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Strassen sperren | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Thu, 27 Dec 2012 20:10:38 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 44487214 Triumph der Ignoranz und Dummheit? https://www.umweltnetz.ch/content/triumph-der-ignoranz-und-dummheit Mon, 24 Aug 2009 11:39:01 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=905 Mit einer eher knappen Mehrheit hat der Kantonsrat des Kantons Zürich ein Postulat überwiesen, welches den grossen Städten die Verfügungsgewalt über das Strassensystem nehmen will. Dies ist ignorant und dumm – ich wage die Prognose, dass diese schlechte Idee nie umgesetzt werden wird. Es ist längst klar: das Auto ist der Fluch unserer Gesellschaft. Weil … „Triumph der Ignoranz und Dummheit?“ weiterlesen

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Mit einer eher knappen Mehrheit hat der Kantonsrat des Kantons Zürich ein Postulat überwiesen, welches den grossen Städten die Verfügungsgewalt über das Strassensystem nehmen will. Dies ist ignorant und dumm – ich wage die Prognose, dass diese schlechte Idee nie umgesetzt werden wird.

Es ist längst klar: das Auto ist der Fluch unserer Gesellschaft. Weil sehr viele Menschen sehr viel Geld für ihr Auto ausgeben, weil die Wirtschaft will, dass dies weiter so bleibt, gibt es ausreichend ignorante und dumme Politikerinnen, die das Denken in dieser Frage verhindern wollen.

Auslöser dieses Vorstosses waren die auf den ersten Blick einschneidenden, aber letztlich problemlos umgesetzten Massnahmen zur Verminderung der Strassenverkehrskapazität auf dem Gebiet der Stadt Zürich – denn schliesslich hat die Politik mit Uetlibergtunnl und weiteren Autobahnen eine Umfahrung der Stadt Zürich versprochen. Die Stadt Zürich hat einzig das umgesetzt, was die Politik – und in einem weiteren Schritt auch die Justiz – dieses Landes beschlossen hat. Es stimmt: die ersten Umstelltage waren wie zu erwarten relativ chaotisch. Sehr schnell haben sich die Autofahrenden daran gewöhnt. Nur die Unverbesserlichen – möglicherweise die WählerInnen der ignoranten und dummen KantonsrätInnen? – haben es noch nicht gemerkt.

Klar ist: genauso wie mehr Strassen zu mehr Verkehr führen, führen weniger Strassen zu weniger Verkehr. Die Erfahrungen haben gezeigt: werden Strassenkapazitäten vermindert, passt sich der Strassenverkehr nach sehr kurzer Zeit an die neuen Verhältnisse an. Selbst wenn die Massnahme rückgängig gemacht wird, ist ein erheblicher Teil des vorherigen Verkehrs verschwunden! Die Menschen im Verkehr passen ihr Verhalten dem vorhanden Angebot und der Nachfrage an – sie verhalten sich in dieser Hinsicht ökonomisch nachvollziehbar: steht die Stauzeit in einem schlechten Verhältnis zur Reisezeit, wird eine Anpassungsstrategie gesucht: anderer Weg, andere Reisezeit, anderes Verkehrsmittel, Veränderung der Situation (z.B. Wechsel Wohn- und/oder Arbeitsort, um den täglichen Arbeitsweg zu vermindern.

Dieses Verhalten ist sowohl ökonomisch wie ökologisch sinnvoll. Denn bereits vor einiger Zeit hat der Dresdner Verkehrsökologe Udo J. Becker formuliert: Um die Mobilität zu erhalten, muss der Verkehr vermindert werden! In Städten mit ihrem knappen Platzangebot und den vielen von den zahlreichen negativen Auswirkungen des Strassenverkehrs betroffenen Menschen (z.B. Lärm, Luftverschmutzung, Klimawandel, Sicherheit, Platzbedarf, …), besteht eine wesentlich höhere Sensibilität zu derartigen Fragestellungen – und damit die Bereitschaft, eine Verkehrspolitik zu verfolgen, die mehr das Interesse der Wohnenden und weniger das der Mobilen einbezieht. Oder anders: die Stadt Zürich braucht keinen wie auch immer ausgestalteten Waidhaldetunnel, die Menschen in der Stadt Zürich brauchen keinen Stadttunnel, weder Verbreiterung des Gubristtunnels noch eine weitere Nordumfahrung sind erforderlich. es braucht endlich eine Verkehrspolitik, die Zwangsmobilität verhindert, es braucht eine Raumordnungspolitik, die das Wohnen in der Stadt privilegiert gegenüber dem Wohnen im Grünen, es braucht eine Energiepolitik, die die energieeffizientesten Fortbewegungsarten unterstützt, es braucht eine Klimaschutzpolitik, die im Sinne der Vorsorge für zukünftige Generationen dafür sorgt, dass so rasch als möglich keine fossilen Treibstoffe mehr verwendet werden, sondern nur noch Antriebsenergien, welche – im harten Sinn verstanden – nachhaltig bereitgestellt werden können.

Die Automobilverbände TCS und ACS haben mit zu jenen gehört, die bei der Abstimmung über die 2000-Watt-Gesellschaft in der Stadt Zürich am lautesten gegen dieses Zukunftskonzept gewehrt haben. Die ZürcherInnen wollten von den Vorstellungen von TCS und ACS nichts hören – und haben die 2000-Watt-Gesellschaft mit 76.4 % in der Gemeindeordnung verankert.

An die 84 KantonsrätInnen, welche am 24.8.09 diesen Vorstoss unterstützt haben: das Rad der Zeit können auch Sie nicht zurückdrehen – in Zeiten des Klimawandels und der Finanzkrise wird offensichtlich, dass es eine Verkehrspolitik braucht, die deutlich stärker die Verkehrsvermeidung in den Vordergrund stellt, weit stärker, als dies bis anhin die Städte tun. Nochmals: um die Mobilität zu erhalten, muss der Verkehr verhindert werden.

Wenn die AgglobewohnerInnen dies nicht begreifen, wird ein allfälliger (aber nicht wirklich zu erwartender) Eingriff des Kantons in die Strassenhoheit der Städte zu erheblichen Veränderungen im Verhältnis der Städte zum Kanton kommen! Nicht zu vergessen: allein die Stadt Zürich hat mehr Einwohnende als die meisten der Kantone – aber keine direkte Mitwirkungsrechte auf Bundesebene. Dies ist schlicht nicht akzeptabel.

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Endlich Strassen stilllegen und beruhigen! https://www.umweltnetz.ch/content/endlich-strassen-stilllegen-und-beruhigen https://www.umweltnetz.ch/content/endlich-strassen-stilllegen-und-beruhigen#comments Mon, 18 Aug 2008 09:15:42 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=208 Vielleicht sind Sie Ihnen auch aufgefallen, die Inserate des Gewerbeverein Seefeld mit dem Titel „Appell an den Zürcher Stadtrat“ – zum Beispiel im Tages-Anzeiger vom 14.6.2008 auf Seite 28? Um was ging es? Die Gewerbler(Innen) aus dem Seefeld wollten, dass der Stadtrat die Strassenverbindung Utoquai – Quaibrücke nicht weiterhin für die Fanzone der Euro 08 … „Endlich Strassen stilllegen und beruhigen!“ weiterlesen

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Vielleicht sind Sie Ihnen auch aufgefallen, die Inserate des Gewerbeverein Seefeld mit dem Titel „Appell an den Zürcher Stadtrat“ – zum Beispiel im Tages-Anzeiger vom 14.6.2008 auf Seite 28?

Um was ging es? Die Gewerbler(Innen) aus dem Seefeld wollten, dass der Stadtrat die Strassenverbindung Utoquai – Quaibrücke nicht weiterhin für die Fanzone der Euro 08 sperren würde.

Dies ist in meiner Einschätzung nur die Kulisse – dahinter liegen handfeste Interessen der AutoverkäuferInnen. Denn: die Strassensperrungen während der Euro 08 haben nämlich gezeigt: der Verkehr funktioniert auch ohne diese Strassen! So titelt das Polizeidepartement nach der Euro 08: „Verkehr verlief auch während der EURO 2008 flüssig„! So wurden beispielsweise die für die MatchbesucherInnen bereitgestellten Parkplätze zu weniger als 10 % benutzt. Unter dem Untertitel „Mobilitätsverhalten angepasst“ schreibt das Polizeidepartement der Stadt Zürich weiter: Einen wichtigen Beitrag zum hervorragenden Funktionieren des Verkehrskonzepts leisteten die Verkehrsteilnehmenden selber. Sie passten nämlich ihr Mobilitätsverhalten in zeitlicher Hinsicht und bezüglich der Verkehrsmittelwahl offensichtlich der speziellen EURO-Situation an. Dafür gebührt Ihnen ein besonderer Dank und ein grosses Lob.

Die spezielle Euro-Situation hat belegt, was andernorts schon mehrfach bewiesen wurde: gibt es weniger Strassenangebote, gibt es auch weniger Verkehr (in Umkehrung der Erkenntnis, dass mehr Strassen mehr Verkehr zur Folge haben!).

Die spezielle Euro-Situation ist vorbei – nicht aber die Klimawandel-Situation: mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verursacht der übermässige Treibhausgasausstoss einen menschgemachten Klimawandel mit nach wie vor nicht abschätzbaren Folgen für Mensch und Umwelt – der übermässige Verbrauch der Treibstoffe Benzin und Diesel ist dabei eine der treibenden Kräfte. Weil zumindest auf nationalem Niveau die Zunahme der Verkehrsleistung die Effizienzsteigerung beim Fahrzeugbau überkompensiert, gibts nur eine Lösung: ES BRAUCHT SO SCHNELL ALS MÖGLICH WENIGER AUTOVERKEHR! Die Euro hats gezeigt: das geht am einfachsten mit weniger Strassen!

Als eine Sofortmassnahme für die Stadt Zürich: Sofort die Hardbrücke für den Autoverkehr schliessen und nur noch für Bus und Velo zur Verfügung stellen. Diese Monsterbrücke ist eigentlich kaputt und wird mit Pflästerli-Politik benutzungsfähig gehalten – siehe dazu mehr! Die Sperrung der Brücke hätte einen positiven Nebeneffekt: Einmal mehr berichtet der Tages-Anzeiger in seiner Online-Ausgabe vom 1. Juli 08 von der schon lange nicht mehr zumutbaren Situation beim Schulhaus Nordstrasse in Zürich – direkt an der Westtangente gelegen (Stichwort Autobahn Hamburg-Palermo direkt durch die Stadt Zürich). Trotz Komfortlüftung und gedecktem Pausenhof (auch bei schönem Wetter ist die Schadstoff- und Lärmbelastung in diesem Wohnquartier unerträglich) – dazu passt auch die Meldung vom gleichen Tag: Strassenverkehr erhöht Allergie-Risiko.

Würde die Hardbrücke für den MIEF (sorry) MIV (Motorisierter Individual-Verkehr) gesperrt, gäbe es auch beim Schulhaus Nordbrücke (und bei einigen weiteren städtischen Schulhäusern) weniger Verkehr und damit weniger Luftschadstoffe.

Nur: die Stadtregierung von Zürich tut schlicht zu wenig, um die Einwohnenden vor den schlimmen Folgen des Strassenverkehrs zu schützen – und insbesondere FDP und SVP (und die mit ihr liierten Gewerbe- und Quartiervereine) unternehmen alles, um den Strassenverkehr zu erhalten oder gar zu fördern. Stichwort dazu beispielsweise der unverständliche Widerstand der vereinigten Sektionen von SVP, FDP, Gewerbe- und Quartierverein gegen die längst fällige Befreiung des Platzes bei der Schmiede Wiedikon.

Ein weiteres Beispiel: Schweighofstrasse im Quartier Friesenberg. Diese Strasse verläuft von Blochers Albisgüetli quer durch das Quartier Friesenberg bis zur Birmensdorferstrasse – rund 10’000 BewohnerInnen, mehr als in den meisten Schweizer Gemeinden, wohnen in unmittelbarer Nähe dieser Strassen, müssen regelmässig diese Strasse queren. Diese Quartierstrasse und insbesondere die Anwohnenden haben einen grösseren durchschnittlichen Verkehr zu erdulden als die Gotthardautobahn!

Vorgesehen ist nun ein Ausbauprojekt – die Strassenböschung soll teilweise entfernt werden, um Platz zu schaffen für einen schmalen Velostreifen, damit die Autos noch rücksichtsloser rasen können. Zudem soll die Sache mit einigen Alibi-Lärmschutzwändchen garniert werden. In diesem Zusammenhang festzuhalten: auch wenn die deutsche Sprache ziemlich eigenartig ist: Schokoladen-Crème ist eine Crème mit einem erheblichen Anteil Schokolade, Sonnencrème demgegenüber besteht ist nicht aus Sonne hergestellt, sondern schützt vor der Sonneneinstrahlung. Ähnlich geht es beim Klimaschutz darum, das globale Klima vor den Auswirkungen des überbordenden Verhaltens eines Teils der Menschheit zu schützen – während es bei „Lärmschutz“ um den Schutz des Menschen vor dem Lärm geht, und nicht um den Schutz des Lärms. Auch der Stadtrat von Zürich verhält sich allerdings so, als wenn ihm der Schutz der Lärmverursachenden wichtiger wäre als der Schutz der Belärmten! Tempo 30 auf der Schweighofstrasse, Pförtnerung bei den beiden Enden der Strasse, ein Ausbau des Angebots des öffentlichen Verkehrs, aktive Mobilitätsberatung der StrassenanwohnerInnen (ein beachtlicher Anteil des Verkehrs auf der Schweighofstrasse stammt aus dem Quartier selbst), eine Gestaltung der gesamten Schweighofstrasse wären die minimalsten Schritte Richtung Lärm- und Klimaschutz!

Die Euro 08 hat es gezeigt: das Stilllegen und Beruhigen von Strassen ist eine hochwirksame Massnahme, damit die Verkehrsteilnehmenden ihr Mobilitätsverhalten endlich an die alarmierende Klimawandel-Situation anpassen!


Ergänzung 18. August 2008

Am 11. August 2008 berichteten die Medien empört über die Auswirkungen der Spurreduktion auf der Quaibrücke – als Beispiele:

Am Montag, 18. August 2008 wurden einige weitere Strassen gesperrt oder wegen Bauarbeiten vermindert sich die Leistungsfähigkeit. Um 10:06 Uhr war im Tages-Anzeiger Newsnetz der Titel Kein Stau trotz Baustellenchaos zu lesen, Zitate daraus: Jetzt lassen die Aufolenker ihre Autos stehen. – Umso erstaunlicher war das Bild, das sich heute Montagmorgen zur Hauptverkehrszeit am Bellevue bot: Der Verkehr floss praktisch ungehindert über die nur einspurig befahrbare Quaibrücke. Die Bellerivestrasse war völlig frei, die Falkenstrasse ebenfalls,… – Gähnende Leere auch an der Weinbergstrasse.

Mit anderen Worten: höchstens eine Woche hat die Lernphase gedauert! Was die Theorie bestätigt, dass – zum Beispiel auch zum Schutze des Klimas – endlich Strassen stillzulegen und zu beruhigen sind!


1. Fassung 1. Juli 2008

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