Treue Kunden werden am stärksten zur Kasse gebeten titelt die NZZ. Wer sind denn diese treuesten KundInnen? Nicht nur nach NZZ sind es jene, die den öffentlichen Verkehr viel und häufig benutzen, jene also die ein ÖV-Abo aus der breiten Angebotspalette haben – und dies auch „ausnutzen“.
In einem Tagesanzeiger-Artikel ist zu lesen: [Der Preis des GA (Generalabonnements)] dürfte … auch in Zukunft überdurchschnittlich stark steigen. Grund ist, dass die GA-Kunden nicht kostendeckend sind. Das sei zwar auch nicht der Sinn des GA … In meinen Worten: im öffentlichen Verkehr gehen also die Verantwortlichen davon aus, dass die VielfahrerInnen von den GelegenheitskundInnen quersubventioniert werden. Dabei ist völlig klar: jene Reisende, für die sich das GA tarifmässig lohnt, haben KEIN nachhaltiges Verkehrsverhalten – sie sind schlicht zu viel und zu lang unterwegs! Es ist wenig tröstlich, dass diese Aussage noch viel stärker gilt für Verkehrsteilnehmende, die die gleichen Verkehrsleistungen mit dem Auto oder dem Flugverkehr nachfragen! Es ist wie bereits bei Paracelsus: es ist die Dosis, die über Schaden oder Nutzen entscheidet!
Gibt es denn nicht auch im Verkehr ein Anrecht auf Mengenrabatt? Abgesehen davon, dass in einer Überflussgesellschaft Mengenrabatt ökologischer Unsinn ist: Unterwegskapazitäten sind Mangelware, sind begrenzte Angebote, und für diese liegt Mengenrabatt schlicht nicht drin! Die Botschaft muss endlich lauten: auch im öffentlichen Verkehr gilt das Prinzip der Kostenwahrheit, es darf keinen Fahrpreisunterschied geben für VielfahrerInnen und gelegentliche ÖV-NutzerInnen. Unterschiede sollte es nur dann geben, wenn dies durch die Nachfrage nach Verkehrsleistungen geboten ist.
Regelmässiges und andauerndes Pendeln über lange Strecken zwischen Wohnort und Arbeits-/Ausbildungsort ist nicht erstrebenswert.
Zum Schluss zitiere ich mich selbst:
Wer weniger pendelt, hat im persönlichen ökologischen Fussabdruck noch Platz für echte Mobilitätsbedürfnisse, beispielsweise Ferienreisen (bevorzugt nicht gerade per Flugzeug).
Der moderne Mensch steigt für Pendlerstrecken aufs Velo, sagt Philipp Löpfe. Ich ergänze, „… geht zu Fuss und bleibt zu Hause„! Das Velo für die tägliche Pendelstrecke zwischen Wohn- und Arbeits-/Ausbildungsort gibt ein gutes und individuelles Mass für eine akzeptable Unterwegs-Strecke. Was mit dem Velo täglich zurückgelegt wird, kann gelegentlich auch zu Fuss erfolgen – Stadtwandern schafft viele neue Einblicke in den eigenen Lebensraum. Und zu Hause bleiben: viele Jobs, viele Ausbildungsgänge erlauben dank den elektronischen Kommunikationsmitteln, dass beispielsweise ein Arbeitstag pro Woche zu Hause ohne Probleme machbar ist, siehe Home Office Day-Aktion. Jeder solche Heimarbeitstag senkt die individuelle Verkehrsnachfrage um zwanzig Prozent! Und vielleicht gibts ja die Kaffeepause statt in der Büro-Cafeteria in der nächsten Quartierbeiz, in der Regel sogar rauchfrei!
Jede Tariferhöhung – gerade auch für die als „treueste KundInnen“ bezeichneten Zuviel-ÖV-NutzerInnen – ist ein Schritt mehr in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung des Verkehrs. Zum Verkehr gehört zwingend das Verkehrssparen!
Wie wenig nachhaltig die Verkehrspolitik der Schweiz ist, zeigt sich aus einer Entscheidung des Bundesrates aus der gleichen Woche: der Ausbau des Gubrist-Tunnels der Nationalstrasse A1 (der Zürcher Nordumfahrung) auf 6 Spuren. Und dies im vollen Wissen um die massive Klimakiller-Wirkung des Strassenverkehrs verbunden mit unlösbaren Lärmbelastungen und -belästigungen. Im Strassenverkehr sind nach wie die Climate Criminals am Werk!
Nachtrag 4.2.2012: Aus einem Artikel der TAZ: Ruhiger wird es also erst, wenn der Mensch seine Verhaltensweisen ändert und weniger per Auto, Laster und Flieger unterwegs ist. Im übrigen: beim TAZ-Artikel geht es um die Auswirkungen des Lärms auf die Menschen und ihre physische und psychische Gesundheit!
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Auch wenn dies bei vielen Autofahrenden, aber auch bei den Auto-Verkehrs-Verbänden und ihren LobbyistInnen in den Regierungen – in der Schweiz hauptsächlich VertreterInnen der Parteien SVP FDP CVP – noch nicht angekommen ist: um die Mobilität zu erhalten, muss der Verkehr vermindert werden (Udo J. Becker, Verkehrsökologe, Dresden). Das heisst: es ist alles daran zu setzen, insbesondere die Zwangsmobilität (z.B. zwischen Wohnort und Arbeits-, Ausbildungs-, Einkaufs- oder Freizeitort zu vermindern, damit genügend Raum bleibt für nicht anders bewältigbare Verkehre, z.B. die Liefer-, Service- und Transportfahrten des Gewerbes. Der verbleibende Verkehr ist möglichst mit Verkehrsträgern des Umweltverbundes abzuwickeln: zu Fuss, mit dem Velo/Fahrrad, mit dem öffentlichen Verkehr – unter anderem auch hier darum, um Fahrten des Gewerbes zur Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft zu ermöglichen. Oder anders: das Auto muss endlich vom Prestigeobjekt zum Fahrzeug für wesensgerechten Autoverkehr werden.
Diverse Untersuchungen zeigen, dass die Menge des motorisierten Individualverkehrs MIEF sehr direkt durch das Angebot an Strassenraum gesteuert werden kann. Dies heisst: wenn weniger Strassenverkehr, weniger MIEF (gewohnheitsmässig als MIV geschrieben) erforderlich ist, muss ganz einfach der Strassenraum vermindert werden! Die Teilsperrung der Hardbrücke in Zürich wegen Erneuerungsarbeiten hat, wie dies eine Publikation der Stadt Zürich, zitiert u.a. in einem Zeitungsartikel, genau dies einmal mehr bestätigt: die durch diese Teilsperrung reduzierte Autoverkehr an der Rosengartenstrasse ist nur zum Teil an anderen Limmatübergängen auf Stadtgebiet registriert worden. Das heisst: es erfolgen weniger Autofahrten auf Stadtgebiet!
Dies heisst wiederum: es hat auch auf der Rosengartenstrasse ausreichend Platz für die Einrichtung einer Tramverbindung – darum am 28. November 2010 in der Stadt Zürich 2 mal Ja zum Rosengartentram (Volksinitiative und Gegenvorschlag).
P.S. „Rosengarten-Tram“ heisst: es soll eine Tramverbindung erstellt werden zwischen Milchbuck und Albisriederplatz via Bucheggplatz und Escher-Wyss-Platz. Bei der Abstimmung geht es um Projektierungsarbeiten und flankierende Massnahmen zur Verminderung der aktuellen Verkehrsbelastung.
Es gibt keine guten Gründe gegen Initiative und Gegenvorschlag. Wer trotzdem nein sagt, muss begründen, warum mehr motorisierter Strassenverkehr in einer Stadt sinnvoll und zweckmässig sein soll.
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