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Fleisch | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Thu, 27 Dec 2012 17:06:24 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 44487214 Wider die Trägheit des sich modern gebenden Menschen: warum es vegetarische und vegane Restaurants und Mensen braucht https://www.umweltnetz.ch/content/wider-die-tragheit-des-sich-modern-gebenden-menschen-warum-es-vegetarische-und-vegane-restaurants-und-mensen-braucht Fri, 28 Sep 2012 08:00:56 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=4004 Auto, Tabak, Fleisch – da werden selbst sich modern gebende Menschen, präzisierend vor allem Männer, zu vorwiegend emotional argumentierenden Steinzeit-Menschen. Es ist definitiv an der Lernfähigkeit dieser sich so modern gebenden Menschen zu zweifeln. Ist die vegane Lebensweise extrem? Ist es extrem, auf die Nutzung von Tieren und tierischen Produkten zu verzichten? „Extrem“ wird immer … „Wider die Trägheit des sich modern gebenden Menschen: warum es vegetarische und vegane Restaurants und Mensen braucht“ weiterlesen

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Auto, Tabak, Fleisch – da werden selbst sich modern gebende Menschen, präzisierend vor allem Männer, zu vorwiegend emotional argumentierenden Steinzeit-Menschen. Es ist definitiv an der Lernfähigkeit dieser sich so modern gebenden Menschen zu zweifeln.

Ist die vegane Lebensweise extrem? Ist es extrem, auf die Nutzung von Tieren und tierischen Produkten zu verzichten? „Extrem“ wird immer dann verwendet, wenn eine Verhaltensweise provoziert, wenn eine Verhaltensweise für die beurteilende Person als nicht machbar erscheint – vegan lebende Menschen kommen quasi als Ausrufezeichen daher, welches vieles, was sich modern gebende Menschen einfach so tun. Der aktuelle Fleischkonsum insbesondere in den reichsten Ländern dieser Erde ist definitiv nicht nachhaltig, der zum Teil damit verbundene Konsum von Milch und Milchprodukten ist aus Nachhaltigkeitssicht als kritisch einzuschätzen. Fleischkonsum ist ein Wohlstandsphänomen – im Wissen darum, dass der Mensch ein Nahrungs-Allrounder ist, aufgrund der „Konstruktion“ des Verdauungstraktes mit einer Betonung der vegetabilen Anteils der Nahrung. Im Gegensatz zur Werbung für Schweizer Fleisch ist Fleisch als ergänzender Teil der Nahrung und und somit als Beilage zu bezeichnen. Aus einer ganzen Reihe von Gründen – von Klimaschutz bis Gesundheit – müssen sich nicht nur Schweizer Männer daran gewöhnen, deutlich weniger Fleisch zu essen – Teilzeit-Vegi muss zum Standard werden. Dazu gehört auch, den Anteil von tierischen Produkten von Milch bis Honig in der Nahrung zu vermindern, und zumindest Nichtnahrungsprodukte (Leder etc) zurückhaltend und dauerhaft zu nutzen.

Mensch müssen sich daran gewöhnen, weniger Fleisch zu essen. Was meint „müssen“? Bedeutet etwa die Forderung nach einer Uni-Kantine mit ausschliesslich vegetarischem und veganem Angebot, dass die Ernährungsweise vorgeschrieben werden soll? Abgesehen davon, dass das Angebot sehr vieler Restaurants eher den Eindruck erweckt, Fleischkonsum sei in diesem Land vorgeschrieben, gibt es derart viele Hinweise, dass der aktuelle Fleischkonsum aus sehr vielen Gründen zu vermindern ist, dass dieses „Muss“ eine ethische Aufforderung im Sinne der goldenen Regel darstellt – dieses „Muss“ appelliert an die Lernfähigkeit und das Verantwortungsgefühl jedes einzelnen Menschen. Vegetarische und vegane Restaurants sind im Übrigen im Trend – wenn vegetarische und vegane Küche die Hauptsache ist, wird dieses Angebot entsprechend sorgfältig gepflegt!

Die Schweizer Fleischlobby hält auf einer Internetseite fest: Der Fleischkonsum [2011] in der Schweiz entwickelte sich erneut positiv. Jede Einwohnerin und jeder Einwohner konsumierte 2011 im Durchschnitt 53,74 kg Fleisch, was einer Zunahme der Gesamtmenge an verkaufsfertigem Fleisch von 0,8% entspricht. Eine solche Entwicklung kann nur mit Blick auf das zynische BIP als positiv betrachtet werden – wenn sich die 0.8% Zunahme pro Jahr fortsetzen, würde sich der Fleischkonsum bis in etwa 80 Jahren verdoppeln! Und das ist mit Sicherheit keine sinnvolle Entwicklung.

Das heisst: es braucht vegetarische und vegane Restaurants, aber insbesondere auch solche Gastronomieangebote, die dieses „Segment“ mindestens so gut pflegen wie ihre Fleisch- und Fischangebote oder den Weinkeller.


Als Ideensammlung für die hauseigene Küche: Rezepte von eaternity

P.S. Ausführungen zu Nachhaltigkeit, Auto und Rauchen …

The post Wider die Trägheit des sich modern gebenden Menschen: warum es vegetarische und vegane Restaurants und Mensen braucht first appeared on umweltnetz.ch.]]> 4004 Noch mehr Teilzeit-Vegis gesucht! https://www.umweltnetz.ch/content/noch-mehr-teilzeit-vegis-gesucht Fri, 04 May 2012 22:11:05 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=3739 58 % der Treibhausgase zur Bereitstellung der Lebensmittel stammen von tierischen Produkten – Fleisch, Milchprodukte, Eier. Der gesamte Lebensmittelbereich ist für rund 30 % der Treibhausgase verantwortlich. Etwa 1/6 der Treibhausgasemissionen stammen aus tierischen Produkten, etwa gleich viel wie aus dem Verkehr (Zahlen von eaternity.ch). Ernährung und Verkehr – das sind die emotionalen Elemente der … „Noch mehr Teilzeit-Vegis gesucht!“ weiterlesen

The post Noch mehr Teilzeit-Vegis gesucht! first appeared on umweltnetz.ch.]]> 58 % der Treibhausgase zur Bereitstellung der Lebensmittel stammen von tierischen Produkten – Fleisch, Milchprodukte, Eier. Der gesamte Lebensmittelbereich ist für rund 30 % der Treibhausgase verantwortlich. Etwa 1/6 der Treibhausgasemissionen stammen aus tierischen Produkten, etwa gleich viel wie aus dem Verkehr (Zahlen von eaternity.ch). Ernährung und Verkehr – das sind die emotionalen Elemente der Klimaschutz-Debatte.

Längst bekannt ist, dass insbesondere der Strassenverkehr übermässig zum Ausstoss von Treibhausgasen aus fossilen Quellen beiträgt – und vor allem: nach wie vor nehmen etwa in der Schweiz die Treibhausgasemissionen aus dem Verkehr zu. Naheliegend wäre es also, dafür zu sorgen, dass weniger Autos unterwegs sind. Gerade in Innenstädten wie in Zürich gibt es angesichts der hervorragenden ÖV-Erschliessung tatsächlich keinen Grund, für den Alltagsverkehr überhaupt das Auto zu benutzen. Die Eröffnung des absolut unnötigen Parkhaus Opéra am Bellevue wurde von der Auto-PR-Lobby wieder einmal als Anlass missbraucht, den hysterischen Parkplatzkompromiss in Frage zu stellen und noch viel mehr Innenstadtparkplätze zu fordern.

Emotional noch heftiger reagieren nicht nur Climate Criminals, wenn mit der Motivation „Verminderung des Treibhausgasausstosses“ angeregt wird, einmal pro Jahr (Stichwort Klimazmittag), allenfalls gar einmal wöchentlich (Stichwort Lyss)absichtlich eine Vegi-Mahlzeit zu geniessen. Teilzeit-Vegis sind also gesucht! „Umerziehungsaktion“, „Zumutung gegenüber dem Bürger“ und in ähnlicher Tonlage tönt es dann jeweils.

Es ist halt schon so: angesichts des massiv übergrossen ökologischen Fussabdrucks, angesichts der nachweislich Nicht-Nachhaltigkeit der aktuellen Lebensweise – siehe etwa den Bericht des Bundes über die nachhaltige Entwicklung 2012 – sind auch Massnahmen erforderlich, die bisherige Gewohnheiten in Frage stellen, Massnahmen auch, die wirtschaftliche AkteurInnen – Metzgereien beispielsweise – zur Modifikation ihrer Geschäftsmodelle zwingt. Was bleibt: Noch mehr Teilzeit-Vegis gesucht!

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Vernunft und Auto, Rauchen, Fleisch, Übergewicht … https://www.umweltnetz.ch/content/vernunft-und-auto-rauchen-fleisch-ubergewicht Sat, 07 Apr 2012 22:21:23 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=3616 Nicht nur die SchweizerInnen weisen einen übermässigen ökologischen Fussabdruck auf – nicht nur SchweizerInnen verstossen in globaler Sicht massiv gegen die goldene Regel der Ethik. Wenn nicht nur SchweizerInnen an konkreten Beispielen auf diesen ungerechten, übermässigen ökologischen Fussabdruck hingewiesen werden, reagieren sie uneinsichtig respektive unvernünftig. Peter Schneider, Psychoanalytiker und regelmässiger Beantworter von LeserInnen-Fragen im Auto-Anzeiger … „Vernunft und Auto, Rauchen, Fleisch, Übergewicht …“ weiterlesen

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Nicht nur die SchweizerInnen weisen einen übermässigen ökologischen Fussabdruck auf – nicht nur SchweizerInnen verstossen in globaler Sicht massiv gegen die goldene Regel der Ethik. Wenn nicht nur SchweizerInnen an konkreten Beispielen auf diesen ungerechten, übermässigen ökologischen Fussabdruck hingewiesen werden, reagieren sie uneinsichtig respektive unvernünftig.

Peter Schneider, Psychoanalytiker und regelmässiger Beantworter von LeserInnen-Fragen im Auto-Anzeiger (früher Tagesanzeiger), lehnt den ökologischen Fussabdruck geradezu kategorisch ab. In erster Linie darum, weil nicht alles, was der Mensch tue, moralisch betrachtet werden müsse – und weil ja Moral letztlich einen Bezug zu ethischen Werten hat, lehnt also Herr Schneider Ethik für den Alltag ab. Damit negiert er letztlich die Erkenntnisse und Errungenschaften der Aufklärung – die Postmoderne als Epoche der hedonistischen Beliebigkeit.

Selbstverständlich gelten auch die Gesetze der Chaostheorie – eine einzelne Autofahrt kann, muss aber nicht, direkt mit dem Hungertod eines Kindes in Afrika zu tun haben. Herr Schneider befürchtet eine Hypermoral, will zwar das Heraufdämmern einer Ökodiktatur nicht heraufbeschwören (was er allerdings genau deshalb trotzdem tut), er schreibt zwar, er plädiere keineswegs dafür, im Umgang mit den Ressourcen die Sau rauszulassen – aber Rezepte für einen klugen Umgang mit dem nachweislich übermässigen ökologischen Fussabdruck nennt er nicht.

Zynismus liegt mir nicht. Da ich eine endliche Zeit auf diesem Planeten verbringe, die Erde in einigen Milliarden Jahren voraussichtlich von der erkaltenden und sich daher ausdehnenden Sonne „aufgefressen“ wird, spielt es ja eigentlich gar keine Rolle, wie sich die Menschen auf diesem Planeten verhalten. Wie gesagt, ich bin kein Zyniker, darum sind diese Aspekte schlicht nicht relevant. Es geht um „Wenn, dann …“-Überlegungen. Es gibt seit längerem plausible Aussagen, die darlegen, dass gerade der übermässige ökologische Fussabdruck der reichsten Länder dieser Erde dazu führt, dass es zu Veränderungen der Lebensbedingungen auf diesem Planeten kommt – Stichwort Mensch gemachter Klimawandel -, welche gesellschaftspolitisch kaum bewältigbar sein dürften. Im Sinne der Vorsorge, zu verstehen als eine Art gesellschaftspolitische Versicherung, wäre es klug, dafür zu sorgen, dass der ökologische Fussabdruck der reichsten Gesellschaften auf dieser Erde deutlich vermindert werden könnte. Da es ein Klima auf der Erde auch ohne Menschen gibt, ist Klimaschutz ganz einfach Menschen-, Gesellschaftsschutz.

Die goldene Regel der Ethik postuliert, anderen Menschen nur das anzutun, was mensch für sich selber akzeptieren würde. Auch wenn es Unsicherheiten über die zu erwartende Entwicklung gibt – Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen -, verlangt die goldene Regel der Ethik zwingend, alles daran zu setzen, Entwicklungen, die gesellschaftspolitisch als nicht bewältigbar betrachtet werden, zu verhindern.

Der ökologische Fussabdruck ist für Menschen in der Schweiz sehr ernüchternd: selbst Menschen, die sich eigenverantwortlich ökologisch bewusst verhalten, liegen mehr oder weniger deutlich über der Schwelle eines als dauerhaft verträglich grossen ökologischen Fussabdruck. Dazu kommt, dass sämtliche Alltagsbereiche zu diesem übergrossen Fussabdruck beitragen – für viele gehören auch lieb gewordene Gewohnheiten dazu.

Die Benutzung des Autos zählt definitiv zu den Bereichen, die in der heutigen Form nicht zukunftsfähig sind. Die Vernunft ist bei Fragen rund ums Auto schon lange abhanden gekommen.

Ein beachtlicher Beitrag zum übergrossen ökologischen Fussabdruck stammt von der „Nahrungskette“: der Verminderung des Konsums von Fleisch, die jahreszeitliche und geographische Komponente (gefordert sind in erster Linie saisonale und lokale Produkte), die Reduktion der weggeworfenen Lebensmittelmenge, die Vermeidung von Übergewicht sind Aspekte, die den ökologischen Fussabdruck verkleinern.

Wird der Fleischkonsum schon nur andiskutiert – zum Beispiel anlässlich des WWF-Klimazmittags – wittern beispielsweise FDP-Politiker bereits „Vorschriften für eine Lebensweise“ oder „Umerziehungsaktionen“. Einmal jährlich gibt es eine solche Klimazmittag-Aktion – wo genau ist da das Problem, ausser in den Köpfen dieser FDP-Politiker?

Übergewicht trägt – schon fast als Symbol – ebenfalls zum übermässigen ökologischen Fussabdruck bei. Übergewicht ist auch eine gesundheitspolitische Herausforderung; viele so genannte Zivilisationskrankheiten werden durch Übergewicht verstärkt oder gar ausgelöst. Ich staune regelmässig über die Vehemenz, mit welcher sich sonst so aufgeklärt und vernünftig gebende Menschen wie etwa Beda M. Stadler für Übergewichtige einsetzen. Auch hier wieder: „kein Übergewicht“ ist keine Garantie für ewiges Leben (das behauptet auch niemand). Ein Leben mit Übergewicht ist durchaus möglich – im Sinne von Szenarien, also „Wenn, dann …“-Überlegungen, heisst die Botschaft auch hier: die Erfahrungen zeigen, dass das Idealgewicht, also „kein Übergewicht“, unter sonst gleichen Umständen zu einem „leichteren“ Leben führt – also analog zum Klimaschutz: mit Klimaschutzmassnahmen wird der Klimawandel gesellschaftspolitisch bewältigbarer.

„Wenn, dann …“-Szenarien dürften zu den rationalsten Instrumenten der Meinungsbildung gehören – oder anders, sie können durchaus einen Lernprozess auslösen. Es ist unverständlich, warum solche Überlegungen überhaupt auf Widerstand stossen! Oder ist es allenfalls so, dass die sich gegen jede Vernunft gegen solche Szenarien Wehrenden Menschen persönliche Interessen verfolgen (beim Beispiel Übergewicht etwa die persönliche Betroffenheit)? Oder ist es eine Überforderung, von Menschen zu erwarten, dass sie in jeder Lebenslage rational und vernünftig reagieren (das gilt durchaus für das Stichwort „Rauchen“ im Titel)?

Auch wenn es viele Ausreden – wenige davon kreativ – gibt: letztlich ist jeder Mensch für das eigene Verhalten selbst verantwortlich! Egal, ob dies dem schlechten Gewissen, der eigenen Moral- und Ethikvorstellung passt oder nicht …

The post Vernunft und Auto, Rauchen, Fleisch, Übergewicht … first appeared on umweltnetz.ch.]]> 3616 Global Goals oder persönliche Willkür https://www.umweltnetz.ch/content/global-goals-oder-personliche-willkur Thu, 29 Dec 2011 23:37:41 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=3333 Selbst eine sich als pluralistisch gebende Gesellschaft braucht ein Minimum an gemeinsamen Zielen, auch wenn diese allenfalls nicht mit sämtlichen individuellen Vorstellungen der Gesellschaftsbeteiligten übereinstimmen. Sehr schnell sind dann selbst Menschen, die von sich behaupten, eine eigene Meinung zu haben, mit Vorwürfen wie „Bevormundung“ (z.B. Juli Zeh im Tages-Anzeiger vom 28.12.2011), „Erziehungsstaat“ (z.B. Norbert Hochreutener … „Global Goals oder persönliche Willkür“ weiterlesen

The post Global Goals oder persönliche Willkür first appeared on umweltnetz.ch.]]> Selbst eine sich als pluralistisch gebende Gesellschaft braucht ein Minimum an gemeinsamen Zielen, auch wenn diese allenfalls nicht mit sämtlichen individuellen Vorstellungen der Gesellschaftsbeteiligten übereinstimmen. Sehr schnell sind dann selbst Menschen, die von sich behaupten, eine eigene Meinung zu haben, mit Vorwürfen wie „Bevormundung“ (z.B. Juli Zeh im Tages-Anzeiger vom 28.12.2011), „Erziehungsstaat“ (z.B. Norbert Hochreutener in Journal21 vom 24.12.2011) oder „weitere Umerziehungsaktionen“ (z.B. die FDP-Gemeinderäte Dr. Urs Egger und Roger Tognella in einer Anfrage an den Stadtrat zum Klimazmittag) zur Hand.

Es hat mir niemand vorzuschreiben, wie ich in die Stadt fahre. – Schweizer Fleisch! Der Rest ist Beilage. – Das Verbot von Glühbirnen ist ein Eingriff in die persönliche Freiheit. – Rauchen in der Öffentlichkeit ist ein bürgerliches Recht. – Wer schön, sportlich und gesund sein will, hat weniger Zeit und Geld, um gute Bücher zu lesen, ins Theater zu gehen und unseren Kindern die beste Bildung zu schenken. – Mit dem PSA-Test kann verhindert werden, dass zahlreiche Männer an Prostatakrebs sterben. – Der PSA-Test ist wenig zuverlässig und kann Komplikationen wie Inkontinenz oder Impotenz zur Folge haben. – Wer kontrolliert eigentlich, was für ein Strom da wirklich als Solarstrom eingespeist und abgerechnet wird?

Diese nur redaktionell bearbeiteten Zitate könnten beliebig vermehrt werden. Unsere Gesellschaft behauptet, eine aufgeklärte Informationsgesellschaft zu sein. Der Satz „Jeder Mensch hat ein Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten.“ von Daniel Patrick Moynihan beschreibt die Problematik der Haltung sehr gut: solche Meinungen müssen tatsächliche eigene Meinungen sein, aber trotzdem auf möglichst vielen und nachvollziehbaren Fakten beruhen.

In der Schweiz gibt es sehr wenige emotionale öffentliche Themen. Gesundheit ist ein solches, ebenso die Ernährung – was objektiverweise Schnittmengen ergibt. Auch das Auto fahren gehört in diesen emotionalen Komplex.

Schweizer Fleisch! Der Rest ist Beilage. ist ein Werbespruch von Proviande, der Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft. „Fleisch und Wurstwaren eher zurückhaltend“ ist die Empfehlung der Ernährungsfachleute. Nun, die Werbekampagne für Fleisch hat Erfolg: pro Person wurde im Jahr 2010 2.3 % mehr Fleisch gegessen als 2009, etwas mehr als ein Kilogramm pro Woche, während Ernährungsfachleute 300 bis 600 Gramm empfehlen. Dass auch Milchprodukte und Eier mit Fleisch zusammenhängen, ist klar, und dass es eine Vielzahl weiterer Gründe für einen mässigen Fleischkonsum gibt, ebenso (siehe etwa Gesucht. Teilzeit-Vegis!). Mit einigen weiteren Faktoren ist die Ernährung eine prägende Bestimmungsgrösse der sogenannten Zivilisationskrankheiten. Die Frage ist ganz einfach: gehört es zu den Rechten der Menschen in einer Gesellschaft, sich so zu verhalten, dass diese Zivilisationskrankheiten mit einer hohen, individuell unterschiedlichen Wahrscheinlichkeit auftreten? Oder ist es gerade in einer aufgeklärten Informationsgesellschaft selbstverständlich, dass die Beteiligten mit einem bunten Strauss von Massnahmen – von Information und Motivation über Anreize bis zu Vorschriften – in ihrem Wohlergehen unterstützt werden?

Der Hinweis auf Proviande ist keinesfalls zufällig – ich hätte auch auf die immensen Anstrengungen der Tabakindustrie zur Verhinderung von Rauchverboten und abschreckenden Zigarettenpackungen hinweisen können. Es ist davon auszugehen, dass bei vielen derartigen Fragestellungen in erster Linie aus Marktinteressen von einer Vielzahl von Interessengruppen die Fakten zumindest zurechtgebogen wenn nicht gar hochgradig manipuliert werden. Wer „das bisschen Übergewicht“ nicht weiter dramatisch findet, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Opfer der direkten und indirekten Marketinganstrengungen der Nahrungsmittelindustrie geworden! Aus der behaupteten „Bevormundung“ wird also einAkt des KonsumentInnenschutzes.

„Global denken, lokal handeln“ gehört zu den erfolgsversprechenden Ansätzen für die Lösung globaler Probleme in demokratischen Gesellschaften. „Lokal“, damit ist letztlich jede einzelne Person gemeint; gefordert ist also zivilgesellschaftliches Handeln. Persönliche Willkür – welche sich durchaus etwa aus Marketing- und anderen Manipulationsansätzen ergibt – kann Erkenntnissen über die Handlungsnotwendigkeit im Wege stehen.

Dass etwa Vorschriften über den Speisezettel eines Menschen aufgestellt werden, ist kaum vorstellbar. Andererseits kann es auch nicht angehen, dass ein erheblicher Teil der Menschen – in direkter Kooperation mit der Nahrungsindustrie – wissenschaftlich akzeptierte Ernährungsgrundsätze ignoriert.

Die beiden Zitate zum PSA-Test illustrieren ebenfalls diese Problematik. „Wissen ist Macht“ – auch dies gehört zur Informationsgesellschaft. Bei der vom „Swiss Medical Board“ in Gang gebrachten Diskussion ist davon auszugehen, dass es auch um erhebliche finanziellen Interessen geht. Dazu passt einmal mehr das amerikanische Tea Party-Beispiel zum Klimawandel: selbst wenn man sich dazu durchringen könnte, einzusehen, dass es einen Mensch gemachten Klimawandel gibt, wären Klimaschutzmassnahmen nicht angezeigt. Denn: erstens lässt sich weiterer Profit aus dem Verkauf fossiler Energien ziehen – zweitens sind gemäss den Untersuchungen von Nicolas Stern Klimawandelfolgenanpassungsmassnahmen fünf mal teurer als Klimaschutzmassnahmen, und dürften damit eine stärkere Zunahme des BIP zur Folge haben. Im übrigen eine Argumenation, die nicht nur in Europa von einem überwiegenden Anteil der Bevölkerung als ausgesprochen zynisch interpretiert wird.

Die eigene Meinung ist zwar ein guter Ansatz. Was allerdings z.B. Juli Zeh, Norbert Hochreutener, Urs Egger oder Roger Tognella (siehe einleitender Absatz dieses Blogbeitrags) betreiben, kann nicht wirklich als eigene Meinung verstanden werden, weil sich diese Positionen nicht oder nicht ausreichend umfassend an den Fakten orientieren.

Die aufgeklärte Gesellschaft erfordert die bedingungslose Berücksichtigung der Goldenen Regel der Ethik, etwa in der Interpretation des Kantschen Imperativ: tue andern nur das an, was Du bereit bist zu akzeptieren, wenn andere es Dir antun. Ich bin sehr gespannt, wie jener Online-Stammtischler, der den Satz Es hat mir niemand vorzuschreiben, wie ich in die Stadt fahre. im Internet plaziert hat, die goldene Regel der Ethik nicht nur bei diesem Beispiel interpretiert.

Zur Abrundung: Frau Juli Zeh sieht zwar bei den Stillempfehlungen und den Ernährungs- und Bewegungs-Ratschlägen zum idealen Körpergewicht bevormundende Ansätze, verteidigt aber das Impfobligatorium – obwohl es auch bei diesem Thema Menschen gibt, die ein solches – etwa wegen der Bevormundung, aber auch mit sachlichen Argumenten – ablehnen. Ein Beweis mehr für die individuelle Willkür der Argumentation von Frau Zeh …

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Gesucht: Teilzeit-Vegis https://www.umweltnetz.ch/content/gesucht-teilzeit-vegis Fri, 15 Jan 2010 21:31:21 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=1638 Die Bereitstellung der Lebensmittel für die wachsende Zahl von Menschen stellt eine erhebliche Umweltbelastung dar, die mit beiträgt zum Mensch gemachten Klimawandel. Die Bevorzugung regional produzierter und saisongerechter Nahrungsmittel, der biologische Landbau und die vegetarische Lebensweise werden in Energiespar- und Klimaschutz-Tipps-Sammlungen regelmässig empfohlen. Der Journalist Hanspeter Guggenbühl hat 2008 in einem Artikel mit dem Titel … „Gesucht: Teilzeit-Vegis“ weiterlesen

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Die Bereitstellung der Lebensmittel für die wachsende Zahl von Menschen stellt eine erhebliche Umweltbelastung dar, die mit beiträgt zum Mensch gemachten Klimawandel. Die Bevorzugung regional produzierter und saisongerechter Nahrungsmittel, der biologische Landbau und die vegetarische Lebensweise werden in Energiespar- und Klimaschutz-Tipps-Sammlungen regelmässig empfohlen.

Der Journalist Hanspeter Guggenbühl hat 2008 in einem Artikel mit dem Titel „Wie Kalorien verpuffen“ Details zur Energiebilanz der schweizerischen Nahrungsmittelversorgung dokumentiert. Um die 2’700 kcal bereitzustellen, die ein Mensch in der Schweiz im Durchschnitt täglich benötigt, braucht es 16’000 Nahrungskalorien! Über 60 % davon gehen auf dem Umweg über tierische Mägen verloren, dies gilt sowohl für Fleisch wie auch für Milchprodukte und Eier. Rund 150 Gramm Fleisch ass die durchschnittliche Schweizerin, der durchschnittliche Schweizer im Jahre 2008. Ein Originalzitat aus dem Artikel von Hanspeter Guggenbühl: 700 kcal enden als Speisereste im Abfall oder als überflüssiges Fett im Wanst. Übrigens: an der gesamten täglichen Essensration (also sowohl die tatsächlich nötigen, aber auch die „weggeworfenen“ und zu viel gegessenen Kalorien) machen Nahrungsmittel tierischen Ursprungs rund 30 % aus.

In Deutschland macht es sich derzeit Ilse Aigner, Landwirtschaftsministerin, ziemlich schwer, siehe zum Beispiel ein Artikel aus der Süddeutschen Zeitung. Zunehmend kryptisch äussert sie sich zum Thema Fleischkonsum und Klimaschutz. Nicht weiter verwunderlich: die „Fleischlobby“ ist ziemlich mächtig, nicht nur in Deutschland.

Ich ernähre mich seit längerer Zeit vegetarisch, allerdings zusammen mit Milchprodukten und Eiern, sehr selten Fisch. Persönlich habe ich weder geschmacklich noch haptisch Fleisch als Genuss wahrgenommen. Ich zweifle nicht daran, dass im Gegensatz dazu für viele Menschen der Fleischgenuss unverzichtbar ist. Ebenso weiss ich selbstverständlich, dass meine vegetarische Lebensweise bis zu einem gewissen Grad Augenwischerei ist: das Fleisch der Milch- und EierproduzentInnen-Kette steht darum nicht auf meinem Speisezettel, weil im Durchschnitt übermässig Fleisch konsumiert wird. Oder anders: die Schweiz ist nun mal auch ein Grasland, und Rinder, Schafe und Co. sind eine der wenigen möglichen Verwertungsmöglichkeiten dieses Rauhfutters; möglicherweise gäbe es Alternativen Richtung Energierohstoff oder als Dämmmaterial. Wobei: in der Tendenz ist es sinnvoll, auch den Milchprodukte- und Eierkonsum zugunsten pflanzlicher Lebensmittel zu vermindern.

In der Konsequenz heisst dies: es ist aus Sicht des Klimaschutzes sehr bedeutungsvoll, wenn sich Menschen für eine Lebensweise als Teilzeit-Vegis entscheiden, zum Beispiel zu Beginn nur noch jeden zweiten oder gar dritten Tag Fleisch zu sich nehmen. Dies ermöglicht auch die erforderlichen Anpassungsschritte bei der „Fleischlobby“.

Vegetarisch heisst nicht, „einfach“ das Fleisch auf dem Menuplan wegzulassen. Fleisch enthält durchaus auch wichtige, sogar überlebenswichtige Nahrungsbestandteile. Teilzeit-Vegis haben in dieser Hinsicht keine oder kaum Probleme, eine ausschliesslich vegetarische Ernährung erfordert einen bewussten Umgang mit der Versorgung einzelner Vitamine. Die Rezeptsammlungen für vegetarische Mahlzeiten sind sowohl im Internet wie in den Buchhandlungen sehr umfangreich; im Gegensatz zu noch vor wenigen Jahren ist auch mindestens ein vegetarisches Menu in den meisten Restaurants eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Vielleicht helfen zu Beginn auch „fleischähnliche“ Ersatzprodukte – diese sind aber nicht zwingend erforderlich.


Dieser Text ergab sich einerseits aus den neckischen Artikeln um Frau Aigner (siehe oben), andererseits aber auch aus den absurden Diskussionen, zum Beispiel in den 400-Zeichen-Stammtischen, über das in der neuen Polizeiverordnung der Stadt Zürich vorgesehene Verbot von mitgenommen Privat-Grills in Parkanlagen – mit der Alternative festinstallierte Grill. Auch wenn es klar ist, dass die Kombination von GrillFEUER und FLEISCH steinzeitliche Emotionen bei vielen Menschen auslöst: warum ums Himmels willen muss der Fleischkonsum zum Beispiel in Seenähe damit verbunden sein, mit Einweggrills Brandlöcher in den gepflegten Rasen zu brennen und die gesamte Umgebung mit Bratwurst-Smog zu verpesten? Ein reichhaltiger Couscous-Salat beispielsweise bietet ähnlichen Genuss 😉

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