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Wirtschaftspolitik | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Fri, 05 Apr 2013 15:57:35 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 44487214 Politik oder Symbolik? https://www.umweltnetz.ch/content/politik-oder-symbolik Tue, 19 Feb 2013 15:46:34 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=5018 Obwohl die Pseudo-Abzocker-Initiative nichts gegen irgendwelche Lohn- oder Abgeltungsexzesse auf den obersten Unternehmensebenen anbieten kann, sondern auf politischem Weg die Rechte der AktionärInnen, insbesondere der abzockenden AktionärInnen, massiv verstärkt, geht es bei der Abstimmung über die so genannte Minderinitiative schon lange nicht mehr um Politik, sondern um Symbolik. Die Minderinitiative bietet die Gelegenheit zur Kropfleerete, … „Politik oder Symbolik?“ weiterlesen

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Obwohl die Pseudo-Abzocker-Initiative nichts gegen irgendwelche Lohn- oder Abgeltungsexzesse auf den obersten Unternehmensebenen anbieten kann, sondern auf politischem Weg die Rechte der AktionärInnen, insbesondere der abzockenden AktionärInnen, massiv verstärkt, geht es bei der Abstimmung über die so genannte Minderinitiative schon lange nicht mehr um Politik, sondern um Symbolik. Die Minderinitiative bietet die Gelegenheit zur Kropfleerete, zum Werfen fauler Eier und Tomaten gegen die Sitten und Gebräuche der Wirtschaft, unabhängig davon, ob die Initiative die gewünschten Effekte zur Folge hat, unabhängig davon, ob massive negative Folgen zu gegenwärtigen sind. Mit rationalen Argumenten ist da nichts mehr zu wollen!

Egal, was an Schlagzeilen aus der Wirtschaft an die Öffentlichkeit kommt und nicht passt: es geht nicht einmal dreissig Sekunden, bis die ersten Stimmen präsent sind, die sich dazu verlauten lassen, warum die Minderinitiative nicht oder eben doch gegen den echten oder vermeintlichen Missstand helfen würde. Spannend dabei: je wirtschafts- und damit praxisnaher die ExpertInnen sind, desto offensichtlicher wird die Wirkungslosigkeit der Initiative dargestellt.

Spannend ist die gesamte Geschichte um die Abgangsentschädigung an den in diversen Funktionen bei Novartis tätigen Daniel Vasella, der sicher auch Aktionär dieses Riesenkonzerns ist. Nach dem heutigen Verständnis stehen solche Entschädigungen in keiner Art und Weise im Zusammenhang mit den tatsächlichen Leistungen an der Spitze eines solchen Unternehmens. Ob die Leistungen der Putzequipe nicht doch mehr Wert sind als die Leitungsaufgaben in einem Grossunternehmen, ist kaum rational analysierbar. Festzuhalten ist, dass der Mittelfluss nach Hierarchie-Kriterien erfolgt und nicht nach dem tatsächlichen Mittelbedarf. Objektiverweise können solche Entschädigungen daher systematisch gar nicht als Abzockerei bezeichnet werden, sondern gehören zum System. Abhilfe bietet zum Teil die 1:12-Initiative der JUSO (auch dazu wird es zu einer symbolischen Abstimmung kommen), eine Lösung ist allerdings erst das bedingungslose Grundeinkommen für alle.

Weil es genügend warnende Stimmen auch ohne Abzockerei-Gerüchlein gibt, bleibt es dabei: am 3. März 2013 Nein zur Pseudo-Abzocker-Initiative!

The post Politik oder Symbolik? first appeared on umweltnetz.ch.]]> 5018 schief, schiefer, economiesuisse https://www.umweltnetz.ch/content/schief-schiefer-economiesuisse Fri, 06 Apr 2012 18:54:43 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=3602 In einer Konkurrenzmarktwirtschaft ist es legitim, dass der Verband der Reichen und Superreichen (=Economiesuisse) eine schiefe Sicht auf die Einkommenssituation wirft. Steuer-, finanz- und sozialpolitisch dürfen allerdings solche absurden Positionsbezüge keine Auswirkungen zur Folge haben. Mit Statistiken lässt sich allerhand beweisen – sogar dann, wenn sie nicht selber gefälscht sind. Ein solches exemplarisches Beispiel von … „schief, schiefer, economiesuisse“ weiterlesen

The post schief, schiefer, economiesuisse first appeared on umweltnetz.ch.]]> In einer Konkurrenzmarktwirtschaft ist es legitim, dass der Verband der Reichen und Superreichen (=Economiesuisse) eine schiefe Sicht auf die Einkommenssituation wirft. Steuer-, finanz- und sozialpolitisch dürfen allerdings solche absurden Positionsbezüge keine Auswirkungen zur Folge haben.

Mit Statistiken lässt sich allerhand beweisen – sogar dann, wenn sie nicht selber gefälscht sind. Ein solches exemplarisches Beispiel von alles-und-nichts-sagenden Statistiken hat wieder einmal mehr die Economiesuisse publiziert, mit Aussagen, die im Auto-Anzeiger, früher Tagesanzeiger, zur Schlagzeile „Wer hat, dem wird genommen“ führen. Auch wenn diese Schlagzeile nichts mit den Eonomiesuisse-daten zu tun hat, stellt sie die zentrale Aussage dar, die eben die Economiesuisse-Studie nicht belegt. „Wer hat, dem wird genommen“ steht im Grundsatz für den Kernansatz des Steuersystems eines demokratischen Rechtsstaates, die Besteuerung nach den Prinzip der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Gini-Koeffizient und weitere Einkommensschiefmasse, auch Aussagen zu den Anteilen der Grossverdienenden am Steueraufkommen, sind absolut ungeeignet, ja geradezu ungeeignet, um Aussagen zur „Gerechtigkeit“ des Steuersystems machen zu können.

Es ist vorerst davon auszugehen, dass prinzipiell alle Steuerberechtigten den Eindruck haben, stärker als andere an den Staatslasten mitzutragen – deshalb ist überhaupt eine $VP-Politik möglich, die jenseits aller politischen und inhaltlichen Forderungen ausschliesslich auf die Verminderung des Steuerfusses ausgerichtet ist (statt auf die Frage, welche Aufgaben der Staat zu erfüllen hat und wie Aufgabenerfüllung zu finanzieren sind), deshalb ist es auch möglich, dass die Sichtweise von economiesuisse immer noch schiefer wird. Angesichts der nachgewiesenen Nicht-Nachhaltigkeit der Schweizerischen Wirtschaft (Zitat „Wir leben auf Kosten anderer Erdteile oder künftiger Generationen„, Nachhaltigkeitsmonitoring MONET des Bundes.

Auch economiesuisse präsentiert keine Angaben, die aufzeigen, dass das Steuersystem dem Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entsprechen würde – das Verhältnis von verfügbarem Einkommen zu Steuerbelastung lässt allerdings eher vermuten, dass dem nicht so ist!

Auch die neuesten schiefen Zahlen der economiesuisse ändern nicht an den grundlegenden politischen Forderungen:

  • Es braucht dringend ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle.
  • Es braucht dringend eine Devisentransaktionssteuer.
  • Es braucht dringend eine stark lenkende, vollständig an Haushalte und Wirtschaft rückerstattete Lenkungsabgabe auf Energieverbrauch und Ressourcen.
  • Es braucht eine Begrenzung der Spanne zwischen höchstem und tiefstem Einkommen – 1:12-Initiative der JUSO beispielsweise.
  • Auch wenn das bedingungslose Grundeinkommen für alle die Thematik verändert: das Rentenalter ist in der Tendenz deutlich zu senken, sicher nicht zu erhöhen!

Nachtrag 6.4.2012

Zwei Tage später hat auch TA-Journalist Simon Schmid gemerkt, dass er mit dem Artikel „Wer hat, dem wird genommen“ Teil der Superreiche-Propaganda-Aktion der economiesuisse war. Der Nachfolgeartikel heisst „Trauen Sie keiner Verbandsstatistik“ bringt zwar ein Kontrastprogramm an Statistiken des Bundes und des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, bringt es aber fertig, auch gerade die Gewerkschafts-Statistiken unglaubwürdig zu machen – auch der Gewerkschaftsbund ist ja schliesslich ein Verband, womit der nicht wirklich gute Rat von Herrn Schmid, Verbandsstatistiken generell nicht zu trauen, zur Anwendung kommt. Medien beanspruchen ja immer für sich, vierte Gewalt in diesem Staat zu sein – Herr Schmid wird mit diesen zwei Artikeln allerdings seinem Auftrag überhaupt nicht gerecht.

Erste Fassung 2.4.2012

The post schief, schiefer, economiesuisse first appeared on umweltnetz.ch.]]> 3602 Sinn und Ostrom https://www.umweltnetz.ch/content/sinn-und-ostrom Mon, 28 Jun 2010 21:17:24 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=1954 „Ökonomie“ hat zwar einige wissenschaftliche Ansätze, hat aber letztlich eine gewisse Verwandschaft mit der Astrologie. Schlicht darum, weil Menschen eben Menschen und nicht ökonomische Roboterwesen sind. Ökonomie hat somit einen hohen metaphysischen Anteil – die Glaubenskomponente bei der Ökonomie ist häufig als die wissenschaftliche Grundlage. Weil ÖkonomInnen viel wohlklingende Wortwatte verwenden, haben die Aussagen durchaus … „Sinn und Ostrom“ weiterlesen

The post Sinn und Ostrom first appeared on umweltnetz.ch.]]> „Ökonomie“ hat zwar einige wissenschaftliche Ansätze, hat aber letztlich eine gewisse Verwandschaft mit der Astrologie. Schlicht darum, weil Menschen eben Menschen und nicht ökonomische Roboterwesen sind. Ökonomie hat somit einen hohen metaphysischen Anteil – die Glaubenskomponente bei der Ökonomie ist häufig als die wissenschaftliche Grundlage. Weil ÖkonomInnen viel wohlklingende Wortwatte verwenden, haben die Aussagen durchaus Horoskop-Charakter – man kann vieles hinein interpretieren. Dies heisst aber auch: Ökonomie hat nur einen begrenzten Nutzen für den Alltag! Beispiel gefällig? Hier kommt es – es handelt von Herr Sinn und Frau Ostrom.

Professor Hans-Werner Sinn ist Präsident des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Er hat sich zu ökonomischen Fragen im Zusammenhang mit dem Umwelt- und dem Klimaschutz geäussert. Sein (einziges) Stichwort: weltweit. Er plädiert für Massnahmen, die auf der ganzen Welt GLEICHZEITIG durchgeführt werden, zum Beispiel einen globalen Emissionshandel. Spätestens nach Kopenhagen 2009 heisst dies: NIE! – oder zumindest sehr lange noch nicht. Die Begründung von Professor Sinn dazu: wenn man einen solchen Handel nur regional umsetzt, führt dies dazu, dass die lokal sinkende Nachfrage nach fossilen Brenn- und Treibstoffen den globalen Preis tendentiell vermindert, was somit andernorts die Preissignale auf „mehr Verbrauch“ stellt – und damit passiere genau das Gegenteil von dem, was man erreichen wolle. Der Vollständigkeit halber: Hans-Werner Sinn bezeichnet sich selbst als Ordoliberalen – der Staat bloss als Nachtwächter.

Professorin Elinor Ostrom ist Politikwissenschafterin, sie gilt als führende Umweltökonomin – ihr wurde 2009 der Wirtschaftsnoblpreis verliehen. Ihr zentrales Stichwort: gemeinsam. Ihre Arbeiten handeln vom Umgang der Menschen mit gemeinsamen knappen Gütern – Commons oder Allmende. Ihre Aussage zum Klimaschutz, beispielsweise anlässlich eines Vortrags an der TU Berlin im Juni 2010: Wir sollen nicht auf eine globale Lösung warten, und wir können auch nicht darauf warten. Sie betont insbesondere die Rolle der Städte – weil diese konkret zeigen, wie Klimaschutz in der Praxis funktioniert, siehe etwa die Stadt Zürich mit dem Gemeindebeschluss zur 2000-Watt-Gesellschaft . Ein entscheidender Faktor bei derartigen Entscheiden: Vertrauen! Und die lokal erprobten Massnahmen können dann immer grössere Kreise ziehen, lassen sich multiplizieren. Elinor Ostrom sagt, dass sie rasend werde, wenn sie sich vorstelle, dass wir nicht sofort handeln! Ein klares Plädoyer für „Globales Denken, lokales Handeln“ also!

Elinor Ostrom stützt ihre Aussagen auf die Beobachtung des Verhaltens von Menschen, Hans-Werner Sinn lässt sich von seinen ordoliberalen Grundsätzen leiten. Klar ist: die beiden Positionen sind absolut unverträglich – und beide stammen von intelligenten Menschen. Und doch geht es eben nicht um Wahrheit, um Beweise, sondern um Einschätzungen.

Nicht nur der Nobelpreis von Frau Ostrom bewegt mich dazu, das lokale Handeln anstelle des globalen Nichtstun zu bevorzugen. Denn: wenn ein lokaler Ansatz die erhoffte Wirkung bringt, stehen die Chancen gut, dass dieser Ansatz NachahmerInnen findet. Denn bekanntlich ist der Mensch Mensch – das Wissen um die Bedeutung der Commons, der Allmende hebt den Menschen deutlich vom ökonomisch gesteuerten Roboterwesen ab.

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Was heisst günstig wohnen? https://www.umweltnetz.ch/content/was-heisst-gunstig-wohnen Mon, 14 Dec 2009 21:04:58 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=1527 „Günstig wohnen“ – ein populistisches Schlagwort der rot-grünen WahlkämpferInnen? Oder doch eine berechtigte Forderung gegen die giergeilen ProfitmaximiererInnen auch auf dem Immobilienmarkt? Wie immer bei komplexen Themen ist die Antwort nicht ganz einfach. Anstelle der Demoteilnahme am 14.12.2009 – „Sternmarsch“ ist kurz vor Weihnachten und angesichts der religionsfreiheitlichen Diskussion nach der Anti-Minarett-Abstimmung eine etwas eigenartige … „Was heisst günstig wohnen?“ weiterlesen

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„Günstig wohnen“ – ein populistisches Schlagwort der rot-grünen WahlkämpferInnen? Oder doch eine berechtigte Forderung gegen die giergeilen ProfitmaximiererInnen auch auf dem Immobilienmarkt? Wie immer bei komplexen Themen ist die Antwort nicht ganz einfach.

Anstelle der Demoteilnahme am 14.12.2009 – „Sternmarsch“ ist kurz vor Weihnachten und angesichts der religionsfreiheitlichen Diskussion nach der Anti-Minarett-Abstimmung eine etwas eigenartige Wortwahl – habe ich mir einige Gedanken gemacht, ob es möglich ist, einige dieser Komplexbausteine zusammenzufügen zu einer Grobabschätzung über die „Nachhaltigkeit“ der persönlichen Wohnsituation. Für einen ersten Versuch habe ich drei Einflussgrössen ausgesucht:

  • Die Wohnfläche pro Person, die in der Wohnung lebt.
  • Die Klassierung des Gebäudeenergie-Ausweises GEAK – als Mass einerseits für die energetische Qualität, aber andererseits gleichzeitig auch für den baulichen Zustand. Die Klassierung des GEAK kann entweder auf der Internetseite ermittelt werden mit dem GEAK light, oder in erster Näherung qualitativ abgeschätzt werden:
    1. Wenn schon länger (15 Jahre und mehr) keine baulichen Massnahmen vorgenommen wurden an Bauten, die vor 1978 erstellt wurden, ergibt sich ein G.
    2. Ist ein Gebäude kürzlich „normal“ saniert worden, dürfte eine Klassierung C erreicht werden, mit einer Minergie-Sanierung ein B.
    3. Wurden Massnahmen etappiert oder nur teilweise ergriffen, ergibt sich je nach Intensität der baulichen Massnahmen eine Einstufung zwischen F und B.
    4. Gesetzeskonforme Neubauten liegen an der Grenze zwischen B und C, Minergie-Neubauten erreichen ein gutes B und Minergie-P-Bauten sollten eigentlich ein A vorweisen können.
  • Die Wohnkosten (Miete und Nebenkosten) als Anteil am Gesamteinkommen der in der Wohnung lebenden Personen.

Warum diese drei Grössen? Dazu geben diverse Artikel aus umweltnetz.ch Auskunft, ein Beispiel dazu.

Ob genau diese drei Grössen umfassend Auskunft geben über die Nachhaltigkeit der Wohnraumnutzung, kann ich nicht belegen – die daraus abgeleiteten Beurteilungen sollen als Diskussionsbeitrag betrachtet werden. Kommentierung ist erwünscht!

Hier folgt jetzt

die Grobbeurteilung der Nachhaltigkeit einer Wohnsituation

Wohnfläche pro Person im Haushalt

bis 10 m2

über 10 bis 20 m2

über 20 bis 30 m2

über 30 bis 40 m2

über 40 bis 50 m2

über 50 bis 60 m2

über 60 bis 70 m2

über 70 bis 80 m2

über 80 bis 90 m2

über 90 bis 100 m2

über 100 bis 110 m2

über 110 bis 120 m2

über 120 m2


Energieetikette/Gebäudeenergieausweis GEAK Wohnung/Gebäude

A B C D E F G

Anteil Bruttowohnkosten (Miete und Nebenkosten) am Gesamt-Haushalteinkommen

mehr als 31 %

mehr als 27 und höchstens 31 %

mehr als 23 und höchstens 27 %

mehr als 19 und höchstens 23 %

mehr als 15 und höchstens 19 %

mehr als 11 und höchstens 15 %

mehr als 7 und höchstens 11 %

höchstens 7 %


The post Was heisst günstig wohnen? first appeared on umweltnetz.ch.]]> 1527 Zum Referendum gegen das Cassis-de-Dijon-Prinzip: Geteiltes Leid – halbes Leid? https://www.umweltnetz.ch/content/zum-referendum-gegen-das-cassis-de-dijon-prinzip-geteiltes-leid-halbes-leid Sun, 16 Aug 2009 21:20:30 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=866 Jetskis – Wassertöffs so quasi – mögen für einzelne KonsumentInnen in Beliebigkeitsistien als das ultimative Gadget betrachtet werden – wer allerdings beim Erholen am Strand von diesen „Wespen“ belästigt wird, dürfte nicht sehr erfreut sein. Derzeit sind Jetskis in der Schweiz nicht zugelassen, wohl aber in der EU. Wenn das Cassis-de-Dijon-Prinzip auch in der Schweiz … „Zum Referendum gegen das Cassis-de-Dijon-Prinzip: Geteiltes Leid – halbes Leid?“ weiterlesen

The post Zum Referendum gegen das Cassis-de-Dijon-Prinzip: Geteiltes Leid – halbes Leid? first appeared on umweltnetz.ch.]]> Jetskis – Wassertöffs so quasi – mögen für einzelne KonsumentInnen in Beliebigkeitsistien als das ultimative Gadget betrachtet werden – wer allerdings beim Erholen am Strand von diesen „Wespen“ belästigt wird, dürfte nicht sehr erfreut sein. Derzeit sind Jetskis in der Schweiz nicht zugelassen, wohl aber in der EU. Wenn das Cassis-de-Dijon-Prinzip auch in der Schweiz Gültigkeit erlangt, wird es der Schweiz in immer mehr Bereichen verunmöglicht, eigene Standard, und dies betrifft vor allem den Umwelt-, Sozial- und Qualitätsbereich, durchzusetzen. Um dies zu verhindern, haben verschiedene Kreise das Referendum gegen die entsprechenden Beschlüsse des Parlaments ergriffen (die Referendumsfrist läuft bis zum 1. Oktober 2009).

Ob Jetskis an der Meeresküste oder einem der Binnenseen zweckmässig sind, steht an dieser Stelle nicht zur Diskussion. Die Frage ist einfach, ob die SchweizerInnen diese weitere Quelle der Verminderung der allgemeinen Lebensqualität akzeptieren müssen, weil dies von den Einwohnenden der EU hingenommen werden muss. Wie wenn geteiltes Leid halbes Leid wäre!

Dass Schrauben idealerweise weltweit exakt gleich aussehen, ist hochgradig zweckmässig. Dass in den Staaten des europäischen Festlandes auf den Strassen rechts gefahren wird, hat einen beachtlichen Nutzen, sogar für Velofahrende. Da „Global denken, lokal handeln“ zum Beispiel beim Klimaschutz bedeutet, bewusst etwas nicht zu tun, was andernorts – wahrscheinlich unüberlegt – getan wird. Genau darum braucht es ein Nein zum Cassis-de-Dijon-Prinzip: damit nicht jeder Unsinn, der irgendwo zugelassen ist, auch in der Schweiz automatisch auf den Markt kommt!

Deshalb: jetzt das Referendum gegen das Cassis-de-Dijon-Prinzip unterschreiben!

2 Mia günstiger sollen die Importe der Schweiz aus dem Ausland durch das Cassis-de-Dijon-Prinzip werden, heisst es beispielsweise in der NZZ vom 17. August 2009, dies bei Warenimporten von 180 Mia Franken jährlich (2006). „Buy local“ ist eine sehr konkrete ökologische Handlungsanweisung, mit einem erheblichen Potential auch zur Verminderung des Ausstosses von Treibhausgasen. „Immer billiger“ ist eine zu einfache Parole der Geiz- und Gierlinge, bekanntlich hauptverantwortlich für die menschgemachte Finanz- und Wirtschaftskrise.

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Gesundheitswesen? Krankheitswesen? https://www.umweltnetz.ch/content/gesundheitswesen-krankheitswesen Sun, 31 May 2009 08:45:33 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/gesundheitswesen-krankheitswesen/ Endlich hat das Bundesamt für Statistik einen Wachstumträger (zu deutsch: Beitrag zur Steigerung des Bruttoinlandproduktes BIP) ermittelt, nämlich das Gesundheitswesen (Medienmitteilung aus dem Jahr 2005 für 2003, neuere Zahlen hier. Seit mindestens 20 Jahren nehmen die Kosten des Gesundheitswesens wesentlich schneller zu als das gesamte Bruttoinlandprodukt, erst in letzter Zeit gibt es eine gewisse Verlangsamung. … „Gesundheitswesen? Krankheitswesen?“ weiterlesen

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Endlich hat das Bundesamt für Statistik einen Wachstumträger (zu deutsch: Beitrag zur Steigerung des Bruttoinlandproduktes BIP) ermittelt, nämlich das Gesundheitswesen (Medienmitteilung aus dem Jahr 2005 für 2003, neuere Zahlen hier. Seit mindestens 20 Jahren nehmen die Kosten des Gesundheitswesens wesentlich schneller zu als das gesamte Bruttoinlandprodukt, erst in letzter Zeit gibt es eine gewisse Verlangsamung. Eigenartig: alle, die sonst so lautstark nach einer Zunahme eben dieses Bruttoinlandproduktes schreien, runzeln die Stirne angesichts dieser Zahlen. Somit wird einmal mehr offensichtlich, dass das BIP kaum etwas mit dem Wohlstand zu tun hat.

Dieser Beitrag stammt ursprünglich vom März 2005 – die aktuellen Diskussionen über die ständig steigenden Krankenkassenprämien erfordern nur leichte Anpassungen, die Situation hat sich in diesen vier Jahren nicht wirklich verändert.

Was wird denn von den Statistikerinnen als Ursache für die Zunahme des BIP-Beitrages des dieses Wirtschaftssektors angenommen? Es ist wie nicht anders zu erwarten ein grosses Spektrum:

  • alle AkteuerInnen (Angebot und Nachfrage) tragen zur Kostensteigeruzng bei.
  • wachsende Spezialisierung und Technisierung
  • die zunehmende Anzahl privat praktizierender ÄrztInnen
  • die Entwicklung neuer, kostspieliger Medikamente (das unmässige und unanständige Millioneinkommen der obersten Chefs der Chemiefirmen lässt grüssen)
  • die strukturelle Entwicklung der Bevölkerung (meint die Veränderung der Altersstruktur, dazu gehört die Zunahme der Langzeitpflege, die SchweizerInnen werden zwar älter, aber nicht gesünder) und der Haushalte (abnehmende Haushaltsgrösse)
  • die abnehmende soziale Solidarität (Selbsthilfe, ehrenamtliche Tätigkeit usw.) – offenbar ist das Gesundheitswesen bis anhin zu einem nicht unbedeutenden Teil auf Selbstausbeutung angewiesen gewesen.
  • der verbesserte Zugang der Bevölkerung zu qualitativ hoch stehenden Pflegeleistungen.

Das Gesundheitswesen ist eigentlich ein Krankheitswesen – es geht in erster Linie nach wie vor darum, die Symptome von „Krankheiten“ zu bekämpfen. Einige Stichworte dazu:

  • Luftschadstoffe schaden der Gesundheit – sie stammen zu einem massgeblichen Teil aus dem motorisierten Strassenverkehr. Trotz technologischem Fortschritt nehmen die Belastungen nicht entscheidend ab.
  • Lärm prägt die Lebensrealität von nach wie vor sehr viel Menschen – Strassenlärm, Bahnlärm, Fluglärm, Nachtlärm aus diversen Quellen. Lärm hat negative Auswirkungen auf die Desundheit.
  • Sehr viele Krankheiten sind nicht wirklich Krankheiten, sondern sogenannte Zivilisationserscheinungen. Wesentlich mehr körperliche Bewegung brauchte der Mensch, um zu gesunden respektive weniger zu erkranken. Am besten jeden Tag, als Nebeneffekt zur Alltagsbeschäftigung. Treppensteigen, Einkaufen im Quartierladen, zu Fuss oder mit dem Velo zum Sporttraining, zur Musikprobe, und so weiter und so fort. Auch hier: das Auto konkurrenziert viele dieser Bewegungsmöglichkeiten.
    Nachweislich führt der Zwang zu hoher Eigenkapitalrendite und tiefem Steuerfuss zu erheblichen Belastungen (Stress) am Arbeitsplatz – und möglicherweise zu einem erhöhten Konsum von Genussmitteln, die nicht wirklich gesund sind, angefangen vom Kaffee über Zigaretten und z.B. gemürtsaufhellenden Medikamenten zu Drogen.
    Zu viel Zucker, zu viel Fett, zu viel tierisches Eiweiss, zu wenig Ballaststoffe (nicht zuletzt wegen des Billig-Fimmels der Dumping-Discounter): so lassen sich die heutigen Nahrungsmittel beschreiben. Diese müssen wieder zu Lebensmitteln werden, auf jeden Fall aus ökologischem Landbau.
  • Das Gesundheitswesen muss zu einem wirklichen Gesundheitswesen werden – nicht bloss ein bisschen Präventivmedizin. Gesundheitserziehung im Elternhaus und in der Schule, Gesundheitskurse im Berufsalltag und ähnliches müssen selberständlich werden.
  • Solange ausschliesslich Erwerbsarbeit als wertvoll gilt, ist es politisch nicht verantwortbar, dass ausgerechnet die Pflege von kranken und älteren Menschen zu einem gewichtigen Teil von Freiwilligenarbeit geprägt ist. Auch daher ist ein dringlicher Übergang von der bezahlten Erwerbsarbeit zum bedingungslosen Grundeinkommen für alle erforderlich.

Erste Fassung 21.3.2005

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Konjunkturprogramme: Strukturerhaltung oder Zukunftsperspektiven? https://www.umweltnetz.ch/content/konjunkturprogramme-strukturerhaltung-oder-zukunftsperspektiven Sun, 25 Jan 2009 09:30:09 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=510 Weltweit werden derzeit Konjunkturprogramme geschnürt (siehe auch hier). Am Beispiel von Deutschland lässt sch die Fragwürdigkeit solcher Programme aufzeigen. Weil bekanntlich die Autoindustrie in Deutschland einen beträchtlichen Anteil an der Beschäftigung hat, ist es eine (zu) simple Idee, mit einer „Abwrackprämie“ den Absatz neuer Autos anzukurbeln. Grotesk wird die Diskussion, wenn Vorschläge auf den Tisch … „Konjunkturprogramme: Strukturerhaltung oder Zukunftsperspektiven?“ weiterlesen

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Weltweit werden derzeit Konjunkturprogramme geschnürt (siehe auch hier). Am Beispiel von Deutschland lässt sch die Fragwürdigkeit solcher Programme aufzeigen.

Weil bekanntlich die Autoindustrie in Deutschland einen beträchtlichen Anteil an der Beschäftigung hat, ist es eine (zu) simple Idee, mit einer „Abwrackprämie“ den Absatz neuer Autos anzukurbeln. Grotesk wird die Diskussion, wenn Vorschläge auf den Tisch kommen, die für neue teure und damit massiv übermässig CO2 emittierende Fahrzeuge besonders hohe staatliche Beiträge vorsehen. Strukturerhaltung in doppelter Hinsicht: erstens kann die Autowirtschaft ihre Spritsaufer loswerden, Fahrzeuge mit Konzepten aus dem letzten Jahrhundert, zweitens, und dies ist mindestens so bedeutungsvoll: da viele staatliche Infrastrukturfinanzierungen und Steuererträge vom Wert der gekauften Güter abhängen, befürchten FinanzministerInnen bereits reduzierte Einnahmen.

Viele Konjunkturprogramme münden sehr schnell in Auftragsgenerierung für die Bauwirtschaft hinaus. Da werden all die strassenbaulichen Wunschprogramme mehrerer Jahrhunderte aus der Schublade gezerrt. Autobahnen, Brücken, Tunnels sollen da gebaut werden, auf Pump (Erhöhung der Staatsverschuldung) selbstverständlich, was ebenfalls doppelt unsinnig ist: der Spielraum des Staates für die wirklich dringlichen Aufgaben wird kleiner, belasten diese unterhaltsintensiven Bauwerke den Haushalt in Zukunft zusätzlich. Da die Bauwirtschaft sehr ressourcenintensiv arbeitet, einen relativ kleinen Anteil an der Gesamtwirtschaft hat, ist zudem die konjunkturelle Hebelwirkung dieser Staatsmittel höchst fraglich. Zudem: angesichts der dringlich erforderlichen Massnahmen gegen den menschgemachten Klimawandel ist es unsinnig, Geld ausgerechnet in Infrastrukturen zu investieren, die bereits heute erheblich zum übermässigen Ausstoss der Treibhausgase beitragen.

Jede Form von Konjunkturprogrammen hat die Tendenz, Strukturerhaltung zu betreiben. Da werden Sachzwänge geschaffen, die den dringlich erforderlichen dauernden Wandel der Wirtschaft bremsen oder gar verhindern. In die gleiche Kategorie gehören die ewiggleichen Forderungen, der Staat müsse bloss für gute Randbedingungen für die Wirtschaft sorgen – was im Klartext jeweils die Abschaffung von Gesetzesbestimmungen bedeutet, darunter sehr viele Bestimmungen, die sicherstellen sollen, dass die Gemeinschaft vor dem Ellenbogen-Egoismus einzelner geschützt werden kann, z.B. im Umweltbereich.

Es macht keinen Sinn, wenn der Staat in die Sicherstellung der Erwerbsarbeit investiert. Staatdessen sollte sich der Staat auf die Existenzsicherung der Individuen konzentrieren, zum Beispiel durch ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle.

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Flugverkehr, Finanzwirtschaft, Automobilbranche https://www.umweltnetz.ch/content/flugverkehr-finanzwirtschaft-automobilbranche Thu, 20 Nov 2008 22:20:01 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=367 Trotz (leider) ständig zunehmender Nachfrage nach Flugverkehrsleistungen gehören Konkurse und Groundings zu den Realitäten der Flugverkehrsbranche. Trotz fast religiöser Verehrung der Finanzwirtschaft stehen die Exzesse dieses Zweiges der nicht realen Wirtschaft am Ausgangspunkt der globalen Finanzkrise ab Herbst 2008. Obwohl auch der Strassenverkehr (leider) noch dauernd zunimmt, stehen Mitte November 2008 diverse Automobilhersteller vor dem … „Flugverkehr, Finanzwirtschaft, Automobilbranche“ weiterlesen

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Trotz (leider) ständig zunehmender Nachfrage nach Flugverkehrsleistungen gehören Konkurse und Groundings zu den Realitäten der Flugverkehrsbranche. Trotz fast religiöser Verehrung der Finanzwirtschaft stehen die Exzesse dieses Zweiges der nicht realen Wirtschaft am Ausgangspunkt der globalen Finanzkrise ab Herbst 2008. Obwohl auch der Strassenverkehr (leider) noch dauernd zunimmt, stehen Mitte November 2008 diverse Automobilhersteller vor dem ökonomischen Kollaps. Sind diese Gleichzeitigkeiten Zufall? Oder kommen dabei Zusammenhänge zum Ausdruck?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um sehr enge Zusammenhänge. Ein erster Hinweis: ethisch orientierte Fonds verzichten auf Investments in all diesen Bereichen, schlicht darum, weil diese Unternehmen per Definition in nicht nachhaltigen Bereichen tätig sind.

Flugverkehr, Finanzwirtschaft und Automobilbranche funktionieren aufgrund der Illusion, dass der übermässige Konsum von beschränkten Ressourcen ohne Folgen auf Mensch und Umwelt möglich ist, funktionieren also dank Illusionsblasen.

Auch Staaten haben diese Illusionsblase aufrecht erhalten, halten sie immer noch aufrecht. So etwa in einer Medienmitteilung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 20. November 2008 zur Strassenrechnung 2006: Einnahmen von 8 Milliarden Franken bei 7 Milliarden Franken Ausgaben. In einem zusätzlichen Absatz steht das dicke Ende: In der Strassenrechnung werden die externen Kosten im Umfang von 8,1 Milliarden Franken nicht berücksichtigt. In der „kleinen“ Schweiz zahlt die Allgemeinheit also 7.1 Milliarden Franken an ungedeckten Kosten (mehr dazu), damit die Automobilindustrie ihre auf Illusionen bauenden ressourcenverschleudernden Produkte weiterhin auf den Markt bringen kann!

Diese drei illusionären Branchen der realen und nicht-realen Wirtschaft bieten Erwerb für eine grosse Zahl von Menschen. Es ist allerdings durch nichts zu rechtfertigen, zur Erhaltung dieser Arbeitsplätze massivste staatliche Subventionen auszuschütten. Ein Umbau der Gesellschaft Richtung nachhaltige Wirtschaftsweise kann die Erwerbsarbeit für sehr viele dieser Menschen sicherstellen; da ein immer kleinerer Anteil der Menschheit in der Lage ist, Erwerbsarbeit zu leisten, ist es dringlich, die Existenzsicherung so rasch als möglich nicht mehr durch Erwerbsarbeit sondern durch ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle zu gewährleisten, siehe dazu auch die Ueberlegung zur Unangemessenheit staatlicher Zuschüsse an die Finanzwirtschaft!

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economiesuisse: schiefe Sicht auf Einkommen und Steuern! https://www.umweltnetz.ch/content/economiesuisse-schiefe-sicht-auf-einkommen-und-steuern Mon, 20 Aug 2007 08:18:16 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/economiesuisse-schiefe-sicht-auf-einkommen-und-steuern/ Am 20. August 2007 hat economiesuisse unter der Leitung von Pascal Gentinetta, dem designierten Direktor von economiesuisse eine interessante „Studie“ vorgestellt, die dann in den Medien wie folgt zitiert wurde: „Gemäss einer Studie von Economiesuisse bezahlen 20 Prozent der Bevölkerung rund 60 Prozent der Staatsausgaben.“ Wenn man in den Unterlagen von economiesuisse genauer nachschaut, sieht … „economiesuisse: schiefe Sicht auf Einkommen und Steuern!“ weiterlesen

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Am 20. August 2007 hat economiesuisse unter der Leitung von Pascal Gentinetta, dem designierten Direktor von economiesuisse eine interessante „Studie“ vorgestellt, die dann in den Medien wie folgt zitiert wurde: „Gemäss einer Studie von Economiesuisse bezahlen 20 Prozent der Bevölkerung rund 60 Prozent der Staatsausgaben.“

Wenn man in den Unterlagen von economiesuisse genauer nachschaut, sieht die Sache schon anders aus: Die Unternehmen (22 Prozent) und die 20 Prozent der Privatpersonen des oberen Segments (35 Prozent) erbringen zusammen 57 Prozent aller staatsquotenrelevanten Ausgaben inkl. öffentlicher Sozialversicherungen.

economiesuisse macht einen sozialpolitisch sehr gefährlichen Kurzschluss: da wird suggeriert, dass die Unternehmen ihre Steuerzahlungen dank des „oberen“ Segmentes erbringen. Das ist schlicht falsch: an der Erarbeitung der Unternehmensgewinne sind auch Personen der anderen Einkommenssegmente beteiligt! Personal ist nämlich nicht nur ein Unkostenfaktor, sondern erbringt auch Mehrwerte, die letztlich ebenfalls in den Gewinn eines Unternehmens eingehen.

Bekanntlich ist die Einkommensverteilung auch in der Schweiz schief, d.h. die obersten 20 % Einkommen sind um Faktoren höher als die untersten 20 % Einkommen. Diese Tatsache ist anerkannt – Begriffe wie Lorenzkurve oder Gini-Koeffizienz sind Masszahlen dafür. Auch dazu ein Zitat: Aus der Lorenz-Kurve für die Schweiz 2003 ergibt sich z.B., dass der ärmste Viertel der Schweizer Bevölkerung nur 10% der Bruttoeinkommen erhält, während der reichste Viertel der Bevölkerung über 40% der gesamten Bruttoeinkommen verdient.Werden aus der Kurve die Einkommensanteile für die 20%-Klassen ermittelt, so zeigt sich: die ärmsten 20% der Schweizer Bevölkerung erhalten nur 8% der Bruttoeinkommen, während die reichsten 20% der Bevölkerung über 38% der gesamten Bruttoeinkommen verdient.

Ups, plötzlich sieht der behauptete „Sozialbeitrag“ der Reichen in diesem Lande gar nicht mehr so beeindruckend aus. Nach economiesuisse zahlen die 20% einkommensreichsten Personen 35 Prozent aller staatsquotenrelevanten Ausgaben, obwohl sie 38 Prozent des Einkommens ins Portemonnaie respektive aufs Bankkonto erhalten. Achtung: bei diesen Vergleichen ist 100 % nicht das gleiche: bei den Einkommen sind es allein die Haushaltseinkommen, bei den Ausgaben sind es die Gesamtausgaben.

Auf jeden Fall sind derartige schiefe Studien kein Beitrag zur Versachlichung der Diskussion, auch wenn sich dies Gerold Bührer, Präsident economiesuisse so wünscht. Oder anders: es gibt durchaus noch Spielraum, um das Steuersystem gerechter auszugestalten, zum Beispiel durch eine negative Einkommenssteuer oder ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Immer, wenn von Reichen ein grösserer Beitrag an die Gesellschaft verlangt wird, behaupten die Lobbyisten der Reichen, da gehe es nur um Neid. Das ist eines der dümmsten und einfältigsten Argumente, um soziale Diskussionen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Dazu nochmals ein Zitat, abgedruckt in der Agenda 2007 von Brot für alle und Fastenopfer: Wenn ein Mann erzählt, er sei durch harte Arbeit reich geworden, dann frage ihn, durch wessen Arbeit.“ (Donald Robert Perry Marquis, (1878-1937), US-amerikanischer Schriftsteller.

Wer es es zu einem sehr grossen Einkommen schafft, erreicht dies nur dann, wenn andere weniger zur Verfügung haben, sei es im gleichen Land, sei es in einem anderen Gebiet, sei es zu einer zukünftigen Zeit. Was für die Nachhaltigkeit gilt, gilt auch für Geld: Statt von den Zinsen zu leben, zehrt die Schweiz vom Kapital zukünftiger Generationen und anderer Regionen. Stichworte dazu:

  • ökologischer Fussabdruck,
  • „Wie Afrika die Schweiz finanziert“: 2004 leisteten Bund und Hilfswerke Entwicklungshilfe für Afrika im Wert von 587 Mio Franken, während gleichzeitig Desinvestionen und Rückflüsse von 656 Mio Franken zugunsten der Schweiz erfolgten: seit 2002 fliesst mehr privates Kapital aus Afrika zurück als der schwarze Kontinent an Hilfe erhält! Quelle: Die Schweiz in der Welt – die Welt in der Schweiz. Ein Arbeitspapier mit Grafiken, von Richard Gerster, im Auftrag DEZA, 2006.

Letztlich verhält sich die durchschnittliche Schweiz als Zechprellerin. Wer also die herrschenden Reichtstumsverhältnisse kritisiert, tut dies nicht aus Neid, sondern aus Verantwortungsbewusstsein für das Gesamtsystem Planet Erde – und dieses System hat ein Problem mit den Luxus-Passagieren!

Die economiesuisse-Studie stellt Fragen, die von anderen Kreisen schon viel länger gestellt wurden. Es trifft beispielsweise zu, dass die Erwerbsarbeit nicht mit weiteren „Sozialkosten“, also z.B. für die drei Säulen der Altersvorsorge, belastet werden sollte. Schon vor mehr als 10 Jahren haben die Grünen dies erkannt und verlangt, dass die Energie anstelle der Erwerbsarbeit zur Finanzierung der Sozialwerke herangezogen werden sollte (Energie statt Arbeit besteuern), dass also Lenkungsabgaben auf allen Energieträgern zu erheben sind mit der Rückerstattung an Haushalte und Wirtschaft. Nicht zuletzt wegen des Widerstandes der economiesuisse-Vorgängerorganisationen hatte dieses Vorhaben keine Chance in der Volksabstimmung.

Ebenso stellt economiesuisse zurecht fest, dass derzeit bereits Finanzmittel zulasten zukünftiger Generationen ausgegeben werden; auch economiesuisse bestätigt also die Zechpreller-Hypothese. Nur: um diese Zechpreller-Wirtschaft zu beenden, braucht es schlicht mehr Einnahmen, und dies lässt sich bei sinkenden Steuerfüssen eher schlecht erreichen. Diverse Studien zum Aufgabenabbau haben gezeigt, dass viele staatliche Aufgaben erforderlich sind, um wenigstens Nothilfe leisten zu können wegen des Egoismus der Zechpreller und Abzocker. Dringlich ist die Durchführung einer ökologischen Finanzreform, damit aufgezeigt werden kann, wer die gesellschaftlichen Lasten verursacht, und sie nach dem Verursacherprinzip zu bezahlen hat. Die Erfahrungen zeigen: der CO2-Ausstoss pro Person ist direkt vom verfügbaren Einkommen abhängig – Reiche tragen wesentlich mehr zur menschgemachten Veränderung des Weltklimas bei als Arme. Eine ökologische Finanzreform könnte hier für die notwendige Transparenz sorgen, weil dann jene, die die Umwelt stärker belasten, die direkten Auswirkungen im Portemonnaie spüren. Gleichzeitig kann damit das Verantwortungsgefühl gegenüber zukünftigen Generationen gestärkt werden.

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