Die digitalen Medien werden regelmässig missbraucht – als Beispiel Mails mit einem «dringenden Auftrag», und dies kurz vor Weihnachten.
Am Morgen kurz nach 7 Uhr trifft das Mail einer guten Kollegin in der Mailbox ein, mit dem Betreff «Dringende Aufgabe».
Klar, da helfe ich gerne.
Dann lese ich das Mail nochmals:
(Gedruckte) Medien, so heisst es, breiten in der heutigen Ausgabe auf der Rückseite von Inseraten die schlechten News von gestern auf dem Altpapier von morgen aus. Das Internet hat neue Formen geschaffen: News erscheinen zeitnäher zum Ereignis in den digitalen Newskanälen – und dank diversen Datenschnüfflern passen die oftmals als Hauptsache wahrgenommenen Werbeeinblendungen mehr oder weniger genau zum Textinhalt und/oder zur LeserIn.
Medien transportieren, da sie die News in der Regel nicht selber machen, zusätzlich Interpretationen, eigene oder fremde Meinungen und Hintergründe zu den News. Je kürzer die Zeitspanne zwischen „Newsevent“ und Publikation, desto kürzer und damit inhaltsleerer ist die Zeitspanne für Interpretation, Meinungsbildung und Hintergrundausleuchtung.
Die Newsinhalte werden von Politik und PolitikerInnen, Hochschulen und ForscherInnen, Wirtschaft und Wirtschaftssubjekten, gesellschaftlichen Gruppen (Sport, Unglücksfälle und Verbrechen, Regenbogen-Themen mal ausgenommen) gemacht. Mit dem Internet, mit den sozialen Netzwerken bieten sich diesen „News“-ProduzentInnen Kommunikationskanäle, die unabhängig von Medienkonzernen sind. So führen beispielsweise zahlreiche PolitikerInnen Blogs, sie verfügen über eine grosse Zahl von „FreudInnen“ und „Kontakten“ in den sozialen Netzwerken – analoges gilt für die weiteren oben angeführten ProduzentInnen von Newsinhalten. Solche Inhalte sind sicher vom professionellen Standpunkt her, meist auch im Bezug auf Verständlichkeit und inhaltliche Transparenz den üblichen Medienprodukten gleichwertig oder gar überlegen. Es kommt regelmässig vor, dass kommunikativ geschulte Fachpersonen die von ihnen zu verantwortenden Inhalte in den Kurzfutter-Medienberichten nicht mehr erkennen.
Kommunikation ist bekanntlich nicht nur eine Sache der Anbieterin/des Anbieters von Inhalten diverser Art – es geht immer auch um die Kanäle und die EmpfängerInnen dieser Inhalte. Hier bieten RSS-Feeds, Twitter und Co, aber auch Angebote wie Google die Möglichkeit, die digitalen News aller Art durch Roboter zu sammeln und in aggregierter Form für LeserInnen aufzubereiten. Die einzige Tageszeitung am Morgen im Briefkasten hat ausgedient – im Zusammenhang mit dem papierreduzierten Büro dient das gesamte Internet als News-Quelle. Diese immensen Inhalte können vor allem im Sinne des „Data Mining“ erschlossen werden; die Techniken zur Inhaltsreduktion und -kondensation, zum semantischen Abgleich, zur Überwindung von Sprachbarrieren Regionengrenzen sind vielfältig. Der Umgang mit Informationen und Wissen – und nicht Informationen und Wissen an sich – sind die tatsächlichen Herausforderungen der Wissensgesellschaft: es geht etwa um das Finden, die Relevanzermittlung, die Plausibilität, die Wiederauffindbarkeit, die Vernetzung mit anderen Inhalten, die Semantik, usw.
Spielen Medien, die meisten mit einer Geschichte im Druckbereich und mit Quasimonopolen in der Informationsvermittlung, überhaupt noch eine Rolle in der Informationsgesellschaft? Da – ich wiederhole mich – Prognosen schwierig sind, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen, habe ich darauf keine Antwort.
Aber: das Pay Wall-Modell, wie es Tamedia für die Sonntagszeitung vorschlägt, hat so keine Zukunft. An meinem eigenen Beispiel: ich lese pro Tag etwa 80 Artikel, welche mir von meinen Robotern vorgeschlagen werden. Vielleicht zehn davon sind aus meiner Sicht festhaltenswert. 80 Artikel, das ist etwas mehr, als pro Sonntagsausgabe zu finden sind, diese Artikel stammen etwa aus 40 Quellen aus aller Welt, nicht jeden Tag allerdings die gleichen Quellen. Das Pay Wall-Modell von Tamedia/Sonntagszeitung hätte, wenn es sich durchsetzt, erhebliche Konsequenzen: ich müsste 40 digitale Zeitungsausgaben pro Tag kaufen, was Kosten von 120 Franken bedeutet – weil nicht immer die gleichen Medien einbezogen sind, bringen Jahresabos nichts. 120 Franken an 365 Tagen pro Jahr – mein digitaler Medienkonsum würde nach Temedia-Ansätzen zu jährlichen Kosten von 43’800 Franken führen – dafür, dass ich im Mittel etwa drei Prozent des gesamten Inhalts all dieser Medien lesen. Das wären dann maximal 3.50 Franken pro Tag für alle gelesenen digitalen Medien – immer noch ein erheblicher Betrag, aber für Menschen mit grossen Informationsansprüchen, das wären vier Jahreasabos der digitalen Ausgabe von Tageszeitungen.
Es ist ohne Einschränkungen erforderlich, dass auch zukünftig Medienschaffende von ihrer Arbeit leben können – wobei diese Arbeit anspruchsvoller werden dürfte, da sich die Arbeitsweise der klassischen Medien auch im digitalen Gewand noch ausgeprägter Richtung Analyse und Hintergrund entwickeln dürfte; für die Schweiz werden als exemplarische gute Beispiele von vielen LeserInnen etwa Infosperber oder Journal21 genannt. Neben Existenz sichernden Paywall-Konzepten für digitale Medieninhalte gehören zwingend auch Überlegungen in Richtung bedingungsloses Grundeinkommen für alle dazu.
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Herr Wälty macht sich nicht einmal die Mühe, zu behaupten, die Medienqualität sei gar nicht so bedenklich – er hält fest, auch die Qualität der Wissenschaft sei schlecht, und macht dies an einigen Berichts-Details fest, die wiederum von den WissenschafterInnen mit wenig Aufwand erläutert und entkräftet werden können.
Es geht nicht nur mehr darum, dass die (Print-)Medien die Rückseite von Inseraten mit den News von gestern auf das Altpapier von morgen drucken – unterdessen geht es auch darum, zwischen den nervigen, auch IT-technisch grenzwertigen Online-Werbungen einen Beliebigkeitstextinhalt von heute für den vielleicht nicht mehr gebrauchten Browser-Cache von heute zu produzieren. P.S. Ich stelle fest, dass regelmässig Medienseiten, vor allem wegen der Werbeeinblendungen, zu erheblichen Einschränkungen bei der Internetnutzung führen. Insbesondere Nicht-Windows-Browser reagieren allergisch auf all den Script-Schrott, der eingesetzt wird, um die Aufmerksamkeit der Internet-NutzerInnen auf die Werbung statt den Text zu lenken. Wobei: ehrlicherweise meide ich Produkte, deren Bewerbung meine Internet-Nutzung penetrant beeinträchtigt …
Eine der Möglichkeiten der Online-Medien ist die zeitsynchrone Berichterstattung über allgemein interessierende Themen – all diese zeitnahen Gefässe vermögen allerdings in der Regel nicht zu überzeugen, weil selbst Fussballmatchs oder illegale Party-Demos am Zürcher Central informationsmässig relativ eher wenig dicht sind – und es daher viel banalen Füllstoff braucht. In Kombination mit den z.B. bei Tagesanzeiger maximal 400 Zeichen langen LeserInnen-Kommentaren (entspricht 2 1/2 SMS) entsteht ein kurzatmiger, wenig reflektierter populisierender Informationsfluss.
Bei mindestens zwei „Justizfällen“ im Jahre 2011 – einerseits „Fall Kachelmann“, andererseits „Fall Amanda Knox“ – wurde jeweils der Eindruck erweckt, als sei das Gericht ersetzt worden durch die durch die Medien verbundene Öffentlichkeit, wobei die einzelnen AkteurInnen, egal ob JournalistInnen oder Kommentarspalten-FüllerInnen, bereits vorgefasste und zweifelsfreie Meinungen über Schuld und Unschuld hatten. Festzuhalten ist: gerade im privaten Bereich können Urteile nur auf der Basis des aktuellen Standes des Unwissens der RichterInnen gefasst werden, und diese haben – im Gegensatz zu einer populistisch aufgestachelten Öffentlichkeit – rechtsstaatliche Grundsätze bei ihrer Urteilsfindung zu berücksichtigen. Im Gegensatz dazu neigt die populisierte Öffentlichkeit zur willkürlichen „Lynchjustiz“.
Ich stelle bei mir aus meiner beruflichen Tätigkeit bekannten Fragestellungen regelmässig fest, dass in den Medien als Fakten deklarierte Sachverhalte falsch oder zumindest verfälscht dargestellt werden – selbst bei gutem Willen und unter Beizug der Meinungsäusserungsfreiheit bleibt leider zu häufig nur Kopfschütteln über die dümmlichen Aussagen.
Information, die korrekte Darstellung von Sachverhalten, ist in Demokratien als dauernd sich verändernden und damit lernenden Organistionen ein Schlüsselelement; die Medien haben einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung zu leisten. Informationen sollen unterhaltsamen präsentiert werden – „Infotainment“ in wohldosierter Form ist durchaus erwünscht. Blosse Unterhaltung demgegenüber ist nicht gefragt in den Medien! Das heisst: Popularisierung ja, Populisierung nein!
The post Populisierungen first appeared on umweltnetz.ch.]]>Wer Internet-Seiten besucht, findet immer auch bezahlte Links, meist passend zum Suchbegriff. Da die Suchalgorithmen von Google geheim sind – es handelt sich dabei um einen wesentlichen Bestandteil des geistigen Eigentums von Google, ist nicht auszuschliessen, dass manipulative Eingriffe stattfinden. Die Diskussionen um die Google-Präsenz in China haben erkennen lassen, dass erhebliche Eingriffsmöglichkeiten bestehen: von wem auch immer als heikle Suchbegriffe deklarierte Inhalte können nicht gefunden werden. Von wem auch immer als „feindliche Seiten“ deklarierte Internet-Angebote erscheinen nicht auf den ersten ein bis zwei Seiten der Fundstellen – die Erfahrung zeigt, dass in der Regel nur die Topten-Fundstellen-Seiten überhaupt angeklickt werden – siehe dazu auch mein Beitrag Demokratie braucht Informationsqualität.
Auch bei Facebook und anderen sozialen Netzen haben Werbelinks eine wichtige Bedeutung. Denn analog zur Parallelität von Suchbegriffen und damit verbundenen Gütern und Dienstleistungen ist eine recht präzise Zielgruppen-Orientierung der Werbeeinspielungen möglich, unter anderem dank den „Freunde“- und Favoriten-Links. Oder anders: je mehr „persönliche“ Infos die Facebook-NutzerInnen einspeisen, desto wertvoller wird Facebook als Marketingplattform.
Die Apple-Gadgets iPhone und iPad konstrastieren auffällig zu diversen anderen Hardwareangeboten. Dies hat sehr viel mit der Ausrichtung auf DAU/DAB zu nutzen (wobei die latente Tendenz besteht, dies vermehr als „dümmst anzunehmender User“ zu verstehen). Durch das geschlossene Hard- und Software-Imperium – nur von Apple genehmigte Produkte können im App-Store angeboten werden – kann sichergestellt werden, dass alle Produkte tatsächlich genutzt werden können (was noch nicht heisst, dass diese Produkte exakt dies tun, was die DAUs möchten). Mehr als diskussionswürdig ist die Absicht von Apple, zukünftig exklusiv die Medieninhalte verkaufen zu wollen (siehe zum Beispiel NZZ vom 24.1.2011), die auf den Apple-Gadets angezeigt werden können. Apple gehört auch wegen dieses Geschäftsmodell zu den drei wertvollsten Unternehmen der Welt!
Nun ist es durchaus legitim, auch mit Hard- und Software respektive deren Nutzung Geld zu verdienen.
Andererseits ist zum Teil damit verbunden, zum Teil aus anderen Gründen, ein erheblicher Struktur-, Werte- und Kulturwandel feststellbar.
Ein Aspekt heisst „gratis“, zum Beispiel Gratiszeitungen. Es ist bestens bekannt, dass es „gratis“ nicht wirklich gibt – auch Altruismus hat Grenzen, wenn es um die ganze simple physische Existenz – Essen, ein Dach über dem Kopf, Gesundheit – geht. Auch Gratiszeitungen kosten. Bezahlt werden diese Kosten einerseits durch Werbung, andererseits durch eine Reduktion der Verteilkosten, aber auch durch weniger intensive Inhalte. Agenturmeldungen dominieren, „Sex and Crime“ hat ein grösseres Gewicht als Politik und Wissensvermittlung – Fun und Unterhaltung steht im Vordergrund. Die Meinungsbildung, wesentlicher Teil der klassischen Medien, wird stark reduziert und äusserst sich am ehesten noch in der Auswahl der Themen und der berücksichtigen Agenturen.
Eine weitere Facette von „gratis“ ist die Demokratisierung der Meinungsbildung zum Beispiel in Internet-Blogs. Zu typischen Hobby-Kosten kann jede und jeder im Internet präsent sein. Rein von den Inhalten her ist dies nicht kritisch – fachkompetente Kommentare sind meist zielführender als Kommentare unter journalistischen Gesichtspunkten. Nur: wie stellen die LeserInnen fest, dass die kommentierende Person fachkompetent ist und tatsächlich relevante Beiträge erbringt?
Blogtools – oder Content Management Systems – wie WordPress, Joomla und viele weitere sind regelmässig auch als „free and open data source“ erhältlich. Free and open – das ist bestens, da steckt allerdings viel freiwillige Arbeit drin. Immer wieder findet man Hinweise auf finanzielle Unterstützung – wenigstens kleine Beiträge, etwa via Pay Pal, Flattr oder als Spenden an Buchbeiträge. Das heisst: wenn solche „free and open data source“ eine Zukunft haben sollen, braucht es dafür existenzsichernde Elemente, etwa ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle.
Dazu gehört auch Wikipedia mit der zugehörigen Software MediaWiki – der Mittelbedarf von jährlich gegen 20 Mio USD wird mit regelmässigen Spendenaktionen abgedeckt (P.S. Google ist dabei regelmässig der grösste Einzelspender).
Auch wenn Papierprodukte wie Zeitungen, Zeitschriften, aber auch Bücher traditionell die Transportgefässe für intellektuelle Inhalte sind, ist auch dies mit hoher Wahrscheinlichkeit einen starken Strukturwandel unterworfen. Die Menschheit muss sich mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf einstellen, bisherige Printprodukte zukünftig ausschliesslich auf elektronischen Medien aller Art zu lesen respektive anzuschauen. Es ist durchaus davon auszugehen, dass lange Traditionen wie Zeitungs- und Zeitschriftenkioske, Buchhandlungen oder auch private und öffentliche Bibliotheken sehr rasch an Bedeutung verlieren werden. Es ist sicher so, dass das Lesen eines Krimis aus einem Buch ein anderes Erlebnis ist als das Lesen des gleichen Krimis auf einem Bildschirm eines Tablet-Computers. Aus eigener Erfahrung: man gewöhnt sich erstaunlich schnell daran. Es ist mir schon passiert, dass ich zum Blättern den Tablet-Computer umdrehen wollte 
Im Moment ist die Wissens-Gesellschaft marketing-dominiert. Die Technologie- und Infrastruktur-Anbieter haben das Sagen – die Wissens- AnbieterInnen und -NachfragerInnen müssen das nehmen, was ihnen geboten wird. Tendenziell war dies auch bei den gedruckten Medien so. Damit das zukünftige Wissensmanagement demokratisch geprägt ist, müssen die Wissens-AnbieterInnen und -NachfragerInnen sich lauter und deutlicher zu Wort melden. Offene Standards und freier Zugang aller AkteurInnen sind zentrale Forderungen. Als ein Beispiel: jede und jeder kann per Computer das digitale Buchformat EPUB produzieren – es muss möglich sein, dass EPUB ohne Einschränkungen auf jedem Gerät dargestellt werden kann.
P.S. Nicht vergessen werden darf: Wissen ist Macht – im Moment läuft die Gesellschaft Gefahr, dass allein schon die Wissens-Infrastruktur zum Machtfaktor wird!
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