{"id":860,"date":"2009-08-16T11:43:24","date_gmt":"2009-08-16T10:43:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=860"},"modified":"2009-08-16T11:43:24","modified_gmt":"2009-08-16T10:43:24","slug":"mathematik-eine-alte-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/mathematik-eine-alte-kunst","title":{"rendered":"Mathematik: eine alte Kunst"},"content":{"rendered":"<p>Mathematik bietet unbestrittenermassen wertvolle Instrumente, wenn es darum geht, Sachverhalte auf diesem Planenten zu erforschen und zu erkl\u00e4ren. Mit ihrer langen, sehr langen Tradition geh\u00f6rt die Mathematik zu den kulturellen Leistungen der Menschheit. Wenn <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/Schweizer-Maturanden-sind-schlecht-in-Mathematik\/story\/30730278\" target=\"_blank\">Schweizer MaturandInnen schlecht in Mathematik<\/a> sind, ist dies allerdings eher ein Hinweis auf den massiv ungeeigneten Mathematik-Unterricht. Dieser Unterricht muss viel st\u00e4rker in die Alltagsrealit\u00e4t einbezogen werden.<!--more--><\/p>\n<p>Als ich die Matura zu bestehen hatte, konnten erstmals Taschenrechner eingesetzt werden an der Maturapr\u00fcfung. Nur: es hat den Rechner schlicht nicht gebraucht zur Ablegung der Pr\u00fcfung! Mit einfachen Kopfrechnungen und vielen theoretischen Ueberlegungen war diese Pr\u00fcfung allerdings anspruchvoller als das Pr\u00fcfen mechanistischer F\u00e4higkeiten beim Handausrechnen komplizierter Berechnungsvorg\u00e4nge.<\/p>\n<p>Ich hab in meiner Ingenieur-Ausbildungszeit und auch an Weiterbildungen sehr viele Mathematik-Lektionen absolviert. Und ich brauche nach wie vor sehr intensiv mathematische Elemente in meiner Alltagsarbeit. Trotzdem: vieles der Mittelschulmathematik hat wenig bis gar nichts mit der Alltagsrealit\u00e4t auch anspruchsvoller technischer Arbeiten zu tun. Die Frage ist berechtigt: wie viel Nutzen vermag die aktuelle Mittelschulmathematik f\u00fcr den realen Berufsalltag der zuk\u00fcnftigen ExpertInnen zu stiften? <\/p>\n<p>Wenn ich den aktuellen Mathematik-Unterricht in den Mittelschulen betrachte, f\u00e4llt mir etwas auf: der Computer scheint nicht zu existieren. Selbstverst\u00e4ndlich ist es wichtig, die &#8222;Geheimnisse&#8220; beispielsweise einer linearen Regression zu kennen, damit dieses Hilfsmittel sinnvoll verwendet werden kann. Nur: Tabellenkalkulationsprogramme bieten &#8222;Trend&#8220;-Funktionen als Standard in verschiedener Auspr\u00e4gung an. Und dies ist nun mal die Realit\u00e4t: wenn ich am Arbeitsplatz Daten analysiere, steht mir standardm\u00e4ssig eben auch eine Tabellenkalkulationssoftware zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Es ist nun ziemlich billig, wenn die Bildungsverantwortlichen  auf die schlechte Botschaft der schlechten Mathe-Kenntnisse der MaturandInnen mit der Absicht reagieren, einfach die Pr\u00fcfungsanforderungen heraufschrauben zu wollen. Es ist eine bl\u00f6dsinnige Aussage, wenn gerade MathematikerInnen immer wieder behaupten, es g\u00e4be nun mal Menschen mit unterschiedlicher Begabung f\u00fcr Mathematik, und dies als Begr\u00fcndung daf\u00fcr heranziehen, warum auch der Mathematikunterricht an Mittelschulen in erster Linie an potentiellen MathematikstudentInnen ausgerichtet ist. Meine Erfahrung ist hier eine ganz andere: Mathematikabneigung wird geradezu durch den Mathematik-Unterricht gef\u00f6rdert &#8211; die sprichw\u00f6rtliche Arroganz der Mathe-Genies ist nicht gerade die ideale Anfangsvoraussetzung, auch f\u00fcr Mathematik-Normal- und -Wenigbegabte die Faszination der Mathematik wirklich erschliessen zu k\u00f6nnen. Oder anders: warum fallen immer wieder gerade Mathematik-Lehrkr\u00e4fte durch p\u00e4dagogisches und didaktisches Ungeschick auf? &#8211; Vorbildliche Ausnahmen best\u00e4tigen auch hier die Regel. Die Alltagsweisheit auch hier dazu: f\u00fcr den Lernerfolg sind nur in zweiter Linie die Grundvoraussetzungen der Sch\u00fclerInnen massgebend. Entscheidend sind Vermittlungsklima und Begeisterungsf\u00e4higkeit der Lehrpersonen. Denn: der Mensch als im Kern neugieriges Wesen ist fasziniert von den Geheimnissen, die die Mathematik erschliessen kann. Es ist allerdings davon auszugehen, dass gerade der Mathematikunterricht an Mittelschulen diese Grundneugier nicht aufnehmen kann.<\/p>\n<p>Fazit: der Mathematikunterricht an den Mittelschulen darf sich nicht \u00fcberwiegend an die Mathematik-Talente richten, sondern hat daf\u00fcr zu sorgen, dass ein grosser Teil der MaturandInnen Mathematik als Hilfsmittel versteht, die beitragen, allt\u00e4gliche Ph\u00e4nomene besser zu verstehen &#8211; und dass es darum geht, mit diesen Kenntnissen L\u00f6sungen f\u00fcr Zukunftsherausforderungen zu finden. Auch dabei kann und soll und muss die alte Kunst Mathematik eine wichtige Rolle spielen.   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mathematik bietet unbestrittenermassen wertvolle Instrumente, wenn es darum geht, Sachverhalte auf diesem Planenten zu erforschen und zu erkl\u00e4ren. Mit ihrer langen, sehr langen Tradition geh\u00f6rt die Mathematik zu den kulturellen Leistungen der Menschheit. 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