Auch die Produktion von Solarstromanlagen (genauer der PV-Module) hat sehr viel mit Fair Trade – und damit Nachhaltigkeit – zu tun.
Sollen KonsumentInnen nun Textilprodukte aus Bangladesh (und damit auch aus anderen Ländern ohne faire Produktionsbedingungen) boykottieren? Die Antwort ist weder ja noch nein. Offensichtlich ist, dass solche Textilprodukte eine gewisse Wertschöpfung in den Produktionsländern zur Folge haben. Allerdings: ein Artikel von Urs P. Gasche in infosperber dokumentiert: selbst eine Verdoppelung der Löhne in Bangladesh würde T-Shirts etc in deutschen Läden um höchstens 10 Prozent verteuern. Als erste Antwort: wenn Textilien ein glaubwürdiges Fair Trade-Label tragen, ist es zumindest akzeptabel, solche Kleidungsstücke aus Bangladesh zu kaufen und zu tragen.
Die zweite Antwort ist etwas komplexer: 75 % des Ladenpreises eines Kleidungsstückes machen die Aufwändungen des Detailhandels und der Werbung aus – „Dienstleistungen“ also, die im Land der KäuferInnen erbracht werden – ganze 14 Prozent entfallen auf die Produktionskosten, während Steuern und Transport (dank den lügenden Transportkosten= „nur“ 11 % ausmachen. Damit wird ein zentraler Aspekt der aktuellen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik erkennbar: wohlhabende Staaten sind vor allem deshalb wohlhabend, weil der gesamte Arbeitszeitaufwand für die produzierende Wirtschaft minimiert und der Dienstleistungsanteil maximiert wird! Wenn mit den Argumenten der Entwicklungspolitik von Boykott von Produkten in Bangladesh abgeraten wird, ist dies eindeutig als nicht-nachhaltige Empfehlung zu betrachten. Denn: die nicht fair behandelten Arbeitskräfte in Bangladesh konkurrenzieren mit mindestens ebenso unfair behandelten Arbeitskräften in anderen Billiglohngebieten, sie konkurrenzieren immer häufiger auch mit Produktionsrobotern – sie konkurrenzieren nicht mit den im Dienstleistungsbereich arbeitenden Menschen in den wohlhabenden Ländern! Wohlhabende Länder sind in der Regel demokratische Rechtsstaaten mit funktionierenden Institutionen, mit durchgesetzten arbeits- und umweltrechtlichen Vorgaben – die Frage ist dabei, ob dieser Wohlstand damit zusammenhängt, dass die Menschen, die für die Wohlhabenden produzieren, nicht fair behandelt werden! Dazu kommt – das gilt sowohl für Bekleidung wie IKT, allenfalls auch für PV-Module: da diese Produkte einen modischen Anteil haben, gehört die geplante Obsoleszenz mit zu den nicht-nachhaltigen Aspekten!
“Designed somewhere in Europe or US – Assembled in an Eco- and Social Dumping Country” – das gilt für die Textilprodukte genau so wie für IKT-Produkte und damit auch Photovoltaik-Module. Die aktuellen Debatten über Anti-Dumping-Zölle bei chinesischen PV-Produkten zum Schutz der Reste der deutschen PV-Industrie haben letztlich den gleichen Hintergrund wie die Debatten über faire Textilien. Die arge Luftverschmutzung in China, die nachweislich unmenschlichen Arbeitsbedingungen und der tiefe Demokratieindex (2011: 3.14, (=Autoritäres Regime), Maximalwert für vollständige Demokratien: 10) führen direkt zu tiefen Produktionskosten, was bei Öko- und Sozialdumping zu erwarten ist.
P.S. Gleichzeitig ist darauf hinzuweisen, dass diese offensichtlichen Dumping-Preise nicht allein ausschlaggebend sind für die Zukunftschancen der deutschen PV-Industrie. Noch im Oktober 2012 hat Thomas Kubr von Capital Dynamics am NZZ-«Equity» Cleantech Day im Bereich der erneuerbaren Energien „lohnende Investments, um auf eine durchschnittliche Rendite von 10% bis 14% zu kommen“ gefordert – das sind Renditen, die im Kleinkreditgeschäft als wucherisch (oder eben abzockend) gelten! Zu beachten ist auch der massiv marktverfälschende Effekte der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV, welche Subventionitis-Gelder an falsche Orte fliessen lässt.
Fazit: Kleider, Computer, Tablets, Smartphones, PV-Module etc aus Öko- und Sozialdumping-Ländern sind akzeptabel, wenn sie ein anerkanntes und unabhängig geprüftes Label tragen. An der Suffizienz, an „All you need is less“ führt nichts vorbei – und dazu braucht es das bedingungslose Grundeinkommen für alle!
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Die Diskussion über dieses Thema beginnt schon bei der Frage, wie Bussen, die sich aus der Kontrolle des ruhenden Verkehrs (der „Stehzeuge“) vom Individuum interpretiert werden. Solange beispielsweise verbotenes Parkieren schon fast als Volkshobby bezeichnet werden muss, besteht gegenüber derartigen Kontrollorganen bereits „Generalverdacht“.
Wie immer macht auch der Tages-Anzeiger brav mit, wenn es darum geht, das Zechpreller-Süppchen der $VP am Köcheln zu halten. Was haben etwa die Uniformen der Stadtpolizei-Abteilung „Kontrolle ruhender Verkehr“ mit den Uniformen von Securitas (jederzeit nominierbar für den noch zu erfindenden Faule-Himbeeren-Preis „schlechtest aussehende Arbeitsbekleidung“), mit jenen der SBB-ZugbegleiterInnen, den Mitarbeitenden der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) oder den Uniformen der Swiss-Arbeitenden zu tun? Das weiss wahrscheinlich nicht einmal TA-Mitarbeiter Daniel Schneebeli. Aber er vergleicht laufend Preise, mal mit, mal ohne Schuhe, mal mit vier, dann mit fünf Polohemden. Der Artikel hat etwa die gleiche informative Wirkung wie das $VP-Parteiprogramm, schlicht KEINE.
Ganz sachte wird dies im letzten Satz angetönt, als Herr Schneebeli nur gerade eine Schätzung des Preises der Swiss-Uniform präsentieren kann. Da steht nämlich folgender Satz: … bei der Beschaffung der Bekleidungen [standen] nicht die kurzfristigen Ausgaben im Zentrum: «Bei besserer Qualität können wir mehr als ein Viertel der Kosten sparen.» Aha, haben dies wohl die Damen und Herren GemeinderätInnen bei ihrem Entscheid berücksichtigt? Nicht die Anschaffungskosten allein bestimmen, ob ein Uniformenset günstig ist, sondern die sogenannten Life Cycle Costs, also die gesamten Kosten vom Einkauf bis zur Entsorgung! Wie dauerhaft sind die Uniform-Stücke, wie schnell sieht man die Spuren der Arbeit und die Spuren der Textilpflege?
Die Stadt Zürich betreibt eine nachhaltige Beschaffungspolitik – Kinderarbeit, Sozialdumping und dergleichen sind ausgeschlossen (zum Thema: Fair Fashion der Erklärung von Bern). Interessanterweise sind in der stadträtlichen Weisung keinerlei Aspekte zur Nachhaltigkeit der Bekleidung für die Stadtpolizei-Abteilung ruhender Verkehr enthalten – auch der Artikel im Tages-Anzeiger enthält (bis auf den Langlebigkeitsaspekt bei den Swiss-Uniformen) keinerlei Ausführungen zur Nachhaltigkeit.
Festzuhalten ist zudem: die Stadtpolizei hat sich von der Firma „Fashion-Design & Consulting“ aus Rüti/ZH beraten lassen. Wenn nun die Gemeinderatsmehrheit hier sparen will, kann dies nur zwei Dinge bedeuten: entweder hat diese Privatfirma die Stadt Zürich übervorteilen wollen – wenn dem nicht so ist, stellt die sparende Mehrheit ihre politische Weisheit über die Fachkompetenz der Branche. Beide Begründungspfade sind für weder für die Mehrheit der Parteien noch für die Branche schmeichelhaft. Zur Betonung: offenbar verursachen die Firmen der Privatwirtschaft regelmässig Schwierigkeiten im Umgang mit der öffentlichen Hand!
Einmal mehr hat also die Politik ihre Weisheit über einen fachlich begründeten Antrag gestellt – „Geiz ist geil“ oder „absolute Beliebigkeit“ lässt grüssen.
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Viele Kleider werden in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft werden alles andere als sauber und fair produziert: Ausbeutung, Repressionen und Umweltzerstörung gehören leider zum Business as usual.
Dabei ist faire Bekleidung möglich, zum Beispiel, wenn sie nach den Kriterien der Fair Wear Foundation hergestellt werden.
Um diesen Standard zu fördern, hat die Erklärung von Bern eine Petition zuhanden der Modebranche lanciert. Jede Unterschrift ist ein Mosaiksteinchen mehr für (wirklich) saubere und faire Bekleidung!
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