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fossilfreie Energieversorgung | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Sat, 21 Sep 2019 17:44:18 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 44487214 Klimanotstand: «System Change» statt Warmluft-Wahlpropaganda https://www.umweltnetz.ch/content/klimanotstand-system-change-statt-warmluft-wahlpropaganda Sat, 21 Sep 2019 14:19:41 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7623 «Alu sammeln ist gut, Alu meiden besser». Schon Anfangs der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts war offensichtlich, dass Umweltpolitik nicht Symptombekämpfung sein sollte, sondern an den Ursachen möglicher Umweltbelastungen anzusetzen hat. Der Klimanotstand – seit etwas mehr als einem Jahr allgegenwärtig – illustiert diese mindestens vierzig Jahre alte Erkenntnis treffend. Letztlich geht es darum, das bezeichnende … „Klimanotstand: «System Change» statt Warmluft-Wahlpropaganda“ weiterlesen

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«Alu sammeln ist gut, Alu meiden besser». Schon Anfangs der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts war offensichtlich, dass Umweltpolitik nicht Symptombekämpfung sein sollte, sondern an den Ursachen möglicher Umweltbelastungen anzusetzen hat. Der Klimanotstand – seit etwas mehr als einem Jahr allgegenwärtig – illustiert diese mindestens vierzig Jahre alte Erkenntnis treffend. Letztlich geht es darum, das bezeichnende Wort «Entsorgung», hin und wieder auch «Entsorguns» geschrieben, durch Denken und Handeln in geschlossenen Kreisläufen – von der Wiege zur Wiege oder «Cradle-to-Cradle» C2C – abzulösen. Dies ist ein eindeutiger «System Change» – und darum in gewissen Kreisen vehement bestritten oder mindestens schön geschwatzt.

Einige Beispiele:

  • Erdgas hat bei der Verbrennung leicht tiefere Emissionen des Treibhausgases CO2. Bei der Verbrennung gelangt zwar ein bisschen weniger Treibhausgas in die Atmosphäre – aber es handelt sich noch nicht um echten Klimaschutz. Dieser wird erst erreicht, wenn keine Treibhausgase mehr in die Atmosphäre gelangen. Dazu kommt: nach einer neuen Studie entstehen in der Kette von der Erdgasgewinnung bis zur Erdgasverbrennung hohe Methanemissionen, die in der Tendenz zu einer höheren Treibhausgasbelastung im Vergleich zu Heizöl oder sogar Kohle führen.
  • Wenn die gesamte Kette des Elektroautos C2C ausgestaltet ist,  sind solche Fahrzeuge eine deutlich bessere Lösung als Fahrzeuge mit Treibstoffen aus fossilen Benzin oder Diesel, auch als Fahrzeuge, die mit flüssigen oder gasförmigen erneuerbaren Treibstoffen betrieben werden. Autos haben weitere erhebliche umwelt-, verkehrs-, siedlungs- und gesellschaftspolitische Auswirkungen, die einen Eins-zu-Eins-Ersatz bisheriger Benzin- oder Dieselautos durch Elektroautos nicht als zweckmässig erscheinen lassen. Auch hier gilt: Um die Mobilität zu erhalten, braucht es weniger Verkehr.
  • Biogas könnte einen gewissen Teil der Energieversorgung übernehmen. Hauptquellen für die Biogasproduktion wären die Ausscheidungen der landwirtschaftlichen Nutztiere und Food Waste. Da die heutige Landwirtschaft  über zu grosse Tierbestände, meist in nicht artgerechter Haltung, verfügt, und Food Waste im Sinne von C2C zu vermeiden ist, ist das nachhaltig bereitstellbare Biogas-Potenzial relativ bescheiden.

Um einmal mehr den Weltklimarat IPCC zu zitieren: erforderlich sind ab sofort «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft». Es geht also um schlicht alles, was in irgend einer Form Energie braucht – Gebäude, Verkehr, Privates, Geschäftliches, Konsum, Ernährung, …

Zentral dabei ist gesellschaftlicher Konsens, dass möglichst rasch eine fossilfreie Gesellschaft, welche den C2C-Grundsatz befolgt, zu erreichen ist.

«Man würde statt Massnahme X besser Massnahme Y realisieren» ist letztes Jahrhundert, ebenso «solange U. V macht, kann ich noch lange W machen» (zum Beispiel «solange U. Käse isst, darf ich noch lange Steaks auf den Grill legen»).

Wir haben als gesellschaftliche und individuelle Aufgabe eine konsequent nachhaltige Entwicklung anzugehen, unter Berücksichtigung der handlungsleitenden Prinzipien Suffizienz, Effizienz und Konsistenz (in dieser Reihenfolge), im Wissen darum, dass es bei dieser Entwicklung für jede und jeden liebgewordene Gewohnheiten gibt, die aufgegeben werden müssen.

Zitat dazu aus dem Buch «Kraftwerk Schweiz» von Anton Gunzinger, aus dem Brief einer Studentin an ihren Urgrossvater (selig), als Climate Fiction datiert am 2. Februar 2097: «Wenn ich vergleiche, wie ihr gelebt habt und wie wir heute leben, so muss ich zugeben: Wir sind materiell gesehen nicht mehr so reich, wie ihr es gewesen seid. Aber wir haben mehr Musse, mehr Zeit füreinander und nehmen mehr Rücksicht. Es gehört zu unseren wichtigsten Beschäftigungen, jeden Tag aufs Neue zu lernen, zu interpretieren, Zusammenhänge zu erarbeiten und erworbenes Wissen weiterzugeben. Wir sind neugierig wie kleine Kinder, lachen viel, können wieder staunen und haben alles, was es braucht, um ein erfülltes Leben zu führen. Wir fühlen uns wie im Paradies.»

Dies schafft die Verbindung zur Entwicklung der Diskussionen zum Klimanotstand: Zu Beginn gab es zahlreiche Versuche, die Notwendigkeit eines schnellen und gründlichen Klimaschutzes zu negieren. Die Entwicklung des Diskurses führte zur Forderung, die umzusetzenden Klimaschutzmassnahmen müssten auch für ökonomisch Benachteiligte finanzierbar sein. Zu beachten ist dabei allerdings angesichts des Klimanotstandes, dass der Klimaschutz nicht aus ökonomischen Rücksichten langsamer und weniger konsequent erfolgt, sondern dass die ökonomische Sicherung entsprechend anzupassen ist. Als Hinweis: Es gibt sehr viele Untersuchungen, die aufzeigen, dass eine Energieversorgung mit nachhaltig nutzbaren erneuerbaren Energien aus ökonomischer Sicht langfristig vorteilhafter ist als das Verbleiben bei den fossilen Energieträgern. Dazu kommt, dass es ebenfalls zahlreiche Untersuchungen gibt, die sehr deutlich zeigen, dass Klimaschutz aus finanzieller Sicht günstiger kommt als die Anpassung an die Klimakrise.

Der gesellschaftliche Konsens für eine raschmöglichst zu erreichende fossilfreie Gesellschaft mit C2C-Grundsatz bedeutet, dass alle individuellen und gesellschaftlichen Handlungsebenen zu nutzen sind. Gesetze (Stichwort Ökoroutine) und vorbildliches, eigenverantwortliches Handeln gehören in gegenseitiger Verstärkung zusammen. Und dies im Wissen darum, dass «liberal» nicht als Begründung dafür verwendet werden  kann, weiterhin CO2 in die Atmosphäre wegzuwerfen – CO2, welches bei sach- und fachgerechter Anwendung fossiler Brenn- und Treibstoffe als Gift für das gemeinsame Gut «Weltklima» wirkt.

«System Change» statt Warmluft-Wahlpropaganda: Dies verlangt, dass wir möglichst rasch eine echte fossile Null erreichen wollen – und nicht anach Ausflüchten suchen, um den Klimaschutz hinauszuzögern. Nur «System Change» erlaubt es, die kognitive Dissonanz (Handeln steht im Widerspruch zum Wissen) zu überwinden.

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Klimapolitik 2.0: urenkelInnentauglich https://www.umweltnetz.ch/content/klimapolitik-2-0-urenkelinnentauglich Wed, 12 Dec 2018 08:25:31 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7300 Nach vier Debattentagen hat der Nationalrat am 11. Dezember 2018 Nein gesagt zu einem nichtsnutzigen und sinnentleerten CO2-Gesetz. Dies bietet die Gelegenheit, eine neue Schweizer Klimapolitik zu starten – eine Klimapolitik, die wie von der Wissenschaft gefordert, schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft bewirken sollte. Wenn der Mensch gemachte Klimawandel auf … „Klimapolitik 2.0: urenkelInnentauglich“ weiterlesen

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António Guterres, UN-Generalsekretär, Neujahrsansprache 2018
Nach vier Debattentagen hat der Nationalrat am 11. Dezember 2018 Nein gesagt zu einem nichtsnutzigen und sinnentleerten CO2-Gesetz. Dies bietet die Gelegenheit, eine neue Schweizer Klimapolitik zu starten – eine Klimapolitik, die wie von der Wissenschaft gefordert, schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft bewirken sollte.

Wenn der Mensch gemachte Klimawandel auf ein für die Gesellschaft erträgliches Mass begrenzt werden soll, ist um 2040 bis spätestens 2050 auf die Nutzung fossiler Energien zu verzichten. Bis dann ist die gesamte Energieversorgung auf nachhaltig nutzbare erneuerbare Energien umzustellen.

Der Wechsel zu ausschliesslich erneuerbaren Energien ist technisch sehr gut möglich – es ist von weiteren Innovationen. Auch volkswirtschaftlich sind damit erhebliche Vorteile verbunden. Dieser Wechsel wird sinnvoll unterstützt durch Massnahmen mit Suffizienz- und Effizienzbezug. Auch lufthygienisch bietet eine solche Politik erhebliche Vorteile.

Es gibt keinen faktenbasierten Zweifel am Mensch gemachten Klimawandel. Dieser Klimawandel ist massgeblich verursacht durch den übermässigen Verbrauch fossiler Energien. Derzeit argumentieren nur noch die fossile Energiewirtschaft und davon abhängige Interessengruppen gegen schnellen Klimaschutz.

Die Politik hat vorerst für Kostenwahrheit zu sorgen. Fossile Energieträger sind viel zu billig. Die Folgekosten für Mensch und Umwelt werden von der Gesellschaft als direkte und indirekte Subventionen getragen.

Lenkungsabgaben mit vollständiger Rückerstattung der Erträge an Haushalte und Wirtschaft setzen wichtige Signale. Dabei ist zu beachten, dass in der Regel Investitionen in erneuerbare Energien etwas aufwändiger sind als in fossile Technologien, dafür sind die Betriebkosten geringer.

Es braucht – insbesondere in einem demokratischen Rechtsstaat – ein ganzes Set von Vorschriften, von Geboten und Verboten. Dies ist ein wichtiger Pfad, um den Menschen in diesem Lande vorzugeben, was es zu tun und zu lassen gilt.

Von grosser Bedeutung ist das Divestment aus allen Formen der fossilen (Energie-)Wirtschaft. Weder Investitionen in die fossile Energiewirtschaft noch in Unternehmen, die von der fossilen Wirtschaft profitieren, sind angezeigt.

Sollten zudem die zu tiefen Preise der fossilen Energien soziale Missstände überdeckt haben, sind entsprechende flankierende Massnahmen erforderlich. Zu beachten ist dabei, dass Nicht-Klimaschutz ebenfalls zu erheblichen Kosten führt, und zwar sowohl durch die Fortführung der fossilen Energiewirtschaft als auch für Massnahmen zur Bewältigung der Folgen des Mensch gemachten Klimawandels.

Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zeigen, dass bis anhin zu wenig getan wurde, was in Richtung einer nachhaltige(re)n Entwicklung führt. Es fehlen die klaren Botschaften insbesondere der Politik – die Nationalratdebatten zum CO2-Gesetz sind dazu ein exemplarisches Beipiel.

Keine fossilen Energien mehr ab 2040 – das ist eine solche Botschaft. Dies wirkt sich bereits auf heutige Entscheide aus. Heute neu erstellte oder umfassend erneuerte Gebäude werden bis 2040 kaum mehr baulich verändert – sie sollten somit bereits heute ohne fossile Energien auskommen. Was heute nicht an Geld für den Klimaschutz ausgegeben wird, werden wir und zukünftige Generationen mehrfach bezahlen, etwa für die Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Wer nur mit den Kosten argumentiert, handelt hochgradig egoistisch und nimmt keine Rücksicht auf die Interessen der EnkelInnen und UrenkelInnen. Eine solche Botschaft ist somit zukunftsgerichtet – ganz im Gegengteil zu dem, was SVP und FDP in der Nationalratsdebatte angerichtet haben.

Für eine Klimapolitik 2.0, für eine enkelInnen- und urenkelInnen-taugliche Zukunft!

The post Klimapolitik 2.0: urenkelInnentauglich first appeared on umweltnetz.ch.]]> 7300 Klimaschutz, Lärmschutz – oder kollektive Bequemlichkeitsverblödung? https://www.umweltnetz.ch/content/klimaschutz-laermschutz-oder-kollektive-bequemlichkeitsverbloedung Sat, 04 Nov 2017 09:54:37 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7011 Der nachweislich Mensch gemachte Klimawandel, die übermässig Mensch gemachte Lärmbelastung sind eindeutige Hinweise darauf, dass insbesondere die Menschen in den reicheren Ländern (im Mittel) über ihre Verhältnisse leben. Der jährliche Overshoot Day ist ein offensichtlicher Hinweis auf einen nicht nachhaltigen Lebensstil. Zwingend erforderlich wären wirksame und eingreifende Handlungsschritte – stattdessen übt sich die zum Handeln … „Klimaschutz, Lärmschutz – oder kollektive Bequemlichkeitsverblödung?“ weiterlesen

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Der nachweislich Mensch gemachte Klimawandel, die übermässig Mensch gemachte Lärmbelastung sind eindeutige Hinweise darauf, dass insbesondere die Menschen in den reicheren Ländern (im Mittel) über ihre Verhältnisse leben. Der jährliche Overshoot Day ist ein offensichtlicher Hinweis auf einen nicht nachhaltigen Lebensstil. Zwingend erforderlich wären wirksame und eingreifende Handlungsschritte – stattdessen übt sich die zum Handeln aufgerufene Gesellschaft in kollektiver Bequemlichkeitsverblödung.

Eine Welt, die ab 2040 ausschliesslich mit erneuerbaren Energien funktioniert, eine Welt, die den Lärm an der Quelle verhindert – was zu tun ist, ist bestens bekannt. Es braucht disruptive Schritte, um dystopische Entwicklungen zu verhindern. Oder anders: Die Zukunftschance der Menschheit besteht darin, sich so rasch als möglich von den den fossilen und nuklearen Energien zu verabschieden und ausschliesslich erneuerbare Energien nachhaltig zu nutzen!

Wenn wir dies wollen, ist dies auch möglich. Offensichtlich ist allerding, dass bereits dieses gemeinsame Wollen Opfer der kollektiven Bequemlichkeitsverblödung ist. Zu beachten dabei: Lärmschutz, Klimaschutz sind zuerst Menschenschutz. Es geht darum, gute Lebensbedingungen und bewältigbare Veränderungen zu ermöglichen.

In der Schweiz weigert sich der Bundesrat, Klimaschutzziele zu formulieren, die ehrlich und ernsthaft mit dem Pariser Klimaschutz-Übereinkommen vereinbar sind (siehe dazu die Medienmitteilung des WWF vom 6. Oktober 2017). Und es gibt PolitikerInnen, die ernsthaft beabsichtigen, die Lärmschutzgrenzwerte aufzuweichen, um die LärmverursacherInnen zu schonen (siehe zum Beispiel NZZ vom 4. November 2017).

Dieser NZZ-Artikel erläutert die Verblödung recht gut. Offensichtlich ist, dass der bestehende Verkehr zu lärmig ist. Die Explosionsmotoren (heute heissen sie plötzlich Verbrennungsmotoren) haben einen furchtbar tiefen Wirkungsgrad – weil Energie nicht vernichtet werden kann, sind solche Fahrzeuge sehr laute Lärmquellen. Die Erfahrungen der letzten 30 Jahre zeigen leider, dass Massnahmen an der Quelle, etwa Tempo 30 in der Nachbarschaft von Wohngebieten oder andere Antriebstechniken, sehr schwierig umzusetzen sind. Noch offensichtlicher ist, dass grundsätzliche Fragestellungen nicht interessieren – wir haben schlicht zu viel (Auto-)Verkehr, generell müssen Menschen in ihrem Alltag zu viel unterwegs sein. Wir brauchen endlich eine Strategie der Nähe, um im Alltag mit den aus gesundhelticher Sicht empfehlenswerten täglich 7’000 Schritten auskommen zu können. Wenn wir dies wollen, ist dies möglich – dazu müssten wir zuerst erkennen, dass Mobilität und Verkehr wenig bis nichts miteinander zu tun haben. Je mehr Verkehr, desto weniger mobil sind wir!

Weil es also an der Lärmquelle nicht klappt, geht es nur noch um den Lärmschutz am Empfangsort. Nun, es ist durchaus diskutabel, ob offene Fenster in der Nacht geeignet sind, um die Lärmbelastung zu beurteilen. Allerdings müssten bei geschlossenen Fenstern auch Lüftungen – von den einen Zwangs-, von den anderen Komfortlüftungen genannt – genutzt werden. Allein die beiden Begriffe «Zwang» und «Komfort» illustrieren die Breite der öffentlichen Wahrnehmung.

Es ist nicht gerade hilfreich, dass ausgerechnet jene politische Parteien, die als Propaganda-Organisationen für noch mehr Autoverkehr dienen (insbesondere FDP und SVP) auch jene sind, die gegen sämtliche wissenschaftliche Erkenntnisse für weniger Lärmschutz entlang von Strassen eintreten, und dies mit billigerem Wohnraum begründen. Muss also, wer billig(er) wohnen will oder muss, mit gesundheitlich bedenklichen Lärmbelastungen rechnen?

Zwangs- oder Komfortlüftungen dienen neben dem Lärmschutz auch noch der Verminderung des Energieverbrauchs (wenn sie denn richtig genutzt werden). Sie leisten somit einen Beitrag zum Klimaschutz. Leisere Autos wären etwa Elektroautos, die – wenn wir es wollen – ausschliesslich mit erneuerbaren Energien betrieben werden können und für deren Herstellung auf das «Von-der-Wiege-zur-Wiege»-Konzept, also auf geschlossene Stoffkreisläufe, gesetzt werden kann. Weil dies derzeit nicht der Fall ist, betreibt «das fossile Imperium» derzeit massive Propaganda für den Verbleib beim Explosions- oder Verbrennungsmotor.

Kollektive Bequemlichkeitsverblödung funktioniert, weil die Gegenwart lauter schreit als die Zukunft. Vielen Menschen steht die gegenwärtige Bequemlichkeit näher als das Eintreten für eine enkel- und urenkeltaugliche Entwicklung. Verbal wird zwar gelegentlich deklariert, dass es so wie bis anhin nicht weitergehen könne – die Klugheit, die notwendigen Schritte für die erforderlichen disruptiven Veränderungen einzuleiten, vermag sich beim gegenwärtigen Mass an Bequemlichkeitsverblödung allerdings leider leider nicht durchzusetzen.

Im letzten Kapitel des Buches «Kraftwerk Schweiz» von Anton Gunzinger schreibt im Jahr 2097 eine Studentin an ihren Urgrossvater selig. Sie schreibt als Vertreterin einer nachhaltigen Gesellschaft, die dankbar dafür ist, dass dieser Schritt gelungen ist, dass das Leben in einer solchen Welt möglich ist. Sie stellt Fragen, die wir beantworten sollten, bevor wir schulterzuckend auf ehrlichen und ernsthaften Klimaschutz, auf wirksamen Lärmschutz verzichten:

  • Konntest du damals nicht wissen, was auf die Welt zukam – oder wolltest du es nicht wissen?
  • Hast du deine Augen wie die meisten Menschen vor den Entwicklungen verschlossen, die sich immer deutlicher abzeichneten?
  • Für mich und meine Freunde ist es schwer zu begreifen, … wie ihr alle Probleme verdrängt und keinen Gedanken an die Zukunft – unsere Zukunft – verschwendet habt.
  • Was hast du getan, Urgrossvater, als die Erde jahrzehntelang so schamlos geplündert wurde? Hast du dich dafür eingesetzt, die fossilen Energien zu schonen und durch erneuerbare zu ersetzen?

Diese Fragen sind gestellt, auch wenn dies heutige Menschen – Anton Gunzinger und Ghostwriter René Staubli – tun. Trotz aller kollektiven Bequemlichkeitsverblödung müssen wir diese Fragen immer wieder sehr laut und mit viel Energie stellen, und beharrlich auf ernsthaften und ehrlichen Antworten bestehen.

Zur Ehrlichkeit gehört auch, dass die Beantwortung dieser Fragen und die sich daraus ergebenden Handlungen drängend und dringend sind.

Es bleibt dabei: Wenn wir uns einigermassen zukunftstauglich verhalten wollen, ist alles daran zu setzen, um 2040 herum ausschliesslich auf nachhaltig genutzte erneuerbare Energien zu setzen – und bis dann definitiv und endgültig aus den fossilen und nuklearen Energien auszusteigen. Wenn ich will, du willst, Sie wollen, wir wollen, ist dies wirklich zu schaffen!

The post Klimaschutz, Lärmschutz – oder kollektive Bequemlichkeitsverblödung? first appeared on umweltnetz.ch.]]> 7011 Energiepolitik von unten: Sonnenenergie für jedes Haus! https://www.umweltnetz.ch/content/energiepolitik-von-unten-sonnenenergie-fuer-jedes-haus Sun, 06 Aug 2017 09:56:32 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=6841 Was gegenwärtig bei Leuchtturm- und Pilotprojekten realisiert wird, hat zum Normalfall zu werden: Sonnenenergienutzungen auf dem Dach und an der Fassade. Stromproduktion und -verbrauch am gleichen Ort – Strom-ProsumentInnen oder Strom-Prosumer – hat zur Regel zu werden, genauso wie bei der Wärme. Die einfache Botschaft ist klar: möglichst viel Sonnenenergie für jedes Haus! Nicht nur … „Energiepolitik von unten: Sonnenenergie für jedes Haus!“ weiterlesen

The post Energiepolitik von unten: Sonnenenergie für jedes Haus! first appeared on umweltnetz.ch.]]> Was gegenwärtig bei Leuchtturm- und Pilotprojekten realisiert wird, hat zum Normalfall zu werden: Sonnenenergienutzungen auf dem Dach und an der Fassade. Stromproduktion und -verbrauch am gleichen Ort – Strom-ProsumentInnen oder Strom-Prosumer – hat zur Regel zu werden, genauso wie bei der Wärme. Die einfache Botschaft ist klar: möglichst viel Sonnenenergie für jedes Haus!

Nicht nur der Klimaschutz verlangt, dass unsere Energieversorgung raschmöglichst ausschliesslich mit erneuerbaren Energien sichergestellt wird. Raschmöglichst ist somit aus den fossilen und nuklearen Energien auszusteigen. Raschmöglichst heisst, dass dies spätestens um 2040 bis 2050 realisiert sein sollte, wenn es früher geht, ist dies nur von Vorteil.

Auch hier gilt es, die drei Nachhaltigkeitsprinzipien Suffizienz, Effizienz und Konsistenz zu berücksichtigen:

  • Die pro Person beanspruchten Wohn- und Nicht-Wohnflächen sind möglichst gering zu halten. Vermeiden z. B. von Verkehrsleistungen hat an erster Stelle zu stehen.
  • Komfort-, Dienstleistungs- oder Verkehrsnachfragen sind so energieeffizient wie möglich abzudecken.
  • Verbrauchte Energie hat ausschliesslich aus erneuerbaren, nachhaltig nutzbaren Quellen zu stammen. Dabei sind lokal nutzbare Quellen zu bevorzugen.

Angesichts der Realitäten der heutigen Energiewirtschaft – es dominieren Energieflüsse aus fossilen Quellen und aus grossen, zentralen Einrichtungen – ist offensichtlich, dass die neue Energieversorgung nur durch disruptive, einschneidende Veränderungen erreichbar ist. Jede und jeder ist gefordert, es geht um Energiepolitik von unten! Dazu braucht es eindeutige und einfache Botschaften. Handelnde Menschen wollen wissen, was sie zu tun haben, um zukunftsfähig unterwegs zu sein. Sie wollen die Interessen der EnkelInnen und UrenkelInnen bei ihren Entscheiden einbeziehen. Es ist davon auszugehen, dass nicht alle diese Botschaften in einem Tweet mit höchstens 140 Zeichen Platz haben. Eine Botschaft zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung ist allerdings klar: Sonnenenergie für jedes Haus! Es ist mittel- bis längerfristig dafür zu sorgen, dass jedes Gebäude die von den BewohnerInnen/NutzerInnen verbrauchte Energie zu einem hohen Anteil dezentral genutzt bereitstellen kann, es ist also ein hoher Energie-Eigenversorgungsgrad anzustreben.

Auch wenn es elektrische und thermische Sonnenenergie-Nutzungen schon länger gibt, sind noch deutliche Entwicklungen zu erwarten, etwa bei den Wirkungsgraden oder dem ökologischen Fussabdruck bei der Herstellung. Gerade die Umsetzung des Cradle-to-Cradle-Prinzips ist als Chance zu sehen. Die üblicherweise verwendeten Ökobilanzierungen gehen allerdings angesichts der Entwicklungsgeschwindigkeit von Uralt-Daten aus, wie etwa dieser allgemeine Diskussionsbeitrag.

PS: Photovoltaik ist in vielen Belangen verwandt mit der Informations- und Kommunikationstechnologie; auch Computer und Smartphones werden unter sehr ähnlichen Bedingungen produziert wie Solarzellen.

Da Kohlekraftwerke mit Sicherheit nicht zu den 2000-Watt-Gesellschaft-tauglichen Technologien gehören, macht es keinen Sinn, fossile Kraftwerke in Überlegungen zu Solarstrom einzubeziehen. Dies gilt insbesondere für die Stadt Zürich, wo Hauseigentümerschaften und MieterInnen seit mindestens 2015 nur noch Strom aus erneuerbaren Quellen beziehen können (ausser sie gelten als marktberechtigte Strom-Grossverbraucher).

Unsere Energieversorgung baut seit langem auf der Bewirtschaftung von gespeicherten Energieträgern auf. Dies gilt insbesondere für die seit Jahrmillionen gespeicherten fossilen Energieträger Erdöl und Erdgas, aber auch für Wasserkraft aus Speicherseen und Pumpspeicherkraftwerken. Gerade bei der Sonnenenergie-Nutzung ist einiges an Entwicklungen zu erwarten – exemplarisch eine Schlagzeile vom 1. August 2017: Kosten für Speichersysteme fallen schneller als für Photovoltaik und Windkraft, mit Verweis auf einen Bericht der TU München und der Universität von Kalifornien. Da gilt einmal mehr, dass Prognosen schwierig sind, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

Oder anders: Wer eine Solaranlage realisiert, sollte dafür sorgen, dass möglichst viel der erzeugten dezentralen Energie auch tatsächlich dezentral genutzt werden kann. Sowohl die Anpassung von Produktions- und Verbrauchsprofilen als auch die Speicherung – derzeit bei Strom einige Tage, zukünfig mehrere Monate – gehören mit dazu. Auch hier ist zu beachten, dass die meisten Ökobilanzierungen nach wie vor von einer zentralen Energieversorgung ausgehen und nicht von dezentraler Eigenversorgung. Wenn überhaupt solche Bilanzierungen erstellt werden, ist zudem zu prüfen, ob Jahresbilanzen oder Bilanzen z. B. für die drei Wintermonate – hoher Energieverbrauch, eher tiefe dezentrale Energieproduktion – zu verwenden sind.

PS: Der Klimawandel wirkt sich auf die Nutzung der Wasserkraft insbesondere in den Alpen aus.

Auch ohne Bilanzierungen ist klar: Bei Gebäuden ist eine hohe Solarstromproduktion anzustreben, und es ist dafür zu sorgen, dass durch Optimierungsmassnahmen und geeignete Energiespeicher ein möglichst grosser Anteil des Verbrauchs durch die am Standort dezentral produzierte Energie genutzt werden kann. Es sind immer auch die Möglichkeiten zur thermischen Sonnenenergienutzung einzubeziehen.

Ein weiterer Aspekt: gerade in Mietobjekten ist sicherzustellen, dass die MieterInnen den am und auf dem Gebäude produzierten Solarstrom direkt nutzen können, ohne Umwege über den Verkauf des produzierten Stroms an das Versorgungsunternehmen und den Verkauf von Strom durch das Versorgungsunternehmen an die MieterInnen. Nicht nur in New York können hier Blockchain-Techniken Verwendung finden, Teil der Digitalisierung der Energieversorgung. Nachtrag 7. August 2017 von Sonnenseite: digitales Kraftwerk.

Und solange auf dem und am eigenen Gebäude keine Sonnenenergie genutzt werden kann, ist es sicher zweckmässig, deklarierten und gelabelten Solarstrom beim Stromversorger zu kaufen.

Noch zu den Kosten: Ja, der disruptive Übergang zur ausschliesslichen Nutzung erneuerbarer Energien führt zu höheren Kosten. Eine neuere deutsche Studie, zitiert in der FAZ mit dem Titel 1,4 Billionen für Klimaschutz: Sie schaffen das erwähnt die erforderlichen riesigen Klimaschutz-Geldmittel, die die deutsche Wirtschaft aufbringen muss. Die gewaltigen Summen werden aber relativiert, weil diese 1,4 Billionen gerade mal drei Prozent der in diesem Zeitraum erforderlichen Investitionen ausmachen, was zur Beurteilung „Die gesamtwirtschaftlichen Effekte sind gering und positiv“ führt.

Nicht beantwortet wird auch hier die Frage, was der Verzicht auf den disruptiven Übergang zu erneuerbaren Energien finanziell bedeuten würde. Allerdings ist davon auszugehen, dass die gesamtwirtschaftlichen Effekte erheblich und negativ sein dürften. Ein NZZ-Artikel mit dem Titel Klimawandel: Extremwetter wird in Südeuropa viele Todesopfer fordern gibt Hinweise auf zumindest einen kostenrelevanten Teilbereich.

Es bleibt also dabei: Sonnenenergie für jedes Haus!


Zum Bild: Leuchtturmprojekt von Viridén und Partner

The post Energiepolitik von unten: Sonnenenergie für jedes Haus! first appeared on umweltnetz.ch.]]> 6841 Echter und ernsthafter Klimaschutz wird immer dringlicher https://www.umweltnetz.ch/content/echter-und-ernsthafter-klimaschutz-wird-immer-dringlicher Fri, 04 Aug 2017 12:34:56 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=6831 Schweizer Gletscher sind nicht mehr zu retten – Klimaerwärmung: Die «zwei Grad» wackeln (mit dem Lead «Prognosen der CO2-Emissionen und Klimamessdaten zeigen, wie extrem ambitioniert das Ziel des Pariser Abkommens ist.»): zwei NZZ-Schlagzeilen vom 3. August 2017. Diese Sauregurken-Zeit-Meldungen sind ein klarer Hinweis darauf, dass es dringlich echten und ernsthaften Klimaschutz braucht. Die erste Schlagzeile … „Echter und ernsthafter Klimaschutz wird immer dringlicher“ weiterlesen

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Schweizer Gletscher sind nicht mehr zu retten – Klimaerwärmung: Die «zwei Grad» wackeln (mit dem Lead «Prognosen der CO2-Emissionen und Klimamessdaten zeigen, wie extrem ambitioniert das Ziel des Pariser Abkommens ist.»): zwei NZZ-Schlagzeilen vom 3. August 2017. Diese Sauregurken-Zeit-Meldungen sind ein klarer Hinweis darauf, dass es dringlich echten und ernsthaften Klimaschutz braucht.

Die erste Schlagzeile bezieht sich auf einen Tages-Anzeiger-Artikel mit ETH-Daten- und -Analyse. Einige Aussagen daraus:

  • Innerhalb von 166 Jahren ist die Hälfte der Gletscherfläche der Schweiz geschmolzen.
  • Die weltweit längste Messreihe der Gletscherschmelze (102 Jahre) auf dem Glarner Claridenfirn zeigt: Von den acht extremsten Schmelz-Jahren fanden sechs nach 2008 statt

Einige neuere Studien bestätigen einmal mehr, dass die umzusetzenden Klimaschutzziele sehr ambitiös sind. Zudem wird mit neueren Untersuchungen bestätigt, dass auch bei sofortigem Handeln nicht sicher ist, ob die Klimawandelfolgen für die Gesellschaft bewältigbar bleiben.

Klipp und klar: es gibt den von Menschen gemachten Klimawandel, und es gibt ihn wegen des übermässigen Verbrauchs der fossilen Energieträger Erdöl, Erdgas und Kohle. Damit ist auch klar, was wir alle zu tun haben: raschestmöglicher Übergang zu ausschliesslich erneuerbaren Energien, verbunden mit dem Ausstieg aus den fossilen Energien!

In weiteren Artikel wird bestätigt, dass Klimaschutz lohnend ist – lohnender jedenfalls als Massnahmen zur Anpassung an den Kliamwandel oder gar Verfahren zur Entnahme des Treibhausgases CO2 aus der Atmosphäre.

Völlig klar: Wenn wir wollen, ist es möglich, bis spätestens 2040 aus den fossilen Energien auszusteigen und ausschliesslich erneuerbare Energien zu verwenden. Die Frage ist eigentlich bloss, ob solche Schlagzeilen dazu beitragen, dass wir ambitiösen Klimaschutz tatsächlich wollen! Nochmals: Wenn wir alle wollen, schaffen wir es auch vor 2040, ausschliesslich erneuerbare Energien zu verwenden – das ist echte UrenkelInnen-Tauglichkeit.

PS: Der Vollständigkeit halber: Der Ausstieg aus der Atomenergie ist etwa in der Schweiz bereits beschlossen – allerdings ist auch da deutlich mehr Tempo erforderlich. Auch hier: Wenn wir wirklich wollen …

The post Echter und ernsthafter Klimaschutz wird immer dringlicher first appeared on umweltnetz.ch.]]> 6831 Das Ende des fossilen Zeitalters: vorwärts, nicht zurück! https://www.umweltnetz.ch/content/das-ende-des-fossilen-zeitalters-vorwaerts-nicht-zurueck Sun, 30 Jul 2017 16:47:38 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/das-ende-des-fossilen-zeitalters-vorwaerts-nicht-zurueck Die Steinzeit endete nicht wegen zu wenig Steinen. Das fossile Zeitalter wird vor dem Ende der fossilen Brenn- und Treibstoffe vorbei sein – weil es bessere Lösungen gibt. Dies zeigt sich einerseits bei den Dieselmotoren, aber auch bei den Öl- und Gasheizungen. Auch wenn der Strassenverkehr schon lange auf den Verbrennungsmotor-Technologien beruht, ist klar, dass … „Das Ende des fossilen Zeitalters: vorwärts, nicht zurück!“ weiterlesen

The post Das Ende des fossilen Zeitalters: vorwärts, nicht zurück! first appeared on umweltnetz.ch.]]> Die Steinzeit endete nicht wegen zu wenig Steinen. Das fossile Zeitalter wird vor dem Ende der fossilen Brenn- und Treibstoffe vorbei sein – weil es bessere Lösungen gibt. Dies zeigt sich einerseits bei den Dieselmotoren, aber auch bei den Öl- und Gasheizungen.

Auch wenn der Strassenverkehr schon lange auf den Verbrennungsmotor-Technologien beruht, ist klar, dass es bessere Lösungen braucht: Etwa ein Sechstel der in Diesel, Benzin oder Gas enthaltenen Energie wird in Vortriebsenergie umgewandelt, der Rest fällt als Abwärme an. Die «Verbrennung» der Treibstoffe ist ein physikalisch heikler Vorgang, der zu hohem Luftschadstoffausstoss führt, welcher in der Regel nur mit End-of-Pipe-Ansätzen teilweise begrenzt werden kann. Zudem sind Verbrennungsmotoren laute Antriebsaggregate, und es wird sehr viel Tara für eher wenig Nutzlast bewegt.

Bei allem Respekt vor den Leistungen der Herren Otto und Diesel, von Generationen von IngenieurInnen: die Zeit von Otto- und Dieselmotoren ist vorbei! Auch wenn die hohe Energiedichte von Diesel und Benzin verlockend ist, braucht es neue Lösungen. Gasmotoren und Brennstoffzellen sind bestenfalls Übergangstechnologien. Wer dies nicht respektiert, wird weiterhin von Skandal zu Skandal unterwegs sein.

Ein erster Schritt: Verkehr vermeiden kommt vor technologischen Ansätzen. Wir brauchen endlich eine Verkehrspolitik, die dazu beiträgt, die Verkehrsmengen deutlich zu reduzieren – eine der Chancen der Digitalisierung.

Wir brauchen eine Verkehrs-, Wirtschafts- und Siedlungspolitik, die dafür sorgt, dass Menschen ihre alltäglichen Mobilitätsbedürfnisse mit jenen täglich 7’000 bis 10’000 Schritten abdecken können, die aus gesundheitlicher Sicht als empfehlenswert gelten. Mit dem Auto von zu Hause oder vom Büro zum Fitness-Zentrum ist genau so skandalös wie Dieselmotoren, die übermässig Schadstoffe ausstossen.

7’000 Schritte pro Tag, das sind neben den etwa 3’000 Schritte, dies sich während eines Arbeitstages ohne Lift und Co ergeben, entsprechen etwa 60 Minuten Unterwegszeit. Das ist weniger als die gemäss Mikrozensus Mobilität und Verkehr 2015 ermittelten etwa 90 Minuten Verkehrszeiten. Auch zügiges Velofahren hat positive Auswirkungen auf den Schrittezähler.

Reisen erweitert den Horizont – fraglich ist, ob dies auch für die täglichen Pendelfahrten zutrifft. Braucht es allerdings für solche horizonterweiternden Reisen tatsächlich ein Auto mit mehreren hundert Kilometern Reichweite? 

Es ist davon auszugehen, dass eine nachhaltige Verkehrspolitik die gesamthaften Autokilometer um mindestens den Faktor 10 reduzieren kann – auch wenn dies nicht zu den von Autoimporteuren geprägten Politiken etwa von FDP und SVP passt.

Inbesondere die Heizöl- und Erdgas-Vereinigung (HEV, früher Hauseigentümer-Verband) erweckt den Eindruck, als bestehe ein zwingendes und absolutes Recht auf den unbeschränkten Verbrauch an Heizöl und Erdgas für das bisschen Raumheizung und Wassererwärmung. Nun gibt es bereits eine sehr grosse Zahl von Gebäuden, auch von seit längerem bestehenden Gebäuden, selbst Gebäuden unter Denkmalschutz, die ohne Heizöl und Erdgas ausreichend mit Wärme für Raumheizung und Warmwasser versorgt werden, mit unterschiedlichen erneuerbaren Energieträgern. Wenn sich nun der HEV mit dem Festhalten an Öl und Gas gegen solche Lösungen ausspricht, ist dies eine rückwärtsgewandte Haltung, die weder den Interessen der Gebäudeeigentümerschaften noch der MieterInnen entspricht – auch diese wollen sich nämlich so rasch als möglich aus dem fossilen Zeitalter verabschieden können. Dazu kommt, dass auch bei den Öl- und Gaskesseln ein guter energetischer Wirkungsgrad als auch ein minimaler Luftschadstoffausstoss teilweise nur mit aufwändigen und unsicheren End-of-Pipe-Lösungen erreicht werden können.

Fazit: Es braucht so rasch als möglich den Ausstieg aus den fossilen Energien, sowohl im Verkehr als auch für die Wärmeversorgung von Bauten. Da es sich dabei noch um neue Technologien am Anfang der Entwicklungsmöglichkeiten handelt, sind bei einer Fokussierung auf diese Technologien schnell Lösungen erreichbar, die eine dauerhafte nachhaltige Nutzung der erneuerbaren Energien gewährleisten.

Zum Schluss: Auch wenn die Steinzeit schon lange vorbei ist, noch nie hat eine Gesellschaft mehr «Steine» gebraucht als heute. Jedes Jahr findet der «Earth Overshoot Day» früher statt, dieses Jahr am 2. August, einen Tag früher als letztes Jahr.

The post Das Ende des fossilen Zeitalters: vorwärts, nicht zurück! first appeared on umweltnetz.ch.]]> 6821 Ja zur Energiestrategie 2050 – alles andere sind Lügen https://www.umweltnetz.ch/content/ja-zur-energiestrategie-2050-alles-andere-sind-luegen Sat, 13 May 2017 09:57:26 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=6797 JA zur Energiestrategie 2050! Am 21. Mai 2017 stimmen die Stimmberechtigten der Schweiz über den ersten Schritt zur Energiestrategie 2050 ab. Auch wenn die SVP schon viele arge Trends gegen die Demokratie gesetzt hat, übertrifft der Schwall von Lügen gegen die Energiestrategie 2050 alles, was bis anhin anzutreffen war. Die gesamte Nein-Kampagne ist ein absurdes … „Ja zur Energiestrategie 2050 – alles andere sind Lügen“ weiterlesen

The post Ja zur Energiestrategie 2050 – alles andere sind Lügen first appeared on umweltnetz.ch.]]> JA zur Energiestrategie 2050! Am 21. Mai 2017 stimmen die Stimmberechtigten der Schweiz über den ersten Schritt zur Energiestrategie 2050 ab. Auch wenn die SVP schon viele arge Trends gegen die Demokratie gesetzt hat, übertrifft der Schwall von Lügen gegen die Energiestrategie 2050 alles, was bis anhin anzutreffen war. Die gesamte Nein-Kampagne ist ein absurdes Lügengebilde, gesteuert von den Atom- und Fossil-Lobbyies. Da gibt es nur eine sinnvolle Antwort: Ja zur Energiestrategie 2050 am 21. Mai 2017!

Am 12. Mai 2017 wurde der Schweizer Firma Joulia der GreenTec-Award 2017 in der Kategorie Bauen und Wohnen überreicht. Ausgezeichnet wurde die innovative Duschrinne ‚Joulia-Inline’, kurze Beschreibung: Unsichtbar in einer schlanken Duschrinne integriert, gewinnt Joulia-Inline höchst effizient die Wärme aus dem verbrauchten Duschwasser zurück. Dank simpler Kaltwasserumleitung spart die WRG bis zu 42 Prozent Energie ein und sorgt so für mehr Komfort mit weniger Energie. Ja nach Anwendungssituation ist die Investition innerhalb von zwei bis vier Jahren amortisiert. Gebraucht wird also nur noch 60 Prozent der bisher benötigten Energie, und Joulia-Inline zahlt sich auch finanziell aus.

Es gibt zahlreiche solche Beispiele in sehr vielen Energie-Anwendungsbereichen. Es ist vielfach belegt, dass eine Energievesorgung mit erneuerbaren Energien schnell realisiert werden kann, wenn wird dies wollen. Eine solche Energieversorgung ist in einer umfassenden Gesamtbetrachtung nachhaltig, also ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich vorteilhaft! Jede Aussage, die zu anderen Schlüssen kommt, ist eine Lüge, weil sie nachweislich von nicht nachhaltigen Lösungen ausgeht, von Lösungen auch, die nicht enkel- und erst recht nicht urenkeltauglich sind.

Es ist längst bekannt, dass die SVP jenseits der Fakten politisiert. Die SVP setzt ausschliesslich darauf, Absurdpositionen mit extrem viel Propaganda-Geldern zu verkaufen. Denn: Auch Demokratie ist käuflich!

Die SVP setzt sich bekanntlich auch gegen eine zukunftsorientierte Bildungspolitik ein – unter anderem darum, weil gut ausgebildete Fachleute den Fake-Argumenten der SVP die Tatsachen entgegensetzen können. Gerade im Energiebereich gibt es eine grosse Zahl von bestens ausgebildeten Fachpersonen mit viel Erfahrung – das SVP-Nein zur Energiestrategie ist eine Beleidung für das Engagement dieser Fachpersonen und orientiert sich an einer längst obsoleten Sicht der Energiewirtschaft und Energietechnik.

Bei der Volksabstimmung vom 21. Mai 2017 geht es um einen ersten Umsetzungsschritt der Energiestrategie 2050. Es werden weitere kräftige Schritte folgen müssen, um so rasch als möglich eine Energieversorgung zu erreichen, die ausschliesslich auf erneuerbaren Energien aufbaut. Die fossilen Energien haben wegen des von Mensch gemachten Klimawandels so rasch als möglich vom Markt zu verschwinden. Auch aus der Atomenergie ist wegen den Unfallrisiken und dem nach wie nicht geregelten Umgang mit dem Atommüll – welcher während mindestens einer Million Jahren sicher zu lagern ist – so rasch als möglich auszusteigen.

Subventionen sind kein Dauerzustand im Energiebereich. Bei erneuerbaren Energien sind derzeit Subventionen leider nötig, weil sowohl die fossilen Energien als auch die Atomenergie massiv direkt und indirekt subventioniert sind. Die Preise von Erdöl, Erdgas oder Strom aus Atomkraftwerken lügen. Es ist alles daran zu setzen, so rasch als möglich eine umfassende Kostenwahrheit bei den Energieträgern zu erreichen, ergänzt durch eine stark lenkende, vollständig an Haushalte und Wirtschaft zurückerstattete Energieabgabe.

Gesetzliche Bestimmungen im Energiebereich sind Instrumente der Qualitätssicherung. Freiwillige Standards und Fachnormen reichen nicht aus, etwa beim Bauen eigentlich längst selbstverständliche Energie- und Klimaschutzqualitäten zu erreichen. Vorschriften sind dazu da, die eigentlich selbstverständlichen Anforderungen zum Beispiel an Gebäude, Geräte und Fahrzeuge in der Praxis zu erreichen. Es sind leider immer noch in erster Linie die «First Movers», die immer wieder mit hervorragenden Projekten die zukunftsgerichteten Möglichkeiten aufzeigen (Beispiel 1, Beispiel 2 aus Zürich). Es ist ganz einfach: Je innovativer und eigenverantwortlicher der Markt agiert, desto weniger Detailvorschriften braucht es. Wer sich mit dem Argument «liberal» gegen Vorschriften wehrt, hat noch nicht begriffen, wie in Märkten zukunftsgerichtete Standards etabliert werden – oder will allenfalls gar keine solchen Standards, weil es um die Interessen der Fossil- und Nuklearwirtschaft geht. Als Beispiel einer ganz einfachen, zukunftsgerichteten Vorschrift: Gebäude und Fahrzeuge werden ab dem Jahr 2035 ausschliesslich mit erneuerbaren Energien betrieben!

Dazu wird es sicher noch mindestens zwei bis drei weitere Schritte zur Umsetzung der Energiestrategie brauchen. Das Ja zum ersten Schritt zur Energiestrategie am 21. Mai 2017 ist somit auch eine Aufforderung, schneller und wirksamer auf eine Energieversorgung mit ausschliesslich erneuerbaren Energien loszusteuern – und raschmöglichst aus den fossilen und nuklearen Energien auszusteigen.

The post Ja zur Energiestrategie 2050 – alles andere sind Lügen first appeared on umweltnetz.ch.]]> 6797 «Das fossile Imperium schlägt zurück» – darum am 21. Mai 2017 Ja zur Energiestrategie https://www.umweltnetz.ch/content/das-fossile-imperium-schlaegt-zurueck-darum-am-21-mai-2017-ja-zur-energiestrategie Thu, 20 Apr 2017 12:46:24 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=6759 Das fossile Imperium schlägt zurück. Warum wir die Energiewende jetzt verteidigen müssen. – dieses Buch von Claudia Kemfert wurde von Murmann Publishers am 20. April 2017 herausgegeben, fast einen Monat vor der Abstimmung über den ersten Schritt der Energiestrategie 2050 des Bundes. Die offensichtlichen Auswirkungen des «fossilen Imperiums» zeigen sich auch in den Nein-Kampagnen der … „«Das fossile Imperium schlägt zurück» – darum am 21. Mai 2017 Ja zur Energiestrategie“ weiterlesen

The post «Das fossile Imperium schlägt zurück» – darum am 21. Mai 2017 Ja zur Energiestrategie first appeared on umweltnetz.ch.]]> Das fossile Imperium schlägt zurück. Warum wir die Energiewende jetzt verteidigen müssen. – dieses Buch von Claudia Kemfert wurde von Murmann Publishers am 20. April 2017 herausgegeben, fast einen Monat vor der Abstimmung über den ersten Schritt der Energiestrategie 2050 des Bundes. Die offensichtlichen Auswirkungen des «fossilen Imperiums» zeigen sich auch in den Nein-Kampagnen der Propaganda-Institution SVP und Co. Die Ausführungen von Professorin Kemfert sind beste Werbung für ein Ja zur Energiestrategie, sind Werbung für die nächsten Schritte der Energiestrategie.

Claudia Kemfert ist eine deutsche Wissenschaftlerin für Energie- und Klimaökonomie. Sie leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance. Leicht abgeändertes Zitat aus dem Abschnitt Über die Autorin dieses Buches. PS: Alle kursiven Stellen dieses Textes sind Zitate aus dem Buch.

Immer erbitterter kämpfen die Vertreter der alten Energiewelt gegen die Welt der erneuerbaren Energien. … Die Vorräte an fossilen Energien sind nicht unbegrenzt, die Verbrennung verursacht einen irreversiblen Klimawandel. … Die mächtigen Vertreter von Öl, Kohle, Gas und Atom schauen ausschliesslich auf den eigenen Vorteil.

Seitdem absehbar ist, welche Rolle die erneuerbaren Energien auf dem Energiemarkt spielen, wehren sich die fossilen Konzerne mit allen Mitteln gegen die unausweichliche Vertreibung vom Energiemarkt. Immer aggressiver setzen sie ihre wirtschaftlichen Interessen durch.

Soweit einige Zitate der ersten Seite des Buchs von Claudia Kemfert. Genau dies können wir derzeit bei der Nein-Kampagne zur Energiegesetz-Abstimmung beobachten. Keine Argumente, blosse Lügen und absurden Behauptungen, ein rückwärtsgewandtes Bild der «alten» Energiewelt.

Der Propaganda-Institution SVP ging es noch nie um Inhalte, sondern darum, mit sehr viel Geld die Zustimmung zu (Dümmst-)Positionen auf dem Umweg über Volksabstimmungen kaufen zu können. Dies funktioniert auch darum, weil für viele der Istzustand aus egoistischer Sicht akzeptabel oder zumindest neutral ist – und jede Veränderung auch Einfluss auf den jeweiligen Zustand hat.

Wenn wir raschmöglichst aus den fossilen und nuklearen Energien aussteigen wollen, wenn wir vollständig auf erneuerbare Energien umsteigen wollen, ist dies möglich. Es sind erhebliche Veränderungen zu erwarten, es wird sogar von disruptiven Veränderungen ausgegangen – zum Beispiel von dezentralen Strukturen statt von grossen Energieversorgungsunternehmen. Jede Stunde, jeder Tag, jedes Jahr, an dem die Gesellschaft an der alten Energiewelt festhält, ist ein Gewinn für die VertreterInnen der alten Energiewelt, zu Lasten der Allgemeinheit, zu Lasten etwa des Allgemeinguts Weltklima.

Darum braucht es am 21. Mai ein deutliches Ja zum ersten Schritt der Energiestrategie 2050, zur Volksabstimmung über das Energiesetz!

Das Buch von Claudia Kemfert leuchtet die Hintergründe aus und bestätigt deutlich die Argumente für ein Ja zur Energiestrategie!

The post «Das fossile Imperium schlägt zurück» – darum am 21. Mai 2017 Ja zur Energiestrategie first appeared on umweltnetz.ch.]]> 6759 Am 21. Mai 2017: Ja zum Energiegesetz als erster Schritt zur Energiestrategie 2050 https://www.umweltnetz.ch/content/am-21-mai-2017-ja-zum-energiegesetz-als-erster-schritt-zur-energiestrategie-2050 Sat, 15 Apr 2017 06:56:20 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=6748 Sechs Jahre hat die politische Schweiz gebraucht, um nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima über erste kleine Schrittchen zur Zukunftsausrichtung der Schweizerischen Energiepolitik abzustimmen. Nach dem Lügen-Referendum der SVP braucht es am 21. Mai 2017 ein deutliches Ja der Stimmberechtigten, um die nächsten Schritte für eine urenkeltaugliche Energieversorgung mit mehr Dynamik und Wirkung angehen zu können. … „Am 21. Mai 2017: Ja zum Energiegesetz als erster Schritt zur Energiestrategie 2050“ weiterlesen

The post Am 21. Mai 2017: Ja zum Energiegesetz als erster Schritt zur Energiestrategie 2050 first appeared on umweltnetz.ch.]]> Sechs Jahre hat die politische Schweiz gebraucht, um nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima über erste kleine Schrittchen zur Zukunftsausrichtung der Schweizerischen Energiepolitik abzustimmen. Nach dem Lügen-Referendum der SVP braucht es am 21. Mai 2017 ein deutliches Ja der Stimmberechtigten, um die nächsten Schritte für eine urenkeltaugliche Energieversorgung mit mehr Dynamik und Wirkung angehen zu können.

Nicht nur die Schweiz braucht eine Energieversorgung, die so rasch als möglich mit nachhaltig nutzbaren erneuerbaren Energien funktioniert. Dies ist technisch und wirtschaftlich problemlos möglich. Erste Voraussetzung ist, dass wir eine solche Energieversorgung wirklich wollen.

Worum geht es bei der Abstimmung über das Energiegesetz am 21. Mai 2017? Eine grobe Darstellung der Inhalte findet sich auf einer Internet-Seite des Bundes: Das Parlament hat zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 das Energiegesetz revidiert und damit ein erstes Massnahmenpaket beschlossen. Es dient dazu, den Energieverbrauch zu senken, die Energieeffizienz zu erhöhen und erneuerbare Energien zu fördern. Zudem wird der Bau neuer Kernkraftwerke verboten.

Mit diesen Änderungen des Energiegesetzes werden Lücken oder Schwächen der heutigen Gesetzgebung behoben.

Es braucht bald weitere Schritte:

  • Die Schweiz hat um 2040 bis 2050 aus der Nutzung fossiler Brenn- und Treibstoffe – insbesondere für Wärme und Verkehr – auszusteigen. Der Neueinbau und der Ersatz von Oel- und Gasheizungen mit fossilen Brennstoffen sind beispielsweise spätestens 2030 zu verbieten. Diese Ziele sind in einfache Handlungsanweisungen und Rezepte zu fassen, die von BotschafterInnen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport vermittelt werden. Die Ziele sind herausfordernd, und sie lassen sich nur mit einem grossen Engagement der Zivilgesellschaft – Energiepolitik von unten – realisieren.
  • Insbesondere bei den fossilen und nuklearen Energieträgern lügen die Preise. Direkte und indirekte Subventionen verfälschen das Preisgefüge und wirken sich auf energierelevante Entscheide aus. Erst durch die fehlende Kostenwahrheit wird die Subventionitis für erneuerbare Energien und Energieeffizienzmassnahmen nötig. Wir brauchen also so rasch als möglich kostenwahre Energiepreise, zwingend ergänzt durch stark lenkende Energie- und Klimaschutzabgaben mit vollständiger Rückerstattung an Haushalte und Wirtschaft.
  • Die Energie- und Klimaschutzgesetzgebung orientiert sich derzeit an konkreten Massnahmen, die etwa beim Bau eines Gebäudes oder beim Verkauf/Kauf von Geräten beachtet werden müssen. Zukünftig hat sich die Energie- und Klimaschutzpolitik an Zielen und damit der nachgewiesenen Wirkung zu orientieren.
  • Ein möglichst grosser Anteil der in Gebäuden benötigten Energien ist an und auf den Gebäuden oder auf dem Gebäudegrundstück zu gewinnen, mit nachhaltigen Nutzungen (z. B. Luft-Wasser-Wärmepumpen vor Erdsonden-Nutzungen), unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsprinzipien Suffizienz, Effizienz und Konsistenz. Als Orientierungspunkte gelten die Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft.
  • Nachhaltig dezentral genutzte Energien unter Einbezug von Suffizienz und Effizienz verringern die Auslandabhängigkeit, erfordern fortschrittliche Ansätze, leisten Beiträge zur Entwicklung insbesondere von innovativen KMU und verbessern die Lebensqualität. Eine solche Energieversorgung hat eine umfassend positive Wirkung bereits heute und für zukünftige Generationen!

Am 21. Mai 2017: Ja zur Änderung des eidgenössichen Energiegesetzes, und damit Ja zu weiteren zukunftsfähigen Schritten der Energie- und Klimaschutzpolitik!


Die Atomenergie ist nachweislich nicht nachhaltig nutzbar. Ebenso offensichtlich ist der von Menschen gemachte Klimawandel. Die Schweiz spürt bereits die Folgen des durch den Menschen verursachten Klimawandels; die Alpenregion ist deutlich stärker als im globalen Durchschnitt vom Klimawandel betroffen. Hier braucht es schnelle und deutliche disruptive Veränderungen. Wer gegen das Energiegesetz ist, leugnet oder ignoriert die Nichtnachhaltigkeit der Atomenergie, leugnet oder ignoriert die offensichtlichen Folgen des von Menschen gemachten Klimawandels.

Bemühend ist etwa auch die behaupteten Nicht-Liberalität der Energiegesetzgebung. Was demokratisch beschlossen ist, ist aus Prinzip liberal. Es gelten hier die Grundprinzipien der Ethik – Liberalität erfordert zwingend eigenverantwortliches Handeln. Die Energie- und Klimaschutzgesetzgebung legt dar, was als ausreichende Handlung im Sinne der Allgemeinheit zu betrachten ist. Darüber hinausgehende freiwillige und eigenverantwortliche Aktivitäten werden durch die Gesetzgebung weder behindert noch verunmöglicht, bessere Lösungen als die gesetzlichen Bestimmungen sind jederzeit möglich. Aber: Das «Recht auf Unvernunft» ist im Energie- und Klimaschutzbereich angesichts der drängenden Fragestellungen nicht zulässig.

Die wie immer lügende SVP hat schlicht kein einziges Argument vorlegen können, welches gegen die Energie-und Klimaschutzgesetzgebung sprechen würde. Es geht offensichtlich ausschliesslich um die finanziellen Interessen der Erdölwirtschaft, damit also um die Interessen von häufig diktatorischen Staaten.

Zudem: Wer wie die SVP ahnungslos und dümmlich über vorgebliche Kosten der Energiestrategie 2050 lügt, sollte durchaus mal ehrlich die Frage beantworten, was es denn kostet, die Energiestrategie 2050 NICHT umzusetzen.

The post Am 21. Mai 2017: Ja zum Energiegesetz als erster Schritt zur Energiestrategie 2050 first appeared on umweltnetz.ch.]]> 6748 Atom- und fossilfrei – wenn wir es wirklich wollen https://www.umweltnetz.ch/content/atom-und-fossilfrei-wenn-wir-es-wirklich-wollen Wed, 19 Oct 2016 11:30:56 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=6579 Am 4. November 2016 ist es so weit: Nicht einmal ganz ein Jahr hat es gebraucht, das am 12. Dezember 2015 in Paris abgeschlossene internationale Klimaschutzabkommen in Kraft zu setzen – anfänglich wurde von einer Inkraftsetzung frühestens 2020 ausgegangen. Wenn wir es wirklich wollen, sind die herausfordernden Klimaschutz-Ziele zu erreichen, parallel mit dem Ausstieg aus … „Atom- und fossilfrei – wenn wir es wirklich wollen“ weiterlesen

The post Atom- und fossilfrei – wenn wir es wirklich wollen first appeared on umweltnetz.ch.]]> Am 4. November 2016 ist es so weit: Nicht einmal ganz ein Jahr hat es gebraucht, das am 12. Dezember 2015 in Paris abgeschlossene internationale Klimaschutzabkommen in Kraft zu setzen – anfänglich wurde von einer Inkraftsetzung frühestens 2020 ausgegangen. Wenn wir es wirklich wollen, sind die herausfordernden Klimaschutz-Ziele zu erreichen, parallel mit dem Ausstieg aus der Atomenergie. Wenn wir es wirklich wollen!

zur Kampagne «Ja zum geordneten Atomausstieg»

Die Vorgaben aus dem Pariser Klimaschutzabkommen sind klar – und bereits auch in Wikipedia festgehalten: Um das gesteckte 1.5-°-Ziel erreichen zu können, muss die Verbrennung fossiler Energieträger bis ca. 2040 komplett eingestellt werden und die Energieversorgung – d.h. Strom, Wärme und Verkehr – in diesem Zeitraum vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden (sinngemässes Zitat). Sollte das Abscheiden und sichere Lagern der Treibhausgase (CCS) möglich werden, besteht etwas mehr zeitlicher Spielraum zur Klimaschutz-Umsetzung.

Das Wollen betrifft viele Alltagsbereiche. Tools wie ECOSPEED Private zeigen die persönliche Treibhausgas-Bilanz und den Handlungsbedarf, um die Klimaschutzziele zu erreichen – nicht von heute auf morgen, aber immer dann, wenn Entscheidungsbedarf ansteht.

Im Gebäudebereich gibt es eine grosse Zahl von Beispielen, die bereits heute ganz oder teilweise die Vorgabe atom- und fossilfrei erfüllen. Solche Lösungen sind machbar und auch finanzierbar, wenn richtig gerechnet wird.

Mehr als 100 Schweizer PlusEnergie-Bauten (Stand 19. Oktober 2016) sind in der Datenbank von energie-cluster.ch enthalten – sicher werden bald weitere Beispiele folgen, zum Beispiel die PreisträgerInnen des 26. Schweizerischen Solarpreises 2016.

Die Erfolgsfaktoren, die es braucht, um das Klimaschutz-Wollen umzusetzen, sind bekannt – Fachkompetenz, herausfordernde Vorgaben und Beharrlichkeit gehören dazu. Es sind derzeit die kreativeren und innovativeren Menschen in diesem Lande, die solche Projekte realisieren. Zu viele – insbesondere aus dem rechtsnationalen und konservativen geldorientierten Milieu – sind noch gar nicht beim Wollen angelangt, sondern sehen nur vermeintliche Hemmnisse und/oder Nachteile, wie immer ohne Faktenbezug. George Bernard Shaw meinte dazu: «Wer es für unmöglich hält, sollte denen nicht im Weg stehen, die es gerade tun.» Ganz klar: Die herausfordernden Klimaschutzziele sind zu erreichen, atom- und fossilfrei ist möglich, wenn wir es wirklich wollen.

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