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Bücher | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Sun, 17 May 2015 16:22:05 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 44487214 Ein Plädoyer mehr für das bedingungslose Grundeinkommen für alle: sinnvolle Lebenszeit statt Work-Life-Balance https://www.umweltnetz.ch/content/ein-pladoyer-mehr-fur-das-bedingungslose-grundeinkommen-fur-alle-sinnvolle-lebenszeit-statt-work-life-balance Sun, 03 Feb 2013 19:59:45 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=4960 Viel Glück – wenig Geld – dieser Artikel in der NZZ vom 21.1.2013 unter anderem über die ökonomischen Möglichkeiten von Schriftstellerinnen und Schriftstellern hat zu einer Reaktion des Schriftstellers Peter Stamm geführt, mit dem konkretisierenden Titel Arm, aber glücklich. Das den ersten Titel begleitende Interview (Ein Brotjob kann eine Chance sein) mit Rainer Holm-Hadulla, Professor … „Ein Plädoyer mehr für das bedingungslose Grundeinkommen für alle: sinnvolle Lebenszeit statt Work-Life-Balance“ weiterlesen

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Viel Glück – wenig Geld – dieser Artikel in der NZZ vom 21.1.2013 unter anderem über die ökonomischen Möglichkeiten von Schriftstellerinnen und Schriftstellern hat zu einer Reaktion des Schriftstellers Peter Stamm geführt, mit dem konkretisierenden Titel Arm, aber glücklich. Das den ersten Titel begleitende Interview (Ein Brotjob kann eine Chance sein) mit Rainer Holm-Hadulla, Professor für psychotherapeutische Medizin an der Universität Heidelberg, führt nicht wirklich weiter – „Kreativität“ (welche SchriftstellerInnen sicher brauchen) wird als Hindernis für den Broterwerb dargestellt. Deshalb gibt es hier ein weiteres Pläydoyer für das bedingungslose Grundeinkommen für alle.

Götz Werner, früherer Entrepreneurship-Professor, sagt es etwas anders: er empfiehlt jungen Menschen, die Begriffe Arbeitszeit und Freizeit aus dem Wortschatz zu streichen und stattdessen „Lebenszeit“ zu verwenden, und bei all dem, was gemacht wird, die Frage nach dem Sinn der eigenen Tätigkeiten zu stellen (siehe z.B. Augsburger Allgemeine). Götz Werner ist unter anderem einer der grossen Promotoren der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens für alle.

Am Morgen des 3.2.2013 wurde in Tamedia-Online ein Artikel publiziert mit dem Titel „Rauch über der Landstrasse“ – es ging um einen Brand an der LanGstrasse in Zürich. Es ging fast zwei Stunden, bis dieser Tippfehler korrigiert war. Selbst VielschreiberInnen produzieren Tippfehler (P.S. allfällige Freud’sche Interpretationen werden durch die LeserInnen erstellt) – so ist nun mal das Leben. Die „Workers“ bei Tamedia produzieren sehr viele Tippfehler, abgesehen von der dauernden Verwechslung von städtischen und kantonalen Institutionen. Ein Korrektorat (es gibt Menschen, die darin einen Lebenssinn sehen) scheint es nicht mehr zu geben bei Tamedia – respektive das Korrektorat ist ein ausgelagertes Freiwilligen-Grüppchen: auf jeder Tamedia-Seite im Internet gibt es die Fehlermelde-Funktionen.

Dieses Fehlen des Korrektorats ist durchaus ein Hinweis auf die Bedeutung der geschriebenen Sprache in unserer Gesellschaft. Nur in Gesellschaften, in denen Schreiben eine grosse Bedeutung hat, können Menschen vom Schreiben leben, wobei dies durchaus als selbstverstärkender Wirkungskreis verstanden werden kann. Die weit verbreitete Kenntnis der geschriebenen Sprache (sowohl Schreiben als auch Lesen) war eine der Voraussetzungen für die Epoche der Aufklärung.

Wenn SchriftstellerInnen von ihrer Arbeit nicht leben können, ist dies nur zum Teil eine Frage der Qualität ihrer Schreib- und Denkarbeit. Das Informationszeitalter mit 140-Zeichen-Twitter-Botschaften und 160 Zeichen für eine SMS (=Short Message Service) hat die Sprache eine andere Bedeutung, es entwickelt sich gar eine eigenständige, typischerweise „internationale“ Abkürzungssprache (als eine Art Esperanto). Auch kurze Texte können eine hohe Qualität aufweisen, darum geht es hier nicht – mit 140 oder 160 Zeichen lassen sich keine längeren, konsistenten Argumentationen erstellen. Das Informationszeitalter könnte auch zum Zeitalter der Kurzatmigkeit verkommen. Die Welt ist einiges komplexer, auch wenn es eine Weltformel nicht gibt! Bilder der Welt, Bilder einer zukünftigen Erde brauchen etwas mehr Raum. Jørgen Randers braucht für sein Buch 2052 – Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre 432 Seiten – mit einigen Abbildungen braucht dieses Buch als „epub“ 2.8 MB Speicherplatz. Es braucht SchriftstellerInnen, es braucht Menschen, die ihre Gedanken, die die Gedanken anderer in Schriftform bringen können, verständlich, nachvollziehbar.

Selbstverständlich kann Schreiben auch ein Hobby sein, kann etwa mit Politik verknüpft sein. 106 Beiträge habe ich letztes Jahr für umweltnetz.ch geschrieben – auch dies ist ein Buch mit etwa 400 Seiten! Viele dieser Beiträge kann ich empfehlen, ich pflücke zwei davon heraus:

Und ich schreibe auch Geschichten – Gelegenheit macht Geschichten! Allerdings: ich möchte meine Geschichten eigentlich nicht verkaufen, ich möchte davon nicht leben müssen. Nicht, weil mir die Geschichten nicht gefallen würden, sondern genau deshalb, weil sie mir gefallen – ich schreibe nicht als Hobby, ich schreibe, weil es mir Spass macht. Gleichzeitig – und dies aus verschiedenen Gründen – würde ich Dinge, die in den letzten Dingen sehr viel Geld und insbesondere Bonus gebracht haben, nicht oder überhaupt nicht gern tun, weil sie für mich keinen Sinn machen.

Ich kenne sehr viele Menschen mit Fähigkeiten im kreativen Bereich, die nicht von ihren kreativen Fähigkeiten leben wollen, sondern einen Broterwerb suchen, der für sie zumindest teilweise Sinn macht.

Gerade in Ländern mit übergrossem ökologischem Fussabdruck ist festzustellen, dass zu viele einfach „Work“ erledigen, die mit dem „Life“, dem Leben auf diesem Planeten, nicht wirklich vereinbar ist, und dies ausschliesslich darum, um das Brot, die Butter und weitere Beilagen dazu zu verdienen. Für den einzelnen Menschen, aber auch für die Welt wäre es allerdings sinnvoller, wenn diese Menschen schreiben würden, egal, ob sie ihre Werke publizieren und ob diese gelesen werden, oder sie machen Musik, Malen oder Zeichnen, – ganz einfach nicht „Work“. Ich kann ehrlicherweise Herr Rainer Holm-Hadulla (s.o.) nicht verstehen, der sehr direkt empfiehlt, zuerst Dinge zu tun, die dem Broterwerb dienen!

Damit eben nicht sinnentleerte „Work“ geleistet werden muss, hat Götz Werner hat einen guten, einen sehr guten Vorschlag: das bedingungslose Grundeinkommen für alle!

Zur Kultur hinter dem Schreiben: Der Welttag des Buches (World Book and Copyright Day) am 23. April ist seit 1995 ein von der UNESCO weltweit eingerichteter Feiertag für das Lesen, für Bücher, für die Kultur des geschriebenen Wortes und auch für die Rechte ihrer AutorInnen (Zitat aus Wikipedia). P.S. Es dürfen auch EPUBs sein. Und das bedingungslose Grundeinkommen für alle vereinfacht auch die gesamte Urheberrechtsfrage. Wer schreibt, schreibt immer auch für die Allgemeinheit, oder wenigstens einen Teil der Allgemeinheit – Texte sind somit eigentlich immer auch gemeinsames Gut!

The post Ein Plädoyer mehr für das bedingungslose Grundeinkommen für alle: sinnvolle Lebenszeit statt Work-Life-Balance first appeared on umweltnetz.ch.]]> 4960 Weltbuchtag: Lesen, Schreiben, Bezahlen, Existieren, … https://www.umweltnetz.ch/content/weltbuchtag-lesen-schreiben-bezahlen-existieren Mon, 23 Apr 2012 15:37:23 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=3706 Der Welttag des Buches (World Book and Copyright Day) am 23. April ist seit 1995 ein von der UNESCO weltweit eingerichteter Feiertag für das Lesen, für Bücher, für die Kultur des geschriebenen Wortes und auch für die Rechte ihrer Autoren. Dieses Zitat aus Wikipedia illustriert die Breite der Bedeutung der „Kultur des geschriebenen Wortes“ – … „Weltbuchtag: Lesen, Schreiben, Bezahlen, Existieren, …“ weiterlesen

The post Weltbuchtag: Lesen, Schreiben, Bezahlen, Existieren, … first appeared on umweltnetz.ch.]]> Der Welttag des Buches (World Book and Copyright Day) am 23. April ist seit 1995 ein von der UNESCO weltweit eingerichteter Feiertag für das Lesen, für Bücher, für die Kultur des geschriebenen Wortes und auch für die Rechte ihrer Autoren. Dieses Zitat aus Wikipedia illustriert die Breite der Bedeutung der „Kultur des geschriebenen Wortes“ – darum auch die vier Schlagworte im Titel.

Auch wenn „das Buch“ in der Regel einige eher flächige – quasi zweidimensionale – „Seiten“ zusammengefasst, gebunden und gedeckelt meint, stellt „das Buch“ eine Erscheinungsform der „Kultur des geschriebenen Wortes“ dar. Wie auch „Schreiben“ nicht nur die handschriftliche Niederschrift von Text meint, sondern sich auf den Prozess bezieht, welcher zu einem geschriebenen Text führt, ist das Buch sicher eine grosse, ebenfalls kulturelle Leistung, aber nicht die einzig mögliche Form zur Darstellung des geschriebenen Wortes. Die in der Menschheitsgeschichte zunehmende Verbreitung von Wissen ist ohne das Buch undenkbar (leider trifft dies für die Weisheit, welche aus Wissen schöpft, weit weniger zu, aber das ist ein anderes Thema)). Auch wenn das Buch neben der intellektuellen Herausforderung auch eine reiche haptische Erfahrung bereiten kann, dienen auch das Internet oder elektronische Bücher (eBooks, EPUB) der Pflege der Kultur des geschriebenen Wortes. Dazu ein Detail, der Einfachheit halber zu einem Fachbuch: das geschriebene Wort „Ausgegeizt! Wertvoll ist besser – Das Manufactum-Prinzip“ von Uli Burchardt kostet in Buchform Fr. 35.40, als EPUB Fr. 25.20.

Diese Preisdifferenz ist auch ein Hinweis auf die ökologische Bedeutung des Buches, stellt auch die Frage, ob ein einmal gelesenes Buch in ein Büchergestell abgelegt werden darf, oder ob auch andere LeserInnen die gleichen bedruckten Seiten nochmals lesen sollten. Gehört es zur Kultur des gedruckten Wortes, Bücher in riesigen Gestellen zu sammeln?

Daraus ergibt sich ultimativ die nächste Frage: da sich aus der Anzahl verkaufter Exemplare eines geschriebenen Wortes (egal ob als Buch oder als EPUB) das Einkommen des Autors, der Autorin ableitet: ist das aktuelle Urheberrecht eine zweckmässige Form zur Ezistenzsicherung von AutorInnen? Zur Auflösung dieser rhetorischen Frage meine eindeutige Antwort: NEIN. Die einzig sinnvolle Alternative ist das bedingungslose Grundeinkommen für alle.

Im Übrigen: im „ewigen Kalender der Feiertage“ folgt auf den Weltbuchtag zwei Tage später am 25. April „Der internationale Tag gegen Lärm“ – sehr passend auf jeden Fall, vereinfacht doch „Ruhe“ sowohl das Schreiben wie das Lesen!

The post Weltbuchtag: Lesen, Schreiben, Bezahlen, Existieren, … first appeared on umweltnetz.ch.]]> 3706 Brief oder Mail? https://www.umweltnetz.ch/content/brief-oder-mail Mon, 13 Jun 2011 21:26:19 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=2998 Wenn ich einer Bundesrätin oder einem Bundesrat ein Mail sende (das tue ich als Zivilgesellschafter gelegentlich), erhalte ich die Antwort – per Brief! Aus einem Mail der Swisscom an ihre KundInnen: Der Schutz der Energiereserven unseres Planeten, nachhaltiges Wirtschaften und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen liegen Swisscom am Herzen und sind Teil unserer Geschäftspolitik. … „Brief oder Mail?“ weiterlesen

The post Brief oder Mail? first appeared on umweltnetz.ch.]]> Wenn ich einer Bundesrätin oder einem Bundesrat ein Mail sende (das tue ich als Zivilgesellschafter gelegentlich), erhalte ich die Antwort – per Brief! Aus einem Mail der Swisscom an ihre KundInnen: Der Schutz der Energiereserven unseres Planeten, nachhaltiges Wirtschaften und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen liegen Swisscom am Herzen und sind Teil unserer Geschäftspolitik. … Sie können uns dabei massgeblich helfen mit der Möglichkeit, künftig Produktinformationen, Hinweise, Mutationsbestätigungen usw. elektronisch an die E-Mail-Adresse unserer Kunden zu senden. Damit liesse sich die Menge der auf dem Postweg verschickten Papierdokumente ganz wesentlich reduzieren. Brief oder Mail? Bei der Antwort auf diese Frage geht es um Ökologie, aber auch um Gewohnheiten, und noch einiges mehr.

Mail statt Brief: dieser individuelle Entscheid vieler hat Konsequenzen! Jene Menschen, die heute mit der Brief- respektive Postlogistik ihren Erwerb haben, brauchen möglicherweise weniger NachfolgerInnen.

Die Deutsche Telekom gibt auf ihrer Internet-Seite Nachhaltig-handeln einige Tipps: Musik-Download statt Kauf von CDs/DVDs, Cloud Computing statt Datentransfers auf MP3-Player, Laptop und USB-Stick, virtuelle Konferenzen statt Verkehr auf Strasse, Schiene und in der Luft, RechnungOnline statt Rechnung auf Papier.

All diesen Beispielen ist gemeinsam, dass Logistik für Material und Mensch ersetzt wird durch mehr oder weniger virtuelle Vorgänge.

Es gibt diverse Untersuchungen darüber, ob das gedruckte Buch oder das elektronische Buch (z.B. im EPUB-Format), gleiches gilt auch für Zeitschriften, ökologisch die Nase vorne haben. Es gibt Gründe zur Annahme, dass auch im Buchbereich virtuelle Lösungen ökologisch vorteilhaft sind.

Es ist tatsächlich nicht das gleiche, Bücher auf Papier oder auf einem Display zu lesen. Als Vielleser physischer wie virtueller Bücher könnte ich eine Vielzahl von Vor- und Nachteilen der beiden Lösungen aufzeigen – zum Beispiel folgende Warnung: Beachten Sie beim Lesen von EPUB-Büchern im Bahnabteil, dass die Bildschirmoberfläche spiegelt und Mitreisende durch einfallende Sonnenstrahlung geblendet werden können. Wenn sich die bisherigen Trends in Sachen Ökobilanzierung von Leseformen fortsetzen, geht es schlicht darum, dass LeserInnen ihre Gewohnheiten anpassen müssen. P.S. wiederum aus eigener Erfahrung: beim Umblättern eines EPUB-Buches ist es nicht erforderlich, das ganze Lesegerät umzudrehen – es reicht, den Bildschirm kurz anzutippen! Und im übrigen haben die meisten EPUB-Lesegeräte etwa das Format eines aufgeklappten Taschenbuchs.

Weil davon auszugehen ist, dass zukünftig virtuelle Lösungen anstelle der bisherigen Material- und Menschen-Logistik treten wird, heisst dies: bei Firmen wie „Die Post“ (es ändert nichts, wenn BundesrätInnen ihre Antwort auf Mails als Brief versenden), im Druckgewerbe, im Unterhaltungsgewerbe (CD-Herstellung) wird mit grosser Wahrscheinlichkeit das Job-Angebot mit bisherigen Tätigkeiten deutlich vermindert. Damit stellt sich die uralte Frage: ist es sinnvoll, zur Strukturerhaltung und Arbeitsplatzsicherung auf ökologischere Verhaltensweisen zu verzichten? Aus Prinzip ist allerdings nur die Antwort „Nein“ möglich.

Gerade in Gesellschaften mit einem deutlich übermässigen ökologischen Fussabdruck hat dies Konsequenzen: wir brauchen einen neuen Lebensstil, z.B. LOVOS – “Lifestyle of Voluntary Simplicity“! Und wir müssen die Existenzsicherung von der Erwerbsarbeit trennen – bedingungsloses Grundeinkommen für alle!

The post Brief oder Mail? first appeared on umweltnetz.ch.]]> 2998 Das Buch – Relikt oder Renaissance eines Luxus? https://www.umweltnetz.ch/content/das-buch-relikt-oder-renaissance-eines-luxus Sun, 15 Aug 2010 17:41:21 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=1992 Das Buch und sein Stellenwert – angesichts diverser E-Book-Lesegeräte inklusive iPad und ePUB (dem offenen Standard für elektronische Publikationen, inklusive digitalem Rechtemanagement DRM) stellt sich die Frage nach der Zukunft des Buches immer neu. Angesichts der Aussage von Trend-Forscher Matthias Horx „Utopische Zukunft wirkt heute retro„ werde ich keine Aussage zur Buch-Zukunft machen, sondern aus … „Das Buch – Relikt oder Renaissance eines Luxus?“ weiterlesen

The post Das Buch – Relikt oder Renaissance eines Luxus? first appeared on umweltnetz.ch.]]> Das Buch und sein Stellenwert – angesichts diverser E-Book-Lesegeräte inklusive iPad und ePUB (dem offenen Standard für elektronische Publikationen, inklusive digitalem Rechtemanagement DRM) stellt sich die Frage nach der Zukunft des Buches immer neu. Angesichts der Aussage von Trend-Forscher Matthias Horx „Utopische Zukunft wirkt heute retro„ werde ich keine Aussage zur Buch-Zukunft machen, sondern aus meiner Sicht formulieren, wie ich heute selber mit Lesestoff, sei es Literatur, sei es Unterhaltung, sei es Fachwissen, umgehe, wie ich selber zukünftig lesen möchte.

Als Vielleser – ich lese pro Woche zwischen 500 und 1’000 Druckseiten (ohne Tages- und Gratiszeitungen, da diese Drucksachen mehr oder weniger werbefinanziert sind, zählt dies nicht als Lektüre) – und von der unqualifizierten Politik der öffentlichen Bibliothek in der Nachbarschaft beraubt beschäftigte ich seit langer Zeit mit der Frage der guten Medientechnik.

Schon nur aus Platzgründen: Diese 500 bis 1’000 Seiten pro Woche ergeben im Jahr 50 bis 100 Taschenbücher, das Büchergestell vor einer Zimmerwand einer typischen Mehrfamilienhaus-Wohnung (3.5 m lang, 2.4 m hoch) wäre damit in 9 bis 18 Jahren aufgefüllt, fast 1000 Bücher, 350 kg Papier. Mit Bibliotheken könnte man diese Menge etwas reduzieren – wenn es sie denn gibt, siehe oben! Im übrigen: der Profi-Sprachler und Autor Hugo Loetscher vererbte 10’000 Bücher – 35 Meter Bücherwände!

Bücher kann man in die Hand nehmen, die Buchstaben sind drucktechnisch nahezu untrennbar mit dem Papier verbunden. Es lassen sich ganz einfach Notizen im Buch anbringen – aber: darf man denn das? Mit Büchern sind Emotionen verbunden – oder sind es doch eher die Inhalte der Bücher? Es gibt schöne Bücher, wertvolle Bücher – Bücher sind und bleiben aber Hilfsmittel, um Inhalte zu transportieren.

Gerade Texte sind sehr einfach elektronisch speicherbar, als direkten Nutzen des knappen Zeichensatzes des lateinischen Alphabets. Ein typisches Buch braucht inklusive üblicherweise grafisch gestaltetem Titelblatt im ePUB-Format zwischen 2 und 4 Megabyte – die 100 Bücher meines Jahreslesebedarfs beanspruchen maximal 0.4 Gigabyte Speicherplatz, deutlich weniger als die gleiche Menge digitaler Fotografien (ein Bild sagt zwar mehr als 1000 Worte, braucht aber auch mindestens so viel Speicherplatz wie ein Buch, welches mehr als 100’000 Worte enthält). Ein Standard-USB-Datenstick, regelmässig ein schon fast nicht mehr zeitgemässes Werbegeschenk ersetzt mit minimalstem Platzbedarf das riesige, wohnungsprägende Büchergestell!

Digitale Bücher am Bildschirm, am Computer lesen? Von vielen KollegInnen höre ich diese empörte Frage. Doch, es funktioniert bestens. Ich gebe zu, dass die immense Menge an beruflichem Lesestoff, Stichwort 2000-Watt-Gesellschaft verbunden mit meinem Hang zum Chaotismus mich darin bestärkt hat, es einmal mit dem papierreduzierten Büro zu versuchen – und ich geniesse es, den Chaos-Datenhaufen auf den von mir benutzten Computern durchsuchen zu lassen. Anmerkungen, Kommentare oder Bemerkungen lassen sich einfach (und vor allem leserlich) direkt in die elektronischen Dokumente einfügen – und so auch weiterversenden.

Lassen sich auch „schöne“ Literatur und „leichte“, unterhaltende Literatur am Computerbildschirm, dem Inbegriff des Arbeitsplatzes, lesen? Ja, selbstverständlich – und da ja die Dinger immer transportabler werden, funktioniert dies auch ausserhalb des klassischen Arbeitsplatzes, mit e-Book-Readern diverser Generationen geht dies noch viel besser – der iPad hat gerade etwa die Abmessungen eines aufgeschlagenen Taschenbuchs. Einverstanden, die haptische Wahrnehmung eines „richtigen“ Buches ist anders – so lassen sich etwa bei elektronischen Lesern schlecht respektive gar nicht die Seiten einknicken, um die Stelle zu markieren, wo man gerade gelesen hat, dazu braucht es elektronische Lesemarken.
P.S. im Zusammenhang mit der Work-Life-Balance ist auch die Trennung von Arbeitsplatz und Freizeitbeschäftigung einem ständigen Wandel unterworfen, siehe auch Home Office!

Ohne Stromanschluss respektive mit leerem Akku lassen sich elektronische Bücher nicht lesen – ohne Leselämpchen geht dies häufig allerdings auch bei einem gedruckten Buch nicht! Auch die Oeko- und Sozialbilanz lässt sich nicht für oder gegen die eine oder andere Technik ausnutzen – die mir bekannten Bilanzen sind derzeit noch ausschliesslich interessengefärbt. Oder anders: mit solchen Bilanzen kann man je nach Annahmen alles oder nichts erklären!

Unabhängig von der Form der Präsentation, also ob als physisches oder elektronisches Buch, die Inhalte dieses Mediums werden immer noch von Menschen erarbeitet! Der Wert des Mediums wird durch den Inhalt und nicht durch die Form bestimmt. Die Aufforderung zur Gewalt bleibt Aufforderung zur Gewalt, egal ob auf Papier oder auf einem Computerbildschirm – auch die Einladung für den Frieden bleibt sowohl auf Papier wie auf dem Bildschirm eine Einladung, diese Einladung muss von Menschen umgesetzt werden! Die AutorInnen bestimmen die Inhalte, Günter Grass fordert zu Recht, dass sich AutorInnen politisch äussern und sich nicht in privater Distanz halten!

In einem eigenartigen Kontext steht die Haltung von Günter Grass zu elektronischen Büchern – er verlangt zuerst „ein die Autoren schützendes Gesetz„. Günter Grass will also bei all jenen, die sich aus diversen Gründen für elektronische Medien entschieden haben, nicht zu Wort kommen – er verweigert das Gespräch mit Menschen, die die digitale Lektüre bevorzugen. Wenn Günter Grass auch „modernen“ Menschen etwas zu sagen haben will, kommt er nicht darum herum, auch digitale Publikationen zuzulassen. Festzuhalten ist: digitale Publikationen sind rechtlich und physikalisch mindestens gleich gut geschützt wie „analoge“ Bücher (diese lassen sich mit büroüblichen Scannern elektronisch erfassen und in bearbeitbaren Text umwandeln, dies ist verboten, genau wie auch das Knacken eines DRM-Schutzes verboten ist). Es ist nun mal so: Veränderungen können auch AutorInnen nur bewirken, wenn sie ihre Arbeit der Welt mitteilen, und analog zur „SchwarzfahrerInnen-Quote“ gibt es halt auch bei den UrheberInnen-Schutzrechten einen Teil der Menschheit, welcher sich nicht an Regeln hält. Im übrigen: der elektronische Musik-Markt hat nicht zur Einkommenslosigkeit der Stars gesorgt, und für die vielen bestenfalls lokal bekannten guten MusikerInnen war auch vor dem elektronischen Zeitalter ihre Kunst eher brotlos. Ändern lässt sich dies erst durch ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle!

Selbst ein 80-jähriger Literatur-Nobelpreis-Träger wie Günter Grass kann das elektronische Buch als Marktrealität nicht verhindern!

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