New York gilt als Flagship für den Lebensstil der westlichen Welt – die Zerstörung der symbolträchtigen Twin Towers, verbunden mit einer grossen Zahl von Toten, ist somit Angriff und Kritik an diesem Lebensstil. „Schmiermittel“ dieses Lebensstils ist die unbegrenzte Verfügbarkeit von Erdöl – unbegrenzt bezüglich Preis, Menge und Zeitachse. Die Politik der amerikanischen Regierungen unabhängig von der parteipolitischen Herkunft zeigt klar, dass der „freie“ Zugang zu Erdöl eine wichtige Triebkraft für Entscheidungen und Haltungen ist – der „Krieg um Öl“ findet unbestreitbar statt. Zur Illustration: Das US-Energiedepartement (DOE) hat kürzlich 243 Mio Dollar Forschungsgelder für erneuerbare Energien bewilligt, für Projekte in den nächsten drei Jahren (ca 178 Mio €, also rund 60 Mio € pro Jahr). klimaretter.info vergleicht dies mit den Beträgen, die die deutsche Bundesregierung für Forschung zu erneuerbaren Energien ausgibt – rund 350 Mio € pro Jahr!
Der Angriff auf den Lebensstil betrifft mindestens zwei Aspekte: es wird der übermässig grosse ökologische Fussabdruck der westlichen Überflussgesellschaften in Frage gestellt, ebenso wird „die Demokratie“ angegriffen.
Insbesondere dieser zweite Angriff ist perfid. Es ist immer wieder festzuhalten, dass das für die westliche Welt zentrale Erfolgsmodell Demokratie aus globaler Sicht eine Randerscheinung darstellt – nur 30 Staaten dieser Erde gelten als Demokratien! Wesentliches Element der Demokratien sind nach wie vor die Grundsätze der französischen Revolution: Gleichheit, Freiheit, Geschwisterlichkeit (Gender-Anpassung des ursprünglichen Begriffes „Brüderlichkeit“). Aus globaler Sicht sind diese Grundsätze massiv verletzt – massgeblich zugunsten der reichsten und (zufälligerweise?) sich demokratisch gebenden Länder.
Der von der USA angeführte „Krieg gegen den Terror“ (oft mit dem „Krieg um Öl“ gleichgesetzt) setzt auf Gewalt und nicht auf Demokratie, gegen Einzelpersonen, gegen Gruppen, gegen Staaten. Guantanamo, Tötung von Anführern „gegnerischer“ Gruppen durch ferngesteuerte Drohnen – ohne gerichtliche Urteile, unter Inkaufnahme massiver „Kollateralschäden“, Kriegsführung durch Söldnertruppen und vieles mehr illustrieren, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bei der Durchsetzung von eigenen Anliegen nicht von Bedeutung sind.
Verstärkt wird dies durch den – möglicherweise durch das Internet geförderte – Trend zur Banalisierung von Information und Wissen. Unter dem Deckmantel der Meinungsäusserungsfreiheit erhalten willkürliche Individualtheorien mit selektiver Wahrnehmung das gleiche Gewicht wie nach den Regeln der wissenschaftlichen Arbeit durchgeführte Argumentationsketten (Climate Criminals versus Klimawandelwissenschaft). Dazu kommt, dass gerade die US-Präsidentschaft von George W. Bush – etwa bei den Diskussionen bei der UNO zur Situation im Irak – bewusst gelogen hat.
Solche staatliche „Wahrheitsmanipulation“ öffnet Tür und Tor für Verschwörungstheorien im Stil von „9/11 als Inside-Job“ – weil der Staat durch die eigenen Lügereien unglaubwürdig geworden ist, kann jede andere Theorie ähnlich viel Glaub- oder Unglaubwürdigkeit beanspruchen. Dazu kommt, dass viele Themen derart komplex sind, dass sie selbst mit einer sehr guten Allgemeinbildung nicht mehr von einer einzigen Person beurteilt werden können – das Modell „Universalgelehrter“ hat definitiv ausgedient! Bei WTC7 – dem dritten Gebäude auf dem WTC-Areal in New York, welches am 11.9.2001 eingestürzt ist, allerdings ohne „Flugzeugtreffer“ – wird nach wie vor intensivst diskutiert, ob dieser Einsturz tatsächlich ein Ereignis als Folge der Beschädigung und des Einsturzes der Twin Towers oder als eigenständiger Schaden, zum Beispiel ausgelöst durch eine absichtlich herbeigeführte Explosion, zu betrachten ist. Nach intensiver Lektüre sehr vieler Unterlagen – sogenannt offizielle Dokumente, die diversen Verschwörungstheorien, aber auch sogenannt kritische Historiker wie Daniele Ganser – bin ich zum Schluss gekommen, dass die offiziellen Untersuchungen und deren Umfeld mit der erforderlichen wissenschaftlichen Genauigkeit zu plausiblen und nachvollziehbaren Schlüssen kommen. Die Verschwörungstheorien funktionieren vor allem darum, weil es – ausser in Filmen mit fiktiven Geschichten – keine vergleichbaren Vorfälle gibt. Es gibt also keinen Erfahrungsschatz zur Beurteilung solcher Ereignisse. Interessant ist, dass es zu nahezu sämtlichen Verschwörungstheorien im Internet einen Gegenbeweis gibt – zum Teil mit rein logischer Beweisführung, zum Teil auf detaillierten Fakten aufgebaut.
Bei meiner Velotour im Sommer 2011 bin ich in Wien auf eine interessante Geschichte gestossen: Einsturz der Wiener Reichsbrücke über die Donau am 1. August 1976. Die Wiki-Seite führt auch die Geschichte der politischen Aufarbeitung an: der verantwortliche Planungsstadtrat Fritz Hofmann trat sofort zurück. Gemäss wiki kam eine Untersuchungskommission zu folgenden Schlüssen: der Einsturz sei nicht vorhersehbar gewesen, weil eine Vielzahl an Faktoren zusammenwirkte und die technischen Mittel 1976 nicht ausreichten, um all diese Faktoren zu berücksichtigen. In der Folge wurde Fritz Hofmann 1981 wieder als Stadtrat berufen …
Es ist durchaus davon auszugehen, dass es nie möglich sein wird, weder ein exaktes physikalisches Modell für sämtliche Ereignisse rund um die Einstürze am WTC zu erstellen noch sämtliche Hintergründe rund um den 11.9.2001 darzustellen (dazu reicht auch Wikileaks nicht). Mit dieser Unsicherheit muss eine demokratische und rechtsstaatliche Gesellschaft umgehen können. Dazu gehört auch, dass sie VerschwörungstheoretikerInnen entweder ignoriert oder diesen klar entgegentritt – nicht jede Dummheit ist durch die Meinungsäusserungsfreiheit abgedeckt! Im übrigen gehe ich davon aus, dass eine Umsetzung der 9/11-Ereignisse im Sinne von Inside-Job durch die Bush-Regierung gar nicht hätte ausgeführt werden können – dazu fehlte ihr schlicht die Intelligenz. Zudem wären dazu tausende von eingeweihten Personen erforderlich gewesen; da bekanntlich etwas nur vertraulich behandelt werden kann, wenn höchstens zwei Personen davon wissen, ist die Variante Inside-Job geradezu unmöglich!
Unter diesen Randbedingungen erachte ich die Forderung nach einer (erneuten) „offenen, sachlichen, wissenschaftliche Debatte über alle offenen Fragen zu 9/11“ von Daniele Ganser als absurd und gefährlich – erstens, weil „offen“, „sachlich“, „wissenschaftlich“ subjektiven Charakter haben und – wie das Beispiel der Wiener Reichsbrücke zeigt – die „absolute Wahrheit“ mit menschlichen Fähigkeiten gar nicht erschliessbar ist. Zweitens geht es darum, dass weder die offiziell deklarierte al-Qaida-Urheberschaft noch die von den Verschwörungstheoretikern vermutete Inside-Job-These unterschiedliche Auswirkungen auf Machtpolitik der US-Regierungen gehabt hätte. Jede US-Regierung wird – bis zu einer völlig anderen Energiepolitik – auch zukünftig den privilegierten Zugang zu Erdöl als wichtige Leitlinie der Politik der USA verstehen – und „Fakten“ (etwa die behaupteten Massenvernichtungswaffen in Irak) nach den eigenen Anforderungen zurechtbiegen. Die individuelle Klärung jedes einzelnen Sachverhalts von 9/11 ist nicht einmal historisch von Interesse – zu fordern ist generell eine „gute Regierungspraxis“ – dazu braucht es die Detailkenntnisse zu 9/11 beim besten Willen nicht! Der Einsturz etwa von WTC7 kann mit ausreichender wissenschaftlicher Genauigkeit als Folgeereignis des Einsturzes von WTC1 und WTC2 erklärt werden – die Sprengungshypothese ist eindeutig unnötig, um diesen Vorgang zu erklären.
Zur guten Regierungspraxis gehört neben echter Demokratie, dassGewalt in jeder Form zu ächten ist und dass der ökologische Fussabdruck der Bewohnenden eines Staates deutlich zu vermindern (gilt für die übermässigen Fussabdrückler) ist respektive nicht übermässig wird (gilt für die „ökologischen Kleinfussabdruck-Gesellschaften“).
Daniele Ganser ist ein glaubwürdiger Botschafter der „Peak Oil“-Überlegungen. Die Anforderungen, die Daniele Ganser an die Aufarbeitung von 9/11 stellt, schliessen prinzipiell Prognose-Aussagen zu „Peak Oil“ oder gar „Peak Everything“ aus, da erhebliche Unsicherheiten bestehen. Weil die historische Aufarbeitung – insbesondere die Einsturzdetails von WTC1, WTC2 und WTC7 – keine Relevanz für die zukünftige globale Entwicklung haben, ganz im Gegensatz zu „Peak Oil“, sollte sich die historische Bearbeitung auf Aspekte beschränken, die dem zukünftigen Wohlergehen der Menschheit dienen. Dazu gehört definitiv der Umgang mit endlichen, aber übermässig beanspruchten natürlichen Ressourcen.
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Nun, ich konnte am nächsten Tag meinem Kollegen „beweisen“, dass meine „Behauptung“ stimmte. Für mich als damals jungen politisch motivierten Ingenieur war dies einer der vielen guten Erfahrungen. Der nicht nur fachlich, sondern auch energie politisch interessierte Ingenieur – heute würde ich dem anderns sagen – war damals eine neue Sache. Es war die Zeit der Atomkraftwerke, es war auch die Zeit der ersten Erkenntnisse über die Grenzen des Wachstums. Es war die Zeit, als sich das „Papsttum“ eines Michael Kohn abzuzeichnen begann, durchaus auch in Vorwegnahme eines Herrn Blochers: nichts zu sagen, dies aber eloquent und druckreif. Die Politisierung zumindest eines Teils der IngenieurInnen war zwingend: die Energiethematik ist nicht nur eine technische Frage, es geht eminent auch um gesellschaftspolitische Fragen. Spätestens die Diskussion über den Mensch gemachten Klimawandel illustriert dies treffend. Die Atomenergie-Nutzung ist prinzipiell anti-demokratisch, und spätestens mit dem eigenartigen Vorschlag der deutschen Bundesregierung für ein Energiekonzept, welches aus nicht nachvollziehbaren Gründen eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke vorschlägt, muss man sich fragen, ob es allenfalls direkte Verbindungen zwischen der Atomwirtschaft und dem organisierten Verbrechen gibt.
Energiepolitik ist eigentlich ziemlich einfach – zumindest aus Sicht der Energiewirtschaft. Man kann aus der Vergangenheit ableiten, wie sich der Energieverbrauch zukünftig etwa verhalten wird, nämlich als plausible Weiterschreibung – und man hat die Techniken, darunter Atomkraftwerke, die zur Abdeckung dieses Bedarfs erforderlich sind. Dass all diese Techniken zu mehr oder weniger erheblichen Eingriffen in Gesellschaft und Umwelt führen, wird zu Teil immer noch ausgeblendet. Michael Kohn, der das Wirtschaften im Kleidergeschäft seines Vaters gelernt hat, hat dies ganz einfach formuliert: die Energiewirtschaft hat dies zu liefern, was die KundInnen wollen, und dies ist Strom – er hat dabei allerdings ausgeblendet, dass Kleider nicht einfach Kleider sind – eine Hose eignet sich beispielsweise schlecht als Hemd, und eine rote Bluse ist etwas anderes als eine bunt gemusterte Bluse. Auf den Strom bezogen: Strom aus dem Naturemade star-zertifizierten Wasserkraftwerk Höngg des ewz ist zwar physikalisch Strom wie der Strom aus einem Kernkraftwerk, zum Beispiel in Tschernobyl oder Three Mile Islands, aber es gibt da neben den physikalischen Stromeigenschaften auch noch andere relevante Qualitäten, die Auswirkungen auf den Kaufentscheid haben.
Diese qualitativen Unterschiede können belegt werden – man kann Fakten dazu auf den Tisch legen – beweisbare Behauptungen.
Es gibt beweisbare Behauptungen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der bewussten Wahl der Stromqualität und der effizienten Nutzung des Strom – KäuferInnen von Oekostrom nutzen in der Regel den Strom auch effizienter. Das lässt sich belegen. Nur: auch zeigen lässt sich, dass effiziente Technologie auch zu einer Steigerung des Energieverbrauchs führen kann, dies wird als Rebound- oder Backfire-Effekt bezeichnet. Und dies führt dann zu Vortragstiteln wie „Suffizienz statt Effizienz“ (Florian G. Kaiser, Otto-von-Guericke-Universität, Magdeburg)! Als Fan von LOVOS – Lifestyle Of Voluntary Simplicity – schlage ich vor, dass es anstelle von „oder“ „und“ heissen muss: Suffizienz UND Effizienz.
Klar ist: hier wird im Wissen um die eigene Unzulänglichkeit versucht, nach bestem Wissen und Gewissen einen zukunftsgerichteten Beitrag zum gesellschaftspolitischen Diskurs zu leisten.
In diesem Kontext ist es auch möglich, die Diskussion über den Mensch gemachten Klimawandel konstruktiv zu führen: Da es angesichts der Begrenztheit des menschlichen Denkvermögens unmöglich ist, mit absoluter Sicherheit den direkten Bezug zwischen menschlichem Handeln und den Veränderungen des Klimas zu belegen, ein solcher Zusammenhang aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden muss, geht es letztlich darum, der Gesellschaft eine Politik vorzuschlagen, die dazu führen dürfte, dass die Folgen dieses sehr wahrscheinlich Mensch gemachten Klimawandels für die Menschheit beherrschbar bleiben – insbesondere, wenn damit weitere Nutzen verbunden sind. Angesichts diverser Untersuchungen – zum Beispiel die Studie „How rich is the 2000-Watt-Society“ – und der vermuteten geringen Auswirkungen auf die ökonomische Entwicklung ist nicht nachvollziehbar, wie vehement in der Schweiz etwa FDP und SVP sich gegen eine proaktive Politik im Sinne einer Versicherungsprämie wehren.
Ein kleines Beispiel: Da unterstützt das Gesundheits- und Umweltdepartement der Stadt Zürich die WWF-Aktion „KlimaZmittag„. Die Mitarbeitenden werden ermuntert, am 14. September 2010 fleischlos zu essen, denn ein vegetarisches Menü verursacht im Durchschnitt etwa dreimal weniger CO2-Emissionen als eine fleischhaltige Mahlzeit. Diese harmlose Aktion führt im Gemeinderat der Stadt Zürich prompt zu einer Anfrage der FDP-Gemeinderäte Dr. Urs Egger und Roger Tognella. Von „Vorschreiben einer Lebensweise“ und „weiteren Umerziehungsaktionen“ wird hier geschrieben. Nur schade, dass diese FDP-Vertreter ihr Amt nicht in Bremen ausüben – da gilt nämlich sogar die Devise „einmal in der Woche auf Fleisch verzichten„, die beiden könnten somit jede Woche ihre Uneinsichtigkeit mit einer neuen Anfrage belegen. Offenbar waren Herr Egger und Herr Tognella noch nie im vegetarischen Restaurant Hiltl, sonst wüssten sie, wie geschätzt die vegetarische Küche auch in Zürich ist. Und diese Restaurantgäste verhalten sich erst noch so, wie es eigentlich die FDP möchte: eigenverantwortlich! Als Zitat: Den Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten einzuschränken und landwirtschaftliche Produktionsmethoden anzupassen, würde die globalen Emissionen von Treibhausgasen deutlich vermindern. (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Juni 2010).
Nun, Ignoranten und Zechpreller gehören nun mal zur Gesellschaftspolitik, das gehört zum Alltag, also zwar befremdlich, aber bewältigbar.
Erschreckend, wenn nicht gar unbeschreiblich ist ein weiteres, wahrscheinlich uraltes Phänomen. In neuerer Zeit gehörte der frühe US-Präsident George W. Bush zu den eifrigen Förderern dieses Ansatzes, beispielsweise im Zusammenhang mit dem Krieg um Oel gegen den Irak. Die Begründung für diesen Krieg gegenüber der Weltöffentlichkeit waren offensichtliche und absichtliche Lügen: der damals mächtigste Mann scheint sich nicht um die Glaubhaftigkeit seiner Argumente zu kümmern, er zimmert sich nach Lust und Laune Argumente zusammen, die gerade zum aktuell herrschenden Opportunismus passen.
Klar ist: diese Beliebigkeit ist mit wenig Aufwand verbunden! Und da in einer rational denkenden, von der Aufklärung mitgeprägten Gesellschaft – mit Bezug auf eine durch und durch falsch verstandene Meinungsäusserungsfreiheit – selbst mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit falsche Argumente zur Diskussion beitragen dürfen, haben noch so absurde Einwände Einzelner unterdessen in dieser Gesellschaft mehr Bedeutung als sorgsam erarbeitete, mit Fakten hinterlegte Begründungen, die aus einem aufwändigen Prozess mit These, Antithese und Synthese hervorgegangen sind. Offensichtlicher Unsinn dient immer häufiger als gesellschaftlicher Wegweiser!
Ein zentraler Aspekt dabei: die individuelle subjektive Wahrnehmung einer Einzelperson steht über faktenbasierten Kenntnissen. Sehr illustrativ sind in dieser Hinsicht die Kommentargefässe in Online-Medien. Was etwa in den 400-Zeichen-Kommentaren der TA-Online-LeserInnen zu finden ist, liegt regelmässig deutlich tiefer als die offensichtlichen Dummheiten des früheren US-Präsidenten George W. Bush. Uninformiertheit (und dies in einer Informationsgesellschaft!), Leseschwäche, argumentative Dürftigkeit sind Standard bei diesen Kommentaren – zu befürchten ist allerdings, dass angesichts der aktuellen Trends im (bezahlten) Online-Journalismus das Niveau der Medieninhalte zukünftig deutlich unter dem heutigen Niveau der KommentarschreiberInnen liegen wird.
Es mag tatsächlich sein, dass die Ereignisse in Zusammenhang mit 9-11/WTC 2001 nicht für jeden Stammtischler zugänglich sind. Es mag Ungeklärtheiten bei den offiziellen Untersuchungen geben. Es ist nicht zweckmässig, aus diesen Vorfällen die Argumente für einen Krieg gegen den Terror oder gegen „Schurkenstaaten“ abzuleiten (um damit den „Krieg für Öl“ zu tarnen). Daraus aber systematisch abzuleiten, hinter allem und jedem stecke Verschwörungstheorie, ist definitiv und endgültig DUMM DUMM DUMM (und dies im Wissen darum, dass Dummheit nicht verboten ist, dass aber Einsteins Spruch „Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht sicher.“ darauf anzuwenden ist). Ein exemplarisches Beispiel solcher Dummheit ist WE ARE CHANGE (mit Absicht nicht verlinkt) – „Al’Kreida“ als Motto, um am 11.9.2010 mit Kreide die Verschwörungstheorie-Dummheiten weltweit auf Plätzen anzukreiden. Die Dummheit lässt sich exemplarisch illustrieren: Ausgangspunkt sind die etwa hunderttausend Verschwörungstheorien um 9-11 und die Forderung nach einer Abklärung nach der Wahrheit zur Geschichte dieser Anschläge. Dass das Verhalten des damaligen amerikanischen Präsidenten – selber Erfinder diverser Verschwörungstheorien – Raum geboten hat dafür, ist prinzipiell nachvollziehbar. Wenn nun WE ARE CHANGE auch den Mensch gemachten Klimawandel zu diesen Verschwörungstheorien schlägt, schlägt die Dummheit voll zu: Herr Bush ist definitiv ein Climate Criminal, zählt also zu den Miterfindern der Verschwörungstheorien zum Klimawandel! WE ARE CHANCE entstand wegen diverser Aussagen Bushs rund um 9-11, und dafür wirbt WE ARE CHANGE für die abstrusen Theorien von Herrn Bush und seiner KollegInnen, welche den Mensch gemachten Klimawandel ablehnen. Da muss sich offenbar ein Tippfehler eingeschlichen haben – WE ARE CHANGED trifft es eher. Dummköpfe waren schon immer leicht zu manipulieren!
So war Meinungsäusserungsfreiheit mit Sicherheit nicht gemeint! Ebenso geht die Aufklärung, geht die Rationalität von einem zu idealisierten Menschenbild aus.
The post Alles-Behaupti-Cheib-und-nüd-Bewiisi-Siech first appeared on umweltnetz.ch.]]>Genau dies passiert derzeit – im Rahmen der wiederauflebenden Gläubigkeit an die unbegrenzten Möglichkeit des Wachstums – mit dem Mail-Verkehr einer der wichtigen englischen Klimaforschungseinrichtungen, dem Klimaforschungsinstitut (CRU) der University of East Anglia. Da wurde auf kriminelle Weise in das Computersystem dieses Instituts eingebrochen und ein kunterbunter Strauss an dabei geklauten Infos nach dem Zufallsprinzip veröffentlicht.
Es gibt eine ganze Reihe von guten Gründen, den Verbrauch fossiler Brenn- und Treibstoffe zu vermindern. Diese Rohstoffe sind endlich (Stichwort Peak Oil), deren Verwendung führt zum Ausstoss von Luftschadstoffen, die Verbrennung lässt Treibhausgase, z.B. CO2, entstehen, beim Transport des Rohöls kommt es immer wieder zu grösseren Unfällen, verbunden mit dem Ausströmen grosser Mengen dieses Oels, mit schlimmen Folgen für Mensch und Umwelt. Viele Erdöllagerstätten befinden sich in politisch labilen Gebieten – der „Krieg um Oel“ ist Tatsache.
Der Ausstoss des Treibhausgases CO2 beeinflusst – und dies ist unbestritten – den Strahlungs- respektive Energiehaushalt der Erde. Auch weitere Mensch gemachte Emissionen, aber auch natürliche Phänomene wie etwa die Wolkenentstehung oder der Energiehaushalt der Sonne haben erheblichen Einfluss auf das Klima der Erde. Da es sich dabei um hochkomplexe Vorgänge mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen und Wirkungsrichtungen handelt, ist es dem beschränkten menschlichen Geist nicht möglich, mehr als Wahrscheinlichkeitsaussagen zu diesen vielfältigen Abläufen zu produzieren.
Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, führt der vom Menschen bewirkte aktuelle Ausstoss von Treibhausgasen zu einer Veränderung des globalen Klimas; es wird dabei davon ausgegangen, dass diese Veränderungen schneller erfolgen, als dies den Anpassungsmöglichkeiten des Menschen und seiner Umwelt entspricht. Eine der möglichen Entwicklungen könnte eine rasante Steigerung der globalen Durchschnittstemperatur sein – und um genau derartige Beobachtungen geht es bei den in krimineller Art und Weise veröffentlichen E-Mails aus dem englischen Forschungsinstitut.
Diesen kriminellen Skeptikern kommt entgegen, dass es sich dabei um Vorgänge handelt, die erst in historischen Dimensionen abschliessend beurteilt werden können. Kurzzeitige Schwankungen – deutlich höhere oder tiefere Temperaturen, Niederschlagsverhältnisse, Stürme, … werden seit der öffentlichen Kenntnisnahme von Begriffen wie globale Erwämung oder Klimawandel deutlich überinterpretiert. Selbst eine Serie von 10 warmen Jahren ist statistisch weder Beweis noch Gegenbeweis für eine Temperaturerhöhung.
Tatsache ist: das Klima ist – etwas weniger als das Wetter – Veränderungen unterworfen. In diesen Grundveränderungen Tendenzen erkennen zu wollen, ist äusserst anspruchsvoll. Nochmals: erst im historischen Rückblick über mehrere hundert Jahre wird es möglich sein, klipp und klar die Veränderungsrichtungen sowohl lokaler Klimatas als auch des globalen Klimas zu benennen.
Zentral ist: Wenn diese Mensch gemachten Klimaveränderungen eintreffen sollten, ergeben sich existenzielle Bedrohungen für das Leben auf dem Planeten. Unterdessen gilt die Annahme von Nicolas Stern als plausibel, dass es volkswirtschaftlich erheblich billiger kommt, den Verbrauch fossiler Brenn- und Treibstoffe deutlich zu vermindern, als die potentiellen Folgeschäden der Mensch gemachten Klimaveränderung zu finanzieren.
Wer bereits heute einen endgültigen Beweis für die Auswirkungen des menschlichen Verhaltens auf das globale Klima verlangt, hat wesentliche naturwissenschaftliche Prinzipien nicht verstanden – er oder sie negiert damit grundsätzlich die Existenz von z.B. physikalischen Naturgesetzen – das wäre etwa das gleiche, wie wenn aufgrund der geringen Niveauunterschiede bei Seen behauptet würde, Wasser fliesse aufwärts.
Wer aus den verbleibenden Restunsicherheiten im Bezug auf den Mensch gemachten Klimawandel Massnahmen zum Klimaschutz ablehnt, handelt verantwortungslos – und missachtet das Vorsorgeprinzip. Solche Menschen sollten sinnvollerweise keine Versicherungsverträge abschliessen, geht es dabei auch meistens darum, Ereignisse zu versichern, die nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auftreten.
Zudem: wie bereits oben erwähnt, gibt es sehr viele weitere gute Gründe, den Verbrauch fossiler Brenn- und Treibstoffe massiv einzuschränken. Bis jetzt habe ich keinen einzigen plausiblen Grund gefunden, den Mehrausstoss von fossilen Energien zu steigern.
Die hysterischen Klimaskeptiker verhalten sich nicht nur kriminell bei der Diskriminierung seriöser WissenschaftlerInnen, sie konstruieren auch noch Verschwörungstheorien. Die Wissenschaftsgeschichte zeigt, dass es keinen Grund gibt, künstliche Forschungsrichtungen zu schaffen. Die Geheimnisse der Erde und insbesondere der sie bewohnenden Menschen sind derart gross, dass es noch ausreichend Arbeit für Tausende von ForscherInnen-Generationen gibt, es gibt also keinen Grund, den Klimawandel als Forschungsschwerpunkt künstlich hoch zu halten. Würden sich ForscherInnen tatsächlich gegenüber der Weltöffentlichkeit verschwören wollen, so würden deren Computer sicher besser geschützt. Zudem: geheim halten kann man bekanntlich nur etwas, so lange dies höchstens zwei Menschen betrifft (schlicht darum, weil dann jedeR der GeheimnisträgerInnen weiss, wer allfällig das Geheimnis verraten hat). Ab 3 und mehr Menschen ist nicht mehr individuell nachvollziehbar, wer ein Geheimnis gelüftet hat, also muss zum Vorneherein davon ausgegangen werden, dass ein solches Geheimnis früher oder später gelüftet wird. Jede Verschwörungstheorie, die mehr als zwei AkteurInnen benennt, ist deshalb zum Vorneherein hanebüchern respektive absurd.
Sollte der Klimawandel eintreffen, wird man die KlimaskeptikerInnen nicht zur Verantwortung ziehen können, auch diese könnten schliesslich Jahrzehnte des Nichtstuns nicht ungeschehen machen. Wird etwas gegen den mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erfolgenden Klimawandel getan, ergeben sich erhebliche Vorteile aus dem Minderverbrauch fossiler Brenn- und Treibstoffe. Es ist von einem deutlichen Mehr an Lebensqualität auszugehen, dies sogar auf globalem Niveau.
Ein Tor, wer dies nicht will!
Nachtrag 5.12.09
Wie immer ist die Frage zu stellen, welche Absichten die klimaskeptischen Verschwörungstheoretiker haben. Immer offensichtlicher wird: die meisten SkeptikerInnen haben einen direkten oder zumindest indirekten Bezug zur Erdölwirtschaft! Sowohl die direkt vom Erdöl abhängigen Staaten als auch Erdöl-UnternehmensvertreterInnen haben ein grosses Interesse daran, zu behaupten, es gäbe keinen Zusammenhang zwischen dem Mensch gemachten CO2-Ausstoss aus fossilen Brenn- und Treibstoffen und dem beobachteten Klimawandel – es geht einmal mehr um kurzfristigen Gewinn.
Erste Fassung: 22.11.2009
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