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Nein zu Whistleblowing | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Sun, 23 Sep 2012 09:56:35 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 44487214 $VP-Mörgeli: Sackgassenpolitik https://www.umweltnetz.ch/content/vp-morgeli-sackgassenpolitik Sat, 22 Sep 2012 20:45:50 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=3964 Einmal mehr entpuppt sich ein Politevent der $VP als menschliche Tragödie – und weist auf die Unverträglichkeit von Whistleblowing mit Rechtsstaat und Demokratie. Zudem stellen sich gewichtige Fragen zur Rolle der Medien. Es führt nichts daran vorbei: die $VP ist zu verbieten, und es sind dringende Schritte zur Verbesserung der Qualität der Medien erforderlich. Es … „$VP-Mörgeli: Sackgassenpolitik“ weiterlesen

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Einmal mehr entpuppt sich ein Politevent der $VP als menschliche Tragödie – und weist auf die Unverträglichkeit von Whistleblowing mit Rechtsstaat und Demokratie. Zudem stellen sich gewichtige Fragen zur Rolle der Medien. Es führt nichts daran vorbei: die $VP ist zu verbieten, und es sind dringende Schritte zur Verbesserung der Qualität der Medien erforderlich.

Es ist der Oeffentlichkeit schon lange bekannt, dass einiges im „Universum“ Dr. Christoph Mörgeli und Medizinhistorisches Institut der Uni Zürich nicht wirklich rund läuft, siehe mein Blogbeitrag vom Sonntag, 16. September 2012. Die Frage war eigentlich schon 2009 Eskalation oder einvernehmliche Lösung. Wie zumindest die Reaktionen der $VP zeigen, nutzt diese Partei jede Eskalationsmöglichkeit. Erschreckend ist, dass die $VP Berge von menschlichen Tragödien verursacht – und dies auch gar nicht zur Kenntnis nimmt – einmal mehr ein Beleg für nicht-demokratische und nicht-rechtsstaatliche Haltung dieser Pseudo-Partei.

Im oben erwähnten Beitrag habe ich den Zusammenhang zum Whistleblowing hergestellt – nach den Ereignissen der letzten Tage ist es durchaus vorstellbar, dass Herr Mörgeli sogar selber als Whistleblower in eigener Sache unterwegs war. Ein Zitat aus dem Auto-Anzeiger (früher Tagesanzeiger) vom 22. September 2012 lässt aufhorchen. „Vor der Veröffentlichung des ersten Artikels konnte ich drei Stunden mit ihm reden.„, sagt Iwan Städler, Reporter des Auto-Anzeigers, in einem Interview mit einem Redaktionskollegen. Nun, Herr Städler und Herr Mörgeli werden in diesen drei Stunden kaum bloss Kaffee getrunken und Smalltalk betrieben haben – es ist im Gegenteil nicht auszuschliessen, dass die Ausführungen von Herrn Mörgeli in diesen drei Stunden einen erheblichen Teil der Quellen für den Städler-Artikel darstellen. P.S. Ich weise darauf hin, dass es sich um Vermutungen aufgrund der eigenartigen Aussagen von Herrn Städler handelt.

Im gleichen Artikel heisst es weiter: Während meiner Recherchen hatte ich den Eindruck, die Uni wolle das Problem unter dem Deckel halten. Herr Städter, „die Universität“ als Arbeitgeberin von Dr. Christoph Mörgeli ist und war VERPFLICHTET, personalrechtliche Aspekte vertraulich, das heisst unter dem „Deckel haltend“, zu behandeln, dies insbesondere zur Wahrung der Interessen des Arbeitnehmers, der Arbeitnehmerin, der/die von solchen „Problemen“ betroffen ist. Herr Städler, ohne weitere Diskussion: wer hier weiterbohrt, handelt verwerflich! Es ist das Ziel, derartige arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen einvernehmlich und insbesondere ohne grösseres Getöse in Öffentlichkeit und Medien abzuwickeln. Und dies hat nicht davon abzuhängen, ob eine der involvierten Personen wegen ihres Nationalratsmandats in der Öffentlichkeit steht. Und nochmals, es geht überhaupt nicht darum, ein „Problem unter dem Deckel“ zu halten, sondern rechtsstaatlich gegebene Formen einzuhalten.

Es ist davon auszugehen, dass die Universität alles Interesse daran hat, personalrechtliche Fragen gesetzeskonform abzuwickeln, besonders wenn es um einen $VP-Nationalrat geht. Da bei der öffentlichen Hand PolitikerInnen aus allen Parteien angestellt sind, und das Milizsystem gehätschelt wird in diesem Land, ist ein von der $VP behauptetes Politik-Mobbing mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschliessen. Weder die politischen noch arbeitsrechtlich verantwortlichen Personen haben kein Interesse an Eskalationen, wie dies beim Anstellungsverhältnis von Herrn Mörgeli passiert ist.

Ein solches Interesse haben im Gegensatz dazu sowohl die $VP wie Herr Mörgeli selbst: die $VP, um Vorurteile zu „belegen“ oder gar neue zu bilden, Herr Mörgeli, um öffentlichen Druck aufzubauen, um die Universitätsleitung in ihrer Handlungsfreiheit einzuschränken. Dafür spricht auch, dass Herrn Mörgeli einen Rechtsanwalt verpflichtet hat, welcher erfolgreicher ist bei der Manipulation der öffentlichen Meinung als bei der Plausibilität seiner Sicht der Dinge bei den Richterinnen und Richtern. Es geht für Herrn Mörgeli definitiv nur noch um die Frage allfälliger Lohnfortzahlungen, um viel Zeit zu haben, um wieder einem Job zu finden mit Minimalpräsenz und maximaler Distanz zum „aktuellen Forschungsstand„.

Trotz medialem Druck und $VP-Paukengedröhne scheint es derzeit, als hätte die Uni Zürich einen plausiblen personalrechtlichen Entscheid getroffen; es wird spannend sein, wie dies die Gerichte angesichts der medialen Präsenz der Thematik und des Betroffenen Dr. Christoph Mörgeli beurteilen werden.

Allerdings werden Lösungen für die erhebliche Doppelbelastung Job und Milizparlament dadurch dringlicher als je – und deshalb einmal mehr der Werbespot für die Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle.


Nachtrag 23.9.2012

„SVP bläst zum Angriff auf Hochschulen“ titelt die Online-Version der Auto-Zeitung am 23.9.2012, den $VP-Autokraten Christoph Blocher mit seiner absurden Aussage von den „links unterwanderten Hochschulen“ zitierend. Diese Aussage ist darum absurd, weil bereits der Blick in die Mitgliederverzeichnisse der nationalen und grösseren kantonalen/städtischen Parlamente zeigt, dass Menschen mit akademischen Ausbildungen über alle Parteien mehr oder weniger gleichmässig verteilt sind, mit Ausnahme der $VP. Festzustellen ist, dass tendenziell Legislativ-VertreterInnen der Parteien rechts der Mitte häufiger eine zumindest temporäre akademische Laufbahn (z.B. Dissertation) gewählt haben. Oder anders: auch hier meint Herr Blocher offenbar, dass alle andern Parteien ausser der $VP linke Parteien seien. Es ist nochmals klar festzuhalten: die seit 2009 öffentlich bekannten Vorbehalte gegen die Arbeit von Titularprofessor Dr. Christoph Mörgeli beziehen sich zuerst auf die wissenschaftliche Ebene, dann auf seine Präsenz, weiter auf seine persönlichen Eigenheiten.

The post $VP-Mörgeli: Sackgassenpolitik first appeared on umweltnetz.ch.]]> 3964 Whistleblower: die Geister, die sie riefen … https://www.umweltnetz.ch/content/whistleblower-die-geister-die-sie-riefen Sun, 16 Sep 2012 21:52:18 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=3958 Eigentlich vermochte es nicht wirklich zu überraschen, dass das Arbeitsverhältnis von $VP-Nationalrat und Titularprofessor Dr. Christoph Mörgeli an der Uni Zürich zum Medienthema wurde. Nominell eine Anstellung von 80 Prozent am medizinhistorischen Institut der Uni Zürich, öffentlich wahrnehmbar deutlich mehr als 50 Prozent Zeitaufwand für Nationalrats- und Parteimandate – selbst wenn Workaholics zynisch behaupten, der … „Whistleblower: die Geister, die sie riefen …“ weiterlesen

The post Whistleblower: die Geister, die sie riefen … first appeared on umweltnetz.ch.]]> Eigentlich vermochte es nicht wirklich zu überraschen, dass das Arbeitsverhältnis von $VP-Nationalrat und Titularprofessor Dr. Christoph Mörgeli an der Uni Zürich zum Medienthema wurde. Nominell eine Anstellung von 80 Prozent am medizinhistorischen Institut der Uni Zürich, öffentlich wahrnehmbar deutlich mehr als 50 Prozent Zeitaufwand für Nationalrats- und Parteimandate – selbst wenn Workaholics zynisch behaupten, der Tag habe 24 Stunden, und wenn dies nicht reiche, könne man ja noch die Nacht dazu nehmen. Festzuhalten ist, dass es sowohl einen Fall Mörgeli als auch das Problem Milizparlament gibt.

Das Internet vergisst nicht – das nützt allerdings nichts, wenn nicht auch Menschen ein Erinnerungsvermögen haben. Da war doch vor einigen Jahren was mit der Neubesetzung der Leitung des medizinhistorischen Instituts. Tatsächlich, mit einigen wenigen Klicks und den geeigneten Suchwörtern (diese bleiben mein Geheimnis) findet sich im Internet ein Tagesanzeiger-Artikel vom 30.5.2009. Es ging um „Geschichten“ rund um die Neubesetzung der Leitung dieses Instituts. Ich zitiere hier einen längeren Abschnitt: Auch Christoph Mörgeli selbst hat sich um die Stelle des Institutsleiters beworben. Allerdings glaube er, «vorsichtig formuliert», dass seine Chancen «nicht extrem gross» seien. Dies wegen seiner politischen Positionen, die an der Uni nicht sonderlich gern gesehen seien. Dass Mörgeli kaum Chancen hat, bestätigen Fachkollegen – auch solche, die ihm gut gesinnt sind. Als Grund erwähnen sie nicht primär seine Gesinnung, sondern den Umstand, dass er mit seinem Nationalrats- und Parteiengagement derart belastet sei, dass für die Wissenschaft nicht mehr viel Platz bleibe – mit der Folge, dass er als Historiker den Anschluss an den aktuellen Forschungsstand verloren habe. Ende Zitat

$VP-Nationalrat und Titularprofessor Dr. Christoph Mörgeli wurde tatsächlich nicht zum Leiter des medizinhistorischen Instituts bestimmt – allerdings überrascht es, dass trotz der Schwere der damaligen Vorwürfe eine ausserordentliche Leistungsbeurteilung erst im November 2011 gestartet wurde. Positiv formuliert: da wurde extrem viel Rücksicht auf den Nationalrat und $VP-Chefstrategen Mörgeli genommen.

Es ist davon auszugehen, dass die lange Verfahrensdauer Whistleblowers ermutigt hat, die Medien zu informieren. Pech für „Der Sonntag„, dass die Whistleblower-Personen nicht wirklich „zuverlässige Quellen“ waren – ein bisschen juristische Abklärungen hätte es schon noch gebraucht – „fristlose Entlassung eines Professors“ ist rechtlich kaum möglich, hier hätten die Alarmglocken läuten müssen. Aber eben: die Geister,die auch die $VP rief …

Die $VP als antidemokratische Partei setzt auf das antidemokratische Whistleblowing – zur Abwechslung betrifft es ein bekanntes $VP-Mitglied. Dass nun die Chefs der nationalen und kantonalen $VP-Organe Toni Brunner und Alfred Heer Verschwörungstheorien aller Art entwickeln, ist bestenfalls lächerlich.


$VP-Nationalrätin und Medien-Managerin Natalie Rickli hat fast zeitgleich zu den Artikeln über ihren Partei-und Nationalratskollegen Christoph Mörgeli die Öffentlichkeit über die Diagnose „Burnout-Syndrom“ informiert. Diese beiden Beispiele illustrieren eindringlich, dass das aktuelle System von so genannten MilizparlamentarierInnen nicht nachhaltig funktionieren kann (mag sein, dass $VP-PolitikerInnen eher gefährdet sind, weil die absurden Nicht-Positionen dieser Partei kaum vermittelbar sind) – auch noch in Erinnerung ist das Herzensanliegen-Beispiel von FDP-Nationalrätin Doris Fiala. Einmal mehr Werbung für die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle (also auch für ParlamentarierInnen)!

The post Whistleblower: die Geister, die sie riefen … first appeared on umweltnetz.ch.]]> 3958 Schlammschlachten https://www.umweltnetz.ch/content/schlammschlachten Mon, 09 Jan 2012 18:07:42 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=3369 Heute, 9.1.2012, kurz vor 15 Uhr hat mein Newssystem eine Meldung über eine Medienkonferenz von Philipp Hildebrand, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank zu seinem Rücktritt angezeigt. Aufgrund dieser Ankündigung war bereits klar, dass Herrn Hildebrand sein Amt freiwillig zur Verfügung stellt (wäre er gezwungen worden, hätte der Bankrat gesprochen, wäre es um ein Vergehen … „Schlammschlachten“ weiterlesen

The post Schlammschlachten first appeared on umweltnetz.ch.]]> Heute, 9.1.2012, kurz vor 15 Uhr hat mein Newssystem eine Meldung über eine Medienkonferenz von Philipp Hildebrand, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank zu seinem Rücktritt angezeigt. Aufgrund dieser Ankündigung war bereits klar, dass Herrn Hildebrand sein Amt freiwillig zur Verfügung stellt (wäre er gezwungen worden, hätte der Bankrat gesprochen, wäre es um ein Vergehen von Herrn Hildebrand gegangen, hätte der Bundesrat eingeladen – so viel zum Thema Transparenz). Ich habe meinen Computer abgeschaltet und habe mich zu einer symbolischen Wanderung aufgemacht: einer Schlammschlacht am Uetliberg.

Der Uetliberg als typischer Molassehügel hat eine Vielzahl von Wegen in seinen relativ steilen Flanken. Eine grössere Zahl dieser Wege führt direkt auf den Kämmen – auch beim Uetliberg heissen diese wie beim Napf „Eggen“ oder verkürzt „Egg“. Ich habe den Weg über die Rossweidliegg – vom Wasserreservoir im Oberen Friesenberg ansteigend auf der südlichen Seite der auch von der Stadt aus sichtbaren Rossweid, einer grossen, steilen und sumpfigen Wiese in der Uetlibergflanke, über eine kurze Kletterstelle, vorbei an der Privathütte des Alpenclubs Clarida und ein nochmal ziemlich steiles Gratstück bis zur Aussichtskanzel beim Fernsehturm. Viel direkter ist kaum ein Gipfelweg am Uetliberg zu haben. Nicht nur im Winter hat es allerdings dieser Pfad in sich: er ist ziemlich sumpfig, bei viel Feuchte eben verschlammt. Der Aufstieg als eine echte Schlammschlacht.

Bei der Rückkehr an den Computerbildschirm zeigt sich: meine Erwartungen haben mich leider nicht getäuscht! Herr Hildebrand hat genug von der Schlammschlacht, und tritt von seinem Amt zurück. Die Begründung ist neckisch: er werde nie beweisen können, dass er nichts mit der – von drei Revisionsstellen als heikel, aber zulässigen – Devisentraktion von Mitte August 2011 zu tun gehabt habe. Neckisch darum, weil ein solcher Beweis in der heutigen Zeit – mit telefonischer Überweisungsanordnung und Normal-Mail-Bestätigung – schlicht unmöglich ist. Es ist ehrlicherweise verheerend, dass vom Präsidenten des Direktoriums der Nationalbank verlangt wird, einen physischen Beweis für seine Nicht-Beteiligung an diesem Vorgang vorzulegen. In einem demokratischen Rechtsstaat muss zwingend davon ausgegangen werden können, dass die AkteurInnen der Wahrheit verpflichtet sind. Im Hinblick auf die Argumentation der Schlammschlacht-Aktivisten Blocher, Köppel, Lei ist diese Argumentation geradezu höhnisch, sind doch diese nachweislich auch in anderen Zusammenhängen bei unwahren Aussagen erwischt worden – bemerkenswert, dass etwa Herr Lei nur noch mit der Stimme seines Anwalts spricht.

Im übrigen: der Tages-Anzeiger zeigt Kopien der relevanten Mails. Wer der Ansicht ist, diese Dokumente würden irgendwelche aktive Beteiligung von Herrn Hildebrand am Dollarkauf nicht ausschliessen, hat schlicht Wahrnehmungprobleme – oder glaubt an Fälschungen, somit Verschwörungstheorien.

Tragisch und eines Rechtsstaates unwürdig ist, dass es Blocher und Co. über eine Schlammschlacht, mit definitiv faschistoiden Ansätzen also, geschafft haben, die Spitze der Nationalbank zu destabilisieren – wo Argumente nicht weiterhelfen, macht es offenbar Schlamm möglich. Ein schlechtes Vorzeichen für die Zukunft! Was dem alternden Milliardärs-Autokraten Blocher nicht passt, wird einfach weggeschlammt. Einmal mehr hat sich der vereinigte $VP-Medien-Stammtisch-Mob gegen Exzellenz durchgesetzt. Und gerade auch mit seinem Rücktritt führt Herrn Hildebrand nochmals seine Exzellenz vor.

Es braucht Konsequenzen aus diesem antidemokratischen und kriminellen Vorgehen von $VP-Verantwortlichen.

  • Was ich schon lange verlange: die $VP ist zu verbieten, sie ist nachweislich keine demokratische, auf rechtsstaatliche Grundsätzen aufbauende Partei.
  • Es ist sicherzustellen, dass die Medienzugänglichkeit für $VP-VertreterInen deutlich strikter gehandhabt wird – Meinungsfreiheit erfordert einen verantwortungsbewussten Umgang mit Meinungen und Fakten. In diesem Fall wurde einmal mehr bewiesen, dass die $VP-Vertreterinnen mit dieser Verantwortung nicht umgehen können.
  • Ex- und Neo-Nationalrat Blocher ist das passive und aktive Stimm- und Wahlrecht nicht mehr zu gewähren. Er hat dem demokratischen Rechtsstaat allein mit dieser Schlammschlacht unreparablen Schaden verursacht. Geradezu krankhafte Rachsucht ist nun mal kein zukunftsgerichteter Beitrag.
  • Für Whistleblowing sind die Strafen deutlich zu verschärfen – die bisherigen CH-Beispiele belegen eindeutig, dass Whistleblowing mit einem demokratischen Rechtsstaat nicht verträglich ist. Stattdessen ist in Schulen, Unternehmen und Verwaltungen intensiv Wissen über Prozesse und Verfahren zu vermitteln, damit echte oder vermeintliche Missstände auf konstruktiver Basis behoben werden können.
  • Da die Lohngefälle zwischen Normalwirtschaft und Finanzindustrie nicht erklärbar sind, ist einerseits die Lohnspanne im Sinne der Initiative 1:12 zu begrenzen, andererseits braucht es endlich Schritte hin zu einem bedingungslosen Grundeinkommen für alle.
  • Die sogenannten Eigenhandelsregelungen für die Nationalbank sind zwar zu verschärfen. Wie es sich allerdings gezeigt hat, ist sogar regelementskonformes Verhalten in $SVP-Willkür-Schlammschlacht-Manier keine Gewähr.

Niemand ist unersetzlich, auch exzellente Kräfte wie Herr Hildebrand nicht. Allerdings müssen offenbar ab sofort exzellente Köpfe, welche nicht im Sinne der $VP agieren, damit rechnen, in faschistoider Weise weggeschlammt zu werden.


Auf die absurden und dümmlichen Ausführungen von Herrn Blocher einzugehen, ist Zeitverschwendung – er offenbart allenfalls, dass er ziemlich schlecht abschneiden würde bei einem PISA-Test. Ein weiterer Beleg für die Forderung nach Nicht-Gewährung der aktiven und passiven bürgerlichen Rechte.


Wie auch schon gesagt, grosse Vermögen sind nicht für viele Menschen Alltag. Selbst eine passive Vermögensverwaltung heisst nicht automatisch „Bankbüchlein“. Wenn insbesondere der Mob – mit Echo bei den Medien und der Politik – Sätze wie „ein absolutes Verbot von Währungsgeschäften für Mitglieder des SNB-Direktoriums wäre nicht die schlechteste Variante“ von sich gibt, werden erstens potentielle BewerberInnen in bi-nationalen Partnerschaften ausgeschlossen und zweitens eine für solche Paare durchaus zweckmässige Regelung – hälftige Teilung des Vermögens auf die relevanten Währungen – zum Vorneherein ausgeschlossen. Mit anderen Worten: selbst exzellente BewerberInnen wie Herrn Hildebrand könnten gar nicht mehr Direktionsmitglieder der Nationalbank werden. Ein weiterer Erfolg der Schlammschläger – oder selbst bei unwichtigen Fragestellungen bestimmt immer mehr die $VP die Denke.


Nachtrag 11.1.2012

Ich staune, was diverse Schreiberschaften aus den Mails herauslesen. Zu beachten: all die Mails wurden in Englisch verfasst, für keinen der Beteiligten ausschliessliche Muttersprache. Und sie werden auf Deutsch übersetzt – wahrscheinlich von den Google-Übersetzungstools, welche mit Sicherheit nicht auf Bankjargon getrimmt wurden. Ich bleibe dabei: da haben einige tumbe $VP-Köpfe eine Schlammschlacht inszeniert, um einen ihnen missliebigen brillanten Kopf wegzuschlammen. Auf der anderen Seite hat gerade die Transparenz des Verhaltens des Ehepaars Hildebrand, das nichts zu verstecken hatte und hat, es diesen Schlammern einfach gemacht. Es ist, wie es Kashya Hildebrand sagt: wenn sie Insiderwissen hätte nutzen wollen, wäre sie ganz anders vorgegangen. Fakt ist: zukünftig werden sich die Leitungsverantwortlichen der Schweizerischen Nationalbank und ihre Familienangehörigen im Bezug auf das eigene Vermögen entmündigen lassen müssen, um diesen Job ausführen zu können. Spannend: dürfen sie damit rechnen, dass die Rendite ihres Vermögens dem Marktdurchschnitt entspricht, oder haben sie auch eine allfällige Misswirtschaft dieser ausgelagerten Vermögensverwaltung zu akzeptieren? Und wird der/die EhepartnerIn einer leitungsverantwortlichen Person überhaupt noch ein Unternehmen führen dürfen, welches nicht ausschliesslich mit Schweizer Franken funktioniert?

Ich wiederhole nochmals: die meisten SchweizerInnen haben gar keine solchen Probleme zu bewältigen, weil sie glücklicherweise nicht über solche Vermögenswerte verfügen. Andererseits sind die gleichen SchweizerInnen, wie ihr Abstimmungsverhalten zeigt, grossmehrheitlich für das aktuelle Wirtschaftssystem – mit extremen Spannweiten der Einkommen, mit Boni und dergleichen. Man kann nicht derart grosse Löhne bezahlen, und dann überrascht sein, dass selbst bei passiver Vermögensbewirtschaftung Aktien und Devisen ins Spiel kommen. Aber eben, der Mob zelebriert ja solche Widersprüche.


Nachtrag 12.1.2012

Am 12.1.12 titelt der Tagesanzeiger endlich „Hildebrand, ein Spekulant?„. Unendlich lange hat es gebraucht, bis man auch beim Tagesanzeiger die Fragezeichen gefunden hat. Im Lead des Artikels steht weiter: „Die Affäre um Philipp Hildebrand ist auch ein Krieg der Worte. Zeit für eine Klärung.“ Das ist genau das, was ich bereits in meinem ersten Blogbeitrag verlangt habe. „Zeit für eine Klärung“ heisst: endlich mal den eigenen Denkapparat einsetzen, und sich nicht wie immer von Herrn Blocher manipulieren lassen! Um des Wortwitzes willen endet der Artikel etwas plump: die Bezeichnung der Familie Hildebrand als SpekulantInnen wird als spekulativ bezeichnet!

Im Duden steht zu Spekulation: auf blossen Annahmen, Mutmassungen beruhende Erwartung, Behauptung, dass etwas eintrifft. Ein Beweis mehr für die stattgefundene und immer noch stattfindende Schlammschlacht!


Nachtrag 13.1.2012

Noch einen Tag später schafft es auch die NZZ, endlich den Sachverhalt einzuordnen. Die Stunde der Selbstgerechten ist der Kommentar von Markus Spillmann betitelt, mit Aussagen wie „Dem korporatistisch geprägten Milieu dieser Alpenrepublik aber bleiben sie letztlich suspekt, vor allem dann, wenn sie in ihrer Person Erfolg, Macht und Vermögen vereinen. Stolpern sie, dann werden sie noch so gerne fallengelassen.“ oder „In solchem Klima gedeihen die Stillen, Unauffälligen, Mutlosen, aber auch Taktierer und Opportunisten. Es begünstigt das Mittelmass, nicht Exzellenz.“

Warum braucht es so lange, bis die JournalistInnen ihr Gehirn einschalten?

Erste Fassung: 9.1.2012

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3369
Whistleblowing: keine Handlungsoption! https://www.umweltnetz.ch/content/whistleblowing-keine-handlungsoption https://www.umweltnetz.ch/content/whistleblowing-keine-handlungsoption#comments Sat, 07 Jan 2012 15:45:16 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=3349 Whistleblowing ist keine Handlungsoption in einer rechtsstaatlichen demokratischen Gesellschaft. Whistleblower begehen mindestens eine Rechtsverletzung, häufig auch strafbare Handlungen. Whistleblowing ist im Grundsatz ein kriminelles Vorgehen, welches in der Regel nicht taugt, echtes oder vemeintlich kriminelles anderes Vorgehen ans Tageslicht zu bringen. Völlig verfehlt ist es, wenn Whistleblower noch mit Preisen wie dem Prix Courage ausgezeichnet … „Whistleblowing: keine Handlungsoption!“ weiterlesen

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Whistleblowing ist keine Handlungsoption in einer rechtsstaatlichen demokratischen Gesellschaft. Whistleblower begehen mindestens eine Rechtsverletzung, häufig auch strafbare Handlungen. Whistleblowing ist im Grundsatz ein kriminelles Vorgehen, welches in der Regel nicht taugt, echtes oder vemeintlich kriminelles anderes Vorgehen ans Tageslicht zu bringen. Völlig verfehlt ist es, wenn Whistleblower noch mit Preisen wie dem Prix Courage ausgezeichnet werden.

„Gleichheit“ ist ein Grundsatz der französischen Revolution, „Gleichheit“ ist auch ein wichtiges Element der Demokratie. „Gleichheit“ als Losung kann weder „lokal“ noch „global“ die herrschenden ökonomischen Ungleichheiten beseitigen. Das marktwirtschaftliche System der Konkurrenzwirtschaft will SiegerInnen und VerliererInnen, funktioniert sogar nur mit der Hoffnung auf Ungleichheiten.

Viele Sportarten leben auch vom Konkurrenzprinzip, wollen SiegerInnen sehen (was automatisch zu sehr vielen VerliererInnen führt). Die meisten Sportarten erfordern ein umfangreiches Regelwerk – die Auslegung und operative Umsetzung liegt in der Verantwortung von SchiedsrichterInnen. Auch SchiedsrichterInnen können sich irren, unabhängig davon, ob dies unfreiwillig oder absichtlich, zum Beispiel aufgrund von versprochenen Vorteilen (=Bestechung), erfolgt. Auch beim Sport ist Willkür nicht auszuschliessen, absolute Gerechtigkeit ist nicht garantiert.

Auch Gesellschaft, Wirtschaft und Politik kennen ausgeklügelte Regelwerke, nicht immer widerspruchsfrei, nicht immer alle möglichen Eventualitäten abdeckend. Bei diesen vielfältigen Regeln geht es immer darum, einen Ausgleich zu schaffen zwischen individuellen und „gesellschaftlichen“ Ansprüchen.

Eine mögliche Haltung in diesem Interessenausgleich wird insbesondere von der $VP geradezu gehätschelt: „die anderen profitieren viel mehr vom System – die Allgemeinhein hindert mich daran, dass es mir besser geht“. Das System wird als unfair wahrgenommen, „andere“, durchaus als geheime Macht verstanden, werden verdächtigt, von diesem System übermässig zu profitieren.

Die Regelwerke sind mit Sicherheit nicht fehlerfrei, auch sind diverse Abläufe jederzeit verbesserungsfähig. Und gerade in einer direkten Demokratie gehört der kontinuierliche Verbesserungsprozess zum System. Und dies unabhängig davon, dass dieses System träge ist, dass es gelegentlich mehrere Anläufe braucht, dass letztlich nur Verbesserungen möglich sind, die eine Mehrheit finden.

Wer „geheime Mächte“ oder „unwillige AkteurInnen“ hinter echten oder vermeintlichen Unzulänglichkeiten des Systems vermutet, wird kaum an einem Verbesserungsprozess interessiert sein, sondern legt es auf die Massregelung von Einzelpersonen aus.

Ein zentraler Aspekt ist die Ortung von Zuständigkeiten. Ich erlebe sehr häufig, dass bei Diskussionen über Veränderungsmöglichkeiten Phrasen wie „Me sött“ (Man sollte) oder „Die müend nume“ (Diese müssen nur) verwendet werden, selbst von Menschen, die schon lange mit derartigen Themen beschäftigt sind. Direkte Demokratie erfordert ein hohes Mass an institutionellem und prozessmässigem Wissen. Als ein Beispiel: das Reglement über die Eigenhandelsgeschäfte der leitenden Mitarbeitenden der Nationalbank wird nicht von „Me“ oder „Die“ beschlossen, sondern vom Bankrat der Schweizerischen Nationalbank, einem Gremium von elf Personen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, ein Gremium auch, von dem alle Namen bekannt sind, siehe die entsprechende Internet-Seite der Schweizerischen Nationalbank. Der nachmalige Whistleblower (egal ob IT-Mitarbeitender oder Kundenberater der Bank Sarasin) in der Affäre Blocher-Lei hätte mit einer zuerst internen Nachfrage – die zuständigen Gremien bestehen bei den Banken – „Wie vertragen sich die diversen Devisentransaktionen vom Konto der Familie Hildebrand mit den Eigengeschäftsvorstellungen der Schweizerischen Nationalbank?“ eine konstruktiven Prozess in Gang setzen können. Wenn dies nicht gelungen sein sollte, wird es zwar heikler, aber bewegt sich noch im Rahmen einer entschuldbaren Rechtsverletzung: die gleiche Frage zuhanden des Präsidenten des Bankrates der Schweizerischen Nationalbank.

Einverstanden, das ist ziemlich aufwändig, aber immerhin konstruktiv. Die definitiv kriminelle Weitergabe von Dokumenten an Personen ausserhalb des Zuständigkeitskreises verbunden mit der Behauptung „Die Dokumente belegen massive Devisenspekulationen, die kaum mit der Eigengeschäftsregelung der SNB vereinbar sein können“ ist demgegenüber nicht konstruktiv und erschwert den Verbesserungsprozess.

Auch das Beispiel der als Couragierte ausgezeichneten, aber trotzdem vom höchsten Schweizer Gericht verurteilten Esther Wyler und Margrit Zopfi zeigt, dass WhistleblowerInnen sogar dem Verbesserungsprozess aktiv im Weg stehen können. Frau Wyler war bei der Stadt Zürich als Controllerin angestellt – mindestens ihre Vorgehensweise zeigt klar auf, dass sie ihren Job nicht gemäss Pflichtenheft ausgeführt hat. Und gerade eine Controllerin muss über sehr gute Kenntnisse zu den gesetzlichen und formalen Grundlagen verfügen. Das heisst: die Erkenntnisse aus dem Controlling braucht es zwingend, um den Prozess verbessern zu können. Wenn eine Controllerin die echten und vermeintlichen Fakten anhäuft, um sie bei Gelegenheit den Medien zu übergeben, erfüllt schlicht den Job nicht. Einverstanden, auch hier wäre korrektes Vorgehen aufwändiger, mit mehr Durchsetzungsvermögen und voraussichtlich Unannehmlichkeiten verbunden.

Diese beiden Beispiele von Whistleblowing zeigen exemplarisch, dass WhistleblowerInnen auf die individuelle „Bestrafung“ echter oder vermeintlicher „TäterInnen“ hinarbeiten. Monika Stocker ist nicht wegen den „Erkenntnissen“ der WhistleblowerInnen als Stadträtin von Zürich zurückgetreten, sondern weil sie berechtigterweise nicht akzeptieren wollte, dass BezügerInnen von Sozialleistungen prinzipiell dem Generalverdacht unterstellt werden, unberechtigterweise staatliche Leistungen zu erschwindeln. Um dies mit einem Beispiel zu illustrieren: dieser Generalverdacht würde beim öffentlichen Verkehr dazu führen, den öffentlichen Verkehr abzuschaffen, weil es keinen Ansatz gibt, um das Fahren ohne Billett mit absoluter Sicherheit auszuschliessen.

Whistleblowing ist, da nicht demokratieverträglich, in keiner Art und Weise zu unterstützen. Was nötig ist: deutlich verbesserte Prozess- und Verfahrenskenntnisse der offiziellen AkteurInnen – jeder Beschäftigte, jede Beschäftigte muss wissen, wer für Fragen „aus dem Bereich Ethik und Moral“, die sich aus der täglichen Arbeit ergeben, zuständig ist, und zwar in Rahmen der ordentlichen Prozesse als auch im Sinne des Aufsichtsrechts. Einzig hier ist, falls noch nicht vorhanden, die arbeitsrechtliche Sicherstellung von kritischen FragerInnen zu gewährleisten.

Ich habe verschiedentlich und mit Absicht festgehalten, dass Beiträge zum Verbesserungsprozess in Frageform daher kommen sollten. Die Erfahrung zeigt, dass Fragen wesentlich besser dazu geeignet sind, Denk- und Veränderungsprozesse in Gang zu setzen. Falls es nicht möglich ist, zu einem Sachverhalt Fragen zu formulieren – etwa darum, weil die Fakten (vermeintlich) offen auf dem Tisch liegen -, ist nicht Whistleblowing angesagt, sondern der Gang zur Polizei. Whistleblowing hat nichts mit Courage zu tun, sondern offenbart Feigheit und Unfähigkeit.

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