Oberhalb Belalp steht das Denkmal für John Tyndall (1820 bis 1893). Er ist einer der Erforscher des Treibhauseffektes, welcher eine erhebliche Rolle spielt beim vom Menschen gemachten Klimawandel. Vom Standort des Tyndall-Denkmals geht der Blick unter anderem zum Aletschgletscher, Sammelindikator für das vorherrschende Klima – der von Menschen gemachte Klimawandel hat bereits zu einer deutlichen Reduktion des Gletschervolumens geführt, und es ist absehbar, dass dies so weitergehen wird.
Die Schweizer Gletscher werden sogar dann deutlich kleiner, wenn die Menschheit den von Menschen gemachten Klimawandel deutlich und schnell begrenzt. Klimawandel in der Schweiz: Zwei oder drei Grad Erwärmung machen Unterschied titelte die NZZ am Tag nach der Nationalratsdebatte zum Pariser Klimaschutz-Übereinkommen, ein Zitat aus dem NZZ-Artikel: … es ist für die Schweiz ein grossen Unterschied, ob die globale Erwärmung auf unter zwei Grad begrenzt werden kann oder ob sie auf drei Grad oder mehr ansteigt. Im ersten Fall ist in der Schweiz bis Ende des Jahrhunderts mit einer Erwärmung um 3 bis 3,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu rechnen. Anderenfalls wären es 4 bis 5 Grad.
Deutlich kleinere Gletscher haben erhebliche Auswirkungen etwa auf den Wasserhaushalt der Schweiz. Auch andernorts hat der von Menschen gemachte Klimawandel bereits Auswirkungen, ein Zitat aus einem zeozwei.taz-Artikel: Eine neue Studie von US-Forschern belegt nun erstmals am konkreten Fall des syrischen Bürgerkriegs, wovor zu warnen in der Vergangenheit immer den Ruch des „Alarmismus” hatte: dass die globale Erwärmung verstärkt zu Dürren und Missernten führt, die vulnerable und schwache Staaten destabilisieren und zu Gewalt und Flüchtlingsströmen führen können. Klimaschutz hat die Absicht, die Folgen des Klimawandels auf ein für die Menschheit aushaltbares Mass zu begrenzen.
Hinweise auf den von Menschen gemachten Klimawandel sind auch aus meiner Erfahrung tatsächlich mit dem «Ruch des Alarmismus» behaftet – viele Menschen anerkennen zwar, dass es einen von Menschen gemachten Klimawandel gibt, sie hoffen einerseits auf irgendwelche Wunder und andererseits erachten sie die Gesellschaft, insbesondere die wohlhabenden Länder, als in derartigen Fragen handlungsunfähig oder handlungsschwach. Wenn wir wollen, können wir den von Menschen gemachten Klimawandel auf 1.5 °C oder mindestens deutlich unter 2 °C begrenzen – wenn wir dies wollen, ist alles daran zu setzen, die Energieversorgung nicht nur der Schweiz um das Jahr 2040 herum wohlständig mit nachhaltig nutzbaren erneuerbaren Energien abzudecken.
Die von der Schweiz beabsichtigte Umsetzung des Pariser Klimaschutz-Überenkommens nimmt diese Nerausforderung nicht an – offenbar stehen die Interessen der Erdöl-Erdgas-Lobby und der Maschinenindustrie zur Belieferung von Erdöl- und Erdgasfördereinrichtungen im Hauptfokus der Politik.
Wenn wir es wollen, ist der Ausstieg aus den fossilen (und nuklearen) Energien und der Umstieg auf ausschliesslich erneuerbare Energien bis um das Jahr 2040 herum erreichbar. Das, was zu tun ist, betrifft jede und jeden, betrifft alle Lebensbereiche – Wohnen, Arbeiten, Verkehr, Ferien, Konsum, Ernährung.
Wenn wir wirklich wollen, kann der von Menschen gemachte Klimawandel durch uns Menschen schnell begrenzt werden.
Mögliche Handlungsoptionen zur Konkretisierung des Wollens zeigt die 2000-Watt-Gesellschaft auf.
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Der BFE-Blog energeiaplus publizierte am 3. Januar 2017 ein Interview mit Daniela Decurtins, Direktorin des Verbandes der Schweizerischen Gasindustrie. Dieses Interview enthält diverse Werbespots für Gas als Brennstoff, die so nicht stehen gelassen werden können.
Vorerst fällt auf, dass nirgendwo erwähnt wird, dass es sich bei Erdgas um einen fossilen Energieträger handelt, der aus Klimaschutzgründen höchstens in einer möglichst kurzen Übergangsphase eingesetzt werden sollte.
Auch Frau Decurtins verwendet die irreführende Aussage, mit Power-to-Gas könne überschüssiger erneuerbarer Strom in Gas umgewandelt und im Gasnetz gespeichert werden. «Überschüssiger Strom» ist vorerst ein physikalischer Unsinn. Zudem hat das unregelmässig auftretende Ungleichgewicht von Stromproduktion und Stromverbrauch verschiedene Gründe, die wenig mit erneuerbarem Strom zu tun haben. Für das Ungleichgewicht sorgen in erster Linie die schwer regelbaren Atom- und Kohlekraftwerke. Power-to-Gas ist somit in erster Linie Teil der Kette der «alten» Stromwirtschaft und daher kaum zukunftsfähig.
Mit Power-to-Gas-Anlagen wird in einem ersten Schritt mit Stromeinsatz Wasserstoff produziert, welcher direkt gespeichert oder methanisiert wird (Erdgas besteht zu einem hohen Anteil aus Methan). Bereits diese Prozesssschritte weisen sehr tiefe Wirkungsgrade auf und sind mit sehr hohen Kosten verbunden. Selbst wenn technologische Fortschritte erwartet werden können: Die direkte Speicherung von Strom in Batterien oder indirekte Speicherformen wie Pumpspeicherkraftwerke bieten energiewirtschaftlich und ökologisch deutliche Vorteile, die durch gegenwärtige Entwicklungen verstärkt werden. Dazu kommt, dass Power-to-Gas anfänglich dafür gedacht war, Energieträger für Brennstoffzellen- und Gasmotor-Fahrzeuge bereitzustellen, als Alternative zum Benzin- und Dieselantrieb. Derzeit sieht es eher danach aus, dass für Fahrzeuge der Elektroantrieb im Vordergrund steht. Power-to-Gas stellt eine schmale Seitenlinie der Technologieentwicklung dar, eignet sich aber nicht dafür, ein Gasnetz zu betreiben, wenn auf das fossile Erdgas verzichtet wird.
Allenfalls wird Power-to-Gas bei Gebäuden mit dezentraler (autarker) Energieversorgung eine Rolle spielen, siehe etwa das Beispielgebäude in Brütten. Da dies auf Gebäude- oder allenfalls Quartierebene erfolgt, braucht es dazu zukünftig keine flächendeckende Gasversorgung.
Auf Primärenergiestufe emittiert Biogas rund 40 Prozent der Treibhausgase im Vergleich zur Wärmebereitstellung mit Heizöl. Somit ist Biogas aus Klimaschutzsicht bestenfalls eine Übergangslösung.
Biogas ist direkt gekoppelt mit der aktuellen Praxis der Lebensmittelverluste (auch als Food Waste bezeichnet) – ein Drittel aller Lebensmittel wird verschwendet. Wenn es gelingt, Lebensmittelverluste zu vermeiden, wird weniger Biomasse in Biogasanlagen eingeliefert. Ein weiterer grosser Teil des Biogases stammt aus landwirtschaftlichen Betrieben mit Tierhaltung. Aus Klimaschutzgründen ist sowohl der Fleisch- als auch der Milchproduktekonsum zu vermindern. Mittel- bis längerfristig werden somit auch in der Schweiz die Tierbestände deutlich verkleinert werden, was das Biogaspotenzial reduzieren wird. Angesichts der zukünftig zu erwartenden Biogasmengen ist davon auszugehen, dass Biogas in der Nähe der Produktionsorte verbraucht werden wird. Namhafte Energiemengen zum Betrieb von flächendeckenden Biogasnetzen stehen somit kaum zur Verfügung.
Wenn das fossile Erdgas aus Klimaschutzgründen wegfällt, ermöglichen weder Power-to-Gas noch Biogas einen Weiterbetrieb der aktuell vor allem in den Städten bestehenden flächendeckenden Gasnetze. Auch die Schweizerische Gasindustrie hat sich darauf einzustellen, dass mittel- bis längerfristig aus der gegenwärtigen Gasversorgung auszusteigen ist. Ein zu diskutierendes Gasmarktgesetz wird also auch den Ausstieg aus dem Gasmarkt thematisieren müssen.
In Ergänzung: Frau Decurtins bemängelt den Umgang der Schweizerischen Energiepolitik mit der (dezentralen) Wärme-Kraft-Kopplung, welche interessanterweise in Deutschland als Kraft-Wärme-Kopplung bezeichnet wird. Diese Technologie erfordert relativ günstige Massenmotoren aus dem Automobilbereich, Gebäude mit einem hohen spezifischen Wärmeverbrauch zur Ermöglichung langer Laufzeiten und eine möglichst grosse Differenz zwischen den Preisen für Energieträger zum Betrieb der Verbrennungsmotoren und dem auf dem Markt angebotenen Strom. Klimaschutz und Energiestrategie verändern bei konsequenter Umsetzung alle diese Bedingungen zu Ungunsten der Wärme-Kraft-Kopplung. Somit stellt also auch die Wärme-Kraft-Kopplung keine relevante Option für die zukünftige Energieversorgung dar («keine relevante Option» besagt, dass diese Technologie im Massenmarkt (Wärmebereitstellung und Stromversorgung von Bauten) kaum Platz findet; Möglichkeiten bestehen allenfalls in Industrie und Gewerbe bei konstantem Wärmeverbrauch über das ganze Jahr und eher tiefem Stromverbrauch).
Die heute übliche Gaswerbung ist somit baldmöglichst anzupassen:

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zur Kampagne «Ja zum geordneten Atomausstieg»
Die Vorgaben aus dem Pariser Klimaschutzabkommen sind klar – und bereits auch in Wikipedia festgehalten: Um das gesteckte 1.5-°-Ziel erreichen zu können, muss die Verbrennung fossiler Energieträger bis ca. 2040 komplett eingestellt werden und die Energieversorgung – d.h. Strom, Wärme und Verkehr – in diesem Zeitraum vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden (sinngemässes Zitat). Sollte das Abscheiden und sichere Lagern der Treibhausgase (CCS) möglich werden, besteht etwas mehr zeitlicher Spielraum zur Klimaschutz-Umsetzung.
Das Wollen betrifft viele Alltagsbereiche. Tools wie ECOSPEED Private zeigen die persönliche Treibhausgas-Bilanz und den Handlungsbedarf, um die Klimaschutzziele zu erreichen – nicht von heute auf morgen, aber immer dann, wenn Entscheidungsbedarf ansteht.
Im Gebäudebereich gibt es eine grosse Zahl von Beispielen, die bereits heute ganz oder teilweise die Vorgabe atom- und fossilfrei erfüllen. Solche Lösungen sind machbar und auch finanzierbar, wenn richtig gerechnet wird.
Mehr als 100 Schweizer PlusEnergie-Bauten (Stand 19. Oktober 2016) sind in der Datenbank von energie-cluster.ch enthalten – sicher werden bald weitere Beispiele folgen, zum Beispiel die PreisträgerInnen des 26. Schweizerischen Solarpreises 2016.
Die Erfolgsfaktoren, die es braucht, um das Klimaschutz-Wollen umzusetzen, sind bekannt – Fachkompetenz, herausfordernde Vorgaben und Beharrlichkeit gehören dazu. Es sind derzeit die kreativeren und innovativeren Menschen in diesem Lande, die solche Projekte realisieren. Zu viele – insbesondere aus dem rechtsnationalen und konservativen geldorientierten Milieu – sind noch gar nicht beim Wollen angelangt, sondern sehen nur vermeintliche Hemmnisse und/oder Nachteile, wie immer ohne Faktenbezug. George Bernard Shaw meinte dazu: «Wer es für unmöglich hält, sollte denen nicht im Weg stehen, die es gerade tun.» Ganz klar: Die herausfordernden Klimaschutzziele sind zu erreichen, atom- und fossilfrei ist möglich, wenn wir es wirklich wollen.
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