Am letzten Wochenende versuchten die Autoanzeiger-Gruppe-Medien (hiess früher TAMedia), mit Schlagzeilen wie „fünf Franken pro Liter Benzin“, manipulativ Stimmung gegen lenkende Energieabgaben mit vollständiger Rückerstattung zu machen. Die gut begründete Aussage von Toni Gunziger, Unternehmer und ETH-Professor, der Preis für einen Liter Benzin müsse 12 Franken betragen, um die gesamten Strassenverkehrskosten abdecken zu können – Plan B ist so nüchtern und wissenschaftlich, dass Stimmungsmache dagegen fehlschlägt, da immer mehr Menschen klar wird, dass der übergrosse ökologische Fussabdruck der Menschen auch in der Schweiz massiv vermindert werden muss. Wahre Kosten sind dazu ein kluger Ansatz.
Nicht nur Auto fahren ist viel zu billig, auch die Benutzung des öffentlichen Verkehrs beruht zu einem beachtlichen Teil auf dem Zechpreller-Prinzip. Aus Nachhaltigkeits-Sicht ist ÖV statt Auto sicher die bessere Wahl – noch besser wäre es aber, Verkehr zu vermeiden, z.B. durch eine bessere räumliche Koordination von Wohnen und Alltagsbedürfnissen wie Arbeiten (Pendeln ist weder mit ÖV noch mit Auto besonders sinnvoll), Ausbildung, Einkaufen, Freizeit, z.B. Home Office.
Es ist festzuhalten: sowohl bezüglich Kosten als auch Komfort (insbesondere über mittlere und längere Strecken) ist der öffentliche Verkehr bereits heute deutlich vorteilhafter als jede andere Verkehrslösung. Wer in dieser Situation billigere ÖV-Billette fordert, tut nichts anderes als die sich etwa in absurden $VP- und FDP-Abstimmungskampagnen äussernden Anstrengungen zur Ankurbelung des Strassenverkehrs. Und im Stile der Ueberlegungen von Herr Gunzinger sind so rasch als möglich für alle Verkehrsträger kostenwahre Preise einzuführen.
Um einen gesellschaftlichen Trugschluss geht es auch bei der als Allheilmittel präsentierten Erhöhung des Rentenalters. Es ist durchaus so, dass es ausreichend Arbeit gibt, um bei entsprechenden Wünschen weit über das Pensionsalter hinaus aktiv zu sein. Festzuhalten ist dabei, dass es unmöglich ist, alle diese Arbeit entsprechenden den Fähigkeiten zu entschädigen und dass die durch die Löhne aus Erwerbsarbeit entstehenden Konsummöglichkeiten und Anspruchshaltungen zu einem erheblichen Mass zum aktuellen übergrossen ökologischen Fussabdruck u.a. der SchweizerInnen beitragen. Das Rentenalter – und damit die Zeitdauer zur Leistung von Erwerbsarbeit – zu erhöhen, ist so ziemlich die unsinnigste Idee. Es gibt nur einen nachhaltigen Ansatz: bedingungsloses Grundeinkommen für alle!
The post Kostenwahrheit und bedingungsloses Grundeinkommen für alle. first appeared on umweltnetz.ch.]]>Die Frage ist also nicht, nicht Avenir Suisse behauptet, „wie finanziert die Schweiz die Altersrenten“, und die Antwort darauf heisst auch nicht „durch eine Verlängerung der Erwerbsarbeitszeit“ – die korrekte Frage lautet: „wie sichert die Schweiz nachhaltig die Existenz der BewohnerInnen“, und die Antwort nach der Finanzierung heisst eher „durch eine Vielzahl von Finanzierungsquellen, möglichst unabhängig von Erwerbsarbeit“.
Anstelle einer Steigerung des Rentenalters ist das bedingungslose Grundeinkommen für alle dringend einzuführen – die Existenzsicherung darf nicht von der Erwerbsarbeit abhängen. Einmal darum, weil viele Arbeit in der Gesellschaft geleistet wird, die nicht als Erwerb gilt. Dann aber auch, weil das aktuelle System der Erwerbsarbeit gekoppelt mit dem (nachweislich untauglichen) „Wohlfahrtsindikator BIP“ völlig falsche Signale setzt – gefördert wird dadurch eine Verschwendungskultur, welche zulasten anderer Weltgegenden und zukünftiger Generationen geht. Zudem ist die heutige Arbeitsweise nicht menschenverträglich, Stichworte wie Burn out, Selbsttötungen im Zusammenhang mit der Erwerbsarbeit oder die Nicht-Integrierbarkeit von SozialhilfebezügerInnen in die Erwerbsarbeitswelt.
Wie hoch soll dieses bedingungslose Grundeinkommen für alle sein? Dies ist in einer gesellschaftlich breiten Diskussion zu klären – es geht dabei allerdings nicht um einen Franken- oder Euro-Betrag, sondern um die „Dienstleistungen“, die damit abgedeckt werden können, z.B. Dach über dem Kopf, Essen, Kleidung, Betreuung, Gesundheit, Aus- und Weiterbildung, Erholung, … Oder anders: was ist erforderlich an bedingungslosen Garantien, damit das Leben lebenswert ist? Dabei geht es sowohl um qualitative wie auch um quantitative Aspekte.
Wie soll dieses bedingungslose Grundeinkommen finanziert werden? Gewisse strukturelle Veränderungen sind sicher erforderlich – macht es beispielsweise Sinn, dass Private oder Unternehmen mit dem Anbieten von Wohnraum hohe Gewinne erwirtschaften können? Oder ist es allenfalls angezeigt, die Wohnungsbewirtschaftung systematisch durch gemeinnützige Wohnbaugenossenschaften vorzunehmen? Eine stark lenkende Energieabgabe auf alle Energien mit vollständiger Verwendung des Ertrags für die Finanzierung des benötigten Geldanteils des Grundeinkommens ist ein mögliche Quelle, ebenso kann die Tobin Tax auf Devisentransaktionen für das Grundeinkommen Verwendung finden.
Objektiverweise braucht die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens für alle vornehmlich Veränderungen in den Köpfen der Menschen – der Wandel von der (egoistisch geprägten) Orientierung auf ein möglichst hohes Erwerbseinkommen hin zur solidarischen Gewährleistungen der Existenz jedes einzelnen Menschen stellt den Uebergang in ein völlig neues Weltbild dar.
P.S. Dass die avenir suisse-Studie ausgerechnet meinen Jahrgang
als ersten mit dem erhöhten Rentenalter 67 bezeichnet, ist für mich keine Motivation für diesen Text – bereits aus dem Jahr 2004 gibts von mir einen Text zu Erwerb, Konsum und Existenz. Und der Tag Bedingungsloses Grundeinkommen für alle gehört zu den grössten der Seite www.umweltnetz.ch
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