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Nationalbank | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Wed, 09 Mar 2022 15:31:56 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 44487214 Samichlaus für Klimaschutz – damit wir mehr erreichen! https://www.umweltnetz.ch/content/samichlaus-fuer-klimaschutz-damit-wir-mehr-erreichen Wed, 08 Dec 2021 20:13:42 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=8391 Der Samichlaus ist ein Brauchtum, das sich an einen historischen «Heiligen» anlehnt. Um der Klimakrise zu begegnen, braucht es epochale Veränderungen. Lassen sich historisch angelegte Bräuche nutzen, um viel mehr für den Klimaschutz zu erreichen?   Samichlaus bei der Nationalbank #Samichlaus4Future via Campax hat versucht, am Morgen des 6. Dezember 2021 bei Nationalbank-Direktor Thomas Jordan … „Samichlaus für Klimaschutz – damit wir mehr erreichen!“ weiterlesen

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Der Samichlaus ist ein Brauchtum, das sich an einen historischen «Heiligen» anlehnt. Um der Klimakrise zu begegnen, braucht es epochale Veränderungen. Lassen sich historisch angelegte Bräuche nutzen, um viel mehr für den Klimaschutz zu erreichen?

 

Samichlaus bei der Nationalbank

#Samichlaus4Future via Campax hat versucht, am Morgen des 6. Dezember 2021 bei Nationalbank-Direktor Thomas Jordan einen Chlausbesuch zu machen. Zitate aus Texten von Campax:

«Samichlaus und Schmutzli sind gekommen mit der weltgrössten Fitze und einem Jutesack, der den Namen des grössten Sünders im Quartier trägt: Thomas.

…

Thomas war dieses Jahr sehr unartig. Er hat erneut Milliarden in Öl- und Gasunternehmen investiert und damit die Klimakatastrophe, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen massiv vorangetrieben.

…

Doch Thomas kommt nicht raus, um sich dem Tadel von Samichlaus zu stellen. Womöglich schämt er sich für sein Verhalten?»

Denn: eigentlich hat sich die Nationalbank spätestens 2015 verpflichtet, «keine Investitionen zu tätigen, die systematisch gravierende Umweltschäden verursachen.» Denn: Die Klimaschmutz-Investitionen der Schweizerischen Nationalbank machen derzeit etwa die Hälfte des CO2-Fussabdrucks der Schweiz aus!

Entgegen den Anlagepolitik-Richtlinien der Schweizerischen Nationalbank (SNB) behauptet ein $VP-Vertreter noch im Dezember 2021: «Es kann nicht Aufgabe der SNB sein, Klimapolitik zu betreiben.» Andererseits: es kann auch nicht Aufgabe der SBN sein, Klimaschmutz-Politik zu betreiben, wie es heute leider üblich ist.

Wir müssen mehr Klimaschutz erreichen

Der Samichlaus dürfte allerdings sowohl bei der SNB wie bei der $VP einen schweren Stand haben. Dies lässt sich aus dem Buch «Propagandaschlacht ums Klima – Wie wir die Anstifter klimapolitischer Untätigkeit besiegen.» von Michael E. Mann schliessen. Zumindest derzeit schämt sich (fast) niemand für Klimaschmutz-Realitäten. Samichlaus bringt ja – manchmal auch ohne Fitze – einen Jutesack mit Früchten und Nüssen, dazu Schokolade und vielleicht einen Lebkuchen.

Für ernsthaften und enkel*innen-tauglichen Klimaschutz braucht es sowohl individuelles Handeln wie Systemveränderungen. Was wäre zu tun, um sich jedes Jahr einen schönen Chlaussack zu gönnen? Klar ist dabei: Bisher wurde zu wenig erreicht! Dies gilt nicht nur für Berlin (oder Zürich)!

Sammlung von Klimaschutz-Ansätzen

Daher hier eine unvollständige Sammlung von weiter- und zielführenden Klimaschutz-Ansätzen. «Zielführend» meint hier Netto Null möglichst rasch, auf jeden Fall deutlich vor 2040! 

Gebäude und Energiewirtschaft

  • Viele Städte sind nach wie vor aktiv im Erdgas-Geschäft. In diversen Städten sind Funktionen in der Exekutive und in den Gremien der Klimaschmutz-Gaswirtschaft eng verflochten. Da braucht es eine klare Haltung. Divestment aus der fossilen Klimaschmutz-Wirtschaft ist zwingend nötig! 
  • Noch vor Jahren gab es viele politische Kreise, die nichts oder sehr wenig von erneuerbaren Energien gehalten haben. Um die leitungsgebundenen Energien zu erhalten, haben diese Kreise unterdessen erkannt, dass mit «überschüssigem» Strom aus erneuerbaren Quellen Wasserstoff oder andere Brennstoffe produziert werden könnten, zwar mit schlechtem Wirkungsgrad und zu hohen Kosten. Aber eben, damit könnten vorsätzlich falsche Investitionen in Gasinfrastruktur etwas länger genutzt werden. Klar ist: zum Füllen der fossilen Gaslöcher taugt dies nicht – mittelfristig gibt es nur eine Lösung: alle Bauten müssen mindestens zu Null-, besser sogar zu Plus-Energie-Bauten werden!
  • Für jedes Gebäude braucht es einen verbindlichen Plan, wie in den nächsten höchstens zehn bis fünfzehn Jahren der Status Null-Energie oder noch besser Plus-Energie erreicht wird; dazu gehört etwa die Nutzung der Sonnenenergie auf allen dafür geeigneten Gebäudeflächen. Es gibt bereits eine beachtliche Zahl von realisierten Beispielen – hier geht es also vor allem darum, dass «wir alle» dies auch erreichen wollen. Einzubeziehen sind ebenso Überlegungen zum Umgang mit den sommerlichen Folgen der Klimaerhitzung. Hilfreich ist, wenn «Urban Gardening» integriert werden kann.       

Konsum und Ernährung

  • Auf Kehrichtfahrzeugen, die in der Stadt Zürich unterwegs sind, ist zu lesen: «Tschüss Abfall. Hallo Wärme.» Abfall ist eindeutig ein Merkmal der Wegwerfgesellschaft – daraus Wärme zu produzieren, ist hochgradig «Green Washing». Wir brauchen so rasch wie möglich eine echte Kreislaufwirtschaft. Darum sind Kehrichtverbrennungsanlagen so rasch als möglich stillzulegen – und es ist ab sofort kein Rappen mehr in Fernwärmesysteme zu investieren, die Wärme aus Kehrichtverbrennung verwerten.
  • Frische Spargeln an Weihnachten – irgendwo in der Welt produziert, auf welchen Wegen auch immer auf unsere Tische gebracht. So sehen Gegenwart und sicher Zukunft nicht aus. «Frische Spargeln» steht als ein Lebensmittel unter vielen. In Ergänzung dazu ist «Food Waste» deutlich zu vermindern (selbst wenn dies dazu führt, dass weniger Biogas produziert werden kann).
  • Frage: Verdient das Fairphone seinen Namen? Antwort: Jein! So zumindest das Ergebnis einer Republik-Analyse. Die Öko- und Sozialbilanzen derartiger Produkte sind nach wie vor hochgradig negativ. Als ein kleines Beispiel aus der Republik-Analyse: mit einem Aufpreis von 1.50 Euro pro Fairphone ist es möglich, dass die Menschen, die diese Smartphones produzieren, einen «zum Leben ausreichenden Lohn» erhalten. Es wären allerdings weitere Aufpreise nötig, um allen Beschäftigten in der gesamten Produktionskette von den Rohstoffen über die Verkaufsstelle  bis zum Kreislauf-Anfang und -Schluss solche Löhne bezahlen zu können. Auch da sind noch viele Chlausbesuche erforderlich!

Verkehr

  • Das Auto gilt nach wie vor als «heilige Kuh». Es braucht auch in den Köpfen und Herzen der Menschen noch einiges an Veränderungen, um Alltagsräume zu ermöglichen, in denen das Leben – Leben, Arbeiten, Ausbildung, Erholung, Entspannung, Kultur, Kunst, Genuss, Perspektiven und so weiter – in einem Umkreis von 15 Minuten Bewegung möglich ist. 

Chlaussäcke als Beitrag für mehr Klimaschutz?

Es führt nichts daran vorbei: eine enkel*innen-taugliche Welt braucht «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft».  Wir alle müssen dies wollen. Schön, wenn die Chlaussäcke einen Beitrag dazu leisten können!

PS: Der Samichlaus-Brauch geht auf den heiligen Nikolaus von Myra zurück. Ob es allenfalls angezeigt ist, zukünftig eher den Namen «Nicola» – gilt als weiblicher und männlicher Vorname – zu verwenden?

 

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Schlammschlachten https://www.umweltnetz.ch/content/schlammschlachten Mon, 09 Jan 2012 18:07:42 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=3369 Heute, 9.1.2012, kurz vor 15 Uhr hat mein Newssystem eine Meldung über eine Medienkonferenz von Philipp Hildebrand, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank zu seinem Rücktritt angezeigt. Aufgrund dieser Ankündigung war bereits klar, dass Herrn Hildebrand sein Amt freiwillig zur Verfügung stellt (wäre er gezwungen worden, hätte der Bankrat gesprochen, wäre es um ein Vergehen … „Schlammschlachten“ weiterlesen

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Heute, 9.1.2012, kurz vor 15 Uhr hat mein Newssystem eine Meldung über eine Medienkonferenz von Philipp Hildebrand, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank zu seinem Rücktritt angezeigt. Aufgrund dieser Ankündigung war bereits klar, dass Herrn Hildebrand sein Amt freiwillig zur Verfügung stellt (wäre er gezwungen worden, hätte der Bankrat gesprochen, wäre es um ein Vergehen von Herrn Hildebrand gegangen, hätte der Bundesrat eingeladen – so viel zum Thema Transparenz). Ich habe meinen Computer abgeschaltet und habe mich zu einer symbolischen Wanderung aufgemacht: einer Schlammschlacht am Uetliberg.

Der Uetliberg als typischer Molassehügel hat eine Vielzahl von Wegen in seinen relativ steilen Flanken. Eine grössere Zahl dieser Wege führt direkt auf den Kämmen – auch beim Uetliberg heissen diese wie beim Napf „Eggen“ oder verkürzt „Egg“. Ich habe den Weg über die Rossweidliegg – vom Wasserreservoir im Oberen Friesenberg ansteigend auf der südlichen Seite der auch von der Stadt aus sichtbaren Rossweid, einer grossen, steilen und sumpfigen Wiese in der Uetlibergflanke, über eine kurze Kletterstelle, vorbei an der Privathütte des Alpenclubs Clarida und ein nochmal ziemlich steiles Gratstück bis zur Aussichtskanzel beim Fernsehturm. Viel direkter ist kaum ein Gipfelweg am Uetliberg zu haben. Nicht nur im Winter hat es allerdings dieser Pfad in sich: er ist ziemlich sumpfig, bei viel Feuchte eben verschlammt. Der Aufstieg als eine echte Schlammschlacht.

Bei der Rückkehr an den Computerbildschirm zeigt sich: meine Erwartungen haben mich leider nicht getäuscht! Herr Hildebrand hat genug von der Schlammschlacht, und tritt von seinem Amt zurück. Die Begründung ist neckisch: er werde nie beweisen können, dass er nichts mit der – von drei Revisionsstellen als heikel, aber zulässigen – Devisentraktion von Mitte August 2011 zu tun gehabt habe. Neckisch darum, weil ein solcher Beweis in der heutigen Zeit – mit telefonischer Überweisungsanordnung und Normal-Mail-Bestätigung – schlicht unmöglich ist. Es ist ehrlicherweise verheerend, dass vom Präsidenten des Direktoriums der Nationalbank verlangt wird, einen physischen Beweis für seine Nicht-Beteiligung an diesem Vorgang vorzulegen. In einem demokratischen Rechtsstaat muss zwingend davon ausgegangen werden können, dass die AkteurInnen der Wahrheit verpflichtet sind. Im Hinblick auf die Argumentation der Schlammschlacht-Aktivisten Blocher, Köppel, Lei ist diese Argumentation geradezu höhnisch, sind doch diese nachweislich auch in anderen Zusammenhängen bei unwahren Aussagen erwischt worden – bemerkenswert, dass etwa Herr Lei nur noch mit der Stimme seines Anwalts spricht.

Im übrigen: der Tages-Anzeiger zeigt Kopien der relevanten Mails. Wer der Ansicht ist, diese Dokumente würden irgendwelche aktive Beteiligung von Herrn Hildebrand am Dollarkauf nicht ausschliessen, hat schlicht Wahrnehmungprobleme – oder glaubt an Fälschungen, somit Verschwörungstheorien.

Tragisch und eines Rechtsstaates unwürdig ist, dass es Blocher und Co. über eine Schlammschlacht, mit definitiv faschistoiden Ansätzen also, geschafft haben, die Spitze der Nationalbank zu destabilisieren – wo Argumente nicht weiterhelfen, macht es offenbar Schlamm möglich. Ein schlechtes Vorzeichen für die Zukunft! Was dem alternden Milliardärs-Autokraten Blocher nicht passt, wird einfach weggeschlammt. Einmal mehr hat sich der vereinigte $VP-Medien-Stammtisch-Mob gegen Exzellenz durchgesetzt. Und gerade auch mit seinem Rücktritt führt Herrn Hildebrand nochmals seine Exzellenz vor.

Es braucht Konsequenzen aus diesem antidemokratischen und kriminellen Vorgehen von $VP-Verantwortlichen.

  • Was ich schon lange verlange: die $VP ist zu verbieten, sie ist nachweislich keine demokratische, auf rechtsstaatliche Grundsätzen aufbauende Partei.
  • Es ist sicherzustellen, dass die Medienzugänglichkeit für $VP-VertreterInen deutlich strikter gehandhabt wird – Meinungsfreiheit erfordert einen verantwortungsbewussten Umgang mit Meinungen und Fakten. In diesem Fall wurde einmal mehr bewiesen, dass die $VP-Vertreterinnen mit dieser Verantwortung nicht umgehen können.
  • Ex- und Neo-Nationalrat Blocher ist das passive und aktive Stimm- und Wahlrecht nicht mehr zu gewähren. Er hat dem demokratischen Rechtsstaat allein mit dieser Schlammschlacht unreparablen Schaden verursacht. Geradezu krankhafte Rachsucht ist nun mal kein zukunftsgerichteter Beitrag.
  • Für Whistleblowing sind die Strafen deutlich zu verschärfen – die bisherigen CH-Beispiele belegen eindeutig, dass Whistleblowing mit einem demokratischen Rechtsstaat nicht verträglich ist. Stattdessen ist in Schulen, Unternehmen und Verwaltungen intensiv Wissen über Prozesse und Verfahren zu vermitteln, damit echte oder vermeintliche Missstände auf konstruktiver Basis behoben werden können.
  • Da die Lohngefälle zwischen Normalwirtschaft und Finanzindustrie nicht erklärbar sind, ist einerseits die Lohnspanne im Sinne der Initiative 1:12 zu begrenzen, andererseits braucht es endlich Schritte hin zu einem bedingungslosen Grundeinkommen für alle.
  • Die sogenannten Eigenhandelsregelungen für die Nationalbank sind zwar zu verschärfen. Wie es sich allerdings gezeigt hat, ist sogar regelementskonformes Verhalten in $SVP-Willkür-Schlammschlacht-Manier keine Gewähr.

Niemand ist unersetzlich, auch exzellente Kräfte wie Herr Hildebrand nicht. Allerdings müssen offenbar ab sofort exzellente Köpfe, welche nicht im Sinne der $VP agieren, damit rechnen, in faschistoider Weise weggeschlammt zu werden.


Auf die absurden und dümmlichen Ausführungen von Herrn Blocher einzugehen, ist Zeitverschwendung – er offenbart allenfalls, dass er ziemlich schlecht abschneiden würde bei einem PISA-Test. Ein weiterer Beleg für die Forderung nach Nicht-Gewährung der aktiven und passiven bürgerlichen Rechte.


Wie auch schon gesagt, grosse Vermögen sind nicht für viele Menschen Alltag. Selbst eine passive Vermögensverwaltung heisst nicht automatisch „Bankbüchlein“. Wenn insbesondere der Mob – mit Echo bei den Medien und der Politik – Sätze wie „ein absolutes Verbot von Währungsgeschäften für Mitglieder des SNB-Direktoriums wäre nicht die schlechteste Variante“ von sich gibt, werden erstens potentielle BewerberInnen in bi-nationalen Partnerschaften ausgeschlossen und zweitens eine für solche Paare durchaus zweckmässige Regelung – hälftige Teilung des Vermögens auf die relevanten Währungen – zum Vorneherein ausgeschlossen. Mit anderen Worten: selbst exzellente BewerberInnen wie Herrn Hildebrand könnten gar nicht mehr Direktionsmitglieder der Nationalbank werden. Ein weiterer Erfolg der Schlammschläger – oder selbst bei unwichtigen Fragestellungen bestimmt immer mehr die $VP die Denke.


Nachtrag 11.1.2012

Ich staune, was diverse Schreiberschaften aus den Mails herauslesen. Zu beachten: all die Mails wurden in Englisch verfasst, für keinen der Beteiligten ausschliessliche Muttersprache. Und sie werden auf Deutsch übersetzt – wahrscheinlich von den Google-Übersetzungstools, welche mit Sicherheit nicht auf Bankjargon getrimmt wurden. Ich bleibe dabei: da haben einige tumbe $VP-Köpfe eine Schlammschlacht inszeniert, um einen ihnen missliebigen brillanten Kopf wegzuschlammen. Auf der anderen Seite hat gerade die Transparenz des Verhaltens des Ehepaars Hildebrand, das nichts zu verstecken hatte und hat, es diesen Schlammern einfach gemacht. Es ist, wie es Kashya Hildebrand sagt: wenn sie Insiderwissen hätte nutzen wollen, wäre sie ganz anders vorgegangen. Fakt ist: zukünftig werden sich die Leitungsverantwortlichen der Schweizerischen Nationalbank und ihre Familienangehörigen im Bezug auf das eigene Vermögen entmündigen lassen müssen, um diesen Job ausführen zu können. Spannend: dürfen sie damit rechnen, dass die Rendite ihres Vermögens dem Marktdurchschnitt entspricht, oder haben sie auch eine allfällige Misswirtschaft dieser ausgelagerten Vermögensverwaltung zu akzeptieren? Und wird der/die EhepartnerIn einer leitungsverantwortlichen Person überhaupt noch ein Unternehmen führen dürfen, welches nicht ausschliesslich mit Schweizer Franken funktioniert?

Ich wiederhole nochmals: die meisten SchweizerInnen haben gar keine solchen Probleme zu bewältigen, weil sie glücklicherweise nicht über solche Vermögenswerte verfügen. Andererseits sind die gleichen SchweizerInnen, wie ihr Abstimmungsverhalten zeigt, grossmehrheitlich für das aktuelle Wirtschaftssystem – mit extremen Spannweiten der Einkommen, mit Boni und dergleichen. Man kann nicht derart grosse Löhne bezahlen, und dann überrascht sein, dass selbst bei passiver Vermögensbewirtschaftung Aktien und Devisen ins Spiel kommen. Aber eben, der Mob zelebriert ja solche Widersprüche.


Nachtrag 12.1.2012

Am 12.1.12 titelt der Tagesanzeiger endlich „Hildebrand, ein Spekulant?„. Unendlich lange hat es gebraucht, bis man auch beim Tagesanzeiger die Fragezeichen gefunden hat. Im Lead des Artikels steht weiter: „Die Affäre um Philipp Hildebrand ist auch ein Krieg der Worte. Zeit für eine Klärung.“ Das ist genau das, was ich bereits in meinem ersten Blogbeitrag verlangt habe. „Zeit für eine Klärung“ heisst: endlich mal den eigenen Denkapparat einsetzen, und sich nicht wie immer von Herrn Blocher manipulieren lassen! Um des Wortwitzes willen endet der Artikel etwas plump: die Bezeichnung der Familie Hildebrand als SpekulantInnen wird als spekulativ bezeichnet!

Im Duden steht zu Spekulation: auf blossen Annahmen, Mutmassungen beruhende Erwartung, Behauptung, dass etwas eintrifft. Ein Beweis mehr für die stattgefundene und immer noch stattfindende Schlammschlacht!


Nachtrag 13.1.2012

Noch einen Tag später schafft es auch die NZZ, endlich den Sachverhalt einzuordnen. Die Stunde der Selbstgerechten ist der Kommentar von Markus Spillmann betitelt, mit Aussagen wie „Dem korporatistisch geprägten Milieu dieser Alpenrepublik aber bleiben sie letztlich suspekt, vor allem dann, wenn sie in ihrer Person Erfolg, Macht und Vermögen vereinen. Stolpern sie, dann werden sie noch so gerne fallengelassen.“ oder „In solchem Klima gedeihen die Stillen, Unauffälligen, Mutlosen, aber auch Taktierer und Opportunisten. Es begünstigt das Mittelmass, nicht Exzellenz.“

Warum braucht es so lange, bis die JournalistInnen ihr Gehirn einschalten?

Erste Fassung: 9.1.2012

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