{"id":905,"date":"2009-08-24T12:39:01","date_gmt":"2009-08-24T11:39:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=905"},"modified":"2009-08-24T12:53:35","modified_gmt":"2009-08-24T11:53:35","slug":"triumph-der-ignoranz-und-dummheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/triumph-der-ignoranz-und-dummheit","title":{"rendered":"Triumph der Ignoranz und Dummheit?"},"content":{"rendered":"<p>Mit einer eher knappen Mehrheit hat der Kantonsrat des Kantons Z\u00fcrich ein Postulat \u00fcberwiesen, welches den grossen St\u00e4dten die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber das Strassensystem nehmen will. Dies ist ignorant und dumm &#8211; ich wage die Prognose, dass diese schlechte Idee nie umgesetzt werden wird.<!--more--><\/p>\n<p>Es ist l\u00e4ngst klar: das Auto ist der Fluch unserer Gesellschaft. Weil sehr viele Menschen sehr viel Geld f\u00fcr ihr Auto ausgeben, weil die Wirtschaft will, dass dies weiter so bleibt, gibt es ausreichend ignorante und dumme Politikerinnen, die das Denken in dieser Frage verhindern wollen.<\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser dieses Vorstosses waren die auf den ersten Blick einschneidenden, aber letztlich problemlos umgesetzten Massnahmen zur Verminderung der Strassenverkehrskapazit\u00e4t auf dem Gebiet der Stadt Z\u00fcrich &#8211; denn schliesslich hat die Politik mit Uetlibergtunnl und weiteren Autobahnen eine Umfahrung der Stadt Z\u00fcrich versprochen. Die Stadt Z\u00fcrich hat einzig das umgesetzt, was die Politik &#8211; und in einem weiteren Schritt auch die Justiz &#8211; dieses Landes beschlossen hat. Es stimmt: die ersten Umstelltage waren wie zu erwarten relativ chaotisch. Sehr schnell haben sich die Autofahrenden daran gew\u00f6hnt. Nur die Unverbesserlichen &#8211; m\u00f6glicherweise die W\u00e4hlerInnen der ignoranten und dummen Kantonsr\u00e4tInnen? &#8211; haben es noch nicht gemerkt.<\/p>\n<p>Klar ist: genauso wie mehr Strassen zu mehr Verkehr f\u00fchren, f\u00fchren weniger Strassen zu weniger Verkehr. Die Erfahrungen haben gezeigt: werden Strassenkapazit\u00e4ten vermindert, passt sich der Strassenverkehr nach sehr kurzer Zeit an die neuen Verh\u00e4ltnisse an. Selbst wenn die Massnahme r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht wird, ist ein erheblicher Teil des vorherigen Verkehrs verschwunden! Die Menschen im Verkehr passen ihr Verhalten dem vorhanden Angebot und der Nachfrage an &#8211; sie verhalten sich in dieser Hinsicht \u00f6konomisch nachvollziehbar: steht die Stauzeit in einem schlechten Verh\u00e4ltnis zur Reisezeit, wird eine Anpassungsstrategie gesucht: anderer Weg, andere Reisezeit, anderes Verkehrsmittel, Ver\u00e4nderung der Situation (z.B. Wechsel Wohn- und\/oder Arbeitsort, um den t\u00e4glichen Arbeitsweg zu vermindern. <\/p>\n<p>Dieses Verhalten ist sowohl \u00f6konomisch wie \u00f6kologisch sinnvoll. Denn bereits vor einiger Zeit hat der Dresdner Verkehrs\u00f6kologe Udo J. Becker formuliert: <strong>Um die Mobilit\u00e4t zu erhalten, muss der Verkehr vermindert werden<\/strong>! In St\u00e4dten mit ihrem knappen Platzangebot und den vielen von den zahlreichen negativen Auswirkungen des Strassenverkehrs betroffenen Menschen (z.B. L\u00e4rm, Luftverschmutzung, Klimawandel, Sicherheit, Platzbedarf, &#8230;), besteht eine wesentlich h\u00f6here Sensibilit\u00e4t zu derartigen Fragestellungen &#8211; und damit die Bereitschaft, eine Verkehrspolitik zu verfolgen, die mehr das Interesse der Wohnenden und weniger das der Mobilen einbezieht. Oder anders: die Stadt Z\u00fcrich braucht keinen wie auch immer ausgestalteten Waidhaldetunnel, die Menschen in der Stadt Z\u00fcrich brauchen keinen Stadttunnel, weder Verbreiterung des Gubristtunnels noch eine weitere Nordumfahrung sind erforderlich. es braucht endlich eine Verkehrspolitik, die Zwangsmobilit\u00e4t verhindert, es braucht eine Raumordnungspolitik, die das Wohnen in der Stadt privilegiert gegen\u00fcber dem Wohnen im Gr\u00fcnen, es braucht eine Energiepolitik, die die energieeffizientesten Fortbewegungsarten unterst\u00fctzt, es braucht eine Klimaschutzpolitik, die im Sinne der Vorsorge f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen daf\u00fcr sorgt, dass so rasch als m\u00f6glich keine fossilen Treibstoffe mehr verwendet werden, sondern nur noch Antriebsenergien, welche &#8211; im harten Sinn verstanden &#8211; nachhaltig bereitgestellt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Automobilverb\u00e4nde TCS und ACS haben mit zu jenen geh\u00f6rt, die bei der <a href=\"http:\/\/2kwblog.umweltnetz.ch\/index.php?\/archives\/27-Die-StadtzuercherInnen-sagen-Ja-zur-Vision-der-2000-Watt-Gesellschaft.html\" target=\"_blank\">Abstimmung \u00fcber die 2000-Watt-Gesellschaft<\/a> in der Stadt Z\u00fcrich am lautesten gegen dieses Zukunftskonzept gewehrt haben. Die Z\u00fcrcherInnen wollten von den Vorstellungen von TCS und ACS nichts h\u00f6ren &#8211; und haben die 2000-Watt-Gesellschaft mit 76.4 % in der Gemeindeordnung verankert. <\/p>\n<p>An die 84 Kantonsr\u00e4tInnen, welche am 24.8.09 diesen Vorstoss unterst\u00fctzt haben: das Rad der Zeit k\u00f6nnen auch Sie nicht zur\u00fcckdrehen &#8211; in <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/autofahren-in-zeiten-des-klimawandels-und-der-finanzkrise-ii\/\" target=\"_blank\">Zeiten des Klimawandels und der Finanzkrise<\/a> wird offensichtlich, dass es eine Verkehrspolitik braucht, die deutlich st\u00e4rker die Verkehrsvermeidung in den Vordergrund stellt, weit st\u00e4rker, als dies bis anhin die St\u00e4dte tun. Nochmals: <strong>um die Mobilit\u00e4t zu erhalten, muss der Verkehr verhindert werden<\/strong>.<\/p>\n<p>Wenn die AgglobewohnerInnen dies nicht begreifen, wird ein allf\u00e4lliger (aber nicht wirklich zu erwartender) Eingriff des Kantons in die Strassenhoheit der St\u00e4dte zu erheblichen Ver\u00e4nderungen im Verh\u00e4ltnis der St\u00e4dte zum Kanton kommen! Nicht zu vergessen: allein die Stadt Z\u00fcrich hat mehr Einwohnende als die meisten der Kantone &#8211; aber keine direkte Mitwirkungsrechte auf Bundesebene. Dies ist schlicht nicht akzeptabel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einer eher knappen Mehrheit hat der Kantonsrat des Kantons Z\u00fcrich ein Postulat \u00fcberwiesen, welches den grossen St\u00e4dten die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber das Strassensystem nehmen will. 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