{"id":97,"date":"2005-05-01T15:24:15","date_gmt":"2005-05-01T14:24:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/internet-und-meinungsbildung\/"},"modified":"2009-09-13T11:33:41","modified_gmt":"2009-09-13T10:33:41","slug":"internet-und-meinungsbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/internet-und-meinungsbildung","title":{"rendered":"Internet und Meinungsbildung"},"content":{"rendered":"<p>Auf vielen Internet-Seiten finden sich Meinungsumfragen, einige davon gar abstimmungsartig dargestellt (z.B. mit Hinweisen wie &#8222;voting&#8220;, &#8222;jetzt abstimmen&#8220; oder dergleichen).<\/p>\n<p>Derartige Seiten haben allerdings bestenfalls Unterhaltungswert, weil mit den meisten heute zur Verf&uuml;gung stehenden Internet-Techniken wesentliche Elemente von Meinungsumfragen oder gar Abstimmungen nicht einbezogen werden k&ouml;nnen, z.B. Repr&auml;sentanz, Anonymit&auml;t, der Grundsatz &#8222;Eine Person, eine Stimme&#8220;.<!--more--><\/p>\n<p>Einige sogenannte Umfragen sind (absichtlich?) so konzipiert, dass mit sehr geringem Aufwand eine mehrfache Teilnahme m&ouml;glich ist. Beispiele daf&uuml;r sind die &#8222;Abstimmungen&#8220;, die von <a href=\"http:\/\/www.sonntagsblick.ch\/\" target=\"_blank\">Sonntagsblick<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/\" target=\"_blank\">Tages-Anzeiger<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.facts.ch\/\" target=\"_blank\">FACTS<\/a> angeboten werden (Stand Mitte Dezember 2002). Die &#8222;Kontrolle&#8220; &uuml;ber die Abstimmungsteilnahme wird mittels sogenannten &#8222;Cookies&#8220; vorgenommen, kleinen Texten, die vom Server-Programm auf dem Computer der Besucherin oder des Besuchers gespeichert werden. Nach dem L&ouml;schen der &#8222;Cookies&#8220; kann nochmals abgestimmt werden, und so weiter und so fort (siehe unten).<\/p>\n<p>Schlicht und einfach: Cookies sind kein taugliches Instrument zur Kontrolle der Teilnahme an Umfragen oder Abstimmungen &#8211; Cookies befinden sich ausschliesslich im Einflussbereich der Computerbenutzerin und des Computerbenutzers. Verantwortungsvolle ComputerbenutzerInnen bewirtschaften die Cookies aktiv und l&ouml;schen regelm&auml;ssig unben&ouml;tigte Cookies &#8211; verschiedene Sicherheitsempfehlungen schlagen gar vor, Cookies bei jedem Verlassen des Browser-Programms zu l&ouml;schen.<\/p>\n<p>Selbstverst&auml;ndlich l&auml;sst sich das Internet sogar f&uuml;r reale demokratische Abstimmungen nutzen &#8211; in der Schweiz allerdings w&auml;hrend Jahren erst in Pilotversuchen (siehe <a href=\"http:\/\/www.bk.admin.ch\/themen\/egov\/index.html?lang=de\" target=\"_blank\">E-Voting-Seiten des Bundes<\/a>).<\/p>\n<p>Eine der Absichten der diversen &#8222;Abstimmungen&#8220; und &#8222;Umfragen&#8220; im Internet ist sicher die Beeinflussung der Meinungsbildung &#8211; wenn derartige Foren sehr einfach manipuliert werden k&ouml;nnen, handelt es sich bei der Ver&ouml;ffentlichung solcher Ergebnisse um h&ouml;chst problematische Einflussnahmen. Die Oeffentlichkeit hat das Recht, &uuml;ber die Hintergr&uuml;nde solcher Pseudo-&#8222;Abstimmungen&#8220; und -&#8222;Umfragen&#8220; informiert zu werden, um deren Stellenwert einsch&auml;tzen zu k&ouml;nnen: bestenfalls Unterhaltungswert, auf jeden Fall Verschwendung von Speicher- und Datentransfer-Volumen!<\/p>\n<p>Allerdings: Warum bieten ausgerechnet Medien, oft als die vierte Staatsgewalt bezeichnet, derart penible Pseudo-&#8222;Abstimmungen&#8220; oder -&#8222;Umfragen&#8220; an? Offenbar sind sich die Medien daran gew&ouml;hnt, dass ihre Inhalte manipuliert werden. Oder es ist vielleicht ganz einfach so, dass die Medien gar nicht an der tats&auml;chlichen Meinung ihrer Leserinnnen und Leser interessiert sind? Halten die Medien derart wenig von demokratischen Instrumenten, dass sie diese mit einfach manipulierbaren Spielzeugen l&auml;cherlich machen wollen?<\/p>\n<p>Es gibt nur eine L&ouml;sung: solche Pseudo-&#8222;Abstimmungen&#8220; haben aus dem Internet zu verschwinden &#8211; solange, bis Verfahren gefunden werden, die sowohl die Representativit&auml;t als auch das Wahl- und Abstimmungsgeheimnis respektieren.<\/p>\n<hr color=\"#00B400\">\n<h4>Wie der Tages-Anzeiger darauf reagiert, dass seine &#8222;Abstimmungs&#8220;- und &#8222;Umfrage&#8220;-Seiten derart einfach manipuliert werden k&ouml;nnen:<\/h4>\n<p>Am Morgen des 23. Dezembers 2002 war bei einer der Resultatseiten zu lesen:<\/p>\n<p><i>FdT [Frage des Tages] wird manipuliert<br \/>Leider mussten wir am Wochenende und auch heute Montag feststellen, dass die Frage des Tages von aussen manipuliert wird. Eine Antwortoption wird vom gleichen User, indem die technische Beschr&auml;nkung umgangen wird, mehrere hundert mal gew&auml;hlt. Wir arbeiten daran, dies in Zukunft verhindern zu k&ouml;nnen.<\/i> <br \/>Hinweis: es ist eine ziemliche Frechheit, wenn der Tages-Anzeiger schreibt, es m&uuml;ssten &#8222;technische Beschr&auml;nkungen&#8220; umgangen werden. Das Anbringen von Cookies auf einem fremden Computer ist kaum eine technische Beschr&auml;nkung!<\/p>\n<p>Am Abend des gleichen Tages wurde der Zusatz angef&uuml;gt <i>&#8222;&#8230;und bitten den Urheber, sein Tun zu unterlassen.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Kurz darauf gab es eine neue &#8222;Frage des Tages&#8220;, ohne irgendwelche Hinweise auf die Manipulierbarkeit. <br \/>Die gestellte Frage: <i>Tradition im Wohnzimmer: Was f&uuml;r ein Weihnachtsbaum steht bei Ihnen zu Hause?<\/i> mit den Antwortm&ouml;glichkeiten <i>echte Tanne, k&uuml;nstlicher Baum<\/i> oder <i>gar kein Baum<\/i>. Am Abend des 24. Dezember lautete der Zwischenstand rund 70 % f&uuml;r die Antwort &#8222;echter Baum&#8220;, obwohl im begleitenden Artikel die Aussage steht: <i>In jedem dritten der rund drei Millionen Schweizer Haushalte steht ein Christbaum, wie der landwirtschaftliche Informationsdienst mitteilte.<\/i><\/p>\n<p>Ist jetzt dies ein Einfluss der Einflussnahme von aussen, die fehlende Repr&auml;sentativit&auml;t?<\/p>\n<p>Bei derartigen Fragen ist das Ergebnis ohne jede Belang. Wenn es (wie in den Tagen vorher) um Fragen wie Laden&ouml;ffnungszeiten, Pfandgeb&uuml;hren f&uuml;r Flaschen oder um Strassenbauvorhaben in der Stadt Z&uuml;rich geht, wird offensichtlich, dass der Tages-Anzeiger mit solchen Pseudo-&#8222;Abstimmungen&#8220; versucht, politische Einflussnahme zu &uuml;ben. Ebenso bei Facts, wenn es um die Einsch&auml;tzung des Eizenstats-Buches geht, oder bei 20 Minuten, bei der die Haltung zum &#8222;Gewehr im Schrank zu Hause&#8220; erfragt wurde, oder beim Beobachter, bei dem es um die H&ouml;he der Lebensmittelpreise bei den Grossverteilern oder die Beurteilung des Dienstleistungsangebotes der Post geht.<\/p>\n<p>Deshalb die Forderungen:<\/p>\n<ol>\n<li>die Medien haben auf die technische Unzul&auml;nglichkeit ihrer Pseudo-&#8222;Umfragen&#8220;- und -&#8222;Abstimmungs&#8220;-Seiten hinzuweisen.<\/li>\n<li>am besten wird auf derartige irref&uuml;hrende Angebote verzichtet, insbesondere, wenn die Frage Themen betrifft, die der demokratischen Entscheidfindung unterstehen! Abstimmungen, Umfragen und dergleichen geh&ouml;ren in die H&auml;nde von Profis, geh&ouml;ren unter strikte demokratische Kontrolle.<br \/>Ist diese Forderung ein Eingriff in die redaktionelle Freiheit der Publizierenden von Internet-Angeboten? F&uuml;r die Publikation von Umfragen gelten <a href=\"http:\/\/www.presserat.ch\/12710.htm\" target=\"_blank\">Richtlinien zur &#8222;Erkl&auml;rung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten&#8220;<\/a> des Schweizerischen Pressrates; in Punkt 3.7 der Richtlinie wird zum Thema Meinungsumfragen ausgef&uuml;hrt: <i>&#8222;Bei der Ver&ouml;ffentlichung von Meinungsumfragen sollten die Medien dem Publikum immer alle Informationen zug&auml;nglich machen, die f&uuml;r das Verst&auml;ndnis der Umfrage n&uuml;tzlich sind: Mindestens Zahl der befragten Personen, Repr&auml;sentativit&auml;t, m&ouml;gliche Fehlerquote, Erhebungsgebiet, Zeitraum der Befragung, Auftraggeberin \/ Auftraggeber. Aus dem Text sollten auch die konkreten Fragen inhaltlich korrekt hervorgehen.&#8220;<\/i> Es ist offensichtlich, dass verschiedene dieser Angaben bei derartigen &#8222;Umfragen&#8220; gar nicht m&ouml;glich sind. Umfragen im Internet haben somit reinen Unterhaltungswert &#8211; dies haben die MacherInnen solcher Umfragen bei der Fragenauswahl zu ber&uuml;cksichtigen. Die Forderung nach dem Verzicht auf Pseudo-&#8222;Umfragen&#8220;, die sich auf politische Entscheidungsprozesse beziehen, ber&uuml;hrt die Redaktionsfreiheit in keiner Art und Weise.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Unterdessen f&uuml;gt der Tages-Anzeiger &#8211; leider erst bei der Resultatseite &#8211; den Zusatz an: <i>Diese Umfrage ist nicht repr&auml;sentativ.<\/i><\/p>\n<hr color=\"#00B400\">\n<h3>Anleitung zur mehrfachen Teilnahme bei ausschliesslich mit Cookies kontrollierten &#8222;Abstimmungen&#8220;<\/h3>\n<ul>\n<li>F&uuml;r Internet Explorer unter Windows-Betriebssystemen:\n<ol>\n<li>Browser starten. <\/li>\n<li>&#8222;Abstimmungsseite&#8220; aufrufen. <\/li>\n<li>An der Abstimmung teilnehmen.<\/li>\n<li>Browser beenden<\/li>\n<li>Im Explorer die neuesten Cookies l&ouml;schen (im Ordner &#8222;Cookies&#8220; des Benutzers\/der Benutzerin)<\/li>\n<li>wieder bei 1. beginnen<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li>F&uuml;r Netscape-Browser unter Mac OS X oder unter Windows:<\/li>\n<ol>\n<li>Browser starten. <\/li>\n<li>&#8222;Abstimmungsseite&#8220; aufrufen. <\/li>\n<li>An der Abstimmung teilnehmen.<\/li>\n<li>Im Browser unter &#8222;Einstellungen&#8220;, &#8222;Security&#8220;, &#8222;Cookies&#8220; &ouml;ffnen<\/li>\n<li>Mit der Cookies-Verwaltung die neuesten Cookies l&ouml;schen, Aenderungen best&auml;tigen<\/li>\n<li>bei 2. weitermachen<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im &uuml;brigen: dieser Vorgang kann sogar automatisiert werden, unter Windows beispielsweise mit dem Programm <a href=\"http:\/\/home.arcor.de\/mschierlm\/smsoft\/sm-macro.htm\" target=\"_blank\">Smart Macro<\/a> &#8211; in einer halbenStunde lassen sich so einige Hundert Seitenaufrufe realisieren.<\/p>\n<hr color=\"#00B400\">\n<p><b>Andere Versuche von &#8222;Abstimmungen&#8220; und &#8222;Umfragen&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Andere Medien wie z.B. der <a href=\"http:\/\/www.beobachter.ch\/\" target=\"_blank\">Beobachter<\/a> machen den Versuch, ihre Pseudo-&#8222;Abstimmungen&#8220; und -&#8222;Umfragen&#8220; zu sichern, indem die IP-Adresse des Computers gespeichert wird.<\/p>\n<p>Wer beim Beobachter versucht, ein weiteres Mal an der Abstimmung teilzunehmen, bekommt die Meldung <i>Von Ihrem Computer wurde bereits vor kurzen Abgestimmt!<\/i> (Orginalzitat).<\/p>\n<p>Das heisst: eine zweite Person, die am gleichen Computer arbeitet, ist von der Teilnahme an der &#8222;Abstimmung&#8220; ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Ist eine derartige Abstimmung vor Manipulationen gesichert? Nein! Mit Internet-Angeboten wie <a href=\"http:\/\/www.vorratsdatenspeicherung.de\/content\/view\/290\/55\/lang,de\/\" target=\"_blank\">Anomyzern<\/a> kann auch diese &#8222;Barriere&#8220; umgangen werden.<\/p>\n<p><b>Das Fazit: Es gibt gibt anhin keine Methode, im Internet Abstimmungen oder Umfragen durchzuf\u00fchren, die minimalsten demokratischen Anforderungen gen\u00fcgen!<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf vielen Internet-Seiten finden sich Meinungsumfragen, einige davon gar abstimmungsartig dargestellt (z.B. mit Hinweisen wie &#8222;voting&#8220;, &#8222;jetzt abstimmen&#8220; oder dergleichen). Derartige Seiten haben allerdings bestenfalls Unterhaltungswert, weil mit den meisten heute zur Verf&uuml;gung stehenden Internet-Techniken wesentliche Elemente von Meinungsumfragen oder gar Abstimmungen nicht einbezogen werden k&ouml;nnen, z.B. 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