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Friesenberg | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Sun, 28 Mar 2021 14:53:03 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 44487214 Friesenberg: Genossenschafts-Zukunft ohne Jö-Effekte https://www.umweltnetz.ch/content/friesenberg-genossenschafts-zukunft-ohne-joe-effekte Sun, 28 Mar 2021 14:52:44 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=8287 Auf Antrag des Zürcher Heimatschutzes hat das Bundesgericht Ende 2020 verlangt, dass die Stadt Zürich einen Schutzumfang für die ersten zwei Siedlungen der Familienheim-Genossenschaft Zürich festzulegen hat. Im Hinblick auf lebenswerte Wohnquartiere könnte jedoch «Denk mal» zielführender sein als «Denkmal». Dieser Text von Toni W. Püntener ist in «P.S., die linke und unabhängige Zürcher Zeitung» … „Friesenberg: Genossenschafts-Zukunft ohne Jö-Effekte“ weiterlesen

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Auf Antrag des Zürcher Heimatschutzes hat das Bundesgericht Ende 2020 verlangt, dass die Stadt Zürich einen Schutzumfang für die ersten zwei Siedlungen der Familienheim-Genossenschaft Zürich festzulegen hat. Im Hinblick auf lebenswerte Wohnquartiere könnte jedoch «Denk mal» zielführender sein als «Denkmal».

Dieser Text von Toni W. Püntener ist in «P.S., die linke und unabhängige Zürcher Zeitung» vom 26. März 2021  auf den Seiten 16 und 17 erschienen.

1925 entstand im Friesenberg nahe der heutigen Uetlibergbahn-Haltestelle Schweighof die erste Siedlung der Familienheim-Genossenschaft Zürich (FGZ): 5-Zimmer-Reihenhäuser in Zweier- und Dreiergruppen, zum Teil zusammengebaut mit dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern, dazwischen grosse Freiräume. Kurz darauf entstand beidseitig der Schweighofstrasse die zweite Siedlung der FGZ, in einem ähnlichen Stil, aber doch mit deutlich abweichenden Details.

Gebäudegruppe der ersten Etappe der Familienheim-Genossenschaft Zürich (FGZ)

Als ich 1996 zusammen mit meiner Familie in eines der Reihenhäuser einziehen konnte, dominierte der Jö-Effekt. Eher kleine Häuser, mit Schrägdach, einem Kamin – etwa so sehen die ersten von Kindern gezeichneten Häuschen aus. Dazwischen viel Rasen, hin und wieder einige Bäume und Sträucher. Schon bei Mietantritt wurde uns gesagt, diese Siedlung werde in absehbarer Zeit durch einen Neubau ersetzt, sowohl wegen des Alters als auch wegen der Besonderheiten der Siedlung. Schon damals war von «Austragen» die Rede. Somit wurden in all den Jahren nur minimale Unterhalts- und Erneuerungsarbeiten durchgeführt.

Unterschutzstellung für Jö-Effekt-Siedlungen?

Die Familienheim-Genossenschaft Zürich und die Stadt Zürich haben im März 2016 über einen in einem kooperativen Verfahren erarbeiteten Masterplan zur Ermöglichung einer sowohl quantitativen als auch qualitativen Verdichtung im Friesenbergquartier informiert. Aus vielen Gründen wurde damals sehr bewusst auf eine Unterschutzstellung der ersten zwei Siedlungen der FGZ verzichtet. Auf Antrag des Zürcher Heimatschutzes hat demgegenüber das Bundesgericht Ende 2020 verlangt, dass die Stadt Zürich einen Schutzumfang für diese beiden Siedlungen festzulegen hat.

Auch beim Bundesgerichtsentscheid war der Jö-Effekt prägend. Daher lohnt es sich, mit Blick auf die nachhaltige Zukunft des genossenschaftlichen Wohnens und somit des preisgünstigen Wohnraums hinter die Fassaden dieser Siedlungen zu schauen.

Am 7. März 2021 haben die Stimmberechtigten mit einem Ja-Anteil von fast 80 Prozent der Erstellung der Wohnsiedlung Letzi zugestimmt. Auf rund 10’000 Quadratmetern Stadtfläche entstehen 265 Wohnungen – Alterswohnungen, Familienwohnungen, mit einer grossen Bandbreite von Zimmerzahlen. Ebenso sind Gewerberäume, Büros und Ateliers vorgesehen. Dazu gehört ein Kindergarten mit Betreuung, es entstehen vielfältig gestaltete Aussenräume.

Die beiden Gründersiedlungen der FGZ bieten auf etwa 50’000 Quadratmetern Stadtfläche 144 Wohnungen, mehrheitlich 4- und 5-Zimmer-Wohnungen und -Reihenhäuser. Für eine massvolle Verdichtung, für qualitativ hochwertigen Wohn- und Lebensraum für mehr Menschen besteht somit ein sehr grosses Potenzial!

Stadt der kurzen Wege – möglichst lange im vertrauten Umfeld wohnen können

Die Siedlungen sind zu einer Zeit entstanden, als funktionale Entmischung, zum Beispiel von Wohnen und Arbeiten, zu den Anliegen der Stadtentwicklung gehörte; dies wurde 1933 in der «Charta von Athen» festgeschrieben. Dazu gehört auch die Verknüpfung der unterschiedlichen Stadtfunktionen mit leistungsfähigen Verkehrsachsen, hier zum Beispiel Schweighof- und Friesenbergstrasse. Die Uetlibergbahn und die Buslinien tragen zur Anknüpfung an das Stadtzentrum und die naheliegenden Quartiere bei.

Spätestens mit der «Leipzig-Charta» aus dem Jahr 2007 zur nachhaltigen europäischen Stadt steht die integrierte Stadt im Mittelpunkt. Idee dahinter ist die Stadt der kurzen Wege.

Die beiden FGZ-Siedlungen verstärken die als überholt geltende funktionale Entmischung. Die überwiegend vorhandenen 4- und 5-Zimmer-Wohneinheiten richten sich an Familien mit Kindern. Für junge Erwachsene und für SeniorInnen sind diese Wohnungen nicht vorgesehen.

Gebäudegruppe der zweiten Etappe der Familienheim-Genossenschaft Zürich (FGZ)

Heutige Wohnsiedlungen sind auf das Mehr-Generationen-Wohnen auszurichten. Eine der Absichten des gerade kürzlich vom Gemeinderat zur Kenntnis genommenen städtischen Alterskonzeptes ist es, dass ältere Menschen möglichst lange in ihrem vertrauten Umfeld wohnen können. Auch die FGZ muss mehr Mehr-Generationen-Wohnen anbieten können!

Stadt der kurzen Wege bedeutet auch, gerade mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen zum Home-Office, dass Menschen nur kurze alltägliche Wege zwischen zum Beispiel Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Erholung und Ausbildung zurücklegen müssen. Eine ausschliesslich auf das Wohnen ausgerichtete eher grossflächige Siedlung mag diesen Anforderungen nicht zu genügen.

Baustandard 1925 ist nicht zukunftsfähig

Knapp über 100 Quadratmeter Nutzfläche bietet ein 5-Zimmer-Reihenhaus. Wenn von vier bis fünf Personen ausgegangen wird, die ein solches Haus bewohnen, entspricht dies den Vorgaben für die suffiziente Nutzung von Wohnraum. Allerdings weisen einzelne Räume sehr kleine Flächen auf, eigentlich unter den Vorgaben des Planungs- und Baugesetzes.

Die beiden Siedlungen sind im FGZ-Verbund als eigentliche Energieschleudern zu bezeichnen. Diverse bauliche Schwachstellen erhöhen zudem das Risiko zum Beispiel für Schimmelpilzbildung, mit möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner. Würden die Häuser unter Schutz gestellt, dürfen in der Regel bauliche Massnahmen zur Verbesserung der energetischen Qualität der Gebäudehülle von aussen nicht sichtbar sein. Die umfangreichen und aufwändigen baulichen Verbesserungen müssten somit raumseitig erfolgen, was zu einer weiteren Reduktion der Nutzflächen führt. Zudem ist fraglich, ob diese Massnahmen ausreichen, die gesundheitlichen Risiken zu minimieren.

Längerfristig ist als Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung dafür zu sorgen, dass alle Gebäude als Plusenergiebauten funktionieren. Dies erfordert weitere von aussen sichtbare Veränderungen an den heutigen Bauten. Als Hinweis: die diversen derzeit in Entstehung begriffenen Nieder- und Hochtemperatur-Wärmenetze sind bestenfalls Brückentechnologien zum raschmöglichsten Ausstieg aus den fossilen Energien.

Unterdessen wohne ich in einer Neubau-Wohnung der der FGZ in einem anderen Teil des Friesenbergs. Was auffällig ist am neuen Ort: die akustischen Verbesserungen. Im Reihenhaus waren viele Geräusche aus dem Nachbarhaus und dem eigenen Häuschen zu hören. Konzentriertes Arbeiten im Home-Office, die Teilnahme an einem virtuellen Meeting oder früher die Hausaufgaben der SchülerInnen und Studierenden sind recht schwierig. Eine deutliche Verbesserung der akustischen Situation erfordert massive bauliche Eingriffe.

In der Stadt Zürich sind erhebliche Auswirkungen der Klimaerhitzung zu erwarten. Wohnungen müssen so gebaut werden, dass zukünftig im Sommer komfortable Raumbedingungen möglich sind. 1925 war diese Vorgabe noch nicht zu berücksichtigen.

Der Friesenberg liegt auf historischem Uetliberg-Lehm. Die Folgen der Klimaerhitzung führen dazu, dass sich dieser Untergrund anders bewegt als in den letzten hundert Jahren. An verschiedenen Bauten im Friesenberg-Quartier sind bereits grössere Rissbildungen festzustellen. Es gibt keine Gewähr dafür, dass die Statik der beiden Siedlungen tatsächlich zukunftstauglich ist; erhöhte Gefahren für die Bewohnenden können nicht ausgeschlossen werden.

Festgebackene Rollenmodelle

Die Küchen der beiden Gründersiedlungen sind eher kleine Räume. Insbesondere besteht keine durchgehende Verbindung zur Stube der jeweiligen Wohnung. Hier zeigt sich einerseits die Rollenverteilung innerhalb der Familien zur Bauzeit; andererseits dürfte dies eine Folge der damals installierten Kochherde mit Holz- oder Brikettfeuerung sein. Als ein Detail: Obwohl seit langer Zeit elektrische Herde und Backöfen genutzt werden und die Wärmeversorgung ab einer Heizzentrale erfolgt, verfügt jedes Haus nach wie vor über einen von aussen sichtbaren Kamin – ohne jeglichen Nutzen, aber mit einigem Unterhaltsaufwand.

Gartenstadt? Da liegt mehr drin

In der Berichterstattung über das Friesenberg-Quartier ist immer wieder der Begriff «Gartenstadt» zu lesen. Viel Abstandsgrün respektive Rasen, einzelne Büsche und Bäume und sehr wenige kleine Gartenflächen prägen das Bild, möglichst unter Berücksichtigung der Artenvielfalt und der naturnahen Gestaltung. Diese Ausprägungen der Gartenstadt haben bestenfalls Auswirkungen auf den Jö-Faktor des Quartiers.

Der lehmige Untergrund ist alles andere als ideal für das Gärtnern, zudem führen Häuser, Hecken, Sträucher und Bäume zu einer ausgeprägten Beschattung.

Auch sind für Kinder und Jugendliche gemeinsam nutzbare öffentliche Räume eher bescheiden. Dazu kommt, dass die siedlungsinterne Strasse trotz einer später gebauten Tiefgarage intensiv mit Autos zugestellt ist.

Nein, eine Gartenstadt ist der Friesenberg nicht. «Urban Farming» und zukunftsfähige Stadtbegrünung, zum Beispiel in Kombination mit Sonnenenergie-Nutzung, sehen wesentlich anders aus. Grössere gemeinschaftlich nutzbare Aussenräume bieten auch weitere Chancen für ein generationengerechtes Quartierleben.

«Denk mal» statt «Denkmal»

Die FGZ treibt viel Aufwand für den Unterhalt und die Erstellung lebenswerter Wohnquartiere. «Denk mal» ist dabei erfahrungsgemäss zielführender als «Denkmal». Daher sollte auf den Schutz der beiden Gründerquartiere verzichtet werden. Wenn die Ansätze der Kreislaufwirtschaft umgesetzt werden, ist das Abreissen von bestehender Gebäudesubstanz auch nachhaltig möglich.

Falls für diese FGZ-Siedlungen tatsächlich ein Schutzumfang festzulegen ist, sollte dieser als «Friesenberg»-Museum auf zum Beispiel das Genossenschaftshaus an der Kreuzung Schweighof- und Friesenbergstrasse und auf einige wenige Gebäude entlang der beiden Strassen beschränkt werden. Die wenig nachhaltige Bewältigung uralter Bausubstanzen von zwei grossflächigen Wohnsiedlungen kann nicht einmal als Beitrag zur Erinnerungskultur betrachtet werden.

2025 feiert die FGZ das hundertjährige Jubiläum. Die verfassungsmässige Verpflichtung zu einer nachhaltigen Entwicklung – eine für die Gesellschaft und die Umwelt vorteilhafte Ausprägung ökonomischer, ökologischer und sozialer Aspekte – sollte die Zukunftsgestaltung des gemeinnützigen und preisgünstigen Wohnens prägen.

Toni W. Püntener
FGZ-Genossenschafter, Energie- und Klima-Mentor


Dieser Text ist zuerst in «P.S., die linke und unabhängige Zürcher Zeitung» vom 26. März 2021  auf den Seiten 16 und 17 erschienen. Ein Abonnement der jeweils am Freitag erscheinenden Wochenzeitung ist empfehlenswert.

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Knabenschiessen 2011 https://www.umweltnetz.ch/content/knabenschiessen-2011 Sat, 10 Sep 2011 16:11:38 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=3119 Dies – nach der Abstimmung vom 4. September 2011 über die Städte-Initiative – gelesen: „Mir hat niemand vorzuschreiben, wie ich in die Stadt Zürich zu fahren habe„. Am Samstag, 10. September 2011 im Zürcher Friesenberg gesehen: Auokolonnen, mit potentiellen Knabenschiessen-BesucherInnen, dazwischen VBZ-Busse, ebenfalls mit potentiellen Knabenschiessen-BesucherInnen gefüllt, eingeklemmt. Autofahrende, die ihr Auto im Friesenberg gefährlich, … „Knabenschiessen 2011“ weiterlesen

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Dies – nach der Abstimmung vom 4. September 2011 über die Städte-Initiative – gelesen: „Mir hat niemand vorzuschreiben, wie ich in die Stadt Zürich zu fahren habe„. Am Samstag, 10. September 2011 im Zürcher Friesenberg gesehen: Auokolonnen, mit potentiellen Knabenschiessen-BesucherInnen, dazwischen VBZ-Busse, ebenfalls mit potentiellen Knabenschiessen-BesucherInnen gefüllt, eingeklemmt. Autofahrende, die ihr Auto im Friesenberg gefährlich, fahrlässig, im Parkverbot, abstellen. Ich habe schadenfreudig gelacht. Dies dabei gedacht: Einsicht ist eigenverantwortlich – fehlende Einsicht provoziert Vorschriften. Dem Polizeivorsteher vorgeschlagen: nächstes Jahr den Friesenberg grossräumig absperren!

Bilder von der Knabenschiessen-Chilbi

 

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Ökostädte verhindern Katastrophen – zum Beispiel durch ein Ökoquartier Friesenberg https://www.umweltnetz.ch/content/okostadte-verhindern-katastrophen-zum-beispiel-durch-ein-okoquartier-friesenberg https://www.umweltnetz.ch/content/okostadte-verhindern-katastrophen-zum-beispiel-durch-ein-okoquartier-friesenberg#comments Sun, 17 Apr 2011 21:22:44 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=2833 „Ökostädte verhindern Katastrophen“ – der Titel eines Blogbeitrages von nachhaltigkeit.org – ein Interview mit Richard Register, Gründer von Ecocity Builders. Richard Register fordert kompakte Städte, die sich an den zu Fuss gehenden ausrichten. An diese Aussage erinnerte ich mich heute bei einer kurzen Velofahrt durch Zürich an der Kreuzung West- und Birmensdorferstrasse. Weststrasse: das ist … „Ökostädte verhindern Katastrophen – zum Beispiel durch ein Ökoquartier Friesenberg“ weiterlesen

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„Ökostädte verhindern Katastrophen“ – der Titel eines Blogbeitrages von nachhaltigkeit.org – ein Interview mit Richard Register, Gründer von Ecocity Builders. Richard Register fordert kompakte Städte, die sich an den zu Fuss gehenden ausrichten.

An diese Aussage erinnerte ich mich heute bei einer kurzen Velofahrt durch Zürich an der Kreuzung West- und Birmensdorferstrasse. Weststrasse: das ist die Strasse, die vor der Eröffnung des Uetlibergtunnels Teil der Doppelspur-Autobahn Hamburg-Palermo war. Jetzt, viele Monate später, ist erkennbar, dass die Weststrasse wieder zur Quartierstrasse wird – siehe Bild.

Dies erinnert an einen anderen Strassenbau, etwas weiter südwestlich: Schweighofstrasse – da wurde eine neue Pseudo-Autobahnachse mitten durch das Wohnquartier Friesenberg geschlagen – die Häuser hat man zumindest teilweise abgedeckt mit Lärmschutzwänden und einer Staumauer. „Ein Anblick, grässlich und gemein, drum zog ihn der Senat auch ein“ – so dichtete Christian Morgenstern im Gedicht Ein Lattenzaun. Leider leider gibt es in Zürich keinen Senat, dafür einen mehrheitlich rotgrünen Stadtrat, der solche Strassenausbauten mitten im Quartier aktiv fördert.

Ein wesentlicher Akteur im Quartier Friesenberg ist die Familienheim-Genossenschaft Zürich (FGZ). Gegen den Ausbau der Schweighofstrasse hat sie sich nicht aktiv gewehrt, sondern die FGZ hat diesen Ausbau zusammen mit der Stadt Zürich gefördert und gewollt. Jetzt gibt es eine Veranstaltung mit der nicht rhetorisch gemeinten Frage „Verträglichkeit der Schweighofstrasse mit dem Zentrum Friesenberg?“ am 19. Mai 2011. Das Zentrum Friesenberg soll an einem künstlich bestimmten Ort mit grösstmöglichem Abstand von ÖV-Haltestellen, welche von zwei Buslinien bedient werden, entstehen, direkt an der autozentrierten Schweighofstrasse, völlig an sämtlichen städtebaulichen Vorstellungen vorbei – bei aller Offenheit: die reformierte und die katholische Kirche gleichen nebenan haben auch nicht wirklich das Potential zur Zentrumsaufwertung.

Die Familienheim-Genossenschaft Zürich hat sich bis jetzt nicht gerade als Öko-Leader hervorgetan, ganz im Gegenteil:

Der Friesenberg ist weit weit weit weg davon, ein Ökoquartier der visionären 2000-Watt-Gesellschaft-Stadt Zürich zu sein. Das könnte sich mit eine deutlich anderen Zentrumsplanung ändern – und dann würde auch die Verträglichkeit mit der Schweighofstrasse keine Rolle mehr spielen. Dieses Alternativszenario ist bewusst provokativ, wie es sich für ökologische Überlegungen gehört. Der Friesenberg gilt als Gartenstadt – im wesentlich viel mit hin und wieder etwas Naturnähe ergänztes Abstandsgrün, und hin und wieder etwas Bäumiges. Diese Gartenstadt ist vor allem eine Wohnoase – die erwerbsfähigen FriesenberglerInnen müssen meist das Quartier verlassen, wenn sie ihrer Arbeit nachgehen, selbst dann, wenn sie ihre Arbeitszeit vor allem mit der Computerbenutzung leisten. Da entsteht viel Verkehr – ein beachtlicher Teil des Schweighofstrasse-Strassenverkehrs ist also hausgemacht! Ökostädte als kompakte Städte bieten kurze Wege. Ökostädte sind möglicherweise künstliche Hügelstädte – Hochhäuser mit gemischter Nutzung – Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Kultur, Lernen, Freizeit, Erholung zum Beispiel. Eine solche Hochhaus-Hügelstadt kann auch weiterhin eine Gartenstadt sein – Urban Farming trägt (im Gegensatz zum Abstandsgrün) sogar zur Nahrungsgrundlage der BewohnerInnen der Ökostadt bei. Und statt neben der Schweighofstrasse gibt es einen idealeren Raum für das Friesenberg-Zentrum: rund um die Haltestelle Schweighof der Uetlibergbahn (respektive Linie S10 der Zürcher S-Bahn).

Wir müssen unsere Städte und ihre Quartiere neu denken – in einer Welt mit begrenztem Raum, mit begrenzten Ressourcen ist alles daran zu setzen, eine Stadt zu schaffen, die zu Fuss, mit dem Velo belebt werden kann, die darüber hinaus ausschliesslich den öffentlichen Verkehr nutzt. Lebensräume der Zukunft sind Räume der Nähe – alle alltäglichen Zwecke sind in Fusswegdistanz erreichbar. Die Städterinnen und Städter gestalten die Zukunft des Raumschiffes Erde – lasst uns die Stadt in Richtung dieser Zukunft umbauen. Ob nun eine Strassen- und Lärmachse wie die Schweighofstrasse nicht verträglich ist mit dem Wohnquartier, ist im Vergleich zu den echten Herausforderungen einer Ökostadt unbedeutend.

Der Schweighofstrasse hilft eine ganz einfache Kur: diese Strasse ist an mindestens zwei Orten für den Durchgangsverkehr zu unterbrechen (z.B. Bahnübergang Schweighof und bei der Kreuzung Bachtobelstrasse), wobei diese Strasse weiterhin durchlässig bleibt für die VBZ-Busse, sicher die Linien 32 und 89, idealerweise auch die von der Endhaltestelle Triemli bis zum Strassenverkehrsamt oder gar bis zu Sihlcity verlängerte Linie 72. Dazu kann auch die FGZ einen Beitrag leisten: die Zahl der Parkplätze wird auf einen Viertel verringert, die Hälfte der verbleibenden Fahrzeuge wird für Mobility-Fahrzeuge reserviert!

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Nein zu einer weiteren „Rosengartenstrasse“ mitten durch das Wohnquartier Friesenberg https://www.umweltnetz.ch/content/nein-zu-einer-weiteren-%e2%80%9erosengartenstrasse%e2%80%9c-mitten-durch-das-wohnquartier-friesenberg Mon, 18 May 2009 17:00:05 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=307 Lärm, insbesondere Strassenverkehrslärm, stellt eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität in Wohnquartieren dar. Der Stadtrat von Zürich will in der Gartenstadt Friesenberg die Schweighofstrasse massiv ausbauen und mit einigen symbolischen Lärmschutz-Wändchen versehen, die nur einen geringen Teil der übermässig belärmten Räume zu schützen vermögen. Dadurch wird die Lärmachse Schweighofstrasse betont und die trennende Schneisenwirkung der Strasse … „Nein zu einer weiteren „Rosengartenstrasse“ mitten durch das Wohnquartier Friesenberg“ weiterlesen

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Lärm, insbesondere Strassenverkehrslärm, stellt eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität in Wohnquartieren dar. Der Stadtrat von Zürich will in der Gartenstadt Friesenberg die Schweighofstrasse massiv ausbauen und mit einigen symbolischen Lärmschutz-Wändchen versehen, die nur einen geringen Teil der übermässig belärmten Räume zu schützen vermögen. Dadurch wird die Lärmachse Schweighofstrasse betont und die trennende Schneisenwirkung der Strasse verstärkt. Auch der Regierungsrat bestätigt diesen stadträtlichen Kniefall vor der Autolobby und lehnt die Forderungen nach einem verbesserten Lärmschutz ab. Damit werden zentrale Anliegen des Umwelt- und Gesundheitsschutzes missachtet.

 
Eigentlich müssten seit mehreren Jahren die gesetzlich vorgegebenen maximalen Lärmbelastungen eingehalten werden. Die Behörden haben sich bis anhin vor allem damit hervorgetan, die Fristen dauernd herauszuschieben und „Erleichterungsanträge“, d.h. Abschwächungen der Lärmschutzanforderungen, zu formulieren. Lärmschutz sollte allerdings nicht die LärmverursacherInnen schützen, sondern den belärmten Menschen wieder Ruhe verschaffen.

Eine durch ein grosses Wohnquartier führende Strasse müsste nach den Vorgaben des kantonalen Amtes für Raumplanung und Vermessung als Ortsdurchfahrt und nicht als Lärmschneise gestaltet werden – im Friesenberg-Quartier wohnen mehr Menschen als in den meisten Dörfern im Kanton Zürich. Ebenso muss nach den Vorgaben der eidgenössischen Lärmschutzgesetzgebung der Lärm an der Quelle vermindert werden, also beispielsweise durch Temporeduktionen oder eine Verminderung der Verkehrsmenge auf ein quartierverträgliches Mass. Die Behörden von Stadt und Kanton sind offenbar weder willens noch fähig, ernsthafte und glaubwürdige Lärmschutzmassnahmen zu realisieren.

Private Rekurse gegen das Strassenausbauvorhaben mit weiterhin übermässigen Lärmbelastungen für das Wohnquartier wurden mit fadenscheinigen formalen Argumenten abgewiesen. Um die Anwendung der demokratisch festgelegten Rechtsmittel zu vergällen, haben sowohl Stadtrat wie Regierungsrat Gebühren auferlegt, die als eigentliche Bussen bezeichnet werden müssen.

Offenbar hat dieser Staat nur noch den Zweck, Milliardären ihre ungerechtfertigten Boni zu garantieren, ist aber nicht in der Lage, in einem bedeutenden städtischen Wohnquartier mit einem hohen Anteil an genossenschaftlichen Wohnungen die Lebensqualität zu gewährleisten. Nach der durch den Stadtrat mitzuverantwortenden Schliessung der Quartierbibliothek Heuried will die Stadtregierung die Lebensqualität durch den Strassenausbau im Friesenberg offenbar nochmals vermindern!

Zu rügen ist dabei insbesondere auch die Familienheim-Genossenschaft FGZ, welche das Friesenbergquartier massgeblich prägt: ihr ist offenbar die einvernehmliche Zusammenarbeit mit den in Sachen Lärmschutz nicht gerade vorbildlichen Behörden wichtiger als ein Engagement für mehr Lebensqualität im Quartier zugunsten der GenossenschafterInnen.

Weil die von Stadtrat und Regierungsrat auferlegten Bussengebühren für die Benutzung der im Strassengesetz vorgesehenen Rechtsmittel die zumutbare Höhe bereits massiv überschreiten und die ausschliesslich formalen Argumente, die zur Abweisung der Rekurse führten, bei einem Weiterzug kein Mehr an Lärmschutz erwarten lassen, wird auf die Fortführung der Rechtsmittel verzichtet. Allerdings bleibt eine erhebliche Frustration zurück, dass die Behörden von Stadt und Kanton das persönliche Engagement zugunsten ideeler Werte wie dem Ruhebedürfnis geradezu bestrafen und sich dabei gleichzeitig vor der Realisierung ernsthafter Lärmschutzmassnahmen zurückschrecken.

Es ist zu hoffen, dass der rot-grüne Stadtrat von Zürich endlich die erheblichen negativen Folgen des Strassenlärms sowohl in gesundheitlicher, ökologischer und volkswirtschaftlicher Hinsicht anerkennt und zukünftig Projekte ausarbeiten lässt, die in erster Priorität eine Verminderung der Lärmbelastung bewirken, statt neue Lärmachsen in Stil der als Ärgernis anerkannten „Rosengartenstrasse“ zu schaffen.

Eine nachhaltige Stadt ist zwingend eine Stadt mit weniger (Strassenverkehrs-)Lärm!


Nachtrag 18. Mai 2009

„Über 1,3 Mio. Menschen in der Schweiz sind schädlichem Lärm ausgesetzt“ titelt am 18.5.09 das Bundesamt für Umwelt BAFU. 16 % der Bevölkerung sind dies. Und als weiteres Zitat aus der BAFU-Medienmitteilung: „Besonders stark betroffen vom Lärm sind Städte und Agglomerationen: Hier leben 85 % der am Tag von schädlichem oder lästigem Strassenverkehrslärm betroffenen Personen.“ Und genau diese Menschen lässt der Stadtrat von Zürich in Stich, lassen die Zürcher Regierungsräte im Stich, wenn sie Projekte für neue Strassen- und Lärmschneisen durch die Stadt Zürich genehmigen, siehe das Beispiel Schweighofstrasse. Es braucht endlich nicht nur Lärmschutzwände und Erleichterungsanträge, sondern Massnahmen an den Lärmquellen – im Bereich Strassenverkehr die wichtigste: weniger und langsamere Autos!

Erste Fassung 6.11.2008

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Der Zürcher Umweltbericht: erhebliche Defizite in der Umweltpolitik! https://www.umweltnetz.ch/content/der-zurcher-umweltbericht-erhebliche-defizite-in-der-umweltpolitik Tue, 18 Nov 2008 21:27:47 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=356 Am 6. November 2008 habe ich meinen Frust über die Untätigkeit von Zürcher Stadt- und Regierungsrat beim Schutz der Bevölkerung vor Strassenlärm anhand des Beispiels Schweighofstrasse im Zürcher Friesenberg-Quartier dokumentiert. Nicht einmal zwei Wochen später bestätigt der Zürcher Umweltbericht die Berechtigung meiner Frustration: in diesem Bericht werden die erheblichen Defizite der Zürcher Umweltpolitik bei Lärmschutz, … „Der Zürcher Umweltbericht: erhebliche Defizite in der Umweltpolitik!“ weiterlesen

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Am 6. November 2008 habe ich meinen Frust über die Untätigkeit von Zürcher Stadt- und Regierungsrat beim Schutz der Bevölkerung vor Strassenlärm anhand des Beispiels Schweighofstrasse im Zürcher Friesenberg-Quartier dokumentiert. Nicht einmal zwei Wochen später bestätigt der Zürcher Umweltbericht die Berechtigung meiner Frustration: in diesem Bericht werden die erheblichen Defizite der Zürcher Umweltpolitik bei Lärmschutz, Luftreinhaltung und Klimaschutz bestätigt.

Die Exekutiven von Stadt und Kanton Zürich haben im Lärmschutz die vom Gesetz und vom Volk übertragene Verantwortung bis anhin nicht wahrgenommen. Sie erfüllen in diesem Bereich ihre Aufgaben eindeutig nicht. Oder anders: die Lärmschutzpolitik von Stadtrat und Regierungsrat von Stadt und Kanton Zürich ist schlicht ein Flop!

Anhand dieser zwar nicht neuen, aber auf neue bestätigten Erkenntnisse ist es zwingend, dass Stadtrat und Regierungs­rat auf ihre bisherigen Entscheide zum Ausbau zum Beispiel der Schweighofstrasse zurückzukommen und angesichts der offensichtlichen Defizite im Lärmschutz ein neues Projekt zu entwerfen, welches dem Schutz der Menschen vor dem Strassenlärm oberste Priorität einräumt. Es sind dringlich Massnahmen zu ergreifen, welche die Lärmbelastung an der Quelle vermindern, welche also die Geschwindigkeit und Menge des Strassenverkehrs deutlich vermindern – und dies nicht nur wegen des Lärms, sondern auch im Hinblick auf die Luftreinhaltung und den Klimaschutz. Dies führt letztlich zu einer Steigerung der Lebensqualität für die BewohnerInnen der Stadt Zürich.

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