Das System der Schweizerischen Altersvorsorge ist entgegen allen Behauptungen kein Dreisäulensystem, sondern stützt sich einzig auf Erwerbsarbeit, damit also eine Säule, ab. Da Erwerbsarbeit generell als gesellschaftliche Verpflichtung gilt, tönt diese Idee auf den ersten Blick gut. Nur: die Realität ist eine andere. Darum sind sämtliche Versuche, an diesem Dreisäulenprinzip zu herumzuflicken, aus Prinzip nicht zukunftsgerichtet und damit nicht nachhaltig. Einige Aspekte dazu:
Es führt nichts daran vorbei, es braucht so rasch als möglich das bedingungslose Grundeinkommen für alle. Und es braucht einen volkswirtschaftlich klugen und individuell gerechten Weg, wie die Milliardenbeträge aus dem Zwangssparen für das Dreisäulenprinzip in das bedingungslose Grundeinkommen überführt werden können. Das Herumflicken an der bestehenden, nachweislich nicht nachhaltigen Altervorsorge richtet das Interesse auf falsche, nicht zielführende Fragestellungen.
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Gibt es eine gerechte, eine richtige Entlohnung für Erwerbsarbeit? Auch wenn die Pseudo-Abzocker-Initiative letztlich ausschliesslich die Rechte der AktionärInnen (sogar auf das Abzocken) stärkt, ist der hohe Ja-Anteil in der Volksabstimmung vom 3.3.2013 als Votum der Mehrheit der Stimmberechtigten zu interpretieren, dass ein grosses Unbehagen über das Geldsystem als solches vorhanden ist.
Es ist davon auszugehen, dass ein erheblicher Teil dieser Ja-Stimmenden der Ansicht ist, dass die Supergehälter einiger ganz weniger Menschen im Verhältnis zum eigenen Lohn, aber auch im Verhältnis zu den Erwerbseinkommen anderer Arbeitstätiger zu tief sei, dürfte die gleiche Mehrheit aber durchaus zufrieden sein mit dem eigenen Lohn. Schliesslich hängen Glück und Zufriedenheit nachweislich nicht direkt mit dem verfügbaren Einkommen zusammen.
Die Debatte über die 1:12-Initiative zeigt, dass das Verhältnis von eins zu zwölf von tiefsten zum höchsten Einkommen bei der überwiegenden Zahl von Unternehmen, vor allem der Vielzahl kleinerer und mittlerer Unternehmen weitab der Realität ist – eins zu vier, eins zu sechs sind durchaus üblich – allenfalls mit Ausnahme von Hilfsfunktionen beim Reinigungspersonal. Die Stadt Zürich nach statistischen Kriterien sicher nicht mehr als KMU zu bezeichnen, hat die Lohnskala veröffentlicht – von einem jährlichen Brutto-Minimum-Lohn von 47’513 CHF bis zu einem solchen von maximal 244’759 CHF, das ist ein Verhältnis von 1 zu 5.15 (Stand 1.4.2012).
Die Frage bleibt selbst bei solchen eher geringen Spreizungen: ist es tatsächlich gerechtfertigt, dass es Arbeit geben soll, die fünf Mal mehr Wert hat als andere?
Die Lohnskala der Stadt Zürich umfasst 18 Funktionsstufen – bis zu einem gewissen Grad werden in dieser Skala auch hierarchische Denkmuster sichtbar. Dies wird bei Gross- und Grösstunternehmen, insbesondere bei den Multis, den multinationalen Unternehmen, noch viel ausgeprägter. Offen bleibt dabei die Frage, ob die Tätigkeit je nach Hierarchiestufe tatsächlich einen massgeblichen Einfluss auf das finanzielle Ergebnis eines Unternehmens hat. Die NZZ stellt seit einiger Zeit Führungskräften 33 Fragen – Moritz Lechner, Co-Geschäftsführer der Sensirion AG, Stäfa, hat als wichtigste Tugenden von Vorgesetzten Fairness und Ehrlichkeit, die konstruktive Zusammenarbeit mit Respekt für jeden Mitarbeitenden und das konstante Streben nach einer Topleistung genannt – und diese als besonders wertvolle Eigenschaften aller Mitarbeitenden bezeichnet.
Jobratgeber beschäftigen sich regelmässig mit den Faktoren, die für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz massgebend sind, zum Beispiel:
Nun, selbst wenn die MillionenverdienerInnen diese Tugenden besser erfüllen sollten und zufriedener mit Ihrer Arbeit wären als die durchschnittliche LohnempfängerIn, ist und bleibt die Frage, wie die aktuellen Lohnscheren, nicht erst 1:12, mit welchen ethischen und moralischen Begründungen auch immer, gerechtfertigt werden.
Als ein weiterer Aspekt: selbst „WenigverdienerInnen“ in der Schweiz weisen einen überdurchschnittlich grossen ökologischen Fussabdruck auf im Vergleich zum Durchschnitt der Weltbevölkerung, sie können also mehr von dieser Erde beanspruchen, als ihnen zusteht. Schon dies ist bereits heute nicht zu rechtfertigen oder verantworten, da geht es mit Sicherheit nicht um Neid. Die GrösstverdienerInner gehen definitiv als ökologische Monster durch die Welt, dies kann durch nichts, aber durch wirklich nichts begründet werden – dies hat definitiv nichts mit Neid zu tun. Hier ist Handeln dringend.
Nach Teamsters verdienen die 150 Mio am schlechtesten verdienenden Menschen in Amerika soviel wie die 400 am meisten verdienenden Menschen – ein Verhältnis von eins zu 375’000. P.S. Da die USA gemäss Statistik 144.5 Mio Erwerbstätige hat, dürfte sich „Amerika“ auf Amerika (Nord- und Südamerika) und nicht die USA beziehen.
Ein gerechter, ein richtiger Lohn ist kaum möglich. Es gibt zudem viele Arbeit, die letztlich unbezahlbar ist – auf Dauer und als zentrale gesellschaftliche Weiterentwicklung ergibt sich nur eine Möglichkeit: bedingungsloses Grundeinkommen für alle! Als weiteren sicher mehr als symbolischen Schritt gehört dazu auch das Ja zur Initiative 1:12 für gerechtere Löhne.
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Zuerst eine Woche vor Ende der Schulferien, dann zum Schulanfang ein weiterer Schritt. Auch hier wieder: die 400-Zeichen-StammtischklopferInnen sind blitzartig präsent, mit den ewiggleichen Argumenten – schliesslich hat jedeR AutofahrerIn DAS überzeugende Argument, war genau er/sie wirklich nicht auf das Auto verzichten können – obwohl beachtliche Anteile der Bevölkerung Tag für Tag beweisen, dass auofrei bestens funktioniert. Es gibt selbstverständlich Autofahrten, z.b. vom Handwerker ausserhalb der Stadt, welcher in der Stadt etwas zu liefern und montieren hat, sicher auch von Mobilitätsbehinderten – aber dieser Verkehr könnte von der übermässig vorhandenen Strassenkapazität ohne Probleme bewältigt werden. Dreischichtbetrieb, Wochenendbauarbeiten – also Dauerbauerei – werden insbesondere von BaulaiInnen regelmässig verlangt. Zweieinhalb Jahre sollen die Bauarbeiten dauern – 30 Monate. Dreischichtbetrieb und Wochenendarbeiten könnten die Bauarbeiten theoretisch um einen Faktor vier vermindern, praktisch wahrscheinlich nicht ganz (es braucht auch hin und wieder Aushärtzeiten von Dichtungsmassen, Füllstoffen usw), auch sind ziemlich viele Arbeiten witterungsabhängig. Vielleicht könnte die Bauerei auf ein Jahr reduziert werden. Dreischicht- und Wochenendbetrieb bedeutet, dass zum Ausgleich der Nacht- und Wochenendarbeit und zur Berücksichtigung von Ferien mindestens sechs Bauteams zur Verfügung stehen müssen. Nun, wir alle wissen welche Folgen dieser Dauerbetrieb auf die Gesundheit der Arbeitenden hat, wir wissen, wie ärgerlich dies für die Anwohnenden ist – wahrscheinlich dürfte es auch arbeitsmarktlich nicht ganz einfach sein, eine derart grosse Zahl von Bauteams für eine derart intensive Beschäftigung zusammenzubringen – und was dann nach Abschluss der Arbeiten? Im übrigen: ob ein oder zweieinhalb Jahre, das dürfte die Stammtischklopfer nicht wirklich beeindrucken!
Wer die persönliche Energie- und CO2-Bilanz ermittelt, erhält zum Beispiel als Tipp: „Wähle, wenn möglich, einen Wohnort, von dem aus Du Deine täglichen Wege gut zu Fuss oder per Velo bewältigen kannst„. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Unterwegsdauer zwischen Wohn- und Arbeitsort im wesentlichen konstant bleiben, und dies schon seit sehr langer Zeit. Was sich geändert hat, ist die dabei zurückgelegte Distanz – und der mit diesen Wegen verbundene Energiebedarf! Zwar ist der öffentliche Verkehr ökologisch vorteilhafter – täglich zurückgelegte lange Strecken mit dem ÖV, beispielsweise Zürich-Bern, sind allerdings alles andere als nachhaltig. Etwas vereinfacht ausgedrückt: überall dort, wo es Gedränge, Stehplätze, Staus gibt, ist der aktuelle Verkehr nicht nachhaltig! Es ist mir bestens bekannt, dass derzeit kaum alle Menschen, die in Zürich ihrer Erwerbsarbeit nachgehen, auch in Zürich wohnen könnten. Gerade in dem in Zürich dominanten Dienstleistungssektor mit einem hohen Anteil Büroarbeitsplätzen in Kombination mit den heutigen Kommunikationstechniken ist es schlicht nicht mehr nötig, täglich die weite Reise von Wohnort zum Arbeitsplatz zu unternehmen – darum als Vorschlag für einen Versuch: ein Tag pro Woche zu Hause arbeiten, dank ADSL, Computer und weiterer Telekommunikation wirklich kein Problem!
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