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PR | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Sat, 19 Oct 2019 10:17:42 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 44487214 Nicht nur in der Klimapolitik: News-Diät oder Willensgesellschaft? https://www.umweltnetz.ch/content/nicht-nur-in-der-klimapolitik-news-diaet-oder-willensgesellschaft Sat, 19 Oct 2019 10:06:16 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7692 Etwa 36 Prozent der Menschen in der Schweiz gelten als als News-Deprivierte. Sie sind mit News unterversorgt oder betreiben News-Abstinenz, möglicherweise angelehnt an die von Rolf Dobelli postulierte radikale News-Diät. Dazu kommt, dass «globale» News einfacher den Zugang zu den News-KonsumentInnen finden als lokale Nachrichten. Gerade im Zusammenhang mit der Klimapolitik: versteht sich unsere Gesellschaft immer … „Nicht nur in der Klimapolitik: News-Diät oder Willensgesellschaft?“ weiterlesen

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Etwa 36 Prozent der Menschen in der Schweiz gelten als als News-Deprivierte. Sie sind mit News unterversorgt oder betreiben News-Abstinenz, möglicherweise angelehnt an die von Rolf Dobelli postulierte radikale News-Diät. Dazu kommt, dass «globale» News einfacher den Zugang zu den News-KonsumentInnen finden als lokale Nachrichten. Gerade im Zusammenhang mit der Klimapolitik: versteht sich unsere Gesellschaft immer noch als Wissensgesellschaft, orientiert sie sich weiterhin an Fakten oder doch lieber an Fakes und Lügen?

«News schaden Ihrer emotionalen Gesundheit und Ihrem Wohlbefinden.» So steht es auf einem «wilden» Plakat in der Nähe des Bundeshauses in Bern. Die Geschichte erzählt immer wieder vom Schicksal der News-ÜberbringerInnen, besonders wenn es schlechte News waren. Regelmässig stellen nämlich News vorgefasste Meinungen und Haltungen in Frage – wenn die Botschaft der News beachtet wird, braucht es mehr oder weniger umfassende Veränderungen, die sich auf den Alltag erheblich auswirken können. Die News etwa zur Entwicklung des Klimas auf der Erde sind unmittelbar mit der Botschaft verbunden, dass  «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» (Weltklimarat IPCC, 2018) als Antwort auf die Klimakrise erforderlich sind.

«Werbung führt zu starker Unzufriedenheit und zwanghaftem Konsumverhalten.» steht als zweiter Satz unmittelbar bei der Plakat-Aussage zu den News. Anfangs Oktober 2019 wurde über eine Studie berichtet, die die gesundheitliche Auswirkungen des Fleischkonsums deutlich relativiert. Kurz darauf sind andere Artikel zu lesen, die eine begründete Gegenposition vertreten, etwa mit dem Titel «Nein, rotes Fleisch ist nicht gesund», verbunden mit dem Hinweis, dass die Studie gesponsert sei von der Rinderzuchtlobby.

Werbung, Lobbying, Public Relations/PR, Marketing, Propaganda sind voraussichtlich immer auch Absicht und Inhalt von News. Dabei geht es regelmässig sowohl um Anliegen im Sinne und im Interesse der Gesellschaft als auch um egoistische Einzel- und Gruppen-Interessen. Wenn wir echten Klimaschutz betreiben, gibt es neben dem gesellschaftlichen Nutzen der Verminderung der Klimakrise auch Unternehmen, die davon profitieren, etwa die zukunftsgerichteten Betriebe der Bauwirtschaft oder der Sonnenenergie-Branchen. Aber: es gibt auch klare VerliererInnen, nämlich jene der fossilen Misswirtschaft.

Eine typische Situation bei News: da lese ich in der Zeitung, sowohl in gedruckter wie in digitaler Form, einen Artikel zum Klimawandel. Auf der gleichen Seite finden sich Inserate, die für grosse Autos, weite Flugreisen oder lange Kreuzfahrten werben. Wie kommt diese Kombination bei den Leserinnen und Lesern an?

«Die Schweiz hätte alles, um den Klimawandel zu bekämpfen: Geld und Wissen. Was fehlt, ist der Wille.» sagte ETH-Klimaforscher Prof. Reto Knutti am 18. Oktober 2019 am Klimatalk an der Hochschule Luzern HSLU.

Zur Formung und Umsetzung dieses Willens können News eine beachtliche Wirkung haben. In guter Form sollte es möglich sein, die emotionale Gesundheit und das Wohlbefinden zu steigern. Kluge Elemente der News, als Werbung verstanden – verbunden mit weiteren Kommunikationselementen aus dem PR- und Marketing-Bereich – können zur Zufriedenheit und zum nachhaltigen Konsumverhalten beitragen.

Anstelle News-Depriviertheit und News-Diät ist ein zukunftsfähiges Newsangebot im Sinne der Wissens- und Willensgesellschaft anzustreben. 


Das Internet ist voll von News aus vielen Quellen – aktuelle News zu Zürich und Umweltthemen werden auch auf umweltnetz.ch dargestellt

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Big Data und Manipulation – von der Mündigkeit von KonsumentInnen und BürgerInnen https://www.umweltnetz.ch/content/big-data-und-manipulation-von-der-muendigkeit-von-konsumentinnen-und-buergerinnen Sun, 11 Dec 2016 17:33:28 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=6637 Ein in diversen Aspekten postfaktischer Artikel zur Beeinflussung von Wahlen durch «Big Data»-Analysen hat Anfang Dezember 2016 für erheblichen Aufruhr gesorgt. Dass Wahlen und Abstimmungen manipuliert werden, ist nicht erst seit den Präsidentschafts-Wahlen oder den Schweizer Abstimmungen im Herbst 2016 zur Grünen Wirtschaft oder zum Atomausstieg offensichtlich. Nicht nur in der Schweiz vertrauen weite Kreise … „Big Data und Manipulation – von der Mündigkeit von KonsumentInnen und BürgerInnen“ weiterlesen

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Ein in diversen Aspekten postfaktischer Artikel zur Beeinflussung von Wahlen durch «Big Data»-Analysen hat Anfang Dezember 2016 für erheblichen Aufruhr gesorgt. Dass Wahlen und Abstimmungen manipuliert werden, ist nicht erst seit den Präsidentschafts-Wahlen oder den Schweizer Abstimmungen im Herbst 2016 zur Grünen Wirtschaft oder zum Atomausstieg offensichtlich.

Nicht nur in der Schweiz vertrauen weite Kreise der Politiklandschaft nicht die Kraft der Argumente. Mit erheblichen finanziellen Mitteln wird massiv Propaganda betrieben, und zwar in der Regel jenseits der Fakten. Rechtsnationale Kräfte sind da wesentlich finanzkräftiger als Links-Grüne-Gruppierungen – die Abstimmungsergebnisse können auch in der Schweiz als gekauft gelten. Das hat lange Tradition in diesem Lande – wir leiden beispielsweise nach wie vor unter einem absurden vorgeblichen Drei-Säulen-System zur Sicherung der Altersvorsorge. Es geht schon lange nicht mehr um objektivierbare Inhalte, sondern um die Durchsetzung der eigenen postfaktischen Scheinwirklichkeit. Politik kommt traditionsgemäss ohne kontinuierlichen Verbesserungsprozess aus.

«Für eine Million Franken mache ich aus jedem Kartoffelsack einen Bundesrat», soll schon vor langen Jahren einer der Senior-PR-Profis gesagt haben. Ebenso überliefert ist der Zusatz, dass eigentlich eine halbe Million reichen würde, nicht so klar sei aber, was genau weggelassen werden könne.

Wenn nun «Big Data» ebenfalls zu Meinungsbeeinflussung herangezogen werden kann, ist dies nicht überraschend, sondern eine Anpassung der PR-, Marketing- und Propaganda-Möglichkeiten an die derzeit genutzten digitalen Medien.

Der Gedanke, dass Persönlichkeitsprofile Trump zum Wahlsieg verholfen haben könnten, ist beängstigend. Doch Wahl- und Kaufentscheide treffen wir immer noch als mündige Bürger. Der Lead des Tages-Anzeiger-Artikels Was hinter der Angst vor Big Data steckt lenkt dabei allerdings von der Tatsache ab, dass PR, Marketing und Propaganda sowohl in der Politik als auch beim Konsum erhebliche Wirkung zeigen.

Auch wenn ich regelmässig in umweltnetz.ch Empfehlungen zum Ausfüllen der Abstimmungszettel veröffentliche: Bei vielen Abstimmungsfragen verlasse ich mich auf Parolenvorschläge von Parteien, denen ich weltanschaulich nahestehe. Mag sein, dass dies zur Mündigkeit zählt.

Ich lese vor Abstimmungen zusätzlich sehr viele Medienbeiträge. Bei Themen aus dem Umweltbereich, bei denen ich aufgrund meiner langjährigen beruflichen Beschäftigung eine erhebliche Expertise vorweisen kann, bin ich regelmässig entrüstet über die Faktenwidrigkeit von Medienbeiträgen – ziemlich übel ist dies bei Beiträgen, die als «Faktencheck» bezeichnet sind. Ich muss somit davon ausgehen, dass dieser Bullshit-Aspekt auch bei Themen, bei denen ich keine Expertise vorweisen kann, anzutreffen ist. Politische Mündigkeit hin oder her, wenn die Medien lügen, dient dies nicht der unabhängigen Meinungsbildung. Nicht ohne Grund haben derzeit Verschwörungstheorien aller Art Hochkonjunktur.

Als spezielles Thema: Mündigkeit bei Kaufentscheiden! Politik, Wirtschaft, Medien vermitteln den Eindruck, dass die Einwohnenden alles zu unternehmen haben, um das BIP zu fördern, nach dem Motto «neuer, grösser, schneller, schöner». Gleichzeitig ist bekannt, dass der derzeitige Umgang mit Ressourcen mit Sicherheit nicht nachhaltig ist. Illustrativ: Der gleiche Wochentag Ende November wird sowohl als «Black Friday» (Weihnachtseinkaufsrummeltag) als auch als «Buy Nothing Day» (konsumkritischer Aktionstag) bezeichnet. Worin besteht jetzt wohl die Mündigkeit? Vielleicht so: Bloss das kaufen, was wirklich nötig ist, egal an welchem Wochentag. Wie finde ich allerdings heraus, was wirklich nötig ist? Medien, Plakatwände und Fernsehwerbung taugen da definitiv nicht. Die Mündigkeit spricht dafür, sich an dem zu orientieren, was Umweltorganisationen zu bieten haben!

Übereinstimmender Gehalt postfaktischer Kampagnen ist, KonsumentInnen, BürgerInnen vorzugaukeln, sie hätten Ansprüche auf mehr, auf mehr Wohlstand, mehr Geld, mehr Konsum. Etwas plump ausgedrückt wird dabei suggeriert, Blocher oder Trump seien Milliardäre, und wer sich ihnen anschliesse, habe ebenfalls das Potenzial und das Recht, MilliardärIn zu werden. Objektiverweise wirken weder Blocher noch Trump besonders zufrieden. Somit bleibt offen, warum es erstrebenswert sein soll, diesen alten Männern nachzueifern. In Erinnerung an die frühere Wirtschafts-Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom, welche sich für die Commons, die Allgemeingüter eingesetzt hat, gibt es nur eine plausible Verhaltensweise: Zukunftsfähig sind persönliche Interessen nur dann, wenn sie auch der Allgemeinheit dienen. Ein häufiges Merkmal postfaktischer Argumentationen ist demgegenüber die Priorisierung individueller und damit egoistischer Vorteile. Vergessen geht dabei neben Ostrom auch der kantsche Imperativ «Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.» vergessen. Dieser allgemeinen Regel der Ethik ist vermehrt Beachtung zu schenken, auch im Umgang mit Big Data, PR, Marketing und Propaganda. Letztlich geht es um gemeinsame Werte der Gesellschaft, idealerweise sogar der globalen Gesellschaft. Auch dazu kann und soll Big Data genutzt werden!


Auffällig ist auch die Wortwahl bei der Titelsetzung: «Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt» lautet der Originaltitel des Artikels – «Auf die Bombe folgten die Explosionen» eine erste Reaktion der Autoren Mikael Krogerus und Hannes Grasseger. Die Unangemessenheit sowohl der Titelsetzung als auch der Inhalte zeigt sich, dass parallel dazu von diversen Bomben und Explosionen im wirklichen Sinn der Worte berichtet wird, mit einer grossen Zahl von getöteten Menschen.

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