{"id":8066,"date":"2020-09-02T11:55:14","date_gmt":"2020-09-02T09:55:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=8066"},"modified":"2020-09-02T11:56:05","modified_gmt":"2020-09-02T09:56:05","slug":"klimastreik-2-jahre-plus-trotz-klimakrise-ist-die-real-existierende-klimapolitik-noch-nicht-mal-in-der-trainingsphase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/klimastreik-2-jahre-plus-trotz-klimakrise-ist-die-real-existierende-klimapolitik-noch-nicht-mal-in-der-trainingsphase","title":{"rendered":"Klimastreik 2 Jahre plus \u2013 trotz Klimakrise ist die real existierende Klimapolitik noch nicht mal in der Trainingsphase"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7394\" src=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/kartonkl.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/kartonkl.jpg 480w, https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/kartonkl-300x188.jpg 300w, https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/kartonkl-240x150.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 85vw, 480px\" \/>Im August 2018 hat Greta Thunberg in Stockholm mit Klimastreiks jeweils am Freitag begonnen. Sie wollte erreichen, was der Wissenschaft und Gemeinsinn-Engagierten in den letzten bald vierzig Jahren nicht gelungen ist: endlich ernsthafte Massnahmen gegen die Klimaerhitzung. Ein m\u00f6glichst schneller Ausstieg aus den fossilen Energien \u2013 Erd\u00f6l, Erdgas, Kohle \u2013 geh\u00f6rt zu den zwingenden Notwendigkeiten, um die Klimaerhitzung auf ein f\u00fcr die Menschheit ertr\u00e4gliches Mass zu begrenzen. &nbsp;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Greta Thunberg konnte direkt und indirekt in vielen L\u00e4ndern dieser Erde Millionen von Menschen zur Teilnahme an Klimastreiks und Klimademos motivieren. Eine grosse Zahl von prominenten Menschen verlangen deutlicher und lauter als bis anhin Massnahmen zum Schutze des Klimas. Es sind viele neue Gruppen und Initiativen zum Schutze des Klimas entstanden, es ist eine eigentliche Bewegung daraus entstanden. Es wird seither viel mehr \u00fcber die Klimakrise gesprochen. <br>Es sind aber auch weiterhin die Kr\u00e4fte am Werke, die sich als Lobby der fossilen Energien gegen Klimaschutz einsetzen, unter anderem, weil sie deutlich vom Renteneinkommen aus dem Verbrauch der vor Jahrmillionen entstandenen fossilen Energien profitieren. Da hat sich etwa gegen\u00fcber den im Buch \u00abLosing Earth\u00bb von Nathaniel Rich dargestellten Verh\u00e4ltnissen vor dreissig Jahren nicht ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Weil die erforderlichen Prozesse zur Erreichung eines besseren Klimaschutzes gerade in Demokratien eine erhebliche Dauer brauchen, ist leider trotz den eindringlichen Klimastreiks und der daraus entstandenen Bewegung auch in demokratischen Rechtsstaaten noch nicht sehr viel passiert seit August 2018.<br><br>Am Beispiel Stadt Z\u00fcrich: Im Gemeinderat der Stadt Z\u00fcrich wurden zwischen 19. September 2018 und 10. Juli 2019 achtzehn Vorst\u00f6sse mit mehr oder weniger starkem Bezug zum Klimaschutz eingereicht. Der Rat behandelte diese Vorst\u00f6sse an der Klimadebatte vom 25. September 2019 \u2013 zehn Vorst\u00f6sse wurden an den Stadtrat \u00fcberwiesen, mit dem Vermerk \u00ab\u00dcberweisung, Frist 24 Monate\u00bb. Der Stadtrat hat nun bis am 24. September 2021 Zeit, die zwei Motionen und acht Postulate zu beantworten und Antr\u00e4ge zur Umsetzung zu formulieren. Immerhin etwa zwei Vorst\u00f6sse wurden bereits fr\u00fcher eingereicht und erfordern stadtr\u00e4tliche Antr\u00e4ge bis zum Mai 2021. Die Beratung und Beschlussfassung im Gemeinderat wird ebenfalls einiges an Zeit brauchen, situativ sind auch noch die Stimmberechtigten zu befragen. Es k\u00f6nnte also sein, dass vier Jahre nach dem Start der Klimastreiks gewisse Verbesserungen der Klimapolitik erreicht werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>\u00abNetto Null 2030\u00bb ist eine der Forderungen der Klimastreik-Bewegung. Wenn wie bis anhin wenig bis nichts ge\u00e4ndewrt wird, entspricht dies dem Treibhausgas-Budget, das h\u00f6chstens zur Verf\u00fcgung steht, um die Klimaerhitzung auf ein f\u00fcr die Menschheit ertragbares Niveau \u2013 1.5 K Erh\u00f6hung gegen\u00fcber dem vorindustriellen Zeitpunkt \u2013 zu begrenzen.<\/p>\n<p>Der Weltklimarat IPCC hat als Stimme der Wissenschaft im Oktober 2018 festgehalten, dass es jetzt \u00abschnelle, weitreichende und beispiellose Ver\u00e4nderungen in&nbsp; allen Bereichen der Gesellschaft\u00bb braucht. <\/p>\n<p>Was in der Schweiz bis jetzt passiert ist, entspricht dem nicht \u2013 da hat immer noch die Lobby der fossilen Misswirtschaft das Sagen.<\/p>\n<p>Im August 2019 hat der Bundesrat sich zwar f\u00fcr \u00abNetto Null 2050\u00bb ausgesprochen \u2013 das Parlament interessiert dies nicht wirklich: die derzeit diskutierte \u00c4nderung des CO<sub>2<\/sub>-Gesetzes ist weit davon entfernt, dieses Ziel auch nur schon anzustreben.<\/p>\n<p>In der <a href=\"https:\/\/www.zh.ch\/content\/dam\/zhweb\/bilder-dokumente\/themen\/umwelt-tiere\/umweltschutz\/z%C3%BCrcher-umweltpraxis-zup\/zup-97\/ZUP97_20_ganz.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Z\u00fcrcher Umweltpraxis Juli 2020 (ZUP 91) \u00abKlimaschutz, Klimafolgen und Anpassung an den Klimawandel\u00bb<\/a> heisst es: <em><strong>Netto null bis 2050! Der Regierungsrat strebt f\u00fcr den Kanton neu das Ziel einer vollst\u00e4ndigen Dekarbonisierung bis sp\u00e4testens 2050 an.<\/strong><\/em> Immerhin gewisse Spuren des gr\u00fcnen Baudirektors Martin Neukom.<\/p>\n<p>Auch der Stadtrat von Z\u00fcrich \u00fcbt sich in sch\u00f6nen Worten, bis hin zur (Plakat-)Kampagne \u00ab<a href=\"https:\/\/www.zuerich-co2.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mehr Z\u00fcrich \u2013 Weniger CO<sub>2<\/sub><\/a>\u00bb. Dazu passt auch, dass der Stadtrat von Z\u00fcrich am 18. M\u00e4rz 2020 die \u00abKlima- und Energie-Charta der St\u00e4dte und Gemeinden\u00bb genehmigt und unterzeichnet hat. Der Stadtrat unterst\u00fctzt darin die Verpflichtung, die Treibhausgasemissionen der Schweiz bis 2050 auf netto null zu reduzieren.<\/p>\n<p>Beim konkreten Wollen und Handeln sieht es deutlich anders aus. Im November 2019 hat der Stadtrat eine \u00dcberarbeitung der kommunalen Energieplanung beschlossen. Demnach sollen 2050 immer noch 31 Prozent der W\u00e4rmeversorgung von \u00d6l und Gas abgedeckt werden (\u00d6l 6 Prozent, Erdgas 14 Prozent, Biogas 11 Prozent). Dies ist weit entfernt von der vollst\u00e4ndigen Dekarbonisierung \u2013 eine solche Klimapolitik ist objektiv illegal!<\/p>\n<p>Auch da hat die Klimaforschung eigentlich eine Vorgabe gemacht. Im Internet-Magazin powernewz des st\u00e4dtischen (Strom-)Versorgers ewz hat <a href=\"https:\/\/www.powernewz.ch\/2019\/eth-klimaforscher-knutti\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ETH-Klimaforscher Prof. Reto Knutti am 11. Oktober 2019<\/a> sinngem\u00e4ss festgehalten: \u00ab<em><strong>Es ist richtig, dass sich die Stadt Z\u00fcrich \u00fcberambitioniert scheinende energiepolitische Ziele setzt, zum Beispiel, bis 2030 den CO<sub>2<\/sub>-Austoss auf Netto Null zu reduzieren<\/strong><\/em>\u00bb.<\/p>\n<p>Ebenso hat der Schweizerische Nationalfonds im Januar 2020 mitgeteilt: \u00ab<em><strong>Aussteigen [aus der Kernenergie und der CO<sub>2<\/sub>-intensiven Energiewelt] ist m\u00f6glich\u2026 wenn wir wollen, und dies sogar wirtschaftlich und sozial vertr\u00e4glich<\/strong><\/em>\u00bb.&nbsp;<\/p>\n<p>Am Negativ-Beispiel der Energieplanung der Stadt Z\u00fcrich zeigt sich, dass offenbar der Stadtrat echten Klimaschutz nicht will! Wie lange geht es wohl, bis die Stadt Z\u00fcrich Abschied nimmt von der illegalen Klimapolitik?<\/p>\n<hr>\n<p>Die Klimakrise mit den bloss sch\u00f6nen Worten der Politik ohne ernsthafte Klimaschutz-Aktivit\u00e4ten macht auch etwas mit den Menschen, nicht nur mit jenen, die sich f\u00fcr Klimaschutz engagieren. Klimawandel gef\u00e4hrdet nachweislich die menatale Gesundheit von Menschen, ebenso besteht diese Gefahr auch f\u00fcr Menschen, die sich \u00fcber die Klimaerhitzung kundig machen und mit der Ignoranz von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik abfinden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Solastalgia \u2013 das englische Wort f\u00fcr psychischen Stress, den die Klimawandelfolgen ausl\u00f6sen: muss dies wirklich sein? Zur Wiederholung: wenn wir WOLLEN, dann k\u00f6nnen wir den Klimawandel stark begrenzen. Dann k\u00f6nnen wir auch die gesundhetlichen und pyschischen Auswirkungen reduzieren!&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im August 2018 hat Greta Thunberg in Stockholm mit Klimastreiks jeweils am Freitag begonnen. Sie wollte erreichen, was der Wissenschaft und Gemeinsinn-Engagierten in den letzten bald vierzig Jahren nicht gelungen ist: endlich ernsthafte Massnahmen gegen die Klimaerhitzung. 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