Die Erstellung eines Gebäudes ist ein komplexer Prozess. Es sind unter anderem vielfältige Energie- und Klimaschutzaspekte zu beachten. Während etwa die Wärmedämmung eines Gebäudes als statisches, passives Element betrachtet werden kann, stehen eine grosse Zahl von Haustechnikkomponenten – von Beleuchtung über Heizung/Lüftung bis zur Sicherheitstechnik – in direkter Interaktion mit den Gebäude-NutzerInnen. Diese dynamischen Komponenten beeinflussen sich gegenseitig, zumindest teilweise.
Da der Markt davon ausgeht, Gebäude könnten einfach so genutzt werden (schliesslich haust der Mensch seit der Steinzeit), wird nicht beachtet, dass gerade in Gebäuden mit tiefem Energieverbrauch die NutzerInnen erheblichen Einfluss auf die tatsächlich erreichte energetische Qualität haben – ein Grad weniger Raumtemperatur vermindert etwa den Heizenergieverbrauch um etwa sechs Prozent (siehe dazu mein Blog-Beitrag „Raumkomfort for Dummies„).
Gerade bei neuen Konzepten, bei prototypischen Ansätzen erst recht ist es zwingend erforderlich, dass die NutzerInnen über Eigenheiten eines Gebäudes informiert werden. Es ist davon auszugehen, dass heute gebaute Gebäude mindestens 2 Jahre brauchen, bis sie die „Nutzungsreife“ erlangen – auch bei Softwareprodukten gilt schliesslich der Spruch „Das Produkt reift bei den KundInnen“ oder die Metapher „Bananenprodukt“. Das ist bei Gebäuden definitiv nicht anders.
Die Medien der Tamedia haben in den letzten Wochen in fachlich massiv unqualifizierter Weise über zwei aktuelle Beispiele neuer Bauten (des Kantons Zürich) berichtet: unter dem reisserischen Titel Student fällt in der Gesangsstunde in Ohnmacht mit dem Untertitel „Im täglichen Gebrauch zeigt sich die Kehrseite des Minergie-Standards“ wurde am 1.12.2012 einige Wochen nach Semesterbeginn (also ganz zu Beginn der allgemeinen Lernphase mit diesem Gebäude) über Gerüchte und „Kriminalstories“ aus dem Neubau der Pädagogischen Hochschule an der Europaallee in Zürich berichtet. Kritisiert werden etwa, dass nicht öffenbare Fenster vorhanden sind, es wird stickige Luft bemängelt, während gleichzeitig zu trockene Luft angeführt wird (die Sachkompetenz der Tamedia-Crew zeigt sich darin, dass niemandem der offensichtliche Widerspruch aufgefallen ist: trockene Luft weist auf einen hohen, allenfalls gar zu hohen Aussenluftwechsel hin, während stickige Luft ein Zeichen für einen deutlich zu tiefen Aussenluftwechsel ist, zu dieser Inkompetenz passt auch, dass behauptet wird, es gebe während 8 Stunden keine Frischluft), ebenso wird wegen des Kunstlichts reklamiert. Nicht ganz in diese Reihe passt auch der Ratschlag, genügend zu trinken: es handelt sich dabei um einen allgemeinen Hinweis der Gesundheitsförderung!
Es handelt sich dabei um eine Hochschule – unter anderem wurde hier das Minergie-Label angestrebt. Einige hundert Meter östlich davon stehen die Bauten von ETH und Uni Zürich. Auch dort gibt es eine sehr grosse Zahl von innenliegenden Hörsäälen und weiteren Unterrichtsräumen – ebenfalls mit Kunstlicht, ebenfalls mit Lüftungsanlagen, ebenfalls ohne öffenbare Fenster. Diese Hörsääle sind seit Jahrzehnten in Betrieb, auf alle Fälle deutlich vor den Zeiten des Minergie-Labels. Was ich aber weiss: auch diese Hörsääle und deren technische Einrichtungen werden regelmässig überprüft, es finden technische und energetische Betriebsoptimierungen statt, über die regelmässig in der Fachliteratur berichtet wird. Das ist ganz alltägliches Geschäft, das ist Normalfall, auch wenn das die Skandalmedien des Tamedia-Konzerns noch nicht gemerkt haben! Es gibt also keinen Grund, über die PH-Neubauten in dieser Form zu berichten, und es gibt erst recht keinen Grund, die üblichen Startschwierigkeiten mit Minergie in Verbindung zu bringen.
Zwei Wochen später folgt ein Artikel mit dem Titel Schlechtes Klima im Obergericht und dem Lead „Das 82 Millionen teure Minergie-Haus in der Zürcher Altstadt beschert dem Personal ausgetrocknete Schleimhäute, Juckreiz, Kopfweh und brennende Augen. Wieder sind die gleichen massiv unqualifizierten und damit falschen Fachaussagen zur Thermodynamik der feuchten Luft zu lesen (dauernde Wiederholung macht allerdings die Sache nicht besser). Auch hier geht es wieder darum, dass einerseits die aufgrund des hygienisch erforderlichen Luftwechsels tiefe relative Raumluftfeuchten resultieren bei gleichzeitig hohen Raumtemperaturen, siehe auch dazu mein Blog-Beitrag „Raumkomfort for Dummies“ (auch der wird allerdings durch die wiederholte Zitierung nicht noch besser). Es gibt also keinen Grund, über das Gebäude des Zürcher Obergerichts in dieser Form zu berichten, und es gibt erst recht keinen Grund, die üblichen Startschwierigkeiten mit Minergie in Verbindung zu bringen.
Nun, die Tamedia-Publikationen betreiben seit längerem (ganz im Sinne der Climate Criminals) Bashing bei Energie- und Klimaschutzthemen. Also sind solche Artikel wirklich keine Überraschung.
Allerdings ist bei diesen aktuellen Beispielen zu vermuten, dass die Tamedia-SchreiberInnen von aussen instrumentalisiert wurden. Im Gemeinderat der Stadt Zürich hat die FDP-Fraktion am 28. November 2012 (also einige Tage vor dem ersten Artikel von Tamedia) einen Vorstoss mit dem Titel Auflistung der ökologischen, energetischen und wirtschaftlichen Vor- und Nachteile verschiedener Gebäudestandards bei der Erstellung sowie beim Betrieb eines Bauobjektes eingereicht, welcher darauf abzielt, bei städtischen Bauten, insbesondere Schulhäusern, auf das gemäss den 7-Meilenschritten zum umwelt- und energiegerechten Bauen vorgegebene Einhalten des Minergie-P-Labels zu verzichten. Auslöser dieses Vorstosses: Am 5. September 2012 hat der Stadtrat von Zürich zuhanden des Gemeinderates die Weisung für den Bau des Schulhauses Blumenfeld verabschiedet, verbunden mit einer Medienmitteilung mit dem Titel Schulanlage Blumenfeld – Premiere in Minergie-P-Eco! Am 18.9.2012, knapp zwei Wochen darauf, titelte Tamedia: Das teuerste Schulhaus von Zürich. Wie der FDP-Vorstoss zeigt, geht offenbar ein Teil der Politik davon aus, dass der hohe Preis des Schulhauses Blumenfeld ausschliesslich auf den Minergie-P-Eco-Standard zurückzuführen ist – eine falsche und absurde Annahme!
Dieses Schulhaus wird vom office agps.architecture geplant. Das „a“ im Firmenkürzel steht zum Beispiel für Marc Angélil, an der ETH Zürich auch Professor für Architektur und Entwurf. Und dies im Departement Architektur, welches sich bekanntlich gegen Energieeffizienz beim Bauen wehrt (Stichwort Towards Zero-Emission Architecture). Originalzitat Professor Marc Angélil: «Jeder Mensch soll seine CO2-Emissionen auf eine Tonne reduzieren, wie viel Energie er dabei verbraucht, ist nicht wesentlich». Damit bin ich leider schon wieder dort, wo ich eigentlich nicht mehr hin will: bei Endlos-Loops!
Diese Zusammenhänge und Abhängigkeiten lassen den Verdacht entstehen, Tamedia habe sich für das Bashing des Minergie-Labels instrumentalisieren lassen!
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Im nicht gratis im Internet verfügbaren Teil des Auto-Anzeigers vom 1. April 2010 äussert sich Co-Chefredaktor Markus Eisenhut völlig unqualifiziert zum Thema 2000-Watt-Gesellschaft – und outet sich damit als Lobbyist der Atomenergie.
Er behauptet nämlich, es sei (in der Schweiz) möglich den CO2-Ausstoss auf 2 Tonnen pro Person (oder weniger) zu vermindern, die 2000-Watt-Gesellschaft sei dagegen eine Illusion. Und er rührt gleichzeitig die Werbetrommel für neue Atomkraftwerke, obwohl längst klar ist, dass die Atomenergie in keiner Art und Weise nachhaltig ist, und insbesondere keinen Klimaschutz leistet.
Als Co-Chefredaktor einer Autozeitung braucht es keinerlei energiepolitische und energietechnische Fachkompetenz – Herr Eisenhut ist also auf Einflüsterer angewiesen, um solche Ausführungen zu machen.
Der Oekonome Prof. Lucas Oeschger von der ETH Zürich hat gezeigt, dass die BIP-Entwicklung der Schweiz auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft sich nur unwesentlich von einem „Business As Usual“-Szenario unterscheidet. Die Energy Watch Group hat im März 2010 mitgeteilt, dass bei einer nur zwanzigprozentigen Steigerung der Energiepreise die weltweiten Ausgaben für Energie (mit dem heutigen Energiemix) rund doppelt so hoch wären, wie die Umstellung auf erneuerbare Energien gemäss einer Studie der Stanford University kosten würde!
Klar ist: mit der Beibehaltung der heutigen Automobilität, welche auf fossilen Energien aufbaut und der Beibehaltung oder gar dem Weiterausbau der Atomenergie ist die 2000-Watt-Gesellschaft nicht zu machen – auch der Auto-Anzeiger (vormals Tages-Anzeiger) müsste erheblich umdenken respektive die energiepolitischen Einflüsterer auswechseln, auch wenn dies Auswirkungen auf den Inserateverkauf hätte.
Mit einer Energie-Effizienz-Strategie, welche ausschliesslich auf erneuerbaren Energien aufbaut, ist die 2000-Watt-Gesellschaft realisierbar – eine zwar ambitiöse, sogar visionäre, aber auf jeden Fall realistische und ökonomisch zweckmässige energie- und klimaschutzpolitische Strategie!
Mit seinen nicht qualifizierten Ausführungen zur zukünftigen Energiepolitik stellt sich der Auto-Anzeiger (vormals Tages-Anzeiger) respektive dessen Co-Chefredaktor Markus Eisenhut eindeutig auf die Seite der Auto- und Atomlobby – und ignoriert alle zukunftsgerichteten DenkerInnen. Und der Auto-Anzeiger (früher Tages-Anzeiger) stellt sich damit gegen die politische Stadt Zürich: die Mehrheit der von den Stimmberechtigten am 7. März 2010 gewählten StadträtInnen – unabhängig von der Parteifarbe – hat sich nämlich aus- und eindrücklich für die 2000-Watt-Gesellschaft ausgesprochen. Dies haben am 30. November 2008 auch 76.4 % der städtischen Stimmberechtigten getan! Auch der Bundesrat hat sich mehrfach für die 2000-Watt-Gesellschaft ausgesprochen. Wer dies nicht tut: die Autolobby, die Atomlobby, die SVP, der Kanton Zürich (unter Federführung des SVP-Baudirektors, gleichzeitig Verwaltungsrat der Atomkraftwerkbetreiberin und potentieller Neu-AKW-Erstellerin AXPO)! Dabei handelt es sich definitiv um die konservativen und sicher nicht zukunftsgerichteten Kräfte in diesem Land! Erschreckende Allianzen geht da der Auto-Anzeiger (früher Tages-Anzeiger) ein.
P.S. Es ist davon auszugehen, dass die zukünftigen Wind- und Solarkraftwerke zum überwiegenden Teil nicht in der Schweiz stehen. Wenn die Schweizer Stromversorger selber in diese Werke investieren (statt an den unsinnigen AKWs) festzuhalten, kann die Schweiz eine aktive Rolle in der Gestaltung der grossregionalen Energiepolitik übernehmen. Im Vergleich mit der heutigen Abhängigkeit der Energieversorgung von erdölexportierenden Ländern, die meisten davon in geopolitisch heiklen Regionen lokalisiert, dürfte die Produktion von erneuerbarem Strom im Ausland mit Schweizer Investitionen politisch wesentlich unkritischer sein.
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Gerade die „Kommentare“ zu einigen Artikeln während den Festtagen 2008 (z.B. Papst: «Schwule vernichten Gottes Werk», bis 28.12.08 23:12 294 „Kommentare“, Hamas-Chef ruft zu Intifada auf, bis 28.12.08 23:20 394 „Kommentare“) zeigen eines klar: 400 Zeichen für „Kommentare“ würgt die Diskussion auf Stammtischniveau herab, da werden nur noch (in der Regel falsche) Allgemeinplätze dargelegt, da äussert sich nur noch, wer so undifferenziert auf der Ebene von unüberlegten Schlagworten zu argumentieren vermag. Regelmässig wäre es zudem sinnvoll, die abgegebenen „Kommentare“ nicht zu publizieren, dürften diese doch sehr häufig diversen gesetzlichen Vorgaben nicht genügen.
Brauchbare Kommentare der Auto-Anzeiger-, früher Tages-Anzeiger-Redaktion sind deutlich länger. Der kluge Kommentar „Israels tödliche Verzweiflung“ von Luciano Ferrari beispielsweise hat rund 2’100 Zeichen – tja, und viele der darauffolgenden „Kommentare“ sind bestenfalls einfältig, wenn nicht gar dumm, unter anderem, weil es schlicht nicht möglich ist, mit 400 Zeichen, einer Doppel-SMS, eine kluge Argumentation zu erarbeiten.
Es gibt nur zwei sinnvolle Möglichkeiten: entweder wird die Begrenzung auf 400 Zeichen aufgehoben, oder der Auto-Anzeiger, früher Tages-Anzeiger verzichtet auf diese Dampfablass- und Streicheleinheiten-Verteilungs-Angelegenheit.
Nachtrag 14.4.09
Ein weiteres illustratives Beispiel zum Unsinn dieses 400-Zeichen-Stammtisch, da bringt die Auto-Zeitung, früher Tages-Anzeiger am 14.4.09 einen Bericht über die Differenz zwischen dem ersten Osterwetterbericht vom Dienstag, 7. April und dem tatsächlichen Osterwetter (auf der Alpennordseite – die Prognose tönte eher nach ziemlich feucht, die Realität war schlicht und einfach grandioses Osterwetter!). Die 400-Zeichen-Stammtischler mögen sich aufregen über diese Differenz, es ist reinste Realsatire. Da wird etwa verlangt, dass man bei SF Meteo Stellen reduziere – nur stammt der TA-Wetterbericht von meteonews, einer Privatfirma. Oder ein anderer Stammtischler empfiehlt den MeteoSchweiz-Nörglern (auch dieser Staatsbetrieb ist NICHT verantwortlich für die TA-Wetterseiten) den „Wetterbericht von Wick„, obwohl Peter Wick CEO und CFO der für die „falschen“ TA-Wetterberichte verantwortlichen MeteoNews ist. Das ist ja noch einigermassen lustig oder bestenfalls Beleg für die PISA-Fähigkeiten der TA-Stammtischler.
Dramatisch wirds, wenn ein weiterer Stammtischler aufgrund „falscher“ Wetterprognosen Zweifel an den Aussagen zum (Mensch gemachten) Klimawandel anbringt. Einfach zur Aufklärung: Wetter ist das, was gerade jetzt draussen stattfindet, die Wetterprognose ist also eine Aussage über zukünftiges Wetter, wie immer ohne Gewähr respektive mit Unsicherheiten belastet. Klima ist hingegen so quasi das summierte Wetter, beschreibt also die langfristige Wetterentwicklung – und entwickelt daraus Szenarien für die Entwicklung des Klimas (und nicht des Wetters!). Wenn die IPCC Aussagen zum Mensch gemachten Klimawandel macht, ist auch dies mit Unsicherheiten verbunden – aber immerhin mit Wahrscheinlichkeiten, die nahe an 100 % liegen. Verstanden, Herr Auto-Anzeiger-Stammtischler?
Fazit daraus: Liebe Auto-Anzeiger-Verantwortliche vom früheren Tages-Anzeiger, schafft doch endlich diesen 400-Zeichen-Leerlauf ab!
Erste Fassung: 28.12.2008
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In Analogie zu den gedruckten Medien gilt für Radios, die Sendepausen zwischen Mainstream-Musikkonserven und Werbespots mit möglichst kurzen Infohäppchen zu füllen – Infotainment als Stimulation der HörerInnen für die möglichst uneingeschränkte Wahrnehmung der Werbebotschaften. Und das alles, um im Interesse der RadioeigentümerInnen möglichst viele Werbegelder anhäufeln zu können. Dieser Gewinnmaximierung hat der Gesetzgeber einen sehr wenig einengenden Rahmen vorgegeben. Gemäss Interview von Bundesrat Leuenberger im Tages-Anzeiger vom 15.11.08 geht es unter anderem um die Ausbildung und die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden, aber auch um die Qualität und die Gestaltung der Informationssendungen.
Gerade in einer Zeit, in welcher immer mehr Medien in Hörigkeit gegenüber dem alternden Milliardär Blocher und der von ihm manipulierten SVP verfallen und deren Polit-Mobbing z.B. gegen die frühere Zürcher Stadträtin Monika Stocker, den früheren Armeechef Roland Nef oder den (bald) früheren SVP- und BDP-Bundesrat Samuel Schmid richtiggehend inszenieren, ist es also wichtig, dass einerseits die Radio-Angestellten gute Arbeitsbedingungen vorfinden, andererseits aber auch, dass die seichten Programme eine Mindestqualität aufweisen. Schliesslich ist Information eine der zentralen Ressourcen für funktionierende Demokratien. Als Beleg dafür: verschiedenste VOX-Analysen zeigen, dass die sachgerechte Information der Stimmberechtigten darüber entscheidet, ob sie ihren Stimmzettel in ihrem Sinn und entsprechend ihren Interessen und Werthaltungen ausfüllen! Damit also auch die Radios ihren Informationsauftrag erfüllen können, braucht es eine Mindestqualität der Informationsgefässe – dies heisst nichts anderes, dass das Ziel der Medienpolitik nicht eine beliebig grosse Zahl von Sendern sein kann, sondern letztlich möglichst wenige Institutionen mit einem klaren Service Publique-Auftrag und einer funktionierenden, demokratischen, internen und externen Qualitätssicherung.
Auch das Internet als neues Medium braucht sehr schnell weitere flankierende Rahmenbedingungen. Zwei Beispiele aus dem tamedia-Bereich sollen dies illustrieren.
Gegen Anfang November fielen nicht nur mir im Online-TA grün geschriebene Wörter auf – hier einige Müsterchen: aktiv, Antwort, Bakterien, Basis, bestätigen, bewahren, Bio, Brennstoff, Dreck, Dusche, Energie, entweder, Erde, Fläche , frisch, Geräte, Gesundheit, gleichzeitig, Haushalt, Health, Hygiene, Kalk, Klimawandel, knapp, Kraft, leisten, nachhaltig, Nachhaltigkeit , Natur, natürlich, oder, Ökologie, ökologisch, Pflanze, pflegen, Produkt, Qualität, sauber, Schutz, schwächen, Sicherheit, sichern, stark, strahlend, Tisch, Umwelt, umweltschonend, verantwortlich, Verantwortung, waschen, Wasser, wirken, Wirkung, Zuckerrohr – auffallend dabei, dass diese Grünfärbung vor allem in den politik- und gesellschaftsnahen Seiten, nicht aber auf den Wirtschafts- und Sportseiten stattfand! Kurz darauf ein neuer Link „Publireportage – WENN WORTE PLÖTZLICH GRÜN WERDEN – Lesen Sie grün – Da steckt wohl mehr dahinter!“ – Werbung für Reinigungsmittel der Firma Henkel! Eine ziemliche Frechheit: da werden mehr oder weniger ökologisch besetzte Wörter zu Worthülsen für eine Werbekampagne gemacht – eine Überprüfung der Aussagen erfordert einiges an Aufwand, ohne zu einer definitiven Beurteilung der Ernsthaftigkeit dieser Aktivitäten zu gelangen. Es ist zu befürchten, dass auch Henkel ökologische Schaumschlägerei (passt ja irgendwie zu Reinigungsmitteln) betreibt.
In den gedruckten Medien wird mit viel Aufwand versucht, die Werbung von den redaktionellen Inhalten zu trennen – in diesem Internet-Beispiel werden die beworbenen Wörter zu Trägern dieser Informationen. Wie stark hat da wohl die Werbeverkaufs-Abteilung Einfluss auf die Schlussredaktion genommen? Bei gewissen Texten kam der Verdacht auf, dass gegen die Regeln des guten Schreibstils zu häufig grün eingefärbte Wörter wiederholt wurden.
Das zweite Beispiel: die Werbung für die Migros-Gratis-Kreditkarte bestimmt das Layout des Tages-Anzeigers – die Werbung ist nicht mehr „Randerscheinung“, sondern die redaktionellen Inhalte werden in die Werbung eingebettet – der Tages-Anzeiger kommt in den „Hausfarben“ der Migros-Gratis-Kreditkarte daher. Die Informationen müssen sich in diesem dominanten Werbeauftritt richtiggehend ein Plätzchen suchen. Werden da RedaktorInnen noch mit der nötigen Distanz über Migros berichten – oder wie lesen sich wohl Informationen zu Coop in diesem Migros-Werbeauftritt?
Wie dürfen Internet-Informationsanbieter Werbung in ihre Angebote integrieren? Gerade bei tages-anzeiger.ch ist die Frage von grosser Bedeutung – ist doch diese Seite Teil von newsnetz.ch! Gemäss Angaben von newsnetz.ch gibt es 1.6 Millionen Unique Clients (also Einzelbenutzerinnen) pro Monat, mehr als jedes andere Online-Newsangebot in der Schweiz! Was newsnetz.ch macht, dürfte irgendwann zum Standard der Internet-Werbung bei Newsangeboten werden.
Nachtrag 28.2.09
„delikate und bisweilen kostspielige Übergangslösungen“, „die heute bereits vorhandenen Frequenzstörungen würden tendenziell noch zunehmen“, das wären die Konsequenzen, wenn das Ringier-Millionär-Unternehmen radio energy seine Kommerzabsichten durchsetzen könnte und doch noch auf dem Platz Zürich eine Werberadio-Lizenz bekäme. Und das soll „grundsätzlich machbar“ sein? Wie schon die Finanzmarktkrise zeigt: Gewinnsucht hat Grenzen, und die werden in diesem Fall sowohl durch die Medienpolitik – es braucht auch Platz für alternative Konzepte wie LORA oder Kultursender wie DRS 2 -, das Gesetz wie die Technik gesetzt.
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Allerdings: wer dann bei der Haltestelle Zoo aussteigt, ist eben noch nicht beim Zooeingang! Ganz im Gegensatz zu all den unsensiblen ZeitgenossInnen, die per Auto anreisen – weil die so völlig orientierungslos sind, gibt es Parkplätze direkt beim Zooeingang, und es gibt noch extra einen Shuttlebus zum Parkplatz beim Dolder. Stimmt schon: 300 Meter sind kein Problem, für ÖV-benutzende Familien erst recht nicht. Aber dann sollten sie es auch für Autofahrende nicht sein – eigentlich sollte der nächstgelegene Parkplatz mindestens so weit entfernt sein wie die nächstgelegene Tram-Haltestelle.
Oder anders: da die Benutzung des öffentlichen Verkehrs klug ist, da sich das klimaschonende eigenverantwortliche Handeln bestens mit dem Arterhaltungsauftrag des Zoos verträgt, ist die Verlängerung des Trams bis zum Zooeingang genau jene Wertschätzung, die es braucht, um erstens bisherige ÖV-BenutzerInnen in ihrem Verhalten zu bestätigen und zweitens bisherige AutofahrerInnen dazu zu bringen, endlich auch auf eine sinnvollere Fortbewegungsart zum Zoo umzusteigen (das tun sie spätestens nach der einmaligen Erfahrung, dass Autofahrende beim Zoo nicht (mehr) willkommen sind, siehe dazu auch die Erfahrungen aus der Stadt mit Strassensperrungen wegen Bauarbeiten). Der Wegfall der Parkplätze beim Zoo ist dringend, nicht zuletzt auch als Botschaft des Zoos, dass neben der direkten Arterhaltungs-Aktivitäten auch Klimaschutzmassnahmen vieler eigenverantwortlich handelnden Einzelpersonen auch zur Arterhaltung beitragen!
P.S. Da steht auf der Leserbrief-Seite vom 22. November, dass der Einsendeschluss für Abstimmungs-Leserbriefe schon am 19. November 08 war – und einige Seiten weiter vorne steht trotzdem ein Redaktionskommentar zur Abstimmung. An einer echten inhaltlichen Auseinandersetzung ist also dem Tages-Anzeiger nicht gelegen – die Redaktion behält sich das letzte Wort vor – und tut dies auch ohne Rücksicht auf inhaltliche Korrektheit oder Plausibilität der Argumentation! Darum am 30. November 2008: Ja zur VCS-Volksinitiative mit dem Tram direkt zum Zoo!
The post Der Tages-Anzeiger outet sich definitiv als Auto-Anzeiger first appeared on umweltnetz.ch.]]>Die Autos der Schweizerinnen und Schweizer gehören auch im europäischen Vergleich zu den grössten Benzin- und Dieselschleudern und tragen übermässig zum Ausstoss des Treibhausgases CO2 bei. Die SchweizerInnen fahren insbesondere auf Offroader und SUVs ab. Und solche Trends wirken sich sehr direkt auf die vom BAFU erstellte CO2-Bilanz der Schweiz aus: noch nie war der CO2-Ausstoss aus dem Verkehr so hoch wie 2006, rund 19 Prozent höher als 1990 – und dies obwohl er eigentlich bis 2010 acht Prozent unter dem Wert von 1990 liegen sollte!
Darf jetzt ein Zeitungsverlag für sich beanspruchen, eine strikte Trennung von redaktionellem Teil und kommerziellem Teil vorzunehmen und darum keine Inserate abzulehnen (ausser den „heiklen“ politischen Inseraten)? Im Grundsatz ist die Pressefreiheit hochzuhalten. Doch gerade im Autobereich ritzen auch Medien wie der Tages-Anzeiger an diesem Status. Journalisten fahren Autos, die ihnen von der Autowirtschaft (gratis) zur Verfügung gestellt werden – hier wird ganz klar bezahlte Werbung betrieben.
Auch ein Verlag hat eine ökologische Politik zu verfolgen. Seit 2003 steht im tamedia-Leitbild der Satz: Zum verantwortungsvollen Handeln gehört es, dass wir den Ansprüchen der Umwelt Rechnung tragen. 2003 war es durchaus noch üblich, dass solche Leitbilder in ökologischen Fragestellungen bloss schöne Worte enthielten – 2007 sind die Ansprüche höher, da braucht es konkrete Handlungen mit Wirkungsnachweis.
Die Umweltpolitik eines Unternehmens darf sich längst nicht mehr auf die direkten Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit beschränken. Auch die indirekten Auswirkungen gehören dazu. Zur Illustration: da wird einerseits im redaktionellen Teil mit einer beachtlichen Kompetenz über ökologische Fragestellungen informiert, während bei den Inseraten verstärkt die grossen Fahrzeuge beworben werden.
„Ansprüchen der Umwelt Rechnung tragen“ – das heisst nicht erst im Jahr 2007: deutlich weniger Emissionen von Treibhausgasen. Das Gewährenlassen der Inserate-Freiheit auch bei den Autos hat sicher einen Teilbeitrag geleistet, dass die CO2-Emissionen aus dem Verkehr zugenommen haben. Wenn tamedia die eigenen „schönen Worte“ ernst nimmt, gibt es nur eines: die Inserate-Freiheit bei den Autowerbungen muss geringfügig eingeschränkt werden. Es sollten zukünftig nur noch Inserate für Autos mit tiefem CO2-Ausstoss, z.B. nur noch für Autos mit weniger als 120 Gramm CO2-Emissionen pro Kilometer, publiziert werden. Ebenso könnte die redaktionelle Werbung für Fahrzeuge auf die selben Typen beschränkt werden.
Für Verlagsbeilagen wie „Der Offroad-Boom“ kann die Redaktionsfreiheit so oder so nicht mehr beansprucht werden. Solche Produkte werden vom Verlag eigenständig in Angriff genommen. Die Themen werden in eigener Verantwortung festgelegt, es werden die Inserenten dazu gesucht – hier kommt einzig und allein die Unternehmenspolitik zum Tragen. Wie sich die Leitbild-Aussage „Zum verantwortungsvollen Handeln gehört es, dass wir den Ansprüchen der Umwelt Rechnung tragen.“ mit der Verlagsbeilage „Der Offroad-Boom“ vereinbaren lässt, wird das Geheimnis von tamedia bleiben.
Im übrigen – und dies ohne Honorar als potentieller Verlagsberater: Kommerziell steht die „Offroad-Verlagsbeilage“ quer in der Landschaft. Zu Beginn des Klimagipfels auf Bali wäre es wenn schon knapp passend gewesen, eine Verlagsbeilage mit den Fahrzeugen zu erstellen, die heute schon weniger als 120 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren – neben den Aspekten des Klimaschutzes wäre dies auch jenen entgegenkommen, die angesichts der aktuell sehr hohen Benzin- und Diesel-Preisen eine sparsamere Fahrzeugversion suchen.
Was könnten denn Medien tun, um einen ernsthaften Beitrag zur Verminderung der CO2-Emissionen zu leisten?
Zitat dazu vom deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler: Mit einer nachhaltigeren Gestaltung unseres Lebensstils im Sinne von gut leben statt viel haben und einem fairen Miteinander der reichen und armen Staaten dieser Welt können wir dafür sorgen, dass die Erde auch für unsere Kinder und Enkel wohnlich bleibt. (anlässlich der Verleihung des Deutschen Umweltpreises am 28.10.2007).
Einmal mehr verhöhnt eine Verlagsbeilage des Tages-Anzeiger die schönen Verlags-Worte zum Umweltschutz: am Freitag, 9. Mai 2008 liegt CABRIO-TRENDS dem Tages-Anzeiger bei – mit 60 der absolut überflüssigsten Autos der Welt, unverschämt teuer, unverschämt klimaschädlich. Die meisten mit CO2-Emissionen von 200 Gramm und mehr – Dinosaurier, nur antreibbar wegen des Raubbaus an den fossilen, endlichen Erdöl-Ressourcen dieses Planeten. Und dies ausgerechnet am gleichen Tag, als der Bund bekannt gibt, dass insbesondere der Strassenverkehr die externen Kosten von 8.5 Mia Franken (2005) bei weitem nicht deckt, dass diese konservativ, vorsichtig ermittelten externen Kosten seit 2000 um 24 % angestiegen sind! Gleichzeitig auch bei einem neuen (relativen) Oelpreismaximum, welches weltweit als Anzeichen dafür gewertet wird, dass die maximalen Produktionsmöglichkeiten für Erdöl erschöpft sind, dass also dringend Massnahmen „Weg von Oel“ erforderlich sind. Warum verhält sich ein einflussreicher Verlag derart gedankenlos?
Erste Fassung 9. Dezemer 2007
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