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3N – normal – nützlich – notwendig | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Tue, 21 Apr 2020 10:52:34 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 44487214 Wart schnäll – schnäll e chli warte: Umgang mit Herausforderungen? https://www.umweltnetz.ch/content/wart-schnaell-schnaell-e-chli-warte-umgang-mit-herausforderungen Mon, 20 Apr 2020 17:02:57 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7871 «Wart schnäll» – «Schnäll e chli warte»: häufig zu hörende Redewendung, in vielen Situationen angewandt. Soll ich «schnell warten», oder soll ich schnell mit Warten beginnen? Bei vielen gesellschaftlichen Fragestellungen – typisch COVID-19 oder Klimawandel – wird «Warten» auch sehr häufig genannt.«Management by Patient Waiting» wird und wurde häufig als Devise für den Umgang mit … „Wart schnäll – schnäll e chli warte: Umgang mit Herausforderungen?“ weiterlesen

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«Wart schnäll» – «Schnäll e chli warte»: häufig zu hörende Redewendung, in vielen Situationen angewandt. Soll ich «schnell warten», oder soll ich schnell mit Warten beginnen? Bei vielen gesellschaftlichen Fragestellungen – typisch COVID-19 oder Klimawandel – wird «Warten» auch sehr häufig genannt.«Management by Patient Waiting» wird und wurde häufig als Devise für den Umgang mit aktuellen, sogar mit drängenden Fragestellungen vorgegeben.

Wenn es um eine noch ziemlich am Beginn stehende Entwicklung wie eine globale Pandemie geht, zeigt «Warten» durchaus Wirkung: wird zugewartet, das zu tun, was in unserer Gesellschaft als normal, nützlich und notwendig gilt, gelingt es, die Ansteckung mit dem Corona-Virus deutlich zu verlangsamen. Weil wir es als Gesellschaft nicht geschafft haben, unser Wohlergehen von einer mehr oder weniger wachsenden Wirtschaft unabhängig zu machen, müsste für diverse lautstarke Stimmen das «schnäll» beim Warten allerdings wirklich bald vorbei sein.

Allerdings: es wird immer offensichtlicher, dass eine derartige Pandemie durchaus mit dem übergrossen ökologischen Fussabdruck insbesondere der reichen Länder zusammenhängt! Oder anders: wenn wir an einer nachhaltigen, an einer dauerhaften Strategie für die Vermeidung und den Umgang mit allenfalls trotzdem auftretenden Pandemien interessiert sind, müssen wir auch nach dem Warten gewisse Dinge, die als normal, nützlich und notwendig gelten, in Frage stellen.

Um etwa den von Menschen gemachten Klimawandel zu begrenzen, ist es nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nötig, «schnelle, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» zu realisieren. Nur so ist es möglich, die drohende Klimakrise zu verhindern oder mindestens abzuschwächen.Nun, seit etwa vierzig Jahren höre ich bei der Klimapolitik immer noch «wart schnäll» oder «schnäll e chli warte». Nun, die Klimapolitik der Schweiz ist nach wie vor weit davon entfernt, das umzusetzen, was nach wissenschaftlichen Erkenntnissen notwendig ist – und sogar diese zu schwache Klimapolitik erreicht ihre Ziele nicht, Zitat aus der Medienmitteilung des Bundes vom 15. April 2020: «Nach heutiger Einschätzung wird die Schweiz ihr nationales Klimaziel für 2020 von minus 20 Prozent Treibhausgasausstoss gegenüber 1990 gesamthaft verfehlen.»  

Statt Warten ist es tatsächlich notwendig, auch von dem loszukommen, was heute als normal, nützlich und notwendig gilt; dazu gehört beispielsweise die Versorgung mit Erdgas, gegen alle Sentimentalitäten und kurzsichtigen wirtschaftlichen Interessen. Beispiel dazu ist etwa die Stadt Winterthur: «Das Gasnetz soll … mittel- bis langfristig … verkleinert werden und dereinst nur noch erneuerbares Gas durchleiten.» heisst es in einer Medienmitteilung ebenfalls vom 15. April 2020. Und es geht um ein Gasnetz, welches über die vergangenen 160 Jahre auf- und ausgebaut wurde.

Die erforderlichen «schnellen, weitreichende und beispiellose Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft» erfordern eben, dass wir uns von diversen Dingen verabschieden, die derzeit noch als normal, nützlich und notwendig gelten, die uns schon fast zu lieb geworden sind.

Zu beachten: «Der Klimawandel ist gefährlicher als Corona» gilt bereits als breit anerkannt und bestens abgestützt.Da ist eigentlich schon lange nichts mehr mit

Oder anders: Wir müssen raschmöglichst weg von den fossilen (und nukelaren) Energieträgern – «wart schnäll» oder «schnäll e chli warte» hat da keinen Platz mehr. Ja, das geht, das sagt auch der Schweizerische Nationalfonds: Aussteigen [aus der Kernenergie und der CO2-intensiven Energiewelt] ist möglich… wenn wir wollen, und dies sogar wirtschaftlich und sozial verträglich – Ergebnisse der Nationalen Forschungsprogramme „Energiewende“ (NFP 70) und „Steuerung des Energieverbrauchs“ (NFP 71), vorgestellt am 14. Januar 2020. Einmal mehr: wenn wir wollen, ist die Vermeidung/Abschwächung der Klimakrise möglich – im Wissen darum, dass dazu ein «System Change» erforderlich ist. «Wart schnäll» oder «schnäll e chli warte» liegt allerdings nicht mehr drin!

Konkretisiert werden kann dies bereits bei den Sofortmassnahmen, die wegen des Corona-«Lockdowns» politisch diskutiert werden. Dies heisst etwa, dass es eine allfällige Staatshilfe für den Flugverkehr nur mit Paris-konformen Klimazielen geben sollte, oder dass das bedingungslose Grundeinkommen für alle so rasch als möglich einzuführen ist.  

PS: Das fiktive Datum WXYZ.PQ.HI EF:TU:MN steht für «Warten bis zum Sankt-Nimmerleinstag»! Oder doch nur für die nächsten ein, zwei, drei Minuten?

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Klimaschutz: Neues Denken und Wollen https://www.umweltnetz.ch/content/klimaschutz-neues-denken-und-wollen Mon, 16 Dec 2019 13:56:22 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7727 Zielführender Klimaschutz erfordert, dass die Menschen in wohlhabenden Ländern vieles, was derzeit als «normal, nützlich und notwendig» gilt, in Frage stellen und neu denken. Nur wenn Menschen davon überzeugt sind, dass es auch zukünftig neue Dinge gibt, die als «normal, nützlich und notwendig» betrachtet werden, und die weiterhin ein gutes Leben ermöglichen, sind sie bereit, … „Klimaschutz: Neues Denken und Wollen“ weiterlesen

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Zielführender Klimaschutz erfordert, dass die Menschen in wohlhabenden Ländern vieles, was derzeit als «normal, nützlich und notwendig» gilt, in Frage stellen und neu denken. Nur wenn Menschen davon überzeugt sind, dass es auch zukünftig neue Dinge gibt, die als «normal, nützlich und notwendig» betrachtet werden, und die weiterhin ein gutes Leben ermöglichen, sind sie bereit, in vielen Lebensbereichen diesen «System Change» anzugehen, mitzutragen und voranzubringen.

Klimaschutz wird seit mehr als 40 Jahren postuliert, mit zunehmender Dringlichkeit. Nach wie vor gibt es sehr viele Kräfte, die von dem, was heute als «normal, nützlich und notwendig» gilt, profitieren. Diese Kräfte setzen alles daran, dass die für den Klimaschutz erforderlichen Veränderungen zögerlich oder überhaupt nicht angegangen werden – und sie rechnen mit der Bequemlichkeit der handelnden Menschen.

Neben «Public Relations» ist auch Verunsicherung ein wichtiges Element, damit neue Dinge möglichst zögerlich den Status von «normal, nützlich und notwendig» erreichen. Denn: damit Menschen Veränderungen angehen, braucht es einfache Botschaften und klare Handlungsaufforderungen.

Zentral für die Zukunft: die unbegrenzt verfügbaren erneuerbaren Energien sind mit möglichst wenig Gesamt-Aufwand in Nutzenergie überzuführen.

Ein erstes Beispiel: Autos werden heute meist mit Treibstoffen fossilen Ursprungs (Diesel, Benzin) angetrieben. Neben den Emissionen an Treibhausgasen tragen Autos in massgeblichem Umfang zur Luftverschmutzung bei und verursachen erheblichen Lärm. Auch werden wertvolle und begrenzte Ressourcen verwendet. Auch wenn die Nutzung von Autos zur Mobilitätsabdeckung nicht zwingend erforderlich ist, ist die Erhaltung von Autos als Fortbewegungsmittel derzeit offenbar eine emotionale Erfordernis – oder eben, Autos sind für viele «normal, nützlich und notwendig». Somit wird derzeit in erster Linie über andere Antriebskonzepte für Autos geforscht und intensiv darüber diskutiert. Elektroautos, Autos, die mit Wasserstoff oder Gas betrieben werden, stehen dabei im Vordergrund.

Umfassende Ökobilanzierungen sind ein häufig verwendetes Argumentarium – es geht darum, nicht nur den CO2-Fussabdruck zu vermindern, sondern den gesamten ökologischen Fussabdruck.

Anfang Dezember 2019 wurde in Schweden die zweite Version einer Studie des IVL Swedish Environmental Research Institute zu den ökologischen Auswirkungen von elektrischen Autobatterien veröffentlicht. Die dabei ermittelten 61 bis 106 kg CO2-Äquivalente pro kWh Speicherkapazität waren dabei um etwa Faktor 2 tiefer als die Angaben der ersten Version, die vor zwei Jahren erstellt wurde. Die erste Version lieferte numerische Argumente gegen Elektrofahrzeuge, mit der zweiten Studie ist dies kaum mehr möglich. 

Ebenso zeigt sich, dass mit Ökobilanzierungen sehr sorgfältig umzugehen ist. Wie bei finanziellen Bilanzen sind auch bei Ökobilanzen gute Angaben über die bereits erfolgten Tätigkeiten möglich. Darstellungen der aktuellen Situation oder gar Aussagen zur Zukunft sind mit Bilanzierungen schlecht realisierbar.

Klar ist: Strom aus erneuerbaren Quellen sowohl bei der Produktion als auch beim Betrieb der Autos und ein möglichst geschlossener Ressourcenkreislauf sorgen dafür, dass elektrisch angetriebene Fahrzeuge teilweise erhebliche ökologische Vorteile gegenüber anderen Antriebssystemen aufweisen.

Somit haben Wissenschaft, Politik und Wirtschaft dazu beizutragen, dass gezielt Innovationen in den relevanten Bereichen erfolgen. Ebenso ist es erforderlich, Transparenz über die erreichte Ökologisierung sicherzustellen.

Dies führt zu einer relativ einfachen Botschaft: Wenn du tatsächlich ein eigenes Auto brauchst, weil die Füsse, das Velo, der öffentliche Verkehr, Sharing-Konzepte und so weiter nicht ausreichen, dann soll es ein möglichst kleines Fahrzeug mit ausschliesslich elektrischem Antrieb sein, betrieben mit zertifiziertem Ökostrom.  


Ein zweites Beispiel: Erdgas galt (und gilt teilweise immer noch) als ökologischere Wahl im Vergleich zu Erdöl. Dies führt zu internationalen Auseinandersetzungen, ob die Abhängigkeit von Russland (Nord Stream 2) oder von der USA (Flüssiggas) für Europa vorteilhafter sei – der Klimaschutz geht dabei schlicht vergessen.

Für den Klimaschutz ist es notwendig, raschmöglichst aus den fossilen Energieträgern, somit auch Erdgas, auszusteigen. Raschmöglichst heisst hier allerspätestens 2050, mit einem möglichst schnellen und mindestens linearen Absenkpfad.

Biogas – aus biologisch abbaubaren Reststoffen hergestellt – wird bereits genutzt. Auch wenn noch Potenzial vorhanden ist, reicht dies bei weitem nicht aus, um das fossile Erdgas zu ersetzen. Physikalisch ist es möglich, unter Einsatz von Strom ein brennbares Gas herzustellen, welches zu Methan oder flüssigen Brenn- und Treibstoffen weiterverarbeitet werden kann (Begriffe wie Power-to-Gas (PtG, P2G), Power-to-Fuel (PtF, P2F), Power-to-X (PtX, P2X) werden dabei verwendet). Zur Sicherstellung des Klimaschutzes ist dazu ausschliesslich Strom aus erneuerbaren Quellen zu verwenden – wer allerdings wie häufig bei derartigen Diskussionen von «überschüssigem» Strom spricht, hat zumindest energiewirtschaftlich keine Ahnung.

Sowohl das beschränkte Biogas-Potenzial als auch die sehr aufwändigen P2X-Prozesse führen zu erheblichen Diskussionen über das realistische Potenzial von solchen Energieträgern.  Derzeit ist erkennbar, dass P2X-Anwendungen am ehesten in der Luftfahrt, in der Schifffahrt und allenfalls bei Strassentransporten Verwendung finden könnten. Offen sind auch die Chancen bei der Wirkungsgradverbesserung der diversen P2X-Prozesse – und damit auch die Frage, ob es sich bei Gasen dieser Art um eine Brückentechnologie, eine Zukunftstechnologie oder um eine Sackgasse handelt.

Zwei Zitate zeigen die Schwierigkeit von einfachen Botschaften – eine solche könnte etwa sein, dass Gase für die Beheizung und die Warmwasserversorgung von Bauten keine Zukunft haben.

  • Das Bundesamt für Energie hat im Oktober 2019 das Dokument «Künftige Rolle von Gas und Gasinfrastruktur in der Energieversorgung der Schweiz» veröffentlicht. Unter Punkt 9 ist zu lesen: Kurz- bis mittelfristig ist der Einsatz von Erdgas – unter Beimischung von Biogas – im Gebäudebereich sinnvoll. Langfristig jedoch nicht. Oder wie im Einleitungsbild dieses Blogbeitrages zu lesen: Langfristig ist der Einsatz von Erdgas – auch unter Beimischung von Biogas – im Gebäudebereich nicht sinnvoll.
  • Der WWF Schweiz hat im März 2019 ein Factsheet «Erdgas – Biogas – Power-to-Gas. Potenziale, Grenzen, Infrastrukturbedarf» veröffentlicht. Eine der Aussagen fast am Schluss des Factsheets: Der WWF Schweiz erwartet oder fordert nicht den vollständigen Rückbau des Gasnetzes. Wir weisen lediglich darauf hin, dass bislang von der Gaswirtschaft kein hinreichend belegtes Szenario und erst recht keine überzeugende Strategie vorliegt, wie die Gasversorgung auf heutigem oder bloss leicht reduziertem Absatzniveau innert zwei Jahrzehnten nahezu vollständig dekarbonisiert werden könnte. Das Gasnetz wird so zu einer tickenden Klimabombe. 

Andererseits besteht eine ausreichende Zahl von Studien, die belegen, dass Gase unabhängig von der Herkunft nicht für Zwecke der Beheizung und der Warmwasserversorgung von Bauten erforderlich sind. Es gibt ausreichende und vielfältige Alternativen mit langfristig nachhaltiger Bilanz gerade im Gebäudebereich.

Diese Situation führt dazu, dass die Gasdebatte vor  allem ein Marketing-, allenfalls gar ein Campaigning-Thema ist – und noch nicht die Stufe erreicht hat zu verlässlichen Aussagen mit zukunftsfähiger Ausrichtung, die als «nützlich, normal und notwendig» dienen können. Dies führt zu Vorteilen für jene Kräften, die finanziell von der heutigen, fossil-lastigen Situation profitieren – wirklich zukunftsfähig ist dies nicht (und auch dies schon seit langen Jahren). 

Letztlich geht es darum, den Verbrauch von dauernd oder regelmässig gelieferten Energien – aus Erdöl, Erdgas oder P2X, aber auch Strom – zu minimieren und einen möglichst hohen Anteil an Energie vor Ort zu produzieren. Bisherige Energie-KonsumentInnen werden zu Energie-ProsumentInnen. Dies führt in der Regel zu höheren Investitionskosten und tieferen Energiekosten, in den meisten Fällen eine langfristig lohnende Sache.   

 

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Nicht-Wegwerfen muss (Öko-)Routine werden https://www.umweltnetz.ch/content/nicht-wegwerfen-muss-oeko-routine-werden Thu, 04 Jan 2018 19:43:39 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=7096 Wenn ich auf meinen regelmässigen Wanderungen vom Friesenberg zum Uetliberg und zurück unterwegs bin, trage ich seit einiger Zeit einen Rucksack. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, herumliegenden Abfall einzusammeln. Deshalb hat es in meinem Rucksack einen «Clean Mountain»-Beutel. Meist handelt es sich um Kunststoffabfälle, leere Flaschen und Verpackungen – also Einweg- oder eben … „Nicht-Wegwerfen muss (Öko-)Routine werden“ weiterlesen

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Wenn ich auf meinen regelmässigen Wanderungen vom Friesenberg zum Uetliberg und zurück unterwegs bin, trage ich seit einiger Zeit einen Rucksack. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, herumliegenden Abfall einzusammeln. Deshalb hat es in meinem Rucksack einen «Clean Mountain»-Beutel. Meist handelt es sich um Kunststoffabfälle, leere Flaschen und Verpackungen – also Einweg- oder eben Wegwerf-Gegenstände. Diese Abfälle nicht nur am Uetliberg sind ein Symbol unserer Wegwerf-Gesellschaft.

Nach dem lauten Knallen und den Feinstaub-Spitzenwerten in der Nacht wird der Spaziergang am Neujahrs-Morgen zur Abfallsammeltour: Da liegen Unmengen von Feuerwerksabfällen herum. Auch dies ein Symbol.

Am 4. Januar 2018 folgt ein Artikel im Tages-Anzeiger: Wohin mit Europas Abfall, jetzt da China ihn nicht mehr will? – ein wichtiger Aspekt ist der «Plastikmüll». Diese Situation hat durchaus ironischen Charakter, weil einiges dieses Mülls von in China oder anderen Billigexportländern hergestellten Gegenständen stammt.

«Entsorgung» ist immer noch das Zauberwort beim Müll, beim Abfall. Wir sind weit von geschlossenen Stoffkreisläufen entfernt. Wir alle wissen, dass die Erde endlich ist, dass gerade der Fussabdruck von Menschen in reichen Ländern deutlich grösser ist als er für die Erde verträglich ist. «Entsorgung», das tönt schon fast wie ein Gebet: Entsorg uns von dem Abfall!

«Alu sammeln ist gut, Alu meiden ist besser» – so lautet ein Slogan, welcher in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden ist. Anstelle von Alu können auch andere Ressource stehen: Papier, Kunststoff/Plastik, Biomasse, seltene Erden, …

«Alu sammeln ist gut, Alu meiden ist besser» kommt als moralischer Appell daher, fordert das individuelle und freiwillige Wohlverhalten ein. Da passt ein weiterer Artikel-Titel, publiziert am 3. Januar 2018: Umweltschutz: Ist öko zu unmännlich? (Spektrum.de), mit dem Lead «Männer tun sich mit Umweltschutz oft schwerer als Frauen. Ein Grund: Naturbewusstes Verhalten kratzt offenbar am männlichen Selbstbild.»

Müll, den es zu entsorgen gilt, ist ein Indikator der Wegwerfgesellschaft. Auch beim Verbrauch fossiler Brennstoffe wird einiges an Treibhausgasen «weggeworfen». Wird ein Liter Heizöl (ca 0.85 kg) verbrannt, entstehen 2.8 kg CO2, die in der Umgebung (vermeintlich) entsorgt werden. Bei der Verbrennung der gleichen Energiemenge in Erdgas entstehen rund 2 kg CO2. Die Verhältnisse bei Diesel und Benzin sind ähnlich; sowohl bei Heizöl wie bei Erdgas sind die Vorketten und weitere Treibhausgase nicht berücksichtigt. Die Energiestatistik der Stadt Zürich weist etwa einen jährlichen CO2-Ausstoss von 1.1 Mio Tonnen aus fossilen Quellen aus. Dieses CO2 vermischt sich mit der Luft und führt zum Mensch gemachten Klimawandel. Mit diesem CO2-Gas könnte auf Stadtgebiet alle 15 Minuten ein Heissluftballon gefüllt werden. Würde dieses CO2 als rund 760 mal dichteres Trockeneis ausfallen (physikalisch nur mit sehr viel Energieaufwand realisierbar), ergäbe sich in den Bauzonen pro Jahr eine Schichtdicke von etwa 1.5 cm, was durchaus ein klassisches Entsorgungsthema wäre.

Zur Entsorgung des Mensch gemachten Treibhausgases CO2 ist so rasch als möglich auf nachhaltig nutzbare erneuerbare Energien zu wechseln – wenn wir dies wollen, schaffen wir dies auch (und zwar unabhängig davon, ob dies zum Selbstbild insbesondere älterer Männer passt)! Es muss schlicht und einfach normal, nützlich und notwendig werden, alle Energiebedürfnisse mit erneuerbaren Energien abzudecken.

Und zur Entsorgung all des anderen Mülls? Oder anders: Wie erreichen wir eine Kreislaufwirtschaft, wie erreichen wir eine Materialwirtschaft ohne oder nur mit ganz wenig Abfällen? Es braucht dazu sehr viele einzelne Massnahmen, es braucht einen breiten Mix von Verhaltensmassnahmen bis technologischen Ansätzen – auch die Kreislaufwirtschaft «von der Wiege zur Wiege»/«from cradle to cradle» oder «C2C» muss normal, nützlich und notwendig werden. Und ganz einfach: Mit dem heutigen Verständnis von liberalen oder gar libertären Denkmustern funktioniert dies nicht!

Diese Herausforderungen lassen sich nicht mit «guten Vorsätzen», typisch für die Neujahrszeit, angehen. Dazu braucht es zum Beispiel die Politik, die Standards hebt und Limiten definiert (Zitat aus dem Lead des Standpunkts Erlöst die Konsumenten! von Michael Kopatz). Um vom übergrossen ökologischen Fussabdruck wegzukommen, braucht es einen enkel-/enkelinnentauglichen neuen Lebensstil, und zwar eben nicht nur von altruistischen Freiwilligen, sondern von allen. Den Weg dazu beschreibt Michael Kopatz in seinem Buch «Ökoroutine». Wahrscheinlich taugt dieser Weg dazu, auch für die Urenkelinnen und Urenkel eine lebenswerte Zukunft zu schaffen.

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