellschaft zu einem letztlich unberechtigerweise privilegierten Teil der Menschheit gehört. Dieses Wissen ist ein wesentlicher Teil der allgemeinen Verunsicherung.

Als wichtige gesellschaftliche Errungenschaft gelten zu Recht die allgemeinen Menschenrechte. Es ist davon auszugehen, dass diese Menschenrechte aus der Optik und mit dem geschichtlichen und kulturellen Hintergrund der global betrachtet privilegierten Gesellschaften erstellt wurden. Die Geschichte zeigt, dass diese Menschenrechte insbesondere von relevanten Gruppen der islamischen Welt nicht als „allgemein“ wahrgenommen werden (ähnliches gilt somit auch für den Weltethos, welcher zwar von einer grossen Zahl von VertreterInnen von religiösen und nicht-religiösen Bekenntnissen unterzeichnet wurde, welcher aber in Europa entstanden ist). Da beispielsweise die Frage der Todesstrafe selbst bei engagierten VerfechterInnen der allgemeinen Menschenrechte umstritten ist, scheint es sehr unwahrscheinlich, einen globalen Konsens zu finden über verbindliche Menschenrechte. Ganzkörperschleier machen auch in Europa sichtbar, dass die hier als allgemein und global verstandenen Menschenrechte bei weitem nicht allgemein anerkannt sind. Dies trägt in erheblichem Umfang zur Verunsicherung bei.

Demokratische Systeme funktionieren nur, wenn auch die Machtausübung demokratisiert ist: MandatsträgerInnen sind abwählbar, sind Teil des Rechtsstaates (somit ist etwa die Willkür absoluter HerrscherInnen ausgeschlossen), auch wenn es eigentliche PolitikerInnen-Dynastien gibt, haben sich auch die einzelnen PolitikerInnen individuell dem Entscheid der WählerInnen zu stellen (eine Vererbung des Machtanspruchs ist ausgeschlossen). Demokratische Systeme erfordern die Konsensfindung – demokratisch gefasste Entscheide brauchen mindestens eine Stimme Mehrheit, selbst wenn diese Mehrheitsmeinung nicht der Auffassung der MandatsträgerInnen entspricht. Stabile Demokratien erfordern zudem, dass nicht systematisch immer die gleichen Gesellschaftsschichten in die Minderheit versetzt werden – wechselnde Koalitionen wie in der Schweiz oder mehr oder weniger regelmässig wechselnde Mehrheitsregierungen wie etwa in Deutschland, Frankreich oder Grossbritannien. Demokratische Systeme machen es zudem möglich, dass Meinungen und Positionen ohne langdauernden Gesichtsverlust für Parteien und PolitikerInnen verändert werden können.

Demgegenüber erfordern autokratische und hierarchische Systeme Gehorsam, Unterordnung (in Demokratien ist es – auch wenn gewisse Praktiken als „schlechtes Verlierertum“ als unschicklich gelten – Minderheiten möglich, andere Positionen zu vertreten, und gewisse Themen dadurch mit der Zeit mehrheitsfähig zu machen). Aus dies trägt zur Verunsicherung bei: dass es unabhängig von den anderslautenden Menschenrechten Menschen auf dieser Erde gibt, die bereit zu Gehorsam und Unterordnung sind.

Und dann die ganz grosse allgemeine Verunsicherung: ob sich letztlich demokratische oder Gehorsamkeits-/Unterordnungssysteme global betrachtet durchsetzen, ist offen – angesichts von diktatorischen Staaten wie China und den unbeholfenen Reaktionen der demokratischen Gesellschaften mit aus ökonomischen Gründen erfolgender Zurückhaltung bei kritischen Beurteilungen ist es fraglich, ob die Demokratie tatsächlich im Vorteil ist – dies gilt damit leider auch für die allgemeinen Menschenrechte.

Fazit: wenn echte und möglichst direkte Demokratie zum globalen Normalfall werden soll, dann muss sich zuerst der in vielen Demokratien vorherrschende Lebensstil des übergrossen ökologischen Fussabdruckes kräftig verändern. Es braucht einen demokratisch erreichten Lebensstil, welcher globalisierbar ist – der Lifestyle LOVOS „Lifestyle of Voluntary Simplicity“ bietet sich dafür an, und dazu braucht es keine Privilegien, die einem Teil der Menschheit verwehrt werden müssen! Dann fällt auch ein erster Teil der allgemeinen Verunsicherung weg – und es fällt wesentlich einfacher, diesen Lebensstil selbstbewusster und damit glaubwürdig gegenüber Gehorsamkeits- und Unterordnungssystemen zu vertreten, was es ermöglicht, die Vorteile einer nachhaltigen demokratisch geprägten deutlicher hervorzustreichen.

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Fragen zur Zukunft der katholischen Kirche https://www.umweltnetz.ch/content/fragen-zur-zukunft-der-katholischen-kirche https://www.umweltnetz.ch/content/fragen-zur-zukunft-der-katholischen-kirche#comments Sun, 14 Mar 2010 21:39:46 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=1820 Das Christentum ist eine der global prägenden Religionen mit einem hohen Anspruch an ethische und moralische Werte. Selbst wenn die Aufklärung ein ethisch-moralisches Weltbild ohne Gottesnotwendigkeit definiert, ist die Volkskirche – unter anderem durch die in Jahrhunderten gewachsene Verzahnung mit den regionalen Sitten und Gebräuchen, und die Verbundenheit mit den Vorfahren – für viele die … „Fragen zur Zukunft der katholischen Kirche“ weiterlesen

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Das Christentum ist eine der global prägenden Religionen mit einem hohen Anspruch an ethische und moralische Werte. Selbst wenn die Aufklärung ein ethisch-moralisches Weltbild ohne Gottesnotwendigkeit definiert, ist die Volkskirche – unter anderem durch die in Jahrhunderten gewachsene Verzahnung mit den regionalen Sitten und Gebräuchen, und die Verbundenheit mit den Vorfahren – für viele die ethisch-moralische Heimat geblieben. Kann gerade die katholische Kirche dies auch zukünftig noch sein?

Gerade in Ländern mit einer ausgeprägten demokratischen Tradition bereitet die ausgesprochen hierarchische Struktur der Kirche mit einem mehr als autokratisch regierenden Papst (dies hat im übrigen nichts mit Unfehlbarkeit zu tun, diese bezieht sich ausschliesslich auf einzelne Glaubensdogmen) erhebliche Schwierigkeiten. Wenn etwa im Bistum Chur wiederholt Bischöfe eingesetzt werden, die mit dem Glaubensverständnis und der Lebenswirklichkeit der Mehrheit ihrer Gläubigen kaum etwas anfangen können, sind Konflikte oder weitere Distanzierungen (sichtbar werdend an der Zahl von Krichenaustritten) nicht verwunderlich. Eine weltweite Organisation wie die katholische Kirche ist vom Prinzip her extrem konservativ und unflexibel. Wenn diese Kirche zudem kluge und vorausschauende Denker wie Hans Küng zumindest teilweise ausschliesst, und dafür immer wieder versucht, Kontakte zu reaktionären Kirchenkreisen, inklusive Holocaustleugern, wieder aufzunehmen, verschliesst sie sich von einer Weiterentwicklung, die nicht einfach durch den „Zeitgeist“ beeinflusst sind, sondern echte Sorge zu erkennen gibt. Gerade Hans Küng hat mehrfach gezeigt, dass die katholische Kirche nicht in der Lage ist, angemessen ethisch-moralische Glaubwürdigkeit zu vertreten. Stattdessen werden Kirchenmänner wie Marian Eleganti mit einer fragwürdigen Sektengeschichte zu verantwortlichen Bischöfen für einen geradezu nach gültigen Antworten auf zentrale Fragen des Lebens und Überlebens lechzenden Grossraum Zürich ernannt. Wie sollen da glaubwürdige Botschaften für Gegenwart und Zukunft entstehen? Und welche Menschen lassen sich unter solchen Verhältnissen wohl noch für den innerkirchlichen Dienst motivieren? Klar ist: je weiter sich die Volkskirche von der Lebensrealität gerade jüngerer Menschen entfernt, desto geringer wird ihre zukünftige Bedeutung sein. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sorgt also die katholische Kirche durch ihre aktuellen Strategien und Konzepte dafür, dass sie relativ zügig zur Bedeutungslosigkeit verkommen könnte.

Dass auch die katholische Kirche endlich damit konfrontiert wird, sich um die Verfehlungen zu kümmern, die v.a. einzelne ihrer Mitarbeiter mit dem eigentlich kirchenintern und -extern nach wie vor tabuisierten Umgang mit der Sexualität begangen haben, ist längst fällig (wobei davon auszugehen ist, dass die katholische Kirche durch ihre grosse Zahl von Mitarbeitenden sehr stark von Fällen von sexuellem Missbrauch betroffen ist – was allerdings nicht davon ablenken soll, dass sexueller Missbrauch überwiegend im familiären Umfeld erfolgt). Erschreckend, dass es Erziehung und Gesellschaftspolitik nicht geschafft haben/nicht schaffen, dass Kindern und Jugendliche in einem Umfeld, welches für ihr Wohlergehen verantwortlich ist, „Nein“ zu Übergriffen sagen können.

In welche Richtung muss sich die katholische Kirche entwickeln, damit sie – ohne gerade zeitgeistig zu werden – auch zukünftig relevante Beiträge mit ethisch-moralischer Glaubwürdigkeit zur Gestaltung der Gesellschaft beitragen kann?

  • Aus der katholischen Kirche muss eine Männer- und Frauenkirche werden. Die männerhierarchische Struktur hat sich definitiv überlebt. Eine echte Gleichberechtigung der Geschlechter ist so rasch als möglich zu realisieren!
  • Dass Bischöfe bis 75 im Amt bleiben, dass der Papst zwingend bis zum Tod im Amt bleibt, passt nicht mehr ins 21. Jahrhundert. Ganz einfach: Kein Antritt eines neuen Amtes nach 60, Aufgabe von Ämtern spätestens mit 67.
  • Der Entzug der Lehrbefugnis für Hans Küng ist sofort rückgängig zu machen. Gleichzeitig hat der Papst zu deklarieren, dass die katholische Kirche den Weltethos unterstützt.
  • Analog zu diversen Kantonalkirchen in der Schweiz ist weltweit das duale System einzuführen: neben dem hierarchisch organisierten Klerus ist eine staatskirchenrechtliche Struktur mit demokratischer Ausprägung einzurichten. Sämtliche hierarchischen Funktionen können nur besetzt werden, wenn diese demokratische Struktur der Besetzung zustimmt.
  • Sämtliche kirchlichen MitarbeiterInnen unterstehen strafrechtlich primär den staatlichen Organen des Arbeitsortes – wenn die Kirche zusätzlich zu den staatlichen Organen z.B. bei sexuellem Missbrauch urteilen will, hat sie dies NACH den strafrechtlich zuständigen staatlichen Instanzen zu tun.
  • Der Zwangszölibat ist abzuschaffen, aber als freiwillig mögliche Lebensform beizubehalten.

P.S. Mit Absicht wird hier auf Aussagen zu (metaphysischen) Glaubensinhalten verzichtet, deshalb gibt es auch keine Forderung zum Verzicht auf die Unfehlbarkeit.

P.S. Spätestens mit der sogenannten Buskampagne haben sich die Frei-DenkerInnen in hedonistischer Beliebigkeitgeübt – schade! Offenbar ist „gottlose“ Ethik noch nicht marktreif, denn auch auf der Internet-Seite finden sich vor allem Nein-Inhalte!

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Überzeugend und überzeugt – vom Klimaschutz bis zum Islam https://www.umweltnetz.ch/content/uberzeugend-und-ueberzeugt Sat, 12 Dec 2009 11:33:27 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=1502 Al Gore ist im Film „An Inconvenient Truth“ als überzeugender und überzeugter Botschafter für die Begrenzung des Mensch gemachten Klimawandels aufgetreten – er hat wesentlichen Anteil an der Bereitschaft vieler Menschen, sich für den Klimaschutz einzusetzen, sowohl generell-abstrakt als auch individuell-konkret im eigenen Verantwortungsbereich. Rhetorisch hervorragend, unterhaltsam, witzig hat er als Aufklärer sowohl im eigentlichen … „Überzeugend und überzeugt – vom Klimaschutz bis zum Islam“ weiterlesen

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Al Gore ist im Film „An Inconvenient Truth“ als überzeugender und überzeugter Botschafter für die Begrenzung des Mensch gemachten Klimawandels aufgetreten – er hat wesentlichen Anteil an der Bereitschaft vieler Menschen, sich für den Klimaschutz einzusetzen, sowohl generell-abstrakt als auch individuell-konkret im eigenen Verantwortungsbereich.

Rhetorisch hervorragend, unterhaltsam, witzig hat er als Aufklärer sowohl im eigentlichen als auch übertragenen Wortsinn für sein Anliegen geworben. Auch wenn unterdessen die ZuhörerInnen und ZuschauerInnen wissen, dass auch Al Gore einen übermässig grossen ökologischen Fussabdruck hat, dass er mit dem Anliegen Klimaschutz auch Geld verdient, dass beispielsweise das Unternehmen Apple, in dessen Aufsichtsrat Al Gore sitzt, alles andere als zu den Öko-Leadern der IT-Branche gehört: Al Gore ist nach wie überzeugend und überzeugt, hat in Fragen des Mensch gemachten Klimawandels eine hohe Glaubwürdigkeit.

Zur Aufklärung gehört, dass „Wahrheit“ und „Sicherheit“ abgeschafft wurden. Der bereits beobachtete und sich voraussichtlich verstärkende Klimawandel gilt „nur“ mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als vom Menschen gemacht. Diese vorsätzliche aufklärerische Ungewissheit kann nun von skrupellosen Gruppierungen ausgenutzt werden, um Zweifel über die Notwendigkeit von Massnahmen zur Verminderung der menschlichen Auswirkungen auf das globale Klima in die Diskussion hineinzubringen.

Überzeugend und überzeugt: letztlich geht es auch um das „Verkaufen“. Wir sind uns gewohnt, dass VerkäuferInnen von Konsumgütern versuchen, das Produkt, auf welches die Vorauswahl gefallen ist, im besten Licht darzustellen. Wir als KundInnen sollen den Eindruck haben, das beste Produkt ausgewählt zu haben – im vollen Wissen darum, dass es das beste Produkt, welches sämtlichen unseren Ansprüchen und Bedürfnissen entspricht, gar nicht gibt, weil das eierlegende Wollmilchschwein nicht existiert. Und es irritiert auch nicht, wenn beispielsweise beim Handy-Kauf der/die VerkäuferIn kurz vor dem Kaufentscheid das eigene Handy aus der Tasche zieht, den Anruf kurz beantwortet, selbst dann nicht, wenn das aus der Tasche gezauberte Handy bei weitem nicht dem vorher so gerühmten besten Produkt entspricht.

Oder anders: da ja in der aufgeklärten Gesellschaft Sicherheit und Wahrheit abgeschafft sind, ist ausschliesslich die Überzeugungskraft des Verkäufers/der Verkäuferin von Bedeutung – seien es nun Produkte, Haltungen oder Positionen!

Genau hier entsteht allerdings ein Problem: mindestens seit der Steinzeit sind die Menschen in erster Linie an Sicherheit und Wahrheit interessiert. Nicht ohne Grund sind Versicherungen ein wichtiges Geschäftsfeld, mit offensichtlich überzeugenden VerkäuferInnen! Letztlich geht es dabei um nichts anderes als Existenzsicherung, vordergründig im gegenwärtigen Leben. Weil die menschliche Vorstellungskraft zu gering ist, um absolute Wahrheiten zu entwickeln, entsteht das Bedürfnis nach Macht. Oder anders: jeder derzeit lebende Mensch ist Milliardstel Teil der Weltbevölkerung (P.S. diese Zahl wird bei jedem Seitenaufruf neu berechnet nach dem Berechnungsvorschlag der Weltbevölkerungsuhr). Da ist es verlockend, auf andere Menschen Einfluss nehmen zu können. Wer Wahrheit und Sicherheit bietet, hat auf diesem Machtmarkt beste Karten, siehe beispielsweise das Jesus-Wort „Ich bin der Weg, der zur Wahrheit und zum Leben führt.“ (Johannes 14, 6). Nun ist Macht nicht prinzipiell schlecht, es gibt – gerade was das Leben, das Überleben betrifft – sehr wohl gemeinsame Interessen der lebenden Menschen. Allerdings verlangt Macht zuerst nach Verantwortung. Zur Illustration: Antoine de Saint-Exupéry hält dazu im „kleinen Prinzen“ fest: „Wenn ich geböte“, pflegte er [der König] zu sagen, „wenn ich einem General geböte, sich in einen Seevogel zu verwandeln, und wenn dieser General nicht gehorchte, es wäre nicht die Schuld des Generals. Es wäre meine Schuld.“ Bei allem Respekt vor den zentralen („heiligen“) Schriften diverser Religionen: aus historisch überlieferten Aussagen von Religionsstiftern wortwörtliche Aussagen für das Leben in der heutigen Zeit herauslesen zu wollen, ist schlicht verantwortungslos! Dazu passend ein Zitat von Koni Loepfe aus dem P.S. vom 10. Dezember 2009: „Warum sollen die mehr als verqueren Ideen des neuen Weihbischofs von Zürich [Marion Eleganti] erlaubter sein als die verschrobenen Ansichten eines erzkonservativen Mullahs?“

Macht setzt auch Ehrlichkeit und Austausch voraus. Der demokratische Rechtsstaat ist trotz erkannter Schwächen ein geradezu ideales Ergänzungsstück zur Macht.

Dass es in einer aufgeklärten Zeit gesicherte Erkenntnisse („Wahrheit“) nur mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geben kann, heisst konkret: gut und böse gibt es in der aufgeklärten Welt nicht! Nicht ohne Grund daher die hedonistische Beliebigkeitsaussage „sorge dich nicht und geniess das Leben!“ der FreidenkerInnen.

Gerade die Massnahmen gegen den Mensch gemachten Klimawandel zeigen: es gibt sehr wohl nützliches und schädliches Verhalten. Rein aufklärerisch könnte man argumentieren, dass für das System Erde, vielleicht auch für das „Alles“ der Klimawandel eine mögliche Entwicklung sei, ganz im eines eher zynischen Witzes: Da treffen sich im All zwei Planeten. „Wie gehts?“, fragt der erste. „Bestens“, meint der zweite, fragt zurück: „und selber?“. „Nicht so gut, habe gerade Homo sapiens.“ Meint der zweite: „Gibt schlimmeres, das geht vorüber.“

Selbst ohne die letzte Gewissheit zu haben, gibt es also Dinge, die zu unterlassen sind, wenn der Klimawandel auf ein für die Menschheit ertragbares Mass begrenzt werden soll.

Fakt ist: wir müssen ganz objektiv und ehrlich festhalten, dass gerade aufklärerische Erkenntnisse die Menschheit mit hoher Wahrscheinlichkeit an den Rand der Existenz gebracht haben! Es ist zu befürchten, dass das aufklärerische Gesellschaftsmodell nicht nachhaltig ist – unter anderem darum, weil dabei in erster Priorität Individual-Rechte postuliert werden (P.S. dies sagt nichts aus über die Nachhaltigkeit anderer Gsellschaftsmodelle). Dies öffnet die Weltbühne für Menschen, die überzeugend und überzeugt Wahrheiten verkaufen (wollen), wenn sie vermeintliche Lösungen für die existenziellen Fragestellungen anbieten. Dazu gehören insbesondere Menschen, die ihre Ermessensauffassung der Inhalte uralter religiöser Bücher zum Gesetz machen wollen, wie etwa der deutsche Muslim-Prediger Pierre Vogel alias Abu Hamza.

Wenn machtgeile Menschen mit (ich zitiere Loepfe) verqueren und verschrobenen religiösen Argumenten nicht merklichen gesellschaftspolitischen Einfluss erhalten sollen, ist die Herausforderung klar: überzeugende und überzeugte AufklärerInnen müssen glaubwürdige Antworten auf die bedrohlich wirkenden Fragen der Gegenwart aufzeigen können, wie Gewaltlosigkeit, Ehrfurcht vor allem Leben, Solidarität, eine gerechte Wirtschaftsordnung, Toleranz, Wahrhaftigkeit [eine echte Herausforderung angesichts der verbleibenden Restunsicherheiten;-)], Gleichberechtigung, Partnerschaft (aus den vier unverrückbaren Weisungen des Weltethos abgeleitet) in dieser Welt erreicht werden können – im Wissen darum, dass ein Mensch letztlich nur für einen Milliardstel Teil der Entwicklungen Verantwortung zu tragen hat!

Aus dieser Sicht: mehr Aufmerksamkeit für Menschen wie Al Gore, deutlich weniger Beachtung für Menschen wie Marian Eleganti und Pierre Vogel alias Abu Hamza – auch wenn ich mir bewusst bin, dass eine solche Aussage angesichts der ethischen Grundinhalte von Religionen nicht unproblematisch ist.

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Für die Religionsfreiheit – gegen das Minarett-Verbot https://www.umweltnetz.ch/content/fur-die-religionsfreiheit-gegen-das-minarett-verbot Sun, 11 Oct 2009 09:26:14 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=1087 Jede Person hat das Recht, ihre Religion und ihre weltanschauliche Überzeugung frei zu wählen und allein oder in Gemeinschaft mit anderen zu bekennen. So steht es in Artikel 15, Absatz 2 der Bundesverfassung. Wenn das Parlament die Verfassung ernst nehmen würde, müsste die Schweizerische Bevölkerung am 29. November 2009 nicht über die SVP-Minaretts-Verbotsinitiative abstimmen – … „Für die Religionsfreiheit – gegen das Minarett-Verbot“ weiterlesen

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Jede Person hat das Recht, ihre Religion und ihre weltanschauliche Überzeugung frei zu wählen und allein oder in Gemeinschaft mit anderen zu bekennen. So steht es in Artikel 15, Absatz 2 der Bundesverfassung. Wenn das Parlament die Verfassung ernst nehmen würde, müsste die Schweizerische Bevölkerung am 29. November 2009 nicht über die SVP-Minaretts-Verbotsinitiative abstimmen – und die gesamte unsägliche SVP-Kampagne würde der Schweiz und der Welt erspart. Deshalb: Nein zur Volksinitiative «gegen den Bau von Minaretten»!

In den letzten Jahren standen verschiedentlich Volksinitiativen zur Abstimmung, die entweder nicht verfassungskonform waren oder die mit übergeordneten Vorgaben wie den Grund- und Menschenrechten nicht im Einklang stehen, neben der Minarett-Verbots-Initiative beispielsweise die Verwahrungsinitiative. Wegen einer nicht angezeigten Überhöhung des Volksrechtes Initiative – welche letztlich dieses Volksrecht schwächt – kommt die offizielle Schweiz regelmässig in Schwierigkeiten und muss irgendwelche Murks-End-of-the-Pipe-Lösungen heranbiegen, um einigermassen konform mit z.B. den Völkerrechten bestehen zu können. Darum, Damen und Herren ParlamentarierInnen: Sie haben das Recht, sogar die Pflicht, unzulässige Initiativen abzulehnen, und damit unwürdige Abstimmungsgänge zu vermeiden.

Viele mitteleuropäischen Städte sind geprägt durch ihre Kirchen, insbesondere durch deren Türme. Eine nur schematische Abbildung der Silhouette mit den Türmen von Grossmünster, Fraumünster und St. Peter – und schon wissen sehr viele, dass es sich dabei um Zürich handelt. Türme haben für Gläubige eine beachtliche Bedeutung – bei Kirchtürmen kommt dabei etwa die Bedeutung des Gott zum Ausdruck, aber auch die rein physikalische Überlegung, dass ein hoher Turm den Glockenklang, welche die Menschen zum Gebet oder zum Gottesdienst ruft, in grösserer Entfernung gehört werden können (was nicht zwingend damit verbunden sein muss, dass der nächtliche Viertelstundenschlag Menschen den Schlaf raubt). Auf jeden Fall gehören Kirchen mit ihren Kirchtürmen zu dem, was Christen als Teil ihres Glaubensverständnisses verstehen, was sie auch – so wie es die Bundesverfassung vorsieht – bekennen wollen. Minarette haben für Moslems eine ähnliche Bedeutung.

Weil das Parlament sich für die Gültigerklärung der Initiative ausgesprochen hat, kommt es überhaupt zu einer Abstimmung. Und damit entsteht die Diskussion über die – wie es erwartet werden musste – unerträglichen SVP-Plakate. Das Aufhängen dieser Plakate – egal ob auf öffentlichem oder privaten Grund – oder das Erscheinen der Inserate, oder allenfalls sogar die Haus-zu-Haus-Verteilung von Flugblättern mit dem Plakatsymbol, kann nicht verhindert werden. Klar ist: die öffentliche Kontroverse hat sich für die SVP gelohnt, der eigene Mittelaufwand wurde durch die Medien (welche meistens ein Bild des Plakates abgedruckt haben) vervielfacht. Ob dieser Marktingaufwand aber der SVP nutzt? Diese unsäglichen Plakate mit ihrer Rot-Schwarz-Weiss-Optik bewirken, wie die Erfahrungen bei ähnlich gestylten Plakaten und ähnlich unerträglichen Vorhaben der letzten Jahre gezeigt haben, nicht nur eine Mobilisierung der eigenen näheren und ferneren Anhängerschaft, sondern auch eine sehr starke Gegenbewegung bei GegnerInnen des SVP-Vorhabens – bis hin zum wirklich gelungenen Plakat „Der Himmel über der Schweiz ist gross genug. Nein zur Intoleranz. Nein zur Minarettverbots-Initiative.“ – mehr dazu.

Latent zum Ausdruck bei den Initianten und der SVP kommt die Angst, Menschen moslemischen Glaubens könnten die „christlichen“ SchweizerInnen aus ihrem Land verdrängen. Dazu einige Anmerkungen:

  • Wir haben „das Land“, in dem wir leben, von unseren Nachkommen nur ausgeliehen. Migrationsbewegungen haben die gesamte Menschheitsgeschichte geprägt – und werden dies auch weiterhin tun. Den Kelten/Helvetiern folgten in der Deutschschweiz die Alemannen – mit regelmässig brutalen Akten der Landnahme. Die aktuellen Verkehrsmöglichkeiten führen zu einer auch ortsbezogen erhöhten Mobilität, bis hin zur Idee der „WeltbürgerInnen“. Oder anders: das Gebiet der Schweiz gehört nicht den „SchweizerInnen“, sie sollen und können dieses Gebiet nachhaltig nutzen.
  • Von dieser nachhaltigen Nutzung sind auch die „SchweizerInnen“ ziemlich weit entfernt – nach den Aussagen des Nachhaltigkeitsmonitoring MONET zehrt die aktuelle Schweiz vom Vermögen anderer Gegenden und zukünftiger Generationen, statt nur die Zinsen zu beanspruchen, siehe mehr zum ökologischen Fussabdruck. Ein begründeter Anspruch auf Erhaltung dieser Übermasskonsum- und Zechpreller-Gesellschaft kann auf keine Art und Weise hergeleitet werden.
  • Wenn das Christentum an Bedeutung verloren hat, so hat dies sehr viel mit dem Verhalten jener zu tun, die sich das Label „ChristIn“ umhängen. Die eigentlich gesellschaftspolitisch bedeutsame Botschaft des Christentums hat kaum Auswirkungen auf das tägliche Leben – das real existierende Christentum beschränkt sich immer mehr auf die gelegentliche Teilnahme an Sonntagspredigten. Dieses Papier-Christentum hat eine sehr geringe Glaubwürdigkeit – und verliert darum von Tag zu Tag mehr an gesellschaftspolitischer Gestaltungskraft. Gerade bei VertreterInnen der SVP ist dieser offensichtliche Widerspruch zwischen Sonntagspredigt und Alltag sehr sehr auffällig. Wenn das Christentum sich verdrängen lassen müsste, hat dies nahezu ausschliesslich mit der Glaubwürdigkeit der Menschen zu tun, die sich dieses Label umhängen.

Am 29. November 2009: Nein zum Minarett-Verbot!
(respektive beim Ausfüllen des Stimmzettels: NEIN zur Vorlage „Volksinitiative «Gegen den Bau von Minaretten»“)

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Naturgesetze abschaffen? https://www.umweltnetz.ch/content/naturgesetze-abschaffen Fri, 09 Oct 2009 23:52:32 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=1082 Die JungsozialistInnen (JUSO) Schweiz haben ein ziemlich eigenartiges Religionspapier entworfen – es stützt sich im wesentlichen auf die Aussage, dass Religionen nicht demokratisch legitimiert seien. Die JUSO sehen Religionen als zwangschaffende Institutionen – erstaunlich, dass die JUSO nicht gerade auch noch die Abschaffung der Naturgesetze verlangen. Mit einem ziemlich antiquierten Religionsbild – wahrscheinlich geprägt durch … „Naturgesetze abschaffen?“ weiterlesen

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Die JungsozialistInnen (JUSO) Schweiz haben ein ziemlich eigenartiges Religionspapier entworfen – es stützt sich im wesentlichen auf die Aussage, dass Religionen nicht demokratisch legitimiert seien. Die JUSO sehen Religionen als zwangschaffende Institutionen – erstaunlich, dass die JUSO nicht gerade auch noch die Abschaffung der Naturgesetze verlangen.

Mit einem ziemlich antiquierten Religionsbild – wahrscheinlich geprägt durch den Schulgeschichtsunterricht, welcher ja üblicherweise irgendwo zwischen den Weltkriegen aufhört – beginnt das JUSO-Papier. Die katholische Kirche etwa hat einen grosse Erneuerungsschritt getan nach dem zweiten Vatikanischen Konzil – VertreterInnen der christlichen Kirchen waren die treibenden Kräfte hinter dem Mauerfall in Berlin, in der ehemaligen DDR, ziemlich genau vor 20 Jahren.

Zwang unterstellen die JUSO den Kirchen. Die Mitgliedschaft in einer Kirche ist ein bewusster Vorgang – ab 16 kann jede und jeder jederzeit frei entscheiden, ob er oder sie Mitglied einer der Kirchen sein möchte. Selbstverständlich ist dabei nicht zu verkennen, dass auch die Traditionen, sowohl des Landes als auch der Familie, bei diesem Entscheid mitwirken. Die kirchlichen Dienstleistungen bei Taufe, Konfirmation oder Firmung, Trauung, aber auch Abdankung oder Beerdigung bieten vielen einen würdigen und feierlichen Rahmen bei „Lebensabschnittsanlässen“. Dies ändert nichts daran: die Mitgliedschaft bei einer Religionsgemeinschaft ist ein freier, bewusster, dauerhafter aber auch regelmässiger Entscheid eines mündigen Menschen.

Dieser Entscheid erfolgt grundsätzlich in Kenntnis der Positionsbezüge und der weltanschaulichen Haltungen der Kirchen.

Brauchen die Glaubensinhalte und die Alltagsgebote einer Kirche eine demokratische Legitimierung? Gelten sie sonst als Zwang und sind daher abzulehnen, wie das die JUSO tun? Naturgesetze, beispielsweise die Schwerkraft, sind ebenfalls nicht demokratisch legitimiert. Dass ein Gegenstand, der schwerer ist als Luft, zu Boden fällt, ist manchmal ärgerlich (und es gäbe daher möglicherweise keine demokratische Mehrheit für die Fallgesetze), und kann durchaus als Zwang bezeichnet werden. Aber deswegen die Naturgesetze abzuschaffen, wird nicht mal den JUSO einfallen.

Ethisches Verhalten ist ein Müssen, Sollen – sparen wir uns doch die Wortklauberei – , ist letztlich ein Zwang, der sich aus der goldenen Regel der Ethik ergibt, Fundament eigentlich jeder Religion, oder in der Formulierung des kantschen Imperativ: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Viele Religionen berufen sich auf historische ReligionsstifterInnen. Die meisten Religionen sind entstanden aus den Lehren und Erkenntnissen grosser Menschen, aufbauend auf dem örtlichen Glaubensgebäude. Die meisten damaligen Gesellschaften waren agrarisch geprägt – die heutigen mobilitätsorientierten Dienstleistungsgesellschaften zumindest in den Überflussökonomien der „ersten Welt“ entsprechen der damaligen Lebensrealität mit Sicherheit nicht. Gerade Weltkirchen stehen vor der Herausforderung, glaubwürdige Haltungen und Lebenshilfen für eine multikulturelle und multiökonomische Welt präsentieren zu können.

Individualisierte Ethiken haben zwar einen gewissen Reiz, dürften allerdings angesichts der erheblichen Kommunikationsbarrieren – denn Worte sind gerade in ethischen Fragestellungen zuerst inhaltsleere Hülsen – kaum mit dem Prinzip der goldenen Regel der Ethik vereinbar sein, weil sich diese Do-It-Yourself-Konstrukte kaum auf ihre gesamtgesellschaftliche Verträglichkeit überprüfen lassen. Die „Lebenshilfen“ der Kirchen haben zwar tendentiell eine niedrige Veränderungsgeschwindigkeit, mit hoher Wahrscheinlichkeit darum, um der globalen Dimension der „Weisheiten“ gerecht zu werden. Viele Individualethiken, mögen sie noch so freidenkerisch daherkommen, können dem universellen Charakter der goldenen Regel der Ethik nicht gerecht werden. Möglicherweise fusst in dieser Erkenntnis auch die Ablehnung der Festlegung von „Gut“ und „Böse“ (das „Böse“ nicht als „teuflisch“ verstanden) – selbst ein übermässig grosser ökologischer Fussabdruck gilt als akzeptabel, auch wenn klar ist, dass eine solche Verhaltensweise unter keinem Titel ethisch verantwortbar ist.

Offensichtlich ist allerdings: auch die Kirchen haben nicht zwingend glaubwürdige Antworten auf die drängenden Fragen der Gegenwart – dies dürfte auch der wesentliche Grund sein für die abnehmende gesellschaftliche Relevanz der Kirchen. Aber: einerseits die mehrere hundert Jahre dauernde gemeinsame Geschichte von Religionen und grossen Bevölkerungsteilen, andererseits immer wieder kluge Köpfe, die sowohl in diesem Milieu zu Hause sind als auch darüber hinausdenken können, bieten die Chance, an einer gemeinsamen Ethik, an gemeinsamen Vorgaben des menschlichen Lebens zu arbeiten. Ein solches Beispiel: Hans Küng als treibende Kraft hinter dem Weltethos.

Darum trete ich ein für die weitere Präsenz der Kirchen, der Religionen – wohlverstanden nicht ausschliesslich christlich geprägt – in der Schweiz: da diese Institutionen traditionell für „höhere Werte“ stehen (bei allem Wissen auch um die dunklen Seiten der machthungrigen Kirchen), könnten diese wieder vermehrt die Rolle als gesellscahftliche Anker übernehmen.

Die Verleihung des Friedensnobelpreises 2009 an den immer noch neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama – zu einem Zeitpunkt, an welchem eine umfassende Beurteilung des Leistungsausweises noch gar nicht möglich ist – zeigt, dass bereits die Worte eines kühnen Menschen Zeichen setzen können, Zeichen der Hoffnung für eine gemeinsame Zukunft der Menschheit (selbst bei eingeschalteten Warnlichtern wegen der nicht nur positiven Wirkung von charismatischen Menschen, Stichwort Propagandaminister). Als Anmerkung: „Glaubwürdigkeit“ ist ein zentrales Kriterium, dass solchen menschlichen Leuchttürmen zugestanden wird – ausgerechnet der Bezug zum Glauben, sicher kein Zufall!

Zum Zusammenwirken von Religion und Gesellschaft respektive dem Staat bietet gerade die Schweiz ein lange erprobtes Modell – ein duales Modell einmal mehr. In vielen Kantonen gibt es staatskirchenrechtliche Gebilde, die den demokratischen Rahmen bieten für das innerkirchliche Wirken. Das Wirken dieser staatskirchenrechtlichen Strukturen ist dabei sowohl in den Verfassungen der Kantone als auch in entsprechenden Gesetzen dargelegt. Sowohl dieser staatliche Rahmen als auch die staatskirchenrechtlichen Aktiviäten unterstehen somit den üblichen demokratischen Gepflogenheiten. Dass damit auch das Recht auf die Steuererhebung verbunden ist, versteht sich – auch wenn dies derzeit im Kanton Zürich noch mehrheitlich akzeptiert ist, dürfte die Frage der kirchlichen Steuerpflicht von juristischen Personen regelmässig zu Diskussionen führen. Nicht unwichtig: dieser Rahmen muss nicht ausschliesslich für christliche Kirchen reserviert bleiben! Die Trennung von Kirche und Staat würde demgegenüber in erster Linie fundamentalistische Gemeinschaften stärken. Das System der staatlichen Kirchengesetzgebung und der staatskirchenrechtlichen Institutionen schafft die Voraussetzung für ein befruchtendes Miteinander von Gesellschaft und Religionen – zum Beispiel im Hinbick auf gesamtgesellschaftliche Ziele!

Angesichts der interessanten Konstruktion der JUSO im Spannungsfeld von Zwang, Ethik und demokratischer Legitimation kommen die konkreten Umsetzungsvorschläge zum Teil sehr unüberlegt daher; einige davon dürften die Religionsfreiheit in ähnlichem Ausmass betreffen wie die SVP-Initiative „Gegen den Bau von Minaretten“ (damit ist nicht „Intelligent Design“ gemeint). Als ein kleines Beispiel: Die Religionsfreiheit verlangt sowohl Eidesformeln mit oder ohne religiösen Bezug – bekanntlich zählt die Religionsfreiheit zu den elementaren Grund- und Menschenrechten. Als ein weiteres Element: Dass der Staat sich um die Karitas, die tätige Nächstenliebe, kümmert, ist eigentlich selbstverständlich. Dies dürfte allerdings einiges teurer werden, als wenn die Kirchen dies tun, denn nirgendwo sonst ist der Freiwilligenanteil derart gross!

Fazit: Ich meine, dass unsere Gesellschaft einige gröbere Probleme zu lösen hat, die durchaus gesamtgesellschaftlich betrachtet existenziellen Charakter haben, Stichwort z.B. Mensch gemachter Klimawandel. Unter diesem Gesichtspunkt ist es nicht angezeigt, Kirchen oder Religionen von desn gesellschaftlichen Prozessen auszuschliessen, gerade weil diese Religionen einen Zugang zu den Anliegen erschliessen können, welcher traditionell z.B. der Politik nicht zur Verfügung steht. Auch hier ein Beispiel: Bereits 1986 gegründet wurde der ökumenische Verein „oeku Kirche und Umwelt„, welcher von der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) als Beratungsorgan für ökologische Fragen bezeichnet wurde. Gerade weil diese grossen Probleme immer auch ethische Fragen aufwerfen, ist es von Vorteil, auch die Erfahrungen tatsächlich weltumspannender Kompetenzzentren in ethischen Aspekten einzubeziehen (im vollen Wissen darum, dass zahlreiche der Umsetzungsempfehlungen der Kirchen und Religionen gesellschaftspolitisch weiterentwickelt werden müssen).


Im Sinne der Transparenz, auch wenn dies andernorts auf dieser Internet-Seite festgehalten ist: ich bin nach demokratischen Regeln gewählter Synodal, also Mitglied der Synode der römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich, der Legislative der staatskirchenrechtlichen Strukturen der römisch-katholischen Kirche im Kanton Zürich.


Ein Ausflug in die Innerschweiz, zu Fuss, mit dem Velo, auf Skis zeigt es deutlich: das Christentum hat Spuren hinterlassen! Nicht nur Kirchen prägen die Gegenden, omnipräsent sind auch Kreuze: an Wegkreuzungen, auf Alpen, als „Krone“ von Berggipfeln, überall ist dieses starke christliche Symbol zu finden. Eine Übernachtung z.B. in einer Alphütte mit Kreuz bringt eine weitere Überraschung: metaphysisches Staunen angesichts der Pracht des Sternenhimmels. Naturwissenschaftlich ist alles klar mit den Myriaden von Sonnen in einer Unzahl von Galaxien und so weiter – der Gedanke an Etwas, das grösser ist als Mensch, liegt nahe. Ob wohl die Städte mit ihrem Lichtsmog die Erfahrung des metaphysischen Staunens erschweren?

Gipfelkreuz

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