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NettoNull | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Sun, 13 Dec 2020 15:08:35 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 44487214 5 Jahre Pariser Klimaschutz-Übereinkommen – Schweizer Klimapolitik muss kräftig zulegen https://www.umweltnetz.ch/content/5-jahre-pariser-klimaschutz-uebereinkommen-schweizer-klimapolitik-muss-kraeftig-zulegen Sun, 13 Dec 2020 15:03:14 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=8182 Probleme lösen oder den Umgang mit den Problemen zukünftigen Generationen überlassen? Nicht erst mit dem Rahmen der nachhaltigen Entwicklung ist offensichtlich, dass Probleme zu lösen und nicht zukünftigen Generationen abzuschieben sind. Bei der offiziellen Klimapolitik geht dieser Nachhaltigkeitsansatz einmal mehr vergessen. «Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst 1.5 °C im Vergleich … „5 Jahre Pariser Klimaschutz-Übereinkommen – Schweizer Klimapolitik muss kräftig zulegen“ weiterlesen

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Probleme lösen oder den Umgang mit den Problemen zukünftigen Generationen überlassen? Nicht erst mit dem Rahmen der nachhaltigen Entwicklung ist offensichtlich, dass Probleme zu lösen und nicht zukünftigen Generationen abzuschieben sind. Bei der offiziellen Klimapolitik geht dieser Nachhaltigkeitsansatz einmal mehr vergessen.

«Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst 1.5 °C im Vergleich zu vorindustriellen Levels». Das haben die Staaten am 12. Dezember 2015 in Paris vereinbart. Was heisst dies konkret, Zitate aus Wikipedia:

Pfad 1:
Um das gesteckte 1,5°-Ziel erreichen zu können, müssen die Treibhausgasemissionen weltweit zwischen 2045 und 2060 auf Null zurückgefahren werden und anschließend ein Teil des zuvor emittierten Kohlenstoffdioxids wieder aus der Erdatmosphäre entfernt werden (Carbon Dioxide Removal). Erreichbar ist das gesteckte Ziel zudem nur mit einer sehr konsequenten und sofort begonnenen Klimaschutzpolitik, da sich das Zeitfenster, in dem dies noch realisierbar ist, rasch schließt (Stand 2015).

Pfad 2:
Soll das 1,5°-Ziel ohne Einsatz von «Carbon Dioxide Capture and Storage (CCS-Technik) erreicht werden, muss die Verbrennung fossiler Energieträger bis ca. 2040 komplett eingestellt werden und die Energieversorgung – d. h. Strom, Wärme und Verkehr – in diesem Zeitraum vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

Aus der Medienmitteilung des Bundesamtes für Umwelt BAFU «Klimaschutz: Fünf Jahre Pariser Übereinkommen»: ”bis 2050 will die Schweiz unter dem Strich gar keine Treibhausgasemissionen mehr ausstossen“. Das BAFU nennt hier die Formulierung der offiziellen Klimapolitik der Schweiz. Dies entspricht einem Teil des oben erwähnten Pfades 1. Das Verschweigen der Notwendigkeit des «Carbon Dioxide Removal» ist irreführend. Das Greenwashing des völlig ungenügenden CO2-Gesetzes Herbst 2020 ist ebenso irreführend.

Was es nicht besser macht: fast alle offiziellen Stellen fast aller Regierungen in den Ländern dieser Erde verhalten sich ähnlich! Nicht ohne Grund verlangt UN-Generalsekretär António Guterres die Ausrufung des Klimanotstandes.


Auf der Internet-Seite www.showqourbudgets.ch ist zu finden, was dies beiden Pfade für die Schweiz bedeuten.

Wenn die Schweiz ihren Beitrag zur Erreichung des 1.5°-Ziels ohne «Carbon Dioxide Removal» leistet will, sind bis 2039 Netto-Null-Emissionen mit einem linearen Absenkpfad zu erreichen. Da derzeit in der Schweiz pro Jahr etwa 43 Megatonnen CO2 ausgestossen werden, führt dies in den verbleibenden 20 Jahren zu Gesamtemissionen von etwa 430 Megatonnen CO2.

Soll die Null wie von der Politik derzeit verkündet erst 2050 erreicht werden, summieren sich die CO2-Emissionen zu etwa 667 Megatonnen CO2. Somit müssen dann so rasch als möglich in der Schweiz 237 Megatonnen CO2 aus der Atmosphäre entnommen werden – etwas mehr als die Menge von fünf Jahre mit heutigen CO2-Emissionen.


Ein vielfach genannter Ansatz für «Carbon Dioxide Removal» ist das Modell von Climeworks: Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre, angetrieben mit erneuerbaren Energien oder Abwärme, dauerhafte Lagerung des CO2 in mineralisierter Form in bestimmten Gesteinsformationen. Zu den Zahlen: derzeit ist climeworks daran, die Anlage Orca in Island zu realisieren. 4 Mio kg CO2 sollen dort pro Jahr zukünftig gelagert werden. 4 Mio kg CO2 – das sind 0.004 Megatonnen CO2.

Eine Abschätzung: wenn eine derartige Anlage 24 Jahre lang genutzt werden kann, werden dabei während der Nutzungszeit 0.1 Megatonnen CO2 der Atmosphäre entnommen. Sollen die 237 Megatonnen CO2-Überemissionen der Schweiz als Differenz zwischen Pfad 1 und Pfad 2 der Atmosphäre entnommen werden, braucht es dazu allein für die Schweiz 2’500 solcher Anlagen.

Die Untergrund-Mineralisation erfordert sehr ausgewählte Gesteinsarten, die eben nicht flächendeckend verfügbar sind, darum auch die Realisierung der Anlage in Island. Diese Lösung dürfte nicht verallgemeinerbar sein, und sie hinterlässt einen nicht vernachlässigbaren ökologischen Fussabdruck. Auch die Kosten sind relevant und erheblich.

Somit: derzeit sind mit «Carbon Dioxide Removal»-Ansätzen derart viele «Wenn» und «Aber» verbunden, dass mehr als fraglich ist, ob damit die Anforderungen gemäss Pfad 1 erfüllt werden könnten. Somit ist Pfad 2 – der raschestmögliche Ausstieg aus den fossilen Energien und der konsequente Übergang zu nachhaltig und dezentral nutzbaren erneuerbaren Energien – eindeutig zu bevorzugen. Einmal mehr: Herausforderungen bewältigen, Herausforderungen bewältigen, Herausforderungen bewältigen und erst in vierter Priorität Symptome bekämpfen. Also: Zuerst Ausstieg aus den fossilen Energien, erst dann auf «Carbon Dioxide Removal» setzen. Da allerdings der bisherige Umgang der Politik mit der Klimakrise «verheerend schlecht» ist, ist nicht auszuschliessen, dass «Carbon Dioxide Removal» einen gewissen Stellenwert erhalten dürfte – es macht sicher Sinn, daran zu arbeiten, verbunden mit der klaren Botschaft, dass es sich dabei um eine schlechte Alternative zu ernsthaftem Klimaschutz handelt.

Schon mehrfach wiederholt: Ein wirtschaftlich und sozial verträglicher Ausstieg aus der Kernenergie und der CO2-intensiven Energiewelt ist schon mit den heute bekannten technischen und finanziellen Mitteln grundsätzlich möglich … wenn wir wollen. (Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF), 14. Januar 2020).

 

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2000-Watt-Gesellschaft: NULL – die grosse Herausforderung https://www.umweltnetz.ch/content/2000-watt-gesellschaft-null-die-grosse-herausforderung Sat, 09 May 2020 14:21:09 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7938 2008 galt die Verpflichtung der Stadt Zürich auf die 2000-Watt-Gesellschaft als visionär. Die seither entstandenen Erkenntnisgewinne zeigen etwas deutlich: im Sinne der Zukunftsfähigkeit und zur Sicherstellung einer nachhaltigen Entwicklung verstärkt sich tendenziell die visionäre Herausforderung. Jetzt geht es um NULL, Brutto oder Netto Null fossile Energien, und dies möglichst rasch. Um 2008 und einige Jahre … „2000-Watt-Gesellschaft: NULL – die grosse Herausforderung“ weiterlesen

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2008 galt die Verpflichtung der Stadt Zürich auf die 2000-Watt-Gesellschaft als visionär. Die seither entstandenen Erkenntnisgewinne zeigen etwas deutlich: im Sinne der Zukunftsfähigkeit und zur Sicherstellung einer nachhaltigen Entwicklung verstärkt sich tendenziell die visionäre Herausforderung. Jetzt geht es um NULL, Brutto oder Netto Null fossile Energien, und dies möglichst rasch.

Um 2008 und einige Jahre danach hat die Stadt Zürich festgelegt, was genau unter 2000-Watt-Gesellschaft zu verstehen ist: eine Tonne Treibhausgase pro Person und Jahr aus dem Energieverbrauch auf Stadtgebiet inklusive Vorketten (beispielsweise beim Öl vom Bohrloch bis zum Tank) plus die bevölkerungsproportionalen Anteile aus dem Treibstoffverbrauch des Flugverkehrs, und dies im Jahr 2050. Es handelt sich dabei um sogenannte CO2-Äquivalente.

Der Vollständigkeit halber: als zweites Ziel neben den Vorgaben für Treibhausgase geht es längerfristig um die Beschränkung der mittleren Primär-Energie-Dauerleistung auf eben 2000 Watt pro Person, respektive in Zürich 2‘500 Watt bis 2050. In diesem Beitrag behandle ich in erster Linie die Überlegungen zu den Treibhausgasen, die mittlere Primär-Energie-Dauerleistung wird sicher auch wieder zum Thema.

Im Mai 2009 wurde im Dokument «Grundlagen für ein Umsetzungskonzept der 2000-Watt-Gesellschaft» die Treibhausgas-Zielsetzung für das Jahr 2150 (also hundert Jahre später als für die Stadt Zürich) auf diese eine Tonne CO2-Äquivalente pro Person festgelegt, mit dem Zwischenziel zwei Tonnen CO2-Äquivalente pro Person im Jahr 2050. Im September 2014 wurde einzig der Zeitpunkt für das Langfristziel auf 2100 verschoben, also eine Tonne CO2-Äquivalente pro Person im Jahr 2100 (Bilanzierungskonzept 2000-Watt-Gesellschaft, Kurzfassung, September 2014).

Auch wenn bereits 2012 klar war, dass für echten Klimaschutz brutto oder netto Null um 2040 bis spätestens 2050 erreicht werden müsste, was durch die Konferenz COP 21 des Weltklimarates IPCC im Dezember 2015 in Paris und später durch im Oktober 2018 veröffentlichte Berichte bestätigt wurde, war und ist nicht nur in der Schweiz oder im Kanton Zürich die Politik wesentlich langsamer.

Die Stadt Winterthur etwa hat im November 2012, rund vier Jahre nach der Stadt Zürich, ebenfalls die Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft beschlossen, Zitat: «Bis zum Jahr 2050 sollen die folgenden Ziele erreicht werden: … Die Treibhausgasemissionen werden auf 2 Tonnen CO2-Äquivalente pro Person und Jahr reduziert.»

Im Kanton Zürich enthält der Zweck-Paragraph 1 des kantonalen Energiegesetzes seit September 2010 in Buchstabe d) eine Klimaschutzvorgabe: «Dieses Gesetz bezweckt, … die Effizienz der Energieanwendung zu fördern und im Rahmen des kantonalen Zuständigkeitsbereiches bis ins Jahr 2050 den CO2-Ausstoss auf 2,2 Tonnen pro Einwohnerin und Einwohner und Jahr zu senken». Hier geht es um den CO2-Ausstoss, also nicht um Treibhausgase insgesamt.

Im Mai 2020, bald fünf Jahre dem Pariser Klimaschutz-Übereinkommen – bald zwölf Jahre nach der Festschreibung der 2000-Watt-Gesellschaft in der Gemeindeordnung der Stadt Zürich, bald zehn Jahre nach Gültigkeit der CO2-Vorgabe im kantonalen Energiegesetz, bald acht Jahre nach den Beschlüssen in Winterthur zur 2000-Watt-Gesellschaft – steht immer noch alles genau so wie vor zwölf, zehn oder acht Jahren in den massgeblichen Bestimmungen der Stadt Zürich, des Kantons Zürich und der Stadt Winterthur.

So hat der Stadtrat von Zürich am 20. November 2019 die Überarbeitung der kommunalen Energieplanung auf dieser Basis beschlossen. Allerdings hat der Stadtrat dabei vergessen, dass die 2000-Watt-Gesellschaft verbunden ist mit der Verpflichtung zur Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung – mit den Vorgaben des Pariser Klimaschutz-Übereinkommens vom Dezember 2015 ist brutto oder netto Null spätestens 2050 zwingend. Dazu passen auch zahlreiche Vorstösse in den Parlamenten der Stadt, des Kantons Zürich und des Bundes, entsprechend den Forderungen von Klimastreiks und Klimademos, Stichwort «Fridays for Future». Entgegen den Vorgaben der Gemeindeordnung zur Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung sollen 2050 immer noch zwanzig Prozent der Wärmeversorgung mit den fossilen Energieträgern Erdgas und Öl abgedeckt werden, und etwa elf Prozent mit Biogas (Effizienz-Szenario, Abbildung 17 im Planungsbericht Energieversorgung).

Und dann dies: am 18. März 2020 – nur rund 120 Tage später! – hat der Stadtrat die «Klima- und Energie-Charta Städte und Gemeinden» genehmigt. Diese verlangt unter anderem: «Die gesamte Energieversorgung (Primärenergie, d.h. inklusive Vorkette) auf Gemeindegebiet umfassend Strom, Wärme, Kälte, Mobilität und Prozessenergie bis spätestens 2050 auf Energiequellen umstellen, die 100 % erneuerbar sind und keine Treibhausgase mehr emittieren.»

Energieplanung und Klima- und Energie-Charta passen nicht zusammen: die Energieplanung hat eine Perspektive von fünfzehn Jahren. Sie beeinflusst in diesem Zeitraum Entscheide von Gebäudeeigentümerschaften etwa zu Wärmeerzeugungsanlagen mit einer technischen Nutzungsdauer von etwa zwanzig Jahren. Fünfzehn plus zwanzig Jahre ausgehend vom Jahr 2020, dies bedeutet also Wirkungen bis mindestens 2055 – brutto oder Netto Null sollte schon Jahre vorher erreicht sein, also ist die Energieplanung mit Beschlussdatum vom 20. November 2019 offensichtlich illegal (Zitat aus dem Buch «Null Öl. Null Gas. Null Kohle.» von Marcel Hänggi: «Eine unzureichende Klimapolitik ist illegal», gestützt auf das Gutachten Paris-Abkommen. Menschenrechte und Klimaklagen).

Offenbar hat dabei auch die politische Herkunft der zuständigen StadträtInnen einen erheblichen Einfluss: während der Verwaltungsratspräsident der Energie 360° AG Mitglied der FDP (heisst irgendwie «Fuck de Planet»-Partei oder so) ist, hat der Vorsteher des städtischen Finanzdepartements, der Grüne Daniel Leupi, die Sache wesentlich anders konkretisiert. Am 4. Februar 2020 wurde die «Strategische Planung 2020 bis 2023: Klima- und Umweltziele» des Finanzdepartements der Stadt Zürich vorgestellt. Ein längeres Zitat aus der Medienmitteilung: «Unter anderem soll bis 2030 die CO2-neutrale Versorgung der städtischen Wohnsiedlungen mit zu 100 Prozent erneuerbarer Energie umgesetzt sein. Die städtischen Rechenzentren sollen ökologisch und energieeffizient genutzt werden. Zudem werden Anleihen der Stadt Zürich am Kapitalmarkt als grüne Investitionen positioniert.» Dies entspricht den Vorgaben der Klima- und Energie-Charta für stadteigene Einrichtungen.


Mit hoher Wahrscheinlichkeit mitbeeinflusst durch die Klimastreiks ausgehend von Greta Thunberg ist auch in der Schweiz einiges in Bewegung geraten, zusätzlich zu den zahlreichen politischen Vorstössen in den legislativen Gremien.

Der Bundesrat hat am 28. August 2019 Netto Null 2050 für die Schweiz beschlossen, Zitat: «Ab dem Jahr 2050 soll die Schweiz unter dem Strich keine Treibhausgasemissionen mehr ausstossen. Damit entspricht die Schweiz dem international vereinbarten Ziel, die globale Klimaerwärmung auf maximal 1,5 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen.»

Das Bundesamt für Energie hat im Oktober 2019 in Dokument «Künftige Rolle von Gas und Gasinfrastruktur in der Energieversorgung der Schweiz» sinngemäss festgehalten: «Langfristig ist der Einsatz von Erdgas – unter Beimischung von Biogas – im Gebäudebereich NICHT sinnvoll.»

«Alternative, erneuerbare Brenn- und Treibstoffe (beispielsweise Biogas, synthetische Gase oder flüssige Treibstoffe) langfristig nur für ganz gezielte Einsatzzwecke vorsehen – sie werden auch 2050 nur limitiert zur Verfügung stehen, beispielsweise für Hochtemperaturprozesse in der Industrie, saisonale Speicherung von Strom oder die Luft-/Seeschifffahrt.» steht in der Klima- und Energie-Charta (siehe oben).

Damit wird offensichtlich: eine im November 2019 festgesetzte Energieplanung, die für die Wärmeversorgung 2050 der Stadt Zürich vierzehn Prozent Erdgas und elf Prozent Biogas vorsieht, entspricht in keiner Art und Weise einer Konkretisierung der nachhaltigen Entwicklung. Eine solche Energieplanung steht gegen die Interessen der Stadt Zürich und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner.


Die Klima- und Energie-Charta nennt die 2000-Watt-Gesellschaft als «etabliertes Konzept». Die Charta wurde von der Fachstelle 2000-Watt-Gesellschaft entworfen, wird aber vom Klima-Bündnis Schweiz getragen.

Mitte der Nuller-Jahre wurde klar, dass der Begriff «Nachhaltige Entwicklung» konkretisiert werden musste. Die Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft boten sich dazu an, mit Zielwerten für die Treibhausgasemissionen und die mittlere Primär-Energie-Dauerleistung. Rund zehn bis fünfzehn Jahre später entstand die «Klima- und Energie-Charta Städte und Gemeinden». Da stellt sich die Frage, ob in der üblicherweise schnelllebigen Gesellschaft selbst Nachhaltigkeitsvorgaben eine begrenzte Nutzungsdauer haben, einerseits braucht es Anpassungen an neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, andererseits haben viele Dinge in der Gesellschaft leider die Tendenz, recht schnell zur sinnentleerten Worthülse zu verkommen.

Die Diskussion sowohl über Begriffe als auch über die Ziele der nachhaltigen Entwicklung darf nicht davon ablenken, dass «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» erforderlich sind, um die Klimaerhitzung auf ein für die Menschheit und die Umwelt erträgliches Mass zu begrenzen.

Ein fundamentaler Unterschied zu den Ausgangsdiskussionen über die 2000-Watt-Gesellschaft: damals wurde davon ausgegangen, dass netto oder brutto Null Treibhausgase wenn überhaupt in sehr ferner Zukunft erreicht werden müsste, also noch lange tendenziell immer weniger fossile Brenn- und Treibstoffe zur Verfügung stehen könnten. Derzeit ist demgegenüber offensichtlich, dass die Null um 2040 bis spätestens 2050 zu erreichen ist.

Als Erkenntnis hat sich weiter ergeben, dass für eine zukunftsfähige Entwicklung eine Anpassung an die Klimaerhitzung erforderlich ist; zudem dürften Entnahmen von Treibhausgasen aus der Atmosphäre verbunden mit dauerhaften Rückhaltungen notwendig werden. Auch wenn in den letzten Jahrzehnten einiges getan wurde: da hat offensichtlich mindestens eine Generation versagt und zu wenig für eine nachhaltige Entwicklung getan. Im Interesse der EnkelInnen und UrenkelInnen braucht es deutlich mehr – möglichst rasch NULL! Da muss die Politik zwingend mittun!

Der Schweizerische Nationalfonds hat Anfang 2020 festgehalten: «Aussteigen [aus der Kernenergie und der CO2-intensiven Energiewelt] ist möglich… wenn wir wollen, und dies sogar wirtschaftlich und sozial verträglich» – Ergebnisse der Nationalen Forschungsprogramme “Energiewende” (NFP 70) und “Steuerung des Energieverbrauchs” (NFP 71), vorgestellt am 14. Januar 2020.

Ich werde weiterhin beispielsweise mit der werkstatt.zweitausendundeinwatt dazu beitragen, dass die NULL möglichst rasch erreicht wird.

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Schnell mehr Klimaschutz für eine gelingende Zukunft https://www.umweltnetz.ch/content/schnell-mehr-klimaschutz-fuer-eine-gelingende-zukunft Tue, 06 Aug 2019 14:36:01 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7586 Zur gelingenden Zukunft gehört eine Welt mit vielen Veränderungen gegenüber dem heutigen Zustand. Ein Aspekt ist, dass diese Welt mit gelingender Zukunft ohne fossile Brenn- und Treibstoffe auskommt (auch ohne Atomenergie). Wenn wir dies wollen, ist dies zu erreichen – im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung, die soziale, ökonomische und ökologische Aspekte im Sinne der Zukunftsfähigkeit … „Schnell mehr Klimaschutz für eine gelingende Zukunft“ weiterlesen

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Zur gelingenden Zukunft gehört eine Welt mit vielen Veränderungen gegenüber dem heutigen Zustand. Ein Aspekt ist, dass diese Welt mit gelingender Zukunft ohne fossile Brenn- und Treibstoffe auskommt (auch ohne Atomenergie). Wenn wir dies wollen, ist dies zu erreichen – im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung, die soziale, ökonomische und ökologische Aspekte im Sinne der Zukunftsfähigkeit berücksichtigt. Dies ist seit mindestens dreissig Jahren klar, auch wenn diese Botschaft nicht überall die notwendige Resonanz bewirkt hat. Die Klimastreiks ausgehend von Greta Thunberg haben mehr Aufmerksamkeit für den Klimaschutz bewirkt, verbunden allerdings mit einer eigenartigen Gegen-Warmluft-Produktion.

Hin und wieder wird angeführt, es gehe den Menschen so gut wie noch nie auf dem Planeten Erde; es gibt tatsächlich einige Indikatoren, die in diese Richtung weisen. In einer umfassenden Betrachtung sieht dies anders aus. Die 2015 festgelegten 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs), die bis 2030 erreicht sein sollten, wurde im Sommer 2019 das Scheitern befürchtet, weil zu viel geschwatzt und zu wenig getan werde.

Als Gegenreaktion auf die aktuellen Klimadiskussionen wird immer wieder behauptet, Grund für den Wohlstand gerade der reichen Länder sei der (übermässige) Verbrauch fossiler Brenn- und Treibstoffe (mit lügenden Preisen). Dies ist eine klassische Fake-Meldung – es konnte mehrfach gezeigt werden, dass eine fossilfreie Energieversorgung volkswirtschaftlich vorteilhaft ist und die Unabhängigkeit erhöht.

Der Weltklimarat IPCC hat im Oktober 2018 festgehalten, dass Klimaschutz «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» erfordert. Dies bedeutet, dass eine nachhaltige Entwicklung die Handlungs- und Denkräume Suffizienz, Effizienz und Konsistenz erfordert. Viele heute üblichen Verhaltensweisen haben neben einem hohen Energieverbrauch auch zahlreiche weitere mehr oder weniger negative Nebenwirkungen. Es reicht also nicht, etwa beim Autofahren bloss erneuerbare Antriebsenergie zu nutzen (Konsistenz), sondern es ist auch zu prüfen, ob das Auto für die jeweiligen Verkehrsdienstleistungen die beste Form ist (Effizienz) oder ob allenfalls sogar auf gewisse Verkehrsnachfragen verzichtet werden könnte (Suffizienz). Der Klimaschutz für eine gelingende Zukunft erfordert somit, liebgewordene Gewohnheiten, manchmal auch Traditionen situativ in Frage zu stellen. Zu beachten ist, dass die individuelle Betroffenheit sehr unterschiedlich sein kann – wer sich seit Jahren vegetarisch ernährt, hat sich mit anderen Fragen zu beschäften als beispielsweise der eingefleischte Grillitarier, der heute ein tägliches grosses Stück Fleisch als Selbstverständlichkeit versteht.

Eine gelingende Zukunft – da gilt auch der verschiedenen Quellen zugeschriebene Spruch «Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen». Das beginnt bei den Unsicherheiten, wenn es um die exakten, auf einen bestimmten Ort bezogenen Auswirkungen der Klimaerhitzung geht. Ein Teil des Widerstandes gegen Klimaschutz folgt aus diesen überinterpretierten Prognosen – Klimaschutz ist in dieser Situation als Zukunftsversicherung zu verstehen, vor allem dann, wenn mit Suffizienz, Effizienz und Konstistenz die Gewähr besteht, dass die erforderlichen Veränderungen eine gelingende Zukunft gewährleistet, wenn auf diesem Weg für die gesamte Menschheit ein zukünftiges Wohlergehen ermöglicht werden kann. Dies erfordert möglicherweise ein anderes volkswirtschaftliches Mass als das Bruttoinlandprodukt (BIP) – eine «Wohlstandsbuchhaltung» schlagen ForscherInnen aus Cambridge vor, ein weiterer Beitrag in dieser bereits lange dauernden Diskussion.

Die Gegenreaktionen zur aktuellen Klimadiskussion entstehen massgeblich aus der Sorge um die absehbaren und erforderlichen Veränderungen; für viele ist ein Abweichen von der gegenwärtigen Situation nicht erwünscht, unabhängig von der Notwendigkeit. Interesssanterweise ist es dafür zwingend, den von Menschen gemachten Klimawandel zu negieren, weil dann nämlich die Frage gestellt wird, was denn der Nicht-Klimaschutz kosten würde, welche Folgen er hätte. Bereits 2006 wurde im Stern-Report festgehalten, dass Klimaschutz um Faktoren günstiger ist als die Anpassung an die Klimaerhitzung. Die seither relative Untätigkeit hat dazu geführt, dass sowohl Klimaschutz als auch Klimaerhitzungs-Anpassung erforderlich ist. Die Gegenreaktion zur aktuellen Klimadiskussion ist auch damit zu erklären, dass es auch 2019 einfacher ist, die ÜberbringerInnen der Handlungsaufforderungen zu bestrafen, statt Handlungen in Angriff zu nehmen.

Es bleibt die Aussage: Wir brauchen schnell mehr Klimaschutz für eine gelingende Zukunft!


Hintergründe zur Klimaerhitzung

  • Zusätzlich zu natürlichen Klimaveränderungen findet derzeit nachweislich bereits eine vom Menschen gemachte Klimaerhitzung statt.
  • Ein prägender Anteil der durch den Menschen gemachten Kliamerhitzung ergibt sich aus der Verbrennung fossiler Brenn- und Treibstoffe.
  • Netto Null raschmöglichst, beginnend mit einer raschen und starken Verminderung des Verbrauchs fossiler Brenn- und Treibstoffe ist zwingend, um die Klimaerhitzung auf ein für die gesellschaftliche Entwicklung erträgliches Mass zu begrenzen – Klimaschutz ist zuerst Menschenschutz!
  • Einige bereits erfolgte Veränderungen, etwa das Abschmelzen der Gletscher, können durch zukunftsgerichteten Klimaschutz verzögert, aber in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr umfassend verhindert werden.

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