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Denkmal | umweltnetz.ch https://www.umweltnetz.ch/content Umwelt und Politik - ein Internet-Angebot von Toni W. Püntener Fri, 24 Jan 2014 21:07:47 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 44487214 Denk mal: Schutz für was? Ein Beitrag zur Baukultur https://www.umweltnetz.ch/content/denk-mal-schutz-fur-was-ein-beitrag-zur-baukultur Fri, 18 May 2012 11:20:18 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=3768 Selbst vor langen Jahren als günstige Wohnbauten erstellte Gebäude werden etwa in Zürich unter Denkmalschutz gestellt: Schutz vor oder Schutz zum Nachdenken – oder habe ich die Aufforderung „Denk mal!“ falsch verstanden? Festzuhalten ist: das, was beispielsweise die Stadt Zürich an Denkmalschutz umsetzt, entspricht den politisch gewünschten Vorgaben, festgehalten in der Verfassung und entsprechenden Gesetzen. … „Denk mal: Schutz für was? Ein Beitrag zur Baukultur“ weiterlesen

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Selbst vor langen Jahren als günstige Wohnbauten erstellte Gebäude werden etwa in Zürich unter Denkmalschutz gestellt: Schutz vor oder Schutz zum Nachdenken – oder habe ich die Aufforderung „Denk mal!“ falsch verstanden?

Festzuhalten ist: das, was beispielsweise die Stadt Zürich an Denkmalschutz umsetzt, entspricht den politisch gewünschten Vorgaben, festgehalten in der Verfassung und entsprechenden Gesetzen. Auch an den vielen mediengerecht aufbereiteten Einzelfällen zeigt sich die von den GesetzgeberInnen gewünschte Härte – wenn dies nicht passt, sind nicht die Verwaltung oder die Denkmalschutzverantwortlichen zu kritisieren, sondern es sind Bestimmungen in den Verfassungen und Gesetzen von Bund, Kantonen und Gemeinden anzupassen!

Dass sorgsam mit Gebäuden umzugehen ist, ist aus Nachhaltigkeitssicht verständlich, erfordern doch Erstellung und Nutzung erheblichen Ressourcenverbrauch. Dass etwa historische Monumente wie (in Zürich) einige Kirchen, etwa Gross- und Fraumünster, usw. unter Schutz stehen, ist wahrscheinlich mehrheitsfähig. Bereits schwieriger wird es mit dem Stadthaus, dem „Hauptsitz“ der Stadtzürcher Exekutive. Das Gebäude hat – gerade auch zusammen mit dem Fraumünster, die Bedeutung eines Ensembles, welches städtebauliche Akzente setzt. Die grosse Innenhalle im Stadthaus hat Qualitäten. Es gibt allerdings in anderen Städte Europas durchaus auch neuere Exekutivsitze, die sowohl den städtebaulichen Aspekten gerecht werden, aber gleichzeitig aus baulicher Sicht herausragend sind. Baukultur ist keinesfalls verbunden mit dem Alter des Gebäudes – nicht nur historische Gebäude sind baukulturell bedeutsam. Es ist davon auszugehen, dass das Stadthaus zu einer Zeit entstanden ist, die wenig mit der aktuellen Funktionsweise einer Exekutive und der ihr unterstellten Verwaltung gemeinsam hat. Als ein kleines Beispiel: das papierreduzierte Büro mit einem hohen Anteil Bildschirmarbeit erfordert deutlich geringere körperliche Aktivitäten als Handschreibmaschinen und Papierbewirtschaftung, dafür sind Netzwerkverbindungen und Ergonomie wichtige Aspekte des gegenwärtigen Büroarbeitsplatzes – Anforderungen, die sich regelmässig schlecht mit dem Denkmalschutz vertragen.

Das Zürcher Rathaus etwa mag baukulturell bedeutsam sein. Als zweiter Ersatzneubau von Vorgängerbauten mit ähnlichen Zwecken wurde das gegenwärtige Zürcher Rathaus 1698 eingeweiht, fast hundert Jahre vor der französischen Revolution – und entspricht somit nicht den Vorstellungen eines modernen Parlamentsbetriebes.

Schulbauten entstehen häufig aufgrund von Architekturwettbewerben. Durchaus im positiven wie negativen Sinn ist davon auszugehen, dass dies zu herausragenden Bauten führt – es sei nochmals betont im negativen wie im positiven Sinn! Als Beispiel sei etwa die 1975 in Betrieb genommene Zuger Kantonsschule genannt. An den Fassaden entstand in der kalten Jahreszeit innenseitig Eis. Damit beim Abtauen keine Wasserschäden entstanden, waren Ablaufrinnen bereits vorhanden. Im Sommer überhitzten insbesondere die Schulzimmer in den oberen Geschossen auf der Süd-, Ost- und Westseite geradezu übermässig – ich erinnere mich an einige Mathematikstunden, die stattdessen in einer Gartenbeiz stattgefunden haben, wobei die Feuchtigkeitsaufnahme jeweils über die Lernstoffaufnahme dominierte. Zumindest aus Komfort- und Energiesicht waren diese Bauten bereits im Neubaustadium Sanierungsobjekte – ob wohl dabei tatsächlich von Baukultur gesprochen werden kann? Aus vielen Städten und Dörfern Europas sind eine grosse Zahl solcher so genannter „Bausünden“ bekannt – bei nicht wenigen davon wird von einer Unterschutzstellung gesprochen.

Der Denkmalschutz für Wohnbauten schützt immer auch Ueberlegungen zur Gesellschaftspolitik aus der Entstehungszeit der Bauten. Die Bemühungen zur Gleichstellung von Frau und Mann, das Verhältnis von Erwerbsarbeits- und Freizeit, die Lebenserwerbszeit, die Steigerung der Lebenserwartung, aktuelle und zukünftige Themen wie Lebensabschnittswohnen, Formen des gemeinschaftlichen Wohnens unter Einbezug der Kinderbetreuung, „Home Working Office“ oder „Urban Farming“ (anstelle des früheren Selbstversorgungsgartens) haben erhebliche Auswirkungen auf das Aussehen und die Struktur auch von Wohnbauten – ein in Richtung museale Erhaltung gehender Denkmalschutz verhindert die erforderlichen baulichen Veränderungen.

Festzuhalten ist: die bauliche Entwicklung ist zu einem hohen Mass verantwortlich für den massiv übergrossen Fussabdruck der in den so genannt reichen Ländern lebenden Menschen. Die aktuelle Denkmalschutzpolitik sorgt somit auch dafür, dass die „Verschwendung“, der Übermasskonsum unter Schutz gestellt wird. Es ist zu bezweifeln, dass sich aus dem Denkmalschutz solcher Objekte Lerneffekte für das richtige Mass des Konsums ergeben.

Der Denkmalschutz hat insbesondere in der Hochkonjunkturzeit nach dem zweiten Weltkrieg eine grosse Bedeutung erlangt. Die „Abbruchbirne“ war ein schnelles und wirksames Instrument zur Stadtveränderung. Die politischen AktivistInnen der letzten 50 Jahre sahen häufig im Instrument der Unterschutzstellung die einzige Möglichkeit, dem als übermässig schnell wahrgenommenen Stadtumbau Grenzen zu setzen. Dies führte allerdings dazu, dass nicht mehr die nachhaltige Liegenschaftenbewirtschaftung, sondern der Erhalt des Erscheinungsbildes der Stadt im Vordergrund stand. Auch hier haben sich die Zeiten geändert: an die Stelle der Abbruchbirne ist der Rückbau getreten – aus ökologischer Sicht ist es gleichwertig, ein bestehendes Haus umfassend zu erneuern oder durch einen Neubau zu ersetzen (wenn dies nach den Best verfügbaren Ökologie- und Energiestandards erfolgt, gilt für Erstellung/Sanierung und Betrieb). Denkmalgeschützte Objekte vermögen diesen Anforderungen nicht zu genügen!

„Die wenigen Denkmalschutzobjekte sind doch kein Problem!“, wird jeweils argumentiert. Wenn sich die Entwicklungsdiskussion tatsächlich bloss auf den tiefen einstelligen Prozentanteil von denkmalgeschützten Bauten beziehen würde, wäre dieses Argument richtig. Nur: zumindest in der Stadt Zürich ist auch der Anteil inventarisierter Bauten und solchen in Kern- und Quartiererhaltungszonen in diese Ueberlegungen einzubeziehen – in der Summe sicher ein Drittel aller Bauten. Wenn diese nur unter massiv erschwerten Bedingungen verändert werden dürfen, wird es auch für die Umsetzung der 2000-Watt-Gesellschaft oder der Energiewende schwierig!

Somit spielt der Denkmalschutz auch eine Rolle bei den Diskussionen um den Wohnungsmarkt, um die so genannt günstigen Wohnungen. Denkmalgeschützte Objekte wirken in ihrer Mehrheit eher zu schlecht unterhalten, was etwa Mieten tendenziell zu billig erscheinen lässt. Tatsächliche, qualitätsverbessernde Sanierungen sind massiv aufwändig, ohne sowohl bezüglich Komfort (bis hin zum Schallschutz) und Nutzungsflexibilität zeitgemässen Anforderungen genügen zu können. Denkmalschutzkonform sanierte Objekte sind nicht mehr wirklich markt- und nutzungsgerecht, was den Druck auf den „ungeschützten“ Immobilienmarkt weiter erhöht. In der Tendenz ist festzustellen, dass sich sowohl Wohn- wie Wirtschaftsnutzungen aus den Gebieten mit hohen Schutzanteilen zurückziehen und dafür in Stadtgebiete mit schnellen Veränderungsmöglichkeiten (Zürich West, Zürich Nord) wechseln.


Der Denkmalschutz hat sich zu wandeln. Die zweitweise politisch gewünschte „Stadtentwicklungsbremse“ ist zur mehr oder weniger offensichtlichen Veränderungsverhinderung geworden. Der grösste Teil der Bauten hat eine sinnvolle Nutzungszeit von 60 bis 100 Jahren – dass die bestehenden Bauten einen grösseren baukulturellen Wert darstellen sollen als mit Sorgfalt geplante und ausgeführte nachhaltige Ersatz-Neubauten, ist nicht nachvollziehbar.

P.S. Im Übrigen: warum eigentlich würde etwa eine Solaranlage auf dem Dach des denkmalgeschützten Fraumünsters stören? Solarstrom leistet einen Beitrag zur Verminderung des ökologischen Fussabdrucks, somit zum schonenden Umgang mit der Umwelt – durchaus auch ein Anliegen der (reformierten) Kirche, die dieses „Denkmal“ nutzt.

The post Denk mal: Schutz für was? Ein Beitrag zur Baukultur first appeared on umweltnetz.ch.]]> 3768 Denkmal? Denk mal! – Für ein neues „Haus der Demokratie“ in Zürich! https://www.umweltnetz.ch/content/denkmal-denk-mal-fur-ein-neues-haus-der-demokratie-in-zurich Sat, 13 Feb 2010 20:45:56 +0000 https://www.umweltnetz.ch/content/?p=1731 Das Zürcher Rathaus ist ein Denkmalschutzobjekt – obwohl völlig ungeeignet für den heutigen Ratsbetrieb von vier Parlamenten. Aber dieses Haus ist geschützt. Nicht einmal die Sicherheitserfordernisse dürfen Veränderungen an diesem „Heiligtum“ bewirken. Einzig der Gleichstellungsaspekt des Behindertengesetzes brachte kräftige Veränderungen im Rathaus und beim Portal Richtung Limmatquai. Genau dieses Denkmalschutzobjekt muss Anlass dazu bieten, über … „Denkmal? Denk mal! – Für ein neues „Haus der Demokratie“ in Zürich!“ weiterlesen

The post Denkmal? Denk mal! – Für ein neues „Haus der Demokratie“ in Zürich! first appeared on umweltnetz.ch.]]> Das Zürcher Rathaus ist ein Denkmalschutzobjekt – obwohl völlig ungeeignet für den heutigen Ratsbetrieb von vier Parlamenten. Aber dieses Haus ist geschützt. Nicht einmal die Sicherheitserfordernisse dürfen Veränderungen an diesem „Heiligtum“ bewirken. Einzig der Gleichstellungsaspekt des Behindertengesetzes brachte kräftige Veränderungen im Rathaus und beim Portal Richtung Limmatquai. Genau dieses Denkmalschutzobjekt muss Anlass dazu bieten, über den Denkmalschutz nachzudenken.

Das Rathaus ist zuerst ein Erinnerungsstück an eine aristokratische Gesellschaft, die zuerst von den Auswirkungen der französischen Revolution weggefegt werden musste. Gleichheit, Freiheit und Geschwisterlichkeit kommen also in diesem Gebäude noch nicht zum Ausdruck. Mit Müh und Not wurde im 19. Jahrhundert ein Balkon eingebaut, damit wenigstens die Oeffentlichkeit der Ratssitzungen ermöglicht werden konnte.

Aus eigener Erfahrung von drei Jahren Kantonsratssitzungen (und bald drei Jahren Synode) sage ich klar: dieser Saal ist ungeeignet für einen konstruktiven Ratsbetrieb. So musste beispielsweise akustische Technik eingebaut werden, damit man sich überhaupt einigermassen versteht. Lange enge Sitzreihen mit schmalen Tischchen prägen das Bild – es gibt keinen Platz, um Unterlagen verwenden zu können. Auch für Computer, in Zeiten des papierreduzierten Büros von Bedeutung, können nicht ergonomisch korrekt benutzt werden. Wenn jemand – zum Beispiel für eine informelle Absprache mit anderen Ratsmitgliedern – den Sitzplatz verlassen möchte, müssen in der Regel zwei bis vier KollegInnen aufstehen und den/die KollegInnen mit Gemurkse passieren lassen. Diese Form ist der Konkordanz wirklich nicht förderlich. oder anders: das Ratshaus ist alles andere als demokratiefördernd. Dass Präsentationen in der Regel nicht möglich sind, ist nicht zwingend ein Nachteil. Auch wenn ein Bild mehr sagt als tausend Worte, wären wahrscheinlich die typischen Folienorgien dem Ratsbetrieb nicht zuträglich. Zudem: wie die kleinen Monitore des elektronischen Abstimmungssystems zeigen, ist mit der aktuellen Längsanordnung der unbequemen Sitzreihen eine gute Position für eine Projektionsleinwand kaum zu finden.

Braucht es denn überhaupt ein Rathaus? Wäre es nicht besser, wenn die Parlamente durch den Kanton respektive im Falle des Gemeinderates durch die Stadt reisen würden und ihre Sitzungen jeweils in einem der vielen öffentlichen oder privaten Seminarlokalitäten abhalten? Auch wenn in der Schweiz Parlamentsentscheide durch die Stimmberechtigten über den Haufen geworfen werden können, ist es rein emotional durchaus von Bedeutung, dass Parlamente einen „Heimatort“ haben – die demokratischen Institutionen sollen durchaus sichtbar sein. Allerdings: wenn man die parlamentarische Tätigkeit ernst nimmt, muss auch der Ratssaal den heutigen Erfordernissen entsprechen. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: ein Ersatzneubau am gleichen Standort, oder ein spezifisch auf die Ratsbedürfnisse ausgerichteter und flexibler neuer Ratssaal (kann auch in einem bestehenden Gebäude sein).

Ein Ersatzneubau an diesem Standort hätte im übrigen Tradition: 1252 und 1397 entstanden Vorgängerbauten, das heutige Rathaus wurde 1698 eingeweiht – mit mehr als 300 Nutzungsjahren hat man diesem Gebäude sicher alle Ehre angetan und seinen Wert gebührend respektiert. Bei allem Verständnis für jene, die historische Bauten als physische Erinnerungsdenkstücke brauchen (hoffentlich haben sie dabei nicht das Bedürfnis, auch andere „Errungenschaften“ der damaligen Zeit zu erhalten): es ist an der Zeit, anstelle des Ratshauses ein neues, zeitgemässes „Haus der Demokratie“ zu errichten, durchaus mit dem Anspruch, an dieser Stelle etwas zu bauen, dass nicht gerade für die Ewigkeit, aber doch für eine längere Nutzungsdauer angelegt ist. Auch wenn in Stadt und Kanton Zürich grosse Würfe, durchaus im Sinne der zwinglianischen Bescheidenheit, einen schweren Stand haben: wenn es nicht gelingt, in einem demokratischen Rechtsstaat ein neues „Haus der Demokratie“ zu schaffen, welches wir auch der verantwortungsbewussten Weiternutzung zukünftiger Generationen übergeben können, hat diese unsere Demokratie ein gröberes Problem! Gerade die Legislativen von Kanton und Stadt Zürich sollten ja in der Lage sein, aus ihrer verantwortungsvollen Arbeit für das Wohlergehen des kantonalen und kommunalen Gemeinwesens ein Minimum an gemeinsamen Positionen erarbeiten zu können, die ein solches Haus prägen könnten!

Auch wenn ein anderer Standort für einen Ratssaal durchaus denkbar wäre: was würde dann mit dem „alten“ Rathaus passieren? Es ergäbe einfach eines jener verstaubenden Ballenberg-Versatzstücke mehr, ohne Sinn, ohne eigentlichen Nutzen, selbst wenn beispielsweise die vereinigten Denkmalbehörden von Bund, Kanton und Stadt darin ihre Arbeitsplätze einrichten würden.

Deshalb: es gibt so oder zu viele Denkmäler aus Stein statt in den Köpfen. Deshalb ist es Zeit, den erstarrten Ratssaal der Geschichte zu übergeben und mit einem neuen „Haus der Demokratie“ zumindest den Parlamenten von Kanton und Stadt Zürich neue Impulse zu geben. Denn gerade Legislativen sollten nicht die Vergangenheit kultivieren, sondern die Gesellschaft auf wohl überlegten Wegen in die Zukunft führen!

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