Die Urnerinnen und Urner sagen – im übrigen als Nachvollzug der Bundesverfassung, Stichwort Alpeninitiative – Nein zu neuen Gotthard-Strassentunnels. Immerhin ein Zeichen gegen den Strassenverkehr – und als Hinweis darauf, dass die in den nächsten Jahren anstehende Erneuerung des Gotthard-Strassentunnels dafür genutzt werden kann, neue verkehrspolitische Impulse zu setzen: zum Beispiel ersatzlose (temporäre) Schliessung des Autobahntunnels dank dem Alternativangebot rollende Landstrasse durch die Gotthard-Eisenbahntunnels!
Die Berner Stimmberechtigten setzen sich in ihrer Mehrheit dem Verdacht aus, Climate Criminals zu sein und gleichzeitig den längst fälligen Atomausstieg zu hintertreiben. Die bürgerlichen Parteien und insbesondere der Hauseigentümerverband HEV sind einmal mehr gegen einen zielgerichteten Klimaschutz, gegen den zukunftsgerichteten Einsatz erneuerbarer Energien – mit mehr als dürftigen Argumenten. Oder anders: die Politik der Bürgerlichen und des HEV setzt auf die Fortsetzung des bisherigen politischen Kurses, welcher nachweislich nicht zielführend ist. Die Antwort ist klar: Nach-nuklear und nach-fossil: heute beginnen! Da müssen noch einige Menschen auch in diesem Lande umlernen und sich auf den Weg zur nachhaltigen Entwicklung begeben.
Entgegen den Behauptungen der bürgerlichen Parteien und des HEV könnte der Gebäudeenergieausweis GEAK eine erhebliche klimaschützerische Wirkung entfallen, wie das Beispiel des Heizgutachtens aus Deutschland zeigt – und darüber hinaus ergibt sich eine erhebliche konjunkturelle Wirkung. Da bleibt nur erstauntes Stirnrunzeln über die Ignoranz der Abstimmungsmehrheit. Es gibt nur eines: der Bund muss endlich aktiv werden, zum Beispiel mit einem Sanierungsobligatorium für bestehende Gebäude!
Eine knappe Mehrheit der Stadtzugerinnen und Stadtzuger hat zumindest mal den Rucksack gepackt für diesen Weg: 51.5 Prozent Ja-Stimmen für „2000 Watt für Zug – Initiative für eine nachhaltige Stadt Zug„. Die 2000-Watt-Gesellschaft (oder vielleicht auch die Zweitausendundeinwatt-Gesellschaft) als energie- und klimaschutzpolitische Zukunftsvision wird zum Programm – trotz oder gerade wegen der konservativen, wenig zukunftsgerichteten Politik der Kantone.
Nach knapper ging es in der Stadt Genf zu und her: 50.3 % haben sich für die Genfer Version der Städte-Initiative von Umverkehr ausgesprochen. Angesichts dieses knappen Ergebnisses von einem „Siegeszug der Städte-Initiative“ zu schreiben, wie dies Umverkehr tut, mag am Abstimmungssonntag noch akzeptabel sein. Derart knappe Ergebnisse weisen deutlich darauf hin, dass die nachhaltige Entwicklung, die Politik weg vom übergrossen ökologischen Fussabdruck nur eingeschränkt mehrheitsfähig ist. Auch in den Köpfen der Menschen muss noch einiges passieren, damit auch die politische Schweiz zukunftsfähig wird!
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Die Stadt Zürich stimmt beim Krankenversicherungsgesetz und bei der Volksinitiative „JA zur Mundart im Kindergarten“ genau umgekehrt ab wie der Kanton, und entscheidet sich bei den anderen Vorlagen deutlicher als der „Restkanton“ (siehe bezirksweise Abstimmungsergebnisse beim kantonalen Amt für Statistik). Festzuhalten ist, dass derart systematische Unterschiede nicht etwa den Förderalismus bestärken, sondern die direkte Demokratie erschweren. Die Stadt Zürich wäre als Kanton Zürich Stadt grösser als 17 anderer Kantone – oder anders: es gibt inklusive den „Rest“-Kanton Zürich nur sechs Kantone, die bevölkerungsmässig grösser als die Stadt Zürich wären. Der „Rest“-Kanton erschwert es der Stadt Zürich erheblich, eine unter allen Aspekten nachhaltige Politik zu betreiben.
Die Details:
Mit dem Ja zur Reduktion der (sozialverträglichen) Krankenkassen-Prämienverbilligungen steigt der Druck, aus dem „Krankheitswesen“ endlich ein Gesundheitswesen zu machen.
Dialekt im Kindergarten ist definitiv eine Forderung gegen die Integration, fördert die Ausgrenzung. Der nächste Schritt der InitiantInnen dürfte wahrscheinlich sein, dass von den Lehrkräften „autochthone“ Mundart-Kenntnisse verlangt werden.
Das Nein der Stimmberechtigten zu allen drei Steuervorlagen verlangt dringlich nach einer ökologischen Steuerreform auch im Kanton Zürich.
Das deutliche Ja der Stimmberechtigten zum Finanzausgleichsgesetz, aber noch viel klarer das deutliche Nein zum $VP-FDP-Zechpreller-Vorschlag von der Goldküste zeigen, dass sich die Stimmberechtigten eine noch stärkere Ausprägung des Finanzausgleiches zugunsten der Finanzierung der Zentrumslasten der grossen Städte vorstellen können.
Das deutliche, nicht durch den Stadt-Land-Graben geprägte Nein der Stimmberechtigten zu den Sterbehilfe-Verhinderungs-Initiativen weist darauf hin, dass die ZürcherInnen den freien Willen des Individuums über das eigene Lebensende respektieren – auch als klares Signal sowohl gegenüber der nationalen als auch der internationalen Politik.
Es fällt auf, dass regelmässig Goldküstengemeinden die letzten sind, die die Abstimmungsergebnisse an den Kanton abliefern – das kann kaum Zufall sein!