Ich gehe von einem selbstregulierenden demokratischen Lernprozess aus. Die Mehrheit der Stimmberechtigten hat genug von der milliardärsfinanzierten Politik der verstockten autokratischen alten Männer (auch wenn sie sich als Jungbauern aus dem Toggenburg ausgeben). Wie immer wieder die Ergebnisse der Sachabstimmungen zeigen, verstehen sich die Stimmberechtigten selber als oberstes Machtelement – und brauchen Herrn Blocher nicht als Ratgeber und Einpeitscher. Die $VP-Initiative für die Volkswahl des Bundesrat dürfte bei ihrer Annahme dazu führen, dass der Bundesrat auf lange Zeit hinaus $VP-frei bleibt.
Bedenklich schwach ist im Kanton Zürich einmal mehr auch die FDP. Viele Stimmberechtigte links der Mitte haben als Versichung gegen einen nicht wirklich möglichen Ständerat Blocher für Felix Gutzwiller gestimmt, was dann zu diesem Ergebnis geführt hat.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit wäre es in dieser Konstellation möglich gewesen, beispielsweise Balthasar Glättli – zu Lasten des FDP-Kandidaten – in den Ständerat zu bringen. Da davon auszugehen, dass die nun gewählten Verena Diener und Felix Gutzwiller in vier Jahren nicht noch einmal zur Wahl stehen werden, dürften 2015 auch im Kanton Zürich die parteipolitischen Verhältnisse beim Ständerat neu festzusetzen sein – permanenter Wahlkampf ist also garantiert.
Auf jeden Fall: solche eigenartigen Abstimmungsergebnisse sind ein weiterer Hinweis darauf, dass der Ständerat abzuschaffen ist.
Nachtrag 3.12.2011: Die Auswertung des kantonalen statistischen Amtes zum 2. Wahlgang bestätigt meine These der FDP-Schwäche, ordnet aber die FDP-Rettung in erster Linie der SP und nicht auch noch den Grünen zu. Und selbst die $VP-Wählenden beginnen sich vom alternden Autokraten Blocher zu distanzieren respektive der Wahl fernzubleiben!
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Auch wenn die politische Position von Herrn Blocher auf Smartspider nicht abgebildet ist (was den Verdacht bestätigt, dass sowohl er wie die $VP gar keine politischen Position haben, sondern nur eine Sammlung populistische Sprüche), ist zumindest für mich klar: der in Smartspider-Prozenten gemessene Unterschied der Positionen der drei Kandidatinnen ist deutlich kleiner als der Abstand meiner Position von jener von Verena Diener. Da die Überstimmung der Position kleiner als 40 Prozent ist, sehe ich keine Veranlassung, eine der offiziell nominierten Personen zu wählen.
Eine echte demokratische Wahl der Zürcher Ständeratsvertretung ist aus prinzipiellen Gründen nicht möglich. Wie die Entscheide dieses Gremiums der letzten 4 Jahre zeigen, vermag der Ständerat als gesamtes nicht, adequate Antworten auf die dringenden Fragestellungen unserer Zeit zu geben. Der Nationalrat, welcher nach Proporz gewählt ist, ist geringfügig näher an den Alltagsrealitäten. Die deutlich überproportionale Vertretung der Landkantone im Ständerat ist eine weitere Folge des hochgradig verzerrenden Wahlmodus für den Ständerat. Es gibt nur eines: der Ständerat ist abzuschaffen, stattdessen ist der Nationalrat geringfügig zu vergrössern um je zwei Vollmandate pro Kanton, plus je eine zusätzliche Vertretung für alle Städte mit mehr als 100’000 Einwohnenden, das sind derzeit Zürich, Genf, Basel, Bern, Lausanne und Winterthur. Dieser neue Nationalrat hätte somit etwas über 250 Mandate – mit dem Nebeneffekt, dass auch bei Kantonen, die derzeit insgesamt weniger als 6 Stände- und Nationalratsmandate haben, die demokratische Mitbestimmungsmöglichkeiten verstärkt würden.
Da die politische Chamäleon-Mitte durch die Nationalratswahlen zu neuer Stärke aufgelaufen ist, sehe ich selbst bei einer guten Beachtung meiner Wahlempfehlung ein äusserst geringes Risiko, dass Alt- Nationalrat und Alt-Bundesrat Christoph Blocher in den Ständerat gewählt werden könnte. Und wenn: dann würde dies dem Willen der wählenden Mehrheit entsprechen – und ob Herr Blocher in diesem eigenartigen Gremium noch absurdere Entscheide als bis anhin herbeiführen könnte, ist nicht wirklich anzunehmen.
P.S. 2007 habe ich Verena Diener noch für die Ständeratswahlen empfohlen. Heute tue ich dies nicht mehr. Warum? Einerseits die oben erwähnte Ständeratsproblematik – und dann die Entwicklung der Grünliberalen, welche trotz den in diesen vier Jahren deutlich verschärften ökologischen Herausforderungen deutlich abgeschwächte ökologische Positionen vertreten.
Nachtrag 14.11.2011
Ein Benzinpreis von vier Franken ist objektiverweise die Mindestvorgabe für ein marktgerechtes Angebot – der Strassenverkehr deckt die diversen externen Kosten bei weitem nicht. Die Befürchtung aus dem $VP-Umeld – in einem Brief an Hundertausene WählerInnen und NichtwählerInnen, AutofahrerInnen und Nichtautofahrende geäussert – Verena Diener werde den Benzinpreis auf vier Franken setzen, ist erstens volkswirtschaftlich absurd, weil auch der Benzinpreis kein wahrer (Energie-)Preis ist, ist zweitens politisch absurd weil damit eine verzerrte Wahrnehmung der demokratischen Entscheidprozesse kommuniziert wird, und ist drittens durch die erste vierjährige Amtsperiode von Verena Diener im Ständerat widerlegt: die an den Tankstellen festgestellten Preisveränderungen für Benzin – in dieser Zeit sowohl nach oben wie nach unten – haben nachweislich nichts mit individuellen Beiträgen von Verena Diener zu tun, kaum etwas mit den politischen Entscheiden des Ständerats, sondern überwiegend durch die durch die Schweiz kaum beeinflussbare Marktentwicklungen. Diese absurde Briefaktion zeigt einmal mehr: in Wahlen ist es nicht möglich, gegen einEn KandidatIn zu werben, möglich ist nur Positivwerbung für den/die eigenen FavoritIn. Herr Blocher hat offensichtlich und objektiv schlicht keinen Erfolgsnachweis.
Im übrigen: welche Auswirkungen hätte denn ein Benzinpreis von 4 Franken pro Liter auf den Kilometerpreis? Wie immer hilft da der TCS weiter. Das vom TCS angenommene Durchschnittsauto verursacht bei 15’000 km Jahresfahrleistung Kosten von 76 Rappen pro Kilometer; 14.9 % davon machen die Treibstoffe aus. Wenn der Benzinpreis von derzeit etwa 1.70 auf 4 Franken pro Liter steigt, liegen die Kilometerkosten neu bei 91 Rappen, bloss 20 Prozent höher! P.S. die Kilometerkosten im ÖV liegen deutlich tiefer.
Der Tagesanzeiger beweist einmal mehr die Verschiebung zum Auto-Anzeiger: die Leserbriefseite in der Ausgabe vom 14. November 2011 zum Artikel „Autofahrer sollen Diener abwählen“ wird abgeschlossen von einer Kombination zwischen Impressum und einem darin integrierten Werbeblock – für Autos! Und zwar werden US-„Billig“-Jeeps (dank Dollar-Bonus) – mit Verbrauchswerten über 10 lt Benzin pro 100 km und Fahrzeuggewicht über 2 Tonnen – angeboten.
Erste Fassung 5.11.2011
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