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Ökodumping | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Fri, 16 Jan 2015 22:23:33 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 44487214 Mehr im Sack – voraussichtlich Öko- und Sozialdumping https://www.umweltnetz.ch/content/mehr-im-sack-voraussichtlich-oeko-und-sozialdumping Fri, 16 Jan 2015 22:23:33 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=6094 Migros wirbt im Moment mit «Mehr im Sack», z.B. die Komponenten für einen Sonntagsbrunch zu 14.05 CHF. Was ist von einem solchen Angebot zu halten? Corn Flakes, «Erdbeer»-Konfitüre, Instant-Cappuccino, Toastbrot, Milch, «Erdbeer»-Joghurt, Lyoner-Wurstscheiben, Brie – alles aus der Sortiments-Linie «M-Budget» – machen diesen etwas eigenartigen Brunch aus. Früchte fehlen, auch an Ballaststoffen mangelt es, stattdessen … „Mehr im Sack – voraussichtlich Öko- und Sozialdumping“ weiterlesen

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Migros wirbt im Moment mit «Mehr im Sack», z.B. die Komponenten für einen Sonntagsbrunch zu 14.05 CHF. Was ist von einem solchen Angebot zu halten?

Corn Flakes, «Erdbeer»-Konfitüre, Instant-Cappuccino, Toastbrot, Milch, «Erdbeer»-Joghurt, Lyoner-Wurstscheiben, Brie – alles aus der Sortiments-Linie «M-Budget» – machen diesen etwas eigenartigen Brunch aus. Früchte fehlen, auch an Ballaststoffen mangelt es, stattdessen hat es ziemlich viele Hilfs- und Zusatzstoffe mit dabei.

Was es bei Coop aus der Linie «Prix Garantie» gibt, kostet exakt gleich viel wie bei Migros! Das betrifft die Hälfte der Produkte aus dem Migros-Sonntagsbrunch-Sack.

Sechs der acht Produkte gibt es bei Coop in Bio-Qualität, bei den zwei übrigen Artikeln handelt es sich um Markenprodukte. Dieser Sonntagsbrunch-Sack mit einem hohen Bio-Anteil kostet drei mal mehr als der Migros-M-Budget-Sack!

Als Hinweis: die Produkte sind bei Coop nicht in den gleichen Portionengrössen erhältlich. Der Preisvergleich erfolgt mit aus den 100-Gramm-Preisen hochgerechneten gleichen Produktmengen.

Es kann davon ausgegangen werden, dass bei Bioprodukten die ökologischen Anforderungen erfüllt sind. Ebenso sollten diese Produkte den Ansprüchen des fairen Handels genügen. Das ist kaum zu bewerkstelligen mit Produkten, die drei mal weniger kosten. Wer den M-Budget-Sonntagsbrunch-Sack kauft, muss damit rechnen, dass Migros (und damit auch Coop) mit den Billiglinien Öko- und Sozialdumping betreiben. Davon ist leider weder auf den Plakaten noch im Internet etwas zu lesen.

The post Mehr im Sack – voraussichtlich Öko- und Sozialdumping first appeared on umweltnetz.ch.]]> 6094 T-Shirt und Solarstromanlagen – nachhaltiger Konsum https://www.umweltnetz.ch/content/t-shirt-und-solarstromanlagen-nachhaltiger-konsum Sun, 12 May 2013 15:46:33 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=5238 Als Folge der Globalisierung und der „Geiz ist Geil“-Mentalität werden etwa in Bangladesch Textilien unter unmenschlichen, ausbeuterischen Bedingungen hergestellt. Dies ist nicht erst seit der Brandkatastrophe von Ende April 2013 mit mindestens 800 Toten in einem Produktionsgebäude in Savar, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka, bekannt. Die Clean Clothes Campaign etwa besteht seit 1989. Von der … „T-Shirt und Solarstromanlagen – nachhaltiger Konsum“ weiterlesen

The post T-Shirt und Solarstromanlagen – nachhaltiger Konsum first appeared on umweltnetz.ch.]]> Als Folge der Globalisierung und der „Geiz ist Geil“-Mentalität werden etwa in Bangladesch Textilien unter unmenschlichen, ausbeuterischen Bedingungen hergestellt. Dies ist nicht erst seit der Brandkatastrophe von Ende April 2013 mit mindestens 800 Toten in einem Produktionsgebäude in Savar, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka, bekannt. Die Clean Clothes Campaign etwa besteht seit 1989. Von der Erklärung von Bern gibt es eine App für „Fair Fashion„.

Auch die Produktion von Solarstromanlagen (genauer der PV-Module) hat sehr viel mit Fair Trade – und damit Nachhaltigkeit – zu tun.

Sollen KonsumentInnen nun Textilprodukte aus Bangladesh (und damit auch aus anderen Ländern ohne faire Produktionsbedingungen) boykottieren? Die Antwort ist weder ja noch nein. Offensichtlich ist, dass solche Textilprodukte eine gewisse Wertschöpfung in den Produktionsländern zur Folge haben. Allerdings: ein Artikel von Urs P. Gasche in infosperber dokumentiert: selbst eine Verdoppelung der Löhne in Bangladesh würde T-Shirts etc in deutschen Läden um höchstens 10 Prozent verteuern. Als erste Antwort: wenn Textilien ein glaubwürdiges Fair Trade-Label tragen, ist es zumindest akzeptabel, solche Kleidungsstücke aus Bangladesh zu kaufen und zu tragen.

Die zweite Antwort ist etwas komplexer: 75 % des Ladenpreises eines Kleidungsstückes machen die Aufwändungen des Detailhandels und der Werbung aus – „Dienstleistungen“ also, die im Land der KäuferInnen erbracht werden – ganze 14 Prozent entfallen auf die Produktionskosten, während Steuern und Transport (dank den lügenden Transportkosten= „nur“ 11 % ausmachen. Damit wird ein zentraler Aspekt der aktuellen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik erkennbar: wohlhabende Staaten sind vor allem deshalb wohlhabend, weil der gesamte Arbeitszeitaufwand für die produzierende Wirtschaft minimiert und der Dienstleistungsanteil maximiert wird! Wenn mit den Argumenten der Entwicklungspolitik von Boykott von Produkten in Bangladesh abgeraten wird, ist dies eindeutig als nicht-nachhaltige Empfehlung zu betrachten. Denn: die nicht fair behandelten Arbeitskräfte in Bangladesh konkurrenzieren mit mindestens ebenso unfair behandelten Arbeitskräften in anderen Billiglohngebieten, sie konkurrenzieren immer häufiger auch mit Produktionsrobotern – sie konkurrenzieren nicht mit den im Dienstleistungsbereich arbeitenden Menschen in den wohlhabenden Ländern! Wohlhabende Länder sind in der Regel demokratische Rechtsstaaten mit funktionierenden Institutionen, mit durchgesetzten arbeits- und umweltrechtlichen Vorgaben – die Frage ist dabei, ob dieser Wohlstand damit zusammenhängt, dass die Menschen, die für die Wohlhabenden produzieren, nicht fair behandelt werden! Dazu kommt – das gilt sowohl für Bekleidung wie IKT, allenfalls auch für PV-Module: da diese Produkte einen modischen Anteil haben, gehört die geplante Obsoleszenz mit zu den nicht-nachhaltigen Aspekten!

“Designed somewhere in Europe or US – Assembled in an Eco- and Social Dumping Country” – das gilt für die Textilprodukte genau so wie für IKT-Produkte und damit auch Photovoltaik-Module. Die aktuellen Debatten über Anti-Dumping-Zölle bei chinesischen PV-Produkten zum Schutz der Reste der deutschen PV-Industrie haben letztlich den gleichen Hintergrund wie die Debatten über faire Textilien. Die arge Luftverschmutzung in China, die nachweislich unmenschlichen Arbeitsbedingungen und der tiefe Demokratieindex (2011: 3.14, (=Autoritäres Regime), Maximalwert für vollständige Demokratien: 10) führen direkt zu tiefen Produktionskosten, was bei Öko- und Sozialdumping zu erwarten ist.

P.S. Gleichzeitig ist darauf hinzuweisen, dass diese offensichtlichen Dumping-Preise nicht allein ausschlaggebend sind für die Zukunftschancen der deutschen PV-Industrie. Noch im Oktober 2012 hat Thomas Kubr von Capital Dynamics am NZZ-«Equity» Cleantech Day im Bereich der erneuerbaren Energien „lohnende Investments, um auf eine durchschnittliche Rendite von 10% bis 14% zu kommen“ gefordert – das sind Renditen, die im Kleinkreditgeschäft als wucherisch (oder eben abzockend) gelten! Zu beachten ist auch der massiv marktverfälschende Effekte der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV, welche Subventionitis-Gelder an falsche Orte fliessen lässt.

Fazit: Kleider, Computer, Tablets, Smartphones, PV-Module etc aus Öko- und Sozialdumping-Ländern sind akzeptabel, wenn sie ein anerkanntes und unabhängig geprüftes Label tragen. An der Suffizienz, an „All you need is less“ führt nichts vorbei – und dazu braucht es das bedingungslose Grundeinkommen für alle!

The post T-Shirt und Solarstromanlagen – nachhaltiger Konsum first appeared on umweltnetz.ch.]]> 5238 Unsere Lebensmittel: hoher Preis für Tiefpreis-Strategie https://www.umweltnetz.ch/content/unsere-lebensmittel-hoher-preis-fur-tiefpreis-strategie Mon, 17 Jan 2011 22:29:52 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=2475 Haben Sie gerne Dioxin, und seien es auch nur Spuren, auf Ihrem Teller? Es wirkt befremdlich, dass in Zeiten eines erneuten Lebensmittelskandals – Dioxin in Futtermitteln – nicht nur in Deutschland, der Harddiscounter Denner ausgerechnet die eigene Tiefpreis-Strategie, mitantreibendes Element dieser Lebensmittelskandale, anpreist. Denn klar ist: Tiefpreise von Lebensmitteln führen zu Sozial- und Oekodumping! Zwei … „Unsere Lebensmittel: hoher Preis für Tiefpreis-Strategie“ weiterlesen

The post Unsere Lebensmittel: hoher Preis für Tiefpreis-Strategie first appeared on umweltnetz.ch.]]> Haben Sie gerne Dioxin, und seien es auch nur Spuren, auf Ihrem Teller? Es wirkt befremdlich, dass in Zeiten eines erneuten Lebensmittelskandals – Dioxin in Futtermitteln – nicht nur in Deutschland, der Harddiscounter Denner ausgerechnet die eigene Tiefpreis-Strategie, mitantreibendes Element dieser Lebensmittelskandale, anpreist. Denn klar ist: Tiefpreise von Lebensmitteln führen zu Sozial- und Oekodumping!

Zwei Trends charakterisieren das Lebensmittelangebot: der in den letzten 30 bis 40 Jahren deutlich kleiner gewordene Anteil der Lebensmittel an den Warenkorb-Kosten eines Haushaltes, und der höhere Vorfertigungsanteil (es werden immer weniger Rohprodukte, dafür immer mehr Halbfabrikate (Convenience-Food) verkauft). Diese Entwicklung führt zu einem enormen Druck auf alle Produktions- und Verarbeitungsstufen von Lebensmitteln, verbunden auch mit der Tendenz, Lebensmittel immer häufiger auf ihre Funktion als funktioneller Nahrungsbestandteil zu reduzieren – bis hin zu Scheinkäse oder -fleisch.

Parallel dazu entwickelten sich verschiedene Produktelinien zu inneren und äusseren Werten von Lebensmitteln. Bio ist ein Stichwort dazu, Weight Watchers oder Slow Food sind weitere. Spannend, was in den Gestellen eines grossen Ladengeschäftes etwa von Coop oder Migros alles Platz findet! Als exemplarische Beispiele: das Yoghurtangebot (ich meine dabei nicht die Geschmacksrichtungen, sondern die Vielfalt von produkten, Labeln, Fettgehalten, …) oder, wie das Herrchen oder Frauchen auch das Haustier, die Fülle an Katzen- und Hundefutter. Im gleichen Gestell findet sich alles vom Harddiscount-Angebot bis zu „Luxus“-Produkten in verschiedenen Ausprägungen. Damit verbunden scheint auch die Entwicklung zu sein, dass Pionieranbieter von Biolebensmitteln (z.B. Vatter Bio-Markt) aus dem Markt verschwinden.

Jeder Lebensmittel-Skandal ruft zwangsläufig nach verstärkter staatlicher Kontrolle – nicht zuletzt auch, dass später, wenn der Skandal etwas vergessen gegangen ist, wieder der bürokratische Staat beklagt werden kann. Schon fast unerklärbar ist, warum die Privatinhaber von Harddiscountern (als Beispiele Denner/Schweri, Aldi/Gebrüder Albrecht) zu riesigen Vermögen kamen, während gleichzeitig viele Jobs in der gesamten Lebensmittelkette als eigentliche Prekariate interpretiert werden müssen.

Klar ist: im Lebensmittelbereich versagt mit Sicherheit der Markt, auch der Staat kann auf Dauer die Lebensmittelsicherheit nicht umfassend gewährleisten. Es bleibt nur eines: jede und jeder einzelne muss Verantwortung für die Qualität, für die inneren und äusseren Werte der eigenen Nahrung, der für das Leben benötigten Mittel übernehmen.

Dazu gibt es einiges an Hilfestellungen. Ganz einfaches: alles meiden, was mit „garantierter Tiefstpreis“ angeschrieben steht, solche Produkte sind unter Nachhaltigkeitsaspekten hoch defizitär. Dafür auf Lebensmittel mit dem Bio-Knospe-Label setzen – zumindest gegen die üblichen Nahrungsmittel-Skandale scheint dies zu wirken. Auch wenn es immer wieder ProduzentInnen gibt, die die Bio-Vorgaben als zu bürokratisch wahrnehmen – offenbar hat Skandalfreiheit mit Qualitätsansprüchen und damit halt klar vorgegebenen Abläufen zu tun (P.S. Link zur WWF-Hilfe im Labelsalat)! Und weil Bio in einzelnen Bereichen etwas teurer ist: Teilzeit-Vegi als gleichzeitig klimaschützerisches Kostensenkungsprogramm, und klar: wenn schon Fleisch, dann Fleisch von zertifizierten Bio-Landwirtschaftsbetrieben!

Als Sammlung: lokal, saisonal, fair …

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