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Sprache | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Sun, 03 Nov 2013 00:33:37 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 44487214 Medien: bitte mehr sprachliche Sorgfalt https://www.umweltnetz.ch/content/medien-bitte-mehr-sprachliche-sorgfalt Sat, 02 Nov 2013 22:51:26 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=5560 „Wenn die Katholiken kommen, herrscht Stossverkehr“, „Das Weinland wird nicht zum Gas-Eldorado“ – zwei Titel aus zwei Internet-Meldungen von heute. Einmal mehr Beispiele für einen unsorgfältigen Umgang mit der Sprache. Allerheiligen ist ein katholischer Feiertag – für die Mehrheit der Menschen, die in Kantonen, die früher mehrheitlich katholisch waren, arbeiten, sind dies arbeitsfreie Tage. Es … „Medien: bitte mehr sprachliche Sorgfalt“ weiterlesen

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„Wenn die Katholiken kommen, herrscht Stossverkehr“, „Das Weinland wird nicht zum Gas-Eldorado“ – zwei Titel aus zwei Internet-Meldungen von heute. Einmal mehr Beispiele für einen unsorgfältigen Umgang mit der Sprache.

Allerheiligen ist ein katholischer Feiertag – für die Mehrheit der Menschen, die in Kantonen, die früher mehrheitlich katholisch waren, arbeiten, sind dies arbeitsfreie Tage. Es ist tatsächlich so: an solchen Tagen sind in der Stadt Zürich mehr Autos mit Nummernschildern aus katholischen Gebieten zu sehen. In diesen Autos sind nicht nur katholische Männer unterwegs! Im als katholisch geltenden Kanton Zug beispielsweise deklarieren sich gemäss den Ergebnissen der Strukturerhebung 2010 des Bundes 55 Prozent der dort lebenden über 15-jährigen Menschen als zur römisch-katholischen Konfessionsgemeinschaft zugehörig, dabei handelt es sich definitiv nicht nur um Männer. Statistisch betrachtet sitzen also nur in 11 von 20 Autos mit ZG-Schild Menschen, die sich mehr oder weniger ausgeprägt zur römisch-katholischen Konfessionsgemeinschaft zählen. Es gibt darüber hinaus Menschen mit Wohnsitz im Kanton Zug, die in Zürich arbeiten und den Arbeitsweg mit dem Auto zurücklegen – deren Anwesenheit in Zürich hat also nicht sehr viel damit zu tun, dass sie „katholisch“ als Konfessionszugehörigkeit angeben. Und dann gibts noch jene, die in einem mehrheitlich reformierten Kanton wohnen, aber in einem „katholischen“ Kanton arbeiten – diese haben an einem solchen Tag ebenfalls arbeitsfrei, und könnten hypothetisch ebenfalls nach Zürich fahren, auch wenn sie nicht katholisch sind.

Ein kurzer Blick in die Daten des Parkleitsystems der Stadt Zürich zeigt, dass der Auslastungsgrad von sieben Innenstadtparkhäusern mit gegen 2000 Parkplätzen am Nachmittag und frühen Abend am katholischen Feiertag Allerheiligen etwa um 12 Prozent höher ist als am „Normalfreitag“ 25.10.2013. Etwa 12 Prozent mehr Verkehr also – und das soll bereits Stossverkehr sein? Und warum wird nur dem Zusatzverkehr die Stossverkehr auslösende Wirkung zugeschrieben? Eine weitere sprachliche Unsorgfalt!

dyerware.com

„Eldorado“, Wunschort, goldener Ort, so wird dieses Wort gemäss Duden verstanden. Im bereits privilegierten Weinland, diesen Eindruck will der Artikel vermitteln, würden durch einen allfälligen Fund von Erdgas goldige Zeiten anbrechen. Tatsache ist allerdings, dass Bohrungen nach fossilen Rohstoffen zu erheblichen Belastungen für Mensch und Umwelt führen können – das eher kleine und bereits ausgenutzte Erdgas-Vorkommen in Finsterwald kann kaum als typisches Beispiel betrachtet werden, insbesondere im Vergleich mit den Fracking-Erfahrungen aus den USA, dokumentiert im Film Gasland. Wird zudem noch berücksichtigt, dass bei der Förderung und Verbrennung von Erdgas Treibhausgase entstehen, ist die Verwendung des Begriffs Eldorado unsorgfältig, wenn nicht gar polemisch.

The post Medien: bitte mehr sprachliche Sorgfalt first appeared on umweltnetz.ch.]]> 5560 Amüsante Sprachen-Differenz https://www.umweltnetz.ch/content/amusante-sprachen-differenz Mon, 18 Oct 2010 21:35:11 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=2122 Zwei Sprach- und Sprechakteure haben in den letzten Tagen beste Unterhaltung geboten, und zwar im Auto-Anzeiger, früher Tagesanzeiger. Den Beginn machte Peter von Matt mit dem von ihm verfassten Text „Der Dialekt als Sprache des Herzens? Pardon, das ist Kitsch!“ – Pedro Lenz reagierte darauf in einem Interview mit dem Titel „Schweizer haben in Deutschland … „Amüsante Sprachen-Differenz“ weiterlesen

The post Amüsante Sprachen-Differenz first appeared on umweltnetz.ch.]]> Zwei Sprach- und Sprechakteure haben in den letzten Tagen beste Unterhaltung geboten, und zwar im Auto-Anzeiger, früher Tagesanzeiger. Den Beginn machte Peter von Matt mit dem von ihm verfassten Text „Der Dialekt als Sprache des Herzens? Pardon, das ist Kitsch!“ – Pedro Lenz reagierte darauf in einem Interview mit dem Titel „Schweizer haben in Deutschland eine Sprachbehinderung„. Es handelt sich dabei sicher um deutlich unterschiedliche Positionen, beide Positionen enthalten bedenkenswerte Aspekte – aber so individuell wie die eigene Sprache, so unterschiedlich dürfte auch die Reaktion der LeserInnen ausfallen.

Ein deutlich unterschiedlicher Aspekt: Peter von Matt schreibt, dass die Muttersprache [in der Deutschschweiz] Deutsch in zwei Gestalten ist: Dialekt und Hochdeutsch. Pedro Lenz demgegenüber hält fest, dass die gesprochene Muttersprache die die Mundart ist. Hochdeutsch sei angelernt, sei also eine Fremdsprache. Der Feinheit halber: Lenz zitiert von Moos somit nur bedingt richtig, wenn er anführt, von Moos spreche von zwei Muttersprachen.

Wenn Pedro Lenz SchweizerInnen eine Sprachbehinderung zubilligt, so gilt vorerst der schon fast zynische Spruch, behindert sei man nur, wenn man sich behindern lasse: zumindest in der Sprache geht es auch um ein gesundes Mass an Selbstvertrauen. Pedro Lenz führt als Beispiel für diese Sprachbehinderung Ueli Maurer an, wenn er mit deutschen Kollegen (also Exekutivmitgliedern auf Bundesebene) debattieren müsse. Nun, da Herr Maurer ja bekanntlich Museumsdirektor einer mittelalterlichen Sicherheitsauffassung ist, scheint dieser Vergleich eher untauglich – bei Doris Leuthard oder auch bei Neu-Bundesrätin Simonetta Sommaruga, um nur zwei andere Mitglieder des Bundesrates zu nennen, käme niemand auf die Idee, diesbezüglich Vorbehalte anzubringen. Sprachliche Eloquenz ist nicht eine Frage der Anzahl Muttersprachen oder ihrer Erscheinungsformen!

Zwei- oder gar dreisprachig aufwachsende Kinder seien im Vorteil für den Erwerb zusätzlicher Sprachkenntnisse – aus dieser Sicht wäre eher die Position von Pedro Lenz zu bevorzugen. Andererseits ist die Ernsthaftigkeit des Spracherwerbs von grosser Bedeutung – da wäre Peter von Matt zuzustimmen, dass die Muttersprache in zwei Erscheinungen Platz lässt etwa für Früh-Englisch, -Französisch oder -Italienisch. Allerdings steht der Spracherwerb in Konkurrenz mit anderen schulischen Fähigkeiten – der frühere Zürcher Bildungsdirektor Ernst Buschor etwa meint, die Mathematik-Fähigkeiten der SchülerInnen hingen direkt mit der Anzahl Mathematik-Stunden zusammen (was dann wiederum zu einer guten Pisa-Plazierung führe – respektive zu besseren Zahlenakrobatikfähigkeiten der Banker, VersicherungsspezialistInnen, Ingenieurinnen – siehe dazu die Fussnoten).

Aus eigener Erinnerung: „Fremd“ waren die Sprache der Mittagsnachrichten, die Texte in den Zeitungen, in den Büchern nicht, aber sie waren auch nicht Muttersprache – ganz genau gleich wie (aus der Sicht des Zugerlandes) die Sprache der Grosseltern, Onkel, Tanten, Cousinen aus dem Bernbiet. Weder Muttersprache noch Fremdsprache also – mit der Erfahrung, dass auch das Verstehen wollen wichtig ist, dass dazu die Rückfrage gehört, wenn etwas nicht verstanden worden ist, dass auch ein „Fehler“ drin liegt, weil die wohlwollende Verbesserung einen grossen Lerneffekt hat. Und dass – wie zu den Menschen – auch zur Sprache die Ecken und Kanten gehören. Helvetismen gehören zur Sprache, es gilt ähnliches für die verschiedenen Regionen in Deutschland und in Österreich (heissen tun diese Austriazismen und Teutonismen, was für Wörter 🙂 )- oder, wie dies Peter von Matt an einigen Beispielen der Dialekte illustriert, auch innerhalb des deutschschweizer Sprachraums. Zentral bleibt, auch dies unabhängig von der Frage Mutter- oder Fremdsprache: es braucht den Willen zur Verständigung, zum gegenseitigen Austausch. Esperanto – für alle Menschen Fremdsprache – hat es bis jetzt nicht geschafft, zur internationalen Verständigungssprache zu werden – trotzdem darf Sprache keine Barriere sein, wenn es darum geht, Hoffnung, Verständigung, Frieden und Freiheit in diese Welt zu tragen, so wie es eine Inschrift auf dem Esperanto-Platz in Graz illustriert:

Darum: die sprachlichen Differenzen von Peter von Matt und Pedro Lenz sind amüsante Unterhaltung – sie sollen aber nicht davon ablenken, dass die Sprache – gesprochen und geschrieben – das Medium für Verständigung und Austausch zwischen Menschen ist – hoffentlich auch in Situationen, in denen sie sich (noch) nicht verstehen. Denn: Fäuste (statt Worte) führen zu Verletzungen!


Fussnote 1: Dazu wird folgende Story erzählt: Lehrer M. gibt die Mathematikprüfung zurück und sagt dazu: 70 % der SchülerInnen und Schüler dieser Klasse haben das Prozentrechnen immer noch nicht begriffen. Da meldet sich Schüler X: Ja, Herr Lehrer, sind wir dann überhaupt so viele in unserer Klasse?

Fussnote 2: Und da hat sich auch noch Künstler und Philosoph Felix Stoffel zu Wort gemeldet, welcher ein ganz einfaches Rechenschema zur Ermittlung von Primzahlen erster und zweiter Ordnung veröffentlichte. Denn: die Arbeit mit Primzahlen sei ein geeignetes Mittel zum Zweck der Installation eines neuen Weltbildes, dass seiner Meinung nach längst überfällig ist, um den technologischen Sprung in die Zukunft zu ermöglichen. Das heisst: neben Sprachen und Mathematik braucht der/die SchülerIn auch noch mehr Kunst und Philosophie – kein Problem, der Tag hat bekanntlich 24 Stunden, und wenn dies nicht reicht, kann man ja auch noch die Nacht dazu nehmen.

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Gross- und Kleinschreibung https://www.umweltnetz.ch/content/gross-und-kleinschreibung Thu, 20 Aug 2009 20:39:28 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=671 Die deutsche Sprache hat sehr viele Regeln zur Gross- und Kleinschreibung. Sie dienen häufig dazu, dass Texte verständlicher werden. Und manchmal trägt es zur Erheiterung bei, vielleicht auch zur Nachdenklichkeit, wenn Gross und Kleinschreibung etwas anders interpretiert werden – wie hier bei einer immer wachsenden Wortsammlung. aprilschERZ – mehr dazu kantonSPARlament – wird darum in … „Gross- und Kleinschreibung“ weiterlesen

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Die deutsche Sprache hat sehr viele Regeln zur Gross- und Kleinschreibung. Sie dienen häufig dazu, dass Texte verständlicher werden. Und manchmal trägt es zur Erheiterung bei, vielleicht auch zur Nachdenklichkeit, wenn Gross und Kleinschreibung etwas anders interpretiert werden – wie hier bei einer immer wachsenden Wortsammlung.

aprilschERZ – mehr dazu

kantonSPARlament – wird darum in Parlamenten soviel über das Sparen parliert?

verschWINDen – vom Winde verweht

verpfLICHTung

geschWINDigkeit

scHAUSpieler

tranSPARenz

ermögLICHT

regierungSPARtei

genussGRÜNde

kaSPAR villiger – Der frühere Spar-Bundesrat

DIESELbe

geburtstagSPARty

duBIOs

anATOMie

sECOndas

SPARgel

SigNATURen

SchlafgeWOHNheiten

cablECOm


Zur Abwechslung: Laaaaangwörter

Rolltreppentempoprobleme 24 Zeichen (Quelle)

Führerscheinprüfungsproblemzone 31 Zeichen (Quelle)

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Schiefe Sprachbilder https://www.umweltnetz.ch/content/schiefe-sprachbilder Tue, 17 Mar 2009 19:45:58 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=644 Uetliberg-Hotelier geht mit Wintergarten vor den Richter – titelte der Auto-Anzeiger, früher Tages-Anzeiger vom 17. März 09. Stellen Sie sich das mal bildlich vor: Ein Wintergarten ist ja eine Immobilie, also muss man das Ding abreissen, wenn man damit zum Richter gehen möchte (wobei es dabei um einiges an Material geht, man also eher hinfahren … „Schiefe Sprachbilder“ weiterlesen

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Uetliberg-Hotelier geht mit Wintergarten vor den Richter – titelte der Auto-Anzeiger, früher Tages-Anzeiger vom 17. März 09. Stellen Sie sich das mal bildlich vor: Ein Wintergarten ist ja eine Immobilie, also muss man das Ding abreissen, wenn man damit zum Richter gehen möchte (wobei es dabei um einiges an Material geht, man also eher hinfahren muss). Aber Herr Fry will ja eigentlich zum Richter, damit er den (im übrigen illegal erstellten) Wintergarten gerade eben nicht abreissen muss! Nur schon das „mit“ durch „wegen“ ersetzt, und die Sache ist sprachlich nicht mehr ironisch.

Sprache soll und muss lebendig sein, darf und kann sich verändern, aber die SprachanwenderInnen sollten bei der Benutzung von Bildern sehr vorsichtig sein. „Wann rollt Haltiners Kopf“ hiess es vor einiger Zeit. Wer mit Google im Internet nach dem Sätzchen „bei der ubs müssen köpfe rollen“ sucht, findet ungefähr 16’400 Ergebnisse (früher hiess die „Treffer“).

„Köpfe rollen“, dies bedeutet nicht anderes, als dass die Menschen mit Gewalt getötet wurden, geköpft, um einen Kopf kürzer gemacht, …

Die Schweiz hat für zivile Vergehen 1942 die Todesstrafe abgeschafft – „Kopf rollen“ ist ganz klar ein Bezug auf diese unsinnige Strafe, unsinnig darum, weil sie bei Rechtsirrtümern nicht wieder korrigiert werden kann (und die unrühmliche Geschichte der Todesstrafe ist voll von derartigen Fehlurteilen).

Wenn also in der heutigen Zeit von „Kopf rollen“ die Rede ist, kann dies durchaus auch so interpretiert werden, dass man bei der Vor-Verurteilung einer Person nicht genau hinschaut und vorschnell einen Entscheid zur Zukunft einer Person verlangt, welcher nicht objektiv sondern populistisch sein könnte.

Die Sprache ist auch mit weniger martialischen Bildern genügend lebendig, genügend verständlich.

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