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Grenzen des Wachstums | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Fri, 25 Jan 2013 08:53:45 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 44487214 ECOPOP-Initiative ist für ungültig zu erklären https://www.umweltnetz.ch/content/ecopop-initiative-ist-fur-ungultig-zu-erklaren Mon, 21 Jan 2013 19:41:42 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=4711 Es ist schon erschreckend genug, dass die Unterschriften für die ECOPOP-Initiative zusammengekommen ist. Der Initiativ-Text ist ein unappetitliches Gebräu von Pseudo-Nachhaltigkeit und nationalistischem Gedankengut – diese Initiative ist mit sehr guter Begründung zumindest als faschistoid zu bezeichnen. Diese Initiative verstösst massiv gegen die Bundesverfassung, und sie widerspricht ethisch-moralischen Grundsätzen der Aufklärung (Geschwisterlichkeit, Gerechtigkeit, Freiheit). Nachhaltige … „ECOPOP-Initiative ist für ungültig zu erklären“ weiterlesen

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Es ist schon erschreckend genug, dass die Unterschriften für die ECOPOP-Initiative zusammengekommen ist. Der Initiativ-Text ist ein unappetitliches Gebräu von Pseudo-Nachhaltigkeit und nationalistischem Gedankengut – diese Initiative ist mit sehr guter Begründung zumindest als faschistoid zu bezeichnen. Diese Initiative verstösst massiv gegen die Bundesverfassung, und sie widerspricht ethisch-moralischen Grundsätzen der Aufklärung (Geschwisterlichkeit, Gerechtigkeit, Freiheit).

Nachhaltige Entwicklung ist ein Prinzip. „DIE NACHHALTIGKEIT“ gibt es nicht. Eine maximale Zahl von Menschen auf der Erde oder in der Schweiz ist nicht durch die Nachhaltigkeit in irgend einer Form begründbar. Wenn die Initiative postuliert, dass „auf dem Gebiet der Schweiz eine Einwohnerzahl auf einem Niveau anzustreben ist, auf dem die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft sichergestellt sind.„, so ist allein dies in mehrfacher Hinsicht absurd und damit nicht initiativfähig:

  • Erstens wird durch diese Formulierung suggeriert, dass derzeit die Entwicklung der Schweiz nachhaltig sei. Dem ist gar nicht so, im Gegenteil: das Nachhaltigkeitmonitoring MONET des Bundes weist nach, dass die derzeitige Entwicklung der Schweiz in keiner Art und Weise als nachhaltig bezeichnet werden kann.
  • Zweitens sind bereits heute die ökologischen Fussabdrücke der in der Schweiz lebenden Menschen je nach Lebensstil sehr unterschiedlich. Von den „Grösstfüssen“ erträgt es wahrscheinlich nicht einmal eine Million Menschen. Selbst bei den aktuellen Öko-Kleinstfüssen ist die Nachhaltigkeit nicht gegeben – es ist aber vorstellbar, dass bei konsequenter Weiterentwicklung und Propagierung des LOVOS-Lifestyle die Schweiz aber auch noch viel mehr Menschen auf nachhaltige Art und Weise beherbergen kann. Offensichtlich ist, dass diese Initiativformulierung die aktuellen Zu-Gross-Füsse bevorzugt, womit der Vorwurf der faschistoiden Denke erfüllt ist.
  • Die Schweiz steht in sehr intensivem Austausch mit dem näheren und auch weiteren Ausland, dies gilt sowohl für Importe wie für Exporte. Computer, die in Fernost produziert werden, vergrössern den ökologischen Fussabdruck der in diesen Ländern lebenden Menschen, obwohl die Nutzung z.B. in der Schweiz erfolgt – ebenso ist es mit der „Entsorgung“ der Computer-Komponenten in afrikanischen Ländern (offenbar trotz SWICO). Die Initiative sagt nichts zu der Bilanzierung der Importe und Exporte – die Festlegung der Bilanzierungsgrenzen zur Beurteilung der nachhaltigen Entwicklung hat ein erhebliches Willkürpotential. Eine solche Festlegung darf nicht zur Steuerung der Migrationspolitik verwendet werden. Auch darum ist die Initiative für ungültig zu erklären.

Nur schon allein die missbräuchliche Verwendung des Nachhaltigkeitsberichts verlangt also, dass diese Initiative für ungültig erklärt wird – Ausführung zur Verletzung der Leitwerte einer aufgeklärten Gesellschaft muss nicht weiter ausgeführt werden. Die missbräuchliche Verwendung von Nachhaltigkeit zeigt auch auf, dass jeder Bezug auf „Öko“ nicht gerechtfertigt ist.

Das Problem der nachhaltigen Entwicklung sind also nicht die Menschen, die derzeit oder zukünftig zusätzlich in der Schweiz Wohnsitz nehmen möchten. Es sind jene Menschen, die bereits hier leben, die zum übermässig grossen ökologischen Fussabdruck beitragen. Es führt nichts daran vorbei: „Schweiz heute“ muss massiv nachhaltiger werden, und weil die ECOPOP-Initiative den Blick auf die zukünftig zusätzlich in der Schweiz lebenden Menschen richtet, lenkt sie vom Problem der aktuell bestehenden Un-Nachhaltigkeit ab. Durch diese Initiative verpasst also die Schweiz die Chance, die entscheidenden Weichenstellung Richtung tatsächlicher nachhaltiger Entwicklung vorzunehmen; ein Aspekt unter vielen: Energiepolitik for Dummies.


Es gibt somit kein „Das Boot ist voll“-Argument zur Bevölkerungsentwicklung der Schweiz. Entsprechende Verhaltensweisen vorausgesetzt, ist im Prinzip keine obere Begrenzung der maximal auf der Erde lebenden Menschen erforderlich. Aber: es ist selbstverständlich klug, die Geschwindigkeit der Bevölkerungsentwicklung zu beeinflussen, weil die Anpassungszeiten länger werden, zum Beispiel zur Reduktion des Fleischkonsums. Für Länder gibt es erst recht keine obere Grenze. Es ist durchaus auch ein Entwicklungsmodell „Ökostadt Schweiz“ vorstellbar. Das Einfamilienhaus auf dem Land mit täglichem Autopendeln gehört definitiv nicht dazu (diese Pseudo-Idylle ist bereits heute kein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung).

Es führt nichts daran vorbei: die ECOPOP-Initiative ist so rasch als möglich für ungültig zu erklären.

The post ECOPOP-Initiative ist für ungültig zu erklären first appeared on umweltnetz.ch.]]> 4711 Was heisst „nachhaltige Entwicklung“? Nachbetrachtung zum Neuen Jahr. https://www.umweltnetz.ch/content/was-heisst-nachhaltige-entwicklung-nachbetrachtung-zum-neuen-jahr Sat, 05 Jan 2013 21:09:27 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=4633 Die Schweiz hält sich in praktisch allen Rankings zuoberst. – Europa wankt, der Schweiz geht es blendend. Diese Ausnahmestellung verstärkt bei den Schweizern die Furcht vor dem Verlust des Wohlstandsvorsprungs. Zwei Zitate aus einem Tamedia-Beitrag mit dem Titel Die Schweiz wird zur Insel der Angst. Der digitale 400-Zeichen-Stammtisch bestätigt diese Angst, will sie sogar als … „Was heisst „nachhaltige Entwicklung“? Nachbetrachtung zum Neuen Jahr.“ weiterlesen

The post Was heisst „nachhaltige Entwicklung“? Nachbetrachtung zum Neuen Jahr. first appeared on umweltnetz.ch.]]> Die Schweiz hält sich in praktisch allen Rankings zuoberst. – Europa wankt, der Schweiz geht es blendend. Diese Ausnahmestellung verstärkt bei den Schweizern die Furcht vor dem Verlust des Wohlstandsvorsprungs. Zwei Zitate aus einem Tamedia-Beitrag mit dem Titel Die Schweiz wird zur Insel der Angst. Der digitale 400-Zeichen-Stammtisch bestätigt diese Angst, will sie sogar als Tatsache sehen. In Anpassung eines Zitats vom (bald „alt“) Zürcher Stadtrat Martin Vollenwyder: Der Schweiz geht es auf hohem Niveau schlecht – oder einfacher auch jammern will gekonnt sein.

Die Schweiz steht nicht nur in „guten“ Ratings ziemlich zuoberst: sie ist weit davon entfernt, nachhaltig unterwegs zu sein! Jørgen Randers lässt in seinem Buch „2052 – Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre“ den australischen, in Europa lebenden Diplomaten Paul Hohen zu Wort kommen, mit einem virtuellen Rückblick vom Jahr 2052 aus. Er schreibt: „Leiden des Übergangs: In allen entwickelten Ländern brachte die Verschiebung von durch fossile Rohstoffe angetriebenem Wachstum hin zu nachhaltiger Entwicklung heftiges soziales und ökonomisches Leid mit sich.“

Im Gespräch mit vielen Menschen nehme ich wahr, dass ein hoher Anteil von Menschen – aus verschiedenen Kreisen – für sich alleine weiss, dass unsere Gesellschaft auf viel zu grossem Fuss lebt, wir uns den aktuellen Lebensstil gar nicht leisten können (und auch nicht sollten). Nur eben: auf der „Insel“ der hohen Rankings lebt es sich gut, sehr gut sogar – die Zuzüge aus dem Ausland sprechen da eine deutliche Sprache. Von sich aus und erst noch alleine mag kaum jemand sich auf den Weg machen in Richtung Nachhaltigkeit. Es handelt sich dabei um einen komplexen Vorgang – der Sozialethiker Otto Schäfer schreibt vom Abschiednehmen von der Verschwendung!

Ängste sind bedeutungsvoll, sie sind aber schlechte RatgeberInnen. Das Abschiednehmen von der Verschwendung lässt sich allenfalls herauszögern. Je schneller die Schweiz von den fossilen und nuklearen Energieträgern loskommt, desto einfacher ist es, diesen Übergang aus der aktuellen (relativen) Stärke heraus – siehe Rankings – gesellschaftsverträglich gestalten zu können. Es braucht dazu auch eine Energiepolitik von unten – und so rasch als möglich ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle!

Zu diesem energiepolitischen Übergang passen zwei andere Themen aus der Zeit des Jahresübergangs – einerseits die Artikel über Eingriffe in die Studienwahl, andererseits die Frage, ob es mit dem Wachstum vorbei sei.


Ein Studium – wie hoffentlich auch andere Berufsausbildungen – sollen die Auszubildenden befähigen, relevante Beiträge zur Lösung aktueller Fragestellungen leisten zu können. Dazu gehört immer ein Grundstock an Fach- und Sachwissen. Zentraler sind aber Kenntnisse über methodische Arbeitsweisen und die Möglichkeiten des Wissensmanagement, zusammen mit Befähigungen im Selbstmanagement. „Lebenlanges Lernen“ ist angesagt, Inter- und Transdisziplinarität ist erforderlich. Oder anders: Menschen, die ein Erwerbsleben lang ausschliesslich von den Inhalten des Grundstudiums leben können, gibt es nicht – dauernde Aus- und Weiterbildung ist zwingend.

Sowohl die Energiewende wie übergeordnet das Abschiednehmen von der Verschwendung erfordern Kenntnisse aus einer Vielzahl von Fachbereichen – und es braucht nicht nur naturwissenscahftliche/technische Kenntnisse, sondern zum Beispiel solche in Umweltpsychologie und -soziologie, Marketing, Recht, Kommunikation …

Auch wenn Aussagen über die zukünftige technologische Entwicklung eine ziemlich wacklige Angelegenheit sind, fällt es auch, wenn verschiedene Denker (leider dieses Mal keine Innen) zu ähnlichen Schlüssen kommen und davon ausgehen, dass sich die Nutzen der ersten und zweiten „Industriellen Revolution“ nicht beliebig wiederholen lassen, was auch von begrenztem Nutzen wäre, weil das zweite und dritte Smartphone usw wenig Sinn machen.


Einmal mehr eine ganze Reihe von Aspekten, die zum Schluss führen, dringlich den Weg in Richtung harter Nachhaltigkeit anzugehen!

The post Was heisst „nachhaltige Entwicklung“? Nachbetrachtung zum Neuen Jahr. first appeared on umweltnetz.ch.]]> 4633 Vom Erwachen im Schlaraffenland https://www.umweltnetz.ch/content/vom-erwachen-im-schlaraffenland https://www.umweltnetz.ch/content/vom-erwachen-im-schlaraffenland#comments Mon, 18 Apr 2011 15:42:43 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=2840 Das Schlaraffenland gibts nur im Märchen – ein Land, in dem der Faulste König wird. Die reichen Länder dieser Erde haben einen übermässig grossen Fussabdruck – die Menschen beanspruchen (unverdient) mehr von der Erde, als ihnen zusteht – das entspricht schon fast den märchenhaften Vorstellungen des Schlaraffenlandes. Nur: bewusst oder unbewusst wissen die meisten Menschen, … „Vom Erwachen im Schlaraffenland“ weiterlesen

The post Vom Erwachen im Schlaraffenland first appeared on umweltnetz.ch.]]> Das Schlaraffenland gibts nur im Märchen – ein Land, in dem der Faulste König wird. Die reichen Länder dieser Erde haben einen übermässig grossen Fussabdruck – die Menschen beanspruchen (unverdient) mehr von der Erde, als ihnen zusteht – das entspricht schon fast den märchenhaften Vorstellungen des Schlaraffenlandes. Nur: bewusst oder unbewusst wissen die meisten Menschen, dass es auf Dauer nicht gut gehen kann, dermassen massiv über die Verhältnisse zu leben. Immer wieder wird versucht, von der Schlaraffenart des ökologisch übergrossen Fussabdrucks abzulenken, zum Beispiel mit Forderungen der Beschränkung der Einwanderung – dies ist nicht zwingend fremdenfeindlich, hat aber schlicht nichts mit der Realität zu tun.

Der erste wirklich brauchbare Beitrag des nicht wirklich nötigen Tamedia-Produkts Politblog stammt von grünen Nationalrat Bastien Girod: Was macht die Schönheit der Schweiz aus? Er beschäftigt sich mit den realen Politaussagen der $VP, die sich allerdings als Fiktion – also Märchen – entpuppen.

Es ist festzuhalten: der durchschnittliche Lebensstil der SchweizerInnen ist nicht nachhaltig, geht also zu Lasten von Menschen in anderen Weltgegenden, geht zu Lasten von zukünftigen Generationen. Die meisten Indikatoren, die das Mass ökologischer Belastungen beschreiben (zum Beispiel die Wohn, nehmen pro Kopf deutlich schneller zu als die Bevölkerung der Schweiz. Reiche Länder waren zudem schon immer Einwanderungsländer, nicht zuletzt deshalb, weil wegen der Veränderung der Sozialstruktur insbesondere Hilfskräfte für schlecht bezahlte manuelle Arbeiten, etwa in der Landwirtschaft, im Inland gar nicht zu finden sind. Und gerade relativ kleine Länder wie die Schweiz (die sich zudem den Luxus der Viersprachigkeit leistet), sind zwingend auf den Austausch auf verschiedenen Ebenen mit dem „Ausland“ angewiesen. Nicht vergessen werden darf dabei, dass die Schweiz in früheren Zeiten auch ökonomisch davon profitiert hat, phasenweise Auswanderungsland zu sein …

Festzuhalten ist auch der Unsinn der aktuellen Wirtschaftsförderungs- und Steueroptimierungspolitik der Schweiz. Gerade im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung ist es nicht nachvollziehbar, warum beispielsweise die Firma Transocean ihren Sitz in der Schweiz hat. Erwachen im Schlaraffenland bedeutet für die schweizerische Wirtschaftspolitik, dass prioritär oder gar ausschliesslich Firmen mit nachweislich nachhaltigem Profil gefordert sind …

Gibt es „Grenzen des Wachstums“ für die globale Bevölkerung, für die Bevölkerung eines Landes, etwa der Schweiz? Weil der Overshoot Day – der Tag, an dem die lebenden Menschen das konsumiert haben, was die Erde innerhalb eines Jahres nachhaltig bereitstellen kann – bereits im August erfolgt, sind global betrachtet die Grenzen bereits überschritten. Wie vielen Menschen die Erde ein gutes Leben ermöglichen kann, hängt ganz einfach von den Ansprüchen dieser Menschen ab. Derzeit sind diese massiv zu hoch. Vor allem zu beachten: diese Ansprüche sind alles andere als gerecht verteilt über diesen Planeten! Klar ist: eine Wegwerfgesellschaft ist nicht zukunftsfähig, gefordert ist eine Wirtschaftsweise, die „Cradle to Cradle“ – von der Wiege zur Wiege -, umsetzt.

Wer sich gegen die Schweiz als Einwanderungsland wehrt, ohne gleichzeitig dafür zu sorgen, dass der ökologische Fussabdruck der SchweizerInnen kleiner wird, verhält sich gleichzeitig fremdenfeindlich und zechprellerisch (das ist Entsprechung von „Schlaraffenland“ in der realen Welt)! Gefordert sind auch in der Schweiz kompakte, auf die zu Fuss gehenden ausgerichtete Ökostädte mit Ökoquartieren!

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