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Biogas | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Wed, 31 Mar 2021 20:13:36 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 44487214 Kanton Zürich: vom Klima-Deal zum Klimaschmutz-Deal https://www.umweltnetz.ch/content/kanton-zuerich-vom-klima-deal-zum-klimaschmutz-deal Wed, 31 Mar 2021 20:13:21 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=8297 Seit 2015 sollte der Kanton Zürich die vor allem auf Gebäude bezogenen Vorgaben der «Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich 2014 (MuKEn)» ins kantonale Energiegesetz übertragen. Der bald zwei Jahre im Amt tätige Baudirektor Dr. Martin Neukom hat zur Umsetzung einen Klima-Deal gemacht. Vor allem unter dem Einfluss der FDP ist allerdings daraus in der Kantonsrats-Beratung … „Kanton Zürich: vom Klima-Deal zum Klimaschmutz-Deal“ weiterlesen

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Seit 2015 sollte der Kanton Zürich die vor allem auf Gebäude bezogenen Vorgaben der «Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich 2014 (MuKEn)» ins kantonale Energiegesetz übertragen. Der bald zwei Jahre im Amt tätige Baudirektor Dr. Martin Neukom hat zur Umsetzung einen Klima-Deal gemacht. Vor allem unter dem Einfluss der FDP ist allerdings daraus in der Kantonsrats-Beratung ein Klimaschmutz-Deal geworden.

Was ist eigentlich im Interesse der Gesellschaft zum Schutz des Weltklimas zu tun? Dazu zwei Zitate aus einem früheren Blogbeitrag:

Wie viel an Treibhausgasen darf noch ausgestossen werden, um die Klimaerhitzung auf ein gesellschaftliches verträgliches Mass zu begrenzen? Ein Ansatz dazu ist das Klimabudget. Wenn die (maximale) Erhöhung der globalen Erhitzung auf 1.5 Kelvin mit 66 Prozent wahrscheinlich erreicht werden soll, hat die Schweiz bis 2039 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.

So schnell als möglich – ideal bis 2030 – ist die Energieversorgung zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien abzustellen. Ebenso sind bis dann null Treibhausgas-Emissionen zu erreichen. Dabei ist zu beachten: «Erdgas ist keine Brückentechnologie, sondern höchst klimaschädlich und muss bis 2030 beendet werden». (Hans-Josef Fell)

Der Klima-Deal von Martin Neukom hätte diese Vorgaben – ideal bis 2030, spätestens bis 2039 – nicht einhalten können. Schon dies ein Demokratieversagen, vielleicht sind dies auch die Limiten des Konkordanz-Systems.

Die in der zweiten Märzhälfte 2021 bekannt gewordene Einflussnahmen insbesondere der FDP zur Abschwächung des Klima-Deals verzichten für das Beheizen und die Wassererwärmung von Bauten mittel- bis langfristig auf den umfassenden und längst fälligen Wechsel zu erneuerbaren Energien. Zudem kommt fossilem Erdgas weiterhin eine tragende Bedeutung zu. Aus dem Klima-Deal ist ein Klimaschmutz-Deal geworden.

Das Versagen der Eigenverantwortung

Die FDP gibt vor, im Interesse jener Gebäude-Eigentümerschaften zu handeln, die bis jetzt zu wenig für den Gebäudeunterhalt getan haben. Die FDP behauptet ja immer, für den Klimaschutz sei «Eigenverantwortung» ausreichend – genau die Begründung für den Übergang zum Klimaschmutz-Deal zeigt allerdings, dass Eigenverantworttung nicht tauglich ist zum Umgang mit derartigen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Einige Zahlen:

  • Aus einer Publikation des Bundes: Umfassende Massnahmen sind meistens nach 40–50 Jahren notwendig: Erneuerung Gebäudehülle und Gebäudetechnik, Installationen, gesamter Innenausbau usw. Je nach Umfang der Massnahmen kann der Zustandswert des Gebäudes nach einer umfassenden Erneuerung unter oder über dem Neubauwert liegen.
  • Aus der «Paritätischen Lebensdauertabelle (MV/HEV Schweiz): Bewertung von Einrichtungen»:
    • Hinterlüftete Fassadenverkleidung, Platten: 30 Jahre
    • IV-Fenster (Holz, Holz-Metall, Kunststoff): 25 Jahre
    • Kompaktfassade, kunststoffvergütete Fassadenputze (auf Mauerwerk): 25 Jahre
    • Wärmedämmung im Dach, Estrich, Keller: 30 Jahre
    • Heizkessel: 20 Jahre

Die Geschichte der Energievorschriften im Gebäudebereich ist sehr lang: bereits 1975 gab es erste Verbrauchsvorgaben, 1992 entstand die Musterverordnung rationelle Energienutzung in Hochbauten – die MuKEn 2014 stellt gemäss den Kantonen eine konsequente Weiterentwicklung der Versionen der Jahre 2000 und 2008 dar. Oder anders: Gebäude, die seit 1975 gebaut oder umfassend erneuert wurden, sind im Grundsatz geeignet, um mit einer Wärmepumpe beheizt zu werden. Auf jeden Fall gilt dies für Bauten, die seit 1992 gebaut oder umfassend erneuert wurden.

Rechne: 2021 minus 1992 gibt 29 Jahre, 2021 minus 1975 46 Jahre. Schwierigkeiten, wie sie von der FDP geltend gemacht wurden, gibt es nur bei Bauten, bei denen die Eigentümerschaften die Regeln der Baukunst nicht beachtet haben (oder zum Beispiel wegen Schutzvorgaben nicht beachten konnten).

Weil ja die fossile Lobby nicht nur im Kanton Zürich sehr aktiv ist – es gibt da beispielsweise den Heizöl- und Erdgas-Verein (HEV) –, ist leider zu befürchten, dass die Bestimmungen des Klimaschmutz-Deals sehr aktiv genutzt werden dürften.

Zur Wiederholung: Langfristig ist der Einsatz von Erdgas – auch unter Beimischung von Biogas – im Gebäudebereich NICHT sinnvoll   

Nicht völlig neu, aber neulich wiederholt, ist diese Aussage: Erdgasausstieg bis spätestens 2038 – Nord-Stream 2 wird nicht gebraucht, sagt Professorin Claudia Kemfert, die auch die Bundesregierung berät. Für das Pariser Klimaziel brauche es einen „Erdgasausstieg bis spätestens 2038“, so Kemfert im DW-Interview vom 25. März 2021.

Sehr fremd wirkt die Aussage in einer Medienmitteilung der Energie 360° AG vom 29. März 2021: 100 % erneuerbare Energie bis 2050. Energie 360° AG ist eine Firma mit massgeblicher Beteiligung der Stadt Zürich und unter anderem prägend für die Erdgasversorgung in und um Zürich. Holzpellets und Biogas sind derzeit Aktivitäten dieser Firma mit erneubaren Energien.

Nach den Zahlen Stand März 2021 werden 17.9 Prozent des Gas-Direktabsatzes als Biogas bezeichnet ( 82.1 Prozent sind also immer noch fossiles Erdgas). Fünf Sechstel dieses Biogases werden im Ausland produziert, und zwar in Dänemark, Ungarn und Deutschland, im Mittel mehr als 900 Kilometer von Zürich entfernt. Im gesamten Netz ist der Biogas-Anteil deutlich geringer. Formal ist alles korrekt: das Biogas strömt nicht physikalisch nach Zürich, sondern virtuell mittels Zertifikaten.

Nur: Sollte die Aussage von Professorin Claudia Kemfert für spätestens 2038 zutreffen, funktioniert dannzumal der virtuelle Biogashandel nicht mehr. Mag sein, dass bis 2038 Wasserstoff und/oder synthetische Gase eine gewisse Bedeutung haben. Für die Beheizung von Gebäuden und die Wassererwärmung werden derartige Gase kaum eine Rolle spielen! Dann steht für Zürich nur noch das Biogas aus der Region zur Verfügung – im Wissen darum, dass dieses Biogas häufig mit nicht tiergerechter Landwirtschaft und Food-Waste im Zusammenhang steht und damit zukünftig das Potenzial eher beschränkt ist.

In Gebäuden werden zukünftig Wärmepumpen die Wärmeversorgung in Kombination mit elektrischer und thermischer Sonnenenergienutzung abdecken, idealerweise in Plusenergiebauten – auch in Gebäuden wird die Prosumer-Strategie prägend! Einfach noch dies: um eine Einheit Nutzwärme zur Verfügung zu haben, braucht es 1.1 bis gegen 1.2 Einheiten an Endenergie aus Heizöl und/oder Erdgas/Biogas. Wird eine Wärmepumpe eingesetzt, braucht es für eine Einheit Nutzwärme 0.2 bis 0.5 Einheiten Endenergie, in der Regel Strom. 

Im Jahr 2021 Lösungen mit Erdgas und Biogas für die Wärmeversorgung von Bauten für die nächsten 20 Jahre gesetzlich vorzugeben ist offensichtlich eine Sackgasse – eine direkte Folge der offenbar erfolgreichen Propaganda-Arbeit der Erdgas-Lobby. Auch dieser Weg ist somit ein Beitrag zum von der FDP vorgeschlagenen Klimaschmutz-Deal.

Die Energie 360° AG sollte endlich eine echte Nachhaltigkeits-Strategie entwickeln. Und die Stadt Zürich tut gut daran, angesichts des nach wie vor sehr hohen fossilen Anteils am Umsatz dieser Firma das schon längst fällige und andernorts bereits umgesetzte Divestment-Szenario umzusetzen.

Bezeichnend für die Fossil-Lobby, dass der Heizöl- und Erdgas-Verein (HEV) möglicherweise gegen (FDP-)Klimaschmutz-Deal das Referendum ergreift. 

Sichtweite des Kantonsrates offenbar höchstens bis zu den nächsten Wahlen

Es ist nicht erkennbar, warum die Mehrheit des Kantonsrates mit dem Klimaschmutz-Deal einverstanden ist, ihn sogar gut findet. Ob dies damit zu tun hat, dass bereits 2023 wieder Kantonsrats-Wahlen anstehen? Allerdings sieht eine enkelInnentaugliche Politik deutlich anders aus.


Ein technischer Anhang

Als Ingenieur beschäftige ich mich seit langen Jahren mit den technischen Aspekten der Wärmeversorgung von Bauten. Meine Absichten waren immer, den Komfort – Raumwärme im Winter und Warmwasser ganzjährig – mit ausschliesslich erneuerbaren Energien möglichst effizient zu gewährleisten.

90/70 – diese Zahlenkombination meint die bei Auslegungsbedingungen anzutreffenden Vor- und Rücklauftemperaturen in typischen Ölheizsystemen.  Mit der Rücklauftemperatur von 70 °C konnte das Auskondensieren des Rauchgases in den früheren Heizkesseln verhindert werden. 

Diese hohen Temperaturen wirkten sich auch im Alltag aus: reklamierten die Gebäudenutzenden über zu tiefe Raumtemperaturen, konnte einfach die Vorlauftemperatur leicht angehoben werden.

Auch wenn unterdessen aus verschiedenen Gründen eher 50/40 oder noch tiefere Werte das Wärmeabgabesystem bei Auslegungsbedingungen bestimmen – mit separaten Ansätzen für die Wassererwärmung –, ist die gewohnte Korrektur der Vorlauftemperaturen bei Reklamationen leider immer noch die Regel.  

Besser wäre eine Messung der realen Raumtemperaturen und die Ermittlung der Ursachen. In den meisten Fällen würde es reichen, allfällige lokale thermische Schwachstellen der Gebäude zu flicken oder situativ einzelne Heizkörper durch leicht grössere Apparate zu ersetzen.

Wärmepumpen arbeiten effizienter, wenn die zu erreichenden Vorlauftemperaturen möglichst tief sind. Wenn die Wärmeabgabe wie oben beschrieben optimiert wird, ist dies eigentlich in jedem Gebäude möglich. Allerdings verlangt dies eine längerfristige Umsetzungsstrategie.

Es reicht nicht, bei einem Ausfall der Öl- oder Gasheizung subito einen neuen Wärmeerzeuger zu installieren! Dazu sind auch mittel- bis langfristige Strategien zu einer energetischen Gesamterneuerung einzubeziehen. Es empfiehlt sich, für jedes Gebäude einen «Umstiegsplan» für die Versorgung mit 100 Prozent erneuerbaren Energien – im Zeitraum ideal 2030 bis spätestens 2039 – zu erstellen und danach vorzugehen (siehe dazu auch «Plan W. 2039. Wir alle wollen.»). Dies ist ein Ansatz, der die gesellschaftlichen Anliegen zum Schutz des Weltklimas und den individuellen Möglichkeiten ideal zusammenbringt.

Der Klimaschmutz-Deal wie im März 2021 im Zürcher Kantonsrat verhandelt kann diesen Anspruch nicht erfüllen. 

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Biogas: vor allem «Greenwash»-Propaganda für fossiles Erdgas https://www.umweltnetz.ch/content/biogas-vor-allem-greenwash-propaganda-fuer-fossiles-erdgas Sat, 03 Feb 2018 10:55:10 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7124 Rekordmeldungen erfordern gerade im Energie- und Klimaschutzbereich ein sehr genaues Hinschauen. Das gilt insbesondere für Meldungen zu Biogas. Denn: Biogas wird unabhängig vom tatsächlichen Potenzial von der Erdgaswirtschaft als «grünes» Alibi-Blättchen zum Verkauf von fossilem Erdgas genutzt, als klassische «Greenwash»-Propaganda. Klar ist bloss dies: um 2040 bis spätestens 2050 muss zum Schutze des Klimas aus … „Biogas: vor allem «Greenwash»-Propaganda für fossiles Erdgas“ weiterlesen

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Rekordmeldungen erfordern gerade im Energie- und Klimaschutzbereich ein sehr genaues Hinschauen. Das gilt insbesondere für Meldungen zu Biogas. Denn: Biogas wird unabhängig vom tatsächlichen Potenzial von der Erdgaswirtschaft als «grünes» Alibi-Blättchen zum Verkauf von fossilem Erdgas genutzt, als klassische «Greenwash»-Propaganda. Klar ist bloss dies: um 2040 bis spätestens 2050 muss zum Schutze des Klimas aus den fossilen Energien ausgestiegen werden, auch aus dem Erdgas. Biogas wird zukünftig bestenfalls lokal in geringem Umfang eine energiepolitische Bedeutung haben.

Am 1. Februar 2018 hat Energie 360° AG über einen Rekord berichtet: Die Biogasanlage im Zürcher Werdhölzli hat 2017 mehr Biogas produziert als je zuvor, etwa 3.5 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Gemessen am Gesamtabsatz von Energie 360° AG von 7’371 Gigawattstunden (GWh) machen die «rund 68 GWh» Werdhölzli-Biogas einen Anteil von 0.9 Prozent aus, von den auf Stadtgebiet Zürich abgesetzten etwa 2’200 GWh sind dies etwa 3 Prozent.

Da Erdgas von der Förderung bis zur Verbrennung einiges an Treibhausgasen verursacht, ist der Verbrauch von Erdgas so rasch als möglich auf Null zu reduzieren. Bis 2030 müsste mindestens eine Halbierung des gesamten Gasabsatzes erreicht werden – die CH-Gaswirtschaft will bis dahin einen Biogas-Anteil von 30 Prozent erreichen. Dazu wären für Zürich etwa 330 GWh Biogas erforderlich, also etwa fünf mal mehr als heute.

Angesichts des lokalen Biomasse-Potenzials in der Grossregion Zürich ist dies schlicht unmöglich. Zudem ist selbst das vorhandene Potenzial nicht nachhaltig – in der «Rekord»-Mitteilung ist nämlich festgehalten, dass die Zunahme der Biogasproduktion auf immer mehr angelieferte Speisereste zurückzuführen sei. Speisereste gelten gemäss der heutigen Sprachpraxis als «Food Waste», als Verschwendung von Lebensmitteln. Seit einigen Jahren ist es ein erklärtes Ziel der Politik, solchen «Food Waste» zu vermindern. Mit ein Grund dafür ist, dass die heutige Produktion von Lebensmitteln ebenfalls kräftig zum von Menschen gemachten Klimawandel beiträgt. Wenn die Verminderung des «Food Waste» gelingt, wird somit das Biomasse-Potenzial erheblich vermindert. Selbst die mit einem «Prix Watt d’Or 2018» ausgezeichnet Power-To-Gas-Lösung ermöglicht bestenfalls kosmetische Potenzialverbesserungen.

Energie 360° AG bietet derzeit standardmässig einen Biogasanteil von 10 Prozent im gelieferten Brenngas an. Das lokale Potenzial reicht bei weitem nicht aus, um diesen Biogas-Anteil zu erreichen. Energie 360° AG kauft dementsprechend Biogas-Zertifikate ein. 230 GWh Biogas, deutlich mehr als aus dem Werdhölzli, stammt aus der Biogasanlage einer Zuckerfabrik im ungarischen Kaposvár, etwa 1’000 Kilometer östlich von Zürich. Auch diese Anlage nutzt industriellen «Food Waste» – in Schweizer Zuckerfabriken werden die 5/6 nicht für die Zuckerproduktion nutzbare Biomasse zu Futterschnitzeln für Rinder und Pferde weiterverarbeitet. Die Biogasproduktion in Kaposvár ist zwar «naturemade star»-zertifiziert, spätestens dann, wenn kein fossiles Erdgas mehr im Netz transportiert wird, gibt es keine physische Gas-Leitungs-Verbindung mehr, die solche Zertifikate legitimiert. PS: Darin besteht der Unterschied zur Zulässigkeit von Zertifikatslösungen im Strombereich.

Hier geht es um den kategorischen oder kant’schen Imperativ: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. Es ist keine nachhaltige Lösung, Biogas aus weit entfernten Gegenden virtuell zu importieren, wenn die echte Klimaschutz-Wirkung durch Biogasnutzung am Produktionsort dadurch verunmöglicht wird. Dies wird ergänzt durch die deklarierte Haltung des Gesetzgebers. Die kantonalen EnergiedirektorInnen, zuständig für die Konkretisierung der Energie- und Klimaschutzpolitik im Gebäudebereich, halten nämlich in den «Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich 2014» (MuKEn 2014) fest: Die [gesetzlichen] Anforderungen sind mit Massnahmen am Standort zu erfüllen. Eine vertragliche Verpflichtung für den Bezug von … Biogas kann für den Projektnachweis im Rahmen des Bewilligungsverfahrens nicht berücksichtigt werden.

Somit ist offensichtlich, dass die für 2030 oder darüber hinaus versprochenen Biogasanteile reine Propaganda-Aussagen sind, eigentliche «alternative Fakten».

Die Interessen der Erdgaswirtschaft nach «virtuellem» Biogas und der Städte, der Kantone und des Bundes an einer zukunftsfähigen Klimaschutzpolitik lassen sich nicht vereinbaren.

Wenn Städte eine mit dem Pariser Klimaschutz-Übereinkommen vereinbare Klimaschutzpolitik betreiben, ist unabhängig von der Rechtsform ein städtisches Mitwirken an der Gasversorgung ausgeschlossen. Fossilfrei bedeutet somit auch für Städte Divestment, und zwar so rasch als möglich.

The post Biogas: vor allem «Greenwash»-Propaganda für fossiles Erdgas first appeared on umweltnetz.ch.]]> 7124 Auch in Zürich: #FossilFree und #Divest statt Erdgas-Propaganda https://www.umweltnetz.ch/content/auch-in-zuerich-fossilfree-und-divest-statt-erdgas-propaganda Sat, 07 Oct 2017 13:40:28 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=6950 Wenn der Mensch gemachte Klimawandel auf ein für die Menschheit bewältigbares Mass reduziert werden soll, gibt es nur einen Ansatz: Raschmöglichster Ausstieg aus allen fossilen Energien. In der Stadt Zürich beispielsweise ist dies noch nicht angekommen. Da wird immer noch intensiv Erdgas-Propaganda betrieben, was sich auch entsprechend auswirkt. #FossilFree und #Divest sind auch für Zürich … „Auch in Zürich: #FossilFree und #Divest statt Erdgas-Propaganda“ weiterlesen

The post Auch in Zürich: #FossilFree und #Divest statt Erdgas-Propaganda first appeared on umweltnetz.ch.]]> Wenn der Mensch gemachte Klimawandel auf ein für die Menschheit bewältigbares Mass reduziert werden soll, gibt es nur einen Ansatz: Raschmöglichster Ausstieg aus allen fossilen Energien. In der Stadt Zürich beispielsweise ist dies noch nicht angekommen. Da wird immer noch intensiv Erdgas-Propaganda betrieben, was sich auch entsprechend auswirkt. #FossilFree und #Divest sind auch für Zürich als raschestmöglich umzusetzende Strategien angesagt.

2008 haben sich die Stimmberechtigten der Stadt Zürich für die 2000-Watt-Gesellschaft ausgesprochen. Auch für den Kliamschutz war dies aus damaliger Sicht vorbildlich: eine Tonne Treibhausgase pro Person und Jahr bis zum Jahr 2050 sollten erreicht werden, ausgehend von 5.5 Tonnen pro Person und Jahr im Jahr 2005. Die Zwischenbilanz, welche die Stadt Zürich Mitte 2017 veröffentlicht hat, zeigt allerdings, dass es kaum mehr möglich ist, das für das Jahr 2020 vorgesehene Zwischenziel von 4 Tonnen Treibhausgasemissionen pro Person und Jahr zu erreichen.

Bereits mehrfach zitiert habe ich, was zu tun wäre: Wollen wir den Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen, wie im Pariser Klimaschutzabkommen versprochen, auf deutlich unter 2 °C und möglichst auf 1,5 °C begrenzen, müssen wir die weltweiten Kohlendioxidemissionen möglichst um das Jahr 2040 auf null, also um 100 Prozent reduzieren. 2017 ist klar, dass die Klimaschutzanforderungen deutlich strenger sind als noch 2008 angenommen. Es braucht also weitergehende Anforderungen an den Klimaschutz als noch vor 10 Jahren angenommen wurde.

Ein Projekt von Energieforschung Stadt Zürich weist auf eine mögliche Ursache hin, warum das Zwischenziel 2020 nicht erreicht werden dürfte: es werden noch deutlich zu wenig Heizungen auf erneuerbare Energien umgestellt. Oder anders: Die Propaganda der fossilen Erdgaslobby wirkt – Erdgas gilt nach wie vor als «freundliche» Energie! Allein aufgrund der öffentlich wahrnehmbaren Sponsoring-Präsenz von Energie 360° AG stehen offenbar erhebliche Propaganda-Mittel zur Verfügung, und dies in erster Linie für den Verkauf eines fossilen Energieträgers!

Dieser Propagandaeffekt zeigt sich auch der kürzlich veröffentlichten Antwort des Stadtrates auf eine Anfrage von Markus Kunz (Grüne) im Zürcher Gemeinderat. Markus Kunz erkundigte sich angesichts der Klimaschutzthematik nach Sinn und Zweck von weiteren Käufen von Gemeindegasversorgungen durch die städtisch dominierte Energie 360° AG, konkret am Beispiel des Gasnetzes der Gemeinde Wiesendangen, etwas mehr als 6’000 Einwohnende, ost-nordöstlich der Stadt Winterthur gelegen.

In der Antwort erwähnt der Stadtrat zwar den längerfristig erforderlichen Transformationsprozess weg von «konventionellen» hin zu den erneuerbaren Energien – eine Jahrzahl fehlt dabei allerdings. Dies lässt den Eindruck entstehen, dazu bestehe noch unendlich viel Zeit. Am 6. Oktober 2017 hat die Schweiz endlich das Klimaschutzübereimkommen von Paris ratifiziert, Zitat aus der Medienmitteilung des dafür verantwortlichen EDA: Mit der Übergabe der Ratifikationsurkunde am 6. Oktober 2017 in New York wird die Schweiz offiziell Mitglied des Klimaübereinkommens von Paris. Es wird für die Schweiz 30 Tage später, also am 5. November 2017, in Kraft treten. Es sieht unter anderem die Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 °C gegenüber vorindustriellen Werten vor. Die Schweiz hatte sich bei den Verhandlungen zum Klimaübereinkommen stark engagiert.

Was dies konkret heisst, lässt sich aus einer gleichtags publizierten Medienmitteilung des WWF ableiten: Die Schweiz muss den CO2-Ausstoss bis 2038 netto auf null senken. Das entspricht einer linearen Reduktion um 3,8 Prozentpunkte pro Jahr. Als Zwischenziel muss der CO2-Ausstoss 2030 zwei Drittel unter dem Niveau von 1990 liegen. Zum Vergleich: Gemäss Vorschlag des Bundesrats soll die Schweiz ihren eigenen Ausstoss im kommenden Jahrzehnt gerade Mal um 1 Prozentpunkt pro Jahr senken. 2030 wäre er damit gerade Mal 30 Prozent unter dem Stand von 1990.

Eine Energiewirtschaftspolitik der Stadt Zürich, die den Transformationspfad hin zu den erneuerbaren Energien nicht zu einem nicht mehr als 20 bis 25 Jahre entfernten Zeitpunkt terminiert, ist untauglich.

Die Antwort des Stadtrates verweist auf Biogas und auf Gas aus erneuerbarem Überschussstrom.

Diverse Studien zeigen, dass das lokal verfügbare Biogaspotenzial sehr gering ist; auf keinen Fall kann damit ein europaweit ausgedehntes Gasnetz betrieben werden – Biogas ist möglichst nahe am Produktionsort energetisch zu nutzen. Zu beachten ist zudem, dass Biogas nicht zwingend nachhaltig verfügbar ist. Biogas erfordert eine ausgeprägt tierhaltungsorientierte Landwirtschaft und profitiert offensichtlich von Food Waste. Wenn es – auch aus Klimaschutzgründen – gelingt, die Zahl der gehaltenen Nutztiere zu vermindern und Food Waste zu reduzieren, sinkt das Biogaspotenzial deutlich.

Das heutige Biogas-Angebot von Energie 360° AG setzt zu einem erheblichen Teil auf Biogas aus einer Anlage bei der Zuckerfabrik im ungarischen Kaposvár. Nur etwa 16 Prozent der in Zuckerrüben enthaltenen Stoffe wird für die Zuckerproduktion verwendet – für eine Zuckerproduktion zudem, welche für die menschliche Ernährung nicht nötig ist: Menschen konsumieren derzeit zu viel Zucker. Dazu kommt, dass etwa in der Schweiz die bei der Zuckerprdouktion anfallenenden Reststoffe, Rübenschnitzel beispielsweise, als Futtermittel für Rinder und Pferde Verwendung finden. Kaposvár liegt mehr als 1’000 km östlich von Zürich. In Zürich wird somit bestenfalls buchhalterisch Biogas verbrannt, nicht aber physisch. Je weniger Erdgas konsumiert wird, desto unwahrscheinlicher ist, dass dieses Biogas auch virtuell in Zürich ankommt. Wenn derzeit etwa beim Kantonsrat versucht wird, dieses Biogas als Alternative zu vom Gesetz vorgegebenen Lösungen zuzulassen, ist auch dies einmal mehr Propaganda des fossilen Imperiums. Interessant noch dies: In der Antwort des Stadtrates auf die Anfrage von Markus Kunz steht: Die Gasbranche hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von erneuerbaren Gasen im Gasnetz bis ins Jahr 2030 auf 30 Prozent zu steigern. Ein erheblicher Teil dieses Biogas ist zertifiziertes Biogas. Bei der Veröffentlichung der kommunalen Energieversorgungsplanung der Stadt Zürich enthielt die Medienmitteilung die Aussage, dass 45 % des Erdgasabsatzes im Jahr 2050 aus Biogas stammen werde – was sicher nicht funktioniert, wenn gemäss Pariser Klimaschutz-Übereinkommen bis spätestens 2040 der Ausstieg aus den fossilen Energien zu erfolgen hat.

Die Antwort des Stadtrates sieht ein Potenzial für «Gas aus erneuerbarem Überschussstrom». Vorerst weist der Begriff «Überschussstrom» auf einen fudamentalen Denkfehler hin: Es geht wenn schon darum, dass Stromproduktion und Stromnachfrage (aus welchen Gründen auch immer) zeitlich nicht zusammenpassen. Es ist seit Urzeiten so, dass sich die Energiewirtschaft damit beschäftigt, den aktuellen Energiebedarf mit speicherbaren Energien abzudecken (letztlich ist das in einem Heizöltank gelagerte Heizöl oder das Gas in der Gasleitung Überschussenergie aus fossilen Vorzeiten, auch Holz ist gespeicherte Sonnenenergie). Da die Stromspeichertechnologien technisch, ökologisch und ökonomisch derzeit erhebliche Entwicklungsschritte durchmachen, besteht keinerlei Notwendigkeit, Strom mit hohen Verlusten in Gas umzuwandeln. Das macht allenfalls lokal Sinn, aber sicher nicht zum Betrieb eines flächendeckenden Gasnetzes. Dazu gibt es auch eine Studie aus dem Kanton Schaffhausen.

Die Antwort des Stadtrates suggeriert, Energie 360° AG könne den heutigen Gaskunden im Rahmen des Transformationsprozesses Alternativlösungen anbieten. Es ist durchaus denkbar, dass an gewissen Orten Energieverbundlösungen realisiert werden können, die ausschliesslich mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Solche Lösungen brauchen eine minimale Überbauungsdichte – in Wiesendangen ist diese gemäss kantonaler GIS-Karte nicht gegeben, hier wird als zukünftig die Wärmeversorgung mit dezentralen Lösungen zu funktionieren haben. Der Energie 360° AG dürfte es somit vor allem zukommen, irgendwann in absehbarer Zeit das Gasnetz in Wiesendangen stillzulegen.

Nicht zu vermeiden war offenbar, dass in dieser Antwort auch die Dividenden der Energie 360° AG – hauptsächlich an die 96-Prozent-Aktionärin Stadt Zürich – angesprochen werden. Fast 30 Mio CHF pro Jahr, bei einem Aktienkapital von etwa 70 Mio CHF. Nein, eine Rendite ist dies definitiv nicht. Es handelt sich um einen Mittelzufluss im Sinne der Rentier-Staaten (von französisch rentier), mit Charakter eines Schweigegeldes, damit sich die Politik nicht wirklich mit der Zukunft der Gasversorgung beschäftigt.

Diese 30 Mio CHF als Dividende an die Stadtkasse sind zudem zu relativieren. Im November 2015 war im Tages-Anzeiger zu lesen: Rund 490 Milliarden Dollar gaben Staaten im Jahr 2014 aus, um die Preise für Kohle, Öl und Erdgas mit Subventionen künstlich zu verbilligen. Es kann hier offen bleiben, was genau mit Subventionen gemeint ist. Diese 490 Mia Dollar lassen sich über den Beölkerungsanteil auf die Stadt Zürich umrechnen, was jährliche Subventionen von etwas mehr als 25 Mio CHF ausmachen würde. Wird zudem berücksichtigt, dass in Zürich weniger als 30 % des Erdgasabsatzes im Einzugsgebiet von Energie 360° AG verkauft werden, entspricht der auf die Stadt entfallende Dividendenteil fast 9 Mio CHF. Auch die Dividenden von Energie 360° AG für die Stadt Zürich sind also kein Grund, auf Divestaktivitäten oder einen ambitionierten Transformationspfad der Stadt Zürich zu erneuerbaren Energien zu verzichten.

Offensichtlich ist, dass die Antwort des Stadtrates den Anforderungen des Pariser Klimaschutz-Übereinkommens bei weitem nicht genügt. Erdgas hat keinen Platz im Transformationspfad für eine zukunftsfähige Energieversorgung. Biogas und eventuell erneuerbares Gas zur Zwischenspeicherung von Strom spielen bestenfalls lokal/dezentral eine Rolle. Darum: Auch in Zürich: #FossilFree und #Divest statt Erdgas-Propaganda! Nur so gelingt ein klimafreundlicher Transformationspfad.

The post Auch in Zürich: #FossilFree und #Divest statt Erdgas-Propaganda first appeared on umweltnetz.ch.]]> 6950 Klimaschutz: Es braucht auch den Ausstieg aus dem Erdgas https://www.umweltnetz.ch/content/klimaschutz-es-braucht-auch-den-ausstieg-aus-dem-erdgas Sat, 22 Apr 2017 11:26:26 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=6763 Wollen wir den Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen, wie im Pariser Klimaschutzabkommen versprochen, auf deutlich unter 2 °C und möglichst auf 1,5 °C begrenzen, müssen wir die weltweiten Kohlendioxidemissionen möglichst um das Jahr 2040 auf null, also um 100 Prozent reduzieren. So startet Professor Volker Quaschning, Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin, Sprecher des Studiengangs … „Klimaschutz: Es braucht auch den Ausstieg aus dem Erdgas“ weiterlesen

The post Klimaschutz: Es braucht auch den Ausstieg aus dem Erdgas first appeared on umweltnetz.ch.]]> Wollen wir den Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen, wie im Pariser Klimaschutzabkommen versprochen, auf deutlich unter 2 °C und möglichst auf 1,5 °C begrenzen, müssen wir die weltweiten Kohlendioxidemissionen möglichst um das Jahr 2040 auf null, also um 100 Prozent reduzieren. So startet Professor Volker Quaschning, Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin, Sprecher des Studiengangs Regenerative Energien einen Beitrag des Wissenschaftsblogs Klimalounge von Spektrum.de. An derartigen Aussagen orientieren sich auch diverse meiner umweltnetz.ch-Beiträge. Wenn wir es wollen, ist dies zu schaffen – und wir müssen es schaffen, um die Auswirkungen des von Menschen gemachten Klimawandels auf ein für die Menschheit erträgliches Mass zu begrenzen.

Auch wenn Erdgas nach wie vor mit einem grünen Blättchen als «freundliche Energie» wirbt: Fossiles Erdgas gehört nicht dazu, wenn es um eine neue Energiewelt geht, die ausschliesslich mit erneuerbaren, nachhaltig nutzbaren Energien funktioniert.

Wie steht es um die Zukunftsaussichten von Biogas und von «erneuerbaren» Gasen aus dem Power-to-Gas-Prozess? Können diese Gase zukünftig eine in vielen Gebieten der Schweiz flächendeckende Gasversorgung rechtfertigen? Die Antwort ist klar und eindeutig: NEIN! Gas als Brenn- und allenfalls Treibstoff wird allenfalls beschränkt in dezentralen Anwendungen genutzt. Alles andere sind Marketing- und Propaganda-Aussagen.

Energie 360° AG und das Paul Scherrer Institut experimentieren derzeit damit, Biogas und Power-to-Gas zu kombinieren. Es geht allerdings in erster Linie darum, dezentral erzeugtes Biogas für die Einspeisung ins Gasnetz aufzubereiten – PlusBiogas so quasi.

Dazu soll aus «überschüssigem Strom» erzeugter Wasserstoff dienen. Allein der Begriff «überschüssiger Strom» dokumentiert den Grundlagenirrtum dieser Arbeiten. «Überschüssigen Strom» gibt es nicht, wie alle Energien ist auch Strom z. B. aus Fotovoltaik und Sonnenenergie zu bewirtschaften, damit Angebot und Nachfrage in Übereinstimmung gebracht werden können. Strom aus erneuerbaren Quellen ist volatil, gleich wie viele andere Energien. Die Speicherung von Energie, in welcher Form auch immer, gehört seit den fossilen Vorzeiten der Erde zu den Geschäftsmodellen der Energiewirtschaft. Eine effiziente Energienutzung erfordert auch effiziente Speichervorgänge. Bereits die Kette von Strom zu Wasserstoff weist beachtliche Energieverluste auf, auch die Methanisierung (Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas) führt zu weiteren Energieverlusten. Sollte dann sogar aus Methan wieder Strom produziert werden, steigen die Verluste massiv. Es gibt andere Speicherverfahren für Strom, die deutlich weniger Verluste als die Methanisierung aufweisen. Power-to-Gas ist letzte Wahl! Dies wird auch durch eine durch den Kanton Schaffhausen erstellte Studie bestätigt. Power-to-Gas ist demnach ein Spezialthema für wenige spezielle Anwendungen!

Biogas ist direkt verlinkt mit Foodwaste und einer tierhaltungsorientierten Landwirtschaft. Es ist davon auszugehen, dass Foodwaste zukünftigt erheblich reduziert wird. Ebenfalls mit Klimaschutzargumenten ist davon auszugehen, dass zukünftig die Zahl der Nutztiere (Rinder, Schweine, …) deutlich vermindert wird. Das Biogaspotenzial wird dadurch sicher nicht grösser.

Der Internet-Artikel zum Projekt von Energie 360° AG und Paul Scherrer Institut nennt ein in das Gasnetz einspeisbares PlusBiogas-Potenzial von 1’400 Gigawattstunden (GWh), gegenüber 308 GWh, die heute eingespeist werden. Zur Einordnung: die 1’400 GWh entsprechen etwa vier Prozent des 2015 in die Schweiz eingeführten Erdgases (ca 33’172 GWh gemäss Energiestatistik des Bundes). Da Power-to-Gas allein (also ohne Biogas) wegen den absehbaren Entwicklungen im Strom(speicher)bereich mittel- bis langfristig kaum relevante Mengen an erneuerbaren Gasen bereit stellen kann, ist bei einem Ausstieg der Schweiz auch aus fossilem Erdgas ein Weiterbetrieb des heutigen Gasnetzes längerfristig nicht möglich. Biogas und PlusBiogas, allenfalls ergänzt mit geringen erneuerbaren Power-to-Gas-Mengen, werden demnach sehr beschränkt zum Transformationspfad zu einer fossil- und nuklearfreien, ausschliesslich auf erneuerbaren Energien aufbauenden Energieversorgung beitragen.

Einmal mehr: Es braucht eine Energiepolitik von unten – Wärme-, Strom- und Mobilitätsantriebs-Energien werden zukünftig in erster Linie dezentral bereitgestellt! Somit ist es an der Zeit, aus Erdgas-Investments mit dem Motto «Go Fossilfree» auszusteigen, Divestment also auch bei Erdgas!

The post Klimaschutz: Es braucht auch den Ausstieg aus dem Erdgas first appeared on umweltnetz.ch.]]> 6763 Gas: kein nachhaltiger Beitrag zum Klimaschutz https://www.umweltnetz.ch/content/gas-kein-nachhaltiger-beitrag-zum-klimaschutz Wed, 04 Jan 2017 10:10:31 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=6674 Erdgas war Anfangs der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts ein willkommener Energieträger zur Verbesserung der Luftqualität, weil Erdgas «sauberer» verbrennt als Heizöl, Kohle oder auch Holz. Als vordergründig tauglich zeigt sich Erdgas auch beim Klimaschutz. Auf Primärenergiestufe verursacht Erdgas als Energieträger für die Wärmeerzeugung etwa 25 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als bei der Verwendung von Heizöl. … „Gas: kein nachhaltiger Beitrag zum Klimaschutz“ weiterlesen

The post Gas: kein nachhaltiger Beitrag zum Klimaschutz first appeared on umweltnetz.ch.]]> Erdgas war Anfangs der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts ein willkommener Energieträger zur Verbesserung der Luftqualität, weil Erdgas «sauberer» verbrennt als Heizöl, Kohle oder auch Holz. Als vordergründig tauglich zeigt sich Erdgas auch beim Klimaschutz. Auf Primärenergiestufe verursacht Erdgas als Energieträger für die Wärmeerzeugung etwa 25 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als bei der Verwendung von Heizöl. Da allerdings um 2040 bis 2050 ausschliesslich erneuerbare Energien zu verwenden sind, um die Ziele des Pariser Klimaschutz-Übereinkommens einzuhalten, ist die Verbrennung von Erdgas kein nachhaltiger Beitrag zum Klimaschutz. Wie steht es mit den vorgeblich erneuerbaren Brennstoffen Biogas und Power-to-Gas?

Der BFE-Blog energeiaplus publizierte am 3. Januar 2017 ein Interview mit Daniela Decurtins, Direktorin des Verbandes der Schweizerischen Gasindustrie. Dieses Interview enthält diverse Werbespots für Gas als Brennstoff, die so nicht stehen gelassen werden können.

Vorerst fällt auf, dass nirgendwo erwähnt wird, dass es sich bei Erdgas um einen fossilen Energieträger handelt, der aus Klimaschutzgründen höchstens in einer möglichst kurzen Übergangsphase eingesetzt werden sollte.

Auch Frau Decurtins verwendet die irreführende Aussage, mit Power-to-Gas könne überschüssiger erneuerbarer Strom in Gas umgewandelt und im Gasnetz gespeichert werden. «Überschüssiger Strom» ist vorerst ein physikalischer Unsinn. Zudem hat das unregelmässig auftretende Ungleichgewicht von Stromproduktion und Stromverbrauch verschiedene Gründe, die wenig mit erneuerbarem Strom zu tun haben. Für das Ungleichgewicht sorgen in erster Linie die schwer regelbaren Atom- und Kohlekraftwerke. Power-to-Gas ist somit in erster Linie Teil der Kette der «alten» Stromwirtschaft und daher kaum zukunftsfähig.

Mit Power-to-Gas-Anlagen wird in einem ersten Schritt mit Stromeinsatz Wasserstoff produziert, welcher direkt gespeichert oder methanisiert wird (Erdgas besteht zu einem hohen Anteil aus Methan). Bereits diese Prozesssschritte weisen sehr tiefe Wirkungsgrade auf und sind mit sehr hohen Kosten verbunden. Selbst wenn technologische Fortschritte erwartet werden können: Die direkte Speicherung von Strom in Batterien oder indirekte Speicherformen wie Pumpspeicherkraftwerke bieten energiewirtschaftlich und ökologisch deutliche Vorteile, die durch gegenwärtige Entwicklungen verstärkt werden. Dazu kommt, dass Power-to-Gas anfänglich dafür gedacht war, Energieträger für Brennstoffzellen- und Gasmotor-Fahrzeuge bereitzustellen, als Alternative zum Benzin- und Dieselantrieb. Derzeit sieht es eher danach aus, dass für Fahrzeuge der Elektroantrieb im Vordergrund steht. Power-to-Gas stellt eine schmale Seitenlinie der Technologieentwicklung dar, eignet sich aber nicht dafür, ein Gasnetz zu betreiben, wenn auf das fossile Erdgas verzichtet wird.

Allenfalls wird Power-to-Gas bei Gebäuden mit dezentraler (autarker) Energieversorgung eine Rolle spielen, siehe etwa das Beispielgebäude in Brütten. Da dies auf Gebäude- oder allenfalls Quartierebene erfolgt, braucht es dazu zukünftig keine flächendeckende Gasversorgung.

Auf Primärenergiestufe emittiert Biogas rund 40 Prozent der Treibhausgase im Vergleich zur Wärmebereitstellung mit Heizöl. Somit ist Biogas aus Klimaschutzsicht bestenfalls eine Übergangslösung.

Biogas ist direkt gekoppelt mit der aktuellen Praxis der Lebensmittelverluste (auch als Food Waste bezeichnet) – ein Drittel aller Lebensmittel wird verschwendet. Wenn es gelingt, Lebensmittelverluste zu vermeiden, wird weniger Biomasse in Biogasanlagen eingeliefert. Ein weiterer grosser Teil des Biogases stammt aus landwirtschaftlichen Betrieben mit Tierhaltung. Aus Klimaschutzgründen ist sowohl der Fleisch- als auch der Milchproduktekonsum zu vermindern. Mittel- bis längerfristig werden somit auch in der Schweiz die Tierbestände deutlich verkleinert werden, was das Biogaspotenzial reduzieren wird. Angesichts der zukünftig zu erwartenden Biogasmengen ist davon auszugehen, dass Biogas in der Nähe der Produktionsorte verbraucht werden wird. Namhafte Energiemengen zum Betrieb von flächendeckenden Biogasnetzen stehen somit kaum zur Verfügung.

Wenn das fossile Erdgas aus Klimaschutzgründen wegfällt, ermöglichen weder Power-to-Gas noch Biogas einen Weiterbetrieb der aktuell vor allem in den Städten bestehenden flächendeckenden Gasnetze. Auch die Schweizerische Gasindustrie hat sich darauf einzustellen, dass mittel- bis längerfristig aus der gegenwärtigen Gasversorgung auszusteigen ist. Ein zu diskutierendes Gasmarktgesetz wird also auch den Ausstieg aus dem Gasmarkt thematisieren müssen.

In Ergänzung: Frau Decurtins bemängelt den Umgang der Schweizerischen Energiepolitik mit der (dezentralen) Wärme-Kraft-Kopplung, welche interessanterweise in Deutschland als Kraft-Wärme-Kopplung bezeichnet wird. Diese Technologie erfordert relativ günstige Massenmotoren aus dem Automobilbereich, Gebäude mit einem hohen spezifischen Wärmeverbrauch zur Ermöglichung langer Laufzeiten und eine möglichst grosse Differenz zwischen den Preisen für Energieträger zum Betrieb der Verbrennungsmotoren und dem auf dem Markt angebotenen Strom. Klimaschutz und Energiestrategie verändern bei konsequenter Umsetzung alle diese Bedingungen zu Ungunsten der Wärme-Kraft-Kopplung. Somit stellt also auch die Wärme-Kraft-Kopplung keine relevante Option für die zukünftige Energieversorgung dar («keine relevante Option» besagt, dass diese Technologie im Massenmarkt (Wärmebereitstellung und Stromversorgung von Bauten) kaum Platz findet; Möglichkeiten bestehen allenfalls in Industrie und Gewerbe bei konstantem Wärmeverbrauch über das ganze Jahr und eher tiefem Stromverbrauch).

Die heute übliche Gaswerbung ist somit baldmöglichst anzupassen:

neue Gaswerbung

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