{"id":8334,"date":"2021-07-18T12:21:40","date_gmt":"2021-07-18T10:21:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=8334"},"modified":"2021-07-18T12:30:22","modified_gmt":"2021-07-18T10:30:22","slug":"unwetter-stimmung-in-der-umwelt-und-klimapolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/unwetter-stimmung-in-der-umwelt-und-klimapolitik","title":{"rendered":"Unwetter-Stimmung in der Umwelt- und Klimapolitik?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-left\"><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-8329\" src=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/210521_184412-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/210521_184412-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/210521_184412-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/210521_184412-120x120.jpg 120w, https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/210521_184412.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/>Weil in den letzten Jahrzehnten viel zu wenig f\u00fcr den Schutz des Klimas getan wurde, befinden wir uns in einer Klimakrise. Weil dies immer offensichtlicher wird, reagieren gewisse Kreise der Menschheit mit einer eigentlichen Unwetter-Stimmung. Was ist zu tun, um diese Unwetter-Stimmung abzulegen und viel mehr gegen die Klimakrise zu tun?<\/p><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wir alle \u2026<\/h3>\n\n\n\n<p>Es gibt nicht die Schuldige oder den Schuldigen f\u00fcr die Klimakrise \u2013 \u00abwir alle\u00bb sind es. Jeder auf diesem Planeten lebende Mensch tr\u00e4gt mehr oder weniger viel zur Klimakrise bei. Und jeder auf diesem Planeten lebende Menschen kann einen Beitrag gegen die Klimakrise leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich ist es wie mit den Steuern. \u00abWir alle\u00bb tragen mehr oder weniger zum Steueraufkommen bei. Verbreitet ist dabei die Stimmung, dass viele finden, sie seien st\u00e4rker als andere von den Steuern belastet und w\u00fcrden gleichzeitig weniger als andere von den Steuern profitieren. Immer st\u00e4rker verbreitet sich eine meritokratische Grundhaltung, Anrecht auf sehr vieles zu haben. Grundlegende Elemente der Ethik werden dabei ignoriert, etwa der aus dem kant\u2018schen oder kategorischen Imperativ abgeleitete Vorgabe der gleichen oder zumindest vergleichbaren Anspr\u00fcche. Wenn bekannt ist, dass die bei der Verbrennung fossiler Energietr\u00e4ger entstehenden Treibhausgase zu einer eigentlichen Klimaerhitzung mit unabsehbaren Folgen auf die Lebensm\u00f6glichkeiten aller Menschen f\u00fchren, ist raschestm\u00f6glich auf diese fossilen Energietr\u00e4ger zu verzichten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abWir alle\u00bb \u2013 da ist jeder Mensch nicht nur mitgemeint, sondern gemeint. Insbesondere funktioniert \u00abich tue erst etwas, wenn alle anderen auch etwas tun\u00bb nicht, weil dies zu einer eigentlichen Blockade f\u00fchrt. \u00abIch tue, was ich tun kann \u2013 und lade andere dazu ein, es auch so oder \u00e4hnlich zu tun\u00bb ist der einzig erfolgsversprechende Ansatz.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine M\u00f6glichkeit zeige ich mit dem Vorabzug von \u00ab<a href=\"https:\/\/werkstatt.zweitausendundeinwatt.ch\/index.php\/2021\/01\/02\/plan-w-2039-wir-alle-wollen-vorabzug-januar-2021\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Plan W. 2039 \u2013 wir alle wollen<\/a>\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nach dem Nein zum v\u00f6llig ungen\u00fcgenden CO<sub>2<\/sub>-Gesetz<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4re es am 13. Juni 2021 zu einem Ja der Schweizerischen Stimmberechtigten zum v\u00f6llig ungen\u00fcgenden CO<sub>2<\/sub>-Gesetz gekommen, h\u00e4tte bereits am Abend die Diskussion \u00fcber eine weitere kr\u00e4ftige Verst\u00e4rkung der Klimapolitik der Schweiz beginnen m\u00fcssen. Nach dem Nein ist die Situation somit nicht wesentlich anders \u2013 die Dringlichkeit ist noch h\u00f6her, und die \u00abUnwetter\u00bb-Stimmung wegen des Demokratieversagens k\u00f6nnte l\u00e4hmend wirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn es andere Behauptungen gibt, so richtig mit Herzblut haben sich sehr wenige Menschen f\u00fcr dieses v\u00f6llig ungen\u00fcgende CO<sub>2<\/sub>-Gesetz eingesetzt \u2013 \u00abJa, aber \u2026\u00bb war noch nie sehr motivierend. Die Fossil-Lobby hat mit der Finanzierung der $VP-L\u00fcgenkampagne neue Massst\u00e4be der real existierenden Monekratie aufgezeigt, und der Heiz\u00f6l- und Erdgasverein (HEV) hat klar gegen die Interessen der Hauseigent\u00fcmerschaften und damit auch gegen die Mieterschaft agiert. Es gibt sicher Anteile der Bev\u00f6lkerung, die wegen des v\u00f6llig ungen\u00fcgenden Klimaschutzes gegen das CO<sub>2<\/sub>-Gesetz gestimmt haben oder nicht an der Abstimmung teilgenommen haben. Auff\u00e4llig ist, dass insbesondere die Stimmberechtigten der St\u00e4dte mit eigenst\u00e4ndiger und teilweise langj\u00e4hriger Klimapolitik hohe Ja-Anteile in der Abstimmung bewirkt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich gibt es nur die Option, ein wesentlich ambiti\u00f6seres CO<sub>2<\/sub>-Gesetz zu entwerfen und zur Abstimmung zu bringen. Spannend wird die Frage sein, ob es tats\u00e4chlich n\u00f6tig ist, klimafreundliche Entscheide zu belohnen respektive zu subventionieren. Hier d\u00fcrfte es sich r\u00e4chen, dass es seit Jahrzehnten nicht gelungen ist, Kostenwahrheit im Energiemarkt einzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anwendung fossiler Energietr\u00e4ger f\u00fchrt in erheblichem Umfang zu direkten und indirekten Kosten, die nach wie vor durch die \u00d6ffentlichkeit getragen werden. Spannend etwa, dass die <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-84355.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Informationen \u00fcber die ungedeckten Kosten im Verkehr<\/a> \u2013 mit den drei drei gr\u00f6ssten Quellen Luftverschmutzung, L\u00e4rmbelastung und Folgen des Klimawandels \u2013 erst nach der Abstimmung ver\u00f6ffentlicht wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vollst\u00e4ndigkeit halber: die Bundesverfassung verpflichtet die Schweiz zu einer nachhaltigen Entwicklung. Dazu geh\u00f6ren \u00f6kologische, \u00f6konomische und soziale Aspekte. Nach wie vor dominieren in der Politik die kurzfristig und damit kurzsichtig angelegten \u00dcberlegungen zu finanziellen Auswirkungen. In Sachen Nachhaltigkeit besteht auch da erheblicher Nachholbedarf.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist zu hoffen, dass es der Politik gelingt, die monekratisch orientieren L\u00fcgen-Kampagnen in den Griff zu bekommen. Zu beachten dabei: auch die Meinungs\u00e4usserungsfreiheit hat sich an den Fakten zu orientieren \u2013 L\u00fcgen welcher Art auch immer k\u00f6nnen nicht als Meinungen bezeichnet werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Klimaschutz und Klimaanpassung<\/h3>\n\n\n\n<p>Seit einiger Zeit ist offensichtlich, dass Klimaschutz (Mitigation) erg\u00e4nzt werden muss mit Klimaanpassung (Adaptation).<\/p>\n\n\n\n<p>Die starken Sturm-Hagel-Gewitter verbunden mit starken Regenf\u00e4llen in der ersten H\u00e4lfte Juli 2021 haben einmal mehr gezeigt, dass auch hier eine Unwetter-Stimmung herrscht. Es ist offensichtlich, dass es immer noch nicht gelingt, Wetter und Klima verst\u00e4ndlich zu differenzieren. Die Wissenschaft nennt schon l\u00e4nger verschiedene Auswirkungen der Klimakrise. Heisses Wetter verbunden mit Trockenheit z\u00e4hlt genauso dazu wie Starkregenphasen \u2013 lokal nicht gleichzeitig, auch nicht zwingend im gleichen Jahr. Und auch regional sehr unterschiedlich \u2013 etwa derzeit Nordamerika mit Hitze, Trockenheit und unterschiedlich ausgel\u00f6sten grossfl\u00e4chigen Br\u00e4nden, w\u00e4hrend in Mitteleuropa \u00dcberschwemmungen und ein eher zur\u00fcckhaltender Sommer zu beobachten sind (Stand etwa Mitte Juli 2021).<\/p>\n\n\n\n<p>St\u00e4rker als bisher ist in \u00d6ffentlichkeit und Medien die Attributionsforschung in die Diskussion einzubeziehen. In dieser <a href=\"https:\/\/www.dwd.de\/DE\/leistungen\/attributionsforschung\/attributionen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zuordnungsforschung<\/a> geht es darum, den \u00abm\u00f6glichen Einfluss des Klimawandels auf extreme Wetterereignisse wie D\u00fcrren, Hitzewellen, K\u00e4lteeinbr\u00fcche und extreme Regenf\u00e4lle\u00bb zu analysieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wir wissen, was zu tun ist \u2013 System Change zwingend!<\/h3>\n\n\n\n<p>Weg von den fossilen Energietr\u00e4gern hin zu erneuerbaren Energien ist eine schon lange bekannte Strategie zur Reaktion auf die Klimakrise. Dies ist eine echte Herausforderung \u2013 in der Formulierung des Weltklimarates IPCC vom Oktober 2018 wird dies konkretisiert: <em><strong>Limiting global warming to 1.5 \u00b0C would require rapid, far-reaching and unprecedented changes in all aspects of society, the IPCC said in a new assessment<\/strong><\/em>. [<em>Um den Klimawandel auf 1.5 \u00b0C zu begrenzen, sind schnelle, weitreichende und beispiellose Ver\u00e4nderungen in allen Bereichen der Gesellschaft erforderlich.<\/em>] Dies braucht einen System Change \u2013 oder anders, es sind viele Dinge des t\u00e4glichen Lebens betroffen, die heute als \u00abn\u00fctzlich, normal und notwendig\u00bb gelten. Auch bei liebgewordenen Gewohnheiten sind Ver\u00e4nderungen erforderlich!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wissen, was zu tun ist. Ich verzichte hier auf Copy-Paste von Massnahmenlisten. Die Verlinkungen solcher Sammlungen ist demgegen\u00fcber weiterf\u00fchrend.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende Juni 2021 hat der <a href=\"https:\/\/buergerrat-klima.de\/wieso-ein-buergerrat-klima\/die-ergebnisse\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">deutsche B\u00fcrgerrat Klima die Ergebnisse<\/a>  der mehrw\u00f6chigen Arbeit von 160 zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlten M\u00e4nnern und Frauen pr\u00e4sentiert. In den Ergebnissen sind 76 Empfehlungen f\u00fcr die Konkretisierung der Klimapolitik in den Handlungsfeldern Energie, Mobilit\u00e4t, Geb\u00e4ude und W\u00e4rme, Ern\u00e4hrung und Instrumente der Transformation enthalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die durch den Klimastreik verst\u00e4rkte Klimabewegung hat den \u00ab<a href=\"https:\/\/climatestrike.ch\/de\/crisis#solutions\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Climate Action Plan CAP<\/a>\u00bb ehrenamtlich erarbeitet, als \u00ab<em>gemeinsames Projekt von jungen Klimastreikenden, Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus den verschiedensten Fachgebieten<\/em>\u00bb. Da gibt es einiges an Massnahmen zu lesen und umzusetzen: 9 sektor\u00fcbergreifend, 28 zur Mobilit\u00e4t, 14 zu Geb\u00e4uden und Raumentwicklung, 7 zu Industrie und Dienstleistungssektor, 8 zur Energieversorgung, 33 zu Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung, 3 zu negativen Emissionen, 11 zum Finanzsektor, 10 zur internationalen Zusammenarbeit und zur Klimafinanzierung, 11 zur Bildung und 3 zur Klimaanpassung \u2013 insgesamt 137 Massnahmen!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir alle haben gen\u00fcgend zu tun, und dies ab sofort. Oder anders: eine neue \u00d6l- oder Gasheizung, ein neues Auto mit Benzin- oder Dieselmotor, regelm\u00e4ssig Fleisch in den Mahlzeiten \u2013 das ist alles Bl\u00f6dsinn! Und eben, es braucht Freiwilligkeit und Vorschriften. Und vor allem die klare Botschaft, dass so rasch als m\u00f6glich auf die fossilen Energien zu verzichten ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Auto- und andere -Poser<\/h3>\n\n\n\n<p>Zur Unwetter-Stimmung geh\u00f6ren auch diverse Poser, nicht nur die Auto-Poser. Dr\u00f6hnende Motoren, stinkende Auspuffe \u2013 dies wird immer offensichtlicher mit Absicht von einer mehr oder weniger grossen Minderheit vorgef\u00fchrt. Einfach dies: L\u00e4rm ist auch ein Zeichen f\u00fcr wenig effiziente Energienutzung, Gestank f\u00fcr veraltete Technologien. Und wer nur leicht den Kopf sch\u00fcttelt wegen derartigen Posereien, muss mit einem Stinkefinger rechnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere Form der Poserei lehnt den offensichtlich notwendigen \u00abSystem Change\u00bb ab. Mit anderen Technologien \u2013 beispielsweise Wasserstoff, oder erneuerbaren Treibstoffen f\u00fcr den Flug- und Autoverkehr \u2013 werden Hoffnungen f\u00fcr weniger oder kleinere System Changes geweckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich weiss, Photovoltaik wurde von massgeblichen Kreisen lange bel\u00e4chelt \u2013 und spielt trotzdem eine immer bedeutendere Rolle bei der Energieversorgung. Als Kontrast dazu: Wasserstoff wurde in den letzten 40 Jahren regelm\u00e4ssig gehypt, passiert ist wenig. Zu kl\u00e4ren sein wird, ob diesmal Wasserstoff der Versuch der bisher fossil dominierten Energiewirtschaft ist, weiterhin eine vor allem \u00f6konomisch interessierende Rolle zu spielen \u2013 oder ob die Realit\u00e4t immer st\u00e4rker der \u00dcbergang vom Produktions-\/Konsum-Schema zu einem Prosumer-Ansatz ist (bei dem auch Wasserstoff eine gewisse Bedeutung haben k\u00f6nnte)!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Unwetter und Klimakrise haben durchaus gewisse Zusammenh\u00e4nge \u2013 wenn es gelingt \u00abwir alle\u00bb im Umgang mit der Klimakrise zu erreichen, hilft dies auch beim Unwetter!<\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil in den letzten Jahrzehnten viel zu wenig f\u00fcr den Schutz des Klimas getan wurde, befinden wir uns in einer Klimakrise. Weil dies immer offensichtlicher wird, reagieren gewisse Kreise der Menschheit mit einer eigentlichen Unwetter-Stimmung. 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